Der letzte Schrei vom letzten Jahr

Wie oft war eigentlich Franziska van Almsick in dieser Saison im Stadion ihres Lieblingsvereins? Gottchen, Hoffe ist ja soo von gestern. Kein Erfolg, frustrierte Fans, die Spieler jung aber satt. Was sich beim nächsten BVB-Gegner zurzeit abspielt, ist ein Lehrstück über die Gefahren des schnellen Erfolgs. Und Dietmar Hopp hat spätestens in den TV-Interviews nach der Pleite gegen Köln gezeigt, dass er etwas mehr als 50+1 ist.

Die Schadenfreude bringt uns allerdings am Sonntag keine drei Punkte. Hoffenheim ist am tiefsten Punkt seit dem Aufstieg angekommen, den Klub zu unterschätzen wäre aber dämlich. Mit einem Punktgewinn im Westfalenstadion könnten die Gäste ein Zeichen setzen. Ralf Rangnick würde in der anschließenden Pressekonferenz Sätze sagen wie „wir haben gezeigt, dass es zu früh ist, uns abzuschreiben“ oder „die Mannschaft hat gezeigt, dass sie es kann und will“. Darauf hat kein Schwarz-Gelber Lust und deshalb muss unsere Mannschaft höchst konzentriert auftreten. Das Restprogramm mit zwei Abstiegskandidaten und dem um Europa kämpfenden Meister könnte schwieriger werden als gedacht – daher sind drei Punkte übermorgen Pflicht.

Bereits bekannt sind die Ausfälle von Sebastian Kehl und dem gesperrten Marcel Schmelzer. Das Fehlen von Kehl in der Endphase der Saison ist sehr schade, wohingegen die meisten BVB-Fans, mich eingeschlossen, Dede als eine exzellente Alternative zu Schmelzer ansehen dürften. Ich habe da so ein Gefühl, dass er am Sonntag eine wichtige Rolle spielen wird. Noch nicht ganz sicher sind die Einsätze von Patrick Owomoyela und Kuba. Als Ersatz für ‚Uwe‘ böte sich nur Julian Koch an, während rechts vorne diverse Personal-Rochaden möglich sind. Es ist aber gut möglich, dass beide doch spielen können.

Bei der TSG fehlen unter anderem Timo Hildebrand, Demba Ba, Vorsah und Nilsson. Der ehemalige Nationaltorwart Hildebrand hat Rücken und kann ablösefrei gehen, wenn er in dieser Saison kein Spiel mehr für Hoffenheim bestreitet. Trotz des unbestreitbaren Verlusts, den der längerfristige Ausfall eines guten Stürmers wie Demba Ba darstellt, sollte die TSG mit ihren anderen offensiven Optionen eigentlich in der Lage sein, das aufzufangen. Eigentlich. Aber der Verein steckt in einer Abwärtsspirale wie zuvor schon Hannover. Was ihnen fehlt, ist – natürlich – ein Erfolgserlebnis. Zum Beispiel in Dortmund. Das gilt es zu verhindern und das ist möglich, denn so felsenfest wie die Mainzer Innenverteidigung wird ihr Hoffenheimer Pendant nicht stehen. Wenn der BVB seinerseits Aussetzer hinten verhindern kann, wird das schon klappen am Sonntag.

1. Bundesliga, 14. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 2

Aufgeriebene Nerven.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz, Zidan (80. Feulner), Kuba (90. Santana) – Barrios. Tore: Kuba, Sahin (FE).

Das ist die wunderbare Welt des Fußballs. Nach einem desillusionierenden Spiel letzte Woche gegen Mainz gelingt dem BVB nun tatsächlich der Auswärtssieg in Sinsheim und aufgrund der übrigen Ergebnisse ist sogar der Anschluss an Platz 5 wiederhergestellt. Es war ein wahrhaft nervenaufreibendes Spiel, vor allem in der zweiten Halbzeit, aber nach dem guten Ausgang weiß man das dann zu schätzen. Sven Bender war wieder einsatzfähig und kehrte ins defensive Mittelfeld zurück, so dass Mats Hummels und Neven Subotic wieder das Erfolgsduo in der Innenverteidigung bilden konnten. Für den verletzten Nelson Valdez kam Kevin Großkreutz zu seinem ersten Einsatz von Beginn an.

Letzte Woche gegen Mainz wartete man über 90 Minuten vergeblich, gestern konnten die BVB-Fans schon nach zwei Minuten jubeln. Nach einem Ballverlust von Salihovic spielt Sahin den Ball auf Barrios, der sehenswert in den Lauf von Kuba weiterleitet. Der war zuletzt eher Chancentod als Vorbereiter oder gar Vollstrecker, aber gestern gelang ihm mit einem souveränen Schuss die Führung. In der Folge war Hoffenheim erwartungsgemäß die spielbestimmende Mannschaft, strahlte aber überraschend wenig Torgefahr aus. Natürlich lag das zu einem großen Teil an der Zweikampfstärke unserer neuen Traum-Innenverteidigung. Mats und Neven trugen erheblich mehr zur defensiven Stabilität bei als die Außenverteidiger Schmelzer und Owomoyela.

Nach vorne war das Spiel der Schwarz-Gelben auch gestern nicht so berühmt. Viele Angriffe werden nach wie vor durch ungenaue Pässe zunichtegemacht, aber das kann noch werden. Wenn das Spiel gestern für Kuba eine Initialzündung war oder wenn Nuri Sahin noch konstanter wird. Es ist aber erstaunlich, wie viele Ausfälle die Mannschaft durch Engagement und Leidenschaft wettmachen kann. Wir haben schließlich gegen ein Hoffenheim in Beinahe-Bestbesetzung gespielt. Diese Einstellung verkörpert der Trainer – das sollte man nach diesem tollen Sieg mal wieder betonen. Weiterlesen „1. Bundesliga, 14. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 2“

Timo Hildebrand: Reha in Hoffenheim

Letzte Woche wurde sein Vertrag beim FC Valencia einvernehmlich aufgelöst, heute ist Timo Hildebrand als neuer, voraussichtlich erster Torwart bei der TSG Hoffenheim vorgestellt worden. Der 29-jährige ehemalige Nationaltorhüter könnte theoretisch schon am Sonntag eingesetzt werden, wird sich aber vermutlich bis nach der Winterpause gedulden müssen. Die Gerüchte um einen Wechsel nach Nordbaden hatte es ja schon eine Weile gegeben und die Verpflichtung passt durchaus ins Schema der Aufsteiger: Spieler, die woanders den Durchbruch nicht oder nicht so richtig schaffen, gedeihen dort plötzlich prächtig.

Der Unterschied: Normalerweise handelt es sich um jüngere Leute mit einem weniger großen Namen. Wobei Hildebrand noch im besten Torhüter-Alter ist. Es wird interessant sein, zu beobachten, ob der Besser-als-Bayern-wisser Rangnick den gestolperten Meisterkeeper ebenso wieder herrichten kann wie die ganzen Feldspieler. Nicht ganz zu Unrecht gilt Hildebrand als offensiver Vertreter seiner Zunft mit schnellem, präzisem Abwurf oder Abschlag. Das könnte also passen – wenn die Zeit in Spanien keine dauerhaften ‚Schäden‘ hinterlassen hat.

Der BVB soll Gerüchten von zweifelhafter Substanz zufolge auch an Hildebrand interessiert gewesen sein. Vor ein paar Wochen hätte ich einen Wechsel nach Dortmund sicher begrüßt, jetzt stört mich die Entscheidung für Hoffenheim aber wenig. Roman Weidenfeller scheint auf dem Weg der Leistungsbesserung, und auch wenn er kaum mehr mein Lieblingsspieler werden wird, kann man mit ihm getrost in die Rückrunde gehen. So schnelllebig isser halt, der Fußball.

BL 11.Spieltag / BVB 1-1 VFL Bochum

Dortmund wie Sisyphos.

Aufstellung: Weidenfeller – Lee, Hummels (46. Kovac), Subotic, Owomoyela – Kringe, Kehl, Tinga – Zidan, Frei (70. Valdez), Kuba (81. Klimowicz).

Da braucht man ’nur‘ einen Heimsieg gegen Bochum, um mal wieder Platz 5 zu erklimmen. Statt dessen gibts das dritte Unentschieden im Westfalenstadion in Folge. Gegen Hannover, Hertha und jetzt den kleinen Nachbarn. Dank der Klatsche, die die Berliner gestern in Bremen erlitten haben, reichts zumindest für Platz 6.

Das Rezept, wie man als Gast in Dortmund auftreten muss, scheint klar: Hinten massiert stehen und auf Konter hoffen. Oder eben Standards. Die Schwarz-Gelben sind ja auch nicht die Einzigen, die mit so einer Spielweise Probleme haben. Erschwerend kam hinzu, dass Jürgen Klopp aufgrund des Ausfalls von Tamas Hajnal wieder vom 4-4-2 mit Raute abrücken musste und ein System spielen ließ, das man wahlweise als 4-3-3 oder 4-3-2-1 interpretieren kann. Für letzteres spricht, dass der weitgehend enttäuschende Alex Frei meistens in der Luft hing. Die Schnittstelle zwischen Mittelfeld und Angriff fehlte erkennbar.

So entwickelte sich eine erste Hälfte, in der der BVB zwar feldüberlegen war, aber fast keine Torchancen hatte. Die Bochumer standen gut und das Passspiel der Schwarz-Gelben war schlecht. Und die Gäste nutzten eine Ecke zum Führungstor. Hummels köpfte den Ball eigentlich weit genug aus der Gefahrenzone; dumm nur, dass Roman Weidenfeller ihn sonst vermutlich gefangen hätte. Dumm auch, dass Bochums Kapitän Zdebel den Ball optimal trifft und der Dortmunder Keeper noch nicht wieder optimal steht, zudem durch die unübersichtliche Situation etwas irritiert wird. Fehlende Spitzenklasse bei unserer momentanen Nummer 1 oder einfach nur dumm gelaufen – urteilen Sie selbst! Manchmal schien jedenfalls schon ein Unsichtbarer (wenn auch nicht unbekannter) Dritter Torwart auf der Bank zu sitzen – so schnell, wie Weidenfeller manchmal das Spiel mit seinen Abwürfen zu machen versuchte.

Kurz vor der Pause dann doch noch der Ausgleich. Ich wage es kaum in den Mund zu nehmen, aber das war ja schon fast hoffenheimesk. Ein perfekter langer Pass in die Spitze vom sehr soliden Subotic, Zidan macht im Abschluss alles richtig, Torwart Fernandes hat keine Chance, da der Ball noch tückisch aufsetzt. Der Ägypter scheint rechtzeitig zum Hamburg-Spiel in Form zu kommen! Leider blieb dieser Spielzug der einzige, der an die Mannschaft der Stunde erinnerte (ja, ich kanns auch nicht mehr hören…). Natürlich glaubt man nach diesem Tor zu diesem Zeitpunkt noch an einen positiven Ausgang, aber auch wenn die zweite Hälfte der Schwarz-Gelben besser war, blieb zuviel im Ansatz stecken. Weiterlesen „BL 11.Spieltag / BVB 1-1 VFL Bochum“

Ein Tor im Tor?

Klingt erstmal hart, aber was macht man nicht alles für ein kleines Wortspiel 😉 … Es geht auch nicht darum, jetzt irgendetwas Negatives zu finden, um endlich mal wieder kritisch über den BVB schreiben zu können; sowas liegt mir als Selbstzweck fern. Aber ich frage mich so langsam, ob ich mit Roman Weidenfeller als Nr. 1 bei den Schwarz-Gelben nochmal warm werde. Das war mal anders, zuletzt vorletzte Saison. Da stand Weide vor dem Sprung in die Nationalmannschaft und war einer der konstantesten Keeper der Liga.

Danach kam ein langsamer, in der letzten Saison deutlicher, Leistungsabfall. Die unschöne Auseinandersetzung mit Gerald Asamoah im Derby-Hinspiel, die verbale Entgleisung. Dann die Verletzung, die ich ihm selbstverständlich nicht zum Vorwurf mache. Aber ich finde, er ist vom früheren Niveau immer noch weit entfernt. Ob auf Dauer zu weit, wird sich in den nächsten Spielen herausstellen. Bisher ist das nur so eine dumpfe, vielleicht etwas irrationale Unzufriedenheit, die ich verspüre. Obwohl man Weidenfeller beispielsweise keine fehlende Loyalität vorwerfen kann, ist mir Marc Ziegler als Typ sympathischer. Dem unterlief zwar in seiner Zeit als Nummer 1 ebenfalls der ein oder andere Lapsus, aber es waren auch starke Spiele dabei.

Aktuell ist ein Torwartwechsel sicher nicht zwingend beim BVB. Er würde u.U. wieder Unruhe ins Team bringen, wo es in dieser Saison doch bisher angenehm ruhig zu sein scheint. Aber Jürgen Klopp sollte die Entwicklung beobachten. Und zusammen mit Michael Zorc überlegen, ob perspektivisch auf dieser Position nicht doch eine Verstärkung sinnvoll wäre, um auch hier eine neue Qualitätsstufe zu erreichen. Wenn beispielsweise ein Timo Hildebrand auf den Markt käme…

Spitzenshow

Mit typisch deutscher Vorschlaghammer-Symbolik wurde heute auf der Zugspitze das (vorläufige) EM-Aufgebot des DFB bekanntgegeben. Und siehe da: Auch Joachim Löw und sein Team hatten einige Überraschungen parat, über die jetzt ausgiebigst diskutiert werden darf und wird.

Im Tor wird also Timo Hildebrand nicht dabeisein, dafür Rene Adler von Bayer Leverkusen (neben Lehmann und Enke). Eine gewagte Entscheidung, die ich nur schwer nachvollziehen kann. War es Hildebrands Pech, dass er nun weit weg in Spanien spielt und mit dem FC Valencia lange Zeit in Abstiegsgefahr schwebte? Haben sich die Herren Löw, Köpke und Flick wirklich ausreichend über seinen Leistungsstand informiert, auch vor Ort? Rene Adler hat sicher noch eine erfolgreiche Zukunft vor sich, aber muss er wirklich schon dieses Jahr mit von der Partie sein? Ich habe außerdem eher Zweifel an Lehmanns Stabilität als an der von Hildebrand.

In der Abwehr gab es keine echten Überraschungen, im Mittelfeld ist Marco Marin von Gladbach der ‚Odonkor von 2008‘. Wobei der echte Odonkor auch wieder dabei ist. Gerade er dürfte einer der Streichkandidaten sein, denn Löw muss noch drei Spieler aussortieren, um auf die erlaubte Höchstzahl von 23 zu kommen. Nach dem, was man so in der Presse über seine Auftritte bei Betis Sevilla liest (wenn er denn mal spielen darf), ist schon seine Nominierung für den erweiterten Kader eher fragwürdig. Weiterlesen „Spitzenshow“