Streichs erster Streich gegen Dortmund

1. Bundesliga, 20. Spieltag / SC Freiburg 2 BVB 1

Seit 2009 hatte der SC Freiburg nicht mehr gegen den BVB gewonnen. So lange ist noch nicht mal Christian Streich im Amt und so war das 2:1 sein erster Sieg über die Schwarz-Gelben. Für Letztere endet eine weitere positive Serie in dieser ergebnis- wie gefühlsmäßig bescheidenen Saison.

Probleme mit den Flügeln

Edin Terzic hatte sich sicher etwas dabei gedacht, als er Emre Can auf die rechte Position in der Viererkette beorderte. Mateu Morey durfte in den letzten beiden Partien Thomas Meunier vertreten. Über die Qualität seiner Auftritte lässt sich diskutieren; nicht aber über die Tatsache, dass der junge Spanier gelegentlich, wie beim dritten Gladbacher Tor, zu weit eingerückt und sein Flügel verwaist war. Emre Cans Leistung heute war jedoch mindestens genauso „hit-and-miss“: Vor Freiburgs 1:0 konnte er Grifos Flanke nicht verhindern.

Das 2:0 kam über den anderen Flügel zustande, wo Jonathan Schmid nicht rechtzeitig aufgehalten wurde. Während Raphael Guerreiro auf links aber wegen seiner unbestreitbaren Offensivqualitäten über ernste Zweifel erhaben ist, dürfte die Rechtsverteidiger-Position Edin Terzic zunehmend Kopfzerbrechen bereiten. Weiterlesen „Streichs erster Streich gegen Dortmund“

Dortmunder Qualitätsmomente

1. Bundesliga, 30. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 4

Borussia Dortmund hat dem Druck standgehalten und bleibt noch ein wenig am FC Bayern dran. Nicht mal viele BVB-Fans hätten wohl mit einem 4:0 in Freiburg gerechnet. Die Partie war – natürlich – auch nicht so einseitig wie das Ergebnis aussagt. Doch wir sahen, was dabei herauskommt, wenn Klassespieler stark zusammenspielen.

Dass die frühe Führung in der 12. Minute noch nicht das letzte Wort war, damit konnte man rechnen. Schon da zeigte sich aber, wie wichtig die individuelle Qualität, die Antizipation und eben das Zusammenspiel von Marco Reus, Jadon Sancho, Raphael Guerreiro und Mario Götze sind. Man sah das später auch beim zweiten (Guerreiro lang auf Reus) und dritten Tor (Sancho auf Reus, der Jadons Laufweg gekreuzt hatte und dann quer zu Götze passte). Den Elfmeter in der 87. Minute schenkte Marco Reus dann Paco Alcacer.

In der zweiten Hälfte der ersten und der Anfangsphase der zweiten Halbzeit hatte die Borussia allerdings eher passiv gewirkt und wenig Ansehnliches Richtung Strafraum kreiert. Diese Phasen scheint es also nicht nur über 90 Minuten in München zu geben. Taktik war das so wohl auch nicht. Immerhin: Die Verteidigung, besonders Weigl und Akanji, wirkte fast immer auf der Höhe. Gute Grätschen, ein im richtigen Moment gestrecktes Bein, sorgten für viele gewonnene Bälle in der eigenen Hälfte.

Verantwortlich für den Sieg waren aber die zuvor genannten Herren. Reus, Sancho und Guerreiro müssen jetzt jede Partie machen, wenn sie verletzungsfrei und fit bleiben. Zwischen Mario Götze und Paco muss Lucien Favre wohl von Spiel zu Spiel entscheiden. Ohne derartige Qualitätsmomente wie in Freiburg wird es in Bremen und Gladbach ganz eng. Was nun das Derby entscheidet, ist wieder eine ganz andere Frage…

Die Mannschaft: Bürki – Wolf (56. Toprak), Weigl, Akanji, Diallo – Witsel, Delaney – Sancho, Reus, Guerreiro (71. Pulisic) – Götze (80. Paco Alcacer). Tore: Sancho, Reus, Götze, Paco Alcacer (EM)

Kick it like Sancho

1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 2 SC Freiburg 0

Der Sportclub ist ein von mir immer gern gesehener Gast im Westfalenstadion. Nicht nur, weil er meistens Punkte da lässt, sondern auch wegen des großen Respekts, den ich vor der Arbeit in Freiburg habe. Ich konnte nie verstehen, warum manche diesen Verein langweilig finden und am liebsten nur die Bundesliga-Dinos sehen würden, selbst wenn die ohne Ende Mist bauen. Trotzdem freut es mich natürlich, dass die Borussia mit ihrem zehnten Sieg in der Liga weiter alle auf Trab hält. Und das kam so:

Die Viererkette steht. Obwohl Manuel Akanji ersetzt werden musste, wirkten die vier Abwehrspieler weitestgehend routiniert und eingespielt. Dan-Axel Zagadou klärte bis zu seiner Verletzung da hinten beinahe alles weg. Was für eine tolle Erfolgsgeschichte nach dem schwierigen Anfang! Lukasz Piszczek und Abdou Diallo ließen sich auch auf Ausflüge nach vorne ein, was gar nicht so schlecht aussah. Und Achraf Hakimi ist ja sowieso häufig in des Gegners Hälfte anzutreffen – ohne dadurch heute defensive Problemchen heraufzubeschwören. Gegen Freiburg passte diese recht offensive Abwehrkonstellation. Ja, es war ’nur‘ Freiburg. Aber dieses Freiburg hat anderen schon enorme Probleme bereitet.

Wehe dem Gegner, der Jadon von der Leine lässt. Bekommt Englands Teenie-Hoffnung den Platz und sprüht er vor Spielfreude wie heute in einigen Szenen, dann ist er inzwischen der bessere Pulisic. Das ist nicht so schön für Letzteren, da Christian deswegen seltener spielt. Aber heute stand das ohnehin nicht zur Debatte, der US-Amerikaner fehlte mit muskulären Problemen. Sancho war dafür an beiden Toren beteiligt: Sein Dribbling im Strafraum führte zum Elfmeter, den Reus verwandelte und sein tolles Power-Dribbling in der Nachspielzeit bereitete die Entscheidung vor.

Arbeitssieg mit einem Hauch Klasse. Der Sportclub machte es den Borussen nicht einfach. Christian Streich hat es nach Anlaufschwierigkeiten auch in dieser Saison wieder geschafft, eine Mannschaft zu bauen, die sehr gut das spielt, was sie kann. Man sah aber doch, dass die Schwarz-Gelben etwas mehr können. Vor allem in der zweiten Halbzeit gab es einige schöne Spielzüge, wenn auch nicht alle in Großchancen mündeten. Marco Reus tat sein Tor gut, auch Jacob Bruun Larsen drehte nach einer unauffälligen ersten Hälfte auf. Es war aber kein Chancenreigen und Freiburg traf durch Gondorf auch die Latte, wie später Piszczek.

Mäßige erste 45 Minuten, passend zur Anti-Montagsspiele-Nicht-Stimmung auf der Südtribüne, dann der souveräne zweite, lautere Teil. Voll ok, das Ganze. Doch jetzt kommt das Derby!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Diallo, Zagadou (37. Toprak), Hakimi – Delaney, Witsel – Sancho, Reus (81. Philipp), Bruun Larsen – Götze (70. Paco Alcacer). Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Reus (EM), Paco Alcacer

 

Wer beendet die Stagnation?

1. Bundesliga, 20. Spieltag / BVB 2 SC Freiburg 2

Drittes Unentschieden im dritten Spiel der Rückserie – und Borussia Dortmund ist mittendrin in einer Phase, die man bestenfalls als Stagnation beschreiben kann. Jeder halbwegs kompetente Beobachter der Begegnung mit dem Sportclub konnte auch sehen, dass eindimensionale Erklärungsversuche wie die Unruhe um Pierre-Emerick Aubameyang viel zu kurz greifen.

Ja, der viel diskutierte Maybe-soon-to-be-Londoner stand in der Startelf. Eine logische Personalentscheidung von Peter Stöger angesichts der letzten beiden Partien ohne ihn, obwohl oder gerade weil es Aubas letztes Spiel in schwarz-gelb sein könnte. Die ARD-Sportschau listete äußerst bescheidene Leistungsdaten für den Torschützenkönig von 2017 auf: Er war am wenigsten von allen Feldspielern gelaufen und hatte nur einen Gegenspieler überspielt. Aber er hatte zumindest eine veritable Torannäherung und es hakte an vielen anderen Stellen in der Mannschaft genauso. Was nichts daran ändert, dass die meisten BVB-Fans Auba nächsten Freitag nicht vermissen würden, sollte er in Köln nicht mehr dabei sein.

20 Minuten spielte die Borussia so, wie man es in einem Heimspiel erwarten kann. Zum ersten Mal in 2018 ging sie sogar in Führung und alles hätte einen besseren Verlauf nehmen können als zuletzt. Aber die Defensivprobleme sind eben noch nicht komplett behoben und auf der Gegenseite stand eine Freiburger Mannschaft, der man einfach nur höchsten Respekt zollen kann, wie natürlich ihrem großartigen Trainer. Beim 1:1 wirkte Jeremy Toljan vor der Flanke von Kübler sehr passiv, im Strafraum stand Sahin schlecht und so kam Petersen zum normaleren seiner beiden Tore. Weiterlesen „Wer beendet die Stagnation?“

Maximilian Philipp quetscht sich ins offensive Mittelfeld

Borussia Dortmund hat sich die Dienste eines 23-jährigen deutschen U21-Nationalspielers gesichert: Maximilian Philipp kommt vom SC Freiburg und unterschreibt einen Vertrag bis 2022. Seine Qualitäten?

Er ist im offensiven Mittelfeld vielseitig einsetzbar, abschlussstark und hat eine glänzende Perspektive.

Das ist der O-Ton von Sportdirektor Michael Zorc zum Transfer. So weit, so gut. Für sich genommen ist das eine Top-Verpflichtung. Der Berliner Philipp reifte in seiner Zeit in Freiburg zum gestandenen Profi, dem jetzt der nächste Schritt zuzutrauen ist.

Reden wir über das, worüber Zorc und der Verein nicht sprechen. Zunächst die Ablöse: Laut Kicker beträgt sie 20 Millionen Euro, wobei unklar bleibt, ob das ein Sockelbetrag ist oder die maximal zu erzielende Summe nach erfolgsabhängigen Aufschlägen. Für den SC Freiburg ist es in jedem Fall der Rekordtransfer, der die nicht in Abrede zu stellende Schwächung des Teams hoffentlich abmildern kann. Maximilian Philipp hält das für ihn gezahlte Geld sogar für übertrieben. Für den BVB ist es ein beträchtlicher Betrag, den sich der Klub aber natürlich leisten kann, zumal ja leider bald noch ein großer Abgang anstehen dürfte.

Schwieriger wird die Geschichte, wenn man bedenkt, dass die Borussia letztlich 20 Millionen in einen Stand-in für Marco Reus investiert. Natürlich muss man für alle Eventualitäten planen; auch dafür, dass Marco in der kommenden Saison möglicherweise erst spät eingreifen kann. Aber stehen für die drei Positionen im offensiven Mittelfeld nicht jetzt schon mehr als genug Alternativen im Kader? Das sollte man zumindest meinen, wenn man das Talent oder die gezahlten Ablösesummen dieser Spieler betrachtet: Ousmane Dembelé, Christian Pulisic, Marco und Shinji, Emre Mor, André Schürrle und Mario Götze. Sieben Mann ohne Philipp und ohne Nachwuchskräfte, die vielleicht auch mal einen Einsatz verdient hätten.

Mir fehlt da ein wenig Problembewusstsein. Beim Verein und auch bei manchen Fans. Neuverpflichtungen werden bejubelt, aber es wird kaum darüber nachgedacht, ob wir noch einen ausgewogenen Kader haben. Oft ist es deutlich schwerer, Spieler loszuwerden als sie zu verpflichten. Die Konsequenz aus dem an sich zu begrüßenden Philipp-Transfer müsste sein, dass jene Akteure, die enttäuscht haben, gehen. Etwa André Schürrle oder Emre Mor, den man im Idealfall verleihen würde. Doch vor allem bei Ersterem dürfte ein Abgang kompliziert werden.

Wie es bisher aussieht, werden auch in diesem Jahr manche Bereiche (Mittelfeld, Innenverteidigung) übervoll besetzt, andere stiefmütterlich behandelt. Ein BVB-Verantwortlicher, es könnte Michael Zorc, aber auch Jürgen Klopp gewesen sein, äußerte einmal, dass man speziell in der Außenverteidigung dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben wolle. Das hat nur bedingt geklappt. De facto ist es einfach so, dass dort eine der größten Schwachstellen der Schwarz-Gelben liegt. Marcel Schmelzer etwa ist ein solider Spieler, aber das Standing, das er im Verein und bei einem Teil der Fans genießt, korrespondiert eher mit seiner Vereinstreue als mit seinen Leistungen. Er ist nicht schlecht, aber es ginge eben besser. Das Mindeste wäre ein ernstzunehmender Konkurrent. Denn der Offensivstil, den Peter Bosz spielen möchte, verlangt einfach nach starken Außenverteidigern.

Überraschungsteam überraschend unterlegen

1. Bundesliga, 22. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 3

Das hatte man sich deutlich schwieriger vorgestellt: Ein sehr spielfreudiger BVB ließ dem bisher so überzeugenden Aufsteiger SC Freiburg keine Chance und musste sich nur vorwerfen lassen, die Partie nicht früher entschieden zu haben. Trotz bester Gelegenheiten gelangen erst nach der Pause Tore aus dem Spiel heraus.

Drei Gedanken zum Spiel

Diese Pause tat gut. Was immer man auch über die Anforderungen an einen hochbezahlten Profisportler denkt: Der ständige Drei-Tages-Rythmus von Spiel zu Spiel fordert irgendwann seinen Tribut. Den schwarz-gelben Jungs hatte die einwöchige Pause sichtlich geholfen. Nicht nur, da taktisch gearbeitet werden konnte. Drei Spieler fielen im Wochenvergleich besonders positiv auf: Ein gesunder und fitter Raphael Guerreiro bringt Flexibilität und internationale Klasse ins Spiel der Borussia. Zum einen, weil er mit Übersicht und Präzision Standards treten kann – wie beim 1:0 zu bewundern. Zum anderen, weil er für Dynamik bis ins letzte Drittel sorgt und damit Marco Reus und Ousmane Dembelé entlastet.

Sokratis war zuletzt ungewohnt erratisch aufgetreten und hatte zudem einiges auf die Socken gekriegt. Letzteres war auch gestern der Fall, doch in der Defensivarbeit machte „Papa“ als Zentrum einer hoch stehenden Dreierkette eine gute Figur. Ebenso wie nach Guerreiros Freistoß vorne, als er per schön ins lange Eck platziertem Kopfball sein erstes Saisontor erzielte. Hilfreich für die Dreierkette war der starke Tag von Julian Weigl, der allerdings von den Freiburgern auch nicht vehement angelaufen wurde. So durchkreuzte er nicht nur manche Angriffsbemühung der Gastgeber, sondern spielte wieder seine anerkannt präzisen Pässe. Weiterlesen „Überraschungsteam überraschend unterlegen“

Ich würde so gerne ein Freiburg-Fan sein

Das Überraschungsteam der bisherigen Bundesligasaison 2016/17 ist nicht RB Leipzig, auch nicht Hertha BSC, die TSG Hoffenheim oder der Effzeh. Nein, diese Auszeichnung gebührt dem SC Freiburg, der als Aufsteiger mit 30 Punkten auf Platz 9 steht – und damit vier Punkte vor Schalke und Gladbach. Die Mittel sind klein, der Kader ist regelmäßig Selbstbedienungsladen für die Großen der Liga und auch die Randlage im Südwesten stellt keinen Standortvorteil dar – trotz gut 226.000 Freiburgern.

Und dennoch trotzt der Sportclub ein wenig den Mechanismen des verrückten Fußballgeschäfts, geht mit Christian Streich in die zweite Liga und kommt direkt zurück. Der Trainer ist nicht nur ein sympathisches Unikat, sondern auch fachlich top, wie sich in dieser Saison wieder zeigt. Das Schwarzwald-Stadion ist mit 24.000 Plätzen nicht groß, aber fast immer ausverkauft. Das Einzige, was fehlt: ein regelmäßiges Fan-Blog (oder?).

Mir ist dieser Verein in seiner Bescheidenheit grundsympathisch und ich fände einen Punktverlust der Schwarz-Gelben gegen den SC weniger schlimm als gegen jeden anderen Ligakonkurrenten. Ja, ich ertappe mich sogar dabei zu überlegen wie es wäre, Freiburg-Fan zu sein. In Tagen wie diesen wäre es leichter, die Breisgau-Kicker zu lieben als den eigenen Verein – wenn man die Wahl hätte. Es wäre leichter, als einer der Kleinen das Modell RB Leipzig zu verurteilen. Auch wenn das Argument, der BVB sei als KgaA irgendwie das Gleiche wie RB natürlich hanebüchen ist. Man könnte angesichts des Tabellenplatzes auch die Transferpolitik der Rot-Schwarzen feiern – und hätte nicht immer die Zahl 55 Millionen im Hinterkopf.

Die Bedeutung der Borussia für die Stadt Dortmund, die Region und die internationale Fangemeinde übertrifft wahrscheinlich die des SC Freiburg für sein Umfeld. Doch die unvergleichliche schwarz-gelbe Fankultur hat Schaden genommen. Es gibt keinen Grund, arrogant gegenüber den 24.000 Stadiongängern und 10.000 Mitgliedern der Breisgauer zu sein.

Natürlich: einmal Schwarz-Gelber, immer Schwarz-Gelber. Nicht nur, weil Freiburg noch weiter entfernt von meinem Wohnort im Osten der Republik ist als Dortmund. Meinen sympathischen Zweitverein gibt es ohnehin schon, er spielt um die Ecke in der Regionalliga Nordost. Aber wenn ich heute zum Fußballfan werden würde, sähe es vielleicht anders aus.

Trotzdem hoffe ich auf drei Punkte morgen – und ein faires Spiel, bei dem sich gern auch die Gastgeber achtbar präsentieren dürfen. Christian Streich hat ein Luxusproblem in der Innenverteidigung – wer spielt neben Söyüncü – und rechnet sich Chancen auf etwas Zählbares aus. Auf der anderen Seite dürfen wir vor allem gespannt sein, ob Sokratis in die Startelf zurückkehrt und Schürrle eine erneute Chance bekommt.

Kein Streichergebnis gegen Freiburg

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 3 SC Freiburg 1

Das ist der Rhythmus, bei dem man mit muss: Drei Tage nach Wolfsburg stand die schwarz-gelbe Borussia am Freitagabend schon wieder gegen den Sportclub Freiburg auf dem Platz. Respekt und Bewunderung für den Verein und Trainer Christian Streich sind bei mir gerade in Tagen wie diesen besonders ausgeprägt – das war schon vor der Partie so.

Thomas Tuchel ließ eine Elf beginnen, deren Zusammenstellung keinerlei Anlass zum Meckern bot. Eine Startelf-Chance für Mor über außen, die überfällige Rückkehr von Castro, die Heimpremiere für Götze, Piszczek nach Torerfolg erneut hinten rechts – alles richtig gemacht, auch rückblickend.

Die erste Chance hatten allerdings die Gäste: Vincenzo Grifo konnte allein vor Bürki den BVB-Keeper mit einem harmlosen Schuss allerdings nicht gefährden. Wer von den Schwarz-Gelben pure Dominanz sehen wollte, kam auch in der Folge nur phasenweise auf seine Kosten. Aber sind wir wirklich schon so arrogant, dass wir die nötig haben? Nach meinem Verständnis von Sport sind 6:0-Siege nur etwas zum Feiern, wenn sie nicht Alltag werden. Weiterlesen „Kein Streichergebnis gegen Freiburg“

Erlösung im Breisgau

1. Bundesliga, 20. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 3

Borussia Dortmund hat den ersten Schritt zurück zur Normalität geschafft. Das mag nach allem was passiert ist etwas hoch gegriffen klingen, doch der Auswärtssieg in Freiburg war zusammen mit dem Hinspiel der beste Saisoauftritt der Schwarz-Gelben in der Bundesliga. Natürlich lag das auch am Gegner, dem wir offensichtlich nicht liegen. Auch gestern offenbarte die Freiburger Abwehr Schwächen, die selbst die vom BVB in den letzten Monaten gezeigten Defizite noch überboten. Doch das zumindest vergleichsweise extrem überzeugende 3:0 zeigte jedem aufmerksamen Beobachter, was der Dortmunder Kader leisten kann. Das Wichtigste: Auch die Mannschaft selbst dürfte das gemerkt haben.

Jürgen Klopps Änderungen der Startelf – Subotic für Sokratis, Kagawa für Immobile, den Aubameyang in der Spitze ersetzte – waren nicht direkt naheliegend. Sie müssen wohl auf Trainingseindrücken beruht haben. Entscheidend daran war nur, dass Pierre-Emerick Aubameyang ganz vorne ran durfte und davon befreit war, weite Flanken schlagen zu müssen. Was sich für den Sportclub verheerend auswirkte. Auba war an allen drei Treffern maßgeblich beteiligt. Beim ersten, der für den BVB perfekterweise nach 09 Minuten fiel, war er nach einem zu kurzen Rückpass von Frantz auf Torwart Bürki zur Stelle und überließ den Ball am Ende Reus, der das leere Tor vor sich hatte. Das 2:0 nach einem perfekt getimeten Pass von Gündogan war in der Folge Auba pur und beim dritten krönte er einen Spielzug wie zu besten Dortmunder Zeiten, an dem unter anderem der eingewechselte Kuba beteiligt war.

Man konnte vom gestrigen Spiel bei sonnigem Wetter, aber nach Meinung der Gastgeber bescheidenem Rasen schlichtweg nicht mehr erwarten. Aus schwarz-gelber Sicht war es eine von Anfang an viel konsequenter und sicherer geführte Partie – schon vor dem frühen 1:0 hatte die Borussia zwei Chancen. Und ja, es wirkte auch alles viel positiver, wie von Jürgen Klopp gefordert. Sicher war die Führung, so banal das klingt, extrem wichtig. Denn der BVB konnte danach genau das machen, was ihm zuletzt selten vergönnt war: Das Spiel aus der eigenen Hälfte kontrollieren und auf Möglichkeiten zu schnellen Gegenstößen warten. Der Freiburger Offensive fehlten weitgehend die Ideen für ein Gegenrezept.

Neven Subotic fand sich nach zwei Unsicherheiten in der ersten Hälfte sehr gut in die Partie hinein und auch Shinji Kagawa machte eine solide Partie. Am ehesten könnte man hinter den sehr unauffälligen Nuri Sahin ein Fragezeichen setzen, aber in Wahrheit wäre es unfair, nach diesem Turnaround etwas zu kritisieren.

Natürlich: Niemand sollte sich dazu hinreißen lassen, die Lage jetzt plötzlich wieder rosarot darzustellen. Zum einen, weil die Freiburger gestern ein in fast allen Aspekten schwacher Gegner waren. Zum anderen, weil auch andere Klubs im Tabellenkeller im Aufwind sind: Bremen, der HSV und sogar Hertha BSC haben ebenfalls gesiegt, die ersten beiden bereits mehrfach. Huub Stevens‘ VfB wird ebenfalls ein unangenehmer Gegner sein; vom Effzeh Köln wissen wir das bereits. Trotzdem: Der Glaube an das gute Ende ist zurück in Dortmund. Das könnte entscheidend sein.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan (80. Ginter), Sahin – Kampl (68. Blaszczykowski), Kagawa, Reus (80. Mkhitaryan) – Aubameyang. Gelbe Karten: Piszczek, Kagawa. Tore: Reus, Aubameyang (2)

Ja, wir können absteigen

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 0 FC Augsburg 1

Es wird Zeit, sich mit diesem Gedanken vertraut zu machen: Leider ist es nicht so unwahrscheinlich, dass Borussia Dortmund nach 39 Jahren in der höchsten deutschen Fußballliga wieder mal absteigt. Zumindest nicht so unwahrscheinlich, wie die allermeisten Fans – und nicht nur schwarz-gelbe – bisher gedacht haben. Das ist der heutige Stand. Denn wenn man Winterpause-übergreifend die letzten Wochen betrachtet, gibt es nur zwei Klubs, die ähnlich schwach aufgetreten sind: Hertha BSC und Paderborn (auch wenn der VfB nur wenig besser war).

In der Verfassung vom gestrigen Spiel kann der BVB gegen alle anderen Teams verlieren, sogar gegen die genannten. Bis zum Gegentor lief die Partie leidlich ordentlich, die Borussia ließ wie gegen Leverkusen wenig zu, auch wenn sie sich wieder einige Fehlpässe zu viel erlaubte. Die Außenverteidiger – und diese Wiederholung macht mürbe – waren offensiv nahezu wirkungslos. Aushilfe Kevin Großkreutz machte ein besonders schwaches Spiel und leitete mit einem Fehlpass auch das Gegentor ein. Trotzdem ist sein Ausfall mit einem Muskelbündelriss eine weitere Schwächung. Schmelzer schlug eine gelungene Flanke, dafür sah er beim 0:1 am Ende der Fehlerkette zusammen mit Nuri Sahin auch besonders dumm aus. Leider kamen auch Pässe und Flanken der offensiveren Kampl und Aubameyang nicht gut, waren häufig zu lang – bei Letzterem nichts neues.

Dennoch, die Rückkehr des schnellen Auba ist einer der wenigen Lichtblicke für die Borussia. Sein Lauf führte zu Jankers Platzverweis. Er hat auch schon bewiesen, dass er treffen kann. Es wäre mal einen Versuch wert, ihn neben Immobile in einem Zweier-Sturm einzusetzen. Dass der Italiener mit seinem Kopfball aus kurzer Distanz Torwart Manninger traf, ist verzeihbar. Es war eine Aktion aus vollem Lauf – immerhin kam er zum Abschluss.

Doch insgesamt blieb am Mittwoch der Eindruck, dass die Schwarz-Gelben derzeit zu viele Schwachstellen haben – Spieler, die ihr Potenzial nicht ausschöpfen und solche, die falsch eingeschätzt wurden und werden. Auch das Kollektiv gibt zu denken: Wie die Mannschaft nach dem Gegentor und erst recht nach dem Platzverweis gespielt hat, war schwer erträglich. Auch wenn es natürlich in der letzten Viertelstunde durch Augsburgs extreme Mauertaktik nicht einfach war.

Der Abstieg ist also eine reale Gefahr. Und doch gibt es noch genügend Chancen, ihn zu verhindern. Nur zwei Punkte ist Platz 15 entfernt, auf dem der nächste Gegner SC Freiburg steht. Und der VfB spielt gegen den FC Bayern. Da es derzeit spielerisch aber an fast allem hapert, ist dieser Trost kein echter. Vielleicht fehlt dem Team auch ein wenig das Gefühl des K.O.-Systems. Letztendlich bleibt dieser Erklärungsversuch wie die meisten anderen hilflos.

Jürgen Klopp und das Team müssen dennoch weiterarbeiten, mit den Spielern, die derzeit zur Verfügung stehen. Die Personaldebatten heben wir uns also noch ein Weilchen auf. Resigniert habe er nicht, versicherte der Trainer in der Pressekonferenz vor dem Freiburg-Spiel. Großkreutz steht sechs Wochen nicht zur Verfügung, ob Piszczek oder Durm rechtzeitig fit werden, um ihn zu ersetzen, steht noch nicht fest. Bei den Gastgebern, die von den Bürgern der Stadt Freiburg gerade das Ok für ein neues Stadion gekriegt haben, fällt unter anderem Offensivmann Admir Mehmedi aus – allerdings wussten die beiden Neuen vorne drin, Petersen und Möller Daehli, bisher durchaus zu gefallen. Für einen Auswärtssieg muss beim BVB noch einiges besser werden.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz (60. Subotic), Sokratis, Hummels, Schmelzer – Sahin, Gündogan – Aubameyang, Reus (72. Kagawa), Kampl (72. Mkhitaryan) – Immobile