Der Mann unseres Vertrauens

Fast forward to Stuttgart. Aus Zeitgründen entfällt die Berichterstattung zum Pokalspiel. Nur so viel: Es war ein souveräner Sieg mit einem ganz starken Mario Götze. Und es gab zu viele Gäste, die sich nicht benehmen konnten, die es aber auch nicht wert sind, dass ich noch groß auf sie eingehe. Vielleicht mal demnächst in allgemeinerer Form.

Vor der Fahrt nach Stuttgart, die ich auch persönlich antreten werde, soll es um unseren Trainer gehen. Es ist bewundernswert, wie akribisch Jürgen Klopp Spiele analysiert und wie zielsicher er Konsequenzen zieht und Entscheidungen trifft. Man kann hin und wieder einzelne taktische und personelle Entscheidungen von ihm kritisieren – jeder von uns Fans ist ja ein bisschen Trainer. Aber Klopp lernt aus den Fehlern, die er (möglicherweise) begeht und nimmt beinahe immer die richtigen Änderungen vor. Oder schenkt Spielern das Vertrauen – zuletzt Schmelzer, Kagawa, Subotic -, die das zurückzahlen.

In dieser Woche hat der Trainer erkannt, dass „bei uns auf allen Positionen mehr Fußball gespielt wird als im vergangenen Jahr“. Gemeint ist vor allem, dass sich auch die Innenverteidigung um das Aufbauspiel bemüht und häufig hoch steht. So wurde es in den letzten zwei Wochen auch hier diskutiert. Klopps Konsequenz daraus ist, dass er in den kommenden Spielen voraussichtlich auf eine defensiv orientierte Doppel-Sechs mit Sebastian Kehl und Sven Bender setzen wird und der formschwache Ilkay Gündogan zunächst mal draußen ist. Der „Kicker“ erklärt die Beweggründe einleuchtend:

Wenn also Innenverteidiger Hummels weiterhin verstärkt als Spielmacher und Passgeber aus der Tiefe auftritt, muss vor ihm nicht zwingend noch ein Gestalter wie in der Vorsaison Sahin agieren.

Hummels Passspiel ist gelegentlich erratisch. Tollen Vorlagen wie gegen Köln stehen manchmal noch unerklärliche Fehlpässe gegenüber. Mit Kehl UND Bender als Stabilisatoren braucht man sich diesbezüglich weniger Sorgen zu machen. Diese Variante wird Klopp jedoch nicht in jedem Spiel zur Anwendung bringen. Gegen sehr defensive Gegner ist eine Rückkehr von Gündogan oder eine Chance für Moritz Leitner möglich. Am Samstag in Stuttgart werden jedoch Kehl und Bender beginnen – wenn sie bis dahin ihre leichten Blessuren wie erwartet auskurieren. Roman Weidenfeller wird wieder im Tor stehen. Für das offensive Mittelfeld stünde Ivan Perisic nach seiner Sperre wieder zur Verfügung. Konkurrent Kevin Großkreutz war gegen Dresden deutlich unauffälliger als gegen Köln. Knappe Sache, die aber vermutlich zunächst pro Kevin ausgeht. Im Sturm wird sehr wahrscheinlich erneut Robert Lewandowski beginnen, wenn ich die Äußerungen Klopps von der PK richtig interpretiere.

Die Schwarz-Gelben erwartet in Stuttgart ein Gegner, der gut in die Hinrunde gestartet ist – alles andere als selbstverständlich bei den Schwaben. Bruno Labbadia scheint aus vorangegangenen Trainerepisoden gelernt zu haben. Momentan legt der ehemalige Stürmer vor allem Wert auf eine stabile Defensive – daran hat es beim VfB längere Zeit gehapert. Die Stuttgarter spielen selten jemand in Grund und Boden, sind aber kompakter und disziplinierter geworden. Ungelegen käme Labbadia ein Ausfall von Serdar Tasci, der im Pokal einen Schlag aufs Knie bekommen hat. Lauftraining konnte der Abwehrspieler heute jedoch absolvieren. In der Innenverteidigung müssen die Schwaben bereits auf Delpierre verzichten. Im Sturm ist Cacau fraglich. Dortmund-Schreck Pogrebnyak wird ebenso wenig spielen können wie Julian Schieber. Gut möglich ist ein Wiedersehen mit Tamas Hajnal, der sich natürlich gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber besonders Mühe geben wird.

Ob man die Partie nun als Topspiel bezeichnet oder nicht – es ist in jedem Fall ein ähnlich schweres Auswärtsspiel wie das letzte in der Liga. Sollte der BVB nach Bremen auch Stuttgart bezwingen, hätte man sich vorerst auf den oberen Rängen etabliert und könnte sich relativ gelöst dem nächsten Champions League-Gegner zuwenden. Der VfB wird es uns jedoch mit Sicherheit nicht leicht machen. Um eine Chance auf drei Punkte zu haben, müsste man vermutlich die Leistung aus dem Köln-Spiel wiederholen. Ein offenes Spiel, für Spannung ist gesorgt – wie gemacht für meinen erst zweiten Spielbesuch in dieser Saison.

In letzter Minute – Hajnal doch zum VfB

Ob die Heimpleite gegen den SC Freiburg noch eine Rolle gespielt hat? Entgegen der bisherigen Planungen von Sportdirektor Fredi Bobic hat der VfB Stuttgart nun doch Tamas Hajnal verpflichtet – obwohl keine „Planstelle“ im offensiven Mittelfeld frei geworden ist. Der ungarische Spielmacher wird vom BVB zunächst bis Saisonende an die Schwaben ausgeliehen. Halten diese die Klasse, wird der Transfer permanent. Inklusive Leihgebühr würden dann etwa 1,5 Millionen Euro Ablöse fällig.

Jürgen Klopp und Michael Zorc sind offensichtlich zu der Überzeugung gelangt, dass das zentrale offensive Mittelfeld beim BVB trotz Shinji Kagawas Verletzung ausreichend besetzt ist. Auch da könnte der vergangene Spieltag eine Rolle gespielt haben. Und in der Tat haben wir mit Mario Götze, Mohamed Zidan und zur Not Robert Lewandowski drei Spieler, die diese Position spielen können. Ich halte zwar Tamas Hajnal nach wie vor für eine gute Nummer 10 und er kann tolle Standards schießen, hat aber gegenüber den Konkurrenten ein gewisses Geschwindigkeitsdefizit. Es gab zwar keine Notwendigkeit ihn abzugeben, aber in diesem Fall dem Wunsch des Spielers zu entsprechen, ist in Ordnung und angesichts seines momentanen Status als Ergänzungsspieler nur fair.

Tamas hat sich in der ganzen Angelegenheit immer vorbildlich verhalten und ich wünsche ihm alles Gute für seine Zukunft!

Weit mehr Überraschungen gab es am letzten Tag der Transferphase mal wieder in Gelsenkirchen. Kann sich eigentlich noch jemand an Nicolas Plestan erinnern? Nun hat Felix Magath die Hoffnungsträger Angelos Charisteas und Ali Karimi verpflichtet und feiert ein großes Nuller-Revival. Endspiel auf Schalke?

Wohin des Weges?

Mir liegt es fern, ständig wegweisende Spiele auszurufen. Das Derby nächste Woche hat bekanntlich eigene Gesetze und die darauffolgenden Partien gegen Lautern und St. Pauli taugen nicht wirklich als Schlüsselspiele. Die Reise nach Wolfsburg diesen Samstag könnte jedoch tatsächlich ein Indikator für den weiteren Saisonverlauf von Borussia Dortmund sein. Mit dem Punktverlust gegen Stuttgart und dem Verlust von Shinji Kagawa für mehrere Monate haben die Schwarz-Gelben zwei Rückschläge erlitten, von denen der letztere sicher schwerer wiegt. Darauf in Wolfsburg eine positive Reaktion zu zeigen wäre für die Mannschaft ein wichtiger Schritt.

Der Gegner gehört neben Bremen und Stuttgart zu den großen Verlierern der Hinrunde. Die wenigsten Beobachter hätten kurz vor Weihnachten an eine Zukunft von Trainer Steve McClaren in der Autostadt geglaubt. Aber Sportdirektor Dieter Hoeneß hat bekanntlich seinen eigenen Kopf und konnte seine Vorgesetzten bei VW überzeugen: Der ‚Mann mit dem Regenschirm‘ darf vorerst weitermachen und versucht einen Neuanfang. Ohne die Überfigur Edin Dzeko, dafür mit eiserner Disziplin. Trotz der riesigen Qualitäten des nach Manchester abgewanderten Stars könnte der zweite Anlauf gelingen, wenn nun mehr Spieler als bisher Verantwortung übernehmen und die 35 Millionen Ablöse weise investiert werden.

Für den BVB ist vor allem interessant, dass der VFL Wolfsburg bereits Ersatz für Dzeko gefunden hat. Von AS Monaco wurde zunächst bis zum Saisonende der Kongolese Dieumerci Mbokani  verpflichtet, den Dieter Hoeneß als schnellen und athletischen Stürmer preist. Es ist gut möglich, dass der neue Mann am Samstag gleich auflaufen wird, denn Grafite und Mario Mandzukic sind angeschlagen und fraglich. Aus den ersten beiden Rückrundenspielen gegen Bayern und Mainz hat der VFL beachtliche vier Punkte geholt – eine Rolle dürfte dabei auch die Rückkehr von Nationalspieler Arne Friedrich gespielt haben. Allerdings ist dessen Defensivkollege Kjaer ebenfalls angeschlagen, Andrea Barzagli nach Turin entschwunden und im defensiven Mittelfeld muss McClaren auf Sascha Riether verzichten.

Die personelle Situation bei den Gastgebern ist also schwer einzuschätzen. Beim BVB gibt es nach dem Kagawa-Schock zumindest nicht so viele Fragezeichen. Kuba hat im Training eine Risswunde am Fuß erlitten – da Jürgen Klopp seinen Einsatz auf der heutigen PK nicht ausgeschlossen hat, kann man aber vorsichtig optimistisch sein. Erfreuliche Nachrichten gibt es von Sven Bender und Toni da Silva: Beide werden am Samstag zur Verfügung stehen. Damit hat sich die Problemzone defensives Mittelfeld erledigt. Je nach Einsatzfähigkeit von Kuba wird Mario Götze offensiv zentral oder rechts spielen, gegebenenfalls rücken Lewandowski oder Zidan in die Mitte. Lucas Barrios, über dessen Fitness Jürgen Klopp aufgrund der Laktatwerte zuletzt anderer Ansicht war als der Spieler, wird auf jeden Fall in den Sturm zurückkehren.

Es steht nicht zu befürchten, dass die Schwarz-Gelben durch den Punktverlust und Shinjis Verletzung mental gehandicappt sind. Wie stark sich das Fehlen des Japaners spielerisch bemerkbar macht, kann eine Begegnung in Wolfsburg möglicherweise zeigen. Es wird auch ein Wettbewerb um das kreativere Mittelfeld sein: Sahin und Götze gegen Diego plus x. Für Kagawa soll übrigens kein Ersatz geholt werden – Michael Zorc und Jürgen Klopp vertrauen dem Kader, dem nun auch weiterhin Tamas Hajnal angehören dürfte. Und überhaupt: Am Samstag wäre Shinji ohnehin noch beim Finale in Katar gewesen.

Hajnal und Le Tallec bleiben Dortmunder – vorerst

Die aktuelle Transferperiode verlief bei Borussia Dortmund bisher ereignislos und dabei könnte es bleiben. Zwei Abgänge, über die spekuliert wurde, sind am Wochenende eher unwahrscheinlich geworden. Das BVB-Mitgliedermagazin „Borussia“ berichtet in der Ausgabe zum Stuttgart-Spiel, dass Michael Zorc die Ausleihe von Damien Le Tallec zu Fortuna Düsseldorf gestoppt hat (Borussia 22.1.2011, S.35). Der Grund ist vor allem die Situation der zweiten Mannschaft: Theo Schneiders Jungs können sich noch gewisse Hoffnungen auf den direkten Wiederaufstieg in die Dritte Liga machen, brauchen dazu aber einen treffsicheren Stürmer. Torjäger Daniel Ginczek fällt nun jedoch mit einem Innenbandteilriss im Knie mehrere Wochen aus – bis zu seiner Rückkehr könnten die Aufstiegshoffnungen beerdigt sein.

Gleichzeitig ist Le Tallec ein Back-Up für die Bundesliga, quasi unserer vierter Stürmer, falls es dort mal ganz dumm läuft. Die einzige Alternative neben ihm und Ginczek wäre Marco Stiepermann, Christopher Kullmann ist der Sprung in die erste Mannschaft zurzeit nicht zuzutrauen. Damien hätte sich einen Wechsel in die zweite Liga um Spielpraxis zu bekommen, gut vorstellen können – vielleicht mit dem leuchtenden Beispiel Julian Koch vor Augen. Nun wird aus einsichtigen Gründen die Vereinsräson obenan gestellt.

Spielmacher Tamas Hajnal stand in intensiven Verhandlungen mit dem Gegner vom vergangenen Wochenende. Nun haben die Schwaben in Person von Sportdirektor Bobic Michael Zorc mitgeteilt, dass ein Transfer nur möglich ist, wenn ein anderer positionsgleicher Spieler den Verein verlässt. Dabei denkt Bobic an den Brasilianer Elson. Der spielt in Stuttgart keine Rolle mehr, es sind jedoch auch noch keine konkreten Angebote für ihn eingegangen. Es ist daher gut möglich, dass sich nichts mehr tut und der VfB zumindest auf dieser Position nicht tätig wird. So langsam scheint es ja ohnehin aufwärts zu gehen.

Brettstarker Turbo-Auftritt

1. Bundesliga, 18. Spieltag / Bayer Leverkusen 1 BVB 3

Eine Überschrift zu Ehren von Jürgen Klopp. Der BVB-Trainer hat es wieder geschafft, die Mannschaft auf den Punkt vorzubereiten – für einen souveränen Auftritt beim Tabellendritten, der gekrönt wurde durch unglaubliche sechs Minuten im Turbomodus.

Es ist schon Wahnsinn. Wieder mal hat diese Mannschaft alle Erwartungen übertroffen und den ausgiebig verbalisierten Hoffnungen der Verfolger einen Dämpfer versetzt. Schon bei der Aufstellung hatte Klopp alles richtig gemacht. Götze spielte zentral offensiv und wirkte bis zu seiner Auswechslung spritzig und überhaupt nicht gehandicappt. Lewandowski vergab zwar eine Riesenchance, war aber engagiert, ins Spiel integriert und gewann das entscheidende Kopfballduell vor dem 2:0. Als später Lucas Barrios eingewechselt wurde, sah man deutlich, dass es bei ihm nicht für 90 oder auch nur 60 Minuten gereicht hätte.

Erstaunlich war, wie schnell die Schwarz-Gelben die Kontrolle über dieses Spiel eroberten. Der Pfosten-Kopfball von Sven Bender in der dritten Minute mag dazu beigetragen haben, dass die Gastgeber Respekt hatten. Nicht ganz einsichtig war mir, dass Heynckes Vidal und Barnetta zunächst auf der Bank ließ. Solche Spieler hätte es gegen den BVB von Anfang an gebraucht. So dominierten wir schnell das Mittelfeld und setzten gut nach, es fehlte nur die Genauigkeit bei den Pässen in die Spitze. Vieles lief durch die Mitte, auch weil die Leverkusener ihren Gästen dort viel Platz ließen. Mehrmals wurde es dann doch vorne gefährlich. Von einem Pass von Subotic durch die Leverkusener Deckung war Lewandowski wohl etwas überrascht und brachte den Ball allein vor Adler nicht am Torwart vorbei. Ein paar Minuten später wurde ein Schuss des Stürmers knapp neben das Tor abgefälscht.

Die Gastgeber hatten zwar zwei Szenen, in denen Kießling halbwegs aussichtsreich vor dem Tor auftauchte, insgesamt wirkten sie aber deutlich weniger gefährlich als der BVB. Was auch an der wieder sehr präsenten, souveränen Viererkette der Schwarz-Gelben lag. Weiterlesen „Brettstarker Turbo-Auftritt“

Keine Geschenke zu Freis Abschied

Borussia Dortmund hat das zweite und letzte Testspiel vor Rückrundenbeginn beim Schweizer CL-Teilnehmer FC Basel mit 4:0 gewonnen. Nebenbei war die Partie auch das verspätete Abschiedsspiel von Alexander Frei, der bekanntlich vor 1 1/2 Jahren zurück in die Schweiz gewechselt ist. Diese Funktion der Begegnung dürfte allerdings nicht im Vordergrund gestanden haben, obwohl Frei trotz leichter Verletzungsprobleme auflief. Für den BVB (und die Gastgeber) war es eine Standortbestimmung, was sich unter anderem an den gegenüber dem Lens-Spiel späteren Wechseln zeigte.

Jürgen Klopp konnte gegen eine gute Mannschaft den Ernstfall Leverkusen testen und das Ergebnis beim Tabellenzweiten der Super League ist absolut überzeugend. Das Spiel war zwar weniger eindeutig als das Resultat suggeriert, aber die Schwarz-Gelben sollen mehr vom Spiel und mehr Chancen gehabt haben. Lewandowski traf kurz vor der Pause aus der Distanz und Sahin nach einer Stunde von der Strafraumgrenze. Erst im letzten Viertel der Partie wechselte der Trainer nach und nach alle Feldspieler aus – mit Erfolg. Kaum auf dem Platz trafen da Silva und Ginczek zum 4:0-Endstand. Nur Roman Weidenfeller spielte 90 Minuten durch und muss mehrfach brillant reagiert haben. Auf Fehler von ihm aufgrund der ungeklärten Zukunft kann die Konkurrenz vermutlich lange warten.

Vor dem Leverkusen-Spiel muss den Schwarz-Gelben also nicht bange sein. Dem Gegner jedoch auch nicht. Der Werksclub gewann beim Zweitligisten VFL Osnabrück mit 3:0 und wird sich für Freitag ebenfalls einiges ausrechnen. Viel spannender geht es zum Auftakt wohl kaum. Aufstellungstechnisch kann und will sich Jürgen Klopp selbstverständlich nicht in die Karten schauen lassen. Ob Lucas Barrios spielen kann, ist ohnehin noch ungewiss. Er wird ab morgen am normalen Mannschaftstraining teilnehmen und sollte nach menschlichem Ermessen in fünf Tagen wieder fit zu kriegen sein. Robert Lewandowski hat allerdings den Berichten nach in Basel ein Traumtor erzielt und sollte schon bei leisen Zweifeln an Barrios‘ Zustand den Vorzug kriegen.

Überall wird natürlich die Frage nach dem Kagawa-Ersatz gestellt. Mario Götze wurde wegen einer kleinen Blessur gegen den FCB nicht eingesetzt, Mohamed Zidan machte seine Sache gut und bereitete das Lewandowski-Tor vor. Tamas Hajnal bekam ebenfalls noch gut 25 Minuten und soll nicht enttäuscht haben. Ihm wird jedoch höchstwahrscheinlich nur der Platz auf der Bank bleiben. Zidan dürfte näher herangerückt sein und die Variante mit ihm zentral und Götze rechts ist schließlich auch möglich. Weniger wahrscheinlich ist der Einsatz von Lewandowski als hängende Spitze oder Zehner – obwohl es immer ein Härtefall ist, ihn nicht aufzustellen. Für Sebastian Kehl und Patrick Owomoyela kommt die Partie am Freitag unterdessen noch zu früh.

Weidenfeller pokert, Barrios trainiert, Dortmund spielt Remis

Keine Dramen, aber gewisse ‚Entwicklungen‘ gibt es aus dem Trainingslager von Borussia Dortmund im spanischen Jerez zu berichten. Torwart Roman Weidenfeller will die Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung in den nächsten vier Wochen abschließen. Gegenüber den „Ruhr Nachrichten“ hat er die zwei Knackpunkte klar benannt: ‚Weide‘ möchte einen längerfristigen Vertrag und eine ordentliche Gehaltsaufstockung. Bisher soll ihm Michael Zorc eine Verlängerung bis 2013 angeboten haben.

Die BVB-Verantwortlichen haben offensichtlich die Lehren aus der Vergangenheit gezogen und bieten nur den Ausnahmekönnern langfristige hochdotierte Verträge – wenn überhaupt. Es bleibt die Frage, wie gut Weidenfeller wirklich ist. Ein sehr guter Torwart mit Sicherheit, aber unverzichtbar? Wie so oft pokern beide Seiten ein bisschen, aber wird Roman in der jetzigen Situation wirklich zu Aston Villa wechseln? Meine Prognose: Kommt nicht noch ein Überraschungsangebot von einem Topverein, wird er bleiben. Bis 2014 oder 15, mit einer hoffentlich moderaten Gehaltserhöhung, möglicherweise mit einer Jobperspektive für die Zukunft.

Unterdessen hat Lucas Barrios im Trainingslager das Training aufgenommen. Alles ganz normal, nach den leicht übertriebenen Meldungen der letzten Tage. Lucas war in Argentinien zur Beobachtung im Krankenhaus, hatte einen Magen-Darm-Infekt mit hohem Fieber und im Zuge dessen „zwei drei Kilo und Substanz verloren“. Sowas ist fies, ich kenne das, aber sicher kein Grund zur Aufregung. Der Rückrundenauftakt ist in einer Woche – das sollte reichen. Und wenn nicht, spielt eben Robert Lewandowski.

Ohne Barrios, Kagawa und den noch geschonten Mario Götze hat der BVB im ersten von zwei Testspielen vor der Rückrunde gegen den französischen Erstligisten RC Lens 2:2 gespielt. Das Spiel soll von überschaubarem Niveau gewesen sein. Bemerkenswert waren drei Sachen: Nuri Sahin hat einen Handelfmeter verwandelt, Tamas Hajnal ebenfalls ein Tor erzielt und zur Pause wurde die komplette Mannschaft gewechselt. Von der A-Elf zur B-Elf. Sonderlich ernst sollte man dieses Spiel wirklich nicht nehmen. Vermutlich wird Jürgen Klopp die Partie in Basel am Sonntag anders handhaben.

Die „Ruhr Nachrichten“ vermelden auch noch, dass Fortuna Düsseldorf wegen einer Ausleihe von Damien Le Tallec angefragt hat. Hier soll frühestens nächste Woche eine Entscheidung fallen. Der BVB will vernünftigerweise nur einen Spieler abgeben – nicht ausgeschlossen, dass das der junge Franzose sein wird, wenn für Hajnal oder Feulner keine Angebote eingehen.

Ruhige Zeiten

Andere Bundesliga-Vereine haben das neue Jahr mit einem Trainerwechsel oder mit der Verpflichtung japanischer Spieler begonnen. Bei Borussia Dortmund herrscht knapp zwei Wochen bevor es wieder los geht ruhige Winteridylle. Es gibt ja auch wenig Grund für Spekulationen. Sportdirektor Michael Zorc hat Neuverpflichtungen zur Rückrunde ausgeschlossen. Nicht unmöglich erscheint dagegen, dass Tamas Hajnal den Verein im Januar verlässt, auch wenn seine Einsatzchancen durch die Abwesenheit von Shinji Kagawa geringfügig steigen.

Die Top-Transfermeldung betrifft daher einen Spieler, der noch gar nicht in Dortmund weilt. Moritz Leitner steht zwar seit 1.Januar beim BVB unter Vertrag, sollte aber die Saison bei seinem bisherigen Verein 1860 München zu Ende spielen. Nun wechselt der 18-jährige jedoch für die Rückrunde zum bayerischen Konkurrenten FC Augsburg. Für diese Entscheidung, an der die BVB-Verantwortlichen maßgeblich beteiligt waren, dürfte es zwei Gründe geben: 1860 muss massiv sparen, um keinen weiteren Punktabzug zu riskieren und die Lizenz für die kommende Saison nicht zu gefährden. Außerdem ist der FC Augsburg Tabellenführer und der deutlich ambitioniertere Verein in Sachen Aufstieg. Vermutlich gehen Michael Zorc und Jürgen Klopp davon aus, dass sich Leitner in diesem Umfeld eher die Wettkampfhärte für die Bundesliga holen kann. Die 60er stehen zwar ’nur‘ sechs Punkte hinter dem Relegationsplatz, werden sich aber aufgrund des finanziellen Drucks und der aufrüstenden Konkurrenz schwer tun, noch mal oben anzugreifen.

Die Schwarz-Gelben, die in der Winterpause dringend etwas zum Spekulieren brauchen, können sich zur Not mit dem Fall Owomoyela beschäftigen. ‚Uwe‘ scheint nach seiner Operation nicht so richtig fit zu werden und sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Angesichts der sehr ordentlichen Leistungen von Lukasz Piszczek und vor allem vom an den MSV Duisburg verliehenen Julian Koch stellt sich die Frage, wie sich der BVB in der kommenden Spielzeit hinten rechts aufstellen will. Im Interview mit den „Ruhr Nachrichten“ sagt Owomoyela, dass er noch keinerlei Signale vom Verein erhalten habe.

Die Hinterherläufer

Am Freitagabend trifft der BVB im Westfalenstadion auf den viel zitierten ‚Bundesliga-Dino‘ HSV. Die Hamburger spielen seit Gründung der Liga in der höchsten deutschen Spielklasse. Im 47. Jahr seiner Zugehörigkeit hechelt der Verein jedoch erneut den Ansprüchen seiner Führungsetage hinterher. Der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann wollte den HSV unter den Top 10 Europas etablieren – davon ist derzeit kaum noch die Rede, ist der Verein doch nicht mal im Europapokal am Start. Der letzte nationale Titel wurde 1987 mit dem DFB-Pokal errungen.

Man sollte sich das alles noch mal in Erinnerung rufen, wenn man über die aktuellen Perspektiven der Hamburger und natürlich die Dortmunder Erfolgsaussichten am Freitag nachdenkt. Die hohen Ansprüche, die auch von den lokalen Medien der Hansestadt transportiert werden, haben dazu geführt, dass weiterhin kein schlüssiges Erfolgskonzept beim HSV zu erkennen ist. Wie überall versucht man nun langsam, ein paar junge Spieler ins Team einzubauen. Auf dem Weg der Mannschaftsbildung sind die häufig wechselnden Verantwortlichen jedoch noch nicht besonders weit gekommen. Zumindest von außen betrachtet stehen im HSV-Kader zu viele Individualisten, die zwar spielerische Qualitäten haben, aber nicht die idealen Team Player sind.

Ob Trainer Armin Veh der Richtige ist, um unter nicht unbeträchtlichem Druck dort eine konstant gut spielende Mannschaft zu formen, ist zweifelhaft. In seiner Vita steht der Meistertitel mit dem VfB als einzige große Errungenschaft. Was nichts heißen muss – allerdings kommt ein Mann wie Veh, mit recht ausgeprägtem Ego, nicht überall gleich gut zurecht. Ich sehe den HSV nach Abwägung aller Umstände jedenfalls nicht als einen Anwärter auf die ersten drei Plätze.

In Dortmund müssen die Hamburger übermorgen aus Verletzungsgründen auf einige Spieler verzichten. Die prominentesten Ausfälle sind Torwart Rost und Stürmer Ruud van Nistelrooy. Schmerzen würde Armin Veh auch ein Fehlen von Jonathan Pitroipa, der mit seiner Dribbelstärke und Schnelligkeit enorm wichtig für die HSV-Offensive sein kann, dem jedoch vor dem Kasten häufig die Zielgenauigkeit fehlt. Ein Einsatz von Pitroipa liegt aber noch im Bereich des Möglichen. Stürmer Mladen Petric ist uns Borussen noch gut bekannt – nachdem im Sommer ein Wechsel nach Stuttgart im Raum stand, hat der Kroate in den letzten Wochen überzeugt und ist von der schwarz-gelben Defensive unbedingt zu beachten.

Vom BVB gibt es dieser Tage viele positive Nachrichten. Gleich vier Spieler sind von Bundestrainer Löw für das Länderspiel nächste Woche gegen Schweden nominiert worden: Mats Hummels, Marcel Schmelzer, Kevin Großkreutz und sogar der Jüngste, Mario Götze. Warum nun gleich vier Borussen berufen werden (gegenüber null im WM-Kader) und warum vier Monate nach der WM gerüchteweise einige, die damals im Kader standen, geschont werden sollen, erschließt sich allerdings weniger.

Sehr erfreulich ist die Meldung, dass Mohamed Zidan nach siebenmonatiger Verletzungspause aufgrund eines Kreuzbandrisses am Freitag in den Kader zurückkehren könnte. Mo ist fit und würde gerne dabei sein, sieht aber das Dilemma des Trainers, der dann einen Anderen draußen lassen müsste. Unabhängig von übermorgen erweitert seine Rückkehr die Optionen im Mittelfeld. Zidan könnte schnell eine Alternative werden, wenn einer der Leistungsträger eine Pause braucht oder sich verletzt. Tamas Hajnal hat seinen zweiten Muskelfaserriss innerhalb kurzer Zeit überstanden und könnte am Freitag der zweiten Mannschaft in Leverkusen helfen. Und Patrick Owomoyela hat das Lauftraining wiederaufgenommen.

Gibt es am Freitagabend gegen 22:15 Uhr noch mehr zu feiern? Wollen wir mal nicht vergessen, dass der HSV den Mainzern die erste Saisonniederlage beigebracht und letzten Samstag die Hoffenheimer geschlagen hat. Diese Mannschaft ist unberechenbar – eine gute Voraussetzung für ein spannendes Abendspiel.

Super Mario bleibt in Dortmund

Es gibt auch in der Länderspiel-Pause gute Nachrichten aus Dortmund: Mario Götze, seit dieser Saison auch bundesweit in aller Munde, hat seinen Vertrag beim BVB bis Juni 2014 verlängert. Damit hat Michael Zorc die vielleicht wichtigste Personalie vorzeitig geklärt. Bei allem Respekt, dagegen sind die Verlängerungen mit Roman Weidenfeller, ‚Uwe‘ und sogar Dede sekundär, deren Verträge schon Ende dieser Saison auslaufen. Mario könnte für uns so wichtig werden wie Nuri Sahin – er könnte dessen offensiveres Pendant im Mittelfeld sein. Zudem bindet die Borussia eine weitere Identifikationsfigur aus der Region an den Verein. Ich freue mich auf viele weitere tolle Spiele von ‚Super Mario‘ in schwarz-gelb.

Dedes Zukunft in Dortmund ab Sommer 2011 ist noch ungeklärt, aber immerhin kann DER Dortmunder des letzten Jahrzehnts nach seiner Verletzung spätestens nächste Woche wieder voll mittrainieren. Am Freitag in Köln könnte er somit wieder zum Kader gehören und in der Woche darauf gegen PSG möglicherweise sogar in der Startelf stehen, da Marcel Schmelzer bekanntlich für ein Spiel gesperrt ist. Als Alternative böte sich allerdings Lukasz Piszczek an. Weniger gut sieht es für einen anderen ehemaligen Stammspieler aus: Tamas Hajnal hat sich einen weiteren Muskelfaserriss zugezogen (das häuft sich mal wieder) und kann frühestens gegen Paris wieder mitwirken – wenn er denn berücksichtigt wird. Irgendwie seltsam und für die Betroffenen natürlich sehr bitter, dass es zurzeit immer wieder ausgerechnet die Spieler trifft, die kurz vor ihrem Comeback standen.