Einer geht, keiner kommt: Dortmunds Transfer Deadline Day

Es hat doch noch geklappt: Eine Transfer-Geschichte, die sich in diesem Sommer fast so sehr zog wie das Warten auf Regen, hat ein Ende gefunden. Wie sich schon gestern andeutete, wechselt Manuel Akanji für rund 18 Millionen Euro zuzüglich möglicher Boni zu Manchester City. Der Wechselwunsch des Schweizers war seit dem Frühjahr bekannt und besprochen; Edin Terzic berücksichtigte den Innenverteidiger daher in dieser Saison nicht mehr für den Kader. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass der BVB ein Jahr vor Vertragsende (zumindest zunächst) nicht die einst bezahlte Transfersumme erlösen konnte – nicht mal bei einem Wechsel zum Scheich-Club.

Einen Ersatz für Akanji musste die Borussia nicht suchen – schließlich hat man für die Innenverteidigung schon einiges getan. Mit den aktuellen Nationalspielern Schlotterbeck und Süle, dem Ehemaligen Hummels, sowie Emre Can, Soumaila Coulibaly und Antonios Papadopoulos in der Hinterhand sind die Schwarz-Gelben gut aufgestellt. Bleibt die Frage, ob man mit den Einnahmen aus dem Akanji-Transfer heute noch etwas anderes hätte machen können und sollen.

Vernünftiges Nichtstun?

Finanziell ist die Tatenlosigkeit von Kehl, Watzke & Co sicher vernünftig. Für Anthony Modeste musste man bereits ungeplant in die Tasche greifen. Beim Gegenrechnen bleibt zwar noch etwas übrig, aber der BVB kann das Geld sicher an vielen Stellen gut gebrauchen. Zweifellos ist der Kader auch groß genug. Die Crux ist natürlich, dass es wieder mal nicht gelungen ist, mehrere Spieler loszuwerden, mit denen man nicht mehr plant. Zugegeben, das war im Fall Nico Schulz in diesem Sommer auch besonders schwierig.

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Sebastien Haller kommt im Juli zum BVB

Borussia Dortmund hat seinen Königstransfer in trockenen Tüchern. Denn bei allem Respekt vor Niklas Süle und Nico Schlotterbeck dürfte die entscheidende Frage in dieser Transferperiode sein, ob es den Schwarz-Gelben gelingt, Erling Haaland zu ersetzen – wenn schon nicht gleichwertig, dann zumindest intelligent. Dabei hatte Sebastien Haller, bisher bei Ajax Amsterdam, den Norweger in dieser Saison zumindest in der Champions League sogar hinter sich gelassen – mit elf Toren in acht Spielen.

Der Ex-Frankfurter Haller wechselt also zum BVB – dem Kicker zufolge für 31 Millionen Euro zuzüglich möglicher Boni, die mehrere Millionen betragen könnten. Laut den Ruhr Nachrichten hat der Ivorer heute einen Vier-Jahres-Vertrag unterzeichnet. In Kraft treten wird der am 1. Juli; die Bekanntgabe ist ebenfalls erst für Anfang Juli geplant. Dies soll ein buchhalterischer Wunsch von Ajax gewesen sein, um den Transfer im neuen Geschäftsjahr zu verbuchen. Für die Borussia macht dieses Detail offenbar keinen Unterschied, da Haller aufgrund seiner kürzlich absolvierten Länderspiele ohnehin erst am 8. oder 9. Juli ins Training einsteigen muss.

Mitleid mit Ajax

Dass man Ajax hier entgegenkommt, ist nur recht und billig. Die Niederländer können einem schon leid tun: Jahr für Jahr bauen sie Talente auf oder bringen fertige Spieler wie Haller noch größer heraus. Und Jahr für Jahr verlieren sie ihre Topspieler an noch größere Klubs. Allein in diesem Sommer ziehen drei nach Deutschland weiter, zwei zum FC Bayern und Haller nun eben zum BVB. Nicht zu vergessen: Erfolgstrainer Erik Ten Hag ist der Neue bei Manchester United. Der Fluch des Erfolgs: Im Gegensatz zur Borussia hat sich Ajax in dieser Spielzeit in der Königsklasse mit Ruhm bekleckert.

Borussia Dortmund bekommt einen echten Mittelstürmer, aber keinen, der nur in und am Strafraum zuhause ist. Sebastien Heller kann sich auch ganz gut bewegen – ob mit oder ohne Ball. Ob er diesen unnachahmlichen Antritt von Erling, diese faszinierende Kombination aus Kraft, Technik und Schnelligkeit, emulieren kann, ist fraglich. Technisch versiert und durchsetzungsstark ist der 1,90 Meter-Stürmer jedoch mit Sicherheit. Neben seinen CL-Toren traf er in der niederländischen Eredivisie 21-mal in 31 Spielen. Und für den BVB ist die zweite Zahl wohl ähnlich bedeutend wie die erste: Haller stand in nur drei Liga-Partien nicht im Kader. Einmal war er krank, zweimal fehlte er wegen seiner Teilnahme am Afrika-Cup mit der Elfenbeinküste.

Werden Haller und die anderen Neuzugänge dazu führen, dass die Schwarz-Gelben wieder Bayern-Jäger sind? Wohl kaum, wenn man die bisherige Transferpolitik des Rekordmeisters bedenkt. Denn der war ja mit seinem einen nationalen Titel auch nicht zufrieden und hat entsprechend gehandelt. Wir BVB-Fans können uns trotzdem auf Sebastien Haller freuen – ich tue es auf jeden Fall.

Tigges zu Tünnes

Borussia Dortmund lässt Steffen Tigges zum 1. FC Köln ziehen. Dort unterschreibt der 23-jährige Stürmer aus dem schwarz-gelben Nachwuchs einen Vertrag bis 2026. Es ist eine Transfer-Vollzugsmeldung, die man im Kontext der Planungen für die Saison 2022/23 schnell abhaken kann – man kann aber auch noch ein paar Zeilen darüber nachdenken.

Der Effzeh ist zunächst mal ein Verein, für den der durchschnittliche Borusse eher Sympathie als Antipathie hat. Vor wenigen Wochen hat sich der BVB dort Mittelfeldspieler Salih Özcan geangelt – warum also nicht etwas zurückgeben? Eine Ablöse von 1 bis 1,5 Millionen ist für die Bundesliga nicht viel, könnte aber durch Bonuszahlungen und eine Beteiligung an einem möglichen Weiterverkauf von Tigges noch steigen. Kölns Geschäftsführer Christian Keller attestiert dem Neuzugang „viele wichtige Stürmereigenschaften“. Gleichzeitig wird Steffen aber noch nicht als fertiger Spieler, sondern eher als Projekt gesehen, das „viel Fantasie für die Zukunft“ bietet. Die Hoffnung des Spielers ist wohl trotzdem, das er in absehbarer Zeit mehr Spielzeit bekommt als in Dortmund.

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Terzic und Özcan bestätigt

Ein Wochenende brauchten die BVB-Verantwortlichen, um die Trainerfrage zu klären. Es habe „intensive Gespräche“ mit Edin Terzic gegeben, so der künftige Sportdirektor Sebastian Kehl. Danach hat der wohl einzige Kandidat zugesagt und wird laut der Vereinswebseite morgen einen Vertrag bis Juni 2025 unterschreiben. Einiges habe ich dazu bereits im vorherigen Beitrag geschrieben. Um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Ich mag die schon nicht mehr ganz neue Kurzlebigkeit auf dem Trainerstuhl nicht und glaube, sie schadet einem Verein in der Regel. Deshalb hoffe ich, dass Edin Terzic nun seinen Vertrag erfüllen darf und man mit ihm auch durch ein Tal gehen würde. Was bei einem börsennotierten Bundesligaverein natürlich nicht so einfach ist.

Grundsätzlich freue ich mich, dass Terzic wieder Trainer in Dortmund ist – nur der Zeitpunkt stimmt nicht. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Edin mit den schwarz-gelben Jungs über die glatte See in den Sonnenuntergang segeln wird. Außer dem BVB gelingt mal ein perfekter Transfer-Sommer – was Zu- und Abgänge betrifft. Und wann gab es einen solchen zuletzt? Trotzdem: Nur das Beste – play it again, Edin!

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Dortmund Süle Nation

Wenn ein Spieler vom FC Bayern zu Borussia Dortmund wechselt, obwohl der Rekordmeister Interesse daran hatte, ihn zu halten, sorgt das für Schlagzeilen – und mehr als das. Auf den Sportseiten der Medien war es gestern bzw. heute im Print neben Biathlon-Gold bei Olympia das Hauptthema: Innenverteidiger Niklas Süle kommt im Sommer ablösefrei zum BVB. In München gibt sich unterdessen Bayern-Präsident Herbert Hainer nicht komplett erfolgreich Mühe, nicht beleidigt zu wirken.

Am Tag danach ist über den noch bevorstehenden Transfer des 26-jährigen Nationalspielers schon viel gesprochen und geschrieben worden. Schwatzgelb.de hat eine sehr lohnende Sonderausgabe des Podcasts Auffen Punkt veröffentlicht. und ist dabei unter anderem auf die teilweise gegensätzlichen Reaktionen auf den Wechsel eingegangen. Der Kicker spendierte uns eine Reihe von Artikeln zum Thema. Zu empfehlen ist besonders eine kleine Datenanalyse, die Süle mit der aktuellen Erstbesetzung der BVB-Innenverteidigung, Hummels und Akanji, vergleicht. SPOILER: Süle steht speziell bei Luftzweikämpfen, langen Pässen und mit seiner Geschwindigkeit gut da.

Die Rolle weicher Faktoren

Was zu Niklas Süle aus Dortmunder Fan-Sicht noch zu sagen bleibt, sind persönliche Einschätzungen. Grundsätzlich ist es ein Coup, einen aktuellen Nationalspieler ablösefrei von den Bayern zu verpflichten. Dass ein Jahresgehalt von 12 bis 15 Millionen Euro für jeden Borussen fragwürdig viel wäre, ist die andere Seite. Doch diese Summe wurde nur als Forderung der Süle-Seite kolportiert. Niemand außer den Beteiligten weiß, ob sie überhaupt zutreffend war und auf was man sich letztlich geeinigt hat – ich vermute, der Betrag liegt niedriger. Völlig abwegig erscheint es nicht, dass Süle von den um ihn werbenden BVB-Verantwortlichen subjektiv mehr Wertschätzung gespürt hat und ihm womöglich eine wichtigere Rolle versprochen wurde. Man sollte solche weichen Faktoren bei der Entscheidungsfindung eines Spielers nicht gleich als „Sweet Talk“ abtun – ein Spieler kann auch nicht immer funktionieren, vor allem nicht mental, nur weil er viel Geld verdient.

Ein Argument der Skeptiker des Wechsels war, dass die Borussia mit Verpflichtungen gestandener National- und/oder Ex-Bayern-Spieler nicht immer gut gefahren ist. André Schürrle, Mario Götze und Nico Schulz sind die Namen, die einem hier durch den Kopf gehen. Alle haben in Dortmund weniger gut gespielt als früher. Man kann dieses Argument durchaus verstehen, denn genau diese teuren Transfers und/oder hochdotierten Verträge kann sich die Borussia gerade jetzt nur leisten, wenn die Erfolgswahrscheinlichkeit sehr hoch ist. Bei Niklas Süle halte ich sie für annähernd so hoch wie bei Mats Hummels, dessen Rückkehr ich sportlich – und eigentlich auch sonst – immer begrüßt habe. Zu hoffen ist allerdings schon, dass die finanziellen Aspekte des Süle-Transfers nicht die im letzten Beitrag geforderte weitergehende Erneuerung des BVB unzumutbar einschränken.

Alles ruhig in Dortmund

Teure Sportwagen fahren vor der Geschäftsstelle vor, im Blitzlichtgewitter der Fotografen steigen junge Männer aus, um bald darauf im Stadion den Vereinsschal zu schwenken – all das haben wir am Transfer Deadline Day in Dortmund nicht erlebt. Mal wieder nicht. Stattdessen sagte Tobias Raschl leise ‚Ich bin dann mal weg‘ – oder Ähnliches. Der 21-jährige Mittelfeldspieler wechselt zur extrem abstiegsgefährdeten Spielvereinigung Greuther Fürth. Raschl kam aus dem eigenen Nachwuchs und konnte sich nicht über längere Zeit im Spieltagskader von Marco Rose festsetzen. Schade. Jede/r muss wohl für sich selbst entscheiden, ob es für Raschl „einfach nicht gereicht hat“ oder er „zu wenig Spielpraxis“ bekam – Verletzungen bremsten ihn jedenfalls zusätzlich aus.

Schon am Wochenende wurde bekanntgegeben, dass Ansgar Knauff für eineinhalb Jahre an Eintracht Frankfurt ausgeliehen wird. Von ihm haben wir schon etwas mehr gesehen und die Leihe könnte sich als sinnvoll erweisen. Knauff hat auf jeden Fall das Tempo für einen Flügelspieler, muss aber in Zweikampf und Passspiel noch zulegen.

Spannung nur um Bürki

Die einzige weitere Personalie, über die bis gestern Abend ernsthaft diskutiert wurde: Roman Bürki. Der Schweizer ist bekanntlich nur noch die Nummer 3 im BVB-Tor, aber mögliche oder zumindest kolportierte Wechsel zu Galatasaray oder dem FC Lorient ließen sich nicht realisieren. In die Türkei, in sein Heimatland, nach Russland oder ab 10. Februar in die USA könnte Bürki jetzt u.a. noch wechseln. Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit dafür wohl nicht, ganz ausschließen würde ich es jedoch auch nicht.

Für den Großteil der Fans sind Abgänge aus der zweiten Reihe langweiliger als Neuzugänge. Und natürlich werden jetzt wieder Stimmen laut, die das Ausbleiben von Letzteren den Vereinsverantwortlichen ankreiden. Wenn, dann sind die Fehler jedoch in der Vergangenheit zu suchen. Solange einige Gutverdiener im Kader, die selten zum Einsatz kommen, sich nicht verändern wollen – und das ist ihr gutes Recht – kann der BVB in der derzeitigen Lage wenig machen.

Transfer Deadline Day: BVB leiht Pongracic aus

Seit gestern verdichteten sich die Hinweise, dass Borussia Dortmund bei der Suche nach Verstärkung für die Defensive beim Tabellenführer fündig geworden ist. Die Bestätigung kam gegen Mittag am letzten Tag der Transferphase: Der in Landshut geborene zweimalige kroatische Nationalspieler Marin Pongracic kommt vom VfL Wolfsburg. Der gerade noch 23-Jährige Innenverteidiger wird für den Rest der Saison ausgeliehen. Im Anschluss soll der BVB laut Medienberichten eine Kaufoption für 10 bis 13 Millionen Euro haben – wofür es keine Bestätigung vom Verein gibt.

Angesichts der kurz- bis mittelfristigen Ausfälle von Mats Hummels und Emre Can macht der Transfer aktuell natürlich Sinn. Axel Witsel war kein wirklich überzeugender Ersatz in der Innenverteidigung. Über die Saison gesehen könnte Pongracic die erste oder zweite Alternativ-Option zum Duo Hummels/Akanji werden, da Dan-Axel Zagadou und Soumalia Coulibaly zumindest leistungsmäßig noch eine ganze Weile brauchen dürften, um wieder aufzuschließen.

Ob Pongracic sogar erste Wahl werden und eine längerfristige Verpflichtung folgen könnte, ist schlicht nicht abzusehen. In Salzburg kam er unter Marco Rose einst regelmäßig zum Einsatz. In Wolfsburg stand er in dieser Saison erst einmal im Kader und noch nicht in der Mannschaft. Positiv ist, dass Pongracic auch Rechtsverteidiger spielen kann. Bei der nicht gerade übermächtigen Konkurrenz von Meunier, Passlack und in Zukunft wieder Morey könnte auf dieser Position sogar ein Nicht-Spezialist Einsatzchancen haben.

Delaney geht: It’s not all right, but it’s ok

Es ist also passiert, was zuletzt viele für möglich hielten, aber niemand so richtig wollte. Auch Borussia Dortmund betont ausdrücklich, dass Thomas Delaney den Verein „auf eigenen Wunsch“ in Richtung FC Sevilla verlässt. Bei den Andalusiern hat der 29-jährige dänische Nationalspieler einen Vertrag bis 2025 unterzeichnet. Zur Wahrheit gehört dazu, dass niemand der BVB-Verantwortlichen Delaney mehr oder auch nur genauso viel Einsatzzeit wie zuvor garantieren konnte. Die neue 4-4-2-Raute von Marco Rose – die natürlich nicht in Stein gemeißelt ist – sieht in der Regel nur einen defensiven Mittelfeldspieler vor und andere Akteure scheinen hier beim Trainer gefragter zu sein.

Thomas Delaney geht nicht leichtfertig und auch nicht unbedingt voller Freude – das klingt bei seinem Statement durch, das der BVB auf der Vereinswebseite veröffentlicht hat:

„Ich bin unglaublich stolz, für den BVB gespielt zu haben. (…) Die Atmosphäre im Signal Iduna Park werde ich immer vermissen. Das ist ein ganz besonderer Ort auf der Welt. Ich kann nur gute Dinge über Borussia Dortmund und die Menschen, die den Verein ausmachen, sagen. Es ist traurig für mich, den BVB zu verlassen, aber wir gehen alle als Freunde auseinander.

Webseite BVB

Ich hätte mir einen Verbleib von Delaney gewünscht. Da spielen weiche Faktoren eine Rolle – er scheint einfach ein angenehmer, guter Typ zu sein. Doch sein Einsatz und seine Mentalität können sich auch ganz konkret positiv auf die Mannschaft auf dem Platz auswirken. Die ungeliebte, aber oft gestellte Mentalitätsfrage wird der BVB so jedenfalls nicht seltener zu hören bekommen.

Ganz realpolitisch gedacht kann man die Entscheidung von beiden Seiten nachvollziehen. Das Geld ist in der Corona-Pandemie knapp; der BVB hat das offen kommuniziert. Wenn nur ein halbwegs lukrativer Abgang – Delaney soll sechs Millionen Euro plus Boni einbringen – einen Zugang ermöglicht, macht der Wechsel halbwegs Sinn. Die Schwarz-Gelben haben auf den offensiven, vor allem aber defensiven Außenpositionen mehr Bedarf als im defensiven Mittelfeld. Wirklich nützlich wäre ein vielseitig einsetzbarer, vor allem aber defensivstarker Außenspieler. Im Idealfall wäre er links und rechts gleich stark. Hier eine überzeugende Lösung zu präsentieren, wäre das Einzige, was die Borussia in der derzeitigen Situation noch machen sollte und was mich vom Sinn des Delaney-Transfers überzeugen könnte.

Alles Gute, Thomas Delaney!

Donyell Malen: der nächste Hit nach Sancho?

Hätte es ein „Malen“-Wortspiel auf halbwegs britischem Niveau gegeben, ich hätte es nicht verschmäht. Doch ich habe keins gefunden und auch noch keines gelesen. Deshalb bleiben wir mal seriös. Donyell Malens Verpflichtung ist perfekt, kurz nachdem Jadon Sanchos Wechsel zu Manchester United endgültig über die Bühne gegangen war. Dessen vermeintlicher Nachfolger kommt für rund 30 Millionen Euro plus mögliche Boni von PSV Eindhoven und hat einen Vertrag bis Juni 2026 unterschrieben.

Borussia Dortmund hat sich mit Donyell einen weiteren Schützling von Mega-Berater Mino Raiola ins Haus geholt. Schlägt er ähnlich ein wie der letzte Raiolaner – gemeint ist natürlich Erling Haaland – wird alles super. Natürlich können wir davon ausgehen, dass Raiola für Malen ebenfalls eine Ausstiegsklausel ausgehandelt hat. Dazu ist noch nichts bekannt, doch da der BVB schon bei Haaland von seiner zuvor ablehnenden Linie gegenüber derartigen Vereinbarungen abgewichen ist, dürfte es beim 22-jährigen Niederländer ähnlich sein. Einen Langzeitplan kann man als Verein mit Raiola-Klienten also eher nicht verfolgen.

Bekommt der BVB einen Jadon Haaland?

Was die meisten schon wissen dürften: Ein 1:1-Sancho-Ersatz ist Donyell Malen nicht. Seine bevorzugte Position ist das Sturmzentrum, auch wenn er schon häufiger als etwa Erling Haaland und nicht gänzlich erfolglos auf Außen gespielt hat. Der Vergleich mit seinem neuen Sturmkollegen zeigt: Malen hat in seiner Karriere 46 Einsätze mehr als der Norweger vorzuweisen und dabei 18 Tore weniger erzielt (88:106). Immerhin führt er aber bei den Vorlagen (37:28). Starke Werte sind das ohnehin.

Die entscheidende Frage wird sein, ob Marco Rose diese beiden Topspieler in einem funktionierenden Spielsystem vereinen kann. Denn selbstverständlich können es sich weder der Trainer noch der Verein leisten, Malen oder Haaland längere Zeit auf die Bank zu setzen. Vorstellbar sind etwa die Raute mit zwei echten Stürmern, wie sie der BVB schon lange nicht mehr gespielt hat, ebenso wie ein Dreier-Angriff mit Malen und Hazard/Reyna auf den Außen. Wichtig wird auch, ob Erling und Donyell den bis zu einem gewissen Grad natürlichen Egoismus des Stürmers beim Torschuss in den Griff bekommen. Ersterer hat das in der vergangenen Saison immer wieder gut hingekriegt – doch stand seine Position als Torjäger Nummer 1 auch nie in Frage. Klar ist: Sollte das Zusammenspiel der beiden halbwegs funktionieren, dürfen sich die BVB-Fans – und die Gegner – auf einiges gefasst machen.

Ob die Borussia allerdings von Saisonbeginn an glänzen wird, bleibt nach den jüngsten Auftritten und bei der momentanen Personalsituation zweifelhaft. Dem neuen Trainerteam steht noch viel Arbeit bevor.

Dortmund ohne Sancho und ein Rose ohne Dornen

Zum offiziellen Saisonbeginn am 1. Juli gibt es gleich zwei nicht unbedeutende Ereignisse rund um den BVB zu berichten. Die Transfer-Saga um Jadon Sancho geht ihrem Ende entgegen – wie bereits seit einigen Tagen abzusehen und in den Medien zu lesen. Heute bestätigte Manchester United in einer sehr kurzen Meldung auf der Vereinswebseite, dass man sich grundsätzlich mit Borussia Dortmund auf einen Transfer geeinigt habe, aber die Klärung von Vertragsinhalten – mutmaßlich mit dem Spieler – sowie der Medizincheck noch bevorstünden und nach Jadons EM-Teilnahme erfolgen sollen.

Von einer grundsätzlichen Einigung, aber noch bevorstehendem Vollzug sprach Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in einer seiner vernünftigeren Antworten auf der heutigen BVB-Pressekonferenz. Die Sache scheint also klar zu sein – es sei denn, Sancho fällt überraschend beim Medizincheck durch. Die Ablöse soll 85 Millionen Euro betragen und in fünf Raten bezahlt werden. 15 Prozent davon stehen Sanchos Jugendverein Manchester City zu. Unterschiedliche Angaben gibt es zu den Bonuszahlungen: Sind sie an „teils sehr niedrige“ Bedingungen geknüpft (Kicker) oder„quite difficult to reach“, wie der Guardian schreibt?

Bye Jadon, hallo Marco!

Zu Jadon Sancho muss man ansonsten nicht mehr allzu viel schreiben. Ein begnadeter bis genialer Kicker, der sich in der Transfer-Frage immer fair verhalten hat. Schade, dass er geht – er wird dem BVB (und uns Fans) fehlen. Trotzdem war es natürlich richtig, dem Wechsel jetzt zuzustimmen und unter Corona-Bedingungen ist die Ablöse fast schon obszön hoch. Man kann damit jedenfalls versuchen, Ersatz zu besorgen und vielleicht auch ein bisschen die Verluste reduzieren.

Der eigentliche Anlass der heutigen PK in Dortmund war natürlich der Amtsantritt von Marco Rose. Der kam schon ehrgeizig, aber auch unkompliziert rüber. Auf den ersten Blick keine Dornen, keine Ecken und Kanten erkennbar. Aber auch Thomas Tuchel oder Lucien Favre zeigten sich bei ihrer Vorstellung von ihrer besten Seite. Grundsätzlich gab es über Marco Rose hier wie anderswo ja schon einiges zu lesen, deshalb hier nur die unmittelbaren Erkenntnisse vom heutigen Termin: Der neue Trainer zeigte sich offen gegenüber verschiedenen Systemen und will „Arbeiter-Fußball“ mit schnellem Umschalten sehen. Die interessanteste Aussage: Neuzugang Gregor Kobel geht wie erwartet von der Pole Position ins Rennen um den Platz zwischen den Pfosten. Sollte er die Erwartungen nicht erfüllen, steht natürlich Marwin Hitz bereit. Roman Bürki wurde von Rose zwar gelobt, aber sein Weggang scheint trotzdem die favorisierte Lösung zu sein.

Die komplette PK gibt’s auf dem Youtube-Kanal des BVB zu sehen.