Tatort Hafenstraße und was sonst noch geschah

Borussia Dortmund hat sich an der Essener Hafenstraße blamiert – so legen es die Schlagzeilen der Sportseiten heute nahe. 2:3 gegen den Regionalligisten RWE im ersten Spiel unter Peter Bosz: Das hätte man sich tatsächlich schöner vorstellen können. Nun habe ich die Partie nicht gesehen, aber das Ergebnis spricht selbstredend dafür, dass der BVB enttäuscht hat – und der Trainer gab das unumwunden zu.

Die Schwarz-Gelben sind peinliche Testspiel-Pleiten nicht mehr gewohnt – genauso wenig wie peinliche Pokalpleiten. Was ist wohl schlimmer? Abgesehen davon, dass das erste Vorbereitungsspiel wohl immer die geringste Aussagekraft hat, fehlten der Borussia noch einige Spieler und Peter Bosz lässt wie zu erwarten sein präferiertes System einüben. Das 4-3-3 stellt eine größere Umstellung gegenüber der zuletzt unter Thomas Tuchel meistens praktizierten Dreierkette mit massivem Mittelfeld davor dar. Eine weitere Erklärung könnte womöglich ausgerechnet die neue Leichtigkeit unter Bosz sein, die im ersten Spiel vielleicht etwas zu weit um sich gegriffen hat. Sowas sollte sich sicher abstellen lassen.

Mehr Sorgen macht mir da die Transferpolitik – oder präziser formuliert die Personalsituation. Es ist ja sicher nicht so, dass sich Michael Zorc, Aki Watzke und Peter Bosz Angeboten für etwa Sebastian Rode oder Joo-Ho Park verschließen würden. Nur haben wir von solchen noch nichts gehört. Das kann dreierlei bedeuten: Es gibt tatsächlich keine Angebote. Oder die Verantwortlichen haben die Geheimhaltung optimiert. Oder aber entsprechende Gerüchte interessieren die Presse nicht so wie beispielsweise Aubas China Connection – es geht ja nicht gerade um unsere Kronjuwelen.

Die Vergangenheit lehrt uns, dass Möglichkeit 1 nicht unwahrscheinlich ist. Einen Riesenkader gilt es aber unbedingt zu vermeiden. Dass jetzt jedoch Dzenis Burnic leihweise zum VfB Stuttgart geht und Felix Passlack vermutlich nur bleibt, weil sich Raphael Guerreiro doch den Knöchel gebrochen hat, hinterlässt auch kein gutes Gefühl.

Einer meiner Wechselkandidaten wäre ja André Schürrle, unser Rekordeinkauf. Der hat sich nun ausgerechnet über Thomas Tuchel kritisch geäußert, als dessen Spezi und Wunschspieler er doch galt. Nun kann entweder das übertrieben dargestellt gewesen sein oder sich Schürrles Meinung eilig geändert haben. Abgesehen davon, dass es nie eine gute Entscheidung ist, der SportBild ein Interview zu geben: Dass Tuchel ihn nach den Leistungen der letzten Saison nicht zum Stammspieler gemacht hat, ist absolut nachvollziehbar. Bei diesem Transfer hatten wohl alle beteiligten Dortmunder vor allem das Prädikat „Nationalspieler“ vor Augen.

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Kein schwarz-gelbes Märchen

Viele BVB-Fans werden sich gestern zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder an Bajram Sadrijaj erinnert haben (mich eingeschlossen). In der Lokalpresse wurde gemeldet, dass der ehemalige Borussia-Profi am Ostwall in Dortmund einen Verkehrsunfall hatte, dem ein illegales Autorennen vorausgegangen war. Sadrijai blieb (möglicherweise dank des Airbag) unverletzt, sein BMW ist jedoch schrottreif.

Zuvor schien sich der 24-jährige still und leise von der Profikarriere in Dortmund verabschiedet zu haben. Nicht jedem dürfte aufgefallen sein, dass sein Vertrag vor der vergangenen Saison ausgelaufen war und nicht verlängert wurde. Verletzungen spielten dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Dabei hatte die Geschichte am Anfang durchaus einen Hauch Fußball-Romantik zu bieten. Bei einem Pokalspiel in Thannhausen war Bajram Sadrijaj den BVB-Verantwortlichen aufgefallen. Etwas später sollte er tatsächlich den Sprung aus dem Amateurfußball zum großen Bundesligisten schaffen. Sadrijaj wurde wohlgemerkt als Perspektivspieler geholt, der zunächst eher für die zweite Mannschaft eingeplant war. Aber 2008 sah es für ein paar Monate so aus, als könne er zumindest als Ergänzungsspieler den Kader der Bundesliga-Mannschaft bereichern.

Bajram Sadrijaj ließ zweimal aufhorchen. Im August 2008 sah er im Erstrunden-Pokalspiel in Essen die schnellste rote Karte aller Zeiten, die sogar im Guinness Buch der Rekorde steht. Doch knapp zwei Monate später hätte er das Happy End des Märchens perfekt machen können, als er beim atemberaubenden Europapokal-Rückspiel in Udine in der Verlängerung eingewechselt wurde. Der BVB hatte bekanntlich mit einem großartigen Auftritt den 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel aufgeholt. Kurz vor dem Ende der Verlängerung schoss Sadrijaj dann beherzt aufs Tor, setzte den Ball aber knapp über die Latte. An jenem Tag schien aber auch ein fast unglaubwürdiges Happy End möglich. Das Elfmeterschießen verhalf den Schwarz-Gelben wie so häufig nicht dazu.

Danach wurde es ruhig um Sadrijaj. Heute ist er vereinslos, scheint aber in der Region geblieben zu sein. Als gefallenen Star kann man ihn nicht bezeichnen, es war 2008 nur das kurze Aufblitzen eines Sternchens. Wenn man ehrlich ist gibt es Spieler, die knapp am Durchbruch scheitern, bei vielen Vereinen. Es waren jedoch schon zwei besonders intensive Momente, die man mit dem Namen Bajram Sadrijaj verbindet und sein Aufstieg wäre wirklich kometenhaft gewesen (um im Bild zu bleiben).

Natürlich ist seine unrühmliche Rückkehr in die Schlagzeilen genauso schade wie die Tatsache, dass es ein junger Spieler beim BVB nicht geschafft hat. Aber ebenso natürlich wird das immer wieder vorkommen und man kann meines Wissens nach niemand im Verein vorwerfen, Sadrijaj mehr versprochen zu haben als gehalten wurde. Es ist eine Geschichte vom Rande des Vereins, aber eine, die gerade in diesen Tagen trotzdem erzählt werden sollte.

DFB-Pokal 1.Runde / RW Essen 1-3 BVB

Start geglückt, kann man sagen. Vor 21.000 Zuschauern an der Hafenstraße gelingt ein verdienter Auswärtssieg, aber ein hartes Stück Arbeit war es schon.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Subotic, Hummels, Rukavina – Kringe, Kehl, Hajnal, Federico – Petric, Valdez.

Es war ein typisches Pokalspiel und ein typischer Saisonauftakt, bei dem selten schon alles zusammenpasst. Die erste Halbzeit war trotz leichter Dortmunder Feldüberlegenheit von den Chancen her ausgeglichen. Tamas Hajnal gelingt gleich sein erstes Pflichtspieltor für den BVB, nach schöner Flanke von Valdez. Aber nur wenige Minuten später gleicht RWE durch einen 25 Meter-Hammer aus. Ein Sonntagsschuss zwar, jedoch hätten die Rot-Weißen kurz darauf nach einem Konter sogar die Führung erzielen können. Und da deutete sich auch das Hauptmanko des BVB-Spiels an: Die junge Abwehr ist bei schnellen Gegenstößen / Kontern noch zu anfällig. Das sollte bis Leverkusen unbedingt verbessert werden.

Nach vorne war das ganz ordentlich von den Schwarz-Gelben, was man gegen einen Viertligisten aber auch erwarten sollte. Die zweite Hälfte hatte der BVB nach einigen Minuten gut im Griff. So wie Florian Kringe offenbar inzwischen seine Probleme mit Bluthochdruck. Ein ordentliches Spiel krönte er in der 59. Minute mit einem Kopfballtreffer nach Dede-Flanke. Und ein anderes ‚Sorgenkind‘ war dann in der 70. Minute nach Pass von Hajnal zur Stelle: NELSON VALDEZ macht das 3-1. Kriegt Klopp den echt nochmal hin? Ordentlich gespielt hat er früher auch schon das eine oder andere Mal, aber heute wars richtig gut UND erfolgreich.

Was ist ein Pokalspiel ohne ein bisschen Drama und Tragik? Dachte sich wohl Schiedsrichter Felix Brych und schickte kurz nach dem Tor den für den schwachen Federico eingewechselten Bajram Sadrijai nach wenigen Sekunden schon wieder vom Feld. Der Neuzugang aus Thannhausen war übermotiviert in einen Gegenspieler gerutscht – ganz klar ein zu hartes Einsteigen, aber ob es Rot sein musste? Bitter für Bajram bei seinem Pflichtspieldebüt für den BVB, aber Jürgen Klopp wird es ihm nicht nachtragen. Die Schwarz-Gelben brachten das Spiel jedenfalls ziemlich souverän über die Zeit, hatten noch weitere Chancen durch Kehl, Valdez und Hummels.

Die Lehren aus dem ersten Pflichtspiel? Tamas Hajnal dürfte wirklich zum Dreh- und Angelpunkt des Dortmunder Spiels werden, war wieder eminent wichtig. Der zweite Gewinner war natürlich Nelson Valdez, der seinen Platz im Sturm neben Mladen Petric erstmal sicher haben dürfte. Zudem zeigten Dede und Kringe ansprechende Leistungen, Rukavina konnte sich zumindest offensiv positiv in Szene setzen. Trotzdem: Leverkusen wird natürlich ein ungleich größerer Prüfstein. Wobei die es morgen bei RW Oberhausen auch nicht einfach haben dürften. Mal sehen.

Einsatz in der Hafenstraße

Es geht also los. Endlich. Natürlich meine ich nicht das Spektakel von Peking, sondern das Derby von Essen. Für die meisten Bundesligisten sollte die erste Pokalrunde ein leichter Aufgalopp sein, bevor es dann nächste Woche ernst wird. Köln hat es gestern vorgemacht. Umso schlimmer trifft es die, die Opfer der ‚eigenen Gesetze‘ des Pokals werden. Mal sehen, wen es dieses Jahr erwischt…

Vorzugsweise nicht Dortmund. Das wäre dann eine herbe Euphoriebremse. Aber die Schwarz-Gelben dürften durch die beiden Testspiele gegen RWE gewarnt sein. Ausruhen nach der harten Vorbereitung ist nicht. Personell sieht es bei den Gastgebern besser aus als beim BVB. Patrick Owomoyela scheint das Verletzungspech aus Bremen mitgebracht zu haben: Nun hat er sich einen Muskelfaserriss zugezogen und wird erneut mindestens zwei Wochen ausfallen. Rechts hinten wird deshalb Rukavina spielen, obwohl der erst am Montag wieder ins Training eingestiegen ist. Wollen wir hoffen, dass das gut geht.

Bekannt sind die längerfristigen Ausfälle von Frei und Tinga. Im linken Mittelfeld steht Buckley nicht zur Verfügung, der aber wohl ohnehin zweite Wahl hinter Kringe gewesen wäre. Für den gesperrten Kuba soll wahrscheinlich Giovanni Federico die rechte Seite übernehmen. Im Gespräch dafür war auch Neuzugang Bayram Sadrijai, der Jürgen Klopp in der Vorbereitung überzeugt hat und deshalb öfter als gedacht eine Chance in der ersten Mannschaft erhalten könnte. Mit ziemlicher Sicherheit wird er morgen immerhin auf der Bank sitzen.

Die Atmosphäre an der Hafenstraße wird hitzig sein, aber das sollte ein Klopp-Team nicht beeindrucken. Ich bin zuversichtlich, dass der Gegner nicht unterschätzt wird, und die Qualität, die Essener zu schlagen, ist trotz Ausfällen allemal vorhanden. Let the real games begin!

Pott-Derby im Pokal

Ein klangvoller Name ist das. Bei der heutigen Auslosung der ersten Runde des DFB-Pokals ist der BVB dem Reviernachbarn RW Essen zugelost worden. Da musste ich erstmal schlucken. Für die Fans beider Klubs, aber insbesondere die Essener, dürfte die Partie ein echter Kracher werden. Volle Hafenstraße garantiert, denke ich mal. Im Lostopf waren sicher Namen, die einem weniger Respekt eingeflößt hätten.

Wenn man aber mal von der ‚heißen‘ Stimmung absieht, die in Essen sicher herrschen wird, braucht man nicht gerade Angst zu haben vor diesem Gegner. Ok, beim „Halleluja-Cup“ in Wattenscheid, einem heute ausgetragenen Blitzturnier, verloren die Schwarz-Gelben nach torlosen 2 x 25 Minuten im Elferschießen gegen RWE (ebenso wie im Spiel um Platz 3 gegen den MSV Duisburg), aber der sportliche Wert dieser Veranstaltung ist nach vier Tagen Training nicht allzu hoch einzuschätzen. Die Essener haben in der abgelaufenen Regionalliga-Saison, wie unsere zweite Mannschaft, knapp die Qualifikation für die finanziell lukrativere dritte Liga verpasst und deshalb schon einige wichtige Spieler verloren – zuletzt ging der junge Niklas Andersen zu Werder Bremen. Die Mannschaft muss neu zusammengestellt werden, mit weniger Geld. Deshalb ist ein BVB-Sieg an der Hafenstraße, bei allem Respekt, natürlich eine Pflichtaufgabe.

In dieser Saison werden ja erstmals alle Pokalspiele live bei Premiere gezeigt, insofern müsste man sich eigentlich nicht mehr über die Auswahl der Free TV-Spiele aufregen, von wegen Bayern, Bayern, Bayern und so, zumal alle Teilnehmer von den Fernsehsendern die gleiche Summe erhalten. Trotzdem bin ich mal gespannt, ob ARD / ZDF auch nur ein Spiel ohne Bayern-Beteiligung zeigen, solange die im Wettbewerb sind. Das Urteil, welches Spiel in der 1. Runde attraktiver ist, RWE v BVB oder RW Erfurt v Bayern, lasse ich mal dahingestellt…