Manni der Libero geht

Es ist die Nachricht, die ich niemals hören wollte und die mich trotz aller Abhärtung gegen die Zumutungen des modernen Fußballs traurig macht: Sven „Manni“ Bender verlässt Borussia Dortmund und wechselt mit sofortiger Wirkung zu Bayer Leverkusen. Dort spielt er künftig neben seinem Zwillingsbruder Lars und unter Ex-Borusse Heiko Herrlich.

Für mich stirbt damit ein Stück weit jener BVB, der mir und sicher vielen anderen Fans in den letzten Jahrzehnten die meiste Freude bereitet hat: die Klopp-Borussia der Meisterjahre. Bei allem Respekt: der spielerisch limitierte Marcel Schmelzer, der Rückkehrer Nuri Sahin und der spätgekommene Marco Reus können ihn in Sachen Identifikation nicht ersetzen. Sven Bender war, obwohl er natürlich keinen klassischen Libero gespielt hat, auf den Positionen zu Hause, wo es weh tun kann und wo man sich immer voll reinhauen muss. Ersteres hat er zu spüren bekommen, Letzteres hat er gemacht.

Nun hat sich Manni entschieden, dorthin zu gehen, wo er sich mehr Einsatzzeiten erhofft. Ob sich die Hoffnung erfüllt? Mal abwarten. Ich glaube Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke, dass sie Bender halten wollten. Es ist nachvollziehbar, dass der neue Trainer Peter Bosz für einen verletzungsanfälligen 28-Jährigen, der zuletzt wenig gespielt hat, nicht das Gleiche empfindet wie die meisten Fans. Letztlich ist Manni auch ein Opfer des großen Kaders geworden, zu dem es die Verantwortlichen haben kommen lassen.

Klar: Aus den bisherigen Absätzen spricht mehr das Gefühl als der rationale Verstand. Rein finanziell gibt es an dem Transfer nichts zu meckern: 15 Millionen Euro wären eine angemessene Summe – zumindest innerhalb der Branche, über die wir reden. Aber dem BVB wird ein Teil seines Herzens fehlen, denn – und jetzt wird’s erst richtig plakativ – wer hatte denn ein Kämpferherz wie Manni? Da fällt einem allenfalls noch der Papa ein.

Aus Mannis Perspektive ist der Wechselwunsch verständlich, die Prioritäten klar:

Es ging mir schon als kleiner Junge immer nur darum, auf dem Platz zu stehen.

Ich wünsche ihm, dass er das künftig häufiger kann und darf. Nur vielleicht nicht gerade gegen Schwarz-Gelb. Uns wird Sven Bender fehlen. Da muss man nur die jüngste Erinnerung hervorkramen, die allen BVB-Fans schnell präsent sein dürfte: Manni, der Pokalheld von München, der das sichere Gegentor verhindert.

Tatort Hafenstraße und was sonst noch geschah

Borussia Dortmund hat sich an der Essener Hafenstraße blamiert – so legen es die Schlagzeilen der Sportseiten heute nahe. 2:3 gegen den Regionalligisten RWE im ersten Spiel unter Peter Bosz: Das hätte man sich tatsächlich schöner vorstellen können. Nun habe ich die Partie nicht gesehen, aber das Ergebnis spricht selbstredend dafür, dass der BVB enttäuscht hat – und der Trainer gab das unumwunden zu.

Die Schwarz-Gelben sind peinliche Testspiel-Pleiten nicht mehr gewohnt – genauso wenig wie peinliche Pokalpleiten. Was ist wohl schlimmer? Abgesehen davon, dass das erste Vorbereitungsspiel wohl immer die geringste Aussagekraft hat, fehlten der Borussia noch einige Spieler und Peter Bosz lässt wie zu erwarten sein präferiertes System einüben. Das 4-3-3 stellt eine größere Umstellung gegenüber der zuletzt unter Thomas Tuchel meistens praktizierten Dreierkette mit massivem Mittelfeld davor dar. Eine weitere Erklärung könnte womöglich ausgerechnet die neue Leichtigkeit unter Bosz sein, die im ersten Spiel vielleicht etwas zu weit um sich gegriffen hat. Sowas sollte sich sicher abstellen lassen.

Mehr Sorgen macht mir da die Transferpolitik – oder präziser formuliert die Personalsituation. Es ist ja sicher nicht so, dass sich Michael Zorc, Aki Watzke und Peter Bosz Angeboten für etwa Sebastian Rode oder Joo-Ho Park verschließen würden. Nur haben wir von solchen noch nichts gehört. Das kann dreierlei bedeuten: Es gibt tatsächlich keine Angebote. Oder die Verantwortlichen haben die Geheimhaltung optimiert. Oder aber entsprechende Gerüchte interessieren die Presse nicht so wie beispielsweise Aubas China Connection – es geht ja nicht gerade um unsere Kronjuwelen.

Die Vergangenheit lehrt uns, dass Möglichkeit 1 nicht unwahrscheinlich ist. Einen Riesenkader gilt es aber unbedingt zu vermeiden. Dass jetzt jedoch Dzenis Burnic leihweise zum VfB Stuttgart geht und Felix Passlack vermutlich nur bleibt, weil sich Raphael Guerreiro doch den Knöchel gebrochen hat, hinterlässt auch kein gutes Gefühl.

Einer meiner Wechselkandidaten wäre ja André Schürrle, unser Rekordeinkauf. Der hat sich nun ausgerechnet über Thomas Tuchel kritisch geäußert, als dessen Spezi und Wunschspieler er doch galt. Nun kann entweder das übertrieben dargestellt gewesen sein oder sich Schürrles Meinung eilig geändert haben. Abgesehen davon, dass es nie eine gute Entscheidung ist, der SportBild ein Interview zu geben: Dass Tuchel ihn nach den Leistungen der letzten Saison nicht zum Stammspieler gemacht hat, ist absolut nachvollziehbar. Bei diesem Transfer hatten wohl alle beteiligten Dortmunder vor allem das Prädikat „Nationalspieler“ vor Augen.

Done Deal

Der nette Junge geht nach Gladbach

Matthias Ginter verlässt Dortmund und schließt sich der Borussia vom Niederrhein an. Über einen Weggang des 23-jährigen Nationalspielers war in diesem Sommer nicht zum ersten Mal spekuliert worden. Aus Vereinskreisen hieß es dann stets, Ginter genieße hohe Wertschätzung, obwohl er kein absoluter Stammspieler war. Aber er war der nette Junge mit BVB-Sympathien, den man auf verschiedenen Positionen einsetzen konnte, der die Junioren-Nationalteams durchlaufen hatte und zuletzt auch beim Confed Cup in vier von fünf Partien in der Startelf stand.

Man muss diese Dinge ins Verhältnis setzen, gewichten. Als Junioren-Nationalspieler hat Ginter seine mehrjährige Profierfahrung genutzt. Wenn er ins A-Team von Joachim Löw für die WM in Russland berufen werden sollte, dann wohl nicht als erste Wahl für die Startelf.

Ich mag nette Spieler, die es einem leicht machen, den eigenen Verein zu mögen. Deswegen hoffe ich inständig, dass Sven Bender in Dortmund bleibt, bei dem noch unbändiges Engagement dazu kommt. Matthias Ginter war sympathisch, aber seine Leistungen waren nicht über jeden Zweifel erhaben. Seine stärkste Halbserie war die erste unter Thomas Tuchel, als er Lukasz Piszczek rechts hinten temporär ersetzte bzw. verdrängte. Die Auftritte als Innenverteidiger oder in einer Dreierkette waren weit weniger überzeugend, obwohl Ersteres seine erklärte Lieblingsposition ist. Weiterlesen →

Maximilian Philipp quetscht sich ins offensive Mittelfeld

Borussia Dortmund hat sich die Dienste eines 23-jährigen deutschen U21-Nationalspielers gesichert: Maximilian Philipp kommt vom SC Freiburg und unterschreibt einen Vertrag bis 2022. Seine Qualitäten?

Er ist im offensiven Mittelfeld vielseitig einsetzbar, abschlussstark und hat eine glänzende Perspektive.

Das ist der O-Ton von Sportdirektor Michael Zorc zum Transfer. So weit, so gut. Für sich genommen ist das eine Top-Verpflichtung. Der Berliner Philipp reifte in seiner Zeit in Freiburg zum gestandenen Profi, dem jetzt der nächste Schritt zuzutrauen ist.

Reden wir über das, worüber Zorc und der Verein nicht sprechen. Zunächst die Ablöse: Laut Kicker beträgt sie 20 Millionen Euro, wobei unklar bleibt, ob das ein Sockelbetrag ist oder die maximal zu erzielende Summe nach erfolgsabhängigen Aufschlägen. Für den SC Freiburg ist es in jedem Fall der Rekordtransfer, der die nicht in Abrede zu stellende Schwächung des Teams hoffentlich abmildern kann. Maximilian Philipp hält das für ihn gezahlte Geld sogar für übertrieben. Für den BVB ist es ein beträchtlicher Betrag, den sich der Klub aber natürlich leisten kann, zumal ja leider bald noch ein großer Abgang anstehen dürfte.

Schwieriger wird die Geschichte, wenn man bedenkt, dass die Borussia letztlich 20 Millionen in einen Stand-in für Marco Reus investiert. Natürlich muss man für alle Eventualitäten planen; auch dafür, dass Marco in der kommenden Saison möglicherweise erst spät eingreifen kann. Aber stehen für die drei Positionen im offensiven Mittelfeld nicht jetzt schon mehr als genug Alternativen im Kader? Das sollte man zumindest meinen, wenn man das Talent oder die gezahlten Ablösesummen dieser Spieler betrachtet: Ousmane Dembelé, Christian Pulisic, Marco und Shinji, Emre Mor, André Schürrle und Mario Götze. Sieben Mann ohne Philipp und ohne Nachwuchskräfte, die vielleicht auch mal einen Einsatz verdient hätten.

Mir fehlt da ein wenig Problembewusstsein. Beim Verein und auch bei manchen Fans. Neuverpflichtungen werden bejubelt, aber es wird kaum darüber nachgedacht, ob wir noch einen ausgewogenen Kader haben. Oft ist es deutlich schwerer, Spieler loszuwerden als sie zu verpflichten. Die Konsequenz aus dem an sich zu begrüßenden Philipp-Transfer müsste sein, dass jene Akteure, die enttäuscht haben, gehen. Etwa André Schürrle oder Emre Mor, den man im Idealfall verleihen würde. Doch vor allem bei Ersterem dürfte ein Abgang kompliziert werden.

Wie es bisher aussieht, werden auch in diesem Jahr manche Bereiche (Mittelfeld, Innenverteidigung) übervoll besetzt, andere stiefmütterlich behandelt. Ein BVB-Verantwortlicher, es könnte Michael Zorc, aber auch Jürgen Klopp gewesen sein, äußerte einmal, dass man speziell in der Außenverteidigung dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben wolle. Das hat nur bedingt geklappt. De facto ist es einfach so, dass dort eine der größten Schwachstellen der Schwarz-Gelben liegt. Marcel Schmelzer etwa ist ein solider Spieler, aber das Standing, das er im Verein und bei einem Teil der Fans genießt, korrespondiert eher mit seiner Vereinstreue als mit seinen Leistungen. Er ist nicht schlecht, aber es ginge eben besser. Das Mindeste wäre ein ernstzunehmender Konkurrent. Denn der Offensivstil, den Peter Bosz spielen möchte, verlangt einfach nach starken Außenverteidigern.

Innenverteidiger 6 Trainer 0

Während das heitere Trainerraten in den Medien in vollem Gange ist, hat Borussia Dortmund laut Kicker erst mal einen weiteren Innenverteidiger verpflichtet. Dan-Axel Zagadou kommt ablösefrei aus der zweiten Mannschaft von Paris St. Germain. Heute feiert der 1,93 Meter große Franzose seinen 18. Geburtstag. Nebenher ist er übrigens Kapitän der U18-Nationalmannschaft Frankreichs. Er gilt als stark in der Abwehr, beim Kopfball, aber auch in der Spieleröffnung.

Das hört sich alles vielversprechend an, zumal wir ja schon mindestens zwei aus Frankreich kommende Spieler in unseren Reihen haben. Zagadou ist Stand jetzt allerdings schon der sechste Innenverteidiger für die nächste Saison, wenn man Sven Bender mitzählt. Nun wird allenthalben spekuliert, dass Matthias Ginter wechseln könnte, etwa nach Hoffenheim. Dennoch wird der Konkurrenzdruck in der Abwehrzentrale hoch sein. Es sei denn, die Vereinsführung weiß etwas, was sonst noch niemand weiß. Perspektivisch und für sich genommen macht der Wechsel natürlich absolut Sinn. Nun wird es aber Zeit, sich mal um die Außenpositionen in der Defensive zu kümmern.

Doch natürlich bleibt die spannendste Frage, wer Thomas Tuchel nachfolgt. Lucien Favre, der von Kicker, Bild und anderen schon beinahe in Dortmund gesehen wurde, war unpässlich. OGC Nizza hat seinem Übungsleiter die Freigabe verweigert. Das ist ihr gutes Recht und ich bin erleichtert. Die neuen Favoriten des Kicker: Peter Stöger und Peter Bosz. Die L’Equipe hatte noch Giovanni van Bronckhorst ins Rennen geschickt, was laut Kicker jeder Grundlage entbehrt. Aktueller Stand, nachdem Stöger wenig Neigung zeigt, aus Köln wegzugehen: Man ist in Gesprächen mit Peter Bosz. Er sei nun Favorit, schreiben unter anderem die Welt und der Kicker. Nicht zu vergessen allerdings: Bosz ist erst ein Jahr bei Ajax und hatte bisher nicht zu erkennen gegeben, schon wieder wechseln zu wollen. Der Kicker kann jetzt nur hoffen, dass sich Bosz noch eines Besseren besinnt.

Noch ein paar letzte Gedanken zu unserem Ex: Ich frage mich nach wie vor, ob man die Differenzen nicht im Gespräch hätte ausräumen können. Meinetwegen an einem großen runden Tisch mit allen Beteiligten. Doch man darf auch nicht die Hinweise übersehen, dass es mit Tuchel wirklich schwierig war. Ein Indiz dafür ist sein Ende beim BVB: Da eröffnet er am Morgen des „Bilanzgesprächs“ noch einen Twitter-Account, um als Erster seine Entlassung zu verkünden. Das ist einerseits infantil, andererseits das Verhalten eines Kontrollfreaks. Mal sehen, wie es mit Thomas Tuchel weitergeht.

BVB verstärkt volles Mittelfeld mit Mahmoud Dahoud

Das Derby-Warm-up wurde heute durch eine Vollzugsmeldung unterbrochen: Mahmoud Dahoud wechselt im Sommer von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund und unterschreibt einen Vertrag bis 2022. Dabei hatte die Bild heute noch berichtet, der FC Liverpool sei ins Rennen um den 21-jährigen U21-Nationalspieler eingestiegen. Die Initiative zur Bekanntgabe des Transfers scheint von Gladbach und dessen Noch-Sportdirektor Max Eberl ausgegangen zu sein. Kein Wunder, bei dieser Gerüchtedichte.

Heiß begehrt war Dahoud wohl tatsächlich. Ohne Zweifel bekommt der BVB für nach Kicker-Informationen 12 Millionen Euro einen zentralen Mittelfeldspieler mit viel Potenzial. Die Summe soll einer bestehenden Ausstiegsklausel in Dahouds Vertrag mit Gladbach entsprechen. Der Neuzugang könnte in der kommenden Saison neben oder etwas vor Julian Weigl agieren. Ohne Zweifel hat Mahmoud aber auch noch Probleme mit der Konstanz. So war die Hinserie beim VfL eher durchwachsen – natürlich nicht nur bei ihm. 2017 läuft es wieder besser und so darf es ab Juli weitergehen.

Man kann den BVB-Verantwortlichen zu einem gelungenen Transfer gratulieren, der dank Klausel wirklich „value for money“ verspricht. Gleichzeitig stellen sich Fragen nach der Transferpolitik allgemein. Ein weiterer Spieler fürs Mittelfeld, wo die Kaderdichte ohnehin sehr hoch ist – macht das Sinn? Das wird davon abhängen, ob es gelingt, den Kader an anderer Stelle zu reduzieren.

Im Netz werden nun schon wieder Streichlisten diskutiert. Dabei vergessen die Autoren gerne, dass es sich zum einen um Menschen mit Emotionen und eigenem Willen handelt, die teilweise viel für die Borussia geleistet haben. Zum anderen verkaufen sich Spieler von der Ersatzbank oder der Tribüne nicht so einfach wie gehypte Jungstars. Schon letztes Jahr gelang es Michael Zorc und Aki Watzke nicht, für alle ‚Überzähligen‘ Abnehmer zu finden. Meine persönliche Meinung: Zumindest Gonzalo Castro und Sven ‚Manni‘ Bender gehören in den Kader. Andere, auf die man vielleicht sportlich verzichten könnte, würden bei einem Abgang zum finanziellen Verlustgeschäft.

Was Topraks Wechsel für den BVB bedeuten könnte

Wollen wir das mal nicht vergessen: Ömer Toprak wechselt nun definitiv im Sommer von Bayer Leverkusen zu Borussia Dortmund. Die Schwarz-Gelben zahlen gemäß der Ausstiegsklausel im Vertrag des 27-jährigen Innenverteidigers 12 Millionen Euro an den Werksverein. Toprak bekommt einen Vertrag bis 2021. Michael Zorc schätzt die Qualitäten des türkischen Nationalspielers so ein:

Ömer Toprak ist ein starker, international erfahrener Innenverteidiger mit hoher Führungsqualität.

Betrachtet man die aktuelle Transferpolitik der Borussia, fällt Toprak in die Kategorie „gestandener, bekannter Spieler“ – nicht ganz vom Format Mario Götzes oder André Schürrles, aber mit größerem Standing als Sebastian Rode, auch wenn der von Bayern kam. Gemeinsam haben die drei Letztgenannten, dass sie derzeit beim BVB keine Stammspieler sind.

Die andere Transfer-Kategorie ist jene, für die Borussia Dortmund renommiert ist: junge, entwicklungsfähige Spieler mit großem Potenzial. Gerade wurde Alexander Isak verpflichtet, mit Ousmane Dembelé hat man einen Volltreffer gelandet. Marc Bartra spielt relativ regelmäßig. Mit Emre Mor und Mikel Merino gibt es jedoch auch zwei letztes Jahr geholte Talente, die bisher nur selten in der Startelf standen.

Dennoch scheint der BVB – Stand jetzt – mit den jungen Leuten mehr Erfolg zu haben als mit Rückholaktionen und großen Namen, deren große Zeiten schon etwas zurückliegen. Natürlich sollten wir Götze, Schürrle, Rode, Sahin oder Kagawa noch nicht abschreiben, aber im Hintergrundgespräch würde vielleicht auch Aki Watzke zugeben, dass man sich von ihnen mehr versprochen hätte.

Und nun also Ömer Toprak. Ein Fall mit zwei Seiten. Ja, die Abwehr hat mit Bartra oder Ginter neben Sokratis nicht immer einwandfrei funktioniert. Sven Bender war häufig verletzt. Andererseits sind das nach allem was man hört menschlich gute Typen, die auch der Mannschaft gut tun. Nicht, dass das bei Toprak anders sein muss. Aber der „erfahrene Innenverteidiger“ hat in der bisherigen Saison auch nur eine recht durchschnittliche Durchschnittsnote vom Kicker bekommen: 3,43. Vielleicht wird er uns weiterbringen. Vielleicht verdrängt er auch nur junge oder sympathische Spieler. Außer Abwarten hilft da nix!

Zlatan kommt nicht, aber sein Nachfolger

Zuerst bestätigte es der bisherige Mitspieler Dickson Etuhu, indem er ein Foto von der Vertragsunterzeichnung auf Instagram postete: Alexander Isak wechselt vom schwedischen Erstligisten AIK Solna zum BVB! Intensive Beobachter des europäischen Spielermarkts werden den 17-Jährigen kennen, allen anderen sei gesagt: Da kommt der neue Zlatan Ibrahimovic nach Dortmund. Real wollte ihn, angeblich auch PSG und der FC Bayern, doch am Schönsten ist es immer noch im Pott.

Soweit die mediale Begleitung dieses Transfers, der noch genauso wenig endgültig vollzogen ist wie der Wechsel von Adrian Ramos nach China/Spanien. Dessen ‚Ersatzmann‘ soll Isak werden – aber natürlich erhoffen sich die BVB-Verantwortlichen noch mehr von ihm. Zunächst mal steht noch die Erlaubnis von der FIFA aus, die bei Transfers von minderjährigen Spielern erforderlich ist. Nach Angaben der Borussia spricht nichts dagegen, dass der Weltverband zustimmt. Wofür ihn die Schwarz-Gelben holen möchten, ist klar: In der abgelaufenen Spielzeit in Schweden traf der 1,90-Meter-Mann zehnmal in 24 Partien. Außerdem ist er jüngster Torschütze aller Zeiten in der schwedischen Nationalmannschaft. Ob er perspektivisch einmal die Nachfolge von Pierre-Emerick Aubameyang antreten kann, werden wir vielleicht nicht sofort erfahren, aber freuen wir uns auf erste Hinweise in der Rückserie!

Unterdessen hat ein weiterer junger Hoffnungsträger beim BVB verlängert: Christian Pulisic bleibt nun laut Vertrag bis 2020. Das war so während des größeren Umbruchs im Sommer noch nicht absehbar und auch Christian machte sich wohl seine Gedanken. Doch wer ihn zuletzt auf dem Flügel wirbeln gesehen hat – und es mit den Schwarz-Gelben hält – kann sich nur freuen, dass sich die Vorzeichen gedreht haben und der US-Nationalspieler uns noch länger erhalten bleibt.

Zu guter Letzt: Isak und Pulisic könnten im BVB-Kader schon am nächsten Wochenende wieder auf den schon erwähnten Pierre-Emerick Aubameyang stoßen. Der ist mit Gastgeber Gabun aus dem Afrika-Cup ausgeschieden, nach drei Unentschieden. Allzu fröhlich dürfte er in den nächsten Tagen allerdings nicht drauf sein, vergab er doch im entscheidenden Spiel gegen Kamerun zwei Meter vom  leeren Tor entfernt.

Was anschließend geschah

Für alle, die ebenfalls im Urlaub waren: eine kurze Rekapitulation, was in der schwarz-gelben Welt zuletzt passiert ist.

1. Moritz Leitner ist weg. Dass es Abgänge geben würde, war klar. Regelmäßige Leser dieses Blogs ahnen, dass mich dieser Abschied wenig schmerzt. Leitner hat im schwarz-gelben Trikot weder vor noch nach seiner Ausleihe jene Konstanz zeigen können, die er auf diesem Niveau benötigt. Das hat dann auch etwas mit fehlender Klasse zu tun. Angesichts der illustren Namen im Kader war er auf meiner Liste der erste, der gehen durfte. Viel Erfolg bei Lazio!

2. Fast schon zu souverän gegen Trier gewonnen. Reden wir nicht drum herum: Es war einseitig im Moselstadion. Der übertragenden ARD und neutralen Zuschauern vermutlich zu sehr. Nachdem die Borussia in der ersten Halbzeit die Drei-Tore-Führung hergestellt hatte, verlegte man sich später aufs Auslassen von Chancen und wurde inkonseqenter. Aus der Innenperspektive gefielen zumindest drei Aspekte: Shinji Kagawa weiß, was die Stunde geschlagen hat und kämpft um seine Startelfchance. André Schürrle zeigt ordentliche Frühform und kann erwartungsgemäß gut mit Tuchel. Richtig begeistert hat gegen später dann aber vor allem Emre Mor. Was für ein Dribbler!

3. Wieder Real in der Champions League. Kein einfaches Los ergab die heutige Auslosung der CL-Gruppenphase. Über Real brauchen wir nicht reden; ein Leckerbissen ist es immer wieder. Sporting sollte man bloß nicht unterschätzen. Legia Warschau sollte man dann doch schlagen – noch ist der polnische Vereinsfußball nicht auf dem Niveau des Nationalteams. Diese Gruppenphase wird kein Selbstläufer – aber fragt mal die andere Borussia!

Dortmund verpflichtet Schürrle, doch noch zaubern andere

Nun sind die ziemlich besten Freunde vereint: Nach Mario Götze hat Borussia Dortmund wie erwartet auch André Schürrle verpflichtet. Der 25-jährige Nationalspieler kommt für rund 30 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg und unterschreibt einen Vertrag bis 2021. Schürrle wird damit zum Rekordtransfer des BVB und muss allein schon deshalb erst mal die Fans überzeugen.

Eine Offensivreihe mit Reus, Götze und Schürrle in Bestform lässt einiges erwarten, keine Frage. Es bleibt nur zu hoffen, dass die anderen, teilweise jüngeren Spieler eine faire Chance bekommen. Auch ohne die drei Genannten machten die Schwarz-Gelben heute beim Champions Cup in Shanghai gegen Manchester United (4:1) viel Spaß. Aubameyang zeigte sich in Spiellaune und könnte mit Ousmane Dembélé ein tolles Offensiv-Duo bilden. Letzterer zeigte beim schönen 3:0 Dribbel- und Schussqualitäten.

Gar zwei Tore gelangen Gonzalo Castro: ein Abstauber in der ersten Hälfte und ein Traumschuss aus rund 18 Metern von halbrechts ins lange Eck einige Minuten vor Schluss. Gerade Castro hätte mMn mehr Startelfeinsätze verdient und könnte einer der Leidtragenden der ambitionierten Transferpolitik werden.

Um eins klar zu sagen: Auftritte wie der in Shanghai, und sei es nur ein Testspiel, machen Lust auf die neue BVB-Saison. Andererseits müssen zuvor die Vereinsverantwortlichen noch beweisen, dass sie den Kader auch schlanker machen können. Dabei sind Entschlossenheit und Fairness gefragt. Vor allem aber ist man auf Angebote angewiesen – keine einfache Aufgabe.