Terzic und Özcan bestätigt

Ein Wochenende brauchten die BVB-Verantwortlichen, um die Trainerfrage zu klären. Es habe „intensive Gespräche“ mit Edin Terzic gegeben, so der künftige Sportdirektor Sebastian Kehl. Danach hat der wohl einzige Kandidat zugesagt und wird laut der Vereinswebseite morgen einen Vertrag bis Juni 2025 unterschreiben. Einiges habe ich dazu bereits im vorherigen Beitrag geschrieben. Um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Ich mag die schon nicht mehr ganz neue Kurzlebigkeit auf dem Trainerstuhl nicht und glaube, sie schadet einem Verein in der Regel. Deshalb hoffe ich, dass Edin Terzic nun seinen Vertrag erfüllen darf und man mit ihm auch durch ein Tal gehen würde. Was bei einem börsennotierten Bundesligaverein natürlich nicht so einfach ist.

Grundsätzlich freue ich mich, dass Terzic wieder Trainer in Dortmund ist – nur der Zeitpunkt stimmt nicht. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Edin mit den schwarz-gelben Jungs über die glatte See in den Sonnenuntergang segeln wird. Außer dem BVB gelingt mal ein perfekter Transfer-Sommer – was Zu- und Abgänge betrifft. Und wann gab es einen solchen zuletzt? Trotzdem: Nur das Beste – play it again, Edin!

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Dortmund ohne Sancho und ein Rose ohne Dornen

Zum offiziellen Saisonbeginn am 1. Juli gibt es gleich zwei nicht unbedeutende Ereignisse rund um den BVB zu berichten. Die Transfer-Saga um Jadon Sancho geht ihrem Ende entgegen – wie bereits seit einigen Tagen abzusehen und in den Medien zu lesen. Heute bestätigte Manchester United in einer sehr kurzen Meldung auf der Vereinswebseite, dass man sich grundsätzlich mit Borussia Dortmund auf einen Transfer geeinigt habe, aber die Klärung von Vertragsinhalten – mutmaßlich mit dem Spieler – sowie der Medizincheck noch bevorstünden und nach Jadons EM-Teilnahme erfolgen sollen.

Von einer grundsätzlichen Einigung, aber noch bevorstehendem Vollzug sprach Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in einer seiner vernünftigeren Antworten auf der heutigen BVB-Pressekonferenz. Die Sache scheint also klar zu sein – es sei denn, Sancho fällt überraschend beim Medizincheck durch. Die Ablöse soll 85 Millionen Euro betragen und in fünf Raten bezahlt werden. 15 Prozent davon stehen Sanchos Jugendverein Manchester City zu. Unterschiedliche Angaben gibt es zu den Bonuszahlungen: Sind sie an „teils sehr niedrige“ Bedingungen geknüpft (Kicker) oder„quite difficult to reach“, wie der Guardian schreibt?

Bye Jadon, hallo Marco!

Zu Jadon Sancho muss man ansonsten nicht mehr allzu viel schreiben. Ein begnadeter bis genialer Kicker, der sich in der Transfer-Frage immer fair verhalten hat. Schade, dass er geht – er wird dem BVB (und uns Fans) fehlen. Trotzdem war es natürlich richtig, dem Wechsel jetzt zuzustimmen und unter Corona-Bedingungen ist die Ablöse fast schon obszön hoch. Man kann damit jedenfalls versuchen, Ersatz zu besorgen und vielleicht auch ein bisschen die Verluste reduzieren.

Der eigentliche Anlass der heutigen PK in Dortmund war natürlich der Amtsantritt von Marco Rose. Der kam schon ehrgeizig, aber auch unkompliziert rüber. Auf den ersten Blick keine Dornen, keine Ecken und Kanten erkennbar. Aber auch Thomas Tuchel oder Lucien Favre zeigten sich bei ihrer Vorstellung von ihrer besten Seite. Grundsätzlich gab es über Marco Rose hier wie anderswo ja schon einiges zu lesen, deshalb hier nur die unmittelbaren Erkenntnisse vom heutigen Termin: Der neue Trainer zeigte sich offen gegenüber verschiedenen Systemen und will „Arbeiter-Fußball“ mit schnellem Umschalten sehen. Die interessanteste Aussage: Neuzugang Gregor Kobel geht wie erwartet von der Pole Position ins Rennen um den Platz zwischen den Pfosten. Sollte er die Erwartungen nicht erfüllen, steht natürlich Marwin Hitz bereit. Roman Bürki wurde von Rose zwar gelobt, aber sein Weggang scheint trotzdem die favorisierte Lösung zu sein.

Die komplette PK gibt’s auf dem Youtube-Kanal des BVB zu sehen.

Edin Terzic stellt sich vor

Der neue BVB-Trainer stellte sich heute Mittag gemeinsam mit Michael Zorc erstmals den Fragen der Journalisten. Auf der Spieltags-Pressekonferenz zur Partie in Bremen blieb diese erwartungsgemäß Randnotiz. Edin Terzic, bisher Co-Trainer, ist voraussichtlich bis Sommer der neue starke Mann auf der Bank der Schwarz-Gelben. Er kam sympathisch rüber, wie ein Mann, der keine Allüren, aber auch keine Angst vor der Aufgabe hat.

Natürlich kündigte Terzic eine Analyse der Gemengelage rund um die Mannschaft an, die unabhängig von seiner bisherigen Mitarbeit im Trainerstab notwendig ist. Wenig Konkretes gab es zu möglichen Änderungen in der täglichen Arbeit oder im Umgang mit der Mannschaft zu erfahren. Terzic wollte sich auch nicht das Etikett „emotionaler Trainer“ anheften (lassen). Was durchschimmerte: Bei der Analyse, aber auch danach, wird er womöglich verstärkt auf den Dialog mit den Spielern setzen – ohne im Anschluss die Verantwortung zu scheuen, eigene Entscheidungen zu treffen. Ein wichtiger Satz von Terzic, den er hoffentlich dem Team nahebringen kann:

Wir müssen uns auch bei unangenehmen Situationen wehren. Und wir müssen alle die Verantwortung haben, uns da auch gegenseitig stets daran zu erinnern.

Sympathisch ist natürlich auch, dass Edin Terzic aus der Region kommt und nach eigenem Bekunden schon seit seiner Kindheit BVB-Fan ist. Das und seine Art werden ihm einen gewissen Bonus bei den Fans verschaffen. Diese wissen aber auch, dass Terzic als Cheftrainer unerfahren ist und der Verein sich sportlich kaum noch Ausrutscher erlauben kann. Der Ergebnisdruck wird also nur unwesentlich geringer sein als bei jedem anderen Trainer.

Viel mehr als ein menschlich positiver Eindruck von Edin Terzic fiel bei der PK nicht ab. Also keine knackigen neuen Infos – aber das war wohl auch nicht zu erwarten. Verständlich ist, dass der neue Trainer zum gerade ausgelosten Gegner im Achtelfinale der Champions League, dem FC Sevilla, noch nicht viel sagen konnte und wollte. Unangenehm sei Sevilla – das dürften Verantwortliche wie Fans des BVB noch ganz gut in Erinnerung haben. In sportlicher Hinsicht fällt mir da das eher unsportliche, sehr aufreizende Zeitspiel der Spanier ein.

Doch das ist Vergangenheit und hat mit den Partien im Februar/März erstmal nichts mehr zu tun. Nach wie vor stellt Sevilla eine große sportliche Herausforderung dar – selbst, wenn viele Dortmunder wohl erleichtert waren, dass nicht Atletico oder Barcelona aus dem Lostopf kamen. Wie der BVB ist Sevilla gerade Fünfter in der Liga, zwei Punkte vor Barca, das ebenfalls elf Spiele bestritten hat. Mit Ausnahme von Atletico haben alle Clubs vor Sevilla mindestens eine Partie mehr absolviert. Sportlich wird das also ein Duell auf Augenhöhe für die Borussia, in dem es keinen Favoriten gibt.

Bis es soweit ist, wird sich auch geklärt haben, was wir von Edin Terzic erwarten dürfen. Und ob er sich ein wenig Hoffnung auf ein längeres Engagement machen kann, was Michael Zorc zumindest nicht explizit ausgeschlossen hat.

Hurra, der Holländer ist da: Peter Bosz wird BVB-Trainer

(Updated) Heute Nachmittag wurde der neue BVB-Trainer vorgestellt: Peter Bosz, bisher Ajax Amsterdam. Der 53-jährige Niederländer hat einen Zweijahresvertrag unterschreiben. Bosz spielte für kurze Zeit mal bei Hansa Rostock, dürfte aber den meisten deutschen Fußballfans erst in der abgelaufenen Saison als Ajax-Trainer ein Begriff geworden sein – wenn überhaupt. Ein aus hiesiger Sicht unbeschriebenes Blatt also – ich finde das gut.

Die Medien werden das Blatt jedoch bald füllen. Es wird bereits berichtet, dass Peter Bosz im Streit von Ajax geschieden ist. Nicht wegen des BVB-Angebots, sondern weil es unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich Taktik und Training gegeben haben soll. In Amsterdam gibt es scheinbar unterhalb der Führungsebene noch eine Reihe von Experten, die da mitreden. Dennoch glaube ich, dass dieses Hintergrundrauschen für Borussia Dortmund nicht relevant sein wird: Sicher wurden im Nachgang der Dissonanzen mit Tuchel die Kompetenzen klar geregelt. Außerdem vertritt Bosz eine Philosophie, die offensichtlich gut zum BVB passt: Er setzt auf Offensive und junge Spieler.

Die Verpflichtung beinhaltet ein gewisses Risiko und eine Ablöse fließt auch. Doch zumindest Ersteres wäre mit keinem greifbaren Trainer anders gewesen. Ich bin froh, dass wir keinen aktuellen Bundesligatrainer abgeworben haben und freue mich auf eine spannende Saison. Über Jürgen Klopp habe ich mich bei seiner Verpflichtung riesig gefreut, Thomas Tuchel habe ich sportlich für eine gute Wahl gehalten. Die Zweifel bestanden in anderer Hinsicht: „Das Einzige, was er beweisen muss, ist seine Loyalität.“ Dass Favre nicht kommt, ist absolut in Ordnung. Ich hoffe, dass ich auch bei Peter Bosz richtig liege: Er scheint ein positiver Trainer zu sein, der frischen Wind bringt. Seine Trainer-Vita mit Auf- und Abstieg, mit Europa League-Finale, sehe ich aufgrund der jeweiligen Gegebenheiten bei seinen Vereinen ebenfalls positiv.

Der erste Eindruck von der PK heute Nachmittag: erneut überaus positiv. Bosz spricht nicht nur fließend Deutsch, er bewies auch Sinn für Humor. Er war höflich, bescheiden, freundlich. Gut, diese drei Eigenschaften zeigte auch Thomas Tuchel bei seiner Vorstellung. Bei Peter Bosz wirken sie aber absolut authentisch. Vielleicht neigt man als Fan ein wenig zur Einbildung, aber die Stimmung zwischen Bosz, Aki Watzke und Susi Zorc schien sehr entspannt bis gelöst. Oder sagen wir einfach: Vom Feeling her ist das ein ziemlich gutes Gefühl.

Es entstand auch der Eindruck, dass Verein und Trainer vom Ansatz her sehr gut zusammenpassen. Bosz lässt gerne offensiv spielen, das hob auch Michael Zorc nochmals hervor. Beim BVB hat er dazu absolut die Möglichkeiten. Um nicht falsch verstanden zu werden: Kein Experte, kein Journalist und kein Fan kann seriös voraussagen, wie die Umstellung klappt. Borussia Dortmund ist einfach ein anderer Verein mit anderen Eigenschaften als Ajax, Maccabi Tel Aviv oder Vitesse. Aber das Handwerk beherrscht Peter Bosz und die menschliche Ebene scheinbar auch. Ich freue mich darauf, wenn es wieder los geht! Personell wird sich bis dahin ohnehin noch einiges tun.

Willkommen im Postkloppismus!

Bei einer erwartungsgemäß gut besuchten Pressekonferenz hat Borussia Dortmund heute Thomas Tuchel als neuen Trainer vorgestellt. Die ganz großen Überraschungen sind – auch nicht unerwartet – ausgeblieben. Dass der Neue einen nüchterneren Stil pflegen würde als Jürgen Klopp war klar. Was Tuchel aber glaubhaft vermitteln konnte: Er hat wieder Lust auf Fußball und brennt darauf, beim BVB anzufangen – nicht zuletzt wegen der Leidenschaft und den Emotionen rund um den Verein.

Neue Transfers wurden nicht vermeldet und Fragen danach von Hans-Joachim Watzke schon am Anfang präventiv abgeschmettert. Thomas Tuchel würdigte noch mal ausführlich die Leistung seines Vorgängers und die Qualität der Mannschaft. Wichtig sei es ihm, den Kader erst mal persönlich und im Training kennenzulernen. Über seine Fußball-Philosophie und eventuelle Unterschiede zu Klopps Ansatz war ihm zu entlocken, dass er den aktiven Angriffsfußball der Borussia beibehalten wolle. Es könnte eher in die Richtung einer Verfeinerung und Erweiterung des taktischen Spektrums gehen. So nannte Tuchel Ballbesitz und dessen Erhalt als ein weiteres potenzielles Element seiner Matchpläne.

Der Trainer machte aber keinen Hehl daraus, dass es aufgrund der wegen der Europa League-Quali kurzen Vorbereitung dauern könne, bis alle Feinheiten implementiert seien. Gut möglich, dass sich der Spielansatz in den ersten Begegnungen noch nicht groß von dem Klopps unterscheidet.

Die nächsten Wochen werden nun wieder diversen Transferspekulationen gehören. Ein paar Länderspiele gibt es leider auch noch, bevor Ende des Monats schon wieder Trainingsbeginn für die schwarz-gelben Jungs ist. Mit Thomas Tuchel, der trotz Watzkes Absage an eine Zielsetzung zum jetzigen Zeitpunkt davon sprach, ein Herausforderer für die ersten vier sein zu wollen. Ich traue es ihm zu und freue mich darauf. Willkommen, Thomas Tuchel!

Die nebulöse Zukunft des BVB

Lieber DFB, es war doch nur eine Metapher.
Lieber DFB, es war doch nur eine Metapher.

Am Mittwoch um 12 Uhr stellt sich Thomas Tuchel in Dortmund der schwarz-gelben Öffentlichkeit als neuer BVB-Trainer vor. Die meisten Fans dürften dem Termin trotz oder auch wegen des gerade erst verlorenen Pokalfinales mit großer Spannung entgegenblicken. Doch dass sich dann die Zukunft der Borussia so schnell klärt wie die gelben Nebelschwaden am Samstagabend im Olympiastadion ist nicht zu erwarten. Zwar ist nicht auszuschließen, dass Tuchel als Antrittsgeschenk einen weiteren festgeklopften Transfer bekommt – etwa 1860-Talent Julian Weigl – doch werden in den nächsten Monaten noch viele wichtige Entscheidungen fallen.

Die wichtigste Weichenstellung wird sein, ob die verbleibenden Vereinsverantwortlichen eine weithin verbreitete Rechtfertigung für den Klopp-Abgang wirklich glauben. Die besagte, dass ein echter Umbruch in der Mannschaft nicht mehr nötig sei, wenn der prominente Kopf der Schwarz-Gelben weg wäre. Diese Ansicht könnte sich als Trugschluss herausstellen. Es geht gar nicht darum, viel Geld für neue Spieler auszugeben oder wirklich zehn Mann auszutauschen. Nötig ist aber, wie schon gefordert, eine harte, ehrliche Analyse – ohne Schonung von Akteuren, über die bisher eher die Hand gehalten wurde.

Es ist kein Geheimnis, dass ich damit vor allem die in dieser Saison eingesetzten Außenverteidiger meine. Schmelle, Piszczu, Kevin, ja selbst Erik sind alles Jungs, die gefühlsmäßig zu uns gehören, aber auch auf den Prüfstand. Da muss man ja niemand direkt wegschicken, man sollte sich aber um die vorhandenen und eventuell verfügbare neue Alternativen kümmern. Um die defensive Stabilität wiederherzustellen muss Tuchel natürlich alle relevanten Positionen in den Blick nehmen – und die bisherigen Hierarchien überdenken. Weiterlesen „Die nebulöse Zukunft des BVB“

Brügge sehen und siegen

Christoph Daum hat in dieser Woche in deutschen Medien viel Spott für seine Entscheidung einstecken müssen, beim FC Brügge anzuheuern. Stellvertretend seien hier Kommentare aus zwei Berliner Zeitungen zitiert. Dominik Bardow vom „Tagesspiegel“ schreckt zwar davor zurück, in der Überschrift den vollständigen Titel des sehr guten Spielfilms „Brügge sehen und sterben“ zu verwenden. In der Folge referiert er jedoch schön zusammengefasst die Handlung – Colin Farrell spielt einen Auftragsmörder, für den die belgische Stadt zur Endstation seiner Karriere (und seines Lebens) wird. Die Pointe am Ende des Textes ist, dass das natürlich überhaupt nichts mit Daum zu tun habe. Soll witzig sein, aber vielleicht sollte der Autor lieber für die Filmseite schreiben.

Markus Lotter schließt am Donnerstag in der „Berliner Zeitung“ mit großem Gedöns, dass man in diesem Fall zwischen subjektiver und objektiver Realität unterscheiden müsse. Auch er bemüht einen großen Film, Akira Kurosawas „Rashomon“. Nur um sich dann ganz schnöde auf die Seite der Daum-Basher zu schlagen:

Dieser Trainertransfer gibt einerseits einen eindeutigen Hinweis darauf, wie verzweifelt Christoph Daum mittlerweile sein muss. Andererseits zeigt er, wie klein sich der belgische Fußball mittlerweile denkt. (BLZ 10.11.2011, S. 14)

Der Kommentar redet also sowohl Daum als auch den belgischen Fußball klein und beinhaltet kurz vor Schluss noch dies: „Verbrannt und verpönt ist er in seiner Heimat, in der man ihn vor elf Jahren noch um ein Haar zum Bundestrainer gemacht hätte.“

Ist der Spott berechtigt? Ich halte das, wie man sich schon denken kann, für eine rhetorische Frage. Was der Autor der „Berliner Zeitung“ völlig ausblendet: Die belgische Nationalmannschaft hat sich in der EM-Qualifikation über weite Strecken nicht schlecht präsentiert und Platz 2 um zwei Punkte verpasst. Zwischendurch war schon die Rede von einer Renaissance der belgischen Auswahl. Wie sich das nach der verpassten Quali in den kommenden Jahren fortsetzt, ist zwar ungewiss, es gab jedoch positive Anzeichen.

Noch weniger ist zu verstehen, warum der FC Brügge so schlecht wegkommt. Ok, der Club hat es vor sechs Jahren zum letzten Mal in die Champions League geschafft. Aber wie viele deutsche Traditionsvereine wären stolz darauf, wenn sie das von sich behaupten könnten? In der Liga war Brügge nur einmal in den letzten zehn Jahren nicht unter den ersten fünf platziert. Und in der Europa League und ihrem Vorgängerwettbewerb haben sie es in diesem Zeitraum bis auf einmal immer mindestens in die Gruppenphase geschafft. Nicht nur als Borussia Dortmund-Fan sage ich: es gibt keinen Grund, den FC Brügge zu unterschätzen.

Die oben zitierten und andere negative Kommentare zu Daums Ernennung in Brügge beziehen sich wohl eher auf die Person Daum als auf seinen neuen Verein. Nur ersteren kennen die beiden Autoren wirklich und sie haben insofern recht, als dass er in Deutschland auf höchstem Niveau zurzeit nicht mehr vermittelbar ist. Aber was gibt es dann an der Entscheidung zu kritisieren, bei einem ambitionierten Verein, der im letzten Jahrzehnt im europäischen Fußball einen ordentlichen Namen hatte und noch dazu in der Nähe der Heimat liegt, einen neuen Anlauf zu nehmen? Der Name Daum ist nur in Deutschland verbrannt – international geht man vorurteilsloser mit der Person um und würdigt seine Leistungen im Ausland, in der Türkei.

Es kann schiefgehen. Es gibt jedoch keinen rationalen Grund, warum der FC Brügge für Christoph Daum eine Endstation und der finale Karriereknick sein muss. Einige belgische Zeitungen haben ihn so ähnlich empfangen wie ihn die deutschen Medien verabschiedet haben. Trotzdem dürfte man unvoreingenommener mit ihm umgehen und der Druck wird etwas geringer sein. Viel mehr als die Kritik an Daum finde ich jedoch die undifferenziert herablassende Haltung gegenüber dem belgischen Fußball insgesamt fehl am Platze.

(Quelle: Transfermarkt.de)

Felix Magath und der FC Schalke: Kommunikation ungenügend

Ärger mit dem Trainer – so was passiert schon mal. Besonders in Gelsenkirchen. Jeder außerhalb des königsblauen Dunstes ahnte wohl, dass es schmutzig werden würde, wenn Alleinherrscher Magath gestürzt wird. Beim FC Schalke hatten sie zu Beginn seines Engagements auf ein Ende der Vielstimmigkeit im Verein gehofft – und haben es gnadenlos übertrieben.

Die Machtfülle, die Magath hatte, bestärkte ihn in seinem Naturell, sich von niemandem reinreden zu lassen. Aus den im Königsblog zusammengetragenen Zitaten aus Vereinskreisen ergibt sich das Bild, dass vor allem von Seiten der Verantwortlichen – und da gab es neben Magath nicht viele – zu selten und zu spät mit dem Trainer geredet wurde – beispielsweise über dessen Defizite in der Menschenführung. Die letzten ein bis zwei Wochen waren dann zweifellos ein Kommunikations-Desaster. Clemens Tönnies schwankte in seinen Aussagen wie bei Windstärke 12. Magath tat so als ob er von nichts wisse. Vermutlich waren das nur noch Rückzugsgefechte.

Über den eigentlichen Grund der Entlassung wird noch eine Weile spekuliert werden. Man darf aber trotz des Hinweises von Tönnies auf ein juristisches Nachspiel davon ausgehen, dass in den nächsten Tagen und Wochen noch einiges durchsickern wird. Gerüchteweise soll Magath die notwendige Prozedur bei Spielerverpflichtungen über 300.000 € nicht befolgt und den Aufsichtsrat nicht einbezogen haben. Es würde mich nicht wundern, wenn noch mehr ans Tageslicht käme. Eine Schlammschlacht zwischen dem Verein und Magath scheint gewiss. Ich kann (und will) es den Schalkern nicht ersparen: Das leuchtende Gegenbeispiel, wie Vorstand und Trainerstab zusammenarbeiten und kommunizieren müssen, wird bei Borussia Dortmund praktiziert. Krasser könnte der Gegensatz gar nicht sein.

Immerhin haben die Blauen die Nachfolge schon geregelt: Ein alter Bekannter kommt zurück. Ralf Rangnick ist tendenziell nervig, oberlehrerhaft und selbstgerecht, aber weniger diktatorisch und in meinen Augen ein besserer Trainer als Magath. Mit anderen Worten: Wir Dortmunder werden es lieben, ihn zu hassen. Darin immerhin unterscheidet sich Rangnick nicht von seinem Vorgänger.

Ein Mann von außen

Wenige Tage nach dem Wechsel von Theo Schneider zu RW Oberhausen hat der BVB einen neuen Trainer für seine zweite Mannschaft gefunden. Zur nächsten Saison übernimmt der 39-jährige David Wagner von Interimsmann Hannes Wolf.

Wagner ist ein Mann ohne ‚Stallgeruch‘, war zuvor nicht im Verein tätig. Bisher hatten die meisten U23-Trainer eine vorherige Assoziation mit dem BVB. Dass hier nun andere Wege beschritten werden, ist nicht schlimm – schließlich hatte Jürgen Klopp auch nichts mit Schwarz-Gelb zu tun. Der Trainer der Ersten kennt zudem den zukünftigen Trainer der Zweiten von gemeinsamen Zeiten bei Mainz 05. Zuletzt war der Deutsch-Amerikaner Wagner Jugendtrainer bei der TSG Hoffenheim. Als Spieler war er außer in Mainz unter anderem bei Darmstadt, Mannheim, Gütersloh und in früheren Tagen bei Eintracht Frankfurt und dem FC Schalke tätig. Pikanterweise war Wagner mit den Blauen sogar UEFA Cup-Sieger: In der Saison 1996/97 kam er zu 14 Pflichtspiel-Einsätzen, davon zwei von Beginn an. Ein echter ‚Eurofighter‘ war er allerdings nicht, denn im Europapokal wurde er nie eingesetzt.

Im Sommer 2009 verließ Wagner die TSG Hoffenheim. Die dortigen Verantwortlichen waren mit der Entwicklung der von ihm trainierten U17 nicht mehr zufrieden, obwohl das Team in der Saison 2008/09 Sechster wurde. Wagner hatte nach seiner aktiven Karriere zunächst ein Lehramtsstudium für Sport und Biologie erfolgreich abgeschlossen, bevor er die Trainerlizenz erwarb. In den letzten 1 1/2 Jahren wandte er sich wieder dieser alternativen Karriere zu und steht nun kurz vor dem Ende des Zweiten Staatsexamens an einer Schule im südwesthessischen Gernsheim. Doch er gibt offen zu, dass ihn der Fußball nicht losgelassen hat und sagt, warum Dortmund der richtige Schritt sein könnte:

Mir fällt das leicht, und es ist auch gut, ein zweites Standbein zu haben. Aber so richtig ist der Lehrerberuf nicht meine Leidenschaft. […] Deshalb bin ich glücklich, diese Chance in Dortmund bekommen zu haben. Zumal ich dort das tausendprozentige Vertrauen habe zu den Personen, denen ich zuarbeite.

Wagner ist Klopps Mann, er ist gut mit ihm befreundet. Trotzdem würde ihn Klopp nicht nach Dortmund holen, wenn er nicht fachlich überzeugt von ihm wäre. Wer wäre ich denn, wenn ich gerade jetzt das Urteil unseres Trainers anzweifeln würde? 😉

David Wagner wird sich in der nächsten Saison mit seinem neuen Team den gleichen Zwängen stellen müssen, denen auch Theo Schneider unterlag – sehr wahrscheinlich erneut in der Regionalliga West. Die Bundesligamannschaft genießt Priorität, die Zweite muss, wenn immer nötig, Spieler abstellen. Aufgrund des voraussichtlichen Einzugs in die Champions League könnte der BVB Investitionen tätigen, die diese Notwendigkeit verringern. Für die Regionalliga-Mannschaft könnte dabei ebenfalls etwas herausspringen, denn der momentane Tabellenplatz ist eher dem personellen Aderlass bzw. Austausch nach dem Abstieg geschuldet als den gelegentlichen Abstellungen für die Bundesliga.

Es macht durchaus Sinn, dass ein neuer Mann von außen den Wiederaufbau beim BVB II weiterführt, wenn er auch noch so gut mit dem Bundesligatrainer verzahnt ist. Ob 2012 direkt der Aufstieg in die dritte Liga gelingen wird, ist bei nur einem Aufstiegsplatz von vielen Unwägbarkeiten abhängig.

Wednesday Focus #3

Meg is back! Sheffield Wednesday hat am letzten Freitag den ehemaligen Spieler und langjährigen Owls-Fan Gary Megson als neuen Trainer vorgestellt. Ja genau, den Megson, der vor nicht allzu langer Zeit mit den Bolton Wanderers ein 2:2 beim FC Bayern erreichte. Im legendären ‚Mathematik-Spiel‘. Nun ist er in Hillsborough bei einem Drittligisten gelandet, dem er immerhin nahesteht.

Die Wednesday-Fans waren während der Tage der Spekulation nach Alan Irvines Entlassung nicht begeistert von der Aussicht auf ein Engagement Megsons. Zwar hatte der neue Mann zuletzt, bis Ende 2009, in der Premier League gearbeitet, die Fans der ‚Trotters‘ weinen ihm aber keine Träne hinterher. Aus Bolton wie auch von manch anderem früheren Verein hört man vor allem Klagen über den langweiligen Stil, den Megsons Teams zu spielen pflegen. Längerfristig erfolgreich war der 51-jährige als Trainer nur Anfang des Jahrtausends bei West Bromwich Albion, die er in die Premier League führte.

Milan Mandaric ist jedoch überzeugt davon, dass Megson die Qualitäten hat, um einen Drittligisten nach oben zu führen. Der Besitzer von Wednesday hat bereits bei seinem vorherigen Club Leicester City mit dem Trainer zusammengearbeitet – für sechs Wochen, dann wurde Megson von Bolton abgeworben. Ob das Kalkül noch in dieser Saison aufgeht? Die Owls haben bei einem nachzuholenden Spiel bereits acht Punkte Rückstand auf die Play-Off-Plätze.

Schon am Samstag sollte die Aufholjagd beginnen. Das Spiel gegen die MK Dons, einem Aufstiegskonkurrenten, endete 2:2. Zuhause, gegen am Ende neun Gegenspieler. Wie knapp zwei Wochen zuvor gegen Yeovil mussten die Owls einem Rückstand hinterherlaufen und konnten trotz Überzahl nur noch einen Punkt retten. Die Partie wurde noch vom inzwischen ebenfalls entlassenen Assistenztrainer Rob Kelly und First Team Coach Barr vorbereitet. Megson sollte erst nach dem Spiel übernehmen, ließ sich allerdings beim Pausenstand von 0:2 in der Kabine blicken und hielt eine kleine ‚Ansprache‘.

Nicht nur durch diese Aktion scheint der neue Trainer die Fans vorerst auf seine Seite gezogen zu haben. Denn schließlich geht es um den Verein und Negativität gab es in den letzten Wochen genug. Um noch mehr Aufbruchstimmung zu erzeugen, stellte sich Gary Megson gestern bei BBC Radio Sheffield den Fragen der Hörer/Fans und wird ihnen nächste Woche bei einem für die Presse geschlossenen Treffen auch persönlich gegenübertreten. Niemand wird sagen können, er hätte es nicht zumindest versucht. Die 240 kostenlosen Karten für das Fantreffen waren nach wenigen Stunden vergriffen.