Gut dass er kommt – ihr könnt ihn Motzki nennen!

Wer nach den Partien gegen den FC Schalke und Salzburg auch das dritte Desaster der schwarz-gelben Borussia in dieser Saison verfolgt hat, zweifelt nicht mehr daran: Es muss sich etwas ändern. Auf mehreren Ebenen. Ich habe die Partie in München nur am Rande mitbekommen. Darüber bin ich heute nicht traurig. Über den aktuellen Zustand des BVB aber natürlich schon ein wenig.

Nun hat Michael Zorc gestern im ZDF bestätigt, dass sich der Verein mit Matthias Sammer auf ein Engagement als „externer Berater“ geeinigt hat. Mit Sebastian Kehl sei man auf einem guten Weg – der Ex-Kapitän soll die Lizenzspieler-Abteilung leiten. Ein Posten, den es so bisher nicht gab. Letztlich darf man sich ihn als ein Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Sportdirektor einerseits sowie Mannschaft andererseits vorstellen. Dabei dürfte es viel um atmosphärische Dinge gehen.

Spannender erscheint die Rolle von Sammer, selbst wenn dieser nicht formell in die Vereinsstrukturen eingebunden wird. Unser ehemaliger Meistertrainer soll sich turnusmäßig mit den BVB-Entscheidern treffen und vermutlich sowohl strategische als auch ganz konkrete, etwa personelle Dinge diskutieren. Nachdem sich die Beziehung zu Sammer während dessen Bayern-Zeit stark abgekühlt hatte, ist man sich inzwischen wieder nähergekommen. Und angeblich hat der Sachse durchaus noch etwas für die Borussia übrig.

Aus dem Fernsehen geholt

Nun gibt es natürlich wieder Kritiker, die die beiden Personalien als erneute „Rückholaktion“ oder als Verzweiflungstat von zwei Versagern darstellen, die nur einmal einen Glücksgriff mit Jürgen Klopp tätigten. Die üblichen Online-Reflexe von außen eben. Ja, es handelt sich um zwei Ex-BVB-Angestellte und aktuelle TV-Experten. Aber natürlich ist Sebastian Kehl jemand, der weiß, wie eine Mannschaft tickt. Und natürlich kann man mal mit Matthias Sammer darüber diskutieren, wie man einem Team die richtige mentale Einstellung beibringt. Welche Leute du dafür brauchst. Es entscheidet ja immer noch die Geschäftsführung, man muss nicht immer einer Meinung sein.

Stellt sich die Frage, wie viel Substanz hinter der Eiferei von Sammer steckt, die man durchaus unsympathisch finden kann. Wegen seiner gelobten Tätigkeit als Eurosport-Experte wird Watzke ihn wohl nicht geholt haben. Ich kann zu der mangels Abo ohnehin nichts sagen. Matthias Sammer vertritt jedoch Werte, die man zwar nicht überbetonen sollte, die aber zweifellos für den BVB der Saison 2017/18 und den der kommenden Spielzeit wichtig bis entscheidend sind. Und man traut dem gebürtigen Dresdner auch einen Plan zu, wie die Schwarz-Gelben diese wieder verinnerlichen.

Ist es ein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe von außen zu holen? So eine Einstellung ist inzwischen zum Glück unmodern geworden. Ohne Zweifel gab es Versäumnisse von Aki Watzke und Michael Zorc in der Transferpolitik – die ich im letzten Artikel hier ja schon benannt habe. Aber die ganzen Kritiker in den Online-Kommentaren vergessen eine Tatsache oder lassen sie absichtlich weg: Der Busanschlag im letzten Jahr war etwas, das noch keine andere deutsche Profimannschaft so erleiden musste. Das betrifft zunächst die Menschen, die wirklich im Bus saßen. Aber natürlich war die Tat auch ein Schock, ein Einschnitt für Watzke und die anderen Verantwortlichen. Und hat auch für sie vieles erschwert.

Man kann mit den Ereignissen von 2017 nicht alles entschuldigen – aber den Spielern oder auch Watzke und Zorc jetzt Versagen vorzuwerfen, ist einfach unwahrscheinlich kurzsichtig und unsensibel.

Müde aber zufrieden

DFB-Pokal, Viertelfinale / BVB 3 TSG Hoffenheim 2 (n.V.)

Spiele von Borussia Dortmund sind derzeit anstrengend. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit „langweilig“ oder „schlecht“. Am Samstag war das stets emotionale Duell gegen den FC Bayern verbunden mit Frust über die Unfähigkeit der Schwarz-Gelben, gegen mauernde Gäste mehr als zwei, drei Chancen herauszuspielen – und natürlich mit Ärger über Schiedsrichter Knut Kircher, der vom „Kicker“ am Dienstag vor allem wegen der Fehlentscheidungen gegen den BVB die Note 5 bekam.

Gestern bescherte uns die Borussia nun einen langen Pokalabend gegen einen ungeliebten Kontrahenten. Mit viel Kampf, einigem Krampf und spätem Glück. Auch das schlauchte etwas. Nach dem 1:2 in Folge des kapitalen Patzers von Neven Subotic ertappte ich mich wieder beim Gedanken an eine der ärgerlichsten Niederlagen der letzten Jahre, die Partie gegen denselben Gegner am letzten Spieltag 2013. Was hätten die schwarz-gelben Jungs uns alles ersparen können. Doch zum Glück zeigte der BVB doch noch seine in den letzten Jahren erworbenen Pokal-Qualitäten.

Gut möglich, dass der Umschwung mit dem Support durch das ausverkaufte Stadion zu tun hatte, das absolut keine Lust auf eine weitere entscheidende Niederlage gegen die TSG verspürte. In der ersten Hälfte hatten die Borussen enttäuschend wenig echte Torgefahr gegen eine keinesfalls sattelfeste Gäste-Defensive verbreitet. Ohne Marco Reus und Mats Hummels, die mit Schmerzen, aber ohne schlimme Verletzungen ausfielen, fehlten wichtige Impulsgeber. Henrikh Mkhitaryan hatte gute Ideen, die er aber schwach umsetzte. Shinji Kagawa war zu selten zu sehen, dann allerdings effektiver als der Armenier. Weiterlesen „Müde aber zufrieden“

Volle Kapelle gegen Stuttgart

Dieser launige Ausdruck von Jürgen Klopp aus der Pressekonferenz vor dem Stuttgart-Spiel bedeutet keineswegs, dass Borussia Dortmund am Freitagabend seinen vollen Kader zur Verfügung hätte. Vielmehr wollte der Trainer zum Ausdruck bringen, dass niemand, der dem BVB körperlich und spielerisch weiterhelfen kann, geschont wird – etwa wegen eines Champions League-Spiels.

Es gibt jedoch eine Reihe von Spielern, die definitiv nicht auflaufen können. Die Grippewelle hat Dortmund immer noch im Griff. Erik Durm und Kuba sind nach wie vor betroffen; Mats Hummels fehlt ebenfalls schon einige Tage und scheint eher kein Thema für Freitag zu sein. Dagegen könnten sich die Optionen im zentralen Mittelfeld dank der möglichen simultanen Rückkehr von Sven Bender und Sebastian Kehl schlagartig erhöhen. Sollten sie topfit sein, könnten sie eine Alternative darstellen – ansonsten gibt es wenig Änderungsbedarf bzw. -möglichkeiten.

Der VfB Stuttgart ist trotz Huub Stevens neuerdings Tabellenschlusslicht, ohne in den letzten Partien katastrophal aufgetreten zu sein. Immerhin ging es auswärts nach Köln und Hoffenheim sowie zu Hause gegen Gladbach und Bayern. Trotzdem fehlt den Schwaben die spielerische Rafinesse, die der BVB zuletzt hier und da wieder gezeigt hat. In dieser Hinsicht ist jedoch der Winter-Neuzugang fürs Mittelfeld Serey Dié zu beachten, der vom FC Basel kam. Dagegen müssen die Gastgeber am Freitag auf Kapitän Christian Gentner verzichten, der gesperrt ist und auch noch Vater wird.

Jürgen Klopp erwartet morgen einen aggressiven VfB auf einem schlechten Platz. Für die Borussia muss beides kein Nachteil sein. Aggressivität kann sich auch in Fehlern äußern, gerade bei schwierigem Untergrund. Die Schwarz-Gelben haben dagegen bereits in Freiburg bewiesen, dass sie mit solchen Voraussetzungen zurechtkommen können. Dagegen steht für die Stuttgarter bisher ein einziges Rückserien-Tor zu Buche.

So scheinen die Chancen für den sage und schreibe dritten BVB-Sieg in Folge nicht so schlecht zu stehen, auch wenn es gegen den VfB wirklich nicht immer rund lief. Vorbedingung: Ähnliche Aufmerksamkeit wie zuletzt, gepaart mit Selbstbewusstsein.

Es geht wieder los: Kehl vier Wochen weg

Nach drei Tagen kam die endgültige Diagnose: Ex-Kapitän Sebastian Kehl hat sich im Testspiel von Borussia Dortmund gegen Steaua Bukarest eine Schultereckgelenkssprengung zugezogen. Die Verletzung soll konservativ behandelt und nicht operiert werden – dennoch wird der defensive Mittelfeldspieler den Schwarz-Gelben rund vier Wochen fehlen. Damit fallen die 1A- und 1B-Besetzung der ‚6er‘-Position für den Rückrundenauftakt aus, denn auch Sven Bender wird wohl die ersten zwei Partien verpassen, die ja am Samstag, den 31.1. und Mittwoch, den 4.2. anstehen.

Das Jahr fängt somit für die Borussia auch personell nicht so sorgenfrei an wie erhofft. Erste Spekulationen über Nachverpflichtungen sind aufgetaucht, unterfüttert mit der Bemerkung, Kehl und Bender seien nun mal recht anfällig. Doch abgesehen davon dass die BVB-Verantwortlichen nicht für Schnellschüsse bekannt sind, stellt sich die Situation auch beherrschbar dar. Bender könnte schon am 19. Spieltag zurückkehren. Und außerdem steht mit Oliver Kirch eine Alternative parat, die nach wie vor von zu vielen Beobachtern übersehen wird. Auch ein selbstbewussterer Matthias Ginter wäre im defensiven Mittelfeld denkbar.

Die ‚6‘ war zudem keine Schlüsselposition bei des Rätsels Lösung, was den BVB die Hinserie gekostet hat. Deshalb muss der Verein jetzt nicht handeln – es sei denn, es steht plötzlich der Kehl-Nachfolger vor der Tür. Sorgen macht eher, dass das Verletzungspech die Schwarz-Gelben ganz allgemein wieder zu ereilen scheint. Im Fall Kehl lag es nicht mal an zu hoher Belastung. Unsere Nummer 5 fiel unglücklich – im ‚Zweikampf‘ mit Mats Hummels.

Dortmund macht es doppelt spannend

1. Bundesliga, 2. Spieltag / FC Augsburg 2 BVB 3

Der BVB zeigt blitzsaubere, ansprechende 70 Minuten gegen einen zunächst schwachen FC Augsburg, versäumt es jedoch, nachzulegen und gerät am Ende tatsächlich noch mal unter Druck. Untypisch spannend geht es für die Schwarz-Gelben auch auf dem Transfermarkt zu: Dort will man offensichtlich ebenfalls nachlegen und könnte im Werben um Shinji Kagawa bis Montag noch erfolgreich sein. Als Konsequenz ist nach „Kicker“-Informationen eine Ausleihe von Jonas Hofmann zu Mainz 05 im Gespräch.

Doch jetzt geht es um Fakten: Die Borussia hat sich durch die Auftaktniederlage nicht nachhaltig verunsichern lassen und in der Bundesliga mit einem Auswärtssieg in Augsburg geantwortet. Das Ergebnis schmeichelt den Schwarz-Gelben wie schon letzte Woche nicht: Gegen Leverkusen hätte man ein Tor verdient gehabt und gestern wäre ein 3:1 oder 4:2 dem Spielverlauf gerechter gewesen. Jürgen Klopp stellte wieder auf ein System mit einem Stürmer um, ließ aber Jojic zentral vor Kehl agieren – eine Art 4-1-4-1. So saßen Ramos und Immobile zunächst auf der Bank, der formstarke Aubameyang agierte ganz vorne allein.

Zu dieser Aufstellung passte, dass die Borussen nicht schon mit der vordersten Linie pressten, sondern die Augsburger ein wenig kommen ließen. Es zeigte sich schnell, dass die Gastgeber wie vermutet noch wenig eingespielt sind: Sie hatten keine Ideen für die Offensive und wirkten in der Rückwärtsbewegung extrem ungeordnet. Ihre Flügel ließen sie bei den schnellen Dortmunder Gegenstößen wiederholt verwaisen. Letztere wurden angenehm flüssig ausgespielt; so wie beim 1:0 – Pass Mkhitaryan, Doppelpass Reus-Großkreutz, flacher Schuss ins rechte Eck durch Marco. Weiterlesen „Dortmund macht es doppelt spannend“

Kehl gibt Binde ab – es kann nur einen Nachfolger geben

Sebastian Kehl hat am Mittwoch im BVB-Trainingslager in Bad Ragaz seinen Rücktritt als Kapitän erklärt – für die Meisten überraschend, nur die sportliche Führung war schon seit Saisonende eingeweiht. Auf der Pressekonferenz nannte er als Hauptgrund die „Fürsorge“, den Wunsch, seinem Nachfolger noch ein Jahr zur Seite stehen zu können. Im Sommer 2015 soll bekanntlich Kehls Karriere in Dortmund enden. Sportliche Gründe – sprich: der fehlende Stammplatz – hätten dagegen keine Rolle gespielt.

Man muss die Aussagen nicht komplett für bare Münze nehmen, darf aber trotzdem annehmen, dass Sebastian sie im Sinne der Mannschaft getroffen hat. Es ist sicher nicht falsch, jetzt in diesem Punkt auf die Zukunft zu setzen und einem Spieler mehr Gewicht zu verleihen, der auch regelmäßig spielt. Als Nachfolger liegen selbstverständlich Kehls Vertreter Mats Hummels und Roman Weidenfeller nahe, die nun auch noch Weltmeister sind. Dass gar niemand anders in Frage kommt, muss man nicht so sehen: Neven Subotic und Sven Bender hätten ebenfalls das Format für die Rolle. Letztendlich aber doch nicht das geeignete Temperament.

Eigentlich kann es am Ende doch nur einen geben: Mats Hummels. Weidenfeller hat drei Nachteile: Er ist kein Feldspieler, keine zukunftsweisende Option und er ist rhetorisch einfach schwächer als Hummels – nicht nur auf Englisch. Auch als Repräsentant scheint Mats besser geeignet zu sein. Und ein klein wenig ist da natürlich die Hoffnung, dass es ihn mit der nochmals gesteigerten Wertschätzung noch ein Weilchen länger in Dortmund hält. Die Entscheidung wird in der Hauptsache Jürgen Klopp treffen – vermutlich rechtzeitig vor dem Start der Pflichtspiele.

Sebastian Kehl war jedenfalls ein nahezu vorbildlicher Kapitän, dessen Entscheidung zum Rücktritt sicher nicht mit Freude aufgenommen wurde – so viel konnte man seinen Worten entnehmen. Wünschen wir ihm alle eine tolle, erfolgreiche Saison zum Abschied! Danke, Sebastian!

 

Es geht um 70 Punkte

Einen Punktestand wie in den letzten Meisterjahren zu erreichen und mindestens das umgekehrte Ergebnis wie im Hinspiel gegen Hertha BSC – das sind die Ziele, um die es für Borussia Dortmund in der letzten Partie der Bundesligasaison noch geht und die motivierend wirken könnten. Ohne Zweifel ist das erste von zwei Spielen innerhalb von acht Tagen in der Hauptstadt nicht das spannendere. Doch ist wirklich ein Druckabfall zu befürchten? Gegen Hoffenheim war der nur in Ansätzen zu erkennen und es spricht wenig dafür, dass er sich kurz vor dem Pokalfinale und kurz nach der WM-Kadernominierung noch voll einstellt.

Bundestrainer Joachim Löw hat sechs deutsche BVB-Spieler in seine vorläufige 30er-Auswahl berufen. Keiner von denen möchte sich unmittelbar danach eine Blöße geben. Außerdem ist die Konkurrenzsituation um die Startelf für das Pokalfinale erfreulich stark ausgeprägt. Selbst im zentralen Mittelfeld wird sich die Lage spätestens im Lauf der nächsten Woche entspannen. Oliver Kirch und womöglich auch Sebastian Kehl sind bereits für das Hertha-Spiel wieder Optionen. Bei Sven Bender könnte es gegen die Bayern reichen, wobei Jürgen Klopp aufgrund fehlender Spielpraxis unserer Stamm-6 zunächst auf andere Spieler setzen könnte. Interessant: Gegen Hoffenheim patzten drei Akteure, deren Positionen mit am sichersten sind.

Hertha BSC gehört bekanntlich zu den schlechtesten Teams der Rückserie. Trotzdem oder gerade deshalb werden sie sich für das Duell gegen den Vizemeister, Pokalfinalisten und Ramos-Käufer noch etwas vorgenommen haben. Positiv für die Borussia: Der bei Standards so starke Ronny wird wegen eines Anrisses des Syndesmosebands nicht spielen können. Schon mehrere Monate fehlt Fabian Lustenberger, der eine überzeugende Hinserie gezeigt hatte. Ansonsten werden die schwarz-gelben Jungs Zeugen eines Abschieds: Nach langer Bundesliga-Karriere wird Levan Kobiashvili seine Laufbahn beenden, die zwar durch den Aussetzer beim notorischen Relegationsspiel gegen Düsseldorf ein wenig gelitten hat, aber in ihrer Gesamtheit dennoch beeindruckt. Jos Luhukay hat ihm einen Einsatz von Beginn an versprochen.

Im Olympiastadion werden am Samstag wieder über 10.000 BVB-Fans dabei sein. Viele von ihnen wären das auch gerne in der Woche drauf, die Zahl der Enttäuschten ist riesig. Trotzdem: Machen wir das letzte Saisonspiel zu etwas Besonderem, zu einer Einstimmung auf das große Finale, egal wo man es verfolgen wird. Und gleichzeitig zu einem würdigen Ende einer erneut weitgehend erfreulichen Bundesliga-Spielzeit.

Sommer, Sonne, Sonntagsspiel

1. Bundesliga, 24. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 1

Es war ja schon sehr heiß im Breisgau. Gefühlt sollen es immerhin 20 Grad gewesen sein und relativ gesehen ist das doch ziemlich viel. Oder gibt es noch andere Gründe, dass das Spiel der Borussia eine ganze Zeit lang frappierend dem Auftritt in Hamburg ähnelte? Das Ergebnis sah zum Glück anders aus.

Die Parallelen zum desaströsen Auftritt an der Elbe waren jedoch erstaunlich, zumindest für jemanden, der die beiden folgenden Spiele gesehen hat. Eine Viertelstunde bis 20 Minuten sah es kontrolliert und ordentlich aus, was die Gäste im Dreisamstadion auf den Platz brachten. Doch dann häuften sich die Fehlpässe, der Spielaufbau wurde immer bruchstückhafter, das Freiburger Pressing zeigte Wirkung. Und man konnte nur froh sein, dass die Innenverteidigung und auch Kapitän Kehl sich davon zumindest in ihrer Defensivarbeit nicht beeindrucken ließen.

Die Problemfelder ähnelten auch personell dem Hamburg-Spiel: Über die Außen kamen generell zu wenig Impulse. Und speziell Marcel Schmelzer und Pierre-Emerick Aubameyang knüpften phasenweise an ihre damalige Leistung an: Schmelle nach vorne zwar etwas besser, aber bei den wenigen gelungenen Freiburger Spielzügen oft schlecht positioniert und zu weit weg von den Gegnern. Und ‚Auba‘ muss schlicht hart an seinem Passspiel arbeiten. Was Jürgen Klopp vor laufenden Kameras dem ausgewechselten Nuri Sahin zu sagen hatte, wollte er den Medienvertretern verständlicherweise nicht sagen. Doch mit dessen Leistung kann er nicht ganz zufrieden gewesen sein.

Was war im Süden anders als im Norden? Nun, Marco Reus und Robert Lewandowski standen heute gar nicht zur Verfügung. Dennoch bekam die Borussia das Spiel schließlich in den Griff. Was natürlich maßgeblich mit Sebastian Kehls Sonntagsschuss gegen seinen Ex-Klub zu tun hatte. Das ist übrigens gar nicht abwertend gemeint, denn der Schuss war technisch gut gemacht. Trotzdem sah Torwart Baumann vier Meter vor dem Tor etwas gestrandet aus – die Position war nachvollziehbar, aber hätte er nicht wenigstens noch ein, zwei Schritte zurück machen können?

Für den BVB war das Tor natürlich ein Segen. Der Sportclub war zuvor schon selten gefährlich und danach wurde sein Spiel unstrukturierter, die Überzeugung schien zu schwinden. Bezeichnend war allerdings, wie die Schwarz-Gelben zwei Riesenchancen kurz vor Schluss vergaben. Zunächst fehlte Aubameyang das Auge für besser postierte Mitspieler. Als er dann schließlich abgab, kam einer seiner eher in den eigenen Reihen gefürchteten Pässe heraus – dass Hofmann aus dem Hintergrund noch über das Tor schießen konnte, war glücklich. Noch ärgerlicher war Mkhitaryans Alleingang wenig später, der links und rechts mitgelaufene Kollegen übersah und an Baumann scheiterte.

Letztlich kann die Borussia mit einem solchen Sonntagssieg natürlich besser leben als Christian Streich mit null Punkten im Abstiegskampf. Dessen Schiedsrichterkritik im Anschluss sollte man ihm nachsehen. Peter Gagelmanns Entscheidung, Sokratis in der 43. Minute nur Gelb zu zeigen, war allerdings absolut richtig, denn bei der Entfernung des gefoulten Zulechner zum Ball kann man kaum von einer vereitelten Großchance sprechen. Der BVB muss allerdings künftig auch bei schönem Wetter wieder sein schönes Gesicht zeigen, denn die Gegner werden nicht leichter.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Kehl, Sahin (63. Kirch) – Aubameyang, Mkhitaryan (90. +2 Friedrich), Großkreutz – Schieber (74. Hofmann). Gelbe Karten: Mkhitaryan (gesperrt), Sokratis. Tor: Kehl

Die Borussen kommen

Um direkt an das Ende des gestrigen Textes anzuschließen: Was gibt es in dieser Saisonphase Schöneres als einen Pokalabend mit einem Gegner wie Eintracht Frankfurt? Es wird laut, es wird gekämpft – hoffentlich nur auf dem Platz – und Borussia Dortmund hat ordentliche Chancen auf ein Weiterkommen im zum Saisonziel erklärten Wettbewerb.

Eintracht-Trainer Armin Veh machte vorletzte Woche Schlagzeilen, als er entschied, Sebastian Rode und Carlos Zambrano wegen drohender Gelbsperren gegen Bayern München zu schonen. Die Partie gegen den Titelaspiranten ging deftig verloren, doch dafür wurde die Begegnung, auf die Vehs Maßnahme zielte, erfolgreich gestaltet: Das Abstiegsduell gegen die zweite Eintracht entschieden die Frankfurter mit 3:0 für sich.

Obwohl die Liga natürlich Priorität genießt, hat Veh vor dem Pokalspiel schon mal klargestellt, dass es in dieser Partie keine Geschenke geben wird. Ungewiss ist allerdings, ob die SGE nicht unfreiwillig geschwächt antreten muss. Wie bei der Borussia haben sich am Wochenende auch zwei wichtige Akteure aus der Frankfurter Stammelf verletzt. Die Mittelfeldspieler Pirmin Schwegler und Johannes Flum sind fraglich. Interessanterweise wollte sich Veh zu ihren Einsatzchancen nicht äußern, während Jürgen Klopp eher damit rechnet, dass die beiden nicht dabei sind.

Der Dortmunder Trainer machte auch bereits Andeutungen zur Aufstellung der eigenen Mannschaft. Im zentralen Mittelfeld sollte Sebastian Kehl an die Seite von Nuri Sahin rücken; ein Einsatz für Neuzugang Milos Jojic von Beginn an ist nach Klopps Worten nicht geplant. Wer Marco Reus ersetzen wird, ist ein größeres Geheimnis – hier stehen Jonas Hofmann und Kevin Großkreutz zur Debatte. Am wahrscheinlichsten ist wohl die Hereinnahme von Kevin, da Rückkehrer Piszczek auf dessen Position hinten rechts ein gutes Spiel machte und die Atmosphäre ganz nach dem Geschmack des Dortmunder Jungen sein dürfte.

Und wie stehen die Chancen? Beide Teams konnten sich am Samstag massiv gegenüber den letzten Spielen steigern und dürfen also mit Selbstvertrauen in die Partie gehen. Für die Gastgeber dürfte der Erfolg versprechendste Weg ein konsequentes Bearbeiten der Dortmunder Mittelfeldzentrale mit Kehl, Sahin und Mkhitaryan sein, die sich aus diversen Gründen im bisherigen Saisonverlauf noch nicht dauerhaft konstant präsentieren konnten. Wenn diese drei allerdings ihr Potenzial voll abrufen können oder der BVB über die Flügel auf der Höhe ist, dürfte es für die Eintracht schwierig werden – umso mehr, wenn Schwegler und/oder Flum ausfallen.

Anpfiff ist morgen erst um 20.45 Uhr. Hoffentlich relevant: Übermorgen wird nach der Begegnung HSV v Bayern das Halbfinale im Rahmen der ARD-„Sportschau live“ ausgelost.

Wir kaufen nix

Am vergangenen Freitag hat BVB-Sportdirektor Michael Zorc die bisher spannendste schwarz-gelbe Nachricht der Winterpause bekanntgegeben: „Wir haben entschieden, dass wir uns wohlfühlen mit unserem aktuellen Kader“sagte ‚Susi‘ gegenüber Pressevertretern beim Trainingslager in La Manga. Sollte nichts Unvorhergesehenes passieren, wird die Borussia bis zum Ende der Transferphase keinen neuen Spieler verpflichten. Aktivitäten zu dieser Zeit und für die laufende Saison sind in Dortmund stets ohnehin nur Ausnahmen – aufgrund der zuletzt prekären personellen Situation in der Defensive wäre man 2014 allerdings weniger überrascht von einem Neuzugang gewesen.

In der Innenverteidigung stehen ab Ende des Monats hoffentlich wieder Sokratis UND Mats Hummels zur Verfügung. Dass auf dieser Position nicht nachgebessert werden soll, kann man auf zwei Arten interpretieren: Entweder als mutig, als Entscheidung für den Nachwuchs, für Koray Günter und Marian Sarr, der nicht für den einen Fehler aus dem Hertha-Spiel bestraft werden soll. Oder als riskant, falls sich erneut einer der zwei Stamm-IV verletzen sollte. Und angesichts der Tatsache, dass auch die Außen nicht immer den hohen Anforderungen genügt haben. Ein Abwehr-Allrounder wäre zumindest eine denkbare Option gewesen, jedoch mit dem Problem belastet, ihm womöglich auch ab Sommer eine Perspektive bieten zu müssen.

Der nun angekündigte Weg ist auch Ausdruck der grundsätzlich optimistischen Herangehensweise von Jürgen Klopp. Der Trainer soll nach Auskunft von Marco Reus wieder „richtig Lust“ haben auf Fußball. Beim ersten Testspiel des neuen Jahres gewann der BVB 2:0 gegen Standard Lüttich, den belgischen Tabellenführer. Klopp probierte dabei eine interessante Variante mit Henrikh Mkhitaryan als ‚8er‘ im zentralen Mittelfeld aus. Dort wäre eine denkbare Position für den 25-Millionen-Mann, sollte der Trainer sich tatsächlich wie letzte Woche spekuliert dazu entschließen, mal wieder mit zwei echten Stürmern zu agieren.

Zwei weitere Personalfragen betreffen echte BVB-Veteranen. Eine Verlängerung des Vertrages von Michael Zorc scheint bevorzustehen und nur eine Frage der Zeit zu sein. Wie Jürgen Klopp könnte der Sportdirektor seinen Kontrakt bis 2018 ausdehnen. Vergleichsweise ungewiss ist die Zukunft von Kapitän Sebastian Kehl. Der bald 34-jährige Mittelfeldspieler konnte bei der Heimniederlage gegen Hertha BSC als fast einziger schwarz-gelber Feldspieler überzeugen, hatte aber zuvor wenig gespielt. Ob sich Zorc und Kehl auf eine erneute Vertragsverlängerung um ein Jahr einigen oder getrennte Wege gehen, ist ungewiss – Gespräche sollen auch hier in Kürze geführt werden.

Kehl soll einem Karriereende in Dortmund nicht abgeneigt sein – Argumente könnte er in den kommenden Spielen liefern. Das nächste Vorbereitungsspiel steht für die Borussia bereits morgen an: gegen den Reviernachbarn VfL Bochum, allerdings erneut in Spanien im Rahmen des Trainingslagers. Ein Livestream des Spiels ist frei zugänglich über BVB Total! zu sehen.