Wie es sich heute anfühlt, Derbysieger zu sein

1. Bundesliga, 26. Spieltag / BVB 4 FC Schalke 0

Borussia Dortmund hat den höchsten Derbysieg seit 1966 errungen – und das nach zuletzt zwei wirklich üblen Revierderbys im Westfalenstadion. Ein Grund zur Freude? Wenn man es aufs rein sportliche runterbricht: ja. Ich habe mich gefreut. Sport gibt es mit vielen oder wenigen Fans und auch ganz ohne. Vom Kick auf dem Bolzplatz über das Tennisspiel zu zweit bis zum zuletzt öfter zitierten Kreisligaspiel mit zehn Zuschauern. Dass sich das Spiel gestern auf anderer Ebene nicht so gut angefühlt hat, ist aber ebenso klar.

Football or not

Die DFL hat sich für den Wiederbeginn der Saison 2019/20 ein- und diesen durchgesetzt. Es gibt ein Konzept, das die größtmögliche Sicherheit vor Corona bieten würde, wenn sich alle daran halten. Ob größtmöglich in diesen Tagen groß genug ist, wird sich zeigen. Die Spielzeit könnte nun geordnet zu Ende gehen oder noch in einer bösen Farce enden. Die Wahrscheinlichkeit für Letzteres erhöht sich, wenn Einzelne – wie etwa Ex-Borusse und Neu-FCA-Trainer Heiko Herrlich – ausscheren. Das ist aber nicht nur eine Frage des Spitzenfußballs, sondern der gesamten Gesellschaft. Mit Sicherheit werden die Anti-Lockdown-Demonstranten mehr zur Weiterverbreitung von Covid-19 beitragen als die Bundesliga-Fußballer. Genauso wie normale, unauffällige Leute, die im privaten Umfeld selber Lockerungen beschließen, weil ihnen die soziale Distanzierung zu viel wird.

Ja, Bundesliga-Fußball ohne Fans ist Mist. Aber wäre es wirklich besser, die Saison zu annullieren und es in Kauf zu nehmen, dass Vereine pleite gehen? Das wären dann vermutlich nicht die Großen – nicht Bayern und Dortmund, auch nicht Leipzig, Wolfsburg oder Hoffenheim, sondern eher die, die versucht haben, einen für den Klassenerhalt ausreichenden Kader zusammenzustellen und dafür die Fernsehgelder eingeplant haben. Weiterlesen „Wie es sich heute anfühlt, Derbysieger zu sein“

Bitterste Derbypleite – Schalkes dreckige Revanche

1. Bundesliga, 31. Spieltag / BVB 2 FC Schalke 4

2007. Diese Jahreszahl dürfte vor allem den Blauen vor dem heutigen Derby im Kopf rumgespukt haben. Spätestens nach dem Spiel auch den Schwarz-Gelben.

Ich konnte das Spiel teilweise in Griechenland verfolgen. 2007 war ich im Stadion. Was ich damals gesehen habe, war ein astreines 2:0. Sicher, die Blauen waren danach sauer, die Stimmung war angeheizt. Aber heute: ein Feuerzeug auf Dortmunds Topspieler, krankes Plakat einiger Schalker Ultras, fragwürdiger VAR-Handelfmeter für die Gäste, harte Rote Karte gegen Reus, auch wenn es unseren Kapitän ehren mag dass er es anders sieht.

Kurz und schlecht: Der BVB hätte sportlich mehr nachzulegen haben müssen, aber die Blauen waren keine sauberen Derbysieger und der Fußball hat heute auch nicht gewonnen. Schwarz-Gelb hat mit zwei großen und ein paar kleinen Pleiten aller Voraussicht nach die Meisterschaft verspielt. Da darf man schon froh sein wenn man wenigstens im Urlaub ist.

Sancho kriegt die nächste Überschrift

1. Bundesliga, 14. Spieltag / FC Schalke 1 BVB 2

Dieses Mal ist alles anders: Der BVB hat endgültig alle Schatten der vergangenen Saison hinter sich gelassen und ist nach Bayern-Bezwinger nun auch Derbysieger. Hochverdient, ohne viel Glanz, aber mit einer umjubelten Rückkehr nach Dortmund.

Beim Eintreffen des Mannschaftsbusses am Trainingsgelände, natürlich schon im Dunkeln, erleuchtete Pyrotechnik die Szenerie. Hunderte Fans feierten, Axel Witsel und Achraf Hakimi mittendrin. Neu-Dortmunder, bei denen der Abend Eindruck hinterlassen haben dürfte. Schwarz-Gelbe, die schon länger dabei sind, fühlten sich natürlich an das erste Meisterjahr unter Jürgen Klopp erinnert.

Die Partie am Nachmittag hatte die Kräfteverhältnisse der laufenden Saison gut widergespiegelt. Natürlich kam Schalke über den Kampf, natürlich wollten die Blauen. Sie brachten Härte ins Spiel, die zum Glück nie ausuferte. Nerviger war das ewige Lamentieren der Gastgeber gegenüber dem Schiedsrichter, vor allem in der ersten Hälfte. Spielerisch zeigten sich die Blauen allerdings limitiert, vor allem offensiv. Nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Burgstaller ging da kaum noch was. In Gelsenkirchen muss man sich langsam fragen, ob da nicht auch was in der Transferpolitik schief gelaufen ist.

Die Richtigen treffen

Eine Führung im Derby ist immer erfreulich – und noch mehr, wenn sie von einem Spieler wie Thomas Delaney erzielt wird. Einem Typen, den man in einem Derby braucht und der sich diesen Treffer durch seine Entschlossenheit verdiente. Ein wuchtiger Kopfball nach einer Ecke: Solche Tore dürfte der BVB gerne noch häufiger machen. Allerdings wurden die Gäste, die zuvor dominierten und ansehnlich kombinierten, nach dem 1:0 etwas passiver, ungenauer oder übermütig. Sagen wir es so: Schalke bestimmte jetzt das Niveau.

Es mangelte an echten Torszenen. Am Ende der Partie stand die Borussia bei neun, die Gastgeber bei sechs Torschüssen – und über deren Qualität sagt diese Statistik bekanntlich noch nichts aus. Burgstaller testete Roman Bürki aus kurzer Distanz, spielte aber zuvor Hand. Neben dem Elfmeter war das die einzige Großchance der Blauen. Schalke machte in der zweiten Hälfte etwas mehr, blieb auch nach dem Ausgleich dran, war aber nicht gefährlich. Und dann kam Jadon Sancho. Der 18-jährige Engländer spielte einen Doppelpass mit Raphael Guerreiro, zog dann über links in den Strafraum und traf an Fährmann vorbei ins rechte Eck. Ein großer Treffer von ihm, der in der Woche zuvor seine Großmutter verloren hatte. Ohne Zweifel hatte dieses Derby also die richtigen Torschützen. Und mit Guerreiro erneut einen eingewechselten Scorer.

Schön zu sehen war, wie weit die Blauen derzeit von Schwarz-Gelb entfernt sind. Das tut gut, das wird man ja wohl mal sagen dürfen. Die Arbeit von Zorc, Watzke und vor allem Lucien Favre ist auch unter diesem Gesichtspunkt bewundernswert. Nach dem großartigen Freiburger 3:0 gegen Leipzig sind die Bayern zumindest bis heute Abend wieder erster Verfolger der Borussia. Alles ist möglich und derzeit fühlt sich das so richtig gut an.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Diallo, Hakimi – Witsel, Delaney – Sancho (89. Pulisic), Reus, Bruun Larsen (61. Guerreiro) – Paco Alcacer (77. Götze). Gelbe Karten: Piszczek, Hakimi, Reus. Tore: Delaney, Sancho

Nur noch vier Spiele – zum Glück!

1. Bundesliga, 30. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 0

Die sportlich gesehen enttäuschendste Spielzeit des BVB seit langem – ja, trotz der letzten unter Jürgen Klopp – geht bald zu Ende. Das ist die schönste Erkenntnis eines bis in die Nachspielzeit schwarzen Derby-Tags für Schwarz-Gelb. Die Borussia vergab auch die letzte Chance auf einen versöhnlichen Saisonausklang – ja, trotz der weiterhin möglichen CL-Qualifikation.

Schalke ging in eigener Halle verdient als Sieger vom Platz. Weil die Gastgeber länger die Mannschaft mit dem reiferen Spielaufbau waren. Weil sie mehr gute Abschlussmöglichkeiten hatten. Die ausgeglichene Zahl der Torschüsse (12:12) täuscht: Die des BVB waren harmloser, oft mit viel Hoffnung abgefeuert, manchmal eher Zufallsprodukte. Schalke gewann auch, wie Peter Stöger richtig erkannte, wegen individueller Fehler: Marcel Schmelzer verlor den Ball vor dem 0:1, die Spieler in der Freistoßmauer patzten beim 0:2. Aber das ist wirklich nicht mal die halbe Wahrheit.

Den schwarz-gelben Jungs gelang nach vorne zu wenig. Ganz wenig. Obwohl Christian Pulisic sich abmühte und in Ansätzen seine Klasse erkennen ließ. Aber fast alle anderen hatten einen gebrauchten Tag. Mal wieder, wenn es um etwas geht. Ausnahme: Roman Bürki, mal wieder. Mo Dahoud wirkte zunächst extrem engagiert, aber auch das legte sich im Laufe des Spiels. Ja, den Fehler vor dem Gegentor machte Schmelzer. Überraschung. Ist ja nicht so, dass man es nicht hätte wissen können, dass unsere Außenverteidigung nicht auf dem neuesten Stand ist. Eine Dreifach-Verneinung in einem Satz? Ja, auch das passt heute.

Dass es an ganz bestimmten Stellen – Außenverteidigung, Mittelfeldzentrale – weiter hakt, überrascht natürlich nicht. Inzwischen kann man aber auch davon sprechen, dass diese schwarz-gelbe Mannschaft ein Problem mit Topspielen hat. Mit dem Druck in diesen Spielen. Das Problem tritt nicht in jeder solchen Partie gleichermaßen auf – so fiel Leipzig positiv aus dem Rahmen. Es zieht sich auch nicht immer über 90 Minuten. Aber oft sind es die entscheidenden Momente, in denen das Team eben nicht auf der Höhe wirkt.

Man kann über die Gründe für die fehlende Druckresistenz jetzt wieder lange spekulieren. Man darf das letzte Frühjahr dabei nicht vergessen, aber es wird auch nie einen Beweis geben, dass da noch was nachhängt. Also bleibt uns nur, auf einen möglichst umfassenden Neuanfang im Sommer zu hoffen. Mit Watzke und Zorc, das wissen wir und das ist auch gut so. Aber vielleicht ohne viele andere. Und auch das könnte für alle Beteiligten gut sein. Ob Michy Batshuayi im Juli noch da sein wird? Eher unwahrscheinlich. Fehlen wird er der Borussia aber wohl schon vorher. Verletzte er sich doch in der Nachspielzeit dieses Derbys zum Vergessen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Schmelzer (86. Götze) – Sahin, Dahoud (79. Sancho) – Pulisic, Reus, Philipp (46. Schürrle) – Batshuayi. Gelbe Karte: Piszczek.

Hard Times

1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 4 FC Schalke 4

Dieser verdammte Fußball: Der FC Schalke nimmt Revanche für die Jahre zurückliegende Aufholjagd der Borussia, die in einem der großen Derbys noch zum 3:3 führte. Und die Blauen setzen mit 4:4 nach 0:4 noch einen drauf. Einem absoluten Rausch in der ersten Hälfte folgte ein ganz dicker Kater, den man schon nach dem 4:1 anschleichen spürte.

Derby-Wahnsinn

Sieht man es mal einen Moment von der neutralen Seite, dann darf man begeistert sein: Ein solches Derby gab es seit Jahren nicht mehr. Es hatte einerseits seine eigenen Gesetze, aber am Ende zeigten sich doch Muster aus den letzten Wochen. Zunächst schien es ja, als ob die Blauen übermotiviert (durch das öffentliche Abschlusstraining?) und dadurch unkonzentriert ins Spiel gingen. Ja, sie hatten die erste Chance. Aber dann zeigten die Schwarz-Gelben, was mit einer Offensivreihe aus Yarmolenko, Pulisic und einem wachen Auba sowie den zunächst formstarken Sahin und Götze möglich ist. Eine halbe Stunde lang wurden die Gäste zerlegt und vorgeführt – inklusive einem Eigentor.

S04-Trainer Dominic Tedesco muss man eins zugutehalten: Er reagierte rechtzeitig. Mit einem Doppelwechsel schon nach 34 Minuten, bei dem Goretzka und mit Harit einer der Matchwinner – so muss man es nennen – kamen. Ohne diesen Wechsel hätte der BVB wohl deutlich gewonnen. Im Gegensatz dazu wirkten Peter Boszs Einwechslungen in der zweiten Hälfte mutlos. Weiterlesen „Hard Times“

Derby wieder ohne Sieger

1. Bundesliga, 26. Spieltag / FC Schalke 1 BVB 1

Zwar gewinnt der BVB in dieser Saison das direkte Duell mit Schalke 04, aber nur wenn man mit Auswärtstorregel rechnet. In der Turnhalle sind die Schwarz-Gelben das bessere Team, vergeben aber wieder beste Gelegenheiten und müssen in Unterzahl den Ausgleich hinnehmen.

Drei Gedanken zum Spiel

Nachdem die Gastgeber über die ganze Saison deutlich hinter der Borussia standen, stellt sich die Frage: Was fehlt zum Derbysieg? Die Frage nach dem großen Ganzen also, wenn man berücksichtigt, wie wichtig diese Partie uns immer noch ist. Die erste Antwort hat sich bereits in der Einleitung angedeutet: Die Schwarz-Gelben müssen kaltblütiger bei der Chancenverwertung werden. In einem Derby darf Auba in aussichtsreichster Position einfach nicht querlegen, auch wenn das andererseits von Mannschaftsgeist zeugt. In anderen Szenen verhinderten aber auch das Können von Fährmann oder schlicht unglaubliches Pech einen Treffer. Ousmane Dembelés Schuss an den Innenpfosten war wahrscheinlich Millimeter davon entfernt, ins Tor anstatt wieder zurück zu springen.

Die Zahl der großen Chancen war allerdings recht überschaubar. Größer als beim Gegner in jedem Fall, aber vielleicht fehlt für solche Partien neben den letzten paar Prozent Glück und Einstellung auch noch ein klein wenig Qualität. Hätte Marco Reus gespielt oder Christian Pulisic etwas länger… Insofern macht auch die Verpflichtung von Mahmoud Dahoud Sinn, wenn er bald für das extra bisschen Kreativität sorgen kann. Weiterlesen „Derby wieder ohne Sieger“

Countdown zum Derby: Noch 1 Tag

Michael Zorc, Julian Weigl und Roman Bürki haben uns erklärt, wie wichtig ihnen das Derby ist. Nun müssen wir das nur noch morgen auf dem Platz sehen. Viele Gründe daran zu zweifeln gibt es nicht: Direkt nach der Länderspielpause scheint mir ein guter Zeitpunkt für das Spiel der Spiele zu sein. Auch wenn der eine oder andere viel unterwegs war.

Die Pressekonferenzen der Trainer haben noch die eine oder andere neue Info erbracht. Thomas Tuchel verriet heute, dass André Schürrle und Erik Durm verletzungsbedingt ausfallen. Schürrle hat sich bei seinem erfolgreichen Auftritt in Baku wehgetan, Erik im Training. Kein Grund zur Besorgnis, nur in mindestens einem Fall schade fürs Derby. Tuchel äußerte zudem, dass Shinji Kagawa frischer als Christian Pulisic vom Nationalteam zurückgekommen ist. Hinweis oder Täuschungsmanöver?

Generell hat man den Eindruck, dass der BVB-Trainer genau weiß, auf was es morgen ankommt. Doch den hatte man meistens vor den Spielen. Trotzdem schön, wie Thomas Tuchel die Derbyatmosphäre auf den Punkt bringt:

Die Entscheidungen sind noch einen Tick wichtiger. Jeder weiß, dass jeder Fehler entscheidend sein kann und man ihn erst in einem Jahr wieder korrigieren kann.

Gestern hatte auch Schalkes Markus Weinzierl noch nicht alle Karten aufgedeckt: Sead Kolasinac und Eric Maxim Choupo-Moting waren ebenfalls angeschlagen von ihren Länderspielen zurückgekehrt und der Trainer konnte noch nicht sagen, ob es bis morgen reicht. Der lange verletzte Spanier Coke wäre „nur im Notfall“ eine Option.

Mancherorts wurde in den letzten Tagen über das steigende oder ausbleibende Derbyfieber diskutiert. Ich bin zwar mit einigem, was den sogenannten „modernen Fußball“ ausmacht, nicht einverstanden. Aber trotzdem oder gerade deswegen und nach der Länderspielpause noch mehr freue ich mich auf dieses Derby. Und habe kein schlechtes Gefühl!

Countdown zum Derby: noch 3 Tage

Reinhard Rauball spricht vom emotional wichtigsten Spiel der Saison – und „das hat sich über die Jahre auch nicht abgenutzt“. Da will ich dem BVB- und DFL-Präsidenten nicht widersprechen, denn am Samstag zur besten Fußballzeit ist Derby in Gelsenkirchen. Natürlich darf darüber diskutiert werden, ob Partien gegen den FC Bayern nicht ähnlich aufgeladen sind. Rauball hält sie „rein sportlich und wirtschaftlich“ aktuell für wichtiger als das Revierderby. Das mag in der Regel so sein, aber das 150. Aufeinandertreffen von BVB und S04 ist auch in dieser Hinsicht für beide Klubs eminent wichtig: Für die Schwarz-Gelben geht es um Platz 2 oder zumindest um die direkte CL-Quali, für die Blauen darum, 2017/18 überhaupt europäisch spielen zu dürfen.

Grund genug, im Vorfeld all das aufzugreifen, was eine Erwähnung wert ist und mich noch mehr ins Derbyfieber zu schreiben. Während Thomas Tuchel und Hans-Joachim Watzke gerade Lobeshymnen auf Ousmane Dembelé anstimmen, hätte Schalke-Trainer Markus Weinzierl gerne bessere Spieler – so einen wie Aubameyang beispielsweise. Ousmane oder Auba? Mein Lieblingsschütze für das Siegtor wäre ja ‚Papa‘ Sokratis, aber egal!

Zur Folklore vor einem Revierderby gehört leider, dass sich gewaltbereite Fans verabreden – im aktuellen Fall wohl aus dem BVB-, S04- und Effzeh-Umfeld. Doch die Polizei bekam glücklicherweise Wind von der am Flughafen Weeze geplanten Konfrontation. Außerdem sind gefälschte Tickets für das Spiel in der Turnhalle aufgetaucht.

Die Personalfragen vor dem Derby scheinen bei der Borussia weitgehend geklärt – sofern es darum geht, wer in der Lage ist, im Kader zu stehen. Für Marco Reus kommt die Partie wohl zu früh. Sven Bender und Nuri Sahin trainieren dagegen wieder voll, nachdem sie letztes Wochenende für das Spitzenspiel der zweiten Mannschaft gegen Viktoria Köln (2:3) absagen mussten. Julian Weigl sollte spätestens bis Samstag wieder voll belastbar sein, obwohl er für das Länderspiel in Aserbaidschan ausgefallen war.

Bleibt die Personalie André Schürrle. Dortmunds Rekordtransfer überzeugte in Baku, tut das aber im Verein eher selten. Manche Medien wollen nun leise Kritik am BVB-Trainer aus seinen Worten nach dem Länderspiel herausgehört haben. Thomas Tuchel wird sich davon hoffentlich nicht beeinflussen lassen. Was die anderen offensiven Schwarz-Gelben machen, ist einfach gefährlicher als das, was Schürrle bisher für die Borussia gezeigt hat. Sollte natürlich er am Samstag den Siegtreffer erzielen, könnte sich sein Standing schnell verbessern…

Wenn es kein Derby wäre

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 0 FC Schalke 0

Hätten sich gestern nicht Borussia Dortmund und Schalke gegenübergestanden, sondern etwa Darmstadt und Freiburg, würde man die Begegnung mit dürren Worten abhaken: Typisches Kampfspiel, wenig Torszenen, immerhin bemüht haben sie sich. Nach dem Duell eines Bayern-Jägers gegen seinen stets ambitionierten Rivalen sah es nicht aus. Da es aber doch ein, oder besser das Derby war, hielt die Spannung natürlich bis zuletzt.

Es war laut, es gab den üblichen Kindergarten auf den Tribünen und im Spiel ging es hart zu. Thomas Tuchel wie Markus Weinzierl hatten ihre Teams auf mehreren Positionen verändert. So begannen beim BVB etwa Pulisic und Dembélé auf den Außen sowie der Derby-erfahrene Kagawa. Die junge Borussia fand sehr schwer ins Spiel und wurde von Dr. Felix Brychs Zweikampfbewertung in den ersten 20 Minuten auch nicht begünstigt.

Man merkte den Blauen den Aufwind an. Vor allem gelang es ihnen zunächst, das numerische Übergewicht im Mittelfeld, bedingt durch die Dreierkette hinten, auszunutzen. Thomas Tuchels Entscheidung für potenziell schnelle, trickreiche Außen war daher absolut verständlich – doch in der ersten Hälfte funktionierte auch das nicht. Schalke wirkte zwar in der ersten halben Stunde reifer und der Ball lief bei ihnen besser, doch eine echte Chance konnten auch sie nicht verbuchen. Weiterlesen „Wenn es kein Derby wäre“

Tuchel macht das Derby spannend

1. Bundesliga, 29. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 2

Von der Spannung her war das heute ein Derby wie in besten Zeiten – letztlich eng, mit Toren und Gesprächsstoff. Ob ihm von Dortmunder Seite die Bedeutung beigemessen wurde, die ihm zustand? Acht Mal Rotation ist schon heftig. Einiges konnte man nachvollziehen – die Pause für Aubameyang, den viel beschäftigten Mkhitaryan, für Schmelle. Ebenso die Einsätze für Pulisic oder Ginter. Aber ein Moritz Leitner, der ohnehin Wochen nicht gespielt hat, im Derby? No way.

Die erste Hälfte deutete an, wie die Partie mit einem BVB in Normalbesetzung wohl geendet hätte. Spielaufbau und -kultur waren bei den Gastgebern kaum erkennbar. Die Härte hatten die Blauen, kaum unterbunden von Schiedsrichter Zwayer, trotz mehrerer Ellbogenchecks. Die Borussia hätte mit einer zupackenderen Herangehensweise plus ein, zwei entscheidenden Pässen das Spiel in dieser Phase womöglich schon entscheiden können.

In der zweiten Halbzeit hatte Schalke zweimal eine Antwort auf Dortmunder Tore parat. Shinjis frechem Lupfer über Fährmann und Ginters Kopfball nach Ecke standen ein Strafraumgewusel-Tor von Sané und ein diskussionswürdiger Elfmeter von Huntelaar gegenüber. Letzterer sammelte wohl übrigens bei keinem Schwarz-Gelben Sympathiepunkte.

Der BVB hatte im Anschluss noch einige Gelegenheiten, auch die Gastgeber spielten munter mit. Doch es bleibt das Gefühl, dass hier deutlich mehr zu holen gewesen wäre. Wie hätte Thomas Tuchel wohl aufgestellt, wenn gestern der VfB triumphiert hätte? Vielleicht ist man aber in einer Woche, in der Jürgen Klopp in Dortmund war, auch nur besonders empfindlich, was die Emotionalität – oder deren Fehlen – rund um ein Derby angeht. Sollte die Rotation heute zum Weiterkommen am Donnerstag führen, wäre ja auch fast alles wieder gut.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Bender, Sokratis, Hummels (46. Mkhitaryan), Durm – Sahin, Leitner (73. Aubameyang) – Pulisic (73. Gündogan), Kagawa – Ramos. Gelbe Karten: Sahin, Sokratis, Durm. Tore: Kagawa, Ginter