Favre kommt ohne Überraschungen

Es kam wie schon seit Wochen geschrieben wurde: Am ersten Werktag nach dem Ende der französischen Ligue 1 hat Borussia Dortmund bekanntgegeben, dass Lucien Favre vom OGC Nizza zu den Schwarz-Gelben wechselt. Sein Vertrag – auch das war kolportiert worden – läuft bis 2020.

„Die Verpflichtung von Lucien Favre als Trainer ist ein wichtiger Teil unseres sportlichen Neustarts in diesem Sommer“, sagt Michael Zorc. Favre soll etwas Neues gestalten, für Aufbruchstimmung nach einer unglaublich zähen Saison sorgen. Ob ihm das gelingt, wird maßgeblich davon abhängen, ob es Zorc und Watzke schaffen, eine entsprechende Transferpolitik umzusetzen. Die hängt nicht nur an den finanziellen Möglichkeiten, sondern auch daran, ob gewisse Spieler bereit sind, den Verein zu verlassen.

Natürlich muss Favre nicht bei Null anfangen. Es geht genauso um neue Spielideen und neuen Mut. Favres Fähigkeiten habe ich im letzten Artikel schon behandelt. Vorgestellt wird der 60-jährige Schweizer übrigens erst Anfang Juli. Es gibt ja auch keine Euphorie, die eine frühere Präsentation sinnvoll erscheinen ließe. Spannend bleibt bis dahin die Frage, wen der BVB als Assistenztrainer holt – Favre bringt niemand mit. Spekuliert wird über den früheren Borussen Edin Terzic, der zuletzt in England arbeitete.

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Warten auf Favre – Hitz schon da

Auch wenn Matthias Sammer scheinbar Ralph Hasenhüttl ganz gut findet: Es spricht alles dafür, dass der nächste BVB-Trainer Lucien Favre heißt. Die beiden – ob man es will oder nicht – wichtigsten Sportmedien schreiben das unisono. Und schon im letzten Sommer war Lucien Favre ein Thema in Dortmund. Der naheliegende Grund, warum die wohl schon feststehende Verpflichtung noch nicht bekanntgegeben wurde ist der letzte Spieltag in der französischen Ligue 1. Heute Abend spielt Favres Klub OGC Nizza beim Tabellendritten Olympique Lyon und es geht noch um den Einzug in die Europa League.

Vielleicht wird der Wechsel also schon in der ersten Hälfte der kommenden Woche offiziell. Zeit, sich daran zu gewöhnen oder sich zumindest damit auseinanderzusetzen. Ich war vor einem Jahr kein Freund von Favre, als das Thema schon mal zur Debatte stand. Ich war erleichtert, als Bosz kam. Mir hatten sich die unrühmlichen Abgänge aus Berlin und Mönchengladbach mehr eingeprägt als seine sportlich erfolgreichen Zeiten dort. Lucien Favre scheint wie Thomas Tuchel auch ein eher eigensinniger Charakter zu sein und er spricht schlechter Deutsch.

Doch nach zwei als umgänglich geltenden Trainern, die in Dortmund letztlich nicht überzeugt haben, muss man eigentlich für jeden offen sein, der sportlichen Erfolg verspricht und sich halbwegs benehmen kann. Denn man weiß ja doch nicht, wie es kommt. Gewissheiten gibt es bei diesem Verein derzeit nicht mehr.

Lob, das zu denken gibt

Für Lucien Favre spricht, wie viele frühere oder derzeitige Spieler von ihm sprechen. Etwa Nizzas Kapitän Dante, ehemals Gladbacher. Oder eben Marco Reus. Nun sagen Spieler gerne nette Sachen über Trainer, die sie viel spielen lassen. Aber auch der Journalist und Autor Christoph Biermann („11 Freunde“) lobt Favre in seinem neuen Buch „Matchplan“ in einem eigenen Kapitel für dessen taktische Ideen. Einen Auszug daraus kann man bei „11 Freunde“ online lesen. Nur so viel: Die Teams des Schweizers stehen bei der Zahl der Treffer und Gegentreffer besser da, als aufgrund der Abschlusspositionen auf dem Feld zu erwarten gewesen wäre.

Ja, Lucien Favre steht im starken Kontrast zu Jürgen Klopp, an dem wir immer noch hängen, ob wir es wollen oder nicht. Aber er kann charmant sein, auch das schreibt Biermann, und er kann über einen längeren Zeitraum Erfolg haben. Verabschieden müssen wir uns wohl von dem Gedanken, dass ein BVB-Trainer so schnell noch mal sieben Jahre bleibt. Nach dieser Saison, die wir heute als Zuschauer beim Pokalfinale endgültig abschließen, wäre ich schon froh, wenn wir es mit dem neuen Trainer bis zum kolportierten Vertragsende 2020 aushalten.

Vollzug vermeldete Borussia Dortmund heute bei Marwin Hitz: Der Schweizer Torwart kommt wie berichtet vom FC Augsburg und unterschreibt einen Dreijahresvertrag. Auf der BVB-Webseite findet sich – wie nicht anders zu erwarten – kein Hinweis darauf, ob Hitz sich einen offenen Wettkampf mit Roman Bürki um die Nummer 1 liefern darf. Eigentlich gibt es keinen Grund wieso nicht – das schließt einen kleinen Bonus für den jetzigen Stammtorwart ja nicht aus.

Der vierte Schweizer kommt dagegen nicht: Eine Verpflichtung von Rechtsverteidiger Stephan Lichtsteiner von Juventus ist vom Tisch.

Zwei Schweizer fürs Tor, zwei Tore für Mainz – und jetzt?

Wie oft hat man sich selber bei dem Gedanken ertappt, wie oft hat man es andere BVB-Fans sagen hören: Zum Glück ist diese Bundesligasaison bald vorbei. Auch am letzten Samstag enttäuschten die schwarz-gelben Jungs wieder all jene, die einen Aufschwung, eine positive Entwicklung in dieser Spielzeit noch für möglich hielten. Nach gerade mal einem starken und einem ordentlichen Spiel. Ich konnte die Partie nicht sehen. Aber nach allem was man hört, muss es grausig gewesen sein.

Das Problem mit dieser Saison ist ja, dass niemand, der sich Borussia Dortmund mit klarem Kopf anschaut, genau sagen kann, was los war. Die Einschätzungen selbst zwischen den Fans gehen weit auseinander. Natürlich gibt es die Polemiker aus dem eigenen und vor allem den anderen Lagern, aber die lasse ich mal außen vor.

Ich persönlich bin etwa der Meinung, dass uns Marcel Schmelzer nicht mehr weiterhilft. Ich sage das nach jahrelangem Anschauungsunterricht. Meiner Meinung nach ist er kein guter, sondern ein durchschnittlicher Außenverteidiger. In dieser Saison hat sich auch gezeigt, dass er dem Team als Kapitän keine Impulse geben konnte. Für manche ist Schmelle allerdings eine Identifikationsfigur – eine der letzten. Ich kann den Gedanken nachvollziehen – aber darf das allein entscheidend sein?

Sieht die Borussia Lichtsteiner am Ende des Tunnels?

Es wird also auch nach Samstag viel diskutiert werden im schwarz-gelben Umfeld. Einiges wird passieren. Derzeit sieht es ganz danach aus, dass es deutlich schweizerischer zugehen wird in Dortmund. Marwin Hitz kommt vom FC Augsburg, um sich wie in der „Nati“ hinter Roman Bürki einzureihen. Oder doch mehr? Für die Borussia ist das eine komfortable Situation, derer sich Hitz bewusst war, als er zusagte.

Spekuliert wird außerdem über eine Verpflichtung von Stephan Lichtsteiner, 34- jähriger Rechtsverteidiger, ebenfalls Schweizer und zuletzt bei Juventus tätig. Kommt es zu diesem Transfer, dann darf wohl als gesichtert gelten, dass der nächste BVB-Trainer Lucien Favre heißt. Denn Michael Zorc wäre auf diesen Namen mit Sicherheit nicht gekommen.

Tuchel, Bosz, Stöger und jetzt also Favre? Was sagt uns das? Auch das wird zu diskutieren sein, aber noch nicht jetzt. Denn da kommt ja noch ein Spiel, das dank schwarz-gelber Unfähigkeit doch wichtig ist. In Hoffenheim darf man nun höchstens knapp verlieren, um sicher in der Champions League zu sein. Klingt machbar, aber das haben wir in dieser Saison schon öfter gedacht. Vermutlich wird Peter Stöger wieder einige Wechsel vornehmen. Sokratis ist ja schon mal gesperrt, Toprak droht verletzt auszufallen. Vermutlich wird man sich irgendwie durchwürgen, bevor es dann endlich wirklich vorbei ist. Dann wird geredet und hoffentlich auch gehandelt.

Das war der Deadline Day in Dortmund

(Updated) Nach diesem Deadline Day ist der Nimbus der ruhigen BVB-Hand endgültig weg: Vier Transfers haben Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke am letzten Tag der Transferphase oder kurz davor klar gemacht. Hier sind alle der Reihe nach.

Endgültig durch war als erstes der Wechsel von Marc Bartra zu Real Betis aus Sevilla. Der Kicker berichtet von einer Ablöse von gut zehn Millionen Euro. Viele warme Worte begleiteten diesen Transfer und ich nehme allen Beteiligten ab, dass sie ernst gemeint sind. Weder der Borussia noch Bartra kann man vorwerfen, dass es so gekommen ist. Die Schuld trägt Sergej W., der Bus-Attentäter. Von ihm wurde Marc physisch und psychisch aus der Bahn geworfen. Ob es für ihn in schwarz-gelb noch mal aufwärts hätte gehen können, bleibt Spekulation. Leider konnte der BVB gerade in seiner jetzigen Situation nicht darauf warten.

Heute erfolgte auch die Bestätigung der Verpflichtung von Sergio Gómez durch den Verein. Der ist sicher ein vielversprechendes Talent. Trotzdem nehme ich nichts von dem zurück, was ich vorgestern dazu geschrieben habe. Außer dem Namen: Denn der Zugang vom FC Barcelona heißt natürlich Gómez wie Mario, und nicht Lopez.

Die großen Deals kamen mittags und am späten Nachmittag. Pierre-Emerick Aubameyang ist wie erwartet zum FC Arsenal gewechselt. Und zwar, das ist in diesem Fall genau bekannt, für 63,75 Millionen Euro. Das mag in Zeiten von Neymar und Dembelé etwas unter seinem Marktwert liegen, aber Auba ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Angesichts der jetzigen Situation kann Borussia Dortmund damit finanziell gut leben. „PEA“ hat in seinem Abschiedspost dann auch recht klar eingeräumt, dass sein Verhalten zuletzt mit seinem Wechselwunsch zu tun hatte. Ob er sich damit irgendwo Freunde gemacht hat? Weiterlesen „Das war der Deadline Day in Dortmund“

BVB sucht Stürmer und findet Mittelfeldtalent

Marco Reus, Shinji Kagawa, Christian Pulisic, Jadon Sancho, Andriy Yarmolenko, Maximilian Philipp, Mario Götze, André Schürrle. Das sind die Spieler, die bei Borussia Dortmund vorzugsweise im offensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Acht Mann für höchstens drei Positionen also. Nummer Neun hat der BVB soeben klar gemacht, wenn man dem „Kicker“ glaubt: den 17-jährigen Spanier Sergio Lopez vom FC Barcelona. Der war zweitbester Spieler bei der U17-WM letztes Jahr und außerdem auch von Arsenal und Chelsea umworben. Grund genug für Michael Zorc und Aki Watzke, für drei Millionen zuzuschlagen?

Der Junge mag wirklich ein großes Talent sein, aber welchen Sinn macht eine Verpflichtung auf der mit Abstand am besten besetzten Position bei Schwarz-Gelb? Mehr und mehr scheint es nun auch in Dortmund darum zu gehen, kein Schnäppchen auszulassen, wenn es sonst die anderen bekommen könnten. Es grenzt an das Bunkern von Talenten, wie es die englischen und spanischen Topklubs schon seit einigen Jahren betreiben. Aber wie soll so eine gesunde Struktur in der Mannschaft entstehen?

Natürlich ist der zeitliche Zusammenhang, in dem dieser Transfer bekannt wurde, unglücklich für Michael Zorc. Da sucht man gerade ganz dringend einen Nachfolger für PEA, mit Modeste und Batshuayi werden Namen gehandelt, bei denen Nachfragen erlaubt sind und dann sickert plötzlich die Verpflichtung eines offensiven Mittelfeldspielers durch. Kein Wunder, dass der BVB die Personalie am Sonntag dem „Kicker“ noch nicht bestätigen wollte. Und natürlich muss ein Sportdirektor Multitasking können und betreiben. Aber diese Personalpolitik macht es uns Fans alles andere als leicht. Vielleicht werden demnächst mal nicht die Spieler ausgepfiffen …

Das Ende der guten alten Zeit: Neven geht

Sportlich ist es eine Randnotiz, die wahrscheinlich keine großen Auswirkungen haben wird: Neven Subotic verlässt nun endgültig Borussia Dortmund und wechselt zum französischen Erstligisten AS St. Etienne – dem Rekordmeister, der derzeit im Abstiegskampf steckt. Nach „Kicker“-Informationen bekommt der BVB doch eine Ablöse von 500.000 Euro für den 29-jährigen Innenverteidiger. Eine Summe, die natürlich dennoch daraufhin deutet, dass man Neven keine Steine in den Weg legen wollte.

So weit die harten Fakten. Doch weit kommt man mit denen in diesem Fall nicht. Es stimmt natürlich, dass Neven Subotic trotz seines kurzen Comebacks unter Peter Bosz den Schwarz-Gelben auf dem Platz nichts mehr geben konnte, was sie nicht schon hatten. Das Reinknien mit voller Identifikation reichte eben nicht. Aber es ist trotzdem ein Schlag, wenn ein Spieler mit genau diesen Merkmalen uns nun verlässt. Die Borussia muss sich fragen: Wie viele solche Menschen haben wir noch in unseren Reihen? Die sich auch abseits vom Platz derart engagieren – karitativ oder beim Feiern mit den Fans.

Der Weggang von Neven, der nach dem Köln-Intermezzo im letzten Frühjahr nun endgültig zu sein scheint, bedeutet aber noch mehr. Er markiert das endgültige Ende der Klopp-Ära, das endgültige Ende der Leichtigkeit und Andersartigkeit, die damit verbunden war. Natürlich ist der BVB nun schon seit mehreren Jahren ein fast normaler Topklub. Und hatte zuletzt mehr Krisen zu überstehen als viele andere. Aber manche Erinnerungen verbinden wir eben doch mit Personen und nicht nur mit dem abstrakten Verein.

Wer von den Verbliebenen der damaligen Zeit weckt denn noch ähnliche Emotionen bei den Fans wie Neven Subotic? Lukasz Piszczek oder Marcel Schmelzer? Nicht wirklich. Nuri Sahin oder Shinji Kagawa? Haben durch ihre Abschiede an Glanz verloren und den nach ihrer Rückkehr nicht wieder mitgebracht. Roman Weidenfeller? Ist wohl doch schon zu weit in seiner Karriere fortgeschritten.

Und welche der neuen Spieler können uns begeistern? Derzeit fallen mir drei ein. Zwei davon sind im Aufbautraining bzw. verletzt: Marco Reus und Maximilian Philipp. Der Dritte, Christian Pulisic, ist zum Glück (wieder) fit, aber liefert in dieser Spielzeit eben auch nicht jede Woche Topniveau.

Borussia Dortmund nach Neven Subotic muss sich daher seine eigene Story erst wieder erarbeiten. Den jetzigen Kader verbinden immer weniger gemeinsame Erinnerungen. Die, die da sind, verblassen. Alte Freundschaften wirken nach außen manchmal wie Seilschaften, die beim Aufbau einer neuen Identität für den BVB 2017/18 eher hinderlich sind. Derzeit schreiben die Schwarz-Gelben zwar Schlagzeilen, aber keine Geschichten, die eine längere Zeit überdauern. So wie die von Neven Subotic.

Erlöst Manuel Akanji die BVB-Defensive?

Ein paar Wochen waberten die Gerüchte schon durch die Medien, gestern wurde der Transfer vollzogen: Borussia Dortmund holt den 22-jährigen Innenverteidiger Manuel Akanji vom FC Basel. Nicht die erste Verpflichtung vom Schweizer Top-Klub, aber die teuerste. 18 Millionen Euro plus bis zu 3,5 Millionen Boni – so sind die Zeiten und Manchester United soll ja auch dran gewesen sein.

Akanji ist nicht umsonst Schweizer Nationalspieler. In einem ausführlichen Porträt unseres Neuzugangs für „Schwatzgelb.de“, das ich euch wärmstens empfehle, erklärt Oliver Zesiger, Researcher für die Football Manager-Spiele, Manuels Stärken und Schwächen. Um es hier nur kurz zusammenzufassen: Er ist groß (1,87 Meter), schnell, technisch stark, kann auch stark tacklen und präzise Pässe spielen. Und das nicht nur zum Nebenmann. Im Idealfall also der Mats Hummels, den wir seit 2016 vermissen.

Der, dem man ebenfalls zutraute, sich dorthin zu entwickeln, könnte die Borussia dagegen bald verlassen. Leider kommt Marc Bartra seit dem inzwischen aufgeklärten Busanschlag nicht mehr in Tritt und beschäftigt sich laut „Kicker“ mit einer Rückkehr nach Spanien. Und da auch fünf Innenverteidiger noch einer zu viel sind, könnte es ihm BVB-Legende Neven Subotic gleich tun. Er ist scheinbar bei St. Etienne im Gespräch. Beides Wechsel, die auf menschlicher Ebene weh tun würden.

Manuel Akanji ist jedoch zuzutrauen, beide sportlich zu ersetzen und zu übertreffen. Nur ist die Innenverteidigung eben nicht die einzige Baustelle der BVB-Defensive. In Sachen Außenverteidigung betreibt man in der Vereinsführung seit Jahren Realitätsverweigerung, um es mal deutlich zu sagen. Und im defensiven Mittelfeld kommt derzeit keiner der zur Auswahl stehenden Spieler an seine Topform ran. Trotzdem oder gerade deswegen: Willkommen Manuel Akanji!

Vom Trauma zum Traumstart

1:2 im Play-Off-Finale, danach noch den „Young Player of the Year“ und zuletzt den Finaltorschützen verloren – man könnte vermuten, dass der englische Viertligist Exeter City ein wenig länger für den Neuaufbau braucht. Ollie Watkins und David Wheeler, die beiden angesprochenen Spieler, gehörten zu den Säulen des Teams. Nun verdienen sie ihr Geld aber nicht mehr im Südwesten des Landes, sondern in der Metropole London, bei den Zweitligisten Brentford und Queens Park Rangers.

Der über einen Supporters Trust fangeführte Fußballklub aus Exeter ließ Spieler gehen und sich Zeit mit Neuverpflichtungen. Um es am „Transfer Deadline Day“ schließlich krachen zu lassen. Flügelspieler Wheeler ging, doch Trainer Paul Tisdale holte gleich vier Neue. Vom schottischen Erstligisten FC Aberdeen kam Angreifer Jayden Stockley für eine Rekordablösesumme. Um das ins Verhältnis zu setzen und obwohl die genaue Summe nicht bekanntgegeben wurde: Wir reden hier von sechsstelligen Beträgen.

Ein Spieler mit einigen Minuten Premier League-Erfahrung kam aus London von Crystal Palace: Hiram Boateng verstärkt das defensive Mittelfeld. Und ebenfalls aus der ersten Liga, von West Bromwich Albion, konnte Tisdale noch zwei Youngster auf Leihbasis loseisen: Rechtsverteidiger Kane Wilson und Offensivmann Kyle Edwards. Stockley ist mit 23 Jahren der Älteste des Quartetts. Weiterlesen „Vom Trauma zum Traumstart“

Der Haben-wollen-Transfer: Jadon Sancho kommt von Manchester City

Auch am letzten Tag der Transferperiode gingen die Aktivitäten bei Borussia Dortmund weiter. Doch es gab – außer Hendrik Bonmann – keine weiteren Abgänge mehr. Vielmehr haben die Schwarz-Gelben in letzter Minute noch Jadon Sancho von Manchester City geholt. Der 17-jährige englische Flügelspieler wurde bei der U17-EM in Kroatien zum Spieler des Turniers gewählt.

Der BVB zahlt laut Kicker sieben Millionen Euro an die Citizens, obwohl es hätte weniger sein können. Da Sancho in Manchester nur einen Ausbildungsvertrag hatte und diesen schon vor Wochen rechtmäßig kündigte, wäre über eine Entschädigung von einem Tribunal entschieden worden – dies hätte der Borussia aber zu lange gedauert.

Sancho gilt in England als großes Talent. Doch jetzt kommt das Aber: Nicht nur, dass wir Ähnliches auch von Emre Mor und Alexander Isak gehört haben. Jadon spielt auch noch auf einer Position – offensiv außen – die nun wirklich gut besetzt ist, spätestens seit Andriy Yarmolenkos Verpflichtung. Ob der Neuzugang da auf mehr Spielzeit kommt als etwa Mor – oder wenigstens genauso viel? Michael Zorcs Wortwahl deutet darauf hin, dass man Sancho langsam heranführen will und das dem Spieler auch dargelegt hat:

Wir sind überzeugt, dass wir diesem noch sehr jungen Spieler dabei helfen können, sein Spiel weiterzuentwickeln und mittelfristig eine echte Bereicherung für unser Team zu werden.

Fragt sich nur, wie lange Sancho Geduld haben wird. In Manchester sollte er zuletzt mit der zweiten Mannschaft trainieren – das ist in Dortmund ausdrücklich nicht vorgesehen. Doch trotz dieses ‚Fortschritts‘: Wie lange gibt sich ein junger Spieler damit zufrieden, vielleicht nicht mal im Spieltagskader zu stehen?

Was haben sich also die BVB-Verantwortlichen bei der Verpflichtung gedacht? Angeblich war man Jadon Sancho schon länger auf den Fersen. Auch der FC Bayern und Real Madrid sollen interessiert gewesen sein. Wollte man ihn nicht zu einem anderen Topklub gehen sehen? Wollte man den Ruf als Verein der Teenie-Stars nicht verlieren? Oder ist Sancho sogar ein wenig Spekulationsobjekt, da man ihn wohl selbst dann teurer verkaufen könnte, wenn er gar nicht für Schwarz-Gelb aufläuft? Was man sonst nur von BVB-Hassern hören würde, kommt einem in Tagen wie diesen gar nicht mehr so abwegig vor.

Sollte sich Jadon Sancho dagegen durchsetzen, werden andere Spieler nicht spielen. Wenn man mal von Einzelschicksalen weg aufs sehr große Ganze blickt, hat der BVB sein erklärtes Ziel, den Kader zu verkleinern, krachend verfehlt. Ja, man liegt mit 29 Mann knapp unter den 30. Aber angestrebt waren um die 25 und selbst das ist noch mehr als genug. Es wird viele Unzufriedene geben und natürlich auch höhere Ausgaben für Gehälter als eigentlich nötig. Der BVB passt sich in vielem dem Gebaren der ‚Superklubs‘ an und das ist ausgesprochen zweifelhaft.

Weiter geht’s: Toljan da, Passlack weg

Keine Atempause auf dem Transfermarkt: Schon seit einigen Tagen wurde über eine Art Tauschgeschäft mit der TSG Hoffenheim spekuliert, das Jeremy Toljan und Felix Passlack betreffen sollte. Kurzzeitig schien der Deal wegen des geplatzten Verkaufs von Erik Durm an den VfB Stuttgart in Frage zu stehen. Gestern verdichteten sich wie berichtet die Erkenntnisse, dass er doch bevorsteht. Heute Vormittag war es so weit.

Der BVB holt also den U21-Europameister und beidseitigen Außenverteidiger Jeremy Toljan (23) aus Sinsheim. Er erhält einen Fünfjahresvertrag. Im Gegenzug wird der U19-Nationalspieler und beidseitige Außenverteidiger Felix Passlack ohne Kaufoption für zwei Jahre an die TSG verliehen. Die Borussia lässt sich Toljan laut Kicker sieben Millionen Euro plus Boni kosten.

Das macht nur Sinn, wenn Michael Zorc, Aki Watzke und Peter Bosz Jeremy Toljan nicht nur für den derzeit besseren Außenverteidiger halten, sondern der Trainer auch vor hat, ihn einzusetzen. Denn Toljans Vertrag wäre nächsten Sommer ausgelaufen; er hätte dann ablösefrei zum BVB wechseln können. Das heißt im Idealfall: Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek haben sich ab sofort echter Konkurrenz zu stellen. Dan-Axel Zagadou hat auch schon gezeigt, dass er die Position ordentlich spielen kann.

Ob sich Toljan dauerhaft gegen einen der beiden Platzhirsche durchsetzen kann, ist eine andere Frage. In knapp vier Jahren seit seinem Bundesligadebüt für die TSG kam er dort auf 56 Einsätze. In der aktuellen Saison hat er allerdings die kompletten 180 Minuten absolviert. Was man mit großer Wahrscheinlichkeit sagen kann: Jeremy Toljan hat noch mehr Entwicklungspotenzial als Schmelle und Piszczu. Die wohl größte Baustelle der Borussia scheint endlich ernsthaft angepackt zu werden.

Felix Passlack könnte nach zwei Jahren zum BVB zurückkehren. Dafür steht ein Anderer, der wirklich ein schwarz-gelbes Herz hat, vor einem Wechsel zum prominenten Regionalligisten 1860 München. Torwart Hendrik Bonmann sagte Schwatzgelb.de: „Mein größter Traum ist und bleibt Borussia Dortmund.“ Doch schon zum Zeitpunkt des Interviews im April war klar, dass es Bonmann in der ersten Mannschaft wie in der U23 trotz guter Leistungen schwer haben würde. Die Ersatzbank im Westfalenstadion ist schließlich ein weiteres Jahr mit Roman Weidenfeller besetzt. Und im Kader der U23 gehen die Plätze für ältere Spieler aus. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Rückkehr als Nummer Eins oder Zwei.