Geordnete Verhältnisse

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1. Bundesliga, 11. Spieltag / BVB 1 Bayern München 3

Sechs (bzw. vier) Punkte Vorsprung für den FC Bayern – so ist es, so war es, so wird es immer sein. Nach dem Topspiel sind die Kräfteverhältnisse geklärt, die Liga wieder in ‚bester‘ Ordnung. Wenigstens die vorschnelle Taktikdiskussion dürfte nun abebben; zu deutlich waren beim BVB die fehlende Qualität in der Defensive und die schwache Chancenverwertung.

Die Schwarz-Gelben müssen wegen der gezeigten Leistung nicht in Sack und Asche gehen. Im Gegensatz zu den schwachen Auftritten gegen schwächere Teams in den letzten Wochen war das gestern eine klare Steigerung. Doch gegenüber Bayern fehlen die entscheidenden Prozente. Es war natürlich richtig, etwas tiefer zu stehen als zuletzt. Allerdings waren die Borussen dafür nun streckenweise und besonders in der ersten Hälfte nicht nah genug dran an den Gästen. Hier den richtigen Mittelweg zu finden ist gegen ein Spitzenteam wie den FCB schwer bis unmöglich.

Eine Frage der Qualität und der Besetzung

Schauen wir uns die Gegentore an, dann werden die Probleme deutlich. Natürlich ist Arjen Robben ein Topspieler und das 0:1 gut gemacht. Aber Schmelzer und Toprak sind eben auch nicht in der Lage, Vorlage und Schuss zu verhindern. Dass sich die Besetzung der Außenverteidigung derzeit problematisch darstellt, ist ja nicht neu. Wie schon nach dem CL-Spiel geschrieben: Marc Bartra ist für mich erste Wahl neben Sokratis. Außen muss Peter Bosz andere Optionen finden. Jeremy Toljan machte es gestern nach seiner Einwechslung besser als zuletzt. Bezeichnenderweise fiel das 0:2 gerade dann, als Sokratis draußen behandelt wurde. weiterlesen

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Dortmund entspannt nur drei Tage

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1. Bundesliga, 10. Spieltag / Hannover 96 4 BVB 2

In Hannover hat der BVB nicht immer gut ausgesehen, doch das gestrige Spiel fiel gegenüber den üblichen Auftritten dort ab. Der Noch-Tabellenführer ließ sich im Niedersachsenstadion defensiv ein ums andere Mal düpieren, ohne das diesmal offensiv wettmachen zu können. Dennoch hätte dieses Spiel anders laufen können – es war nicht so, dass die Gastgeber dominierten.

Peter Bosz muss handeln

Der Trainer und Sportdirektor Zorc versuchten nach der Partie, die von den Medien unvermeidlich wieder gestellte Systemfrage abzuwimmeln. Schlechte Zweikämpfe, fehlende Aggressivität und pomadiges Spiel seien für die Pleite verantwortlich gewesen. Man sollte diese Frage tatsächlich nicht oberflächlich diskutieren. Wir wissen schließlich nicht, was Bosz und sein Team den Spielern im Training und den Besprechungen mitgeben.

Tatsache ist aber, dass die Viererkette immer wieder, nicht nur in Hannover, ausgehebelt und mit einfachen Mitteln überspielt wird. Da genügen oft lange Bälle, wenn die Angreifer schnell genug sind. Viel zu oft stehen die Schwarz-Gelben dann Mann gegen Mann oder sind sogar in Unterzahl. Schnelligkeitsvorteile haben wir meistens auch nicht. Selbstverständlich ist an diesem Dilemma das von mir auch letztes Wochenende kritisierte Mittelfeld mit schuld. Der springende Punkt: Wenn die Spieler wiederholt nicht in der Lage waren, hinten besser abzusichern, muss sich Peter Bosz etwas einfallen lassen – ob er dafür grundlegend sein System ändern muss, ist eine ganz andere Frage. weiterlesen

War das die Rückkehr des wahren BVB?

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DFB-Pokal, 2. Runde / 1. FC Magdeburg 0 BVB 5

Ein Unterschied wie Tag und Nacht: Gegenüber der Partie in Frankfurt wich die extreme Konfusion der Defensive einer weitestgehend souveränen, spielerisch flüssigen Vorstellung der gesamten Mannschaft. Hing das nur mit zwei Klassen Differenz zusammen?

Magdeburg war kein Aufbaugegner

Es liegt nicht nur am grandiosen Support der Gastgeber, dass man den FCM nicht unterschätzen sollte. Hervorzuheben ist der trotzdem. Das war auch schon zu Regionalliga-Zeiten so, als ich die Magdeburger Fans auswärts im Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam-Babelsberg erlebt habe. Laut und mit damals tadellosem Benehmen. Inzwischen ist der Verein Tabellenzweiter der 3. Liga und hat durchaus Zweitliganiveau.

Deshalb braucht man die Leistung der Schwarz-Gelben gestern nicht klein zu reden. Es gab eine Phase Mitte der ersten Halbzeit, in der die Magdeburger das Spiel offen gestalten konnten und drohten, gefährlich zu werden. Die Borussia überstand diese unbeschadet und schaffte es bald, das Geschehen wieder zu diktieren. Dass es erst eine Auswechslung brauchte, um den Führungstreffer zu erzielen, ist nicht mehr als ein Detail. Das Tor war neben Schnellstarter Castro genauso den glänzend aufgelegten Yarmolenko und Isak zu verdanken.

Endlich ist der Aubameyang-Ersatz da

Natürlich steht auch Alexander Isak unter dem Generalverdacht, dass es gegen einen Drittligisten eben leichter ist zu glänzen. Man kann diese Behauptung nicht unmittelbar entkräften, sondern frühestens am Samstag in Hannover. Gestern aber legte er den ersten Treffer vor, den zweiten erzielte er selber, nachdem er den Spielzug auch mit eingeleitet hatte. Isak bewegte sich gut und zielstrebig. Was man unabhängig vom Gegner sagen kann: Alexanders Passspiel ist mindestens so gut wie das von Auba. weiterlesen

Derby wieder ohne Sieger

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1. Bundesliga, 26. Spieltag / FC Schalke 1 BVB 1

Zwar gewinnt der BVB in dieser Saison das direkte Duell mit Schalke 04, aber nur wenn man mit Auswärtstorregel rechnet. In der Turnhalle sind die Schwarz-Gelben das bessere Team, vergeben aber wieder beste Gelegenheiten und müssen in Unterzahl den Ausgleich hinnehmen.

Drei Gedanken zum Spiel

Nachdem die Gastgeber über die ganze Saison deutlich hinter der Borussia standen, stellt sich die Frage: Was fehlt zum Derbysieg? Die Frage nach dem großen Ganzen also, wenn man berücksichtigt, wie wichtig diese Partie uns immer noch ist. Die erste Antwort hat sich bereits in der Einleitung angedeutet: Die Schwarz-Gelben müssen kaltblütiger bei der Chancenverwertung werden. In einem Derby darf Auba in aussichtsreichster Position einfach nicht querlegen, auch wenn das andererseits von Mannschaftsgeist zeugt. In anderen Szenen verhinderten aber auch das Können von Fährmann oder schlicht unglaubliches Pech einen Treffer. Ousmane Dembelés Schuss an den Innenpfosten war wahrscheinlich Millimeter davon entfernt, ins Tor anstatt wieder zurück zu springen.

Die Zahl der großen Chancen war allerdings recht überschaubar. Größer als beim Gegner in jedem Fall, aber vielleicht fehlt für solche Partien neben den letzten paar Prozent Glück und Einstellung auch noch ein klein wenig Qualität. Hätte Marco Reus gespielt oder Christian Pulisic etwas länger… Insofern macht auch die Verpflichtung von Mahmoud Dahoud Sinn, wenn er bald für das extra bisschen Kreativität sorgen kann. weiterlesen

Große Punkte in großem Spiel

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1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 6 Bayer Leverkusen 2

Man kann ja gegen Leverkusen sagen was man will, aber die Spiele unserer Borussia gegen die Werkself sind immer auf die eine oder andere Weise unterhaltsam. An diesem Samstag sahen wir die womöglich beste Partie mit BVB-Beteiligung in dieser Saison. Was nicht nur am deutlichen Sieg lag, sondern auch daran, dass die Gäste zweimal zurückkamen und die Schwarz-Gelben so weiter anstachelten. Deshalb kann man ihnen zugestehen, dass der Sieg vielleicht ein Tor zu hoch ausfiel.

Drei Gedanken zum Spiel

Thomas Tuchel hat die derzeitige Idealformation gefunden. Ob die nun mit Dreierkette hinten auflaufen MUSS, sei mal dahingestellt. Wesentlich scheint eher, dass Guerreiro und Durm Marcel Schmelzer offensive Qualitäten voraushaben und mit denen mehr gegnerische Spieler binden. Während zentral Gonzalo Castro in guter Form eine Entlastung für Julian Weigl ist. Über die geniale Offensivreihe mit Reus, Dembelé und Auba müssen wir keine Worte verlieren. Kein Wunder, dass die Stimmung offensichtlich prächtig war wie vor der Südtribünen-Sperrung lange nicht. Der Wermutstropfen: Marco Reus musste mit einer Muskelverletzung ausgewechselt werden und fehlt ausgerechnet gegen Benfica. Erster Kandidat für seinen Platz – und ich hoffe Tuchel sieht das genauso: Christian Pulisic, nicht nur wegen seines Tores.

Reus‘ Verletzung ist das Stichwort: Nicht zum ersten Mal gegen den BVB agierte Leverkusen hart an der Grenze. Euphemistisch könnte man von „robustem Einsatz“ sprechen. Oder man sieht es als Mittel zum Zweck, die Dortmunder Feintechniker zu verunsichern. Um es klar zu sagen: Solche Mittel sind legitim, bis der Schiedsrichter pfeift. Doch der muss das dann auch tun. Und nicht wie Christian Dingert ein klar gelb-rot-würdiges Einsteigen von hinten durchgehen lassen, wie im Fall von Karim Bellarabi gegen Dembelé.

Sechs Tore gegen Abwehrchef Toprak. Bekanntlich wechselt der Leverkusener Innenverteidiger im Sommer zur Borussia. Werbung für sich war das gestern natürlich nicht. Zwar war Toprak bei den meisten BVB-Toren nicht der Hauptschuldige, doch gut organisiert wirkte die Gäste-Defensive nur gelegentlich. Gerade bei Standards zeigte sie sich erstaunlich anfällig. Nun ist auch das nicht in erster Linie Toprak schuld, doch als Ältester in der Viererkette konnte er zumindest keine Ruhe reinbringen. Blicken wir dagegen auf die momentane BVB-Abwehrreihe, hat Marc Bartra durch die jüngsten Erfolge an Sicherheit dazu gewonnen. Es mag noch eine Momentaufnahme sein, aber seine Pässe haben schon fast Hummels-Qualität.

Die nächste Saison wird in dieser Hinsicht spannend. Gesetzt den Fall, dass Sokratis bleibt – was wir wohl alle hoffen – darf sich auch Ömer Toprak seines Stammplatzes nicht sicher sein. Was ich nicht schlimm finde. Nur die Summen, die wir auf der Ersatzbank geparkt haben, die sind beachtlich.

Mit dem Sieg hat die Borussia nun diesmal eine Leipziger Vorlage genutzt und gleichzeitig einen potenziellen Konkurrenten endgültig abgehängt. Frankfurt und Köln dürften uns nicht mehr gefährlich werden; bleiben Hoffenheim und Hertha BSC. Und nun hoffen wir am Mittwoch erst mal auf ein weiteres großes Spiel.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bartra – Durm, Weigl, Castro, Guerreiro – Dembelé (73. Kagawa), Reus (46. Pulisic) – Aubameyang (81. Schürrle). Tore: Dembelé, Aubameyang (2), Pulisic, Schürrle (EM), Guerreiro

Dortmund verdaddelt Platz 2

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1. Bundesliga, 20. Spieltag / SV Darmstadt 98 2 BVB 1

Alle Warnungen haben nichts genutzt: Zwischen Pokalfight und Champions League-Achtelfinale hat es der BVB nicht vermocht, genügend Energie für Darmstadt aufzubringen. Viel zu selten dominierten die Schwarz-Gelben die Partie beim Tabellenletzten und ließen so etwas wie Spiellaune aufblitzen. Die Gastgeber ließen sich auch vom Ausgleich kurz vor der Pause nicht entmutigen und schlugen in der 67. Minute zurück.

Drei Gedanken zum Spiel

Thomas Tuchel hatte schon im Vorfeld von einer Frage der Mentalität gesprochen. Seine Mannschaft hat die falsche gezeigt. Es wäre zu billig, die Schuld daran dem Trainer zu geben, à la „er erreicht das Team nicht mehr“. Viele Spieler müssen sich nach dieser Partie hinterfragen. Man kann auch in Darmstadt verlieren, aber es war nicht mal unglücklich. Viel zu viele Fehlpässe, Ballverluste und unerklärliche Passivität – wie beim 0:1 – kennzeichneten heute das BVB-Spiel.

Nennen wir ruhig einige Namen: Sokratis war gegenüber dem Leipzig-Spiel erneut nicht wiederzuerkennen. Julian Weigl gelang es nicht, das Geschehen aus dem defensiven Mittelfeld zu ordnen. Potenziell kreative Spieler wie Raphael Guerreiro und Marco Reus blieben weit unter ihren Möglichkeiten, auch wenn sie mit dem schönen Ausgleich respektive zwei Gelegenheiten auffällig wurden. Letztlich fehlen der Borussia für solche Begegnungen mit einem um alles kämpfenden Gegner auch die Führungsspieler. Wenn es beim heutigen Kapitän Reus nicht läuft, reißt er auch niemand anderen mit. Es müsste auch gar nicht der eine Leader sein; die Rolle können gerne auch mehrere übernehmen. Aber wer fällt uns da ein? Guerreiro nicht und Kagawa oder Schürrle, die später kamen, schon gar nicht. weiterlesen

Es ist doch nur Fußball, aber trotzdem

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1. Bundesliga, 16. Spieltag / BVB 1 FC Augsburg 1

Wieder gerät die Borussia in Rückstand, wieder muss sie sich in ein Spiel zurückkämpfen. Dank defensiver wie offensiver Unzulänglichkeiten reicht es ein Tag nach dem Vereinsgeburtstag nur zu einem Unentschieden gegen Augsburg.

Drei Gedanken zum Spiel

Was ist falsch an der guten alten Viererkette? Die Idee der von Thomas Tuchel zuletzt häufig aufgebotenen Dreierkette ist klar: Im Mittelfeld soll gerade gegen tief stehende Gegner ein Übergewicht geschaffen werden. Doch was nutzt es wenn man immer in Rückstand gerät? Gerade in einer nicht eingespielten Abwehr ist es hilfreich, die Außenverteidiger immer an seiner Seite zu haben. Ohne Sokratis ist die Dreierkette ein Experiment am offenen Herzen.

Die Sache mit dem Schiedsrichter. Eine zweischneidige Geschichte. Einerseits wurde der BVB in den letzten beiden Partien eindeutig benachteiligt. Gestern hätte Guido Winkmann zwei Elfmeter für Schwarz-Gelb geben können, einen davon müssen. Doch vielleicht hat die exzessive Debatte, die von den Medien an den Verein herangetragen und dort aufgegriffen wurde, geschadet. Wenn man an so etwas wie unterbewussten Trotz bei den Unparteiischen glaubt. Nicht hilfreich waren gestern auch die unbegründeten Proteste von Schmelle und Mario Götze vor dem Gegentreffer, mitten im Augsburger Angriff. Ob sie das Tor begünstigt haben, ist noch mal eine andere Frage.

Performer, Teilzeit-Performer und Nicht-Performer. Die Borussia spielt derzeit zu selten geschlossen auf höchstem Niveau. Greifen wir mal ein paar Akteure raus: Mario Götze lässt zu selten seine frühere Spritzigkeit aufblitzen. Shinji Kagawa war gestern am Tor beteiligt, aber sonst an nicht viel. Selbst Ousmane Dembélé blühte erst in der zweiten Hälfte aus. Und Schürrle entwickelt sich langsam zu einem Unglücksvogel, wie es Jürgen Klopp vielleicht ausdrücken würde. Nach seinem Tor im Heimspiel gegen Madrid gelingt ihm kaum noch was. Auch kein Schuss aufs Tor aus aussichtsreichster Position.

Nun ist Weihnachten. Vorher könnte einer der beiden Spitzenklubs auf zwölf Punkte davonziehen. Die Meisterschaft ist passé. Die Hoffnung: keine Verletzten in der Winterpause. Und immerhin gab es doch ein Weihnachtsgeschenk: Julian Weigl hat bis 2021 verlängert.

Nichts Neues in Sinsheim – aber spannend war’s

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1. Bundesliga, 15. Spieltag / TSG Hoffenheim 2 BVB 2

Der BVB kommt nach teils selbst-, teils fremdverschuldeten Nackenschlägen zweimal zurück, spielt dabei 50 Minuten in Unterzahl. Die nötige Energieleistung führt dazu, dass die Gastgeber in Hälfte 2 mehr Ballbesitz haben. Kurz vor Schluss vergibt die TSG die Chance zum Sieg, der aber nicht gerecht gewesen wäre.

Drei Gedanken zum Spiel

We were robbed. Man muss den 27-jährigen Schiedsrichter Benjamin Brand nicht gleich in eine Reihe mit Hartmut Strampe, Michael Weiner und Wolfgang Stark stellen. Doch in der Partie gegen die gewohnt unsauberen Hoffenheimer hat er die Borussia zweimal massiv benachteiligt. Vor dem 1:2 schubste Sandro Wagner Rückkehrer Sven Bender im entscheidenden Moment weg. Sonst wäre vermutlich ‚Manni‘ zum Kopfball gekommen – oder zumindest Wagner nicht so frei. Es war natürlich nur ein Allerweltsfoul im Strafraum – aber eines, das Stürmern immer abgepfiffen wird.

Noch eklatanter die zweite Fehlentscheidung: Von anderen fragwürdigen Zweikampfbewertungen fangen wir nicht an, aber diese hätte genau andersherum ausfallen müssen. Marco Reus ging, schon mit Gelb belastet, als defensiver Akteur in ein Laufduell mit Nadiem Amiri. Wie Fernsehbilder beweisen, zieht Amiri Reus am Trikot. Dadurch kommt Marco nach mehreren Sekunden aus dem Tritt und am Ende Amiri zu Fall. Ursache und Wirkung sind zumindest im Fernsehen unstrittig zu erkennen – doch weder Schiri Brand noch sein nicht weit entfernter Assistent sehen die Szene so. Es war auch ‚geschickt‘ gemacht vom Hoffenheimer, der von unten zieht, was womöglich schwieriger zu sehen war. Selbstredend gibt Amiri das Foul nicht zu.

Would the Real Roman please stand up! Im Bernabeu war er sensationell, doch in der Bundesliga zeigt sich, warum Roman Weidenfeller nicht mehr regelmäßig im BVB-Tor steht. Dass das nur fehlende Spielpraxis ist, glaube ich nicht. Natürlich, vor dem 0:1 hebt ein noch von einem Zusammenprall angeschlagener Matthias Ginter das Abseits auf und vor dem 1:2 ereignet sich besagtes Foul von Sandro Wagner. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass Weidenfeller beim ersten Gegentreffer zwischen dem Tor und dem heraneilenden Uth strandet und beim zweiten den Ball fast schon durch die Hände rutschen lässt. Bei allen Verdiensten hat mMn eine Vertragsverlängerung mit Roman keine Priorität. Inzwischen scheint er große Gegner oder große Momente wie ein Elfmeterschießen für Höchstleistungen zu brauchen.

Punktgewinn dank Batman and Fantomous: Schön zu sehen, dass Superstars oder Bald-Superstars wie Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé keine Champions League für starke Auftritte brauchen. Auch sie haben schwächere Partien, doch die gestern gehörte nicht dazu. Wann hatten wir seit Tomas Rosicky einen derart dribbelstarken Spieler wie Ousmane? Es waren ja nicht nur die tollen Vorarbeiten für Mario Götzes erstes Liga-Saisontor und Aubas 16., womit Letzterer nun vier Treffer vor Modeste liegt. Für die Hoffenheimer Abwehrreihen war Ousmane phasenweise ein Phantom. Ich bekenne: Dembélé ist noch besser als ich es mir vorgestellt habe. Und natürlich war auch Aubas Heber toll gemacht.

Leider ist nun fraglich, ob wir das Duo beim letzten Spiel vor Weihnachten, am Dienstag gegen Augsburg, noch mal gemeinsam sehen werden. Schließlich wurde ‚Ous‘ nach mehreren Wirkungstreffern verletzt ausgewechselt. Trotzdem ist ein Heimsieg gegen Augsburg, die gerade Dirk Schuster entlassen haben, natürlich Pflicht, um nach oben nicht wieder abreißen zu lassen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Bender, Bartra – Pulisic (83. Ramos), Weigl, Götze, Schmelzer – Dembélé (69. Mor), Reus – Aubameyang (90. +2 Aubameyang). Gelbe Karte: Bartra. Gelb-Rote Karte: Reus. Tore: Götze, Aubameyang

Schwarz-gelbe Pfeifenallergie

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1. Bundesliga, 12. Spieltag / Eintracht Frankfurt 2 BVB 1

Mit Wolfgang Starks Pfeife hatte die schwarz-gelbe Borussia schon häufiger Probleme. Vielleicht pfeift der bayerische Schiedsrichter einfach zu schrill und den unseren klingeln die Ohren. Besonders der Anpfiff scheint gefährlich: Stark bläst zur zweiten Halbzeit, wenig später steht es 0:1. Eine gute Minute nach dem Ausgleich fällt das 1:2. Das ist die humorvolle Sichtweise, die aus gutem Grund etwas gezwungen erscheinen mag. Ganz ernsthaft deshalb die drei Gedanken zum Spiel in Frankfurt.

Defizite auch bei der Einstellung. Thomas Tuchel nannte die Vorstellung „ein einziges Defizit“ und bezog dabei auch gleich die Trainingswoche seit Mittwoch mit ein. Damit meint er auch die Einstellung. Man kann sich ja gegen diese Eintracht wirklich schwer tun. Was Niko Kovac seit den Relegationsspielen dort geleistet hat, ist enorm. Aber zweimal so schnell in Rückstand zu geraten, ist fahrlässig. Schaut man sich die beiden Spielzüge vor den Toren der SGE an, sieht man verlorene Zweikämpfe, ungeordnetes, unentschlossenes Abwehrverhalten und Spieler, die schlicht zu weit weg vom Gegner stehen.

Stark wieder nicht stark. Ganz grobe Fehler waren beim in Dortmund eher ungeliebten Unparteiischen nicht dabei. Aber während das mögliche Foul in der Nachspielzeit gegen Auba umstritten ist und nicht unbedingt mit Elfmeter zu ahnden war, hätte Marco Reus zuvor einen zugesprochen bekommen müssen, als er im Strafraum gehalten wurde.

Schürrle nur anfangs stark. Thomas Tuchel sorgte für ein Novum in der Dortmunder Bundesliga-Geschichte, als er in der 58. Minute gleich dreimal wechselte. Gehen musste auch André Schürrle, für den Dembélé kam. Nach guten Aktionen zu Beginn hatte der Rekordtransfer stark nachgelassen, wirkte ideen- und glücklos. Den Durchbruch in schwarz-gelb hat Schürrle noch nicht geschafft. Fragt sich, ob er aus persönlichen oder opportunistischen Gründen anderen vorgezogen wird. Dass neben ihm auch andere Offensive wie Götze und vor allem Ramos abbauten, lenkt zumindest heute von einer genaueren Analyse ab.

Fazit: ein vollkommen gebrauchter Samstag für Schwarz-Gelb. Neun Punkte auf das Projekt, schon wieder sechs auf die Bayern und morgen womöglich nur noch Siebter.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer – Weigl (58. Rode) – Ramos (58. Reus), Götze, Castro, Schürrle (58. Dembélé) – Aubameyang. Gelbe Karten: Sokratis, Castro, Schmelzer. Tor: Aubameyang

Wenn es kein Derby wäre

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1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 0 FC Schalke 0

Hätten sich gestern nicht Borussia Dortmund und Schalke gegenübergestanden, sondern etwa Darmstadt und Freiburg, würde man die Begegnung mit dürren Worten abhaken: Typisches Kampfspiel, wenig Torszenen, immerhin bemüht haben sie sich. Nach dem Duell eines Bayern-Jägers gegen seinen stets ambitionierten Rivalen sah es nicht aus. Da es aber doch ein, oder besser das Derby war, hielt die Spannung natürlich bis zuletzt.

Es war laut, es gab den üblichen Kindergarten auf den Tribünen und im Spiel ging es hart zu. Thomas Tuchel wie Markus Weinzierl hatten ihre Teams auf mehreren Positionen verändert. So begannen beim BVB etwa Pulisic und Dembélé auf den Außen sowie der Derby-erfahrene Kagawa. Die junge Borussia fand sehr schwer ins Spiel und wurde von Dr. Felix Brychs Zweikampfbewertung in den ersten 20 Minuten auch nicht begünstigt.

Man merkte den Blauen den Aufwind an. Vor allem gelang es ihnen zunächst, das numerische Übergewicht im Mittelfeld, bedingt durch die Dreierkette hinten, auszunutzen. Thomas Tuchels Entscheidung für potenziell schnelle, trickreiche Außen war daher absolut verständlich – doch in der ersten Hälfte funktionierte auch das nicht. Schalke wirkte zwar in der ersten halben Stunde reifer und der Ball lief bei ihnen besser, doch eine echte Chance konnten auch sie nicht verbuchen. weiterlesen