Auba ist noch da

Es ist diese Zeit des Jahres, in der wenig Substanzielles im Vereinsfußball passiert. Die ersten Transfers wurden getätigt, meist schon im Frühjahr oder um das Saisonende herum. Weitere lassen auf sich warten, häufig bis Juli oder sogar bis in die heiße Phase des Transferfensters in der zweiten Augusthälfte. Der neue BVB-Trainer Peter Bosz etwa weilte im Urlaub, auch wenn er regelmäßig mit Michael Zorc kommunizierte.

Natürlich müssen aber viele Zeilen und Spalten gefüllt werden, online wie offline. Deswegen ist der Juni vielleicht der Monat der wildesten Transferspekulationen. Bezogen auf die Schwarz-Gelben ist derzeit Ousmane Dembelé das Lieblingskind der Medien. Der kam, wir erinnern uns, erst letzten Sommer nach Dortmund. Doch nun soll er von diversen Topklubs umworben sein, darunter neuerdings auch der FC Bayern. Und der BVB soll sogar schon einen Nachfolger aus Portugal im Auge haben.

Das Thema „Glaubwürdigkeit von Transfergerüchten“ ist nicht neu und aufgeklärte Fußballfans sollten mit den Quellen umgehen können. Doch manchmal scheint es selbst die Vernünftigsten mitzureißen. So hatten sich ja schon fast alle auf Lucien Favre als neuen BVB-Trainer eingestellt. Doch selbst mit Favre persönlich soll längst nicht alles klar gewesen sein, wird nun berichtet. Das gleiche Spiel bei Pierre-Emerick Aubameyang: Erste Medien meldeten seinen Wechsel zu PSG schon als fix – derzeit scheint unser Torschützenkönig davon weit entfernt. Dafür sollen die Pariser nun an Raphael Guerreiro interessiert sein.

Das oder die ganzen Dembelé-Geschichten mögen manche spannend finden. Oder man verbucht es unter harmloser Sommer-Unterhaltung. Mich langweilen die Storys mittlerweile. Das geht mir übrigens auch so, wenn es um die Spieler X, Y und Z geht, mit denen der BVB in Verbindung gebracht wird. Nicht zuletzt deshalb, weil man eigentlich zuerst die Spieler U, V und W loswerden müsste.

Man kann es auch noch schwärzer sehen: Dann ist die ganze weitgehend fiktive Gerüchteküche nur ein Symptom der hohl drehenden Fußballbranche, der es zunehmend an Substanz und Werten mangelt.

The beautiful game: BVB gewinnt wieder Endspiel gegen Bremen

1. Bundesliga, 34. Spieltag / BVB 4 Werder Bremen 3

Vor 15 Jahren holte sich Borussia Dortmund am letzten Spieltag gegen Werder Bremen nach Rückstand noch die deutsche Meisterschaft. Gestern ging es ’nur‘ um die Champions League-Teilnahme, doch die Partie überbot die von 2002 noch an Spektakel. Das lag am unbedingten Willen, an der Offensivstärke und an gravierenden defensiven Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten.

Drei Gedanken zum Spiel

Fangen wir mit dem Negativen an: Die Abwehr hat kein Spitzenniveau. Natürlich traf man auf Bremer Seite in Max Kruse auch auf jemanden, der zurzeit auf Topniveau spielt. Doch die eklatante Anfälligkeit bei Kontern – natürlich Mittel der Wahl von Werder – darf so nicht sein. Da mangelte es am Positionsspiel und in der Folge an der Fähigkeit, eine Abseitsfalle zu stellen. Natürlich findet man in fast jedem Spiel auch Entschuldigungen. So fiel Marcel Schmelzer kurzfristig aus und wurde durch den gefeierten Rückkehrer Marc Bartra ersetzt. Der musste gleich Dreierkette spielen, fand sich aber immerhin nach und nach besser zurecht. Anstelle von Julian Weigl spielte wie erwartet Nuri Sahin, konnte aber nicht vollständig überzeugen.

Mehr und mehr gelangt man also zur Erkenntnis: Ja, die Viererkette hat personelle Verstärkung nötig. Aber nicht nur in der Innenverteidigung. Und vielleicht muss man taktisch auch etwas vorsichtiger agieren. Weiterlesen →

Die Dilemmas des BVB

Kann doch nicht so schlimm sein, oder? Wollen wir wirklich von Problemen reden, nachdem Borussia Dortmund Testspiele gegen PSV Eindhoven und Standard Lüttich mit 4:1 respektive 3:0 gewonnen hat? Noch dazu ohne Pierre-Emerick Aubameyang. Womit wir beim ersten Thema wären, dass den BVB medial im neuen Jahr begleitet. Die beiden Partien während des Trainingslagers in Spanien waren natürlich NUR Vorbereitungsspiele und Auba wird auch zum Rückserienauftakt noch fehlen. Schließlich spielt er mit Gabun den Afrika-Cup.

Man muss die Winterloch-Spekulationen über Mega-Angebote aus China nicht ernst nehmen. Wichtiger ist die Frage: Wie stellt sich die Borussia im Sturm auf, wenn Aubameyang nicht da oder gar verletzt ist? Dass mir jetzt niemand von Götze als falscher 9 anfängt. Standardmäßiger Ersatz für unsere Nummer 17 ist Adrian Ramos. Doch genau diese Rolle behagt dem Kolumbianer nicht mehr und man kann das ein Stück weit nachvollziehen. Die China-Gerüchte um ihn scheinen deutlich plausibler zu sein.

So könnte es also sein, dass die Schwarz-Gelben Ende des Monats vorübergehend ohne zwei Stürmer da stehen. Das wäre kein Weltuntergang, denn natürlich kann Ousmane Dembélé Mittelstürmer spielen und auch Marco Reus ist torgefährlich. Bleibt zu hoffen, dass beide sich schnell von ihren Wehwehchen erholen. Trotzdem müsste Ramos perspektivisch ersetzt werden – ob noch im Januar oder im Sommer. Der Idealfall wäre eine Perspektivlösung, die Erfolg innerhalb eines Jahres verspricht, ohne sofort einschlagen zu müssen. Also mal wieder der Spieler kurz vor dem großen Sprung, den alle Vereine der 1B-Kategorie suchen. Schön wäre es, zumindest gelegentlich wieder mal einen Angreifer aus dem eigenen Nachwuchs zu sehen.

Erst heute ist ein Thema wieder aufgepoppt, das noch kontroverser diskutiert werden dürfte. Ömer Toprak hat im Trainingslager von Bayer Leverkusen bestätigt, dass er den Verein am Saisonende verlassen möchte. In seinem Vertrag gibt es eine Ausstiegsklausel über 12 Millionen Euro. Der Kicker will wissen, dass der 27-jährige Innenverteidiger nach Dortmund kommt. Hans-Joachim Watzke hat das letzten Sommer ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Doch aktuell gibt es dazu keine Äußerungen vom Verein oder vom Spieler.

Sicher ist der Wechsel aber nicht so unwahrscheinlich, dass er nicht zu diskutieren wäre. Er hätte mehr als einen Hauch von Halbherzigkeit an sich. Will man Bartra als Hummels-Nachfolger aufbauen, Bender als tollen Typen weiter in der Mannschaft haben und Ginter nicht verlieren, macht der Toprak-Transfer wenig Sinn. Nur wer knallhart sagt, dass diese drei nicht mit dem türkischen Nationalspieler mithalten können – eine gewagte Behauptung – vertritt eine nachvollziehbare Linie.

Klaus, Susi, Aki und die Kuba-Frage

Bei Mario Götze mag das alles etwas komplizierter gewesen sein. Im Fall Jakub „Kuba“ Blaszczykowski kommen nicht nur Verschwörungstheoretiker auf die Idee, dass hier zwei Transfers miteinander verknüpft werden sollen. Der Kicker meldete gestern Abend, dass der Wechsel von Kuba zum VfL Wolfsburg perfekt sei. Für 5 Millionen Euro soll der polnische Nationalspieler zum Ligakonkurrenten wechseln. Bekanntlich ist es gerade mal  zehn Tage her, dass André Schürrle für 30 Millionen den umgekehrten Weg gegangen ist.

Im Gegensatz zu manchem Fan, der sich noch nicht so recht mit dem Ende der Klopp-Ära anfreunden mag, halte ich den ‚Tausch‘ für sportlich allemal sinnvoll. Kuba ist nicht mehr der spritzige, dribbelstarke Außenbahnspieler aus seinen besten BVB-Zeiten. Dass Schürrle unter Tuchel wieder zu einem solchen wird, ist lediglich ein Versprechen, aber eines, das nicht unglaubwürdig klingt.

Selbstverständlich darf aber über die bezahlten Summen diskutiert werden. 30 Millionen für einen Spieler ohne längerfristige Konstanz sind happig. Jedoch immerhin weniger als der VW-Klub für Schürrle an Chelsea überwies – so dachte man. Nun könnte, sollte sich die Meldung bestätigen, Kuba für eine trotz seines Alters moderate Summe nach Wolfsburg gehen. Eine Lösung, mit der beide Seiten das Gesicht gewahrt hätten. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Personalie Blaszczykowski schon bei den Schürrle-Verhandlungen auf dem Tisch war.

Klar: Weder ist das Ding schon offiziell, noch werden die Vereine irgendwelche Transfersummen bestätigen. Das macht ja heutzutage keiner mehr. Auch Zusatzklauseln sind meistens Medienspekulationen oder werden zumindest nicht von den offiziellen Vereinskanälen veröffentlicht. Doch es spricht einiges dafür, dass das Verrechnen von Spielern nun auch in Dortmund Einzug gehalten hat.

Ist Mario Götze der verlorene Sohn?

Er ist wieder da: Der Kicker vermeldet heute Abend, dass die Rückkehr von Mario Götze zu Borussia Dortmund perfekt sei – für einen „Basisbetrag“ von 26 Millionen Euro. Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte am Rande des Testspiels gegen Manchester City verlauten lassen, dass morgen eine Einigung erfolgen könne. So scheint tatsächlich wahr zu werden, was sich viele nicht vorstellen konnten und viele nicht vorstellen wollten. Wobei die erste Gruppe nicht ganz kongruent mit letzterer ist.

Des Weiteren sollen auch die Verhandlungen mit dem VfL Wolfsburg wegen André Schürrle weit gediehen sein. Es ist wahrscheinlich, wenn auch noch nicht komplett sicher, dass die beiden Protagonisten des WM-Siegtors von 2014 bald in schwarz-gelb spielen. Für die zwei Freunde Schürrle und Götze dürfte der BVB dann rund 56 Millionen ausgegeben haben. Diese Transfers würden in Dortmunder Fankreisen polarisieren wie kaum eine andere Vereinsentscheidung der letzten Jahre. Zeit für einige Diskussionsanstöße.

Woher dieser Hass?

Wer in den letzten Monaten Internetforen oder die Leserkommentare in Sportportalen zum Thema BVB-Transfers gelesen hat, wird zweifellos auf eine Reihe äußerst kritischer bis gehässiger Beiträge zu Mario Götze und André Schürrle gestoßen sein. Während Götze sich nachweislich ungeschickt bis unfein aus Dortmund verabschiedet hat, ist Schürrles einziges Vergehen, dass er zeitweise seine Leistung nicht abrief und der BVB nun viel Geld für ihn bezahlen soll. Weiterlesen →

Ein Grund zur Freude

Borussia Dortmund hat den ersten Doppelpack in einer langen Serie von Testspielen bis Ende August absolviert. Wie meistens waren unterklassige Klubs aus der Region die Gegner. 5:2 bei der Spvgg Erkenschwick und 2:0 beim Regionalligisten Wuppertaler SV lauten die Resultate. Vier bzw. fünf Tage nach dem Start in die Vorbereitung wählte Thomas Tuchel für beide Partien die gleiche Herangehensweise: In der ersten Halbzeit ließ er eine stark besetzte Startelf auflaufen, die nach der Pause nahezu komplett ersetzt wurde.

Insofern waren die jeweils ersten 45 Minuten hinsichtlich der kommenden Saison die interessanteren. Von den Spielern, die bereits aus dem Urlaub zurück sind, konnten etwa Gonzalo Castro sowie Felix Passlack mit guter Frühform überzeugen und trafen beide. Aber bereits nach drei Minuten in Oer-Erkenschwick stach einer heraus, auf den man wohl ohnehin am gespanntesten war: Ousmane Dembelé erzielte das 1:0 und zeigte danach in beiden Partien, zu was er – hoffentlich auch höherklassig – fähig ist. Einige feine Dribblings, präzise Pässe, gutes Spiel über außen – auf den neuen Neunzehnjährigen können wir uns wirklich freuen.

Ein 27-Jähriger fehlte: Neven Subotic hat von der Borussia die Erlaubnis bekommen, sich um Vertragsverhandlungen mit anderen Vereinen zu kümmern. Es scheint beträchtliches Interesse zu bestehen – nicht nur aus Köln, sondern angeblich auch von mehreren Vereinen aus der Premier League. Arsenal soll bereits ein Angebot abgegeben haben. Ich würde Neven am liebsten beim FC Middlesbrough sehen, der gerade aufgestiegen ist. Ebenfalls unbestätigten Gerüchten zufolge soll unser Innenverteidiger sich bereits das Riverside Stadium angesehen haben.

Wo auch immer Neven landet – sein Weggang erzeugt Wehmut. Erinnerungen kommen hoch an die größten Erfolge der Klopp-Ära und die Feiern danach. Und natürlich ist er auch einfach ein feiner Kerl, soweit man das als Fan beurteilen kann. Wenn es jetzt für die Premier League reicht, die Neven wohl tatsächlich reizen würde, wäre das tröstlich.

Der bevorstehende Abschied ist mMn allerdings auch kein Grund, lange in Nostalgie zu verfallen. Die Borussia wird die Fußballwelt nicht grundlegend ändern können – wir müssen das Beste daraus machen. Dahingehend hat der Verein schon einiges getan. Es gibt viele Gründe, sich auf die neue Spielzeit zu freuen. Wer Veränderungen zulässt und annimmt, kann sich auch an der nun entstehenden Spannung erfreuen. Allerdings müssen Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke nicht nur einen Mkhitaryan-Nachfolger finden, sondern auch noch Spieler verabschieden – vielleicht sogar die schwierigere Aufgabe.

Warum Watzke bei Mkhitaryan kein Vorwurf zu machen ist

Einer Lüge muss man sich bewusst sein. Als BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte, dass in diesem Sommer nicht gleichzeitig Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan den Verein verlassen würden, konnte er sich das jedoch tatsächlich nicht vorstellen. Wenn man ihm etwas vorwerfen will, dann eine Fehleinschätzung oder meinetwegen ein gebrochenes Versprechen. Doch eigentlich weiß der aufgeklärte Fußballfan ja, wie kurzlebig die Branche ist und dass Aussagen ihrer Protagonisten nicht für die Ewigkeit getätigt werden. Immerhin behält durch den bevorstehenden Mkhitaryan-Abgang eine andere Aussage ihre Gültigkeit: Borussia Dortmund werde nach Robert Lewandowski keinen wertvollen Spieler mehr ablösefrei gehen lassen.

Nun scheint die Sache also durch zu sein – auch wenn laut BBC Henrikh Mkhitaryan noch keinen Medizincheck bei Manchester United absolviert hat und weitere Formalitäten zu klären sind. Da Miki in Dortmund noch ein Jahr Vertrag hat, soll die Borussia vom reichen Tabellenfünften der Premier League eine Ablöse in Rekordhöhe bekommen. Kolportiert werden 42,5 Millionen Euro – das wäre sowohl die höchste vom Verein als auch für einen Spieler mit einem Jahr Vertragslaufzeit erzielte Summe.

Watzke und der BVB wollten mit Mkhitaryan ernsthaft verlängern, sie wurden aber vom Spieler und dessen Berater Mino Raiola hingehalten, bis sich die Tür nach Manchester öffnete. Dagegen ist man als ein Verein mit dem Standing der Borussia nicht gefeit. Nach dieser vergangenen Saison war es keinesfalls naiv, sondern einfach zwingend, alles zu versuchen, um Mkhitaryan zu halten. Als die Vertragsverlängerung vom Tisch war, erwies sich Aki Watzke als Mino Raiola – oder zumindest Manchester United – ebenbürtig und lehnte einen Transfer in diesem Sommer zunächst ab.

Was jetzt wohl für die Borussia herausspringen wird, ist verdammt viel Geld. Enttäuscht darf man vielleicht von Miki sein – viele hatten ihn für einen charakterlich anderen Typen gehalten. Wer jetzt von den Regeln des Geschäfts und den Fußballern als Unternehmern anfangen will, hat natürlich nicht Unrecht – trotzdem sind alle im Business Menschen und keine Maschinen. Die einzige Lehre, die die BVB-Führung aus der Geschichte ziehen könnte, ist, die Zusammenarbeit mit Spielerberatern wie Raiola zu hinterfragen.

Sportlich bedeuten die drei Abgänge selbstverständlich einen herben Verlust. In der Form der letzten Spielzeit könnte Miki der herbste sein. Borussia Dortmund hat bereits vielversprechende Verpflichtungen getätigt und wird mit den sprudelnden Millionen mindestens eine weitere tätigen. Die Frage, wie gut die stark umgebaute Mannschaft 2016/17 funktionieren wird, ist eine so spannende, dass auch ein Wechsel von Andre Schürrle zum BVB die Ungewissheit nicht mehr sonderlich erhöhen würde. Ich für meinen Teil würde ihn lieber in schwarz-gelb sehen als Mario Götze – nicht aus Unversöhnlichkeit, sondern weil Letzterer selbst nach wie vor keine Anstalten macht, sich für eine Rückkehr zu erwärmen. Ob Schürrle allerdings immer noch mehr als 30 Millionen wert ist, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht sprechen wir bald noch über ganz andere Namen.

Guerreirowatch

Gestern hat Raphael Guerreiro bei der Fußball-EM mit Portugal 1:1 gegen Island gespielt. Sein Teamkollege Cristiano Ronaldo war darüber not amused. Guerreiro hat sich heute erst mal untersuchen lassen, in der Nähe von Paris, vom BVB-Mannschaftsarzt Dr. Stefan Braun. Ob der Vertrag mit der Borussia auch noch während der EM unterschrieben wird, hängt wohl davon ab, ob das als stilistisch korrekt angesehen wird.

Das alles ist jedenfalls Grund genug, um sich Guerreiro mal in Aktion anzusehen. Gegen Island wurde er positionsgemäß als Linksverteidiger eingesetzt, rückte aber vor allem in der zweiten Hälfte immer öfter nach vorne nach. Doch zunächst wurde er eher selten angespielt und seine Aktionen wirkten noch ein wenig schmelzeresk. Die gute Passquote kam auch mit Hilfe des ein oder anderen Quer- und Rückpasses zustande. Defensiv sah man ein, zwei Unsicherheiten.

Anschließend zeigte sich allerdings mehr und mehr, welchen Mehrwert Raphael Guerreiro auch für Schwarz-Gelb haben könnte. Schnelle Antritte, der Mut, auch Gegenspieler anzulaufen, zu umspielen und in den Strafraum zu ziehen – war alles zu sehen. Außerdem durfte Guerreiro einige Freistöße schießen und machte das sehr respektabel. Wenn er einige Wochen mit seiner Mannschaft trainiert, könnte das richtig gut aussehen mit dem Beinahe-Neuzugang.

Weniger positiv hat sich unterdessen eine andere Personalfrage entwickelt: Henrikh Mkhitaryan will Borussia Dortmund verlassen. Oder sein Berater Mino Raiola will, dass er es will. Und Raiola behauptet auch, dass der BVB Miki das bereits vor Monaten zugesagt habe. Aber nicht nur wenn man die Geschichten über Raiola kennt, muss man sich fragen, wie glaubwürdig das ist. Hans-Joachim Watzke wird Mkhitaryan sicher kein bedingungsloses Versprechen gegeben haben. Warum sollte er das tun, wenn danach noch monatelang verhandelt wurde?

Fakt ist nun wohl, dass es keine Vertragsverlängerung geben wird. Der Verein will Miki Stand heute nicht vorzeitig abgeben. Und bei allen finanziellen Gründen, die dagegen sprechen: Ich finde das zumindest nicht falsch. Man muss hier ein Zeichen setzen, um sich nicht immer wieder auf der Nase herumtanzen zu lassen. Wenn es einen Fehler gab, dann den, überhaupt mit Leuten wie Raiola zusammengearbeitet zu haben. Auch auf die Berater sollte man bei der Spielerauswahl verstärkt achten.

Mangala ist der Nächste, Guerreiro wird noch untersucht

Die Fußball-EM hat begonnen, schöne und schlimme Bilder aus Frankreich drohen, den Transfermarkt aus den Schlagzeilen zu verdrängen … aber nicht hier. Denn wir ahnten es bereits – Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke basteln unverdrossen weiter am BVB-Kader für die Saison 2016/17. Oder später. Denn mit Orel Mangala vom RSC Anderlecht haben sie nun einen Spieler verpflichtet, der zunächst in der U19 zum Einsatz kommen soll. Auch in Belgien hat er bisher im Nachwuchsteam gekickt. Mittelfeldspieler Mangala wird auf Leihbasis verpflichtet, die Borussia besitzt eine Kaufoption.

Für die Bundesligamannschaft ist die folgende Meldung zunächst deutlich interessanter: Auch der Transfer des 22-jährigen Linksverteidigers Raphael Guerreiro soll klar sein – vorbehaltlich des obligatorischen Medizinchecks. Da der Spieler jedoch mit Portugal bei der EM weilt, wird der Abschluss dieses Deals noch ein paar Wochen auf sich warten lassen. Der abgebende französische Verein FC Lorient soll 12 Millionen Euro plus mögliche Boni kassieren.

Das wäre nun ein Transfer ganz nach meinem Geschmack. Die Außenverteidigerpositionen sind seit Längerem eine Schwachstelle des BVB – da konnte weder die Verpflichtung von Joo-Ho Park helfen noch die Vertragsverlängerung mit Marcel Schmelzer darüber hinweg täuschen. Schmelle ist solide, aber eben keine „internationale Klasse“, wie es der Kicker nennen würde. Es gibt links hinten also künftig echten Konkurrenzkampf; außerdem kann Guerreiro auch weiter vorne spielen. Sollte dieser Transfer wie geplant über die Bühne gehen, wären die Schwarz-Gelben einen großen Schritt weiter.

Und die Vorfreude auf die neue Saison steigt! Ganz nebenbei wird am Samstagabend gegen 23.30 Uhr in Beckmanns Sportschule in der ARD auch die erste Runde des DFB-Pokals ausgelost.

Erste Entscheidung im langen, heißen Transfersommer

Selbst wenn es alles andere als eine Überraschung ist: Immerhin ist der Fall Ilkay Gündogan nun endgültig geklärt. Der Nationalspieler wechselt für rund 25 Millionen Euro zu Manchester City. Bonuszahlungen können die Summe angeblich noch erhöhen. Damit endet für Borussia Dortmund eine lange Verletzungs- und Transfer-Saga, derer man durchaus überdrüssig werden konnte. Gündogans spielerische Fähigkeiten bleiben unbestritten. Sollte er in Manchester unter Pep Guardiola mehr Glück mit seinem Körper haben, könnte sich die Verpflichtung als schlau herausstellen. Doch für die Borussia erscheint er weder unersetzlich noch kann man ihn sich mit seinen ständigen Abwanderungsgedanken als echten Führungsspieler vorstellen.

Geschätzte 60 Millionen hat der BVB nun mit Hummels und Ilkay eingenommen. Kein Wunder, dass es in der Gerüchteküche brodelt. Die am häufigsten genannten Namen sind Linksverteidiger Raphael Guerreiro, Stürmer Emre Mor und seit heute Barcas dritter Innenverteidiger Marc Bartra. Ömer Toprak soll aufgrund der geforderten Ablöse unwahrscheinlicher geworden sein.

Die Substanz der Spekulationen ist wie immer schwer einzuschätzen, wenn inzwischen selbst der „Kicker“ schreibt, dass die Schwarz-Gelben alle diese Spieler haben wollen. Halten wir uns deshalb an den einzigen Namen, von dem das Sportmagazin wissen will, dass ein Transfer unmittelbar bevorsteht. Sebastian Rode soll für rund 14 Millionen Euro vom FC Bayern kommen, wo er zuletzt meistens den Platz auf der Ersatzbank einnahm. Damit relativiert sich die hohe Ablöse, die für Mats Hummels erzielt wurde, wieder etwas. Wer weiß, ob BVB und FCB nicht doch über eine ‚Verrechnung‘ der beiden Personalien gesprochen, dies aber nicht kommuniziert haben.

Wie dem auch sei, in München halten sie einiges von Rode – auch wenn er zuletzt trotzdem kaum gespielt hat. Er soll dieser „aggressive leader“ sein, den sie an der Säbener Straße immer beschwören. Doch da gibt es ja nun noch Vidal. Für Borussia Dortmund könnte die Verpflichtung eines neuen, jüngeren Sebastian Sinn machen, wenn man an die These glaubt, dass ein solcher Spielertyp etwa in Liverpool oder im Pokalfinale gefehlt hat. Allerdings sollte man keine technischen Kabinettstückchen von Rode erwarten – und darf die Frage stellen, ob auf seiner Position nicht eine ausreichende Kaderdichte herrscht. Weigl, Sahin, Bender, Ginter und Merino kommen alle für die ‚6‘ in Frage – Baustellen gibt es eher außen.