Da dreht sich was beim BVB

Schon vor Ende dieser besonderen Saison kam bei Borussia Dortmund das Personalkarussell in Schwung. Eine Fülle von entsprechenden Nachrichten purzelte seit letzter Woche aus dem Newsticker. Zeit für einen Überblick samt Einordnung…

Auf der Führungsebene gab es gleich zwei folgerichtige Entscheidungen, von denen höchstens eine ein wenig überrascht. Sportdirektor Michael Zorc und Trainer Lucien Favre machen beim BVB weiter. Ersterer über seinen bisher kommunizierten Abschiedstermin im Juni 2021 hinaus für ein weiteres Jahr. Letzterer Stand jetzt bis zu seinem Vertragsende im Juni 2021. „Susi“ Zorc wollte den Verein nicht während der Corona-Krise oder ihrer Nachwehen verlassen. Mit Sicherheit wird der Transfermarkt auch nächstes Jahr kein leichter sein. Es ist also eine logische Entscheidung, dass kein derzeit Verantwortlicher, der ordentliche Arbeit gemacht hat, jetzt von Bord geht.

Die Reaktionen auf Favres Bleiben sind gespaltener. Zu sehr haben einige schwer entschuldbare schwache Auftritte der Mannschaft das gute Gesamtbild getrübt. Viele erwarten vermutlich von Lucien Favre keinen Turnaround mehr in Sachen Motivation und Einstellung des Teams. Dennoch ist sein Bleiben ähnlich logisch wie das von Zorc. Wo sind denn die Alternativen, um den ausgewiesenen Fußballfachmann zu ersetzen? Außerdem muss der BVB den jüngsten Zahlen nach auch über die finanzielle Seite eines Rauswurfs und einer folgenden Neuverpflichtung nachdenken. Es wird ja ausdrücklich nicht über eine Verlängerung mit Favre gesprochen, bis der Verlauf der Saison 2020/21 absehbar ist. Den gewagten Anspruch, den Meistertitel zu holen, will Hans-Joachim Watzke für die kommende Spielzeit nicht wiederholen – eine Rückkehr zur Zurückhaltung, wie sie all die Jahre zuvor gute Tradition war. Weiterlesen „Da dreht sich was beim BVB“

Abschied von Julian Weigl steht bevor

Es hängt nur noch am Medizincheck: Den hat Julian Weigl in Lissabon über den Jahreswechsel noch nicht absolviert. Doch sollte bei diesem Termin kein Problem auffallen, heißt Weigls neuer Arbeitgeber Benfica Lissabon. Selbst Borussia Dortmund hat den Transfer schon bestätigt – vorbehaltlich der Untersuchung.

Der 24-jährige Mittelfeldspieler, zuletzt in schwarz-gelb häufiger als Innenverteidiger eingesetzt, dürfte also bald in der Liga NOS und der Europa League spielen statt in Bundesliga und Champions League. Nach dem kometenhaften Aufstieg in seiner ersten BVB-Saison – von taumelnden Sechzigern zu 51 Einsätzen für Dortmund und weiter in die Nationalmannschaft – gingen seine Einsatzzeiten nach der Entlassung von Thomas Tuchel zurück. Julian war keine richtige Stammkraft mehr und das möchte er jetzt – in einer entscheidenden Phase seiner Karriere – mutmaßlich wieder sein.

Aus der Sicht des Spielers ist das absolut nachvollziehbar. Lucien Favre sieht im Mittelfeld derzeit andere Akteure vor ihm: Axel Witsel, Thomas Delaney, womöglich in der Zukunft Leonardo Balerdi oder Tobias Raschl. Als Abwehrspieler hat Julian Weigl in dieser Saison gezeigt, dass er auf dieser Position eben doch nur eine Notlösung sein kann. Womit wir bei der sportlichen Einordnung des Transfers wären: Ich fand den Hype um Weigl in den ersten beiden Spielzeiten in Dortmund übertrieben. Damals war er ein solider Sechser, der immer mal wieder feine Pässchen gespielt hat. Ein Wunderkind war er nicht – wundersam war allenfalls der mühelose Übergang von 1860 zum BVB.

Sollte er nun wie angekündigt ins schöne Lissabon wechseln, bricht in Dortmund nichts zusammen. Zumindest nicht wegen Julians Fehlen. Es wird vielleicht Chancen für spannende junge Leute geben, vielleicht auch nicht. Gewiss sagen kann man jedoch, dass mit Julian Weigl ein sympathischer Spieler geht, dem ich bei Benfica nur das Beste wünsche. Sowie allen Leserinnen und Lesern ein gutes neues Jahr!

Nicht Leipzig, nicht Manchester: Haaland geht nach Dortmund

Kurz vor Ende des Jahrzehnts kommt aus Dortmund noch eine großartige Nachricht: Der BVB hat Erling Braut Haaland von RB Salzburg verpflichtet. Der 19-jährige Mittelstürmer kommt für die festgeschriebene Ablöse von 20 Millionen Euro und unterschrieb bis 2024. Laut Kicker soll das Gesamtpaket inklusive Handgeld, Beraterhonorar und Gehalt für die viereinhalb Jahre 100 Millionen kosten.

Sportlich und finanziell macht der Transfer Stand jetzt geradezu unheimlich viel Sinn. Borussia Dortmund brauchte so schnell wie möglich einen echten Neuner und Torjäger, der der junge Haaland sowohl in der Champions League als auch in der österreichischen Bundesliga war. Michael Zorc beschreibt seine Qualitäten so:

Wir alle dürfen uns auf einen ehrgeizigen, athletischen und physisch starken Mittelstürmer mit ausgeprägtem Torinstinkt und beeindruckendem Tempo freuen, den wir in Dortmund weiterentwickeln möchten.

Paco Alcacer, leider oft von Verletzungen geplagt und zuletzt auch nicht immer erste Wahl, wird vermutlich ins zweite Glied rücken. Es ist schwer zu hoffen, dass Lucien Favre von seinen neuen Möglichkeiten nun auch regelmäßig Gebrauch machen wird. Jemand wie Haaland muss man wohl kaum erst mal heranführen, wie es zuletzt bei so vielen Talenten in schwarz-gelb geheißen hatte. Und selbst mit üppigem Handgeld und ebensolcher Gebühr für Erlings Berater Mino Raiola wird sich der Transfer für den BVB finanziell auszahlen – sollte sich der junge Norweger nicht schwer verletzen.

Man sollte die Geschichte aber nicht romantisieren: Ja, die Borussia hat dem Vernehmen nach für den Moment RB Leipzig, Manchester United und vielleicht weitere interessierte Klubs aus dem Weg geschlagen. Andererseits können wir nicht davon ausgehen, dass Erling Haaland seinen Vertrag bis 2024 erfüllen wird. Je besser er einschlägt, desto eher wird er Begehrlichkeiten bei den ganz Großen wecken. Mit Mino Raiola an seiner Seite könnte der Weg bald in die Premier League führen, wogegen der Spieler auch nichts haben dürfte. Und Raiola ist nicht nur in Dortmund dafür bekannt, den ihm passenden Weg sehr robust zu verfolgen.

Für den Moment macht die Entscheidung pro Borussia auch für Haaland durchaus Sinn. Bei einem Wechsel zum Schwesterverein nach Leipzig wären seine Einsatzchancen wahrscheinlich sogar geringer gewesen, denn dort gibt es mit Timo Werner bereits einen treffsicheren Mann mit ähnlichem Profil. Die Premier League mit ihren großen Kadern soll Raiola jetzt noch für verfrüht empfunden haben. Also sagt Erling nun auf der BVB-Webseite:

Da war von Anfang an das Gefühl, dass ich unbedingt zu diesem Klub wechseln, diesen Weg gehen und in dieser unglaublichen Dortmunder Atmosphäre vor mehr als 80.000 Zuschauern Fußball spielen will. Ich brenne schon darauf.

Also: alles richtig einordnen und sich auf einen tollen Fußballer freuen!

Wie gut kann der BVB Transfermarkt?

Zeit ist ins Land gegangen, die Tage werden wieder kürzer und in drei Wochen startet der DFB-Pokal. Borussia Dortmund ist auf US-Tour, doch die größten Aufgaben haben momentan die für die Transfers Verantwortlichen zu stemmen. Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke haben mit drei Streichen auf einen Schlag Julian Brandt, Nico Schulz und Thorgan Hazard geholt. Und dann mal eben Mats Hummels als Abwehrchef vom FC Bayern. Wie immer man jetzt zu Letzterem steht, vom Potenzial her sind die vier zusammen schon eine Ansage.

Applaus hat sich Zorc auch für den Pulisic-Deal mit Chelsea verdient. Geschickt und natürlich absolut berechtigt hat der BVB dabei eine Zwangssituation des Abramowitsch-Klubs ausgenutzt. Mit Abdou Diallo ein paar Millionen Plus zu machen ist dagegen kein Kunststück, wenn das Ziel PSG heißt. Der Transfer lässt auch niemand jubeln. Andere Verkäufe wären dringender.

Womit wir beim wunden Punkt der schwarz-gelben Transferpolitik wären. Dem was der BVB nicht so gut kann: Spieler wieder loswerden. Das liegt nicht daran, dass man es nicht versuchen würde, etwa aus sozialen Gründen. Nein, die Verantwortlichen haben den Kader über mehrere Jahre anwachsen lassen, auf derzeit 34 Spieler. Darunter sind Spieler, die man überschätzt hat, wie Dahoud oder zuvorderst André Schürrle. Und solche, die nicht genügend Chancen bekommen haben, wie etwa trotz einiger Einsätze zu Beginn Maximilian Philipp.

Wer nicht mit Fähigkeiten oder Einsatzzeiten überzeugen kann, findet dann auch schwer einen Abnehmer. Jeremy Toljan und Felix Passlack sind (erneut) nur verliehen worden. Ob der US Sassuolo die Kaufoption bei Toljan zieht, ist völlig ungewiss – da muss er schon gefallen. Ein Extrembeispiel ist André Schürrle: 2016 für 30 Millionen Euro geholt, jetzt könnte er für einen einstelligen Millionenbetrag gehen. Aktuell ist die Hoffnung seines Beraters die russische Premier Liga. Mehr weh tun ähnliche Schwierigkeiten bei Shinji Kagawa, der angeblich gerne nach Spanien will.

Nicht schön ist auch die Situation der jungen Leo Balerdi und Sergi Gomez. Ob bei ihnen eine Leihe Sinn macht? Sie gleich ganz zu verkaufen, wäre dagegen ein Eingeständnis, einfach mal so auf Vorrat gekauft zu haben. Es wird Zeit, dass die Borussia in der Breite wieder etwas umsichtiger und gezielter Abschlüsse tätigt.

Return of the Mats

Ich hätte mit einer längeren Hängepartie gerechnet. Doch Borussia Dortmund handelt 2019 wie der Blitz, zumindest wenn es um Zugänge geht. Der Grund, warum die Rückkehr von Mats Hummels schon perfekt ist, sofern er den Medizincheck besteht: Der BVB zahlt den Bayern rund 30 Millionen Euro zuzüglich Boni (Ruhr Nachrichten, Der Westen) oder eben bis zu 38 Millionen inklusive Boni, wie der Kicker berichtet. Wahrscheinlich handelt es sich also um einen neuen Rekordeinkauf.

Hätte Mats 30 Millionen straight gekostet, wäre das ein nach heutigen Maßstäben gut vertretbarer Preis gewesen. In seiner Bayern-Zeit ist er nicht besser und nicht schlechter, aber 30 Jahre alt geworden. In der Rückserie war er laut Kicker der beste Innenverteidiger der Liga. Man sollte also nicht mehr für ihn ausgeben, als er vor drei Jahren eingebracht hat. Aber da Mats anscheinend zu uns und die Borussia ihn haben wollte, gab es nicht so viel Verhandlungsspielraum.

Sportlich macht der Wechsel Sinn, das sollten auch die zahlreichen Kritiker eingestehen. Hummels ist erfahrener und hat einen besseren Spielaufbau als die Spieler, die 2018/19 meist in der Innenverteidigung standen. Trotzdem ist es unglücklich, dass nun sechs Mann für zwei Positionen im Kader stehen. Womöglich muss neben Toprak auch einer der Jungen gehen.

Die Kritiker des Transfers führen auch die vielen Rückholaktionen der letzten Jahre an. Das ist so, aber sportlich kann man nicht gegen den Hummels-Transfer sein und die erneuten Verpflichtungen von Sahin und Kagawa als gelungen bezeichnen. Wer ein Problem mit Wechseln zum FCB hat, den kann ich verstehen. Andererseits möchte Mats nun aus freien Stücken zurück. Er hätte wahrscheinlich in der nächsten Saison mehr Konkurrenz in München gehabt, aber er kommt nicht als Gescheiterter zurück. Bei Mario Götze hat die Wiedereingliederung  am Ende funktioniert, die Fans akzeptieren ihn wieder. Kann man nicht das ganze Gepfeife und Gehate bei Mats überspringen? Dann wird er uns mit ziemlicher Sicherheit 2019/20 weiterhelfen.

Denn es ist doch offensichtlich: Watzke und Zorc wollen in der nächsten Saison die Bayern noch mal mindestens so hart ärgern wie in der vergangenen. Dazu braucht es noch mehr Willen und Glaube an die eigene Stärke. Man kann die Strategie angreifen, weil der BVB mal wieder in die vollen geht, ohne sich rechtzeitig um die Größe des Kaders zu kümmern. Aber wer die Voraussetzungen schaffen will, um trotz großen Einkäufen des FCB noch mal in deren Nähe zu kommen, muss leider auch selber protzen. Willkommen zurück, Mats Hummels (wenn du fit bist)!

Alexander Isak geht nach San Sebastian

Das war es dann also mit dem „neuen Zlatan“ in Dortmund, zumindest vorerst: Nach seiner Leihe zum niederländischen Erstligisten Willem II wird Alexander Isak nicht zum BVB zurückkehren, sondern zu Real Sociedad San Sebastian in die Primera Division wechseln. Die Schwarz-Gelben sollen dafür acht bis zehn Millionen Euro kassieren, also etwa die Summe, die man vor zwei Jahren für den inzwischen 19-jährigen schwedischen Stürmer ausgab.

Manche nennen das nun ein gutes Geschäft, weil sich Isak bei der Borussia nie durchsetzen konnte. Seit seiner erfolgreichen Zeit in Holland muss man diese Wertung aber zumindest hinterfragen. Einerseits ist die niederländische Liga in der Breite natürlich nicht so stark wie die Bundesliga. Andererseits könnte Isak dort trotzdem eine positive Entwicklung durch Spielpraxis genommen haben. Nun hat der BVB in Paco Alcacer gerade nur einen echten Stürmer, der sich bisher verletzungsanfällig gezeigt hat. Wäre Isak nicht eine prima Ergänzung zu ihm?

Gegenargumente gibt es auch: Die Borussia muss ihren Kader eher verkleinern, hat außerdem mit Thorgan Hazard und Julian Brandt weitere Offensivleute geholt, so dass ein ‚echter 9er‘ vielleicht gar nicht mehr so wichtig ist. Es stimmt natürlich, dass unbedingt noch Spieler gehen sollten, zuvorderst die zuletzt verliehenen. Doch bin ich skeptisch, ob man die Stürmerposition so stiefmütterlich behandeln sollte. Sollte noch ein anderer für ganz vorne kommen, wird er sich auch an Isaks Leistungen in der Eredivisie messen lassen müssen.

Alexander Isak hat in San Sebastian bis 2024 unterschrieben. Über weitere Vertragsinhalte wurde das übliche Stillschweigen vereinbart. Michael Zorc hat aber sicher nicht unabsichtlich mit einer Aussage aufhorchen lassen:

Wir wünschen Alex Isak in Spanien den größtmöglichen Erfolg und werden seine Leistungen genau beobachten.

Das deutet doch sehr auf eine Möglichkeit hin, Isak irgendwann zurückzuholen. Vielleicht gegen eine bereits festgelegte Summe, die aber dann deutlich höher liegen dürfte als das jetzt Eingenommene. Nicht nur Zorc und Lucien Favre, auch alle BVB-Fans werden ein Auge darauf haben, wie es für Alexander Isak in Spanien weitergeht und ob der fehlende Glaube an ihn berechtigt war.

Transfer-Triple: Schuuulz, Hazard und Brandt zum BVB

Die Namen dieser drei Bundesliga-Spieler gingen schon einige Tage durch die Medien, die sich immer sicherer wurden, Nico Schulz, Thorgan Hazard und Julian Brandt bald in schwarz-gelb zu sehen. Aber dass es dann sowas von schnell ging… Gestern verkündete Borussia Dortmund gleich zwei Transfers: den von Hazard für 25,5 Millionen Euro plus Boni von Mönchengladbach und auch schon den von Brandt für festgeschriebene 25 Millionen aus Leverkusen. Zwei Kracher für die Offensive an einem ganz normalen Mittwoch. Linksverteidiger Schulz war einen Tag zuvor für ebenfalls 25,5 Millionen von der TSG Hoffenheim verpflichtet worden.

Sportlich macht jeder der drei für sich genommen absolut Sinn: Nationalspieler Nico Schulz bringt Geschwindigkeit und Vorbereiter-Qualitäten für die linke Seite. Natürlich dürften sich die Perspektiven von Marcel Schmelzer dadurch weiter verschlechtern. Aus sportlicher Sicht habe ich damit wenig Probleme. Thorgan Hazard als technisch versierter offensiver Außenspieler und Julian Brandt als starker Offensiv-Allrounder sind für den BVB qualitativ ein weiterer beträchtlicher Schritt nach vorne. Obwohl sie noch mehr oder weniger jung sind (Hazard 26, Brandt 23 Jahre), bringen sie weitreichende Erfahrung aus Bundesliga und Nationalmannschaft mit.

Das macht Appetit auf die nächste Saison. Einige Medien haben auch schon den ablösefreien Wechsel des Barca-Nachwuchsspielers Mateu Morey als perfekt vermeldet, doch offiziell verkündet wurde der noch nicht. Weil angesichts der größeren Namen noch keine Zeit war – oder gab es beim verletzungsanfälligen Rechtsverteidiger Probleme beim Medizincheck? Kommt Morey, dürfte es ihm zunächst ähnlich ergehen wie Sergi Gomez, der bisher überhaupt keine Rolle spielt. In der nächsten Spielzeit werden Achraf Hakimi und Lukasz Piszczek die ersten Anwärter auf den Platz rechts hinten sein, sofern sie fit bleiben. Weiterlesen „Transfer-Triple: Schuuulz, Hazard und Brandt zum BVB“

Zumindest Berlin

Als am Samstag das Spiel im Berliner Olympiastadion abgepfiffen war, das Borussia Dortmund in der Nachspielzeit gegen Hertha BSC gewonnen hatte, da war sie wieder da. Die Verbindung zum Herzensverein, die eigentlich – so sagt man – ein Leben lang hält, aber dennoch aus diversen Gründen spröde werden kann.

Es geht mir gar nicht darum, dass der BVB einen Spieltag punktemäßig mit den Bayern mithalten konnte. Alle Indikatoren sprechen dafür, dass der FCB auch in diesem Jahr Meister wird. Einer davon sind die jetzt schon fürs Topspiel fraglichen Borussen. Was am Samstag wieder da war, das war das gemeinsame Bis-zum-Schluss-gehen. Mannschaft wie Fans haben sich diesen Auswärtssieg beim Angstgegner verdient. Die schwarz-gelben Jungs haben mal wieder für eine positive Überraschung gesorgt, in letzter Minute, und das war einfach geil!

In der Anfangsphase sah es anders aus. So als ob sich Hertha, wie zuletzt fast alle Gegner, auf das Dortmunder Spiel richtig gut eingestellt hätte. Frühes Stören, die Mittelfeldzentrale nicht zur Entfaltung kommen lassen, das waren die Mittel der Wahl. Thomas Delaney kam damit besser zurecht als Julian Weigl auf seiner eigentlichen Position. Allerdings waren bei den Gegentreffern auch Pech und eigene Fehler im Spiel. Nach langer Zeit patzte Roman Bürki mal wieder größer: Bei erschwerten Bedingungen wehrte er einen Schuss von Mittelstädt nicht zur Seite ab, sondern ließ ihn in den Fünfmeterraum prallen, wo Kalou zur Stelle war. Und Weigls „Schutzhand“ verursachte den Elfmeter zum 1:2. Weiterlesen „Zumindest Berlin“

Mit 38 von Los Angeles nach Derby

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres spricht die ganze Welt von Derby County. Vielleicht nicht ausnahmslos jeder Mensch, aber viele Fußballinteressierte und  Sportmedien nicht nur im Vereinigten Königreich dürften registriert haben, dass nach Frank Lampard erneut ein großer Name des englischen Fußballs zum Zweitligisten aus der 250.000-Einwohner-Stadt Derby in den East Midlands stößt.

Es ist natürlich kein Zufall, dass Linksverteidiger Ashley Cole zu Trainer Lampard kommt. Die beiden spielten lange zusammen bei Chelsea und in der Nationalmannschaft. Coles erster Klub war der FC Arsenal. Allerdings ist Cole nur zwei Jahre jünger als Lampard, nämlich 38. Alles deutete darauf hin, dass er seine Karriere in der MLS bei Los Angeles Galaxy ausklingen lassen würde. Doch nachdem im letzten Jahr sein Vertrag dort nicht verlängert wurde, zieht es ihn jetzt zurück in die Heimat, auch wenn es ’nur‘ die Championship ist.

Ashley Cole hatte vor einigen Jahren einen exzellenten Ruf in England, zumindest sportlich: Er galt als der beste Linksverteidiger des Landes. Doch wie kommt er nun mit 38 nach Derby? Durch ein klassisches „Old Boys network“? Die gemeinsame Vergangenheit mit Lampard half sicherlich. Aber natürlich wird auch von Coles sportlichen Vorzügen gesprochen. Natürlich ist er nicht mehr die 28-jährige Version. Aber er ließ verlauten, dass er auch nicht in jeder Woche einen Startelfplatz erwartet. Der Veteran wäre wohl schon zufrieden, wenn er den in dieser Saison zahlreicheren jungen Spielern etwas mit auf den Weg geben könnte. Eine Rolle als Coach, in Derby oder anderswo, erscheint nach dieser Saison möglich. Weiterlesen „Mit 38 von Los Angeles nach Derby“

Der junge Mann aus Argentinien

Borussia Dortmund hat Leonardo Balerdi von den Boca Juniors verpflichtet, so wie es sich in den letzten Tagen schon angedeutet hatte. Der 19-jährige und 1,88 Meter große Innenverteidiger gilt „als eines der größten Abwehrtalente Südamerikas“, wie der Kicker schreibt. Er hat allerdings erst fünf Profi-Spiele absolviert. Die Ablösesumme soll 15,5 Millionen Euro zuzüglich möglicher Boni betragen. Der Vertrag soll bis 2023 laufen – beides hat der BVB allerdings nicht bestätigt.

Glaubt man Michael Zorc, so kann Balerdi so ziemlich alles, was ein Innenverteidiger können muss: Zweikämpfe, Kopfbälle, Aufbauspiel und Pässe. Intelligent soll er auch noch sein. In der offiziellen Verlautbarung auf der Vereinswebseite erfuhr man außerdem, dass der Transfer erst für den Sommer geplant gewesen und nun vorgezogen worden sei. Man will wohl die Erwartungen etwas dämpfen. Schließlich hat sich auch Alexander Isak noch nicht als der neue Ibrahimovic entpuppt.

Macht die Verpflichtung eines fünften und noch dazu so unerfahrenen Innenverteidigers Sinn? Normalerweise bin ich ja skeptisch bei einer derartigen Überbelegung einer Position. Andererseits hat Manuel Akanji noch mit Hüftproblemen zu kämpfen, auch wenn erst mal keine Operation nötig ist. Dan-Axel Zagadou und Abdou Diallo fehlten zuletzt auch, sind nun auf dem Weg zurück ins Team. Und es braucht nicht viel Fantasie, um vorherzusagen, dass Ömer Toprak nicht mehr allzu lange das schwarz-gelbe Trikot tragen wird. Schon im Sommer könnte Balerdi einer von dann noch vier Innenverteidigern sein.

Klar ist: Die Verpflichtung von Leonardo Balerdi ist spekulativ. So muss es die Borussia international angehen. Auch wenn die Schwarz-Gelben es dieses Jahr bei der Integration sehr gut gemacht zu haben scheinen: Schön wäre es, wenn man solche Spieler auch mal wieder näher vor der eigenen Haustüre finden würde. Das hat natürlich nichts mit der Nationalität zu tun – es wäre einfach positiv, mal wieder einen „homegrown player“ in die erste Mannschaft befördern zu können. Ja, es gibt Jacob Bruun Larsen, aber der ist eine Ausnahme und noch nicht allzu lange Borusse. Jetzt schon positiv ist natürlich, dass der BVB für junge Spieler nach wie vor ein beliebtes Ziel zu sein scheint. Willkommen Leonardo!