Abstiegsangst im Jurassic Park

Muss man sich das Ende der Saurier so vorstellen wie den Hamburger SV 2014? Kopflos umherlaufende Dinos, die sich im Angesicht des heranrasenden Meteoriten einen Tyrannosaurus als Oberhaupt wünschen, sich dann aber doch nicht einigen können? Seien wir ehrlich, die Dinos hatten nie eine Chance – die des viel zitierten Bundesliga-Dinos ist etwas größer.

Nach der dank Aufsichtsrat mit angeschlossenen Medien chaotischen vorletzten Woche beim HSV durfte Bert van Marwijk noch ein Spiel der Hanseaten resigniert von der Bank aus verfolgen, dann reagierte der sportliche Vorstand, der derzeit wieder das Sagen zu haben scheint. Mirko Slomka wurde als neuer Trainer verpflichtet – unter den aktuellen Umständen die beste verfügbare Option.

Was hilft es den Hamburgern am Samstag beim Besuch des BVB? Natürlich war das auch die erste Frage, die Jürgen Klopp bei der heutigen Pressekonferenz zum Spiel gestellt wurde. Eine eindeutige Antwort konnte er selbstredend nicht geben. Natürlich ist damit zu rechnen, dass die Gastgeber zunächst mit frischem Schwung in die Partie gehen und sich nicht wie das Rehkitz vor der Flinte verhalten werden. Die Frage ist, ob das gegen die wieder stabile Borussia reichen wird. Das Fehlen von Rafael van der Vaart dürfte dem HSV bei aller berechtigten Kritik am Kapitän eher schaden als helfen. Auch Mittelfeldkollege Ivo Ilicevic, der gegen Braunschweig mal wieder das Tor getroffen hatte, könnte ausfallen – hier wird eine Untersuchung am Freitag Genaueres ergeben. Die BVB-Schrecke Heung-Min Son und Artjoms Rudnevs spielen inzwischen ohnehin in Leverkusen und bei Slomkas letztem Verein Hannover.

Sollten sich die elf bis 14 schwarz-gelben Jungs übermorgen voll auf die anstehende Aufgabe fokussieren und konzentrieren, ohne an das folgende Spiel in St. Petersburg zu denken, ist ein Punktverlust unwahrscheinlich. Vor Pech und einem Fehler des Schiedsrichters – der übrigens in der Liga zum dritten Mal hintereinander aus dem Raum München kommt – ist man allerdings nie sicher. Angesichts der folgenden CL-Partie darf auch über die Aufstellung spekuliert werden: Sven Bender und Marco Reus sind wieder fit und könnten ins Team zurückkehren. Gut möglich jedoch, dass einer oder beide noch geschont werden. Mats Hummels hat noch leichte Schmerzen – ihn hat Jürgen Klopp zwar ebenfalls nicht abgeschrieben, doch es spricht viel dafür, dass er frühestens in Russland auflaufen wird.

In der heutigen Pressekonferenz wurde Jürgen Klopp ausgerechnet von Boris Rupert, einem Journalisten in Diensten des Vereins, darauf hingewiesen, dass er gegen den HSV angeblich die meisten Niederlagen mit Schwarz-Gelb kassiert habe. Daraufhin musste sich Rupert einiges (Scherzhaftes) anhören. Und man kann sich tatsächlich darüber streiten, was wahrscheinlicher ist: eine Niederlage am Samstag gegen den HSV von 2014 oder dass es zusammengenommen mit dem Hinspiel zweistellig für den BVB ausgeht.

Letzte Chance Derbysieg

Borussia Dortmund hat in Gelsenkirchen gewonnen und wir freuen uns alle sehr. Auf den sportlichen Wettbewerb bezogen, um den es geht, ist die Bedeutung des Derbysiegs jedoch weitaus geringer als beispielsweise am legendären 33. Spieltag der Saison 2006/07. Schließlich traf am Samstag der Tabellenzweite auf einen Verein, der bereits mit einer zweistelligen Punktzahl im Rückstand war und nun ins Mittelfeld der Liga abgerutscht ist.

Wie viel dramatischer war die Ausgangssituation da im Nordosten Englands. Das Tyne-Wear-Derby zwischen Newcastle United und dem AFC Sunderland gehört ohnehin zu den heißesten lokalen Begegnungen im englischen Fußball. Am Samstag stand das Aufeinandertreffen unter ganz besonderen Vorzeichen, denn die Gastgeber aus Sunderland hatten einen absoluten Katastrophenstart in die Premier League-Saison hingelegt und aus acht Partien genau einen Zähler geholt.

Es lohnt sich hier etwas weiter auszuholen: Trainer der ‚Black Cats‘ war bis einschließlich des fünften Spieltags Paolo di Canio – jener notorische ehemalige Lazio-Spieler, der vor der Fankurve schon mal den Arm zum faschistischen Gruß erhob. Diese Gestik und die Tatsache, dass sich di Canio immer nur von den Auswüchsen der Ideologie distanzieren mochte, wurden nach seiner Ernennung im Frühjahr dieses Jahres natürlich auch im Nordosten sowie im Rest von England eifrig diskutiert. Viele Fans sahen die Personalie jedoch eher unpolitisch (di Canio hat überdies in England aufgrund seiner Zeit als Spieler dort den Ruf, ein guter Sportsmann zu sein) und waren spätestens dann vom Italiener überzeugt, als er die Black Cats tatschlich zu einem 3:0-Auswärtssieg beim letzten Derby im St. James Park führte. Di Canios anschließender Jubel auf Knien ging ebenso in die Derby-Folklore ein wie die Ereignisse nach dem Spiel, als unter anderem ein frustrierter Newcastle-Fan auf ein Polizeipferd einschlug.

Der Trainer hielt Sunderland in der Folge in der Premier League und hatte im Sommer ein ansehnliches Budget zur Verfügung, um das Team zu verstärken. Zur Seite standen ihm dabei zwei weitere Italiener, die der Club verpflichtete: Sportdirektor Roberto de Fanti und Chefscout Valentino Angeloni. Wie genau die Verpflichtung der 14 Neuzugänge  zwischen den dreien abgestimmt war, ist nicht bekannt und hier soll auch nicht auf einzelne Namen eingegangen werden. Im Ergebnis gelang es di Canio jedoch nicht, aus den vielen Spielern eine Mannschaft zu formen, die seinen Idealen – Kampf und hundertprozentiges Engagement – genügte.

Viele Beobachter machen dafür die gelinde gesagt gewöhnungsbedürftige Menschenführung des 45-jährigen verantwortlich. Das Führen könnte di Canio in der Tat zu wichtig gewesen sein: Auf dem Trainingsgelände verbot er seinen Spielern Handys, Ketchup und sogar Eiswürfel in der Cola. Entscheidender für die sich in dieser Saison rapide verschlechternden Beziehungen zu wichtigen Spielern dürfte allerdings die harsche Kritik sein, die der Trainer öffentlich an ihnen äußerte. Seinen vermeintlich hehren Idealen konnte scheinbar niemand genügen. Das Ende von di Canios kurzer Amtszeit kam bezeichnenderweise, nach dem sich angeblich mehrere Führungsspieler an Geschäftsführerin Margaret Byrne wandten und eine weitere Zusammenarbeit für aussichtslos erklärten.

Zum Nachfolger des Italieners wurde mit Billigung des amerikanischen Clubbesitzers Ellis Short erneut ein Trainer erkoren, der zuvor noch nicht in der Premier League tätig war – zumindest nicht in dieser Funktion. Der Urugayaner Gus Poyet war im Mai unter etwas seltsamen Umständen beim Zweitligisten Brighton & Hove Albion entlassen worden, wo er zuvor vier Jahre erfolgreich gearbeitet hatte. Das erste Spiel unter Poyet – zuvor hatte Co-Trainer Kevin Ball zweimal das Sagen – endete in einer 0:4-Klatsche bei Swansea City. Dann kam das Derby.

Ein Punkt aus acht Spielen, der neue Trainer mit einem denkbar schlechten Start – mit solch einer Ausgangsposition will wohl niemand gegen den großen Lokalrivalen antreten. Und doch kann man mit einem Sieg so viel wieder wettmachen – zumindest vom Feeling her. Und genau das gelang den Black Cats. Steven Fletcher hatte die Gastgeber im Stadium of Light früh per Kopf in Führung gebracht, nach etwa einer Stunde gelang Newcastle durch Debuchy der Ausgleich. Fünf Minuten vor Schluss steckte Stürmer Jozy Altidore den Ball zum eingewechselten, von Liverpool ausgeliehenen Fabio Borini durch, der einen wunderbaren Schuss im Kasten von Torwart Krul versenkte. Und den Großteil des Stadions zum Ausrasten brachte.

Es war ein wahrhaftig essenzieller Derbysieg, wie wir Schwarz-Gelbe ihn wohl tatsächlich zuletzt 2007 erlebt haben. Und doch nur ein erster Schritt für Gus Poyet und seinen quantitativ gut bestückten Kader. Erst in den nächsten Wochen und Monaten wird sich zeigen, wie gut der Premier League-Novize mit dem bisher eher zusammengewürfelt wirkenden Erbe von Paolo di Canio umzugehen versteht.

Junger Retter für Oldham

Was für einen Unterschied ein paar Tage im Fußball machen können, kriegen Vereine weltweit immer wieder zu spüren – nicht nur Schalke 04. Ein paar Tage und einen Trainerwechsel nach einer tristen 0:1-Niederlage gegen Bournemouth sieht die Welt auch für den englischen Drittligisten Oldham Athletic schon wieder ganz anders aus. Am Sonntag trat der mit 31 Jahren jüngste Trainer im englischen Profifußball seinen Job an: Lee Johnson leitet mit den ‚Latics‘ seinen ersten Verein und ist der Sohn von Gary Johnson, der kurioserweise den Ligarivalen Yeovil Town trainiert.

Vor der Partie gegen Hartlepool United am Dienstag stand Oldham auf einem Abstiegsplatz und man konnte es den Fans nicht verdenken, dass sie die Ernennung eines völlig unerfahrenen Trainers kritisch sahen. Doch Johnson konnte noch vor seinem ersten Spiel Punkte sammeln: Zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden und Club-Finanzier Simon Corney traf er sich mit einigen Fans und legte seine Vision für den Abstiegskampf dar. Seine klaren Vorstellungen und die Referenzen aus der Trainerausbildung überzeugten.

Das Wesentliche folgte am Dienstagabend in Oldhams Boundary Park: Die Latics schlugen den Abstiegskonkurrenten Hartlepool mit 3:0. Fans und Trainer lobten danach die positive Spielweise und Körpersprache, die unter Johnsons Vorgänger Paul Dickov und Interimslösung Tony Philliskirk verloren gegangen waren. Held des Abends war Jose Baxter: Der Offensivmann bereitete die ersten beiden Kopfballtore mit seinen Flanken vor und erzielte den dritten Treffer mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze. Die Anhänger im Stadion trugen ihren Teil  zum Erfolg bei, auch wenn nur 3200 in den gut 10.600 Zuschauer fassenden Boundary Park gekommen waren.

Oldham Athletic ist einer jener Profivereine, die so gar nichts mit dem Glamour der Premier League zu tun haben. Was vielleicht genau daran liegt, dass die gut 100.000 Einwohner zählende Stadt Oldham nur elf Kilometer von Manchester mit seinen beiden Superclubs entfernt liegt. Im Schatten der Großen gedeiht nicht viel – dabei gehörten die Latics Anfang der Neunzigerjahre tatsächlich zu den Gründungsmitgliedern der Premier League und konnten sich in der neuen Eliteklasse zwei Spielzeiten halten. Doch danach passierte, was seither vielen Absteigern passiert ist, die nicht den direkten Wiederaufstieg schafften: Finanzielle Probleme sorgten für sportlichen Niedergang.

Genau genommen ist es erstaunlich, dass sich Oldham inzwischen seit über 15 Jahren in der League One hält. Das Geld ist schon lange knapp. Mitte des letzten Jahrzehnts rettete Simon Corney zusammen mit zwei weiteren in den USA lebenden Expatriates den Verein vor der Zahlungsunfähigkeit. Doch die Infrastruktur lässt weiterhin arg zu wünschen übrig. Eine Tribüne des Boundary Parks wurde im Zuge einer geplanten Totalrenovierung abgerissen, das Projekt dann aber aus finanziellen Gründen nicht weiter verfolgt. Seitdem hat das Stadion nur drei Tribünen. In diesem Jahr wollen die Latics einen neuen Anlauf für eine neue Nordtribüne starten; bei der Stadt wurde ein Baugesuch eingereicht. Weiterlesen „Junger Retter für Oldham“

Duell in der Stahlstadt

Borussia Dortmund gegen Bayern München – ein packendes Duell um die Meisterschaft. Nur drei Punkte trennen die Kontrahenten fünf Spieltage vor Schluss. Aus schwarz-gelber Sicht wäre die Spannung nur dann noch größer, wenn der Verfolger Schalke 04 hieße, der große Lokalrivale, der seit 100-x Jahren auf den Titel wartet.

In England sorgt ein vergleichbares Duell schon seit Wochen für Spannung und dürfte sich bis zum bitteren Ende fortsetzen. Nicht in der Premier League, sondern ’nur‘ in der League One (dritte Liga) – doch stehen sich zwei hochgradig rivalisierende Traditionsvereine gegenüber. Das „Steel City Derby“ zwischen Sheffield Wednesday und Sheffield United ist das Spiel der Saison für die Fans beider Seiten – wenn die Vereine in der gleichen Klasse spielen. Genau das könnte sich bald ändern.

Beide Klubs aus der ‚Stahlstadt‘ Sheffield – die den Strukturwandel längst hinter sich gebracht hat und in der die meisten Bäume pro Einwohner in Europa wachsen – haben höhere Ambitionen als die Drittklassigkeit. Sowohl die ‚Owls‘ (Wednesday) als auch die ‚Blades‘ (United) hatten mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, die den Absturz in die League One begünstigten. Wednesday wurde erst kurz vor zwölf vor der Insolvenz gerettet – durch den serbisch-amerikanischen Geschäftsmann Milan Mandaric. Der ist eine schillernde Figur in der englischen Fußballwelt und bekannt dafür, Vereine und Trainer in schneller Folge zu wechseln. Nach Portsmouth und Leicester ist Sheffield Wednesday bereits der dritte englische Fußballklub, von dem Mandaric Mehrheitseigner ist (selbstverständlich nacheinander).

Die jüngste Trainerentlassung des Owls-Besitzers war für Außenstehende besonders bizarr. Wednesday war Tabellendritter und hatte gerade das große Derby gegen United mit 1:0 gewonnen, als Mandaric den bekennenden Owls-Fan Gary Megson feuerte. Erklärbar war der Schritt allenfalls durch die unkonstanter werdenden Leistungen und Ergebnisse unter Megson. Denn für den ehrgeizigen und ungeduldigen Mandaric ist der Aufstieg in seiner zweiten vollen Saison als Klubeigentümer Pflicht. Um den direkten Aufstieg zu schaffen, muss man in der League One Zweiter werden – den Platz belegte zum Zeitpunkt der Trainerentlassung Sheffield United und tut es bis heute. Weiterlesen „Duell in der Stahlstadt“

Der Herr der Katzen

Selten ist ein Trainer so einhellig willkommen geheißen worden wie Martin O’Neill, der neue Mann auf der Bank beim englischen Premier League-Club AFC Sunderland. Und das nicht nur, weil die Fans seinen Vorgänger Steve Bruce unbedingt loswerden wollten. Martin O’Neill kehrt nach einer kleinen Auszeit zurück auf die große weltweite Bühne – es gibt vermutlich einige Vereine, die ihn bereits zuvor verpflichten wollten. Gelandet ist der 59-jährige mit dem sehr guten Ruf bei dem Club, den er bereits als Schuljunge unterstützte.

Der AFC Sunderland ist seit Ende der 1950er ein Verein, der zwischen der ersten und zweiten Liga pendelt – mit einem kurzen Ausrutscher in Liga 3. Inzwischen sind die ‚Black Cats‘ seit vier Jahren erstklassig und wollen das wenig überraschend bleiben. 2009 übernahm der amerikanische Miliardär Ellis Short den Club und stellte finanzielle Mittel für Verstärkungen zur Verfügung – die man jedoch nicht mit den Summen vergleichen kann, die die Top 5 ausgeben. Für eine Rekordsumme von elfeinhalb Millionen Euro kam Stürmer Darren Bent nach Sunderland, der den Verein jedoch im Januar diesen Jahres für mehr als das zweieinhalbfache wieder verlassen hat.

Diese Personalie skizziert das Problem, das nicht nur in England Vereine haben, die realistisch gesehen nur um einen Mittelfeldplatz mitspielen können. Selbst wenn etwas Geld zur Verfügung steht, müssen die Mannschaften ständig umgebaut werden, weil manche Spieler dem Club regelrecht entwachsen und zu größeren Vereinen wechseln möchten. Neben Bent verließ in diesem Jahr ein weiterer Stürmer mit klangvollem Namen die Black Cats: Der ghanaische Nationalstürmer Asamoah Gyan spielt derzeit lieber bei Al Ain in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wohin er für ein Jahr ausgeliehen ist. Weiterlesen „Der Herr der Katzen“

In Wembley war er besser

Vor vier Monaten trat Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann seinen ersten Trainerjob beim englischen Fünftligisten Stockport County an. Heute ist er zurückgetreten. Hamann erwartete damals im Juli den Einstieg einer Investorengruppe um Tony Evans, die finanzielle Mittel bereitstellen wollte, um den direkten Wiederaufstieg des Clubs in den Profifußball zu schaffen. Der Deal kam nicht zustande und damit erklärte der Trainernovize heute seinen Rücktritt. Hamann redet von gebrochenen Versprechen. Leider kann das nicht ganz aufrichtig wirken, wenn man erst nach 19 Spieltagen die entsprechenden Konsequenzen zieht. Der frühe Aufstiegsfavorit Stockport rangiert zurzeit auf Platz 17 (von 24) in der Conference National. Man sollte daher auch den aktuellen Vorsitzenden des Vereins, Lord Snape, zu Wort kommen lassen:

I found him a good guy to work with, very professional, but results haven’t gone where he, I or the club would have liked.

So oder so – Hamanns Trainerkarriere hat nicht gerade vielversprechend begonnen. Bleibt er im Mutterland des Sports, wird er erst mal klein anfangen müssen.

Der andere Deutsche, der in diesem Jahr einen Trainerposten in England übernommen hat, Uwe Rösler, ist übrigens noch im Amt und mit dem Drittligisten Brentford gut im Rennen. Nach 17 Spielen liegt der Londoner Club auf Platz 9, nur zwei Punkte hinter den Play-Off-Rängen. Vor seinem Engagement in der League One hatte Rösler allerdings schon Erfahrungen in Norwegen gesammelt.

Der nächste Trainer geht in die zweite Liga

Borussia Dortmund bleibt ein guter Weidegrund für Zweitliga-Vereine. Nach einer Reihe von Spielern ist heute der zweite schwarz-gelbe Trainer ins Unterhaus der DFL abgewandert. Theo Schneider, bisher verantwortlich für die Dortmunder Zweite in der Regionalliga West, wechselt mit sofortiger Wirkung zu Rot-Weiß Oberhausen. Der Reviernachbar hatte zuvor Hans-Günter Bruns wegen der sportlichen Talfahrt auf Platz 16 entlassen. Im letzten Sommer war bereits Erfolgstrainer Peter Hyballa, der die Dortmunder A-Junioren unter anderem ins Pokalfinale geführt hatte, zu Alemannia Aachen gewechselt.

Michael Zorc sagt, man habe dem Wunsch von Schneider entsprochen und die Freigabe erteilt. Leichter gemacht wird das den BVB-Verantwortlichen dadurch, dass für die Zweite der Wiederaufstieg in weite Ferne gerückt ist. Als Siebter hat man bei einem Spiel weniger als Spitzenreiter Münster 12 Punkte Rückstand – es sind allerdings noch 15 Spieltage zu bestreiten. Selbstverständlich honoriert der Verein mit der Freigabe aber auch die Verdienste von Schneider, der seit 1998 im Verein tätig war und früher sowohl für Schwarz-Gelb als auch für RWO auf dem Platz stand. Der Neue bei der U 23 ist der Nachfolger von Hyballa bei der U 19: Der 29-jährige Hannes Wolf wird die Mannschaft bis Saisonende übernehmen. Entweder er bringt frischen Wind und schafft eine unwahrscheinliche Aufholjagd. Oder ein neuer Trainer nimmt im Sommer einen neuen Anlauf.

Unterdessen hat sich die Aufregung um den Torhüter der ersten Mannschaft als unnötig herausgestellt. Roman Weidenfeller wird nach einem Zusammenprall mit Mats Hummels im Training nicht wochenlang ausfallen. Die Kernspintomographie hat keinen Innenbandriss, sondern nur eine Dehnung und einen kleinen Kapseleinriss im Knie gezeigt. Am Freitag entscheidet sich, ob Weide in München spielen kann. Zur Erinnerung: Kuba musste wegen eines Kapseleinrisses im Knie zuletzt zweimal pausieren. Sollte unserer Nummer 1 Ähnliches blühen, habe ich volles Vertrauen in Mitch Langerak. Wir haben ihn nicht aus Australien geholt, damit er für immer auf der Bank sitzt, sondern für den nun möglicherweise eintretenden Fall der Fälle.

BVB gegen neuen Trainer

Zum zweiten Mal in dieser Saison tritt Borussia Dortmund gegen einen Verein an, der gerade seinen Trainer gewechselt hat. Mario Baslers Burghausener konnten uns im DFB-Pokal nicht gefährden. Der FC Sevilla ist – natürlich – ein anderes Kaliber. Die Andalusier sind nicht so miserabel gestartet wie hierzulande der VFB oder S04. Mit acht Punkten aus fünf Spielen stehen sie in der Primera Division auf Platz 7, fünf Punkte hinter der Spitze. Offensichtlich waren die Erwartungen höher und die Geduld geringer. Am Sonntag gab es in Alicante beim FC Hercules die erste Liga-Pleite (0:2, Tore nicht durch Valdez, sondern dessen Kollegen Trezeguet), in der Europa League steht man in Dortmund nach dem 0:1 gegen PSG schon unter Druck. Das Hauptproblem für den entlassenen Antonio Alvarez war jedoch das Scheitern in der Champions League-Oualifikation.

Der neue Mann heißt Gregorio Manzano und war bis Mai Trainer bei Real Mallorca – dem Verein, dem aus finanziellen Gründen von der UEFA die Teilnahme an der Europa League verwehrt wurde. Aus finanziellen Gründen wurde auch Manzanos Vertrag nicht verlängert. Der erfahrene Trainer hat jedoch einen guten Ruf und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ein potenterer Verein anfragen würde. Manzano ist einiges zuzutrauen, so dass der BVB nicht damit rechnen kann, dass das Team der Andalusier demotiviert und in chaotischem Zustand anreisen wird.

Unsere Vereins-Homepage hat sich eingehender mit den beiden Superstars des FC Sevilla beschäftigt. Wir haben Nuri Sahin, die Spanier haben Jesus. Der 24-jährige Jesus Navas ist ein äußerst kreativer Mittelfeldspieler, auf den wir am Donnerstag nicht nur ein sondern möglichst viele Augen haben müssen. Noch bekannter ist natürlich der brasilianische Nationalspieler und Torjäger Luis Fabiano. Neben diesen beiden gibt es aber weitere klangvolle Namen wie den mittlerweile 33-jährigen Frederic Kanouté, der manchen noch aus seiner Zeit in England bekannt sein dürfte, inzwischen aber bereits seit fünf Jahren in Sevilla spielt.

Was Manzano für Donnerstag plant, müssen wir abwarten. Es können aber keine echten Zweifel bestehen, dass die Mannschaft auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit CL-Format hat. Für den BVB wird es darauf ankommen, einen möglicherweise bestehenden Rest von Verunsicherung bei den Gästen auszunutzen und sie nicht ins Spiel kommen zu lassen. Frühes Pressing im Mittelfeld ohne die Abwehr zu entblößen – das könnte das Rezept sein, erfordert gegen diesen Gegner aber höchste Konzentration.

Bei Schwarz-Gelb gibt es bisher keine neuen Verletzungen zu vermelden. Die interessanteste Frage dürfte die Besetzung des rechten Flügels sein. Mario Götze oder Kuba und Owomoyela oder Piszczek lauten die Auswahlmöglichkeiten. Kuba gilt als etwas defensivstärker als Götze, ist aber trotz ansteigender Formkurve offensiv zurzeit weniger gefährlich. Eine schwierige Entscheidung für Klopp. Hinten rechts würde ich Piszczek eine weitere Chance geben, der etwas mehr Agilität als ‚Uwe‘ einbringen könnte. Ich vermute jedoch, dass sich Klopp für letzteren entscheiden wird.

Spiele wie das übermorgen machen auch aus der Europa League einen ansehnlichen Wettbewerb. Die Partie wird ab 19 Uhr auf Sat.1 übertragen, was ein Grund dafür sein dürfte, dass ‚erst‘ 41.000 der gut 65.000 Tickets verkauft sind. Hoffen wir trotzdem auf gute Stimmung und einen ähnlich tollen Abend wie vor zwei Wochen!

Gegner ohne Trainer

Der erste Pflichtspiel-Gegner der Borussia, Wacker Burghausen, hat vier Tage vor dem Pokalspiel seinen Trainer Jürgen Press entlassen. Grund war der unbefriedigende Start in die neue Drittligasaison mit zwei Punkten aus vier Partien. Zu verstehen ist der frühe Rausschmiss vielleicht vor dem Hintergrund, dass Wacker bereits in der Vorsaison nur den letzten Nichtabstiegsplatz belegt hatte. Gerüchte besagen nun, dass der neue Trainer Mario Basler heißen und morgen vorgestellt werden soll. Mehr dazu am Donnerstag im Vorbericht zum Spiel in Burghausen.

Nach einem Trainerwechsel stellt man sich natürlich stets die Frage, wie die Mannschaft reagiert. Besonders interessant ist es, wenn die erste Partie gleich ein K.O.-Spiel ist. Gibt es den viel beschworenen Schub durch den neuen Übungsleiter oder ist die Zeit bis Samstag doch zu kurz, um das Team auf einen Gegner aus der ersten Liga einzustellen? Ich neige zu Letzterem, ohne zu vergessen, dass der mögliche neue Trainer 2009 mit Eintracht Trier immerhin Hannover und Bielefeld aus dem Pokal warf. Aber wo kämen wir hin, wenn wir jetzt vor einem Trainer Basler Angst hätten?

Owen Coyle’s Superwhite Army

Der Applaus kam bei seinen ehemaligen Bewunderern nicht sonderlich gut an. Als Owen Coyle am Dienstagabend zur Gästetribüne des Reebok Stadium lief, um den Fans des FC Burnley Tribut zu zollen, waren „Judas“-Rufe noch das Harmloseste, was ihm entgegenschallte. Mit Transparenten und Sprechchören hatten die Fans der „Clarets“ das ganze Spiel über ihrem Unmut Luft gemacht.

Dass die Stimmung angespannt sein würde, war klar. Coyle war vor kurzem, vor Ablauf seines Vertrages und mitten in der Saison, von Burnley zum Konkurrenten im Abstiegskampf der Premier League, den Bolton Wanderers, gewechselt. Die „Trotters“ hatten eine ansehnliche Kompensation gezahlt – trotzdem fühlten sich nicht nur die Burnley-Fans verraten. Vereinspräsident Barry Kilby bezichtigte Coyle, mit dem Wechsel auf der Stelle zu treten und ihn nur des Geldes wegen vollzogen zu haben. Mit Burnley war der schottische Traineraufsteiger 2009 in die Premier League aufgestiegen und hatte mit seinem Team zumindest zu Beginn der Saison einiges Aufsehen erregt. Bis vor der Partie am Dienstag lag Burnley immerhin noch vor dem Tabellenneunzehnten Bolton.

Gegen die Vorwürfe aus den Reihen seines Ex-Arbeitgebers hat sich Coyle zu Recht zur Wehr gesetzt. In Deutschland wäre solch ein vorzeitiger Trainerwechsel während der Saison gewiss ein Affront – in England ist sowas nicht ganz so ungewöhnlich. Coyle wies nach seiner Vorstellung in Bolton darauf hin, dass er im Sommer ein besser dotiertes Angebot von Celtic zugunsten von Burnley abgelehnt hatte. Was ein bezeichnendes Licht auf den schottischen Fußball wirft. In Bolton dagegen hat der Schotte mehrere Jahre erfolgreich gespielt und war beliebt bei den Fans. Die unterstützten ihn auch am Dienstag nicht nur mit dem in der Überschrift zitierten Banner.

Den vermutlich ausschlaggebenden Unterschied zum Abstiegskonkurrenten Burnley räumte Coyle freimütig ein: Bei den Wanderers stimmt die Perspektive. Acht Jahre in der Premier League haben dafür gesorgt, dass der Club eine weitaus bessere Infrastruktur hat: Stadion, Scouting und Jugendakademie liegen deutlich über dem Standard des Neulings. Dass die Wege der beiden Clubs bald wieder auseinanderführen könnten, zeigte sich dann auch am Dienstag. In einer anscheinend eher schwachen Begegnung bezwangen die Trotters die unter dem neuen Trainer Brian Laws noch punktlosen Clarets mit 1:0, den entscheidenden Treffer erzielte Chong-Yong Lee. Einen amüsanten Spielbericht gibt es beim vielleicht besten Bolton-Fanzine, „The Wanderer“. Und auch im Duell der Worte behielt Owen Coyle am Ende mit diesem biblischen Vergleich die Oberhand:

I was God last year and Judas tonight, but if you want to get biblical about it I should be Moses because we led them into the Premier League after so many years in the wilderness. [Quelle: Guardian.co.uk]