Endlich ein Spitzenspiel

1. Bundesliga, 15. Spieltag / Mönchengladbach 1 BVB 1

Manche Beobachter außerhalb der BVB-Fangemeinde haben zu den beeindruckenden Auftritten der Schwarz-Gelben in München und im Derby angemerkt, dass es keine großen Fußballspiele im herkömmlichen Sinne waren. Die Partie beim Rekordmeister war lange von Taktik und Defensive geprägt und gegen den Reviernachbarn war der Meister schlicht unterfordert. Obwohl der BVB in beiden Spielen eine ganz starke Leistung zeigte, wird erst die Begegnung mit der anderen Borussia das Prädikat „Spitzenspiel“ verliehen bekommen.

Ärgern braucht man sich darüber nicht, so lange die Ergebnisse stimmen. Gestern sahen wir ein mitreißendes Spiel, das mit einem Punkt endete. Der FC Bayern steht wieder an der Tabellenspitze, wie von Uli Hoeneß vorausgesagt. Auch über dieses Ergebnis braucht man sich nicht zu ärgern, denn die Borussia hat auswärts einen Punkt bei einem Gegner geholt, der zurzeit absolut auf Augenhöhe ist. Lucien Favre leistet in Gladbach hervorragende Arbeit und lockert mit seinem Verein die Spitzengruppe der Bundesliga auf, wofür ich immer Sympathie habe.

Der BVB hatte die Chance auf mehr, hatte vor allem in der ersten Hälfte etwas mehr vom Spiel. Die Zahl der Torgelegenheiten war jedoch recht ausgeglichen. Bei den Gladbachern fehlte Topmann Marco Reus, so dass die Mehrzahl ihrer Chancen von Standards herrührte. Bei Dortmund fehlte Sven Bender, der möglicherweise der schwarz-gelben Defensive das entscheidende Quäntchen Stabilität verliehen hätte, das mitunter fehlte – wie vor dem Ausgleich und bei einer vergleichbaren Szene etwas früher. Sebastian Kehl ist zwar eine wichtige Persönlichkeit, erreicht jedoch momentan nicht die spielerische Konstanz von ‚Manni‘.

Auf Dortmunder Seite kehrte Ilkay Gündogan in die Mannschaft zurück, da Leitner nicht rechtzeitig fit geworden war. Der ehemalige Nürnberger zeigte ordentliche Ansätze, darüber hinaus ging es jedoch erneut nicht. Großkreutz kehrte für Kuba zurück in die Startelf, Kagawa für Barrios. Letztere Personalie korrespondierte mehr mit den gezeigten Leistungen im letzten Spiel, um es mal so zu formulieren. Gladbach stand für eine Heimmannschaft recht defensiv und kompakt. Die Innenverteidigung und vor allem die defensiven Mittelfeldspieler Nordtveit und Neustädter zeigten eine gute, konzentrierte Leistung.

Chancen gab es in der ersten Hälfte nach ein paar Unkonzentriertheiten auf beiden Seiten und nach Standards. Götze, Lewandowski und Kagawa hätten für den BVB treffen können. Bobadilla hatte eine frühe Chance, nachdem die schwarz-gelbe Abseitsfalle nicht funktioniert hatte – einer der ganz wenigen Fehler von Felipe Santana, der erneut ein starkes Spiel machte und immer zur Stelle war um Bälle wegzuköpfen oder zu blocken. Die Führung für die Borussia fiel nach einer Ecke durch Kopfball von Robert Lewandowski. Wie gegen Schalke sprang der Stürmer nach einem Standard am höchsten und der starke Torwart ter Stegen konnte den Ball immerhin so ablenken, dass er knapp am Pfosten vorbeiging – glücklicherweise links vom rechten. Robert Lewandowski ist der neue Barrios. Während Lucas nach seiner Verletzung scheinbar Zeit braucht, um an frühere Leistungen anzuknüpfen, ist Robert inzwischen der, der da ist, wenn er gebraucht wird. Wie Barrios nutzt er nicht jede Chance, aber man kann sich darauf verlassen, dass er nie total ausfällt.

Die zweite Halbzeit war noch mehr Spitzenspiel. Gerade für die Fans des Fußballs, wie er in der englischen Premier League gespielt wird. Es ging hoch und runter, ohne dass der Ball andauernd einfach nur nach vorne gepöhlt wurde. Lewandowski hatte eine weitere gute Chance, schoss jedoch über das Tor. Der Ausgleich der Gladbacher in der 72. Minute war gut herausgespielt, doch nicht unvermeidlich. Einen langen Ball von hinten konnte Bobadilla perfekt verarbeiten und in die Schnittstelle der Dortmunder Abwehr weiterleiten, weil seine Gegenspieler zu weit weg waren. Piszczeks Stellungsspiel ließ in dieser Szene zu wünschen übrig, weil ihm sowohl Bobadilla als auch Hanke entwischten. Beim Schuss des Ex-Schalkers aus 20 Metern stand Roman Weidenfeller einige Meter vor dem Tor – zumindest in der Rückschau etwas unglücklich.

Die Schlussphase war spannend wie in München. Klopp setzte mit den Einwechslungen von Barrios und Kuba voll auf Sieg und die Schwarz-Gelben waren den drei Punkten am Ende und alles in allem etwas näher als die Gastgeber. Nach einem Doppelpass mit Kagawa inklusive tollem Hackentrick des Japaners scheiterte Götze allein vor ter Stegen mit einem schwachen Schuss – kurz danach wurde er durch Kuba ersetzt. Nach weiteren guten Szenen auf beiden Seiten war nach Schlusspfiff niemand wirklich unzufrieden mit dem Ergebnis.

Völlige Harmonie muss man jedoch nicht ausrufen. Ein paar Dinge haben gestört. Der Schlusspfiff erfolgte nach nicht mal zwei Minuten Nachspielzeit, obwohl in eben diesen Minuten ein Dortmunder verletzt am Boden lag. Es war nicht die einzige Szene, die zu einer längeren Nachspielzeit hätte führen müssen. Das Problem ist bekannt. Es scheint im deutschen Schiedsrichterwesen ein falsch verstandenes Pflichtgefühl zur deutschen Pünktlichkeit zu geben – dabei müsste die ebenfalls mit diesem Land verbundene Gründlichkeit eigentlich zu einer englischen Auslegung der Nachspielzeit führen.

Ich vermeide es normalerweise, knapp falsche Abseitsentscheidungen zu kritisieren. Vor den Augen der Schiedsrichter-Assistenten habe ich zu viel Respekt. Gestern wurde jedoch die Regel „im Zweifel für den Stürmer“ zu oft außer acht gelassen – zum Nachteil des BVB. Gar nix anfangen kann ich mit der ‚Schlitzohrigkeit‘ von Raul Bobadilla, der mit seiner miesen Schwalbe beinahe für einen Platzverweis von Santana gesorgt hätte. Es war nicht der einzige fragwürdige Freistoß für Gladbach.

Mit einem Tag Abstand bleibt ein Spiel im Gedächtnis, das Spaß gemacht hat. Dortmund ist wieder Zweiter. Damit kann man zu diesem Zeitpunkt der Saison, bei diesem Abstand und den kommenden Gegnern hervorragend leben. Schon in zwei Tagen fällt jedoch eine andere Entscheidung: der BVB wird nun wirklich endgültig erfahren, ob und wie es nächstes Jahr international weitergeht.

Die Aufstellung: Weidenfeller (6) – Piszczek (5), Santana (8), Hummels (7), Schmelzer (6) – Gündogan (6), Kehl (6) – Götze (7) (77. Barrios), Kagawa (8) (77. Kuba), Großkreutz (7) (86. Perisic) – Lewandowski (7). Gelbe Karten: Santana, Schmelzer. Tor: Lewandowski

BVB setzt Siegesserie gegen Lieblingsgegner fort

1. Bundesliga, 13. Spieltag / Bayern München 0 BVB 1

6:1 Tore, neun Punkte aus den letzten drei Partien gegen den FC Bayern. Das ist das, was zählt. Das kann man mitnehmen aus einem Spitzenspiel, das vor allem aufgrund der Spannung und der Tabellenkonstellation ’spitze‘ war. Spielerisch war es über weite Strecken kein Leckerbissen. Das war jedoch auch nicht zu erwarten. Es war klar, dass Jürgen Klopps BVB in München nicht naiv agieren und den Gastgebern Räume geben würde. Es war richtig, nach der Verletzung von Subotic und dem Fragezeichen hinter Schmelzer den Schwerpunkt auf defensive Stabilität zu legen. Es kam so, wie der Trainer es unter der Woche angedacht hatte: Die Schwarz-Gelben konnten die Roten auf ihr Niveau herunterziehen, die individuelle Klasse der Bayern zeigte sich nur selten.

Die Statistik-Datenbanken sind heutzutage nach einem Fußballspiel prall gefüllt. Es verwundert daher nicht, dass Sportportale und Fernseh-Redaktionen eine wichtige Tatsache erkannt haben: Der BVB hat eine beeindruckende Laufleistung gezeigt und eine deutlich längere ‚Strecke‘ zurückgelegt als die Bayern. Nur so war es möglich, die Außen Ribery und Robben weitgehend aus dem Spiel zu nehmen. Nicht nur Piszczek und Schmelzer kümmerten sich um die Topstars – sie wurden entweder von ihren Vorderleuten oder aus der Innenverteidigung prima unterstützt. Da zudem das defensive Mittelfeld sehr aufmerksam, vorausschauend und zweikampfstark agierte, gab es für die Gastgeber kaum ein Durchkommen durch die Zentrale. Gerade Müller stand dort auf verlorenem Posten, so wie in der Konsequenz Gomez. Es war ein riesiger Unterschied zwischen dem spritzigen Müller auf der rechten Seite, wie im Holland-Spiel, und dem hilflosen Müller von gestern auf der ’10‘ zu erkennen.

Der BVB fand schnell ins Spiel, auch Subotic-Ersatz Felipe Santana. Ins Spiel finden hieß gestern, die Bayern mit Offensivpressing früh zu stören, um sie nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Es hieß nicht, ein spielerisches Feuerwerk abzubrennen. Die Schwarz-Gelben wirkten über 65-70 Minuten sehr souverän im Mittelfeld und nicht wie eine verängstigte Auswärtsmannschaft. Dass die Bayern mehr Ballbesitz hatten, ist bei ihren Heimspielen nichts Neues. Echte Chancen gab es in der ersten Hälfte zwei. Ribery schoss aus guter zentraler Position deutlich über das Tor. Auf der anderen Seite tunnelte Lewandowski in einer sehenswerten Szene Badstuber und lupfte den Ball Richtung Tor, wo ihn Neuer verfehlte und Rafinha vor Großkreutz zur Ecke klärte. Lewandowski überzeugte gestern, obwohl ihm kein Tor gelang, mit technisch feinem Fußball und großem Einsatz auch im Mittelfeld. Er war an der Entstehung des Treffers durch Götze beteiligt. Weiterlesen „BVB setzt Siegesserie gegen Lieblingsgegner fort“

Das Dorf der verlorenen Punkte

1. Bundesliga, 2. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 0

Ich glaube nicht an ‚Angstgegner‘. Jedenfalls nicht an die psychologische Komponente, die bei diesem Begriff mitschwingt. Die stellt höchstens einen Randaspekt dar. Aber natürlich muss es Gründe dafür geben, dass Borussia Dortmund gegen diesen Gegner aus der badischen Provinz eine negative Bilanz hat. Theoretisch könnte es Zufall sein und darin begründet liegen, dass der BVB zum Zeitpunkt der Aufeinandertreffen selbst nicht in guter Verfassung war. Betrachtet man die letzten schwarz-gelben Jahre, fällt dieser Erklärungsansatz weg. Es liegt mit Sicherheit eher an Spielern und Spielweise des Gegners. Hier lässt sich eine Kontinuität erkennen: Die TSG Hoffenheim verfügt über technisch versierte Spieler, die aggressives Pressing betreiben.

Im gestrigen Spiel ähnelte das Konzept der Gastgeber ein wenig der üblichen Spielweise der Gäste. Die Hoffenheimer griffen im Mittelfeld früh an und standen ihren Gegenspielern quasi auf den Füßen. Die daraus resultierenden Ballgewinne konnte die Mannschaft dank ihrer vorhandenen spielerischen Qualitäten hin und wieder für ansehnliche Angriffe nutzen. Das frühe Stören der TSG schlug in den letzten Jahren immer wieder in eine überharte Gangart um, wenn es nicht den gewünschten Erfolg brachte. Gestern beschränkte sich die überzogene Härte auf ein rüdes Foul von Salihovic an Kagawa in der Anfangsphase. Nach dem Führungstreffer beließen es die Gastgeber bei normalen Fouls. Was einem an dieser Mannschaft trotzdem missfallen muss: Die Hoffenheimer lassen sich bei jeder Berührung fallen. Ein bis zwei Rollen inklusive. Schiedsrichter Aytekin behielt da nicht immer den Durchblick und pfiff in der ersten Hälfte einige ungerechtfertigte Freistöße für die Gastgeber. Zudem hätte er nach einer peinlichen Schwalbe im Strafraum Gelb gegen Ryan Babel zeigen müssen. Weiterlesen „Das Dorf der verlorenen Punkte“

Wenn Jürgen Klopp zum Schlussspurt startet

1. Bundesliga, 29. Spieltag / Hamburger SV 1 BVB 1

Der heutige Sprint des BVB-Trainers kam nicht ganz an den Tanz über die Sitzreihen der Tribüne ran, den er beim späten Siegtor in Köln vor einem guten Jahr hinlegte. Der Jubel von Jürgen Klopp über den Ausgleich in der Nachspielzeit war jedoch mal wieder exemplarisch für die positive Verrücktheit, die ihn Fans und Spielern gleichermaßen nahebringt. Denn bei so einem späten Tor muss man einfach abgehen, selbst wenn es ’nur‘ das 1:1 war. Noch dazu kann sich Klopp anrechnen, mit Vorbereiter Owomoyela und Vollstrecker Kuba den Punktgewinn eingewechselt zu haben.

Es war das erwartet schwere Spiel gegen einen HSV, dem man zugestehen muss, dass er in der ersten Halbzeit offensiv und mit zwei echten Stürmern – Petric und van Nistelrooy – auftrat. Eine rein abwartende Haltung war bei den Hanseaten zunächst nicht zu erkennen. Sie wäre vom Selbstverständnis und der Tabellensituation her den Fans auch schwer zu vermitteln gewesen. So entwickelte sich eine offene, spannende Partie, der es jedoch an Torszenen mangelte. Wie erwartet verdichtete sich das Spielgeschehen im Mittelfeld. Die Hamburger schafften es in der ersten Hälfte, Sahin, Bender und vor allem Lewandowski weitgehend aus dem Spiel zu nehmen, so dass sich die Schwarz-Gelben häufig mit langen Pässen behalfen. Die waren jedoch schlicht nicht genau genug.

Unsere Defensive stand meistens sicher. Gefährlich wurde es gelegentlich über Hamburgs linke Seite. Dem wendigen Eljero Elia scheint der Trainerwechsel besonders gut getan zu haben, er stellte Lukasz Piszczek vor einige Probleme – besonders eklatant in einer Szene in der zweiten Halbzeit, als er unseren Rechtsverteidiger richtig alt aussehen ließ. Das war gestern ein Riesenunterschied zur anderen Außenbahn, auf der Schmelzer mit Ben-Hatira sehr gut zurechtkam. Der Hamburger konnte nur einen, wenn auch gefährlichen, Weitschuss verbuchen und flog in der 78. Minute aufgrund zweier gelbwürdiger Fouls an Schmelle vom Platz. Es war ansonsten kein unfaires Spiel – mit Ausnahme der Flugeinlagen von David Jarolim und Mladen Petric, die leider mit Freistößen belohnt wurden. Von ersterem ist man solche Aktionen ja schon gewohnt.

In der 33. Minute gelang Nuri Sahin mal ein öffnender Pass auf Lucas Barrios, der den Ball ins Tor schoss, jedoch wegen Abseits zurückgepfiffen wurde. Es war eine Millimeterentscheidung, die zwar vertretbar war, aber – wie leider üblich – nicht der eigentlich geltenden Richtlinie „im Zweifel für den Angreifer“ folgte. Fünf Minuten später war die BVB-Abwehr einmal unaufmerksam, so dass Petric plötzlich im Strafraum frei durch war. Hummels rempelte den Ex-Dortmunder von hinten um und Schiedsrichter Gagelmann hatte keine andere Wahl als auf Elfmeter zu entscheiden. Nach den Buchstaben des Gesetzes wäre auch eine rote Karte möglich gewesen – das hätte allerdings eine sehr harte Entscheidung dargestellt. Der starke Roman Weidenfeller, der ebenso wie Frank Rost mehrmals glänzend klärte, hatte bei van Nistelrooys Schuss vom Punkt keine Chance, obwohl er die richtige Ecke wählte.

Einen Vorgeschmack auf die aus schwarz-gelber Sicht viel bessere zweite Hälfte gab uns kurz vor der Pause der unwiderstehliche Mario Götze. Seinen Pass in die Mitte hätte Jarolim fast ins eigene Tor bugsiert – Kacar konnte jedoch diesen ‚Schuss‘ und Götzes folgenden Einschiebversuch von der Linie kratzen. Gerade Mario steigerte sich im zweiten Durchgang und hatte selber zwei große Chancen, als er einmal nach Sahins schönem Zuspiel den Ball über das Tor setzte und später an Rost scheiterte, nachdem er zuvor ähnlich wie gegen Hannover durch die Abwehr spaziert war. Vom HSV war nach der 60. Minute nichts mehr zu sehen. Die Schwarz-Gelben hatten nun auch das Mittelfeld komplett im Griff und erspielten sich die Chancen, die zuvor spärlich geblieben waren. Piszczek traf den Pfosten, Lucas Barrios die Latte…es war mal wieder zum Verzweifeln.

Eines habe ich aber in dieser Saison gelernt: Wir müssen wegen dem BVB nicht verzweifeln. Diese Mannschaft gibt nicht auf. Und dieses Engagement wird belohnt, wenn es mit der notwendigen Qualität gepaart wird. Nicht immer, aber oft. Tore in der Nachspielzeit sind sowieso die schönsten. In diesem Fall eroberte Nuri Sahin den Ball und setzte den starken Schmelzer auf dem linken Flügel ein. Dessen Flanke verlängerte Owomoyela im Strafraum mit dem Kopf – wegen seiner Kopfballstärke hatte ihn Klopp eingewechselt. Gegen Hoffenheim und mit einem anderen stürmenden Abwehrspieler, Felipe Santana, war die Idee nicht aufgegangen – gestern klappte es. Denn halb rechts stand Kuba und donnerte den verlängerten Ball ins Netz. Es folgte mal wieder enthemmter Jubel.

Nun hat der BVB zwar keine big points, aber möglicherweise einen big point errungen. Der war nach der zweiten Halbzeit höchstverdient. Ja, Leverkusen hat knapp gegen St. Pauli gewonnen und den Rückstand auf fünf Punkte verkürzt. Am nächsten Wochenende könnte trotzdem eine Vorentscheidung fallen – sollte die von Uli Hoeneß angekündigte Leistungsexplosion nach der van Gaal-Entlassung bei den Bayern wahr werden. Allerdings hat Hoeneß in dieser Saison, nun ja, nicht immer richtig gelegen mit seinen Aussagen. Wir sollten uns auf jeden Fall nicht darauf verlassen, dass Leverkusen noch einbricht, weil sie das immer tun. Weil auf ewig der Vizekusen-Fluch auf ihnen lastet. Das ist Blödsinn. Wann, wenn nicht jetzt, sollte die Werkself mal die Chance haben, beim FCB zu gewinnen? Einfacher wird das durch den Trainerwechsel bei den Bayern jedoch nicht.

Freuen wir uns also auf den Super-Sonntag. Was sich nach einem einfallslosen Sport1-Trailer anhört, wird in einer Woche wahr. Bayern gegen Bayer und im Anschluss Dortmund gegen Freiburg. Crunch Time. Von mir aus könnte der Sonntag schon am Dienstag sein.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender (80. Owomoyela) – Großkreutz, Lewandowski (62. Kuba), Götze – Barrios (77. Zidan). Gelbe Karte: Sahin. Tor: Kuba

Ihr seid Helden

1. Bundesliga, 24. Spieltag / Bayern München 1 BVB 3

Über die Wortwahl kann man meinetwegen diskutieren. Sportliche Helden sind die schwarz-gelben Jungs seit gestern jedoch allemal. Nach 20 Jahren wieder beim FC Bayern gewonnen, Uli Hoeneß zum Schweigen gebracht (für eine Woche oder so) und den Vorsprung auf den Rekordmeister auf 16 Punkte erhöht – besser gehts nicht. Es war ein befreiendes Erlebnis und ein wunderbarer Abend.

Wenn Arjen Robben wegen einer Schwalbe völlig zu Recht die Gelbe Karte sieht, dann muss der Gegner vieles richtig gemacht haben. Selbst die Topstars der Bayern verzweifelten gestern an einem BVB voller Selbstbewusstsein und Leidenschaft. Drei Tage nach der Bayern-Gala in San Siro folgte der Borussen-Ball in der Arroganz-Arena. Es ist nur ein möglicher Erklärungsansatz, dass Jürgen Klopp seine Mannschaft offenbar minutiös auf den Gegner vorbereitet hatte, wogegen die Bayern nach dem berauschenden Champions League-Spiel an einen Selbstläufer zu glauben schienen und reichlich naiv auftraten.

Es wurde trotzdem ein echtes Topspiel, an das man sich lange erinnern wird (vor allem wenn man Schwarz-Gelb nahesteht) und das von Tempo und Spannung her zumindest in der ersten Hälfte an die Partie im Giuseppe-Meazza-Stadion heranreichte. Den Willen zu offensivem Spiel konnte man beiden Mannschaften von Beginn an anmerken, jedoch zeigte sich schnell, dass die Schwarz-Gelben konsequenter und konzentrierter zu Werke gingen. Natürlich ließ Jürgen Klopp seine Jungs nicht blind anrennen, sondern zunächst mal die Räume dicht machen und beherzt pressen. Um dann die Fehler der Bayern blitzschnell auszunutzen. Passenderweise war es der entfesselte Großkreutz, der WM-Star Schweinsteiger beim 1:0 düpierte. Der Bayern-Spieler verdaddelte in der eigenen Hälfte den Ball, Kevin schnappte ihn sich, legte einen tollen Antritt hin und passte genau im richtigen Moment zu Lucas Barrios, der gegen die Laufrichtung von Torwart Kraft einschob. Weiterlesen „Ihr seid Helden“

Lobe nie den Schiedsrichter – vor dem Spiel

1. Bundesliga, 22. Spieltag / 1.FC Kaiserslautern 1 BVB 1

Da sage ich einmal vor einer Partie etwas zum Schiedsrichter, noch dazu was Positives, und dann so was. Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob Florian Meyers Gelb-Rote Karte gegen Neven Subotic dem BVB den Sieg gekostet hat – wir werden keine Antwort finden. Die Schwarz-Gelben hatten in einem guten Spiel noch andere Probleme als den Unparteiischen.

Kuba hatte sich am Freitag im Training eine leichte Knieverletzung zugezogen. Für ihn kam Landsmann Robert Lewandowski in die Mannschaft und besetzte das zentrale offensive Mittelfeld. Nun wissen inzwischen alle, dass Robert ein Stürmer ist und ganz vorne besser zur Geltung kommt. Vermutlich traute Jürgen Klopp Mohamed Zidan noch keinen Einsatz über 90 Minuten zu – sonst wäre ein Versuch mit ihm auf der ’10‘ oder der rechten Außenbahn lohnenswert gewesen. So musste Mario Götze nach rechts rücken.

Der BVB hatte trotzdem seine Chancen, mehrere wurden von Lewandowski vorbereitet, aber gegen stark kämpfende Lauterer hätten es noch mehr sein können. Es fehlt in Abwesenheit von Shinji Kagawa und mit Götze auf der Außenbahn an Kreativität in der Zentrale. Nuri Sahin braucht nicht nur einen defensiven, sondern auch einen offensiven Partner – sonst fokussiert sich der Gegner auf ihn und kann ihn mal mehr, mal weniger, aus dem Spiel nehmen. Lewandowski ist eben nicht der flinke, kreative Dribbler, sondern in seiner gestrigen Rolle eher ein klassischer ‚target man‘, der die Bälle annimmt und im Idealfall schnell weiterverarbeitet. So einer ist jedoch leichter auszurechnen.

Mario Götze interpretierte seine Rolle wie so häufig flexibel und zog oft nach innen, um im Zentrum für Gefahr zu sorgen. Das führte aber wiederum dazu, dass wenig gefährliche Flanken von den Flügeln kamen – nur der bis auf wenige Ausnahmesituationen gut aufgelegte Piszczek konnte sich da hin und wieder auszeichnen. Leider kommt mir der linke Flügel in dieser Hinsicht zurzeit etwas lahm vor. Kevin Großkreutz spielt auch gerne etwas zentraler und Marcel Schmelzer rückte selten bis in die Nähe der Grundline vor, hatte allgemein wenig Offensivaktionen. Weiterlesen „Lobe nie den Schiedsrichter – vor dem Spiel“

Eine Schwalbe macht noch keinen König

Aber gleich drei in drei Spielen? Als ich mir heute Mittag das Spiel VFB v HSV im DSF anschaute, fühlte ich mich schnell an die Begegnung des BVB in Stuttgart erinnert. Und Pawel Pogrebnyak setzte noch einen drauf: Kaum weniger eindeutig als gegen uns ließ sich der VFB-Stürmer gestern gleich zweimal im Strafraum fallen. Zum Glück fiel der Schiedsrichter nicht darauf herein – komisch allerdings, dass Pogrebnyak anders als gegen uns ohne gelbe Karte davonkam. Mir scheint, da ist einer dabei, Andy Möller seine (nur teilweise berechtigte) Krone streitig zu machen.

1. Bundesliga, 20. Spieltag / VFB Stuttgart 4 BVB 1

Eins zu was?

Die Aufstellung: Ziegler – Schmelzer, Santana (85. Hajnal), Subotic, Owomoyela – Sahin, Hummels – Großkreutz, Valdez (85. Götze), Kuba (22. Le Tallec) – Barrios. Tor: Barrios.

Die begeisternd aufspielende Borussia ist ein fragiles Gebilde. Nimmt man ein Puzzle-Teil vom Tisch, heute Sven Bender, stimmt das Bild nicht mehr. In der erwarteten Aufstellung mit Sahin und Hummels im defensiven Mittelfeld und Santana in der Innenverteidigung hatten die Schwarz-Gelben Mühe, ins Spiel zu kommen. Trotzdem fällt das nackte Ergebnis um etwa drei Tore zu hoch aus.

Die Umstellungen gingen nicht spurlos an der Mannschaft vorbei. In der Anfangsphase wirkte das Mittelfeld weit weniger präsent als gegen Hamburg und das Stellungsspiel der Viererkette hinten ließ zu wünschen übrig. Leider fiel in dieser Phase das umstrittene 0:1. Nach einer Flanke stochert ein am Boden liegender Stuttgarter, der Ziegler vor den Füßen rumliegt, den Ball zurück zu Pogrebnyak. Umstritten ist vor allem, was folgt. Santana bekommt den Ball an den Oberschenkel, danach nimmt Pogrebnyak den Ball anscheinend mit der Hand mit. Fragwürdige Führung der Gastgeber.

Im Anschluss versuchte der BVB, das Spiel in den Griff zu bekommen, was vorerst nur mäßig gelang. Die Spieler hatten den schönen Fußball der letzten Partien verinnerlicht und spielten viele spekulative Pässe, die einem den Atem geraubt hätten, wenn sie durchgekommen wären. Heute  gingen sie jedoch meist entweder ins Leere oder wurden von der in der ersten Hälfte gut stehenden VFB-Defensive abgefangen. Trotzdem hatte der BVB nach einer halben Stunde das Momentum auf seiner Seite, von den Gastgebern kam wenig. Weiterlesen „1. Bundesliga, 20. Spieltag / VFB Stuttgart 4 BVB 1“