Gegen den Strom: Bürki verlängert bis 2021

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Borussia Dortmund handelt antizyklisch und hat heute die Vertragsverlängerung mit Torwart Roman Bürki bis 2021 bekanntgegeben. In Gesprächen war man natürlich schon länger, doch der Zeitpunkt der Verkündung dürfte von den Ereignissen dieser Woche beeinflusst sein. Das legen auch die Worte von Michael Zorc nahe:

Wir mögen seinen Spielstil, sehen bei ihm ein großes Entwicklungspotenzial und gehen fest davon aus, dass er das, was in ihm steckt, schon bald wieder konstant abrufen wird.

Zorc lobte neben den sportlichen auch die menschlichen Qualitäten des Keepers. Die deutliche Unterstützung aus der Mannschaft nach Romans Aussetzer von Nikosia unterstreicht die Aussagen des Sportdirektors.

Wie ich schon im Artikel zum Spiel geschrieben habe: Ich halte Bürki für einen guten Torwart und insofern die Verlängerung für richtig. Er hat derzeit eine schwächere Phase, aber dafür können seine Vorderleute mehr als Roman selbst. Außer dem Doppelfehler vom Dienstag hat er sich keine haarsträubenden Fehler geleistet. Sagen wir es so: Bürki ragt nicht aus dem Team heraus, aber gewöhnlich hat dieses Team ja auch ein hohes Niveau.

Ihm jetzt das Vertrauen zu geben, halte ich für richtig. Es könnte Bürki stärken. Und wenn nicht bedeutet ein längerfristiger Vertrag ja nicht, dass der Spieler tatsächlich so lange bleibt. Sollte es nicht wieder bergauf gehen, sollten sich die Verantwortlichen am Saisonende für einen starken Konkurrenten entscheiden, wäre das eine neue Situation. Ein ehrgeiziger Torwart wird dann seinen Vertrag nicht aussitzen, weil er weiß, dass er kaum Chancen auf eine Rotation wie bei den Feldspielern hat. Noch gibt es aber keinen Grund anzunehmen, dass Roman bald in diese Situation geraten wird.

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Der Weihnachtsmann ist kein Dortmunder Junge

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1. Bundesliga, 17. Spieltag / 1. FC Köln 2 BVB 1

Als die Bundesligapartie in Köln gestern dem BVB kurz vor Schluss auch vom Ergebnis her entglitt, erinnerte man sich als Fan wieder, noch bevor es uns Sky verriet: Weihnachten kann die Borussia nicht so gut. Nicht mehr. Schon das dritte Jahr in Folge verloren die schwarz-gelben Jungs das letzte Ligaspiel vor der Bescherung. Doch natürlich ist es ein himmelweiter Unterschied zur Situation nach der 1:2-Niederlage in Bremen vor einem Jahr. In dieser im Idealfall besinnlichen Zeit sollte man sich noch mal in Erinnerung rufen, welch weiten Weg der BVB seither schon wieder gegangen ist.

Trotzdem: Ärgerlich war das ganz ohne Zweifel. Und es stellt sich die Frage, warum die Spieler ein so anderes Gesicht zeigten als beim Last-Minute-Sieg in Wolfsburg. Auch andere Teams haben schließlich unter der Woche Pokal gespielt und am Samstag gewonnen. Klar, die Gesamtbelastung war bei niemand so groß wie bei den Schwarz-Gelben. Vielleicht setzte Thomas Tuchel deshalb ein weiteres Mal auf Rotation und brachte unter anderem in Park und Ginter zwei neue Außenverteidiger. Hätte er Angst vor den Kölner Flügelspielern gehabt, hätte er es nicht machen sollen.

Tatsächlich lag es am Ende nicht an diesen beiden, dass der BVB die bittere Pleite kassierte. Joo-Ho Park hatte zwar arge Probleme, hätte sich gar über einen Elfmeterpfiff gegen sich nicht beschweren dürfen, wurde aber bereits zur Pause ausgewechselt. Da stand es bekanntlich 1:0 durch den starken Sokratis. Auch Ginter machte keine schlechte Partie. Dagegen war es Parks ‚Ersatzmann‘ Schmelzer, der kurz vor Schluss den Ball ebenso unkontrolliert aus der Gefahrenzone schlug wie einige Minuten zuvor Torwart Bürki. Wobei auch die jeweiligen Zielspieler alles andere als wach wirkten. Ergebnis: eine sehr unnötige Niederlage. Auch wenn Köln tatsächlich stark zurück kam.

Nach einer sehr ordentlichen ersten Hälfte ließ der BVB aber auch genau das zu und versäumte es bis auf einige Distanzschüsse, das Tor der Kölner weiter in Gefahr zu bringen. Es waren Leistungsträger wie Mkhitaryan, der meist zu spät und zu ungenau passte, oder Gündogan, der stark abbaute, die die Borussia gebraucht hätte. Auch Aubameyang blieb, sagen wir, anonym. Roman Bürki dagegen hatte vor seinem von der Bodenbeschaffenheit begünstigten Fehler zweimal richtig stark reagiert. So was ist eben das bittere Los des Torwarts: De facto war die unglückliche Szene der Auslöser der Wende, doch das Spiel haben trotzdem vor allem andere verloren.

Für die Kölner muss es ein Traum gewesen sein, so wie für uns Wolfsburg. Kurz vor Weihnachten beendete auch noch Anthony Modeste seine Torflaute und der Effzeh überwintert im Mittelfeld. Man kann sich schlimmere Orte für Niederlagen vorstellen als ein feierndes Kölner Stadion. Trotzdem: Ein wenig traurig ist es schon, dass es nun nicht mal mehr den Anschein hat, als könne irgendjemand noch ins Titelrennen eingreifen. Aber da wir Dortmunder ja aus gutem Grund ohnehin nur auf uns schauen, frage ich mich eher, warum ausgerechnet die schwarz-gelben Jungs am Ende nichts mehr zuzusetzen hatten. Und ob nicht ein Gonzalo Castro mehr geholfen hätte als ein Ramos. Auch Thomas Tuchel wird die Winterpause gut tun.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels (46. Bender), Park (46. Schmelzer) – Weigl – Mhkitaryan, Gündogan, Kagawa, Hofmann (75. Ramos) – Aubameyang. Gelbe Karte: Aubameyang. Tor: Sokratis

Vorne aufgebaut, hinten eingerissen

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1. Bundesliga, 16. Spieltag / BVB 2 VfL Wolfsburg 2

Das vorletzte Ergebnis von Borussia Dortmund im Jahr 2014 lässt verschiedene Lesarten zu. Man kann sich aus der Warte des Tabellen-16. durchaus über einen Punkt gegen den Tabellenzweiten freuen, den man im Verein auch vor der Saison schon für einen ernsthaften Konkurrenten gehalten hat. Man kann aber auch sagen, dass die Schwarz-Gelben sich zu Hause gar keinen Punktverlust mehr erlauben dürften angesichts des hinter dem Horizont verschwindenden Saisonziels und des ebenfalls weit entfernten Minimalziels Europa League. Letzteres ist immerhin noch über den Pokal erreichbar.

Direkt nach der Partie gestern Abend dürften die wenigsten Variante 1 zugeneigt haben. Zweimal hatte die Borussia geführt, Ciro Immobile hatte einen Treffer erzielt, der es verdient gehabt hätte, das Siegtor zu sein. Doch Wolfsburg kam zweimal zurück, Naldo traf nach Ecke per Kopf zum 2:2. Die Art und Weise, wie die Tore fielen, war das eigentlich Ärgerliche. Zwar hätten die Gäste auch aus dem Spiel heraus das eine oder andere Mal treffen können, sie taten es aber durch einen Freistoß aus rund 18 Metern, den Mitch Langerak hätte abwehren sollen, und nach besagter Ecke, als sich ausgerechnet Riese Naldo völlig frei durch den Strafraum bewegen konnte. Jürgen Klopp rutschte im Sky-Interview nach dem Spiel heraus, dass Kehl für die Deckung hätte sorgen sollen.

Es war ohnehin nicht der Tag des ehemaligen Kapitäns, auch nicht der des wieder aufgebotenen Großkreutz – dafür der von Ciro Immobile. Der italienische Stürmer zeigte nahezu über die gesamte Spielzeit alle Qualitäten, die man von einem Mittelstürmer erwarten kann. Er bereitete mit seiner Flanke das 1:0 durch Aubameyang vor. Hier zeigte sich übrigens, dass der BVB davon profitieren kann, wenn er sein Spiel wieder breiter macht. Sein eigenes Tor, dem ein tolles Tackling des eingewechselten Oliver Kirch voranging, war ein Schuss wie ein Strahl ins linke Eck. Ciro hatte weitere Szenen, wo er den Ball gut an- und mitnahm, nur im Abschluss weniger Glück hatte. Wenn er diese Form irgendwie konservieren kann, erübrigt sich das Gemunkel der Medien über eine neue Offensivkraft ganz schnell wieder.

Bei allem Ärger über den späten Ausgleich und das Auf-der-Stelle-treten war es eine tolle Partie mit offenem Visier von beiden Teams. Also auch von Schwarz-Gelb. Wolfsburg hatte mehr Ballbesitz, es gab Phasen von Dominanz der Gäste, aber auch der Gastgeber. Gegen viele andere Bundesligamannschaften hätte die Leistung der Borussia zum Sieg gereicht. Doch die Wolfsburger sind angeführt von Kevin De Bruyne zu einem Spitzenteam geworden. Einen vergleichbaren Spieler hatte der BVB in Abwesenheit von Marco Reus nicht zu bieten. Das Passspiel auf engem Raum sah auch deswegen bei den Gästen besser aus, während die Schwarz-Gelben deutlich leidenschaftlicher wirkten.

Vorschau auf Bremen

Man kann auf diesem „Pünktchen Hoffnung“, wie der „Kicker“ es nennt, aufbauen. Aber vor allem dann, wenn nun endlich der Auswärtssieg gelingt. Wo sonst, wenn nicht bei den wackligen Bremern? Die neben Prödl mit dem gesperrten Caldirola einen weiteren Innenverteidiger ersetzen müssen. Mit drei Punkten am Samstag würde die Borussia fast sicher die Abstiegszone verlassen. Doch waren wir in dieser Saison schon zu oft Aufbaugegner, um nicht vorsichtig zu sein. Neben den bekannten Ausfällen muss Jürgen Klopp am Samstag ebenfalls auf einen gesperrten Innenverteidiger, Neven Subotic, verzichten. Für ihn wird Ginter spielen. Lukasz Piszczek sollte zumindest in den Kader zurückkehren; Fragezeichen gibt es noch bei Kehl und Bender. Fiele einer von ihnen aus, wäre Oli Kirch sicher eine interessante Option.

Die Aufstellung: Langerak – Durm, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender, Kehl – Aubameyang, Gündogan (75. Kirch), Großkreutz – Immobile. Gelbe Karte: Subotic. Tore: Aubameyang, Immobile

Erfolgreiche Korrekturen

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1. Bundesliga, 28. Spieltag / BVB 4 FC Augsburg 2

icon_spielberichtfinalDie Hereinnahme der beiden Topspieler Götze und Lewandowski verhinderte gestern eine hausgemachte Heimniederlage der Borussia. Ob sich Jürgen Klopps gewagter Personal-Poker auszahlt, wird erst am Dienstagabend entschieden.

Ausführlich hatte der Dortmunder Trainer seinen Augsburger Kollegen in der Pressekonferenz vor der Partie gelobt, ihn als „Trainer des Halbjahrs“ bezeichnet (siehe Vorbericht) – am Samstag um 15.30 Uhr standen dennoch sieben neue Spieler in der Startelf der Borussia. Man könnte das mit dem Vertrauen in die Qualität des Kaders rechtfertigen; man kann sagen, Weidenfeller habe Rücken und Reus eine Bauchmuskelzerrung gehabt – so richtig korrespondiert die Notwendigkeit der Umstellungen trotzdem nicht mit dem behaupteten Respekt vor dem Gegner.

Zugegeben, auch ich gönnte den meisten der in die Startelf Gerutschten ihre Chance und als das Spiel begann, hoffte ich, dass es so klappen könnte. Mit Julian Schiebers Tor in der 22. Minute schien sich das zu bestätigen. Beteiligt waren zwei weitere neu in die Mannschaft Gekommene: Moritz Leitner war mit dem Ball über halbrechts in den Strafraum gerannt und hatte dann quergelegt; zentral verlängerte Leonardo Bittencourt irgendwie mit der Hacke zu Schieber.

Tatsache ist aber auch, dass die besten weiteren BVB-Chancen der ersten Hälfte aus Standards hervorgingen und das Aufbau- und Offensivspiel einiges zu wünschen übrig ließ. Mehrere Bälle wurden unbedrängt ins Aus gespielt, kombiniert wurde vergleichsweise wenig. Lange Zeit hatten die Schwarz-Gelben den Gegner im Griff, sie versäumten es aber, aus der Augsburger Ungefährlichkeit und der eigenen Überlegenheit Kapital zu schlagen.

Alles in allem war es keine ansehnliche erste Halbzeit, aber immerhin stand die Dortmunder Defensive solide – bis dem FCA die bei diesem knappen Ergebnis nie auszuschließende Wende gelang. Zunächst köpfte Schieber den Ball aus dem eigenen Strafraum unglücklich vor die Füße von Baier, der aus gut 20 Metern abzog. Der Ball hoppelte etwas und schlug in der Torwartecke ein – für Mitch Langerak kein Must-Save, doch der Schuss war eigentlich gut sichtbar. Nicht mal zwei Minuten nach dem Ausgleich konterten die Gäste die Borussia aus, da Santana das Abseits aufhob. Langerak ließ den Schuss von Werner nach vorne abprallen und niemand war zur Stelle, um Vogt am 1:2 zu hindern. weiterlesen

Schon wieder HSV

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1. Bundesliga, 4. Spieltag / Hamburger SV 3 BVB 2

Vor gut einem Jahr verlor Borussia Dortmund zum letzten Mal in der Fußball-Bundesliga, damals mit 1:2 beim HSV. Nun ist es wieder passiert. 2:3, erneut beim HSV, allerdings bei dem aus Hamburg. 2011 wurde dem durchwachsen gestarteten BVB im Anschluss eine Krise eingeredet, die sich, wie wir alle wissen, nicht bestätigte. In diesem Jahr kam die Niederlage deutlich überraschender – schließlich hatte der Gegner bisher 0 Punkte auf dem Konto und lag auf Platz 17.

Ausnahmsweise will ich mich heute mehrmals selbst zitieren. Meinen Vorbericht. Mit der Niederlage habe ich nicht gerechnet, das vorweg. Das Hamburger Stadion habe seinen Schrecken für die Borussia verloren, behauptete ich. Vielleicht war genau das ein Grund für die Lässigkeit, mit der ein paar Spieler in entscheidenden Situationen zu Werke gingen. Jedenfalls ist man die gestern gezeigte Anzahl von Alibi-Aktionen und leichten Fehlpässen von den Schwarz-Gelben nicht gewohnt. Und leider hatten sie auch nicht die Warnung vor dem Zusammenspiel von Rafael van der Vaart und Heung-Min Son verinnerlicht, die sicher nicht nur ich ausgesprochen habe.

Die Gründe für die Niederlage, an die man sich erst mal wieder gewöhnen muss, waren jedenfalls weitestgehend hausgemacht. Das ist kein fehlender Respekt für die Gastgeber – die spielten das angesichts der Ausgangslage gut runter. Wirklich gefährlich wirkte aber fast ausschließlich das, was die schon erwähnten van der Vaart und Son produzierten. Und in der letzten halben Stunde hätte der HSV noch locker zwei oder drei Punkte verlieren können.

Schon bei der gestrigen Aufstellung des BVB darf man ein Fragezeichen setzen. Die Herausnahme von Kuba zugunsten von Ivan Perisic kann man aufgrund der bisher regelmäßigen Einsätze des polnischen und der zwei Tore des kroatischen Nationalspielers rechtfertigen – auch wenn der hart arbeitende und zielstrebige Kuba dem Dortmunder Angriffsspiel in der ersten Hälfte sicher nicht geschadet hätte. Deutlich weniger einleuchtend war die Startelf-Saisonpremiere von Moritz Leitner, der für die zentrale Position neben Kehl einfach (noch) nicht die nötige Zweikampfstärke mitbringt. Hier wäre der Saison-Einstand von Sven Bender vermutlich die bessere Wahl gewesen – es sei denn, es gab Fitness-Gründe, die dagegen sprachen. weiterlesen

WM-Parallelen

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Das erste verlängerte WM-Wochenende ist vorbei und ich werde nichts über Vuvuzelas schreiben. Mir sind vielmehr einige Parallelen zum letzten Turnier in Deutschland aufgefallen. Damals wurde genauso wie in den letzten Wochen über den offiziellen WM-Ball gemeckert. Bei den ersten Spielen in Südafrika war dieser wirklich nicht der Freund der Torhüter. Aber haben Englands Robert Green und Algeriens Chaouchi harmlose Schüsse durchrutschen lassen, weil der Ball irgendwie komisch geflogen ist? Mit dem bloßen Auge und vor dem Fernseher lässt sich das leider nicht erkennen. Da müssen wir wohl noch etwas abwarten, ob es zu einer Häufung von Torwartpatzern kommt.

Das Niveau in den ersten WM-Spielen war überschaubar, ähnlich wie in Deutschland. Allgemeine defensive Stabilität und lahmendes Flügelspiel scheinen die Hauptgründe zu sein. Die Defensiven fast aller bisher zu sehenden Teilnehmer sind taktisch ordentlich geschult und verschieben gut. Wie 2006 war es die deutsche Mannschaft, die in ihrem ersten Spiel am besten zu gefallen wusste und dazu noch defensivstärker als vor vier Jahren auftrat. Eine recht souveräne Vorstellung lieferten noch die Argentinier ab und gespannt sein darf man auf die nächsten Partien der Südkoreaner. Die zeigten gegen schwache Griechen technisch ansprechenden Fußball, auch wenn nicht alles funktionierte. Für das Achtelfinale könnte das reichen.

Heute Abend haben Lucas Barrios und eventuell Nelson Valdez mit Paraguay ihren ersten Auftritt – gegen den amtierenden Weltmeister. Mehr dazu morgen an dieser Stelle.

Typisch Fussball

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Vielleicht macht die Winterpause im deutschen Fußball doch Sinn. Auf vielen Plätzen hätte dieses Wochenende sicher nicht gespielt werden können. In England war das nicht anders. Sogar in der Premier League mussten zwei Spiele wegen gefrorenem Untergrund abgesagt werden: In Craven Cottage (Fulham/London) und Fratton Park (Portsmouth). In der Football League (zweite bis vierte Liga) wurden mehr als die Hälfte der Spiele verschoben.

Was man dagegen beim Derby im Villa Park, Aston Villa v West Bromwich Albion, zu sehen bekam, war einfach typisch Fußball. Der Außenseiter startet couragiert und überzeugend in die Partie, hat mehr vom Spiel, sogar ein paar kleinere Chancen durch Valero und Koren. Der von Arsenal ausgeliehene Jungstürmer Jay Simpson steht in der Startelf, wirkt engagiert und wach und zeigt einige sehenswerte Dribblings. In der 18.Minute folgt dann der erste ernstzunehmende Angriff von Villa: Zweimal können West Brom-Spieler den Ball von der Linie kratzen, dann kann Barry frei flanken und Ex-Baggie Davies ungehindert zum 1-0 einköpfen.

Diese zu diesem Zeitpunkt unverdiente Führung verändert das Spiel dramatisch. Die Gastgeber sind jetzt voll drin und haben ihre Chancen, West Brom wankt. Spätestens durch Sidwell in der 31.Minute hätte das 2-0 fallen müssen. Dann endlich wieder eine Baggies-Chance nach einer Flanke des bis dahin schwachen Linksverteidiger-Veteranen Paul Robinson, aber Morrisons Kopfball geht direkt auf Torwart Friedel. Kommt nun West Brom vielleicht zurück? Nein, denn wie das in solchen Spielen und gerade bei Abstiegskandidaten eben ist, schlagen sie sich quasi selber. Der bekanntermaßen gefährliche junge Villa-Stürmer Agbonlahor wird auf links nicht angegriffen, kann in den Strafraum eindringen und feuert einen eher harmlosen Schuss aus spitzem Winkel ab. Der rutscht West Brom-Keeper Scott Carson unter dem Bauch durch und wird dadurch ins Tor abgelenkt. 2-0 in der 41.Minute. Carson ist halt ein typisch englischer Torwart: Eigentlich mit guter Übersicht und Strafraumbeherrschung, aber immer wieder mit einem ‚howler‘ drin.

Das Spiel scheint also zur Pause gelaufen, aber West Brom-Trainer Tony Mowbray stellt um und bringt den großen Tschechen Roman Bednar für den ineffektiven Luke Moore im Angriff. Das zahlt sich unmittelbar in der 49.Minute aus, so unmittelbar, dass ich es erst in der Wiederholung gesehen habe: Bednar legt für James Morrison vor, der verlädt einen Abwehrspieler und trifft mit einem schönen Schuss zum Anschluss. Der Außenseiter ist wieder im Spiel, aber in der restlichen Spielzeit offensiv nicht effektiv genug, um Villa ernsthaft zu gefährden. Erschwerend kommt hinzu, dass Torschütze Morrison, der bis dahin eine gute Leistung gezeigt hatte, in der 65.Minute verletzt raus muss und durch Brunt ersetzt wird. Zwei umstrittene Szenen im Villa-Strafraum kurz vor Schluss werden wohl zu Recht nicht mit Elfmetern geahndet. weiterlesen