Das Team, gegen das Jürgen Klopp nicht spielen will

Kloppo hat genug vom Pokal. Zumindest bleibt der Trainer des FC Liverpool bei seinem Standpunkt, das Wiederholungsspiel der 4. Runde des FA Cups zu Hause gegen Drittligist Shrewsbury Town auszulassen. Konkret würde das bedeuten, dass er selber sowie der gesamte Kader der ersten Mannschaft nicht da oder sogar in Urlaub sind. Antreten soll stattdessen die U23 der Reds, angeleitet von ihrem Trainer Neil Critchley.

Klopp beruft sich auf eine von der Premier League eingeführte gestaffelte Spielpause im Februar, die den Klubs aus dem Oberhaus etwas Freizeit verschaffen soll. Der englische Fußballverband FA sagt dagegen, alle Vereine hätten gewusst, was passiert, wenn man in der 4. Runde des Pokals in ein Wiederholungsspiel muss. Der Terminkalender der folgenden Wochen sei schon überladen.

Topspieler halfen nicht

Wie immer man dazu steht: Schade ist, dass die Diskussion davon ablenkt, was Liverpools Gegner Shrewsbury im Hinspiel geschafft hat. Ja, Klopp und die Reds traten im New Meadow freiwillig mit Spielern aus der zweiten Reihe an. Aber auch die späteren Einwechslungen von Alex Oxlade-Chamberlain, Mohamed Salah und Firmino verhalfen ihnen nicht zum Sieg. Der großflächig tätowierte Einwechselstürmer Jason Cummings hatte für die Riesenüberraschung gesorgt und aus einem 0:2 ein 2:2 für Shrewsbury gemacht. Weiterlesen „Das Team, gegen das Jürgen Klopp nicht spielen will“

Eine Niederlage, die Mut macht

Im Fußball gibt eine Niederlage null Punkte – wenn der Sieger alle Regeln befolgt hat. So hat auch der englische Drittligist Shrewsbury Town aus Barnsley nichts Zählbares mitgenommen. Und doch wird die 1:2-Niederlage beim Tabellenzweiten als Fortsetzung des Aufschwungs gewertet, den „Salop“ endlich geschafft hat. Viereinhalb Monate, nachdem der 37-jährige Sam Ricketts als Trainer übernahm, der zuvor nur ein halbes Jahr Erfahrung bei einem Fünftligisten vorweisen konnte.

Vor dem Spiel in Barnsley hatte Shrewsbury zehn Punkte aus den letzten fünf Partien geholt und sich sechs Punkte von der Abstiegszone absetzen können. Es hatte jedoch einige Zeit gebraucht, bis die Shrews endlich in Schwung kamen. Seit meinem letzten Beitrag über den Verein Ende 2018 waren sie zunächst bis auf die Abstiegsplätze abgerutscht und einige Fans hatten bereits einen erneuten Trainerwechsel gefordert. Doch nun erweisen sich einige der Deals, die Ricketts im Januar während der Transferperiode über die Bühne brachte, doch noch als echte Schritte nach vorne. Etwa der aus dem Nachwuchs von Manchester United fest verpflichtete Innenverteidiger Ro-Shaun Williams. Vor allem aber der bis zum Saisonende vom Zweitligisten Stoke City ausgeliehene junge Stürmer Tyrese Campbell, dem in Barnsley dieses Tor gelang:

Ja, das Spiel ging am Ende noch verloren. Die Shrews hätten aber sehr wohl gewinnen können, wie auch Barnsleys deutscher Trainer, der Ex-Hannoveraner Daniel Stendel zugab. Mehrere Eins-gegen-eins-Situationen hatten die Offensivkräfte der Gäste, darunter eine weitere Szene von Campbell.

Nun beträgt der Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang 21 drei Spieltage vor Schluss ’nur‘ noch fünf Punkte. Doch man traut es Shrewsbury Town allemal zu, am Ostermontag zuhause gegen Oxford United die Rettung faktisch klar zu machen – obwohl die Gäste aus der Uni-Stadt gerade einen sehr guten Lauf haben und als 12. noch drei Plätze besser da stehen.

Schön wär’s, denn Shrewsbury ist ein ruhiger, familiärer Klub ohne Schulden. Man gibt jungen Leuten inklusive dem Trainer eine Chance. Große Sprünge sind zwar nicht drin, auch das Stadion bietet nur knapp 10.000 Zuschauern Platz. Aber wenn ein solches Modell Erfolg hat, kann man sich heutzutage nur freuen.

Sternstunde im Mittelmaß

Ein Unentschieden wie ein Sieg, ein Unentschieden, das Standards setzt: So wurde im Umfeld von Shrewsbury Town das 1:1 vom Samstag aus der Ligapartie in Sunderland bewertet. Beim gefallenen Riesen aus dem Norden, der noch vor zwei Jahren in der Premier League spielte und selbst in der League One stets über 30.000 Leute ins Stadium of Light lockt.

Für die Gäste aus der 71.000-Einwohner-Stadt in der eher ländlichen Grafschaft Shropshire war das 1:1 ein Ausrufezeichen, ein Weckruf aus dem Mittelmaß. Am Ende der letzten Saison stand Shrewsbury Town überaus überraschend im Play-Off-Finale um den Aufstieg in die zweitklassige Championship – und blieb erfolglos. 2018/19 läuft es nach großen personellen Umwälzungen eher mäßig. Vor geraumer Zeit wurde John Askey entlassen; der neue Mann auf der Trainerbank hatte nicht an die Leistungen unter Vorgänger Paul Hurst anknüpfen können und zudem stets blass und distanziert gewirkt.

Es folgte eine positive Übergangsphase mit dem eigentlichen Torwarttrainer Danny Coyne in der Verantwortung und dem damaligen Leiter der Jugendakademie Eric Ramsay als Assistenten. Inzwischen sind beide Coaches der ersten Mannschaft. Den neuen Cheftrainer haben die Vereinsverantwortlichen erneut aus dem unterklassigen Fußball geholt: aus der semi-professionellen fünftklassigen National League, vom walisischen Verein AFC Wrexham. Dort hatte Sam Ricketts zu Saisonbeginn gerade seine erste Station als Cheftrainer angetreten. Mit Erfolg: Er führte die ‚Red Dragons‘ in die Play-Off-Ränge. Doch schafft es ein 37-jähriger Beinahe-Trainerneuling auch zwei Ligen höher? Weiterlesen „Sternstunde im Mittelmaß“

Das Jahr nach Wembley

Am 27. Mai bestritt Shrewsbury Town das Play-Off-Finale der League One in Wembley. Die Mannschaft aus der westenglischen Grafschaft Shropshire hatte zeitweise den niedrigsten Marktwert von Englands dritter Liga gehabt. Es war ein Verein ohne große Namen, der alle Erwartungen übertroffen hatte und plötzlich vor dem ganz großen Coup stand. Doch die Partie gegen Rotherham United ging verloren und der unbestrittene Vater des Erfolgs, der 44-jährige Trainer Paul Hurst, verließ die Shrews wie erwartet in Richtung Ipswich und zweite Liga.

Eigentlich wusste jeder, auch die Fans, dass Shrewsbury ein klassischer Overachiever war. Wembley war eine einzigartige Chance, die nicht so schnell wiederkommen wird. Und doch ist es schwer zu schlucken, wie es einem kleinen Verein nach solch einer verpassten Gelegenheit oft geht. Verlässt mit dem Trainer der allseits anerkannte Erfolgsgarant den Klub, ist es noch schwieriger, Spieler zu halten, die aufgrund des verpassten Aufstiegs sowieso auf gepackten Koffern sitzen.

So kam es, dass ‚Salop‘, wie Town auch genannt wird, 17 neue Leute holte und dazu drei eigene Jugendspieler beförderte. Nur zwei Stammspieler aus dem aktuellen Kader sind schon länger, seit 2015, dabei, Kapitän und Innenverteidiger Mat Sadler und Flügelspieler Shaun Whalley. Beide sind über 30.

Treue Seele, doch auch der richtige Trainer?

Der neue Trainer kam vom Fünftligisten Macclesfield Town. John Askey hatte die ‚Silkmen‘ allerdings zum Abschluss zurück in den Profifußball geführt. Das Bemerkenswerteste am neuen Mann ist seine Vereinstreue. Als Spieler lief er sagenhafte 19 Jahre am Stück für Macclesfield auf. Im Anschluss übernahm er den Verein 2003 als Trainer und blieb 15 Jahre – bis zum vergangenen Juni.

Mit so einem Mann kann man etwas aufbauen, werden sich die Verantwortlichen in Shrewsbury gedacht haben. Der Verein mag klein sein, aber seine seriöse Führung ist über fast jeden Zweifel erhaben.  Die Shrews sind einer der ganz wenigen schuldenfreien Vereine im englischen Profifußball. Wie wichtig wäre für einen Klub mit diesem Profil Kontinuität? Doch die ist in Gefahr. Denn der Start in die Saison 2018/19 verlief nicht vielversprechend. Mit nur zwei Siegen aus 13 Partien in der League One liegt Town derzeit auf Platz 17 (von 24), nur zwei Punkte vor den Abstiegsplätzen.

Vor allem die Tore wollen nicht fallen. Und Trainer Askey wird nicht nur als farblos wahrgenommen, sondern scheint mit dem Niveau der Liga noch seine Probleme zu haben. Nach der jüngsten 1:2-Niederlage in Fleetwood gab er immerhin offen zu, dass er zunächst die falsche Taktik gewählt hatte. Er begründete seinen Wechsel zu einem 4-4-2 unter anderem mit den schlechten, stürmischen Wetterverhältnissen, die am Spieltag im Nordwesten Englands geherrscht hatten. Man kann das als bewundernswerte Ehrlichkeit, aber gleichzeitig die taktische Umstellung als Herumprobieren einstufen.

Würde John Askey die Fans auch emotional mehr mitnehmen, hätte er wahrscheinlich einen etwas leichteren Stand. So wie es ist, wird die Ungeduld spürbar. Das Publikum im „New Meadow“ gilt zwar als freundlich, allerdings nähern sich die Zuschauerzahlen der 5000er-Grenze, von oben. Knapp 10.000 passen ins Stadion. Wembley ist weit weg, der Alltag so trüb wie das Wetter am gestrigen Spieltag.

P.S.: Wer wissen will, wie es weiter geht, dem sei der wöchentliche Podcast Salopcast sehr ans Herz gelegt.

Vermeintlicher Absteiger fährt nach Wembley

Vor der Saison 2017/18 hatten die meisten Beobachter der englischen League One Shrewsbury Town als ersten Absteiger auf der Liste. Zu gering schienen die Möglichkeiten: Bis vor kurzem war der Marktwert des Kaders laut „Transfermarkt.co.uk“ der niedrigste der Liga – inzwischen wird er als der drittniedrigste eingestuft. Viele Spieler kamen von unterklassigen Vereinen, nur einige Leihspieler von weiter oben. Das Stadion New Meadow am Rand der 71.000-Einwohner-Stadt Shrewsbury hat nur knapp 10.000 Plätze.

Doch am Sonntag steht „Salop“ – so der gängigste Spitzname der Blau-Gelben, der sich auf den lateinischen Namen der Stadt bezieht – im Play-Off-Finale in Wembley gegen Rotherham United. Hätten die Blau-Gelben den lange belegten zweiten Platz gehalten, wäre der Aufstieg schon geschafft. Beinahe unglaublich ist die Geschichte trotzdem.

Die Begründung hat viel mit guter Führung zu tun. Shrewsbury Town gehört Roland Wycherley, Multimillionär und ein Sohn der Stadt. Läge diese in Deutschland, könnte Wycherley mit guten Erfolgsaussichten eine Ausnahme von der 50+1-Regel beantragen. Seit 1996 ist er Vorsitzender des Vereins, den er mit Schulden übernahm. Diese wurden abgebaut und Town zog vom alten, hochwassergefährdeten Stadion Gay Meadow ins frisch erbaute New Meadow. Zwar macht der Verein keine großen Sprünge, aber es sind Ruhe, Wirtschaftlichkeit und zuletzt Zuversicht eingekehrt. Weiterlesen „Vermeintlicher Absteiger fährt nach Wembley“

Der lange Prozess des Wiederaufstehens

Boxing Day 2016. Gut 16.000 Zuschauer verfolgen im Macron Stadium den 2:1-Heimsieg der Bolton Wanderers über Shrewsbury Town bei windigem Wetter und einstelligen Temperaturen. Der 29-jährige Innenverteidiger David Wheater reagiert in der ersten Hälfte nach zwei Standards am schnellsten und sorgt für drei Punkte. Die Spielstätte der Wanderers ist mehr als halb voll und die Besucherzahl an diesem beliebten Spieltag die dritthöchste der Liga.

Dennoch: Shrewsbury hat bei allem Respekt nicht den gleichen Glamour-Faktor wie der FC Bayern, den die „Trotters“ noch 2007 im Europapokal mächtig ärgerten – Stichwort: Fußball ist keine Mathematik. Als Any Given Weekend vor genau zwei Jahren zum letzten Mal über Bolton berichtete, war der Verein bereits in die zweite Liga abgestiegen und steckte bis zum Hals in Schulden. Doch immerhin gab es in Eddie Davies einen scheinbar geduldigen Besitzer, der viele Millionen investiert hatte und selber Fan war. Damals war nicht abzusehen, wie viel schlimmer es noch kommen konnte.

Inzwischen spielt Bolton drittklassig in der League One. Doch für die größten Negativschlagzeilen sorgte das Geschehen abseits des Platzes. Die finanzielle Situation spitzte sich so zu, dass sowohl die Steuerbehörden als auch die Football League tätig wurden. Wegen Verstößen gegen das Finanical Fair Play – es ging um nicht eingereichte Unterlagen – wurden die Trotters mit einem Transferembargo belegt, das ihnen verbietet, Transfer- oder Leihgebühren zu bezahlen. Sie dürfen allerdings Spieler kostenlos verpflichten und natürlich Gehälter zahlen. Noch dramatischer waren die Steuerschulden: Wäre es nicht zu einer Reduzierung der Verbindlichkeiten gekommen, hätte Bolton in die Insolvenz gehen müssen. Besitzer Davies suchte inzwischen nach einem Käufer für den Klub. Weiterlesen „Der lange Prozess des Wiederaufstehens“

Klub gegen Land

Gestern trat England zum EM-Qualifikationsspiel gegen Wales im Millennium Stadium von Cardiff an und gewann mit 2:0. So weit, so wenig überraschend. Die Partie wurde um 15 Uhr Ortszeit angepfiffen, obwohl die FA (Fußballverband) in England den Grundsatz hat, dass zu dieser Zeit keine heimischen Live-Spiele im Fernsehen laufen sollen, um den unterklassigen Fußball zu schützen. Diese Regel befolgt normalerweise auch die walisische FA, schließlich spielen unter anderem die beiden größten Vereine aus Wales, Cardiff City und Swansea City, in der englischen Championship.

Warum sich die beiden britischen Verbände über den vor allem auf den Ligabetrieb bezogenen Grundsatz hinwegsetzten, wurde nicht direkt kommuniziert, ist aber unschwer zu erraten. Man erhoffte sich im britischen Duell von der traditionellen britischen Anstoßzeit die höchstmöglichen Einschaltquoten und Einnahmen. Die beiden obersten englischen Ligen, die Premier League und die Championship, legen an Länderspiel-Wochenenden selbstverständlich eine Pause ein und waren so nicht betroffen. Dagegen stellte sich für alle Vereine ab der League One abwärts die Frage, ob sie beim üblichen Termin bleiben oder ihre Partien um Stunden oder einen Tag nach hinten oder vorne verschieben sollten.

Von den verbleibenden 24 Profispielen aus League One und League Two wurden 23 verschoben. Die einzige Partie, die gestern um 15 Uhr angepfiffen wurde, war Bradford City gegen Shrewsbury Town in der League Two (4. Liga). Natürlich hatten auch die Verantwortlichen der gastgebenden ‚Bantams‘ Interesse an einer Verlegung gehabt, aber die Gäste aus Shrewsbury spielten nicht mit. Ein Termin am Sonntag kam für sie nicht in Frage, weil sie bereits am Dienstag ihr nächstes Spiel haben. Für ein Vorziehen der Begegnung auf Samstagmittag forderten sie die Übernahme der Kosten für die dann notwendige Übernachtung durch die Gastgeber. Dies lehnte Bradford ab. Weiterlesen „Klub gegen Land“