Shinji der Derby-Held bleibt

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Vielleicht war es kein Zufall, dass die Vertragsverlängerung mit Shinji Kagawa bis 2020 heute verkündet wurde: am ersten Tag des Teams in Japan, aber auch am Tag nach dem Abschied von Sven Bender. Ein 28-jähriger Defensivspieler geht, ein 28-jähriger Offensivmann bleibt. Was noch bis vor einem halben Jahr unwahrscheinlich schien, ist nach einer guten Rückserie folgerichtig: Unser Derby-Held bleibt uns noch bis zu drei Jahre erhalten. Und Shinji hat durchaus Einsatzchancen – gerade jetzt, wo Marco Reus noch lange ausfällt und Mario Götze noch viel Arbeit vor sich hat.

Ich habe im vorherigen Beitrag geschrieben, dass mit Sven Benders Weggang auch der sympathische BVB der letzten Meisterjahre verschwindet. Einerseits ist das der natürliche Gang der Dinge, andererseits ändert es den Charakter der Borussia. Selbst wenn Shinji Kagawa noch mehr mit den Erfolgen von 2010 bis 2012 verbunden wird, ist er nicht eine solche Identifikationsfigur geworden wie Manni. Die Gründe sind naheliegend: Seine BVB-Vita wird durch Manchester United unterbrochen und nach seiner Rückkehr wirkte er lange nicht wie der Alte.

Dennoch ist es gut, dass Shinji bleibt. Es ist gut, dass ihm Michael Zorc und Aki Watzke einen Vertrauensvorschuss geben und eben doch auch ein bisschen gefühlig und nicht nur kühl-rational kalkulieren. Wobei Shinji in Japan natürlich ein echtes Asset ist. Ob er langfristig einen Platz in der Startelf von Peter Bosz bekommt, ist eine ganz andere Frage.

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Manni der Libero geht

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Es ist die Nachricht, die ich niemals hören wollte und die mich trotz aller Abhärtung gegen die Zumutungen des modernen Fußballs traurig macht: Sven „Manni“ Bender verlässt Borussia Dortmund und wechselt mit sofortiger Wirkung zu Bayer Leverkusen. Dort spielt er künftig neben seinem Zwillingsbruder Lars und unter Ex-Borusse Heiko Herrlich.

Für mich stirbt damit ein Stück weit jener BVB, der mir und sicher vielen anderen Fans in den letzten Jahrzehnten die meiste Freude bereitet hat: die Klopp-Borussia der Meisterjahre. Bei allem Respekt: der spielerisch limitierte Marcel Schmelzer, der Rückkehrer Nuri Sahin und der spätgekommene Marco Reus können ihn in Sachen Identifikation nicht ersetzen. Sven Bender war, obwohl er natürlich keinen klassischen Libero gespielt hat, auf den Positionen zu Hause, wo es weh tun kann und wo man sich immer voll reinhauen muss. Ersteres hat er zu spüren bekommen, Letzteres hat er gemacht.

Nun hat sich Manni entschieden, dorthin zu gehen, wo er sich mehr Einsatzzeiten erhofft. Ob sich die Hoffnung erfüllt? Mal abwarten. Ich glaube Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke, dass sie Bender halten wollten. Es ist nachvollziehbar, dass der neue Trainer Peter Bosz für einen verletzungsanfälligen 28-Jährigen, der zuletzt wenig gespielt hat, nicht das Gleiche empfindet wie die meisten Fans. Letztlich ist Manni auch ein Opfer des großen Kaders geworden, zu dem es die Verantwortlichen haben kommen lassen.

Klar: Aus den bisherigen Absätzen spricht mehr das Gefühl als der rationale Verstand. Rein finanziell gibt es an dem Transfer nichts zu meckern: 15 Millionen Euro wären eine angemessene Summe – zumindest innerhalb der Branche, über die wir reden. Aber dem BVB wird ein Teil seines Herzens fehlen, denn – und jetzt wird’s erst richtig plakativ – wer hatte denn ein Kämpferherz wie Manni? Da fällt einem allenfalls noch der Papa ein.

Aus Mannis Perspektive ist der Wechselwunsch verständlich, die Prioritäten klar:

Es ging mir schon als kleiner Junge immer nur darum, auf dem Platz zu stehen.

Ich wünsche ihm, dass er das künftig häufiger kann und darf. Nur vielleicht nicht gerade gegen Schwarz-Gelb. Uns wird Sven Bender fehlen. Da muss man nur die jüngste Erinnerung hervorkramen, die allen BVB-Fans schnell präsent sein dürfte: Manni, der Pokalheld von München, der das sichere Gegentor verhindert.

Dortmund holt alles was zählt

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DFB-Pokal, Halbfinale / Bayern München 2 BVB 3

Es ist viel mehr als nur ein Finaleinzug, ja sogar mehr als nur ein neuer Rekord für den BVB: Der Sieg beim FC Bayern macht aus einem diffusen Unbehagen über Aspekte des Vereins und des ‚modernen Fußballs‘ gelöste Glückseligkeit. Ging wahrscheinlich nicht nur mir so. Die Dramaturgie des Halbfinales von München folgte dabei dem Ligaspiel in Mönchengladbach – nur dass es die Schwarz-Gelben mit einem viel stärkeren Gegner zu tun hatten, dessen Weiterkommen die logische Konsequenz gewesen wäre.

Drei Gedanken zum Spiel

Was war das denn für ein Spielverlauf? Wir starten gut gegen den FC Bayern: typisch. Wir gehen sogar in Führung: auch schon vorgekommen. Der FCB zieht das Spiel an sich und dreht auch das Ergebnis: typisch Bayern. Und dann? Ich würde schreiben, wir waren doch schon tot – wenn es gerade nicht so makaber wäre. Spätestens nach der Bayern-Führung war die Borussia weg vom Fenster und viel zu weit weg von den Gegenspielern. Doch die Gastgeber ließen eine Reihe hochkarätiger Chancen aus, vor allem durch Lewandowski und Robben. Und dann reichten eine großartige Vorbereitung und ein großartiges Tor von Ousmane Dembelé, verbunden mit einem Fehler von Bayern-Kapitän Lahm, dieses Spiel unfassbarerweise erneut zu drehen.

Die jetzt natürlich wieder alles hinterfragenden Rekordmeister verloren aber in erster Linie, weil sie ihre Riesengelegenheiten nicht nutzten. Man könnte jetzt auch nicht sagen, was Manuel Neuer bei den drei Treffern besser gemacht hätte – obwohl ihm irgendein teuflischer Stunt immer zuzutrauen ist. weiterlesen

Der Fußball hat verloren

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Champions League, Viertelfinale / BVB 2 AS Monaco 3

Die Borussia verliert ein Spiel, das zu diesem Zeitpunkt besser gar nicht stattgefunden hätte. Ja, Monaco hat eine gute Mannschaft und der BVB sein bewundernswertes Bestes gegeben. Doch der Einfluss äußerer Faktoren auf den Spielverlauf ist unbestreitbar.

Drei Gedanken zum Spiel

Es wurde und wird auch weiterhin über die Terminierung dieser Begegnung geredet. Wäre man weniger standhaft gegenüber dem Terrorismus gewesen, wenn sie weiter verschoben worden wäre? Ich denke nicht. Zu einem späteren Zeitpunkt hätte man mindestens genauso viel Entschlossenheit spüren können – bei Fans und Spielern. Klar gibt es ein Dilemma, nicht nur für die UEFA, sondern auch wegen der Gästefans. Aber sportlich und menschlich gesehen war die Austragung gestern Abend die falsche Entscheidung. Lassen wir die Frage mal beiseite, ob Sven Bender kurz vor seinem Eigentor nicht doch strafwürdig getroffen wurde. Hätte er, selbst ohne Spielpraxis, in einem normalen Spiel den Ball so im eigenen Netz versenkt?

Man kann jetzt lange diskutieren, welche Fehler den Schwarz-Gelben auch unbelastet von einem Bombenanschlag passiert wären. Es ist natürlich fruchtlos. Neben dem Eigentor gab es den Fehlpass von Piszczek vor dem 1:3. Die Borussia ließ sich viel zu oft auskontern. Umso unglücklicher ist es an einem solchen Tag, wenn der erste Gegentreffer durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters bzw. seines Assistenten fällt. Nachdem der BVB zuvor ordentlich begonnen und ein vertretbarer Elfmeter für die Gäste nichts eingebracht hatte. Das Abseits von Mbappé vor dem 0:1 war deutlich; allenfalls sein komischer Bewegungsablauf könnte als kleine Entschuldigung für den Mann an der Seitenlinie gelten.

Reden wir heute über die Taktik? Ja, weil es zu diesem Sport dazu gehört und weil Thomas Tuchel seinen Spielern wohl kaum gesagt hat: Spielt wie ihr wollt und schaut mal wie ihr zurechtkommt. Ich wiederhole das ja regelmäßig: Unsere Dreierkette hinten behagt mir noch nicht. Sie ist anfällig. Ganz besonders gegen konterstarke Mannschaften, die über außen kommen. Gegen den AS Monaco fehlte da einfach die Absicherung. Ein Fehlpass und schon bestand höchste Gefahr, weil die Abwehrreihe auch gestern sehr hoch stand.

In der zweiten Hälfte drehten die Schwarz-Gelben mit Blick auf die Süd zum Glück noch mal auf. Dank der eingewechselten Sahin und vor allem Pulisic, aber auch dank Ousmane Dembelé und Shinji Kagawa. Insgesamt war es unter den Umständen eine Klasseleistung.

Und doch werden die Ereignisse vom Dienstag weiter Nachwirkungen haben. Wie verarbeiten Spieler, Trainer und andere im Verein das Gefühl der Verwundbarkeit? Sportlich gesehen wird uns Marc Bartra für den Rest der Saison fehlen. Gestern hätte er der Borussia wohl gut getan. Keine schönen Aussichten für die verbleibenden Saisonziele. Es bleibt die Hoffnung, dass die Mannschaft mal wieder über sich hinauswächst. Gute Besserung, Marc!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bender (46. Sahin) – Weigl, Guerreiro – Ginter, Kagawa, Dembelé, Schmelzer (46. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karten: Sokratis, Ginter. Tore: Dembelé, Kagawa

BVB verweigert Deadline Day

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Während anderswo am Mittwoch Computer, Faxgeräte und scheinbar auch einige Samsung-Telefone heiß liefen, blieb es in der BVB-Geschäftsstelle am Rheinlanddamm mutmaßlich ruhig. Weder spektakuläre noch überhaupt irgendwelche Spielerwechsel vermeldete der Vizemeister in den letzten Tagen der Transferphase. In der Konsequenz umfasst der schwarz-gelbe Kader bis zum Winter 28 Spieler, sollte es keine vorzeitige Vertragsauflösung geben.

Gehen wir mal davon aus, dass die Borussia nicht den Ronny macht. Thomas Tuchel ist einer gewissen Rotation nicht abgeneigt, gilt aber auch als Trainer, der gerne mit einem überschaubaren Kader arbeitet. Es wird in der gerade gestarteten Hinserie zweifellos Härten geben und es könnte auch nachhaltig unzufriedene Spieler geben.

Wen könnte das betreffen? Es gibt jene Akteure, die sich wohl keine großen Hoffnungen auf einen Stammplatz ausrechnen und auch wenig dafür getan haben, ihn sich zu verdienen. Dazu fällt einem als erstes Joo-Ho Park ein, der die Borussia in absehbarer Zeit wieder verlassen dürfte. Dann ist da Nuri Sahin, der nach seiner Rückkehr nie zu früherer BVB-Form zurückfand, länger verletzt war, aber immer noch einen Bonus bei Teilen der Fans hat und zurück in die Mannschaft will.

Die Perspektiven der Olympia-Fahrer Bender und Ginter mögen etwas besser sein, aber höchstens einer von ihnen dürfte den Weg zurück in die Startelf schaffen. Sportlich ist das angesichts der Konkurrenz nachvollziehbar, aber die beiden sind Sympathieträger, die man gerne langfristig in schwarz-gelb sehen würde. Erik Durm wird es nach seinen Verletzungsproblemen auch erst mal schwer haben.

Und dann sind da noch die internaionalen jungen Talente, die mit den Füßen scharren. Spätestens nach den Mega-Transfers Schürrle und Götze dürfte klar sein, dass nicht für alle von ihnen Platz in der Startelf oder auch nur im Kader ist. Wie werden das Mikel Merino oder Emre Mor verkraften?

Kurzum, ganz wohl kann einem bei diesem großen Kader nicht sein. Es scheint sich auch in Dortmund einzubürgern, dass man sich viele Gedanken über Neuverpflichtungen macht, um nur ja schnell genug zu sein – und sich erst dann möglichen Abgängen zuwendet. Rein finanziell kann man sich das Riesenaufgebot ja leisten. Nur bewegt man sich so mehr in Richtung Premier League, als Watzke & Co zugeben wollen.

Borussia Dortmund und das unerwartete Topspiel

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1. Bundesliga, 28. Spieltag / BVB 3 Werder Bremen 2

Der SV Werder – tendenziell sympathischer gestrauchelter Spitzenverein, der sich gerade in einer Umbau- und Findungsphase befindet. Und auch in dieser Saison wieder gegen den Abstieg spielt. Daher hatten sicher nicht viele Dortmunder damit gerechnet, dass die Partie gegen die Weser-Kicker am Samstagabend wieder so umkämpft werden würde, wie sie traditionell ist.

Gegen gut gestaffelte und zunächst erstaunlich offensiv verteidigende Gäste taten sich die Schwarz-Gelben schwer. Wenige Chancen, mehr Ballverluste als gewohnt – das Gute an der Borussia 2015/16 ist, dass sie trotzdem unbeirrt weitermacht. Diese Geduld nötigt Respekt ab und ich persönlich kann mich mit der Spielweise unter Tuchel gut anfreunden. Der lange Pass wird nur gespielt, wenn er Sinn macht – selbst wenn eine Situation in der Nähe des eigenen Sechzehnmeterraums auf den Betrachter brenzlig wirkt.

Dass man sich gegen Bremen schwer tat, dürfte auch mit der Rotation zu tun gehabt haben. In der Innenverteidigung spielten Ginter und Bender; Sokratis war krank, Hummels wurde geschont. Man merkte dem BVB an, dass ihm die schwer berechenbaren Vorstöße des Kapitäns fehlten, der deshalb auch immer ein, zwei Gegenspieler bindet. Ebenso seine Übersicht in der Viererkette, die gestern fast eine Dreierkette war, da Marcel Schmelzer sehr offensiv spielte.

Klar, die Borussia hätte früher führen können. Der sehr aktive Erik Durm machte vor dem Tor keine glückliche Figur; hätte in einer Szene zu Reus abspielen MÜSSEN. Möglich, dass die EM-Fahrkarte noch im Hinterkopf mitspielte. Das schöne Tor über Reus, Miki und im Abschluss Aubameyang einige Minuten nach der Pause schien das Spiel dann zunächst in die gewünschte Bahn zu lenken. Bremen stand bei gegnerischem Ballbesitz nun deutlich tiefer und konnte kaum noch für Entlastung sorgen. Doch das unglückliche Eigentor von Castro in der Folge einer Ecke sorgte für die überraschende Wende. Beim 1:2 sechs Minuten später wurden die entblößten Flügel zum Problem – sie sind nicht das Territorium von Sven Bender.

Aber wer gut wechselt, darf auch rotieren. Thomas Tuchel brachte Ramos für Schmelzer und Pulisic für Reus, nachdem schon vor dem Rückstand Kagawa für Durm gekommen war. Alle drei Wechsel zahlten sich aus, auch wenn Pulisic ’nur‘ für Schwung sorgte. Dieser Kader hat inzwischen ein sehr positives Selbstverständnis, eine Niederlage wird schlichtweg nicht akzeptiert.

Wieder mal wurde also eine spannende Partie im Westfalenstadion gedreht. Selbst wenn es aufregender war als erwartet – die Freude auf die kommenden drei Spiele wird dadurch nur noch größer. Ach ja, und im Herbst spielen wir wieder Champions League.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Ginter, Bender, Schmelzer (80. Ramos) – Weigl – Durm (74. Kagawa), Mkhitaryan, Castro, Reus (80. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karte: Castro. Tore: Aubameyang, Kagawa, Ramos

Bender dehnt seinen Vertrag aus

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Es war ein guter Tag für Wortspiele – und die ließen nicht lange auf sich warten. Sven ‚Manni‘ Bender, ebenso bekannt für seine Blessuren unterschiedlichster Art wie für seine unverwüstliche Spielweise, hat seinen Vertrag bei Borussia Dortmund verlängert. Der 26-jährige defensive Mittelfeldspieler ist bereits seit 2009 ein Schwarz-Gelber und wird es nun laut Kontrakt bis 2021 bleiben. Lassen wir dazu Sportdirektor Michael Zorc zu Wort kommen:

Sven paart in seiner Spielweise Kompromisslosigkeit mit vorbildlicher Fairness und ist sowohl sportlich als auch menschlich seit vielen Jahren ein wertvoller Eckpfeiler  unserer Mannschaft!

Auch Manni selbst äußerte sich sehr positiv und dazu noch einen Wunsch:

Ich bin extrem froh, das schwarzgelbe Trikot auch in Zukunft tragen zu dürfen. Es würde mich freuen, wenn in den kommenden Wochen der eine oder andere meiner Mannschaftskollegen nachziehen würde.

Damit sind natürlich Eckpfeiler des Teams wie Gündogan, Mkhitaryan und Hummels gemeint. Über Benders Vertragsverlängerung war dagegen zuletzt selten gesprochen worden – eher über einen möglichen Abgang. Nach diversen Verletzungen war Manni auch bei Thomas Tuchel nicht erste Wahl im defensiven Mittelfeld. Es heißt, in Zukunft sei unsere Nummer 6 eher in der Innenverteidigung eingeplant.

Dass Bender trotzdem bleibt, ist erstens mutig und zweitens ein tolles Zeichen der Verbundenheit mit seinem Verein. Denn ein Selbstläufer wird es für ihn nicht. Sportlich sehe ich ihn eigentlich im Mittelfeld im Vorteil, denn das Anfangshoch von Julian Weigl ist abgeebbt. Dass er alles in allem ein besserer Innenverteidiger als Subotic, Sokratis oder gar Hummels ist, wage ich dagegen zu bezweifeln. Bei einem Weggang von einem der Genannten könnte allerdings Benders Umschulung vollendet werden.

Unabhängig von diesen konkreten Überlegungen steht Sven Bender unserem Kader sportlich nach wie vor gut zu Gesicht. Als Typ muss man ihn nicht nur wegen seiner langen Zeit in schwarz-gelb sowieso gern haben. Gerade in der heutigen Zeit ist dieses Gefühl mehr als nur Nostalgie.

Vizekusen macht Pause

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1. Bundesliga, 22. Spieltag / Bayer Leverkusen 0 BVB 1

Der Auswärtssieg in Leverkusen wird noch für Gesprächsstoff sorgen, doch für Borussia Dortmund ist eigentlich nur eins interessant: Mit nunmehr 15 Punkten Vorsprung ist die Vizemeisterschaft für die Schwarz-Gelben kaum noch zu verspielen. Die Hoffnungen der Gastgeber auf ihren ehemals angestammten Titel dürften sich auch in diesem Jahr nicht erfüllen.

Spiele gegen Bayer Leverkusen waren schon häufiger umkämpft und hitzig – heute stellte da keine Ausnahme dar. Thomas Tuchel ging es mit einem recht defensiv ausgerichteten Mittelfeld an: Etwas überraschend spielte unsere Nummer 6, Sven ‚Manni‘ Bender, wieder auf der ‚6‘; Matthias Ginter etwas davor im zentralen Mittelfeld. Dafür formierte sich bei eigenem Ballbesitz hinten zeitweise nur eine Dreierkette; Erik Durm rückte dann links weit nach vorne, ähnlich wie Schmelle gegen Porto.

Gewinnst du in Leverkusen, kann das nicht ganz falsch gewesen sein. Ich bin allerdings nach wie vor kein großer Leitner-Fan. Moritz in der Startelf und Castro nicht im Kader – das würde ich von Tuchel gerne mal erklärt haben. Um fair zu sein: Leitner war engagiert, spielte den ein oder anderen guten Pass. Aber ihm fehlen Physis, Präsenz und Übersicht, die etwa Ilkay Gündogan und Nuri Sahin – wenn auch jeweils in unterschiedlichem Maße – auszeichnen. Im Mittelfeld vermisste die Borussia einen, der die Bälle erst mal festmacht und dann effektiv weiterleitet. weiterlesen

Stuttgart baut jemand anders auf

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1. Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 4 VfB Stuttgart 1

Der Trainerwechsel beim heutigen Gegner der Schwarz-Gelben ist im Westfalenstadion weitgehend wirkungslos geblieben. Der bisherige U23-Coach Jürgen Kramny wollte sichtlich kompakter spielen lassen, doch schon in der dritten Minute rückten die Gäste über außen ganz Zorniger-like auf und machten die Räume für die Borussia frei. Nach Flanke von Reus zog Mkhitaryan volley ab, Torwart Tyton parierte in die Mitte und Gonzalo Castro erzielte per Kopf seinen ersten Ligatreffer.

Es war nicht nur die Personalentscheidung, den bärenstarken Castro zu bringen, die Thomas Tuchel gutzuschreiben ist. Eine Pause für Mats Hummels war ebenso vernünftig wie die für Matthias Ginter, der zuletzt nicht mehr beweisen konnte, dass seine offensive Stärken seine defensiven Patzer aufwiegen.

Allerdings zeigte nicht nur das erste Tor, dass der VfB Stuttgart auch noch nicht die Stabilität hat, um ein Spitzenteam zu gefährden. Zwar schalteten die Schwaben sofort einen Gang höher, blieben aber zunächst unpräzise. Während der BVB schon in Minute 19 einen der schönsten Angriffe der Saison erfolgreich abschloss. Bender spielte einen präzisen Pass, den Castro herrlich mit der Hacke weiterleitete, ehe Aubameyang schön ins Tor lupfte. weiterlesen

Volle Kapelle gegen Stuttgart

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Dieser launige Ausdruck von Jürgen Klopp aus der Pressekonferenz vor dem Stuttgart-Spiel bedeutet keineswegs, dass Borussia Dortmund am Freitagabend seinen vollen Kader zur Verfügung hätte. Vielmehr wollte der Trainer zum Ausdruck bringen, dass niemand, der dem BVB körperlich und spielerisch weiterhelfen kann, geschont wird – etwa wegen eines Champions League-Spiels.

Es gibt jedoch eine Reihe von Spielern, die definitiv nicht auflaufen können. Die Grippewelle hat Dortmund immer noch im Griff. Erik Durm und Kuba sind nach wie vor betroffen; Mats Hummels fehlt ebenfalls schon einige Tage und scheint eher kein Thema für Freitag zu sein. Dagegen könnten sich die Optionen im zentralen Mittelfeld dank der möglichen simultanen Rückkehr von Sven Bender und Sebastian Kehl schlagartig erhöhen. Sollten sie topfit sein, könnten sie eine Alternative darstellen – ansonsten gibt es wenig Änderungsbedarf bzw. -möglichkeiten.

Der VfB Stuttgart ist trotz Huub Stevens neuerdings Tabellenschlusslicht, ohne in den letzten Partien katastrophal aufgetreten zu sein. Immerhin ging es auswärts nach Köln und Hoffenheim sowie zu Hause gegen Gladbach und Bayern. Trotzdem fehlt den Schwaben die spielerische Rafinesse, die der BVB zuletzt hier und da wieder gezeigt hat. In dieser Hinsicht ist jedoch der Winter-Neuzugang fürs Mittelfeld Serey Dié zu beachten, der vom FC Basel kam. Dagegen müssen die Gastgeber am Freitag auf Kapitän Christian Gentner verzichten, der gesperrt ist und auch noch Vater wird.

Jürgen Klopp erwartet morgen einen aggressiven VfB auf einem schlechten Platz. Für die Borussia muss beides kein Nachteil sein. Aggressivität kann sich auch in Fehlern äußern, gerade bei schwierigem Untergrund. Die Schwarz-Gelben haben dagegen bereits in Freiburg bewiesen, dass sie mit solchen Voraussetzungen zurechtkommen können. Dagegen steht für die Stuttgarter bisher ein einziges Rückserien-Tor zu Buche.

So scheinen die Chancen für den sage und schreibe dritten BVB-Sieg in Folge nicht so schlecht zu stehen, auch wenn es gegen den VfB wirklich nicht immer rund lief. Vorbedingung: Ähnliche Aufmerksamkeit wie zuletzt, gepaart mit Selbstbewusstsein.