Kein Blues auf dem Platz

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1. Bundesliga, 1. Spieltag / VfL Wolfsburg 0 BVB 3

Von Verunsicherung und Trübsal keine Spur: Borussia Dortmund gelingt trotz aller Nebengeräusche ein Traumstart in die neue Bundesligasaison und die Ära Bosz. Vieles von dem, was sich der neue Trainer vorstellt, funktionierte in Wolfsburg – auch dank der Gastgeber.

Drei Gedanken zum Spiel

So schnell geht Fußball: Pulisic ist der neue Dembelé. Das ist ein wenig übertrieben, aber natürlich ist das gut und fühlt sich gut an, wenn ausgerechnet der Vertreter des schmollenden Franzosen solch ein Spiel abliefert. Christian Pulisic hat sich erst neulich zu Schwarz-Gelb bekannt. Gestern schoss er ein Tor, das dem von Dembelé gegen Bayern ähnelte und er flankte für Auba, wie es auch Dembelé tut. Christian’s on fire, their defence was terrified.

Alle baten um Geduld, doch Peter Boszs 4-3-3 funktioniert. Thomas Tuchel gilt als der taktisch kreativere und vielfältigere Trainer, doch wenn eine Mannschaft ein System verinnerlicht, kann man allein damit weit kommen. In der Vorbereitung lief das alles noch nicht perfekt, aber in Wolfsburg sah es sehr gut aus. Endlich wieder eine Viererkette. In der Zagadou seine Sache mit ganz wenigen Ausnahmen gut machte – aber ich bin ja eh niemand, der Schmelle schnell vermisst. weiterlesen

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Überraschungsteam überraschend unterlegen

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1. Bundesliga, 22. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 3

Das hatte man sich deutlich schwieriger vorgestellt: Ein sehr spielfreudiger BVB ließ dem bisher so überzeugenden Aufsteiger SC Freiburg keine Chance und musste sich nur vorwerfen lassen, die Partie nicht früher entschieden zu haben. Trotz bester Gelegenheiten gelangen erst nach der Pause Tore aus dem Spiel heraus.

Drei Gedanken zum Spiel

Diese Pause tat gut. Was immer man auch über die Anforderungen an einen hochbezahlten Profisportler denkt: Der ständige Drei-Tages-Rythmus von Spiel zu Spiel fordert irgendwann seinen Tribut. Den schwarz-gelben Jungs hatte die einwöchige Pause sichtlich geholfen. Nicht nur, da taktisch gearbeitet werden konnte. Drei Spieler fielen im Wochenvergleich besonders positiv auf: Ein gesunder und fitter Raphael Guerreiro bringt Flexibilität und internationale Klasse ins Spiel der Borussia. Zum einen, weil er mit Übersicht und Präzision Standards treten kann – wie beim 1:0 zu bewundern. Zum anderen, weil er für Dynamik bis ins letzte Drittel sorgt und damit Marco Reus und Ousmane Dembelé entlastet.

Sokratis war zuletzt ungewohnt erratisch aufgetreten und hatte zudem einiges auf die Socken gekriegt. Letzteres war auch gestern der Fall, doch in der Defensivarbeit machte „Papa“ als Zentrum einer hoch stehenden Dreierkette eine gute Figur. Ebenso wie nach Guerreiros Freistoß vorne, als er per schön ins lange Eck platziertem Kopfball sein erstes Saisontor erzielte. Hilfreich für die Dreierkette war der starke Tag von Julian Weigl, der allerdings von den Freiburgern auch nicht vehement angelaufen wurde. So durchkreuzte er nicht nur manche Angriffsbemühung der Gastgeber, sondern spielte wieder seine anerkannt präzisen Pässe. weiterlesen

Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Lösungsansätze

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Die Vollzugsmeldung beim Lewandowski-Transfer hat Borussia Dortmund kurzzeitig medial auf Augenhöhe mit den Bayern gebracht und ausufernde Spekulationen über (einen) mögliche(n) Nachfolger in Gang gesetzt. Wie das in solchen Fällen ist, werden von den Medien derzeit alle Namen nochmal hervorgekramt, über die im Jahr 2013 irgendwann spekuliert wurde. Doch einige Optionen kann man mit mittelmäßigen Fußball-Kenntnissen und etwas gesundem Menschenverstand wohl getrost beiseite schieben.

Jackson Martinez vom FC Porto soll von der Borussia 2012 beobachtet worden sein, hat aber eine Ausstiegsklausel von 40 Millionen Euro im Vertrag stehen. Nur unwesentlich günstiger wäre Diego Costa von Atlético Madrid: Für ihn würden 38 Millionen fällig. Weder Porto noch Madrid haben Gründe, von diesen Summen abzurücken. Und Hans-Joachim Watzke hat wiederholt betont, dass der BVB Mega-Transfers dieser Dimension nicht tätigen wird.

Christian Benteke von Aston Villa wird nun ebenfalls wieder ins Gespräch gebracht. Seine Verpflichtung erscheint jedoch deutlich unwahrscheinlicher als letzten Sommer, da er damals seinen Vertrag mit dem von Ex-Borusse Paul Lambert trainierten Klub aus Birmingham verlängert hat. Sollte Aston Villa die Klasse halten – derzeit stehen sie 6 Punkte vor der Abstiegszone im Mittelfeld – dürften sie kaum gewillt sein, den Belgier für einen für den BVB annehmbaren Preis zu verkaufen. Besonders gerne wird zurzeit der Name Kevin Volland genannt. Ein junger, entwicklungsfähiger deutscher Stürmer erscheint vielen als idealer Nachfolger des vermeintlichen ‚Söldners‘ Lewandowski. Doch auch dieser Transfer wird sicher nicht einfach zu realisieren sein. Volland ist vermutlich die größte Identifikationsfigur der TSG Hoffenheim und der Hopp-Verein hat es nicht nötig, ihn für lau ausgerechnet nach Dortmund abzugeben.

Auch der in Deutschland aufgewachsene Grieche Konstantinos Mitroglu wurde von Jürgen Klopp und Michael Zorc beobachtet, doch er scheint keine Anstalten machen zu wollen, Olympiakos Piräus bald zu verlassen. Vor kurzem hat er seinen Vertrag verlängert und zugestimmt, eine Ausstiegsklausel zu streichen. Macht man so etwas, nur um seinem Verein eine höhere Ablöse zu garantieren? Von den gehandelten Namen kommt inzwischen vielleicht sogar am ehesten Edin Dzeko von Manchester City in Frage, der sich angeblich eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen kann. Doch Gehalt und Ablöse dürften für den BVB an der oberen Schmerzgrenze liegen – wenn nicht darüber.

Als Fazit bleibt nur, dass Geduld nötig ist. Denn am wahrscheinlichsten ziehen Zorc und Klopp wieder jemand ganz anderen aus dem Hut – die Geheimhaltung funktioniert in Dortmund ja noch vergleichsweise gut.

Interessanter ist derzeit die Frage, an welchen Schrauben der BVB-Trainer drehen könnte, um in dieser Saison wieder etwas Schwung in die schwarz-gelbe Offensive zu bringen und den ein oder anderen Gegner zu überrraschen. In manchen Partien könnte es eine Option sein, mit zwei Spielern im Sturmzentrum zu operieren. Warum nicht Aubameyang mal direkt neben Lewandowski aufbieten oder Reus weiter vorziehen? Und ja, warum nicht sogar Schieber? Der ‚Bulle von Backnang‘ hat immerhin gezeigt, dass er Bälle behaupten und ablegen kann. Als zweiter Stürmer könnte er durchaus nützlich sein.

Angesichts seiner guten Leistungen und der Rückkehr von Lukasz Piszczek wäre es auch denkbar, Kevin Großkreutz mal wieder weiter vorne auf dem Flügel einzusetzen. Dass er sich so verzettelt wie zuletzt Kuba oder gelegentlich Aubameyang steht immerhin nicht zu befürchten. In 2 1/2 Wochen werden wir sehen, was Jürgen Klopp im Trainingslager in La Manga und danach austüftelt.

Lust auf mehr

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Wie schnell man seinen Lieblingssport und seine Lieblingsmannschaft vermisst, merkt man erst, wenn man ein Spiel verpasst hat. So ein Spiel. Denn dass eine A2-Auswahl des BVB den englischen Meister geschlagen hat, ist groß. Auch wenn Manchester City wohl wenig Lust auf die Europa League an den Tag legte. Bis zur Winterpause stehen den Schwarz-Gelben jetzt nur noch drei Pflichtspiele bevor und auf jedes davon freue ich mich.

Am Samstag sind die Trümmerkicker vom VFL Wolfsburg zu Gast im Westfalenstadion, die noch mit den Hinterlassenschaften der Magath-Ära zu kämpfen haben. Der aktuelle Cheftrainer auf Abruf Lorenz-Günther Köstner hat zwar für ein besseres Betriebsklima beim VW-Klub gesorgt, doch noch keinen nachhaltigen Aufschwung eingeleitet. Drei Siegen in der Liga seit seinem Amtsantritt stehen zwei Unentschieden und zwei Niederlagen gegenüber. Ob es mit einem typischen Flohmarkt-Kader Magath’scher Prägung gelingen kann, die Wende zum Guten noch in dieser Saison zu schaffen, ist fraglich. Der neue Sportdirektor Klaus Allofs hat die Trainerfrage vorerst offen gelassen – drängender scheint tatsächlich die Reduzierung und Neuausrichtung des Kaders zu sein.

Obwohl der unstrukturiert aussieht, finden sich doch eine Menge guter Leute darin. Zu Bremer Zeiten hat Diego den BVB das ein oder andere Mal geärgert – vor der Partie am Samstag ist der VFL-Spielmacher jedoch angeschlagen. Ebenfalls zu beachten ist der niederländische Stürmer Bas Dost, auch wenn ihm noch ein wenig Konstanz fehlt. Es gibt noch weitere Namen, die man nennen könnte, doch das würde in diesem Fall zu lange dauern. Jürgen Klopp warnte in der PK zum Spiel vor einer Mannschaft von hoher Qualität, die wieder „Spaß am Fußball“ gefunden habe. Damit müssen die Schwarz-Gelben wohl rechnen, doch sollte die höhere mannschaftliche Geschlossenheit weiter bei ihnen zu finden sein.

Die Personalsituation wird Klopp noch bis Samstag beschäftigen. Die defensiven Mittelfeldspieler Sven Bender und Sebastian Kehl werden aller Voraussicht nach verletzt ausfallen. ‚Manni‘ hat Probleme an der Leiste, Kapitän Kehl laboriert weiter an seiner Kapselreizung im Knie. Aufgrund dieser Konstellation schloss Klopp nicht aus, auch gegen Wolfsburg wieder auf die zuletzt zweimal erprobte 4-3-2-1-Taktik, auch „Tannenbaum“ genannt, zurückzugreifen. Bei weiteren angeschlagenen oder erkrankten Spielern muss der Trainer das morgige Abschlusstraining abwarten; die Tendenz bei Subotic, Blaszczykowski und Piszczek scheint jedoch positiv zu sein.

Jürgen Klopp sprach vor der Presse auch von der unglücklichen Situation, ausgerechnet jetzt gegen die beiden kommenden Gegner antreten zu müssen, die jeweils einen neuen Trainer an Bord haben. Möglicherweise kommt der VFL aber noch zur rechten Zeit – ehe sich die positiven Veränderungen verfestigt haben. Bleibt zum Abschluss zu hoffen, dass die beiden Teams mit hohem spielerischem Potenzial nicht durch schlechte Witterungsverhältnisse ausgebremst werden.

Der Gebrauchtspielerhändler

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Der Ansehensverlust, den der aktuelle Trainer des VFL Wolfsburg in den letzten zwei Jahren erlitten hat, ist beträchtlich. Felix Magath has lost the plot – der englische Satz drückt es besser aus als deutsche Alternativen. Gründe und Zeitpunkt liegen auf der Hand: Seit Magath in Gelsenkirchen der im Rahmen eines gewissen Budgets Alleinverantwortliche für Transfers geworden ist, hakt es in seinen Teams. Im ersten Schalker Jahr war wenig Geld zum Ausgeben da, in der zweiten Saison verhedderte sich der ehemalige Startrainer im internationalen Transfergestrüpp. Die Anlagen, viele Spieler auszuprobieren und dabei nicht immer genügend Geduld zu haben, waren schon vorher erkennbar.

Beim Quasi-Werksclub aus Wolfsburg sieht die Tendenz ähnlich aus. Als Manager britischen Schlags hat Magath in eigener Verantwortung erneut eine Mischung zusammengestellt, deren Tauglichkeit noch zu beweisen wäre: Ältere, ehemals profilierte Spieler, die der ‚Trainager‘ noch von früher kennt. Internationale Spieler, denen Magath Potenzial zuspricht, die es aber unterschiedlich gut unter Beweis stellen und daher häufig wie aus der Wundertüte gegriffen wirken. Und jüngere Spieler, die neuerdings sogar gelegentlich aus dem Nachwuchs des Vereins kommen.

Über seinen Transferaktivitäten scheint Magath jedoch das Teambuilding zu vergessen. Bekanntlich war der 58-jährige noch nie ein ‚Spielerversteher‘, sondern wurde in der Vergangenheit eher mit Begriffen wie ‚Schleifer‘ und noch weniger Schmeichelhaftem bedacht. Seine Fähigkeiten als Trainer und der daraus resultierende Erfolg haben Magaths Mannschaften immer irgendwie zusammengehalten. In seinem letzten Jahr bei S 04 und nun bei Wolfsburg gilt das nur noch bedingt. Die Ergebnisse und Auftritte sind sehr unkonstant. Magath scheint weder bei der Auswahl der Spieler auf dem Transfermarkt noch bei der täglichen Trainingsarbeit sonderlich Wert auf die charakterliche Struktur der Mannschaft zu legen. Vielleicht ist er damit aber auch schlicht überfordert.

Felix Magath hat andererseits viel Erfahrung und ist taktisch mit allen Wassern gewaschen. Das Heimspiel von Borussia Dortmund am Samstag wird also eher kein Selbstläufer. Hier und da wird über ein 3-5-2-System der Gäste gemunkelt, also eine Dreier-Abwehr, die sich bei Bedarf mit Hilfe der Flügelspieler in eine Fünferkette verwandelt. Diese taktische Aufstellung verbindet zwar auf dem Papier die Vorteile einer sicheren Abwehr mit denen eines stark besetzten Mittelfelds, sie ist aber anfällig bei schnellen Gegenzügen und funktioniert nur, wenn vor allem die Flügelspieler blitzschnell mitdenken. Sonst finden sich selbst drei Innenverteidiger schnell mal auf verlorenem Posten wieder. Ich bezweifle daher, dass Magath ausgerechnet beim wiedererstarkten Meister dieses Risiko eingeht.

Personell gibt es bei den Gästen nur zwei feststehende, bedeutsame Ausfälle: Neuzugang Srdjan Lakic fehlt noch wegen einer Meniskusquetschung. Neuzugang Thomas Hitzlsperger muss sich einer Knie-OP unterziehen. Lakics Sturmkollege Mandzukic dürfte sich bis übermorgen von seiner Erkältung erholen. Dass Innenverteidiger Alexander Madlung nach einem Faserriss voraussichtlich nicht rechtzeitig fit werden wird, spricht ebenfalls gegen die oben diskutierte taktische Variante.

Bei der Borussia steht das größte Fragezeichen hinter Sven Bender. Nach seiner Fußverletzung soll das Mittelfeld-Kraftwerk (wie er vermutlich in England bezeichnet werden würde) morgen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Soll. Wenn Bender bis Samstag fit würde, wäre er unverzichtbar. Sollten noch ein paar Prozent fehlen, dürfte es erneut auf die Kombination Kehl – Leitner im defensiven Mittelfeld hinauslaufen. Eine hier schon mal angedachte Variante für den Sturm hält auch Jürgen Klopp für möglich: Aufgrund der starken Leistungen von Robert Lewandowski und der wieder hergestellten Fitness von Lucas Barrios ist nicht ausgeschlossen, dass gegen Wolfsburg beide in der Startelf stehen. Wer dann außer Mario Götze dahinter bzw. daneben spielt, ist weitgehend offen. Kevin Großkreutz hat in der Champions League Boden gut gemacht und ist für Heimspiele immer eine Option.

Mit einem Heimsieg gegen die weiterhin wenig sympathischen Wolfsburger könnte die Borussia eine gute Ausgangssituation für die spannenden Tage nach der Länderspielpause schaffen. Wenn es zum Aufeinandertreffen mit den Bayern, Arsenal und Schalke kommt. Daran sollte jedoch vor der Partie am Samstag niemand einen Gedanken verschwenden. Denn bei allem, was man an Felix Magath kritisieren kann – ein Trainerfuchs ist er nach wie vor. Und seine Wölfe werden zuschlagen, wenn sie Schwäche wittern. Was wie eine billige Metapher klingt, scheint mir gar nicht weit hergeholt – denn am meisten fehlen den Wolfsburgern Selbstbewusstsein und ein richtiges Erfolgserlebnis. Das sollten wir ihnen nicht verschaffen.

Der Mann unseres Vertrauens

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Fast forward to Stuttgart. Aus Zeitgründen entfällt die Berichterstattung zum Pokalspiel. Nur so viel: Es war ein souveräner Sieg mit einem ganz starken Mario Götze. Und es gab zu viele Gäste, die sich nicht benehmen konnten, die es aber auch nicht wert sind, dass ich noch groß auf sie eingehe. Vielleicht mal demnächst in allgemeinerer Form.

Vor der Fahrt nach Stuttgart, die ich auch persönlich antreten werde, soll es um unseren Trainer gehen. Es ist bewundernswert, wie akribisch Jürgen Klopp Spiele analysiert und wie zielsicher er Konsequenzen zieht und Entscheidungen trifft. Man kann hin und wieder einzelne taktische und personelle Entscheidungen von ihm kritisieren – jeder von uns Fans ist ja ein bisschen Trainer. Aber Klopp lernt aus den Fehlern, die er (möglicherweise) begeht und nimmt beinahe immer die richtigen Änderungen vor. Oder schenkt Spielern das Vertrauen – zuletzt Schmelzer, Kagawa, Subotic -, die das zurückzahlen.

In dieser Woche hat der Trainer erkannt, dass „bei uns auf allen Positionen mehr Fußball gespielt wird als im vergangenen Jahr“. Gemeint ist vor allem, dass sich auch die Innenverteidigung um das Aufbauspiel bemüht und häufig hoch steht. So wurde es in den letzten zwei Wochen auch hier diskutiert. Klopps Konsequenz daraus ist, dass er in den kommenden Spielen voraussichtlich auf eine defensiv orientierte Doppel-Sechs mit Sebastian Kehl und Sven Bender setzen wird und der formschwache Ilkay Gündogan zunächst mal draußen ist. Der „Kicker“ erklärt die Beweggründe einleuchtend:

Wenn also Innenverteidiger Hummels weiterhin verstärkt als Spielmacher und Passgeber aus der Tiefe auftritt, muss vor ihm nicht zwingend noch ein Gestalter wie in der Vorsaison Sahin agieren.

Hummels Passspiel ist gelegentlich erratisch. Tollen Vorlagen wie gegen Köln stehen manchmal noch unerklärliche Fehlpässe gegenüber. Mit Kehl UND Bender als Stabilisatoren braucht man sich diesbezüglich weniger Sorgen zu machen. Diese Variante wird Klopp jedoch nicht in jedem Spiel zur Anwendung bringen. Gegen sehr defensive Gegner ist eine Rückkehr von Gündogan oder eine Chance für Moritz Leitner möglich. Am Samstag in Stuttgart werden jedoch Kehl und Bender beginnen – wenn sie bis dahin ihre leichten Blessuren wie erwartet auskurieren. Roman Weidenfeller wird wieder im Tor stehen. Für das offensive Mittelfeld stünde Ivan Perisic nach seiner Sperre wieder zur Verfügung. Konkurrent Kevin Großkreutz war gegen Dresden deutlich unauffälliger als gegen Köln. Knappe Sache, die aber vermutlich zunächst pro Kevin ausgeht. Im Sturm wird sehr wahrscheinlich erneut Robert Lewandowski beginnen, wenn ich die Äußerungen Klopps von der PK richtig interpretiere.

Die Schwarz-Gelben erwartet in Stuttgart ein Gegner, der gut in die Hinrunde gestartet ist – alles andere als selbstverständlich bei den Schwaben. Bruno Labbadia scheint aus vorangegangenen Trainerepisoden gelernt zu haben. Momentan legt der ehemalige Stürmer vor allem Wert auf eine stabile Defensive – daran hat es beim VfB längere Zeit gehapert. Die Stuttgarter spielen selten jemand in Grund und Boden, sind aber kompakter und disziplinierter geworden. Ungelegen käme Labbadia ein Ausfall von Serdar Tasci, der im Pokal einen Schlag aufs Knie bekommen hat. Lauftraining konnte der Abwehrspieler heute jedoch absolvieren. In der Innenverteidigung müssen die Schwaben bereits auf Delpierre verzichten. Im Sturm ist Cacau fraglich. Dortmund-Schreck Pogrebnyak wird ebenso wenig spielen können wie Julian Schieber. Gut möglich ist ein Wiedersehen mit Tamas Hajnal, der sich natürlich gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber besonders Mühe geben wird.

Ob man die Partie nun als Topspiel bezeichnet oder nicht – es ist in jedem Fall ein ähnlich schweres Auswärtsspiel wie das letzte in der Liga. Sollte der BVB nach Bremen auch Stuttgart bezwingen, hätte man sich vorerst auf den oberen Rängen etabliert und könnte sich relativ gelöst dem nächsten Champions League-Gegner zuwenden. Der VfB wird es uns jedoch mit Sicherheit nicht leicht machen. Um eine Chance auf drei Punkte zu haben, müsste man vermutlich die Leistung aus dem Köln-Spiel wiederholen. Ein offenes Spiel, für Spannung ist gesorgt – wie gemacht für meinen erst zweiten Spielbesuch in dieser Saison.

Die neue Borussia und die Champions League

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Halbzeit in der Champions League – zumindest für den BVB. Es gibt Redebedarf. Vor der Saison hatte ich keine großen Erwartungen an diesen Wettbewerb und unsere Mannschaft darin. Dann kam die Auslosung und plötzlich erschien der dritte Platz mehr als realistisch, fast schon ein Mindestziel. Am Tag nach der Pleite von Piräus sollte man deshalb noch mal darauf hinweisen, dass die Gruppengegner der Schwarz-Gelben nicht ohne Grund einen besseren UEFA-Koeffizienten haben. Dieser beweist nicht, dass die Mannschaften wirklich besser sind – wohl aber, dass sie mehr Erfahrung im Europapokal haben.

Die Borussia hat trotzdem die Erwartungen enttäuscht. Nach dem Auftakt gegen Arsenal, als es bis auf die Chancenverwertung nichts zu meckern gab, hat sie spielerisch abgebaut. In Marseille war es vor allem die Defensive, in Piräus hat nur noch wenig funktioniert. Einen wesentlichen Grund hat Dirk Krampe in den „Ruhr Nachrichten“ genannt: „Dortmunds Umschaltspiel war haarsträubend“. Wenn man sich fragt, wie die vielen Fehler in der Defensive zustande kommen – und das ist keine leichte Frage – erscheint diese Erklärung plausibel. Das Umschalten von Defensive auf Offensive und umgekehrt ist ein Problem. Die Innenverteidiger stehen hoch und übernehmen teilweise sogar den Spielaufbau. Das defensive Mittelfeld, dessen Aufgabe das eigentlich wäre, funktioniert zurzeit nicht wie gewünscht. Sven Bender gibt sein bestes, ist aber überfordert, wenn sein Nebenmann – gestern Ilkay Gündogan – nicht in Form ist. Und Manni ist auch nicht der Mann, der die Pässe punktgenau über das ganze Spielfeld verteilen kann.

Wenn das ‚Scharnier‘ zwischen Viererkette und Kreativabteilung nicht funktioniert, fehlt der Mannschaft insgesamt die Abstimmung, der Takt. So werden die Offensivspieler von langen Bällen und ungenauen Pässen aus der Abwehr überrascht und diese zeigt sich wiederum anfällig bei plötzlichen Ballverlusten weiter vorne. In Piräus herrschte daher beim Zurückziehen der Viererkette mehrmals Unordnung, das Stellungsspiel schien fast dem Zufall geschuldet. Allerdings war am zweiten und dritten Treffer der Griechen niemand anders schuld als die Defensivkräfte. Die Tore entstanden aus einem Einwurf und einem Freistoß.

Ein Lösungsansatz für die Problematik wäre, die Viererkette wieder traditioneller und tiefer spielen zu lassen. Nicht in jedem Spiel – nur in der Champions League und gegen starke Gegner. Klopp würde den Spielern damit mehr Zeit zum Luft holen und zur Konzentration auf die eigentlichen Aufgaben geben. Diese Spielweise würde von den Fans Geduld erfordern, weil sie nicht so spektakulär wäre wie das, was wir vor allem in der letzten Saison gesehen haben. Das zentrale Mittelfeld müsste wieder mehr von außen unterstützt werden, so dass sich in diesen Partien ein traditionelles 4-4-2-System anböte. Mit Barrios in der Spitze und Lewandowski als Nebenmann oder knapp dahinter – eine ansprechende Vorstellung.

Selbstverständlich obliegt die Tiefenanalyse dieser ersten drei CL-Spiele Jürgen Klopp und seinem Team. Nur sie haben alle Fakten und nur sie können reagieren. Als Beobachter kann man feststellen, dass den Verein sportlich ein weiteres Jahr in der Europa League womöglich weitergebracht hätte als diese CL-Kampagne. Es wäre der Entwicklung der Mannschaft und des Trainers angemessener gewesen. Auch Klopp hätte unter Umständen früher taktische Flexibilität zeigen und mehr zwischen Bundesliga und Champions League differenzieren sollen. Klar ist jedoch ebenso, dass die Teilnahme an der Königsklasse eine tolle Erfahrung und aus finanziellen Gründen unverzichtbar ist. Und der Traum von der Europa League ist schließlich noch erfüllbar.

Das Dorf der verlorenen Punkte

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1. Bundesliga, 2. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 0

Ich glaube nicht an ‚Angstgegner‘. Jedenfalls nicht an die psychologische Komponente, die bei diesem Begriff mitschwingt. Die stellt höchstens einen Randaspekt dar. Aber natürlich muss es Gründe dafür geben, dass Borussia Dortmund gegen diesen Gegner aus der badischen Provinz eine negative Bilanz hat. Theoretisch könnte es Zufall sein und darin begründet liegen, dass der BVB zum Zeitpunkt der Aufeinandertreffen selbst nicht in guter Verfassung war. Betrachtet man die letzten schwarz-gelben Jahre, fällt dieser Erklärungsansatz weg. Es liegt mit Sicherheit eher an Spielern und Spielweise des Gegners. Hier lässt sich eine Kontinuität erkennen: Die TSG Hoffenheim verfügt über technisch versierte Spieler, die aggressives Pressing betreiben.

Im gestrigen Spiel ähnelte das Konzept der Gastgeber ein wenig der üblichen Spielweise der Gäste. Die Hoffenheimer griffen im Mittelfeld früh an und standen ihren Gegenspielern quasi auf den Füßen. Die daraus resultierenden Ballgewinne konnte die Mannschaft dank ihrer vorhandenen spielerischen Qualitäten hin und wieder für ansehnliche Angriffe nutzen. Das frühe Stören der TSG schlug in den letzten Jahren immer wieder in eine überharte Gangart um, wenn es nicht den gewünschten Erfolg brachte. Gestern beschränkte sich die überzogene Härte auf ein rüdes Foul von Salihovic an Kagawa in der Anfangsphase. Nach dem Führungstreffer beließen es die Gastgeber bei normalen Fouls. Was einem an dieser Mannschaft trotzdem missfallen muss: Die Hoffenheimer lassen sich bei jeder Berührung fallen. Ein bis zwei Rollen inklusive. Schiedsrichter Aytekin behielt da nicht immer den Durchblick und pfiff in der ersten Hälfte einige ungerechtfertigte Freistöße für die Gastgeber. Zudem hätte er nach einer peinlichen Schwalbe im Strafraum Gelb gegen Ryan Babel zeigen müssen. weiterlesen

So wie alles begann

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1. Bundesliga, 17. Spieltag / Eintracht Frankfurt 1 BVB 0

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender (46. da Silva) – Großkreutz (73. Lewandowski), Kagawa (64. Kuba), Götze – Barrios.

Kann Borussia Dortmund gegen die Eintracht noch gewinnen? Am gestrigen Samstag erlitten die Schwarz-Gelben gegen diesen Gegner bereits die zweite Niederlage in Folge und warten seit über 132 Minuten auf ein Tor. Damit ist Frankfurt heißer Kandidat auf den Titel ‚Angstgegner‘.

Die Niederlage hatte sich angedeutet, zumindest für die, deren Sinne nicht vernebelt waren. Zuerst war es ’nur‘ noch eine gute Halbzeit pro Spiel, dann reichten dem BVB bei vergleichsweise mäßiger Gesamtleistung sogar kurze überzeugende Phasen zu drei Punkten. Auch gestern hätte man gewinnen können und die Eintracht hätte sich nicht zu beschweren brauchen. Letzteres gilt jedoch in der Realität auch für uns, denn beide Mannschaften hatten genügend Chancen für einen glücklichen 1:0-Sieg, der BVB war allerdings in der zweiten Halbzeit dem Sieg näher.

Es war die torlose erste Halbzeit, die die Probleme verdeutlichte, mit denen die Schwarz-Gelben zuletzt zu tun hatten. Natürlich arbeiten die Trainer der Gegner an einem Konzept, den BVB aus dem Spiel zu nehmen und mit jeder weiteren Partie erhalten sie mehr Anschauungsunterricht. Der erfolgversprechendste Ansatz ist, das zentrale Mittelfeld auszuschalten: Bender, Sahin und Kagawa. Das ist nicht einfach, gelang den letzten Gegnern aber zunehmend. Die Mittel sind Pressing, Doppelung und/oder Härte. Sicher hatte auch Michael Skibbe erkannt, dass von den Flügeln momentan eher weniger Gefahr droht, vor allem wenn die Außen keine Pässe aus der Mitte bekommen. Schmelzer war gestern bemüht, aber eher selten ganz vorne mit dabei. Piszczek hat in den letzten beiden Partien etwas die Entschlossenheit vermissen lassen. Großkreutz spielte bei seiner Rückkehr in die Startelf zu viele überhastete ungenaue Pässe, häufig in den Rücken seiner Mitspieler. Am überzeugendsten von den nominellen Flügelspielern war Mario Götze, den es jedoch häufig in die Mitte zog.

Folgerichtig hatte die Eintracht gestern in der ersten Halbzeit zwar nicht mehr vom Spiel, aber mehr Torchancen. Die wurden zwar mit limitierten Mitteln erreicht – irgendwie Gekas einsetzen, Standards rausholen, Weitschüsse – aber sie waren da. Erst in den Schlussminuten kam der BVB gefährlich vors gegnerische Tor: Ein Götze-Schuss und ein Freistoß von Nuri Sahin verblassten aber gegenüber dessen langen Traumpass auf Lucas Barrios. Leider schloss der Argentinier überhastet und quasi volley ab und setzte den Ball deutlich über den Torwart und das Tor.

Die zweite Halbzeit war deutlich besser anzusehen. Beide Mannschaften versuchten mehr, dabei ließen die Gastgeber dem BVB zwangsläufig auch mehr Freiräume. Und die wurden einige Male genutzt: Bei einem Schuss des für den angeschlagenen Bender eingewechselten da Silva war ein Frankfurter Kopf im Weg. Einen Heber von Shinji Kagawa konnte Torwart Fährmann über das Tor lenken – nicht die einzige Rettungstat des starken Nikolov-Vertreters. Kurz darauf flankte der ebenfalls starke Sahin von rechts direkt an die Latte.

Man kann es durchaus so sehen wie Jürgen Klopp, der davon sprach, dass sich das Spiel zuspitzte, „als wir unsere Großchance hatten und Theofanis Gekas das Ding im Gegenzug reinhaut.“ Der BVB war in der zweiten Hälfte am Drücker gewesen, hatte die besseren Chancen gehabt – die beste in der 86. Minute: Kuba brachte den Ball von außen in den Strafraum, Barrios stand erneut ganz allein vor Ralf Fährmann. Aus deutlich kürzerer Distanz streifte sein Schuss diesmal die Latte und ging drüber. Lucas ‚krönte‘ damit einen erneut nicht überzeugenden Auftritt. Wir wissen, dass er es besser kann, aber in diesem Spiel muss man einfach aus zwei solchen Riesenchancen mehr machen. Denn fast im Gegenzug machte es die Eintracht besser: Schneller Angriff über rechts, Jungs Pass in den Strafraum leitet Fenin toll mit der Hacke weiter zum halblinks postierten Gekas und der Torjäger des Gegners macht es halt besser als unserer.

So war es passiert, weil danach nichts mehr Gefährliches vom BVB kam. Erste Auswärtsniederlage in der Liga. Die Hinrunde endet wie sie begonnen hatte. Es lag sicher nicht an einem physischen Kräfteverschleiß, allenfalls die ‚mentale Spritzigkeit‘ könnte gefehlt haben. Eine Sache, an der man in der Winterpause arbeiten kann. Jürgen Klopp wird bis zum Trainingslager in Spanien viel analysieren und an Lösungsmöglichkeiten tüfteln. Wie die Gesamtsituation des BVB einzuschätzen ist, erfahrt ihr dann im nächsten Beitrag…

Die Dortmunder Zauberstunde dauert 46 Minuten

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1. Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 4 Mönchengladbach 1

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender – Götze (83. da Silva), Kagawa (78. Lewandowski), Kuba (62. Großkreutz) – Barrios. Tore: Subotic, Kagawa, Großkreutz, Barrios

Wäre ich Michael Frontzeck, hätte ich es genauso gemacht. Die Anweisung an die Mannschaft hätte gelautet: Geht auf Nummer sicher, steht tief und seht zu, dass ihr hin und wieder einen Konter fahrt, da können wir schließlich unsere Stärke ausspielen. Gerade Marco Reus. Das ging 45 Minuten lang gut. Pech nur, dass Neven Subotic noch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte nach einer Ecke zuschlug.

45 Minuten lang verlief die Partie so, wie ich mir eine mögliche negative Variante ausgemalt hatte. Der BVB dominierte das Spiel mit einer Ballbesitzquote zwischen 65 und 70%, kreierte einige, aber zu wenige, klare Chancen, scheiterte jedoch mehrmals an den 1,94 m von Christopher Heimeroth. Der neuralgische Punkt der Gäste, die wacklige, immer wieder neu besetzte Viererkette, wurde durch eine vordere Viererkette (i.e. das Mittelfeld) beim Verteidigen unterstützt. Dementsprechend hatte Michael Frontzeck eher offensiv orientierte Spieler wie Arango und Bobadilla zunächst auf der Bank gelassen. Bei einem der wenigen schnellen Angriffe des VFL, eher zufällig durch einen Befreiungsschlag eingeleitet, ließ die Dortmunder Innenverteidigung Marco Reus zu lange laufen und schließlich aus 20 Metern abziehen. Roman Weidenfeller stand fünf Meter vor dem Tor und hatte somit keine Abwehrchance. Allerdings musste er auch damit rechnen, aus dem Tor kommen zu müssen.

Gladbach hatte das Ziel nach 45 Minuten erreicht. Doch in der Nachspielzeit gelang den Schwarz-Gelben auf für uns fast schon biedere Art, mit Hilfe einer Ecke, der Ausgleich. Dem zuvor mehrmals (unter anderem beim Gegentor) unsicheren Neven Subotic glückte ein Kopfballtor wie aus dem Lehrbuch: Im richtigen Moment sprang er höher als die Gegenspieler und köpfte schön wuchtig ins Eck. Ein guter Zeitpunkt für ein Tor. weiterlesen