Der letzte Wecker

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Klar könnte ich etwas über den Supercup schreiben. Auch wenn der ein Heißluftballon der DFL ist, stellt die Partie gegen den FC Bayern immer eine Standortbestimmung dar. Derzufolge steht die schwarz-gelbe Borussia unter dem neuen Trainer Peter Bosz gar nicht so schlecht da. Außerdem darf natürlich der Videobeweis diskutiert werden, bei dessen erster Pflichtspiel-Anwendung im deutschen Vereinsfußball dem Videoschiedsrichter Tobias Stieler die virtuelle Abseitslinie fehlte und er somit dem FC Bayern eher zweifelhaft das 1:1 zusprach.

Aber: So wird dieser Beitrag nicht weitergehen. Denn diese Woche hat der Profifußball endgültig eine Schwelle überschritten, ist in eine neue Dimension eingetreten oder welches Bild auch immer man wählen will. Der Neymar-Transfer zu PSG verändert meiner Meinung nach nochmals die Wahrnehmung, die man von diesem Geschäft haben kann. Wir reden von 222 Millionen Euro nur an Ablösesumme, die durch die bekannte Ausstiegsklausel verbürgt ist. Es geht auch gar nicht darum, dass der BVB direkt von diesem Deal betroffen sein könnte, wenn der FC Barcelona sich nun um Ousmane Dembelé bemüht. Nein: Ich bin gerade im Urlaub in Griechenland und man muss einfach darüber nachdenken, was man mit diesem Geld hier oder anderswo erreichen könnte.

Irgendwann reicht es nicht mehr zu sagen, dass das natürlich übertrieben oder sogar „pervers“ sei – letzteres Adjektiv stammt von ZDF-Experte Holger Stanislawski. Manche Leute haben ja sogar die Haltung: So wie die Gesellschaft ist eben der Sport; ist trotzdem ne gute Show und wer sich das nicht mehr antun will, kann ja Kreisliga gucken. Mein Verständnis für diese Apologeten geht immer mehr gegen Null. Was ich dagegen nachvollziehen kann, ist Vereinsliebe. Die habe ich selber und warum sollte ich die verlieren, nur weil diese Branche aus dem Ruder läuft. Gerade für jene Fans, die mit ihrem Verein wirklich ‚durch dick und dünn‘ gegangen sind, ist Aufgeben wohl keine Option.

Und doch: Muss man nicht zumindest eine neue Haltung finden? Es gibt genügend Beispiele, dass die Autoritäten des Fußballs nicht gewillt sind, ernsthaft gegen Auswüchse vorzugehen. RB Leipzig und Neymar sind nur die uns geläufigsten Beispiele. Natürlich hoffe ich darauf, dass der Rekordtransfer noch untersucht wird, doch ich glaube nicht, dass dabei eine ernsthafte Sanktion herauskommt. Und während ich natürlich gespannt bin, wie sich die Schwarz-Gelben unter dem netten Herrn Bosz schlagen, während ich natürlich über das geile Aubameyang-Tor gegen Bayern gejubelt habe, wächst die Distanz.

Ich verstehe also Fans, die weiter mit ihrem Erstligaklub mitzittern genauso wie jene, die sich zumindest vom Profifußball ganz abwenden. Etwas einfacher sind solche Entscheidungen für jemanden, der eine Beziehung zu einem Zweitverein hat – bei mir ist es der örtliche Regionalligist. Bei dem ist man außerdem wirklich nah dran und kriegt ohne Probleme Karten. Ohne Fußball geht es nicht, ohne Dortmund auch nicht, aber es wird anders werden. Red Bull und die Scheichs dürfen nicht gewinnen, aber echten Sport gibt es sowieso abseits der Top-Ligen zu sehen.

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Zur Kritik am Supercup

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Eins mal vorweg: Klar soll mit dem DFL-Supercup Geld verdient werden. Wie mit jedem anderen Profi-Fußballspiel. Und man kann über die in diesem Jahr unglücklich frühe Terminierung streiten. Aber zwei Argumente gegen den ‚Wettbewerb‘, die in den letzten Tagen häufig zu hören und lesen waren, sind für mich absolut nicht nachvollziehbar.

1. Von manchen Fans ist zu hören, der Supercup habe keine Tradition. Diese Kritik wird dann häufig mit dem Geld-Argument verbunden. Zugegeben, DFL und DFB haben in den letzten Jahrzehnten viel an diesem Wettbewerb herumgedoktert. Der Modus wurde mehrmals verändert, zwischendurch der Cup ganz abgeschafft. Natürlich ging es gerade beim Versuch, die Zahl der Spiele zu erhöhen, um Profitmaximierung. Aber in seiner jetzigen Form kann man dem Cup international gesehen Tradition nicht absprechen. Es gibt das Duell Meister gegen Pokalsieger vor der Saison in vielen Ländern, von England bis Spanien. Und die Wurzeln der ganzen Supercups reichen durchaus schon einige Jährchen zurück.

2. Ziemlich hanebüchen ist das Argument, der BVB habe als zweifacher Vize ja gar nicht verdient gehabt, den Supercup zu spielen. Kann man einen Wettbewerb, den man pushen und ernsthaft betreiben will, denn einfach absagen, wenn ein Verein das Double gewinnt? Wie gesagt, ziemlicher Blödsinn! Nicht zu vergessen: In der Liga und im Pokal unterlegene Vereine können auch in die Europa League nachrücken, wenn die erfolgreicheren Klubs Champions League spielen – darüber hat sich noch niemand aufgeregt.

Trotzdem Super

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Supercup / BVB 2 Bayern München 0

Is‘ ja nur Supercup… aber trotzdem schön, ihn zu haben! Mit einer deutlichen Leistungssteigerung wichtiger Akteure gegenüber dem Liverpool-Spiel und dank des Spieler-Roulettes von Pep Guardiola hat sich Borussia Dortmund die erste Trophäe der Saison gesichert. Nicht zu vergessen: die Arbeit von Jürgen Klopp, der den schwarz-gelben Jungs viel taktische Flexibilität verordnet hatte.

Gerade in der Offensive wurde innerhalb des Spiels immer wieder rotiert: So fanden sich mal Hofmann, mal Mkhitaryan in der zentralen Position wieder – und der starke Aubameyang wich immer wieder mal auf die Flügel aus. Bayern gewann die Ballbesitz-Wertung der ersten Halbzeit, aber kriegte nur einen Schuss von Shaqiri aufs Tor. Vor allem die schwarz-gelbe Innenverteidigung zeigte sich stark verbessert gegenüber dem Auftritt an der Anfield Road – Sokratis ohnehin, Neuling Ginter nach einem Flüchtigkeitsfehler ebenfalls.

Pep Guardiola hatte eine gewagte Mittelfeld-Formation gewählt: Vor einer nominellen Dreier-Abwehr spielten die Nachwuchskräfte Hojberg und Gaudino neben den Neuzugängen Rode und Bernat. Dortmund hatte im Zentrum in entscheidenden Situationen Vorteile. Der Spielaufbau lief flüssiger, auch weil Kirch und vor allem Mkhitaryan mehr Platz hatten – und der Armenier richtig viel draus machte. In der 23. Minute zog „Miki“ an, gab zu Aubameyang weiter, dessen unfreiwilligen Abpraller er dann wuchtig versenkte. Der Junge kann so viel und ich bin ziemlich sicher, dass er in dieser Saison noch mehr davon zeigen wird.

Nach dem Dortmunder Führungstreffer verschob sich das spielerische Moment endgültig zugunsten des BVB – und dabei sollte es bleiben. Guardiola musste nach einer guten halben Stunde Martinez mit Verdacht auf eine Knieverletzung ersetzen, doch auch die nicht erzwungenen Wechsel – Lahm und Götze kamen für Müller und Höjberg – änderten nichts an der Richtung, in die das Spiel lief. Lewandowski konnte sich nur einmal kurz nach der Pause nachhaltig in Szene setzen, doch Keeper Mitch Langerak bestätigte in dieser Szene seine blitzsaubere Leistung. Mehr zu tun hatte freilich Manuel Neuer – x Bälle wehrte er mit zwei Fäusten ab. Ein etwas platzierterer Abschluss und die Partie hätte früher entschieden sein können.

Das folgerichtige 2:0 durch Pierre-Emerick Aubameyangs Kopfball fiel nach einem Doppelpass mit dem ebenfalls verbesserten Lukasz Piszczek. Da dachte man gerade, Auba sei seriös geworden mit seiner braven Frisur, da holt unsere Nummer 17 eine Spiderman-Maske aus dem Stutzen und setzt sie auf. Manche mögen das albern finden, ich fands gerade in diesem Spiel richtig cool – ein bisschen Spaß muss sein.

Was in Hälfte 2 noch auffiel: Eric Durm durfte für Marcel Schmelzer ran, der bei der Martinez-Verletzung vom Spanier am Arm getroffen worden war. Und mit ihm kam einfach deutlich mehr Schwung auf die linke Seite – eine Tatsache, die irgendwann auch mal Jürgen Klopp zu denken geben muss. Ciro Immobile war noch etwas zu eigensinnig – einige seiner Schüsse waren ordentliche Torannäherungen, jedoch in Szenen, wo der italienische Neuzugang mit einem Abspiel für noch mehr Gefahr hätte sorgen können.

Und dann war da die hässliche Bayern-Verlierer-Fratze in Form des frustrierten Jerome Boateng, der Oliver Kirch an der Seitenlinie übel umsenste und dafür mit Gelb zu gut bedient war. Ist aber auch hart, wenn man gegen den Konkurrenten eine Torschussbilanz von rund 3:21 aufweist.

Muss man jetzt noch mal erwähnen, dass diese Bayern nicht die Bayern der nächsten Monate sein werden? Wir bleiben lieber bei Schwarz-Gelb: Da haben Spieler und Trainer heute erneut bewiesen, wie lernfähig sie sind. Wir haben den Supercup und auf einmal auch keine Angst mehr vor Leverkusen!

Die Aufstellung: Langerak – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer (46. Durm) – Kehl, Kirch (85. Bender), Mkhitaryan, Hofmann – Aubameyang (63. Ramos), Immobile. Tore: Mkhitaryan, Aubameyang

Endlich Klarheit: Watzke wechselt nicht zum FC Bayern

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Kurz vor dem Supercup wurden Fakten geschaffen: Der Transfer von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu Bayern München ist geplatzt; stattdessen verlängert der 55-jährige seinen Vertrag in Dortmund bis 2019. Bisher ungehörten Gerüchten zufolge hatten in den letzten Monaten interessierte Kreise in München an einer Verpflichtung des auch ehrfurchtsvoll „Häuptling Scharfe Zunge“ genannten Watzke zur kommenden Saison gearbeitet. Demnach sollte Scharfe Zunge als Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge installiert werden, der dem Bayern-Umfeld in den letzten Jahren zu viel herumlaviert hatte.

So hatte der in der bayerischen Hauptstadt oft abschätzig nur noch als „KHR“ bezeichnete Rummenigge im Herbst 2012 den Zweikampf mit Borussia Dortmund begrüßt und beteuert, keinen Spieler nur deshalb zu kaufen, um die Konkurrenz zu schwächen. Diese unbedachten Äußerungen waren in der Folgezeit in einen offensichtlichen Widerspruch zur Transferpolitik des Rekordmeisters geraten. Das Umfeld hatte sich dagegen mehr klare Kante und „Miasanmia“ gewünscht.

Doch Hans-Joachim Watzke wird seine klaren Ansagen und seine erfolgreiche Entwicklungspolitik nun an der Seite von Michael Zorc und Jürgen Klopp weiter in den Dienst seines schwarz-gelben Herzensvereins stellen. Aus Respekt vor dem angeschlagenen Rummenigge hat er die Teilnahme an einem gemeinsamen Essen vor dem Supercup am Mittwoch abgesagt.

Während die sportlichen Vorzeichen vor dem Duell im Westfalenstadion nach der Pleite von Liverpool alles andere als günstig für den BVB stehen, machte zumindest der Blick auf den Trainingsplatz gestern Mut: Der neue Kapitän Mats Hummels und sein Stellvertreter Marco Reus konnten die komplette Einheit mit der Mannschaft absolvieren. Ein Comeback schon morgen ist zwar sehr unwahrscheinlich; in weiter Ferne dürfte es aber für beide Spieler nicht mehr liegen.

Beim FC Bayern werden Rafinha mit Außenbandriss im Sprunggelenk und Franck Ribery mit Patellasehnen-Problemen fehlen. Dennoch lässt die Frühform des bei den Münchenern in wenigen Wochen zum weltbesten Stürmer gereiften Robert Lewandowski nichts Gutes erahnen. Ein verzwickter Fall für unseren Sherklopp.

 

 

 

Sind wir wieder wer?

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Muss man sich wirklich wundern, wenn ein im Champions League-Finale mit 1:2 unterlegener Verein gegen den Sieger ein paar Wochen später mit 4:2 gewinnt? Es hatte den Anschein, dass erst mal wieder zu beweisen war, dass der FC Bayern nicht unschlagbar ist. Zu sehr war der Triple-Sieger im Trommelfeuer der Medien zum Überverein stilisiert worden. Zunächst wurden das erste Training von Pep Guardiola und später die Saisoneröffnung der Bayern live im Fernsehen übertragen – Ereignisse, die eigentlich getrost den Fans vor Ort vorbehalten bleiben könnten. Dann war da der Luxus-Wechsel von Thiago Alcantara und schließlich folgten deutliche Testspiel-Siege gegen den HSV, Mönchengladbach und den FC Barcelona.

Kaum jemand, so scheint es, hatte also im Supercup in Dortmund ernsthaft mit dem BVB gerechnet. Und nun das: Die Schwarz-Gelben besiegen die ‚Super-Bayern‘ mit einem Ergebnis, das fast an die Höhe des Triumphs von Berlin herankommt. Wichtige Spieler fehlten auf beiden Seiten – Mkhitaryan und Piszczek sowie Neuer und Ribery. Ich weilte während des Spiels im Urlaub und habe es nicht gesehen. Doch das Ergebnis legt zumindest nahe, dass die Borussia selbst ohne den Rekordtransfer konkurrenzfähig ist. Und mit Ilkay Gündogan sollte unter fast allen Umständen verlängert werden.

Die Überraschung war also groß, dass der FCB dieses zumindest als Prestigeduell zu bezeichnende Spiel verloren hat. Und nun wird allerorten wieder die Frage gestellt, ob es in dieser Saison wieder zu einem echten Duell zwischen Roten und Schwarz-Gelben kommen kann. Das Schöne daran: Wir müssen uns an der Debatte nicht beteiligen und die BVB-Verantwortlichen wiegeln auch bereits ab. Auf dem Papier sind die Bayern übermächtig – das muss und darf vor jeder Saison und ganz besonders vor dieser wieder betont werden. Jürgen Klopp und seine Mannschaft sollten sich tatsächlich nicht auf dieses vermeintliche Duell konzentrieren, sondern auf die Partien gegen die anderen Teams – denn da blieben in der vergangenen Spielzeit einige Punkte unnötig liegen.

In diesem Sinne sind auch die Worte des Trainers nach dem Supercup zu verstehen:

Gewonnen zu haben, ist schon geil. Unsere Konkurrenz aber sind 16 andere Mannschaften. Wir wollen uns nicht ständig mit den Bayern messen. Doch wenn wir auf sie treffen, wollen wir sie schlagen.

Was wirklich wichtig ist: Eine Woche vor dem echten Saisonauftakt hat man das Gefühl, dass die Mannschaft alle Möglichkeiten besitzt, weiter erfolgreich und immer wieder auch schön Fußball zu spielen. Wir haben aufregende neue Akteure im Kader. Und ja, wenn es noch eines Beweises bedurfte, ist es ebenfalls hilfreich, den anderen Vereinen gezeigt zu haben, dass der Gottiola-Klub schlagbar ist.

Wir wollten doch nur spielen

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Supercup / FC Bayern München 2 BVB 1

Vielleicht fehlten den Innenverteidigern nur ein paar Prozent Ernsthaftigkeit, um das 0:2 nach elf Minuten zu verhindern. Denn hätte ein von Beginn an wacher Neven Subotic die nicht allzu scharfe Flanke von Franck Ribery vor der Bayern-Führung nicht abgefangen? Hätten er und Mats Hummels in guter Frühform sich von Arjen Robben vor dem zweiten Treffer überlaufen lassen? Es fühlte sich auf schwarz-gelber Seite noch arg nach Saisonvorbereitung an, was die Jungs gestern in der Arroganz-Arena zunächst darboten – dabei war doch klar, wie ernst die Bayern das Spiel nehmen, wie aggressiv bis überhart sie in die Partie gehen würden.

Die Begegnung hatte zum Glück zwei Halbzeiten. Denn die erste wurde nach dem 0:2 aus BVB-Sicht nicht wirklich besser. Die Gastgeber hatten das Spiel weitestgehend im Griff, obwohl sich die Dortmunder Defensive stabilisierte und nur noch wenige Chancen zuließ. Und damit ist man schon bei einer der wenigen Lehren, die man aus diesem Supercup ziehen kann: der Borussia fehlte massiv ein zweikampfstarker Spieler mit Übersicht im defensiven Mittelfeld. Der Borussia fehlten Sebastian Kehl und/oder Sven Bender, so wie es bei dieser Konstellation zu vermuten war. Mit schnellen Pässen durchschnitten die Bayern die Zentrale, ohne durch präzise Tacklings oder vorausschauendes Stellungsspiel dabei übermäßig gestört zu werden. Sehr aufmerksame Leser werden möglicherweise schon bemerkt haben, dass ich bei Moritz Leitner noch deutlichen Steigerungsbedarf sehe – das bestätigte sich gestern in eklatanter Weise. Und auch Ilkay Gündogan ist ohne einen defensivstärkeren Nebenmann nur die Hälfte wert.

Keine neue Erkenntnis ist außerdem, dass über die linke Seite offensiv bei gut stehenden Gegner wenig läuft – Kevin Großkreutz und vor allem Marcel Schmelzer sind dazu technisch zu limitiert. Doch es gab ja noch die zweite Hälfte und andere Spieler, die für einen recht entspannten Ausklang des Wochenendes vor dem Echtstart sorgten. Der BVB kam zunächst durch eine Reihe von Standards zu Chancen, für die wir in Marco Reus einen würdigen Spezialisten gefunden haben – Ausnahmen bestätigen die Regel. Letztlich war es – natürlich – Robert Lewandowski, der gegen die Bayern traf und noch mal für Spannung sorgte. Und obwohl der gut aufgelegte Arjen Robben noch zweimal Roman Weidenfeller prüfte, brachte diese zweite Halbzeit das wohlige Gefühl zurück, dass wir auch 2012/13 den FCB noch dann und wann unter Druck setzen können.

Dass es letztlich bei einer knappen Niederlage blieb, das hat mich schon nach der Vorjahresveranstaltung in Gelsenkirchen nur kurz geärgert. Es ging um ein Gefühl und allenfalls ein paar personelle Erkenntnisse. Und natürlich hätte es kurz vor Schluss einen Elfmeter für die Borussia geben können, als Philipp Lahm den Ball mit Brust und/oder Arm annahm – eine 50:50-Entscheidung, über die man sich in so einem Spiel sicher nicht aufregen muss. Eigentlich hat die Partie – in der zweiten Hälfte – richtig Lust auf die neue Saison gemacht. In der der BVB natürlich wieder nur auf sich selber schauen wird.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Leitner (64. Götze), Gündogan – Blaszczykowski (71. Schieber), Reus, Großkreutz (64. Perisic) – Lewandowski. Gelbe Karte: Schmelzer. Tor: Lewandowski.

Super oder nicht?

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In den letzten Wochen wurde gebastelt: von Jürgen Klopp am BVB-Team für die neue Spielzeit, von mir am Blog-Design. Nun geht es so langsam wieder um Ergebnisse. Any Given Weekend wird also im aktuellen Gewand in die neue Saison gehen – einer abgewandelten Version des „Mystique“-Themes, das ich früher schon einmal benutzt habe. Und die Borussia? Der Trainer hat während der Saisonvorbereitung viel probiert und allen Spielern die Gelegenheit gegeben, sich zu präsentieren. In mehreren Testspielen wurde nahezu komplett durchgewechselt, die Resultate waren zweitrangig. Erschwerend kam die verspätete Rückkehr der Nationalspieler hinzu.

Doch nun steht der Supercup an, ein weiteres Duell gegen den FC Bayern. Über die Partie lässt sich trefflich streiten: Ist es das letzte Saisonvorbereitungsspiel oder geht es um den ersten Titel? Natürlich beides, doch der DFL-Trophäe fehlt es an fortlaufender Tradition, um ein absolutes Must-Have zu sein. Ihren Stellenwert verdankt die Veranstaltung hauptsächlich dem Aufeinandertreffen der vermeintlichen Giganten des deutschen Fußballs, zwischen denen es in den letzten zwei Jahren so viele schöne Spiele gab. Es ist ein interessantes Kräftemessen, aber dennoch vorsaisonal – der Ernst beginnt in Bremen und gegen Bremen.

Trotzdem werden Jürgen Klopp und Jupp Heynckes morgen Abend jeweils elf Spieler aufs Feld schicken, die auch in der Bundesliga denkbar wären. Bei den Schwarz-Gelben haben sich die großen Überraschungen in der Vorbereitung bisher nicht ergeben. Spannend wird die Besetzung des zentralen Mittelfelds. Für Sven Bender beginnt die neue Saison auf jeden Fall mit einem Fehlstart: Anstatt sich wieder einen Stammplatz zu erkämpfen, wird ‚Manni‘ am Montag an beiden Leisten operiert und fällt danach etwa vier Wochen aus. Und da auch Benders Konkurrent, Kapitän Sebastian Kehl, in München wegen einer entzündeten Sehne passen muss, bieten sich zumindest für dieses eine Spiel anderen Spielern Chancen.

Neben dem vermutlich gesetzten Ilkay Gündogan könnte etwa Moritz Leitner auflaufen, der in den letzten Wochen zwar nicht durchweg überzeugt hat, bei dem sich jedoch ein Aufwärtstrend abzeichnet – trotz des Schusses am Ball vorbei, der ihm beim Liga-Total-Cup gegen Bremen passierte. Die Zweikampfstärke der Herren Kehl und Bender hat Leitner natürlich nicht – ob Oliver Kirch eine Alternative wäre? Der Neuzugang aus Kaiserslautern zeigte hinten auf der rechten Seite eine ansprechende Vorbereitung – bis auf besagtes Spiel gegen Bremen, in dem er große Probleme mit Eljero Elia hatte. Kirch ist mit der zentralen Position eigentlich besser vertraut, doch es erscheint fraglich, ob Jürgen Klopp sie ihm gegen die Bayern zutraut. Weitere denkbare Varianten sind Kevin Großkreutz oder Mario Götze auf der ‚6‘. Letztere ist nicht nur wegen Marios gerade erst abgeklungener Bindehautentzündung unwahrscheinlicher.

Aus demselben Grund könnte derzeit Kuba auf der rechten Seite die Nase vor Götze haben. Zentral wird Marco Reus beginnen, links Großkreutz oder Perisic, wenn Kevin zentral gebraucht wird. Stürmer Nummer 1 bleibt vorerst Robert Lewandowski – da hat die Saisonvorbereitung keine Zweifel gelassen.

Der FC Bayern muss auf Mario Gomez, David Alaba und möglicherweise Bastian Schweinsteiger verzichten, hat aber natürlich namhaften Ersatz parat. Die Begegnung wird um 20 Uhr angestoßen und vom ZDF übertragen. Es dürfte eine enge Angelegenheit werden – nicht mehr und nicht weniger, aber nur annähernd super.

Schalke gewinnt einen Pokal

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DFL-Supercup / FC Schalke 0 BVB 0 (4:3 n.E.)

Ich bin nicht unzufrieden. Dass nicht alles perfekt sein kann, haben wir vorher gewusst. Trotzdem glaube ich, haben wir ein tolles Fußballspiel gesehen.

Muss man den Worten von Jürgen Klopp noch viel hinzufügen? Um kein schlechter Verlierer zu sein? Ich denke nicht, denn was in diesem gefühlsmäßig seltsamen Spiel zwischen Saisonvorbereitung und Pokalpflicht passierte, lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen und war nicht ganz neu.

Ersetze Neuer durch Fährmann und schwache Chancenverwertung von (u.a.) Götze und Lewandowski. Ersetze eine Verlängerung, in der der BVB mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Tor erzielt hätte, durch ein Elfmeterschießen, das die Borussia mit hoher Wahrscheinlichkeit verlieren musste. Ersetze eine Schale durch einen wohlgeformten Pokal.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Santana, Hummels, Löwe (76. Leitner) – Kehl (75. Bender), Gündogan – Götze (75. Perisic), Kagawa, Großkreutz – Lewandowski. Gelbe Karte: Großkreutz.

Nur die Pille zählt

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Ja, es war nur ein Testspiel, aber… war das schön, die erste Halbzeit, oder was? Der BVB hat also den ‚Supercup‘ mit 2:1 gegen die Bazis gewonnen, aber wichtiger war, dass die Schwarz-Gelben nach ein paar Minuten der Eingewöhnung richtig guten Offensivfußball geboten haben, genauso, wie ihn man sich von Jürgen Klopp gewünscht hat. Von den Bayern kam in der ersten Hälfte nur ein Toni-Kopfball und eine schöne Vorlage von Borowski, die Klose kläglich vergab. Was nicht nur, aber auch daran lag, dass die BVB-Abwehr rechtzeitig störte und viele Bälle schon deutlich vor dem 16-Meter-Raum abfing.

Auf der anderen Seite gab es viele Torschüsse, einige Chancen und zwei sehenswerte Tore. Nach einem Fehler von Lell war Kuba zur Stelle und vollendete mit einem schönen Schuss zum 1:0. Und ein paar Minuten später ein toller Freistoß von Tamas Hajnal zum 2:0. Und das war nicht die einzige tolle Szene von unserem neuen Spielmacher: Zuvor hatte er schon mit einem Fallrückzieher aus spitzem Winkel fast getroffen. Wenn man auch nicht allzuviel aus einem Testspiel schließen sollte, aber auf Hajnal können wir uns freuen! Im Sturm arbeiteten Petric und Valdez gut nach hinten mit und auch Buckley, bei dem ein Wechsel zu Hull City weiter im Raum steht, wirkte sehr agil.

In der zweiten Hälfte wurde zunächst vor allem bei den Bayern eifrig durchgewechselt, und die Nachwuchsleute wie Kroos, Ngwenya und später Ekici brachten ‚endlich‘ mehr Schwung ins Bayern-Spiel. Beim BVB kam zunächst Kringe für Buckley, später gingen u.a. Hajnal und Kuba raus (ersetzt durch Federico und Kruska), was die Schwarz-Gelben vorübergehend etwas ihrer Kreativität beraubte, aber natürlich in der Vorbereitung unvermeidlich ist. Dem jungen Ekici gelang in der 72. Minute über die verwaiste linke Dortmunder Abwehrseite der Anschlusstreffer. Danach war allerdings beim BVB wieder deutlich der Willen zu spüren, das Ergebnis zumindest zu halten und auch wenn nach vorne nur noch eine echte Torchance, durch einen Kringe-Schuss knapp neben das Tor, gelang, hatten die Schwarz-Gelben das Spiel weitgehend im Griff.

Wie es halt so ist, hatten die Bayern kurz vor Schluss noch eine Chance durch Ngwenya, aber den Schuss konnte Roman Weidenfeller parieren – der erste, bei dem er wirklich gefordert war. Es blieb also beim hochverdienten BVB-Sieg, an dem es nichts zu mäkeln gibt: Das Team steckt noch genauso in der Vorbereitung wie die Bayern, hatte ebenfalls einige Spieler bei der EM und mit Tinga und Frei auch zwei prominente Verletzte. Muss natürlich nicht heißen, dass die Schwarz-Gelben jetzt auch in einem Monat gewinnen ;-) . Die einzige mögliche Entschuldigung, die mir für die Bazis einfällt, ist, dass sie bisher nur gegen deutlich schwächere Gegner gespielt haben als der BVB.

Das hat heute richtig Spaß gemacht und Mut für den schweren Saisonauftakt. Die öffentlich-rechtlichen Unkenrufe (siehe vorhergehender Beitrag) sind nicht eingetroffen; letztlich kamen über 47.000 Zuschauer und Klinsmann brachte Schweinsteiger von Beginn und wechselte Podolski in der zweiten Hälfte ein. Auch das nächste BVB-Spiel, am Samstag gegen Juventus, wird übrigens live im Fernsehen gezeigt, dann ab 18.30 Uhr im DSF. Und auch den Pflaume habe ich heute überstanden – da wären wir wieder bei der Überschrift…

Supercup im Quotenkampf

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Nicht nur um den Status des heutigen Spiels BVB v Bayern München gibt es Diskussionen, nun ist offensichtlich auch ein Kampf um die Einschaltquoten entbrannt. Oder wie ist es zu erklären, dass (Stand 17 Uhr) ARD und ZDF in ihrem jeweiligen Videotext berichten, dass Jürgen Klinsmann plant, heute Abend doch auf die deutschen EM-Teilnehmer Janssen, Podolski, Schweinsteiger und Lahm zu verzichten? Und dass der BVB darüber verärgert sei, weil ohnehin nur mit 30.000-40.000 Zuschauern gerechnet werde?

Wohingegen der übertragende Sender SAT 1 nach wie vor behauptet, Klinsi wolle die Bestbesetzung aufs Feld schicken (und von der schleppenden Ticket-Nachfrage ist natürlich auch keine Rede). Nun kann sich SAT 1 vielleicht darauf berufen, dass die genannten deutschen Nationalspieler nicht unbedingt zur absoluten Stammformation der Bayern gehören, aber die Unterschiede in der ‚Vorberichterstattung‘ sind schon frappierend und die Intentionen klar.

Was der Wahrheit entspricht, werden wir nachher sehen. Dass sich allerdings das Dortmunder Publikum nicht vom von den Klubs selbstverliehenen „Supercup“-Label blenden lässt, und anscheinend nur eine einem interessanten Vorbereitungsspiel angemessene Zuschauerzahl zu erwarten ist, kann ich verstehen. Zumal ja das Pflichtspiel gegen die Bayern schon am 2. Spieltag ansteht…