Borussia kompakt: Die neue Reife

Champions League, 2. Spieltag / BVB 3 AS Monaco 0

Nach dem Gewinn der High-Speed-Oper in Leverkusen zeigt Borussia Dortmund ein zweites Mal, dass das 7:0 gegen Nürnberg keinesfalls so bizarr war wie es sich nach der langen Wartezeit auf sieben eigene Tore zunächst anfühlte. Natürlich war es wieder nicht durchweg gut, was die Schwarz-Gelben spielten. Die erste Hälfte gehörte nach etwa einer Viertelstunde überwiegend den Monegassen. Doch der BVB 2018/19, der Favre-BVB, kann reagieren und findet Lösungen.

Auch heute hing das auch mit dem Gegner zusammen. Monaco hatte in den ersten 45 Minuten viel investiert und war wie in der Liga auch an der Chancenverwertung gescheitert. Normalerweise hätten sie über 90 Minuten ein, zwei Dinger machen müssen. Aber neben Roman Bürki überzeugten bei der Borussia auch die Innenverteidiger, Manuel Akanji und Dan-Axel Zagadou. Die spielen zwar nicht komplett fehlerfrei, aber weit souveräner, als man es aufgrund des Alters bzw. der bisherigen Einsatzzeiten vermuten würde.

Wieder schlug ein Wechsel von Lucien Favre voll ein. Unglaublich, wie Jacob Bruun Larsen sich selbst in der Champions League zurechtfindet. Ein Tor, eine herrliche Vorarbeit – wie schön, dass so eine Nachwuchs-Geschichte mal wieder funktioniert, auch wenn Larsen mit sechs Jahren noch kein Schwarz-Gelber war. Jadon Sancho, der gerade bis 2022 verlängert hat, legte Larsen das erste Tor vor. Die Zukunft kann kommen.

Stark auch, wie sich Paco Alcacer von seinem Elfmeter an die Latte erholte und umso entschlossener kurz danach das 2:0 machte. Weniger stark auch über 90 Minuten dagegen Axel Witsel, der mir in den letzten Partien öfter zu zögerlich wirkte und manchmal ins Fußgänger-Tempo verfiel. Für was die Borussia in dieser Saison reif ist? Sollen sich andere überlegen. Das CL-Achtelfinale erscheint jedenfalls möglich.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Zagadou, Diallo – Witsel, Delaney (65. Weigl) – Sancho (84. Philipp), Reus, Wolf (46. Larsen) – Paco Alcacer. Tore: Larsen, Alcacer, Reus

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Spaß mit Favre

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 7 1. FC Nürnberg 0

Wann hat Borussia Dortmund eigentlich zum letzten Mal in der Bundesliga siebenmal getroffen? Sechs Tore haben sich mir in den vielen Jahren, die ich die Schwarz-Gelben verfolge, als eine Art Schwelle eingeprägt, die wir nie überschritten haben. Oder, liebe Statistiker?

Wie konnte es also dazu kommen, dass die Borussia gegen den sehr achtbar in die Saison gestarteten Aufsteiger zu dieser seltenen Ausbeute kam? Nun, wenn man mit einer derart konservativ-defensiven, nur auf Konter lauernden Taktik im Westfalenstadion antritt, darf man sich so gut wie keinen Fehler erlauben. Zunächst klappte das bei den Gästen ja trotz Rückstand noch leidlich, man war das eine oder andere Mal auch in der Dortmunder Hälfte. Aber sie forderten den BVB im Mittelfeld zu selten, sie hatten keine gefährlichen Außen wie Hoffenheim, die Präzision war zu niedrig und die Fehlerquote zu hoch.

Gut für uns! So konnte die Borussia eine beeindruckende Leistungsschau abliefern. Und wem das zu sehr nach Business klingt: Das war super, das war elegant. Und mit Sicherheit auch Lucien Favre zu verdanken, der sich vor dem Spiel von Sky mal wieder die ewig gleichen Fragen nach Mario Götze anhören musste. Der war nicht im Kader, weil er im Moment schwächer spielt als die, die im Kader stehen. Punkt. Dass da so viele im Kader stehen, haben in erster Linie andere als der Trainer zu verantworten. Weiterlesen „Spaß mit Favre“

Heißes Spiel und heiße Köpfe

1. Bundesliga, 4. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 1

Hat diese Begegnung ihrem Ruf doch mal wieder alle Ehre gemacht. Guter Fußball – wenn auch nicht immer von Schwarz-Gelb, heiß umkämpft bis zum Schluss, Umstrittenes auf und neben dem Platz. Am Ende darf sich Borussia Dortmund über einen in Unterzahl errungenen Punkt natürlich etwas mehr freuen.

Bemerkenswerte Personalentscheidungen traf diesmal Lucien Favre: Der bis zu dieser Woche kaum zum Zug gekommene Shinji Kagwa stand in der Startelf, Marius Wolf spielte eine Art Mittelstürmer. Darüber dass Mario Götze nicht im Kader stand mussten sich nur einige Medien wundern. Die Schwarz-Gelben legten gut los, waren direkt im Spiel und bauten Druck auf. Allerdings nur bis zum Strafraum, dahinter ging nicht mehr viel.

Einige vorhergesagte Dinge trafen ein: die fehlende Durchschlagskraft ohne gelernten Stürmer, defensiv die Probleme auf den Flügeln. Marcel Schmelzer hatte vom Engagement her einen ganz starken Auftritt, aber er wurde auch etliche Male überspielt. Ein, zwei brauchbare Flanken und der Steilpass vor dem Ausgleich waren seine Offensivbilanz. Sagen wir es so: Es gab schon schwächere Partien von ihm. Ob uns das auf Dauer reicht, muss Lucien Favre entscheiden, am besten ganz allein.

Fehlentscheidung ins Glück

Als etwa zur Hälfte der ersten Halbzeit die Hoffenheimer ihrerseits Druck aufbauen konnten, wurde es dann ganz spärlich mit den Dortmunder Bemühungen nach vorne. Der Rückstand war schon folgerichtig, aber auch zu verhindern. Es war ja nicht nur Diallo, der per Kopf suboptimal klärte. Schon eine Aktion vorher konnten sich Witsel und Schmelzer in der Nähe des Sechzehnmeterraums nicht entscheiden, zum Ball zu gehen und den aus der Gefahrenzone zu befördern. Überhaupt war es mindestens bis zum Platzverweis gegen Diallo das schwächste Spiel von Axel Witsel in schwarz-gelb. Weiterlesen „Heißes Spiel und heiße Köpfe“

Ein passendes Saisonfinale

1. Bundesliga, 34. Spieltag / TSG Hoffenheim 3 BVB 1

Der letzte Spieltag ist vorbei und kein Schwarz-Gelber wird sich in fünf oder zehn Jahren gerne an diese Saison zurückerinnern. Es fällt einem auch schlicht kein Grund dafür ein, trotz starkem Auftakt, trotz dem Spiel gegen Leverkusen. Aber für das Selbstverständnis der Borussia war das alles zu wenig, und zwar spielerisch wie kämpferisch. Diesen Anschein hatten zu viele Auftritte des BVB und nur das Äußerliche kann man objektiv beurteilen.

Als hätte es noch eines Beweises bedurft, verlor die Borussia verdient in Sinsheim, wurde von der Nagelsmann-Truppe noch überholt und schleppte sich nur in die Champions League, weil Leverkusens Aufholjagd gegen Hannover irgendwann ins Stocken geriet. Selbst wenn es zählte – oder gerade dann – konnten die schwarz-gelben Jungs 2017/18 oft nicht ihr Leistungsvermögen abrufen.

Fehlerkette beginnt bei Stöger

Nach dieser Partie dürfte es noch einmal deutlich weniger Befürworter einer Weiterbeschäftigung des grundsätzlich sympathischen Peter Stöger geben als zuvor. Die Aufstellung wirkte wie der Höhepunkt eines hilflosen Rumtüftelns an der Startelf – dabei schien der Trainer in dieser Hinsicht schon weiter zu sein. Aber was ritt ihn, es mit einer Dreierkette inklusive Akanji als einzigem echten Innenverteidiger und Marcel Schmelzer zu versuchen? Warum stellte er mit Sahin und Weigl gleich zwei über die Saison hinweg eher enttäuschende Akteure in die Startelf? Und warum um alles in der Welt spielte André Schürrle und nicht Maximilian Philipp? Weiterlesen „Ein passendes Saisonfinale“

Dortmunds netter Versuch in Bremen

1. Bundesliga, 32. Spieltag / Werder Bremen 1 BVB 1

Keine 90 Minuten Spitzenfußball, die ein oder andere heikle Szene überstanden, aber allemal genug getan, um drei Punkte mitzunehmen: So lässt sich das schwarz-gelbe Gastspiel in Bremen zusammenfassen. But you can’t win anything with Schürrle, um es mal frei nach Alan Hansen zu sagen. Ich würde mich freuen wenn ich genauso falsch läge wie der schottische TV-Experte – glaube es aber nicht.

Wer hätte nicht gerne einen Bierbecher in Richtung Bildschirm geworfen, als der eingewechselte André Schürrle frei vor Jiri Pavlenka am Bremer Keeper scheiterte? Klar, der Schuss war klasse gehalten – aber war er nicht besser platzierbar? Es ist das Langzeitproblem von Schürrle: Er läuft und läuft, schießt und schießt, trifft aber nicht. Auch an seinem sanften Kopfball war Pavlenka noch entscheidend dran.

Natürlich lag das Unentschieden mehr am Bremer Torwart als an einem einzelnen Dortmunder. Es gab außerdem Aluminiumtreffer von Akanji und Sancho, einen knapp verfehlten Knaller von Marco Reus. Aber es ist symptomatisch für diese BVB-Saison, dass Peter Stöger immer wieder André Schürrle bringt oder bringen muss.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Vor allem in der zweiten Halbzeit war das eine ansprechende Partie von schwarz-gelb, während es zuvor längere passive Phasen gegeben hatte. Und da auch die Bremer weiter mitmischen wollten, wurde es trotz Dortmunder Überlegenheit doch noch zu einem dieser heißen Duelle, für die diese beiden Klubs schon oft gesorgt haben.

Die schwarz-gelbe Offensive lässt sich in der derzeitigen Besetzung gut anschauen, doch natürlich fehlt ein echter Torjäger. Gegen Mainz, das heute zum Glück RB Leipzig schlug, kann der BVB dennoch die Champions League klar machen. Eine gute Gelegenheit, noch an den Blauen vorbeizuziehen, hat man jedoch ausgelassen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Akanji – Weigl, Götze – Pulisic (61. Schürrle), Reus, Sancho – Philipp (79. Yarmolenko). Gelbe Karten: Piszczek, Sokratis. Tor: Reus

Und etwas dreht sich doch

1. Bundesliga, 31. Spieltag / BVB 4 Bayer Leverkusen 0

Was passiert denn da auf dem Planeten Borussia? Kapitän Marcel Schmelzer sitzt unverletzt auf der Tribüne und die Mannschaft nimmt Bayer 04 auseinander. Ob das etwas miteinander zu tun hatte?

Wenn ich mir nach der Derby-Pleite etwas von Peter Stöger und den schwarz-gelben Jungs gewünscht hatte, dann mehr Mut. Ich hatte auf Alexander Isak in der Startelf gehofft – doch der stand nicht im Kader. Überraschungen in der Aufstellung gab es trotzdem: Götze rückte ins zentrale Mittelfeld und Jadon Sancho auf die linke Außenbahn. Hinten links spielte der Innenverteidiger Manuel Akanji. Für Schmelle. Und wie.

Doppelter Punktgewinn für Stöger

Peter Stöger traf nicht nur eine überfällige Personalentscheidung, er konnte sich am Ende der Partie auch als Taktiksieger fühlen. Mit Akanji kam der nötige Druck auf die als Schwachstelle erkannten Leverkusener Außenverteidiger zustande. Endlich funktionierte einmal ein Dortmunder Flügel von vorne bis hinten. Obendrein war der Schweizer Aushilfs-Linksverteidiger auch an einem der BVB-Treffer maßgeblich mit einem langen, präzisen Pass beteiligt. Weiterlesen „Und etwas dreht sich doch“

Nur noch vier Spiele – zum Glück!

1. Bundesliga, 30. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 0

Die sportlich gesehen enttäuschendste Spielzeit des BVB seit langem – ja, trotz der letzten unter Jürgen Klopp – geht bald zu Ende. Das ist die schönste Erkenntnis eines bis in die Nachspielzeit schwarzen Derby-Tags für Schwarz-Gelb. Die Borussia vergab auch die letzte Chance auf einen versöhnlichen Saisonausklang – ja, trotz der weiterhin möglichen CL-Qualifikation.

Schalke ging in eigener Halle verdient als Sieger vom Platz. Weil die Gastgeber länger die Mannschaft mit dem reiferen Spielaufbau waren. Weil sie mehr gute Abschlussmöglichkeiten hatten. Die ausgeglichene Zahl der Torschüsse (12:12) täuscht: Die des BVB waren harmloser, oft mit viel Hoffnung abgefeuert, manchmal eher Zufallsprodukte. Schalke gewann auch, wie Peter Stöger richtig erkannte, wegen individueller Fehler: Marcel Schmelzer verlor den Ball vor dem 0:1, die Spieler in der Freistoßmauer patzten beim 0:2. Aber das ist wirklich nicht mal die halbe Wahrheit.

Den schwarz-gelben Jungs gelang nach vorne zu wenig. Ganz wenig. Obwohl Christian Pulisic sich abmühte und in Ansätzen seine Klasse erkennen ließ. Aber fast alle anderen hatten einen gebrauchten Tag. Mal wieder, wenn es um etwas geht. Ausnahme: Roman Bürki, mal wieder. Mo Dahoud wirkte zunächst extrem engagiert, aber auch das legte sich im Laufe des Spiels. Ja, den Fehler vor dem Gegentor machte Schmelzer. Überraschung. Ist ja nicht so, dass man es nicht hätte wissen können, dass unsere Außenverteidigung nicht auf dem neuesten Stand ist. Eine Dreifach-Verneinung in einem Satz? Ja, auch das passt heute.

Dass es an ganz bestimmten Stellen – Außenverteidigung, Mittelfeldzentrale – weiter hakt, überrascht natürlich nicht. Inzwischen kann man aber auch davon sprechen, dass diese schwarz-gelbe Mannschaft ein Problem mit Topspielen hat. Mit dem Druck in diesen Spielen. Das Problem tritt nicht in jeder solchen Partie gleichermaßen auf – so fiel Leipzig positiv aus dem Rahmen. Es zieht sich auch nicht immer über 90 Minuten. Aber oft sind es die entscheidenden Momente, in denen das Team eben nicht auf der Höhe wirkt.

Man kann über die Gründe für die fehlende Druckresistenz jetzt wieder lange spekulieren. Man darf das letzte Frühjahr dabei nicht vergessen, aber es wird auch nie einen Beweis geben, dass da noch was nachhängt. Also bleibt uns nur, auf einen möglichst umfassenden Neuanfang im Sommer zu hoffen. Mit Watzke und Zorc, das wissen wir und das ist auch gut so. Aber vielleicht ohne viele andere. Und auch das könnte für alle Beteiligten gut sein. Ob Michy Batshuayi im Juli noch da sein wird? Eher unwahrscheinlich. Fehlen wird er der Borussia aber wohl schon vorher. Verletzte er sich doch in der Nachspielzeit dieses Derbys zum Vergessen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Schmelzer (86. Götze) – Sahin, Dahoud (79. Sancho) – Pulisic, Reus, Philipp (46. Schürrle) – Batshuayi. Gelbe Karte: Piszczek.

Das andere Gesicht

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 1 Hannover 96 0

Es geht also doch: Rechtzeitig vor den Partien gegen die namhaftesten und formstärksten Konkurrenten in der Bundesliga hat Borussia Dortmund mal wieder ein überzeugendes Spiel abgeliefert. Gesehen habe ich davon dank des neuen Fernsehvertrags nur die Zusammenfassung auf „Sky“. Aber eine Statistik lügt wohl nicht: Mit 27 Torschüssen stellten die Schwarz-Gelben für sich eine neue Saisonbestmarke auf.

Dass die Gastgeber so viel mehr Torgefahr ausstrahlten als am Donnerstag in Salzburg, dürfte auch daran liegen, dass es 96 scheinbar kaum gelang, ein ähnlich aggressives Pressing aufzuziehen wie die Österreicher. Von außen betrachtet sieht es natürlich außerdem so aus, als ob die Borussen mit einer ganz anderen Einstellung auftraten als beim Brauseklub. Doch mit „Laissez-faire“ und „Nicht-kämpfen-wollen“ hatte die Leistung vom Europa League-Spiel wohl nichts zu tun – eher mit einer Negativspirale, in der sich die Spieler wiederfanden.

In der Liga dagegen hat Peter Stöger die schwarz-gelben Jungs stabilisiert, wie zuletzt gegen Frankfurt zu sehen war. Und vielleicht war das heute auch eine Reaktion auf die harte Kritik, die es nach Salzburg von allen Seiten gab. Allerdings hätte der BVB mehr Tore schießen müssen – wirklich souverän ist so eine Chancenverwertung natürlich nicht. Zumal das wegen Abseits nicht gegebene Tor der Gäste auch gleiche Höhe gewesen sein könnte.

Das Tor, das zählte, war allerdings mindestens drei Punkte wert. Eine Ecke, die Michy Batshuayi direkt mit der Hacke ins Tor lenkte – etwas Vergleichbares haben wir im Westfalenstadion schon lange nicht mehr gesehen. Ein Treffer, der auch in den Saisonrückblicken zu sehen sein dürfte.

Nach der Länderspielpause geht es dann zum Topspiel nach München. Wo sich die Bayern wohl wieder deutlich mehr Mühe geben werden als heute Abend in Leipzig.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Toprak (46. Sokratis), Schmelzer – Castro (64. Weigl), Dahoud – Pulisic (70. Philipp), Götze, Schürrle – Batshuayi. Gelbe Karten: Akanji, Sokratis. Tor: Batshuayi

Dortmund gibt sich die Mozartkugel

Europa League, Achtelfinale / „FC“ Salzburg 0 BVB 0

Es hört sich ja schon komisch an, vom „Wunder von Salzburg“ zu sprechen. Aber in diese Verlegenheit kommt nun keiner. Borussia Dortmund hat sich mit einem tristen 0:0 aus dem Europapokal verabschiedet – nach einer insgesamt sehr schwachen Kampagne. Das Weiterkommen in der schweren CL-Gruppe war keine Pflicht, mehr Punkte gegen Nikosia allerdings schon. Und ein Ausscheiden gegen RBFC Salzburg wegen einer Heimniederlage geht natürlich gar nicht.

Was die Schwarz-Gelben gestern Abend boten reihte sich ein in die schwächeren Auftritte in den europäischen Wettbewerben dieser Saison. Da war über weite Strecken eine Mannschaft auf dem Platz, die keinen Plan davon hatte, wie man diesen Gegner systematisch unter Druck setzen könnte. Und vor allem in der ersten Hälfte auch wenig Plan, wie man die schnellen Salzburger Attacken unterbinden sollte. Wenn Letzteres in den zweiten 45 Minuten etwas besser aussah, dann lag das vor allem an einer verbesserten Innenverteidigung, in der sich Toprak-Ersatz Zagadou besser präsentierte als zu Beginn.

Es blieb auch gestern dabei: Der BVB schafft es nicht mehr, das Zentrum des Spielfelds zu kontrollieren. Meistens ging es uneffektiv über die Außen oder mit langen Pässen nach vorne, die nicht ankamen. Mahmoud Dahoud wirkte emsig, verbuchte das technische Kabinettstückchen des Spiels, um den Ball zwei Sekunden danach zu verlieren. Das fasst seine Leistung ganz gut zusammen. Die Borussen überall auf dem Platz wirkten zu oft zu langsam, kamen zu spät, spielten unsauber ab. Es war ernüchternd – bis auf eine Phase von etwa zehn Minuten in Hälfte 2, in der man die Gastgeber ernsthaft unter Druck setzte und zwei große Chancen vergab. Weiterlesen „Dortmund gibt sich die Mozartkugel“

Leider ein Topspiel

1. Bundesliga, 25. Spieltag / RB Leipzig 1 BVB 1

So was wollen wir in der Bundesliga sehen! Nach der Partie des Tabellensechsten gegen den vor dem Wochenende Tabellenzweiten darf man feststellen: Es geht doch noch spannend und temporeich. Einige Beobachter der höchsten deutschen Spielklasse hatten zuletzt ja die Qualitätsfrage gestellt. Sportlich sind diese Leipziger eine Bereicherung, auch den zuletzt vor sich hin verwaltenden Schwarz-Gelben rangen sie eine reife Leistung ab. Und dennoch: Für unseren Lieblingssport sind und bleiben sie ein Tiefschlag. Wer darin einen Widerspruch sehen will: bitte sehr!

Die Begegnung gestern Abend war leistungsmäßig von einem perfekten Spiel trotzdem weit entfernt. Gegen schnell agierende Offensivakteure gerieten die Abwehrreihen beider Seiten wiederholt in Schwierigkeiten. Aber genau deshalb entstand eine rasante Partie. Manuel Akanji, der in der Liga mal wieder für Sokratis ran durfte, leistete sich den ersten großen Fehler, wusste aber in der Folge meistens zu überzeugen.

Problematisch für beide Teams war weniger die Innenverteidigung, sondern eher der phasenweise kaum vorhandene Zugriff der zentralen Mittelfeldspieler. Bei den Gastgebern enttäuschte vor allem der Ex-Borusse Kampl, bei Schwarz-Gelb waren Weigl und Dahoud allenfalls hin und wieder Faktoren im Spielaufbau. Ja, Mo zeigte eine leichte Aufwärtstendenz, inklusive starker Vorbereitung des Ausgleichs. Aber die Zahl seiner ungenauen bis sinnlosen Pässe überstieg immer noch die besseren.

Die Rückkehr des Torjägers

Generell war die erste Hälfte eher was fürs Auge und die Offensive, in der zweiten standen die Defensivreihen dann besser. Mit nur ein wenig mehr Glück hätte Michy Batshuayi trotzdem das zweite Tor machen können. So blieb es bei einer sicherlich gerechten Punkteteilung, auch wenn die Leipziger am Ende wieder was zu jammern hatten: War Marco Reus‘ Mittelfinger beim 1:1 möglicherweise einen Millimeter im Abseits? Das Beste aus Halbzeit 2 war die Rückkehr von Maximilian Philipp, der nach 78 Minuten für Götze kam. „Millie“ ist nach dem Abgang von Auba trotz seiner langen Verletzung immer noch führender Torschütze der Schwarz-Gelben in dieser Saison.

Gut zu sehen: Die Einstellung des BVB stimmte über 90 Minuten plus. Die Frage dazu: Bleibt das in Spielen gegen vermeintlich kleinere Gegner so? Während das 1:1 gestern einerseits als guter Punkt zu werten ist, hätte man gerne mit einem Sieg Revanche für das Heimspiel genommen. Und tabellentechnisch hilft das Unentschieden natürlich auch nicht weiter, haben doch alle anderen unmittelbaren Konkurrenten gewonnen. Die Frage bleibt also: Was kommt als nächstes? Zunächst gegen den Klub, der natürlich nur rein zufällig denselben Hauptsponsor hat wie der gestrige Gegner.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Toprak, Schmelzer – Weigl, Dahoud – Reus (88. Pulisic), Götze (78. Philipp), Schürrle – Batshuayi. Gelbe Karten: Weigl, Dahoud, Batshuayi, Piszczek. Tor: Reus