Bestätigt: Kehl folgt 2022 auf Zorc

Alle rechneten damit, gestern wurde es offiziell verkündet: Sebastian Kehl übernimmt nächstes Jahr bei Borussia Dortmund den Posten des Sportdirektors von Michael Zorc. Letzterer hat in den letzten Jahren hier und da auch mal moderate Kritik einstecken müssen, bleibt aber – betrachtet man seine gesamte Amtszeit – über jeden Zweifel erhaben. Da waren schließlich jede Menge tolle Transfers dabei.

Selbst Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke redet daher von großen Fußstapfen, in die Kehl trete, ist aber „überzeugt, dass Sebastian über das für seine Aufgabe notwendige Rüstzeug verfügt“. Schließlich ist der ehemalige BVB-Kapitän schon lange im Verein und konnte sich seit geraumer Zeit in das Metier des Sportdirektors einarbeiten. Bleibt die Frage, welche Fußstapfen Kehl selbst in seinem derzeitigen Job als Leiter der Lizenzspielerabteilung hinterlässt – und ob es diese Position 2022 dann so noch geben wird.

Das Wirken des Ex-Kapitäns

In schwierigeren Zeiten, die es in den letzten Jahren sowohl unter Trainer Lucien Favre als auch unter Edin Terzic gab, äußerte sich Sebastian Kehl zwar gelegentlich offen zur sportlichen Situation. Ob sein Wirken in die Mannschaft bzw. den Kader hinein allerdings positive Effekte hatte, kann man kaum einschätzen. Viel mitgekriegt hat man davon jedenfalls nicht; ausführliche Würdigungen seiner Arbeit durch Dritte sind mir ebenfalls nicht bekannt.

Das heißt nun nicht, dass Sebastian Kehl als Sportdirektor eine schlechte Wahl wäre. In dieser Frage muss man den handelnden Personen beim BVB zunächst mal vertrauen. Kehls Außendarstellung kann sich jedenfalls sehen lassen und darüber hinaus weiß man wenig. Ich finde es grundsätzlich sympathisch, ehemalige Spieler an den Club zu binden – aber nur, wenn die Vereinszugehörigkeit nicht das Haupteinstellungskriterium darstellt. Bisweilen scheint Letzteres ja durchaus üblich zu sein – in der jüngeren Vergangenheit allerdings eher bei anderen Vereinen. Die Borussia machte dafür den Fehler, Spieler als Spieler zurückzuholen.

Wie sich das mit dem künftigen Sportdirektor verhält – das werden erst die ersten Jahre der Post-Zorc-Ära zeigen. Unterschrieben hat Sebastian Kehl bis 2025.

Gut dass er kommt – ihr könnt ihn Motzki nennen!

Wer nach den Partien gegen den FC Schalke und Salzburg auch das dritte Desaster der schwarz-gelben Borussia in dieser Saison verfolgt hat, zweifelt nicht mehr daran: Es muss sich etwas ändern. Auf mehreren Ebenen. Ich habe die Partie in München nur am Rande mitbekommen. Darüber bin ich heute nicht traurig. Über den aktuellen Zustand des BVB aber natürlich schon ein wenig.

Nun hat Michael Zorc gestern im ZDF bestätigt, dass sich der Verein mit Matthias Sammer auf ein Engagement als „externer Berater“ geeinigt hat. Mit Sebastian Kehl sei man auf einem guten Weg – der Ex-Kapitän soll die Lizenzspieler-Abteilung leiten. Ein Posten, den es so bisher nicht gab. Letztlich darf man sich ihn als ein Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Sportdirektor einerseits sowie Mannschaft andererseits vorstellen. Dabei dürfte es viel um atmosphärische Dinge gehen.

Spannender erscheint die Rolle von Sammer, selbst wenn dieser nicht formell in die Vereinsstrukturen eingebunden wird. Unser ehemaliger Meistertrainer soll sich turnusmäßig mit den BVB-Entscheidern treffen und vermutlich sowohl strategische als auch ganz konkrete, etwa personelle Dinge diskutieren. Nachdem sich die Beziehung zu Sammer während dessen Bayern-Zeit stark abgekühlt hatte, ist man sich inzwischen wieder nähergekommen. Und angeblich hat der Sachse durchaus noch etwas für die Borussia übrig.

Aus dem Fernsehen geholt

Nun gibt es natürlich wieder Kritiker, die die beiden Personalien als erneute „Rückholaktion“ oder als Verzweiflungstat von zwei Versagern darstellen, die nur einmal einen Glücksgriff mit Jürgen Klopp tätigten. Die üblichen Online-Reflexe von außen eben. Ja, es handelt sich um zwei Ex-BVB-Angestellte und aktuelle TV-Experten. Aber natürlich ist Sebastian Kehl jemand, der weiß, wie eine Mannschaft tickt. Und natürlich kann man mal mit Matthias Sammer darüber diskutieren, wie man einem Team die richtige mentale Einstellung beibringt. Welche Leute du dafür brauchst. Es entscheidet ja immer noch die Geschäftsführung, man muss nicht immer einer Meinung sein.

Stellt sich die Frage, wie viel Substanz hinter der Eiferei von Sammer steckt, die man durchaus unsympathisch finden kann. Wegen seiner gelobten Tätigkeit als Eurosport-Experte wird Watzke ihn wohl nicht geholt haben. Ich kann zu der mangels Abo ohnehin nichts sagen. Matthias Sammer vertritt jedoch Werte, die man zwar nicht überbetonen sollte, die aber zweifellos für den BVB der Saison 2017/18 und den der kommenden Spielzeit wichtig bis entscheidend sind. Und man traut dem gebürtigen Dresdner auch einen Plan zu, wie die Schwarz-Gelben diese wieder verinnerlichen.

Ist es ein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe von außen zu holen? So eine Einstellung ist inzwischen zum Glück unmodern geworden. Ohne Zweifel gab es Versäumnisse von Aki Watzke und Michael Zorc in der Transferpolitik – die ich im letzten Artikel hier ja schon benannt habe. Aber die ganzen Kritiker in den Online-Kommentaren vergessen eine Tatsache oder lassen sie absichtlich weg: Der Busanschlag im letzten Jahr war etwas, das noch keine andere deutsche Profimannschaft so erleiden musste. Das betrifft zunächst die Menschen, die wirklich im Bus saßen. Aber natürlich war die Tat auch ein Schock, ein Einschnitt für Watzke und die anderen Verantwortlichen. Und hat auch für sie vieles erschwert.

Man kann mit den Ereignissen von 2017 nicht alles entschuldigen – aber den Spielern oder auch Watzke und Zorc jetzt Versagen vorzuwerfen, ist einfach unwahrscheinlich kurzsichtig und unsensibel.

Müde aber zufrieden

DFB-Pokal, Viertelfinale / BVB 3 TSG Hoffenheim 2 (n.V.)

Spiele von Borussia Dortmund sind derzeit anstrengend. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit „langweilig“ oder „schlecht“. Am Samstag war das stets emotionale Duell gegen den FC Bayern verbunden mit Frust über die Unfähigkeit der Schwarz-Gelben, gegen mauernde Gäste mehr als zwei, drei Chancen herauszuspielen – und natürlich mit Ärger über Schiedsrichter Knut Kircher, der vom „Kicker“ am Dienstag vor allem wegen der Fehlentscheidungen gegen den BVB die Note 5 bekam.

Gestern bescherte uns die Borussia nun einen langen Pokalabend gegen einen ungeliebten Kontrahenten. Mit viel Kampf, einigem Krampf und spätem Glück. Auch das schlauchte etwas. Nach dem 1:2 in Folge des kapitalen Patzers von Neven Subotic ertappte ich mich wieder beim Gedanken an eine der ärgerlichsten Niederlagen der letzten Jahre, die Partie gegen denselben Gegner am letzten Spieltag 2013. Was hätten die schwarz-gelben Jungs uns alles ersparen können. Doch zum Glück zeigte der BVB doch noch seine in den letzten Jahren erworbenen Pokal-Qualitäten.

Gut möglich, dass der Umschwung mit dem Support durch das ausverkaufte Stadion zu tun hatte, das absolut keine Lust auf eine weitere entscheidende Niederlage gegen die TSG verspürte. In der ersten Hälfte hatten die Borussen enttäuschend wenig echte Torgefahr gegen eine keinesfalls sattelfeste Gäste-Defensive verbreitet. Ohne Marco Reus und Mats Hummels, die mit Schmerzen, aber ohne schlimme Verletzungen ausfielen, fehlten wichtige Impulsgeber. Henrikh Mkhitaryan hatte gute Ideen, die er aber schwach umsetzte. Shinji Kagawa war zu selten zu sehen, dann allerdings effektiver als der Armenier. Weiterlesen „Müde aber zufrieden“

Volle Kapelle gegen Stuttgart

Dieser launige Ausdruck von Jürgen Klopp aus der Pressekonferenz vor dem Stuttgart-Spiel bedeutet keineswegs, dass Borussia Dortmund am Freitagabend seinen vollen Kader zur Verfügung hätte. Vielmehr wollte der Trainer zum Ausdruck bringen, dass niemand, der dem BVB körperlich und spielerisch weiterhelfen kann, geschont wird – etwa wegen eines Champions League-Spiels.

Es gibt jedoch eine Reihe von Spielern, die definitiv nicht auflaufen können. Die Grippewelle hat Dortmund immer noch im Griff. Erik Durm und Kuba sind nach wie vor betroffen; Mats Hummels fehlt ebenfalls schon einige Tage und scheint eher kein Thema für Freitag zu sein. Dagegen könnten sich die Optionen im zentralen Mittelfeld dank der möglichen simultanen Rückkehr von Sven Bender und Sebastian Kehl schlagartig erhöhen. Sollten sie topfit sein, könnten sie eine Alternative darstellen – ansonsten gibt es wenig Änderungsbedarf bzw. -möglichkeiten.

Der VfB Stuttgart ist trotz Huub Stevens neuerdings Tabellenschlusslicht, ohne in den letzten Partien katastrophal aufgetreten zu sein. Immerhin ging es auswärts nach Köln und Hoffenheim sowie zu Hause gegen Gladbach und Bayern. Trotzdem fehlt den Schwaben die spielerische Rafinesse, die der BVB zuletzt hier und da wieder gezeigt hat. In dieser Hinsicht ist jedoch der Winter-Neuzugang fürs Mittelfeld Serey Dié zu beachten, der vom FC Basel kam. Dagegen müssen die Gastgeber am Freitag auf Kapitän Christian Gentner verzichten, der gesperrt ist und auch noch Vater wird.

Jürgen Klopp erwartet morgen einen aggressiven VfB auf einem schlechten Platz. Für die Borussia muss beides kein Nachteil sein. Aggressivität kann sich auch in Fehlern äußern, gerade bei schwierigem Untergrund. Die Schwarz-Gelben haben dagegen bereits in Freiburg bewiesen, dass sie mit solchen Voraussetzungen zurechtkommen können. Dagegen steht für die Stuttgarter bisher ein einziges Rückserien-Tor zu Buche.

So scheinen die Chancen für den sage und schreibe dritten BVB-Sieg in Folge nicht so schlecht zu stehen, auch wenn es gegen den VfB wirklich nicht immer rund lief. Vorbedingung: Ähnliche Aufmerksamkeit wie zuletzt, gepaart mit Selbstbewusstsein.

Es geht wieder los: Kehl vier Wochen weg

Nach drei Tagen kam die endgültige Diagnose: Ex-Kapitän Sebastian Kehl hat sich im Testspiel von Borussia Dortmund gegen Steaua Bukarest eine Schultereckgelenkssprengung zugezogen. Die Verletzung soll konservativ behandelt und nicht operiert werden – dennoch wird der defensive Mittelfeldspieler den Schwarz-Gelben rund vier Wochen fehlen. Damit fallen die 1A- und 1B-Besetzung der ‚6er‘-Position für den Rückrundenauftakt aus, denn auch Sven Bender wird wohl die ersten zwei Partien verpassen, die ja am Samstag, den 31.1. und Mittwoch, den 4.2. anstehen.

Das Jahr fängt somit für die Borussia auch personell nicht so sorgenfrei an wie erhofft. Erste Spekulationen über Nachverpflichtungen sind aufgetaucht, unterfüttert mit der Bemerkung, Kehl und Bender seien nun mal recht anfällig. Doch abgesehen davon dass die BVB-Verantwortlichen nicht für Schnellschüsse bekannt sind, stellt sich die Situation auch beherrschbar dar. Bender könnte schon am 19. Spieltag zurückkehren. Und außerdem steht mit Oliver Kirch eine Alternative parat, die nach wie vor von zu vielen Beobachtern übersehen wird. Auch ein selbstbewussterer Matthias Ginter wäre im defensiven Mittelfeld denkbar.

Die ‚6‘ war zudem keine Schlüsselposition bei des Rätsels Lösung, was den BVB die Hinserie gekostet hat. Deshalb muss der Verein jetzt nicht handeln – es sei denn, es steht plötzlich der Kehl-Nachfolger vor der Tür. Sorgen macht eher, dass das Verletzungspech die Schwarz-Gelben ganz allgemein wieder zu ereilen scheint. Im Fall Kehl lag es nicht mal an zu hoher Belastung. Unsere Nummer 5 fiel unglücklich – im ‚Zweikampf‘ mit Mats Hummels.

Dortmund macht es doppelt spannend

1. Bundesliga, 2. Spieltag / FC Augsburg 2 BVB 3

Der BVB zeigt blitzsaubere, ansprechende 70 Minuten gegen einen zunächst schwachen FC Augsburg, versäumt es jedoch, nachzulegen und gerät am Ende tatsächlich noch mal unter Druck. Untypisch spannend geht es für die Schwarz-Gelben auch auf dem Transfermarkt zu: Dort will man offensichtlich ebenfalls nachlegen und könnte im Werben um Shinji Kagawa bis Montag noch erfolgreich sein. Als Konsequenz ist nach „Kicker“-Informationen eine Ausleihe von Jonas Hofmann zu Mainz 05 im Gespräch.

Doch jetzt geht es um Fakten: Die Borussia hat sich durch die Auftaktniederlage nicht nachhaltig verunsichern lassen und in der Bundesliga mit einem Auswärtssieg in Augsburg geantwortet. Das Ergebnis schmeichelt den Schwarz-Gelben wie schon letzte Woche nicht: Gegen Leverkusen hätte man ein Tor verdient gehabt und gestern wäre ein 3:1 oder 4:2 dem Spielverlauf gerechter gewesen. Jürgen Klopp stellte wieder auf ein System mit einem Stürmer um, ließ aber Jojic zentral vor Kehl agieren – eine Art 4-1-4-1. So saßen Ramos und Immobile zunächst auf der Bank, der formstarke Aubameyang agierte ganz vorne allein.

Zu dieser Aufstellung passte, dass die Borussen nicht schon mit der vordersten Linie pressten, sondern die Augsburger ein wenig kommen ließen. Es zeigte sich schnell, dass die Gastgeber wie vermutet noch wenig eingespielt sind: Sie hatten keine Ideen für die Offensive und wirkten in der Rückwärtsbewegung extrem ungeordnet. Ihre Flügel ließen sie bei den schnellen Dortmunder Gegenstößen wiederholt verwaisen. Letztere wurden angenehm flüssig ausgespielt; so wie beim 1:0 – Pass Mkhitaryan, Doppelpass Reus-Großkreutz, flacher Schuss ins rechte Eck durch Marco. Weiterlesen „Dortmund macht es doppelt spannend“

Kehl gibt Binde ab – es kann nur einen Nachfolger geben

Sebastian Kehl hat am Mittwoch im BVB-Trainingslager in Bad Ragaz seinen Rücktritt als Kapitän erklärt – für die Meisten überraschend, nur die sportliche Führung war schon seit Saisonende eingeweiht. Auf der Pressekonferenz nannte er als Hauptgrund die „Fürsorge“, den Wunsch, seinem Nachfolger noch ein Jahr zur Seite stehen zu können. Im Sommer 2015 soll bekanntlich Kehls Karriere in Dortmund enden. Sportliche Gründe – sprich: der fehlende Stammplatz – hätten dagegen keine Rolle gespielt.

Man muss die Aussagen nicht komplett für bare Münze nehmen, darf aber trotzdem annehmen, dass Sebastian sie im Sinne der Mannschaft getroffen hat. Es ist sicher nicht falsch, jetzt in diesem Punkt auf die Zukunft zu setzen und einem Spieler mehr Gewicht zu verleihen, der auch regelmäßig spielt. Als Nachfolger liegen selbstverständlich Kehls Vertreter Mats Hummels und Roman Weidenfeller nahe, die nun auch noch Weltmeister sind. Dass gar niemand anders in Frage kommt, muss man nicht so sehen: Neven Subotic und Sven Bender hätten ebenfalls das Format für die Rolle. Letztendlich aber doch nicht das geeignete Temperament.

Eigentlich kann es am Ende doch nur einen geben: Mats Hummels. Weidenfeller hat drei Nachteile: Er ist kein Feldspieler, keine zukunftsweisende Option und er ist rhetorisch einfach schwächer als Hummels – nicht nur auf Englisch. Auch als Repräsentant scheint Mats besser geeignet zu sein. Und ein klein wenig ist da natürlich die Hoffnung, dass es ihn mit der nochmals gesteigerten Wertschätzung noch ein Weilchen länger in Dortmund hält. Die Entscheidung wird in der Hauptsache Jürgen Klopp treffen – vermutlich rechtzeitig vor dem Start der Pflichtspiele.

Sebastian Kehl war jedenfalls ein nahezu vorbildlicher Kapitän, dessen Entscheidung zum Rücktritt sicher nicht mit Freude aufgenommen wurde – so viel konnte man seinen Worten entnehmen. Wünschen wir ihm alle eine tolle, erfolgreiche Saison zum Abschied! Danke, Sebastian!

 

Es geht um 70 Punkte

Einen Punktestand wie in den letzten Meisterjahren zu erreichen und mindestens das umgekehrte Ergebnis wie im Hinspiel gegen Hertha BSC – das sind die Ziele, um die es für Borussia Dortmund in der letzten Partie der Bundesligasaison noch geht und die motivierend wirken könnten. Ohne Zweifel ist das erste von zwei Spielen innerhalb von acht Tagen in der Hauptstadt nicht das spannendere. Doch ist wirklich ein Druckabfall zu befürchten? Gegen Hoffenheim war der nur in Ansätzen zu erkennen und es spricht wenig dafür, dass er sich kurz vor dem Pokalfinale und kurz nach der WM-Kadernominierung noch voll einstellt.

Bundestrainer Joachim Löw hat sechs deutsche BVB-Spieler in seine vorläufige 30er-Auswahl berufen. Keiner von denen möchte sich unmittelbar danach eine Blöße geben. Außerdem ist die Konkurrenzsituation um die Startelf für das Pokalfinale erfreulich stark ausgeprägt. Selbst im zentralen Mittelfeld wird sich die Lage spätestens im Lauf der nächsten Woche entspannen. Oliver Kirch und womöglich auch Sebastian Kehl sind bereits für das Hertha-Spiel wieder Optionen. Bei Sven Bender könnte es gegen die Bayern reichen, wobei Jürgen Klopp aufgrund fehlender Spielpraxis unserer Stamm-6 zunächst auf andere Spieler setzen könnte. Interessant: Gegen Hoffenheim patzten drei Akteure, deren Positionen mit am sichersten sind.

Hertha BSC gehört bekanntlich zu den schlechtesten Teams der Rückserie. Trotzdem oder gerade deshalb werden sie sich für das Duell gegen den Vizemeister, Pokalfinalisten und Ramos-Käufer noch etwas vorgenommen haben. Positiv für die Borussia: Der bei Standards so starke Ronny wird wegen eines Anrisses des Syndesmosebands nicht spielen können. Schon mehrere Monate fehlt Fabian Lustenberger, der eine überzeugende Hinserie gezeigt hatte. Ansonsten werden die schwarz-gelben Jungs Zeugen eines Abschieds: Nach langer Bundesliga-Karriere wird Levan Kobiashvili seine Laufbahn beenden, die zwar durch den Aussetzer beim notorischen Relegationsspiel gegen Düsseldorf ein wenig gelitten hat, aber in ihrer Gesamtheit dennoch beeindruckt. Jos Luhukay hat ihm einen Einsatz von Beginn an versprochen.

Im Olympiastadion werden am Samstag wieder über 10.000 BVB-Fans dabei sein. Viele von ihnen wären das auch gerne in der Woche drauf, die Zahl der Enttäuschten ist riesig. Trotzdem: Machen wir das letzte Saisonspiel zu etwas Besonderem, zu einer Einstimmung auf das große Finale, egal wo man es verfolgen wird. Und gleichzeitig zu einem würdigen Ende einer erneut weitgehend erfreulichen Bundesliga-Spielzeit.

Sommer, Sonne, Sonntagsspiel

1. Bundesliga, 24. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 1

Es war ja schon sehr heiß im Breisgau. Gefühlt sollen es immerhin 20 Grad gewesen sein und relativ gesehen ist das doch ziemlich viel. Oder gibt es noch andere Gründe, dass das Spiel der Borussia eine ganze Zeit lang frappierend dem Auftritt in Hamburg ähnelte? Das Ergebnis sah zum Glück anders aus.

Die Parallelen zum desaströsen Auftritt an der Elbe waren jedoch erstaunlich, zumindest für jemanden, der die beiden folgenden Spiele gesehen hat. Eine Viertelstunde bis 20 Minuten sah es kontrolliert und ordentlich aus, was die Gäste im Dreisamstadion auf den Platz brachten. Doch dann häuften sich die Fehlpässe, der Spielaufbau wurde immer bruchstückhafter, das Freiburger Pressing zeigte Wirkung. Und man konnte nur froh sein, dass die Innenverteidigung und auch Kapitän Kehl sich davon zumindest in ihrer Defensivarbeit nicht beeindrucken ließen.

Die Problemfelder ähnelten auch personell dem Hamburg-Spiel: Über die Außen kamen generell zu wenig Impulse. Und speziell Marcel Schmelzer und Pierre-Emerick Aubameyang knüpften phasenweise an ihre damalige Leistung an: Schmelle nach vorne zwar etwas besser, aber bei den wenigen gelungenen Freiburger Spielzügen oft schlecht positioniert und zu weit weg von den Gegnern. Und ‚Auba‘ muss schlicht hart an seinem Passspiel arbeiten. Was Jürgen Klopp vor laufenden Kameras dem ausgewechselten Nuri Sahin zu sagen hatte, wollte er den Medienvertretern verständlicherweise nicht sagen. Doch mit dessen Leistung kann er nicht ganz zufrieden gewesen sein.

Was war im Süden anders als im Norden? Nun, Marco Reus und Robert Lewandowski standen heute gar nicht zur Verfügung. Dennoch bekam die Borussia das Spiel schließlich in den Griff. Was natürlich maßgeblich mit Sebastian Kehls Sonntagsschuss gegen seinen Ex-Klub zu tun hatte. Das ist übrigens gar nicht abwertend gemeint, denn der Schuss war technisch gut gemacht. Trotzdem sah Torwart Baumann vier Meter vor dem Tor etwas gestrandet aus – die Position war nachvollziehbar, aber hätte er nicht wenigstens noch ein, zwei Schritte zurück machen können?

Für den BVB war das Tor natürlich ein Segen. Der Sportclub war zuvor schon selten gefährlich und danach wurde sein Spiel unstrukturierter, die Überzeugung schien zu schwinden. Bezeichnend war allerdings, wie die Schwarz-Gelben zwei Riesenchancen kurz vor Schluss vergaben. Zunächst fehlte Aubameyang das Auge für besser postierte Mitspieler. Als er dann schließlich abgab, kam einer seiner eher in den eigenen Reihen gefürchteten Pässe heraus – dass Hofmann aus dem Hintergrund noch über das Tor schießen konnte, war glücklich. Noch ärgerlicher war Mkhitaryans Alleingang wenig später, der links und rechts mitgelaufene Kollegen übersah und an Baumann scheiterte.

Letztlich kann die Borussia mit einem solchen Sonntagssieg natürlich besser leben als Christian Streich mit null Punkten im Abstiegskampf. Dessen Schiedsrichterkritik im Anschluss sollte man ihm nachsehen. Peter Gagelmanns Entscheidung, Sokratis in der 43. Minute nur Gelb zu zeigen, war allerdings absolut richtig, denn bei der Entfernung des gefoulten Zulechner zum Ball kann man kaum von einer vereitelten Großchance sprechen. Der BVB muss allerdings künftig auch bei schönem Wetter wieder sein schönes Gesicht zeigen, denn die Gegner werden nicht leichter.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Kehl, Sahin (63. Kirch) – Aubameyang, Mkhitaryan (90. +2 Friedrich), Großkreutz – Schieber (74. Hofmann). Gelbe Karten: Mkhitaryan (gesperrt), Sokratis. Tor: Kehl

Die Borussen kommen

Um direkt an das Ende des gestrigen Textes anzuschließen: Was gibt es in dieser Saisonphase Schöneres als einen Pokalabend mit einem Gegner wie Eintracht Frankfurt? Es wird laut, es wird gekämpft – hoffentlich nur auf dem Platz – und Borussia Dortmund hat ordentliche Chancen auf ein Weiterkommen im zum Saisonziel erklärten Wettbewerb.

Eintracht-Trainer Armin Veh machte vorletzte Woche Schlagzeilen, als er entschied, Sebastian Rode und Carlos Zambrano wegen drohender Gelbsperren gegen Bayern München zu schonen. Die Partie gegen den Titelaspiranten ging deftig verloren, doch dafür wurde die Begegnung, auf die Vehs Maßnahme zielte, erfolgreich gestaltet: Das Abstiegsduell gegen die zweite Eintracht entschieden die Frankfurter mit 3:0 für sich.

Obwohl die Liga natürlich Priorität genießt, hat Veh vor dem Pokalspiel schon mal klargestellt, dass es in dieser Partie keine Geschenke geben wird. Ungewiss ist allerdings, ob die SGE nicht unfreiwillig geschwächt antreten muss. Wie bei der Borussia haben sich am Wochenende auch zwei wichtige Akteure aus der Frankfurter Stammelf verletzt. Die Mittelfeldspieler Pirmin Schwegler und Johannes Flum sind fraglich. Interessanterweise wollte sich Veh zu ihren Einsatzchancen nicht äußern, während Jürgen Klopp eher damit rechnet, dass die beiden nicht dabei sind.

Der Dortmunder Trainer machte auch bereits Andeutungen zur Aufstellung der eigenen Mannschaft. Im zentralen Mittelfeld sollte Sebastian Kehl an die Seite von Nuri Sahin rücken; ein Einsatz für Neuzugang Milos Jojic von Beginn an ist nach Klopps Worten nicht geplant. Wer Marco Reus ersetzen wird, ist ein größeres Geheimnis – hier stehen Jonas Hofmann und Kevin Großkreutz zur Debatte. Am wahrscheinlichsten ist wohl die Hereinnahme von Kevin, da Rückkehrer Piszczek auf dessen Position hinten rechts ein gutes Spiel machte und die Atmosphäre ganz nach dem Geschmack des Dortmunder Jungen sein dürfte.

Und wie stehen die Chancen? Beide Teams konnten sich am Samstag massiv gegenüber den letzten Spielen steigern und dürfen also mit Selbstvertrauen in die Partie gehen. Für die Gastgeber dürfte der Erfolg versprechendste Weg ein konsequentes Bearbeiten der Dortmunder Mittelfeldzentrale mit Kehl, Sahin und Mkhitaryan sein, die sich aus diversen Gründen im bisherigen Saisonverlauf noch nicht dauerhaft konstant präsentieren konnten. Wenn diese drei allerdings ihr Potenzial voll abrufen können oder der BVB über die Flügel auf der Höhe ist, dürfte es für die Eintracht schwierig werden – umso mehr, wenn Schwegler und/oder Flum ausfallen.

Anpfiff ist morgen erst um 20.45 Uhr. Hoffentlich relevant: Übermorgen wird nach der Begegnung HSV v Bayern das Halbfinale im Rahmen der ARD-„Sportschau live“ ausgelost.