Ende der Überheblichkeit: Schürrle darf gehen

(Updated) Glaubt man den zugegebenermaßen nie bestätigten Gerüchten, dann war die Verpflichtung von Andre Schürrle durch den BVB ein Tuchel-Transfer und die Rückkehr von Mario Götze eine Watzke- und Zorc-Idee. Natürlich mussten die jeweils anderen Verantwortlichen diesen Mega-Deals zustimmen. Stand heute dürfen die beiden Transfers in unterschiedlichem Maße als Fehleinschätzungen aus Selbstüberschätzung gelten.

Thomas Tuchel glaubte offenbar, Andre Schürrle wieder zu dem Spieler machen zu können, den er aus Mainzer Zeiten kannte. Aki und Susi dachten wohl, sie könnten Mario ein Umfeld bieten, das ihn wieder zu alter Größe führen würde. Beides stellte sich als falsch heraus, auch wenn dabei natürlich Verletzungen eine Rolle spielten. Und es war nicht so, dass niemand vor den Transfers gewarnt hätte.

Die neue Offenheit

Gestern wurde nun bekannt, dass Borussia Dortmund Schürrle einen Vereinswechsel nahegelegt hat. Der 27-Jährige ist aus den USA, wo die Borussia gerade auf Tour ist, abgereist. Angeblich zu konkreten Verhandlungen, womöglich mit einem Verein aus der Premier League, womöglich mit Crystal Palace. Michael Zorc ist auf Nachfrage bemerkenswert offen mit dem Grund für Schürrles Fehlen umgegangen. Man habe dem Spieler gesagt, dass es auf den Außenbahnen schwer werde und man ihn auch nicht wirklich als Mittelstürmer sehe. Mit dieser Offenheit geben die Verantwortlichen einerseits ihre eigene Fehleinschätzung zu und signalisieren gleichzeitig, dass es ihnen ohne Rücksicht auf große Namen auf Leistung ankommt. Im heutigen Profifußball ist das zweifellos eine gesunde, essentielle Einstellung.

Die Verpflichtungen von Götze und Schürrle dürften auch etwas mit ihrem Status als deutsche Nationalspieler zu tun gehabt haben. Von dem Wunsch, unbedingt ein paar in den eigenen Reihen zu haben, sind die Verantwortlichen hoffentlich spätestens nach der WM in Russland geheilt. Während es spannend bleibt, wie es mit Götze weitergeht, waren die Defizite von Schürrle unübersehbar. Auch als er gesund war, auch und gerade in der Mitte, wo es nun mal um erzielte Tore geht und der BVB Bedarf hat.

UPDATE: Nun wissen wir: Andre Schürrle geht tatsächlich in die Premier League, allerdings zum Aufsteiger Fulham. Der BVB verleiht ihn für zwei Jahre und kassiert dafür eine angeblich sechsstellige Leihgebühr. Damit sparen die Schwarz-Gelben zwar Schürrles Gehalt, haben aber noch kaum etwas von der Ablöse wieder reingeholt. Dazu müsste er in London richtig einschlagen.

Diallo kommt zum BVB

(Updated) Borussia Dortmund hat sich mit dem 22-jährigen Innenverteidiger Abdou Diallo von Mainz 05 verstärkt. Über diesen Transfer wurde bereits seit geraumer Zeit spekuliert, doch der BVB war nicht der einzige Verein, der Interesse hatte. Nun hat sich der Franzose jedoch für die Schwarz-Gelben entschieden.

Die Ablösesumme soll mehr als 25 Millionen Euro betragen. Heftig für einen Innenverteidiger – bis man an Liverpools Van Dijk denkt. Wie sich die Maßstäbe verschoben haben. Sieht man es positiv, hat die Borussia die Verjüngung der Innenverteidigung innerhalb eines halben Jahres abgeschlossen. Diallo dürfte angesichts seines Preisschilds erst mal gute Chancen haben zu spielen. Als Mainzer Abwehrspieler eine Kicker-Durchschnittsnote von 3,09 zu bekommen, ist auch aller Ehren wert. Spannend wird, wer den Platz neben ihm bekommt: Akanji oder Toprak. Die bessere Spieleröffnung hat ohne Zweifel der junge Schweizer.

Bleibt zu hoffen, dass sich die BVB-Verantwortlichen auch ebenso intensiv Gedanken um die Außenverteidigung machen. Oder will man noch jemandem weißmachen, dass Piszczu und Schmelle die Zukunft gehört? Die RN berichten zudem, dass Erik Durm bei David Wagners Huddersfield Town auf dem Zettel steht. Drei wichtige Teile der Transferplanung sind nun abgearbeitet – Stürmer und Außenverteidiger fehlen noch.

Borussia verliert keine Zeit

Während alle Fußball-Welt noch das tragische Champions League-Finale diskutiert, kommt Borussia Dortmund an diesem Montag mal gleich mit drei nicht uninteressanten Neuigkeiten um die Ecke. Nicht alle davon sind schon von Vereinsseite bestätigt. So sollen der BVB und der FC Arsenal nur noch drei Millionen Euro auseinanderliegen – im Poker um die Ablöse für Sokratis. 15 Millionen hätten die Londoner geboten, 18 würde Dortmund gerne haben, schreibt der „Kicker“.

So viel dürfte feststehen: ‚Papa‘ will weg. In diesem Jahr wird der griechische Innenverteidiger 30 und wenn man da noch Premier League spielen kann… Aber es könnte mehr dahinter stecken. So gehörte auch Sokratis zu den Schwarz-Gelben, die durchklingen ließen, dass sie der Busanschlag stark belastet (hat). Unstrittig ist, dass Papa keine besonders gute Saison gespielt hat. Sie war sicher nicht abgrundtief schlecht. Aber Papas Spiel ist unsauberer geworden, er selbst wehleidiger. Bei mir persönlich ist der starke Eindruck der Vorjahre aber noch nicht vergessen. Ich halte es auch für gewagt, Ömer Toprak höher einzustufen als Sokratis. Wenn Letzterer geht, sollten die Verantwortlichen auf dieser Position noch etwas tun.

Mindestens genauso spannend: Der erste richtig neue Feldspieler ist da. Marius Wolf kommt von Eintracht Frankfurt und unterschrieb einen Vertrag bis 2023. Die festgeschriebene Ablösesumme: fünf Millionen Euro. Sieht nach einem Schnäppchen aus – und schon rein äußerlich nach einem dieser Mentalitätsmonster, die wir jetzt haben wollen.

„Wolf ist sowohl auf den offensiven Außenbahnen einsetzbar, kann aber auch im Mittelfeldzentrum spielen und gegebenenfalls auch als Rechtsverteidiger einspringen“, so der „Kicker“. Kommt da der neue Kevin Großkreutz? Oder doch Rode 2.0? Jedenfalls kann Wolf nicht nur dazwischen hauen, sondern auch anders: fünf Tore und neun Assists waren es in 2017/18. Zu den gegebenen Konditionen gibt es da wenig zu überlegen, selbst wenn Marius nicht gleich Stammspieler werden sollte.

Und Nachricht Nummer 3? Die ist zwar ebenfalls noch nicht bestätigt, aber der „Kicker“ ist sich nun auch sicher, dass Edin Terzic der neue Co-Trainer beim BVB wird. Also wie vermutet. Und beim Chef hatte das Sportmagazin schließlich auch Recht.

Vermeintlicher Absteiger fährt nach Wembley

Vor der Saison 2017/18 hatten die meisten Beobachter der englischen League One Shrewsbury Town als ersten Absteiger auf der Liste. Zu gering schienen die Möglichkeiten: Bis vor kurzem war der Marktwert des Kaders laut „Transfermarkt.co.uk“ der niedrigste der Liga – inzwischen wird er als der drittniedrigste eingestuft. Viele Spieler kamen von unterklassigen Vereinen, nur einige Leihspieler von weiter oben. Das Stadion New Meadow am Rand der 71.000-Einwohner-Stadt Shrewsbury hat nur knapp 10.000 Plätze.

Doch am Sonntag steht „Salop“ – so der gängigste Spitzname der Blau-Gelben, der sich auf den lateinischen Namen der Stadt bezieht – im Play-Off-Finale in Wembley gegen Rotherham United. Hätten die Blau-Gelben den lange belegten zweiten Platz gehalten, wäre der Aufstieg schon geschafft. Beinahe unglaublich ist die Geschichte trotzdem.

Die Begründung hat viel mit guter Führung zu tun. Shrewsbury Town gehört Roland Wycherley, Multimillionär und ein Sohn der Stadt. Läge diese in Deutschland, könnte Wycherley mit guten Erfolgsaussichten eine Ausnahme von der 50+1-Regel beantragen. Seit 1996 ist er Vorsitzender des Vereins, den er mit Schulden übernahm. Diese wurden abgebaut und Town zog vom alten, hochwassergefährdeten Stadion Gay Meadow ins frisch erbaute New Meadow. Zwar macht der Verein keine großen Sprünge, aber es sind Ruhe, Wirtschaftlichkeit und zuletzt Zuversicht eingekehrt. Weiterlesen „Vermeintlicher Absteiger fährt nach Wembley“

Warten auf Favre – Hitz schon da

Auch wenn Matthias Sammer scheinbar Ralph Hasenhüttl ganz gut findet: Es spricht alles dafür, dass der nächste BVB-Trainer Lucien Favre heißt. Die beiden – ob man es will oder nicht – wichtigsten Sportmedien schreiben das unisono. Und schon im letzten Sommer war Lucien Favre ein Thema in Dortmund. Der naheliegende Grund, warum die wohl schon feststehende Verpflichtung noch nicht bekanntgegeben wurde ist der letzte Spieltag in der französischen Ligue 1. Heute Abend spielt Favres Klub OGC Nizza beim Tabellendritten Olympique Lyon und es geht noch um den Einzug in die Europa League.

Vielleicht wird der Wechsel also schon in der ersten Hälfte der kommenden Woche offiziell. Zeit, sich daran zu gewöhnen oder sich zumindest damit auseinanderzusetzen. Ich war vor einem Jahr kein Freund von Favre, als das Thema schon mal zur Debatte stand. Ich war erleichtert, als Bosz kam. Mir hatten sich die unrühmlichen Abgänge aus Berlin und Mönchengladbach mehr eingeprägt als seine sportlich erfolgreichen Zeiten dort. Lucien Favre scheint wie Thomas Tuchel auch ein eher eigensinniger Charakter zu sein und er spricht schlechter Deutsch.

Doch nach zwei als umgänglich geltenden Trainern, die in Dortmund letztlich nicht überzeugt haben, muss man eigentlich für jeden offen sein, der sportlichen Erfolg verspricht und sich halbwegs benehmen kann. Denn man weiß ja doch nicht, wie es kommt. Gewissheiten gibt es bei diesem Verein derzeit nicht mehr.

Lob, das zu denken gibt

Für Lucien Favre spricht, wie viele frühere oder derzeitige Spieler von ihm sprechen. Etwa Nizzas Kapitän Dante, ehemals Gladbacher. Oder eben Marco Reus. Nun sagen Spieler gerne nette Sachen über Trainer, die sie viel spielen lassen. Aber auch der Journalist und Autor Christoph Biermann („11 Freunde“) lobt Favre in seinem neuen Buch „Matchplan“ in einem eigenen Kapitel für dessen taktische Ideen. Einen Auszug daraus kann man bei „11 Freunde“ online lesen. Nur so viel: Die Teams des Schweizers stehen bei der Zahl der Treffer und Gegentreffer besser da, als aufgrund der Abschlusspositionen auf dem Feld zu erwarten gewesen wäre.

Ja, Lucien Favre steht im starken Kontrast zu Jürgen Klopp, an dem wir immer noch hängen, ob wir es wollen oder nicht. Aber er kann charmant sein, auch das schreibt Biermann, und er kann über einen längeren Zeitraum Erfolg haben. Verabschieden müssen wir uns wohl von dem Gedanken, dass ein BVB-Trainer so schnell noch mal sieben Jahre bleibt. Nach dieser Saison, die wir heute als Zuschauer beim Pokalfinale endgültig abschließen, wäre ich schon froh, wenn wir es mit dem neuen Trainer bis zum kolportierten Vertragsende 2020 aushalten.

Vollzug vermeldete Borussia Dortmund heute bei Marwin Hitz: Der Schweizer Torwart kommt wie berichtet vom FC Augsburg und unterschreibt einen Dreijahresvertrag. Auf der BVB-Webseite findet sich – wie nicht anders zu erwarten – kein Hinweis darauf, ob Hitz sich einen offenen Wettkampf mit Roman Bürki um die Nummer 1 liefern darf. Eigentlich gibt es keinen Grund wieso nicht – das schließt einen kleinen Bonus für den jetzigen Stammtorwart ja nicht aus.

Der vierte Schweizer kommt dagegen nicht: Eine Verpflichtung von Rechtsverteidiger Stephan Lichtsteiner von Juventus ist vom Tisch.

Zwei Schweizer fürs Tor, zwei Tore für Mainz – und jetzt?

Wie oft hat man sich selber bei dem Gedanken ertappt, wie oft hat man es andere BVB-Fans sagen hören: Zum Glück ist diese Bundesligasaison bald vorbei. Auch am letzten Samstag enttäuschten die schwarz-gelben Jungs wieder all jene, die einen Aufschwung, eine positive Entwicklung in dieser Spielzeit noch für möglich hielten. Nach gerade mal einem starken und einem ordentlichen Spiel. Ich konnte die Partie nicht sehen. Aber nach allem was man hört, muss es grausig gewesen sein.

Das Problem mit dieser Saison ist ja, dass niemand, der sich Borussia Dortmund mit klarem Kopf anschaut, genau sagen kann, was los war. Die Einschätzungen selbst zwischen den Fans gehen weit auseinander. Natürlich gibt es die Polemiker aus dem eigenen und vor allem den anderen Lagern, aber die lasse ich mal außen vor.

Ich persönlich bin etwa der Meinung, dass uns Marcel Schmelzer nicht mehr weiterhilft. Ich sage das nach jahrelangem Anschauungsunterricht. Meiner Meinung nach ist er kein guter, sondern ein durchschnittlicher Außenverteidiger. In dieser Saison hat sich auch gezeigt, dass er dem Team als Kapitän keine Impulse geben konnte. Für manche ist Schmelle allerdings eine Identifikationsfigur – eine der letzten. Ich kann den Gedanken nachvollziehen – aber darf das allein entscheidend sein?

Sieht die Borussia Lichtsteiner am Ende des Tunnels?

Es wird also auch nach Samstag viel diskutiert werden im schwarz-gelben Umfeld. Einiges wird passieren. Derzeit sieht es ganz danach aus, dass es deutlich schweizerischer zugehen wird in Dortmund. Marwin Hitz kommt vom FC Augsburg, um sich wie in der „Nati“ hinter Roman Bürki einzureihen. Oder doch mehr? Für die Borussia ist das eine komfortable Situation, derer sich Hitz bewusst war, als er zusagte.

Spekuliert wird außerdem über eine Verpflichtung von Stephan Lichtsteiner, 34- jähriger Rechtsverteidiger, ebenfalls Schweizer und zuletzt bei Juventus tätig. Kommt es zu diesem Transfer, dann darf wohl als gesichtert gelten, dass der nächste BVB-Trainer Lucien Favre heißt. Denn Michael Zorc wäre auf diesen Namen mit Sicherheit nicht gekommen.

Tuchel, Bosz, Stöger und jetzt also Favre? Was sagt uns das? Auch das wird zu diskutieren sein, aber noch nicht jetzt. Denn da kommt ja noch ein Spiel, das dank schwarz-gelber Unfähigkeit doch wichtig ist. In Hoffenheim darf man nun höchstens knapp verlieren, um sicher in der Champions League zu sein. Klingt machbar, aber das haben wir in dieser Saison schon öfter gedacht. Vermutlich wird Peter Stöger wieder einige Wechsel vornehmen. Sokratis ist ja schon mal gesperrt, Toprak droht verletzt auszufallen. Vermutlich wird man sich irgendwie durchwürgen, bevor es dann endlich wirklich vorbei ist. Dann wird geredet und hoffentlich auch gehandelt.

Das war der Deadline Day in Dortmund

(Updated) Nach diesem Deadline Day ist der Nimbus der ruhigen BVB-Hand endgültig weg: Vier Transfers haben Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke am letzten Tag der Transferphase oder kurz davor klar gemacht. Hier sind alle der Reihe nach.

Endgültig durch war als erstes der Wechsel von Marc Bartra zu Real Betis aus Sevilla. Der Kicker berichtet von einer Ablöse von gut zehn Millionen Euro. Viele warme Worte begleiteten diesen Transfer und ich nehme allen Beteiligten ab, dass sie ernst gemeint sind. Weder der Borussia noch Bartra kann man vorwerfen, dass es so gekommen ist. Die Schuld trägt Sergej W., der Bus-Attentäter. Von ihm wurde Marc physisch und psychisch aus der Bahn geworfen. Ob es für ihn in schwarz-gelb noch mal aufwärts hätte gehen können, bleibt Spekulation. Leider konnte der BVB gerade in seiner jetzigen Situation nicht darauf warten.

Heute erfolgte auch die Bestätigung der Verpflichtung von Sergio Gómez durch den Verein. Der ist sicher ein vielversprechendes Talent. Trotzdem nehme ich nichts von dem zurück, was ich vorgestern dazu geschrieben habe. Außer dem Namen: Denn der Zugang vom FC Barcelona heißt natürlich Gómez wie Mario, und nicht Lopez.

Die großen Deals kamen mittags und am späten Nachmittag. Pierre-Emerick Aubameyang ist wie erwartet zum FC Arsenal gewechselt. Und zwar, das ist in diesem Fall genau bekannt, für 63,75 Millionen Euro. Das mag in Zeiten von Neymar und Dembelé etwas unter seinem Marktwert liegen, aber Auba ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Angesichts der jetzigen Situation kann Borussia Dortmund damit finanziell gut leben. „PEA“ hat in seinem Abschiedspost dann auch recht klar eingeräumt, dass sein Verhalten zuletzt mit seinem Wechselwunsch zu tun hatte. Ob er sich damit irgendwo Freunde gemacht hat? Weiterlesen „Das war der Deadline Day in Dortmund“

BVB sucht Stürmer und findet Mittelfeldtalent

Marco Reus, Shinji Kagawa, Christian Pulisic, Jadon Sancho, Andriy Yarmolenko, Maximilian Philipp, Mario Götze, André Schürrle. Das sind die Spieler, die bei Borussia Dortmund vorzugsweise im offensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Acht Mann für höchstens drei Positionen also. Nummer Neun hat der BVB soeben klar gemacht, wenn man dem „Kicker“ glaubt: den 17-jährigen Spanier Sergio Lopez vom FC Barcelona. Der war zweitbester Spieler bei der U17-WM letztes Jahr und außerdem auch von Arsenal und Chelsea umworben. Grund genug für Michael Zorc und Aki Watzke, für drei Millionen zuzuschlagen?

Der Junge mag wirklich ein großes Talent sein, aber welchen Sinn macht eine Verpflichtung auf der mit Abstand am besten besetzten Position bei Schwarz-Gelb? Mehr und mehr scheint es nun auch in Dortmund darum zu gehen, kein Schnäppchen auszulassen, wenn es sonst die anderen bekommen könnten. Es grenzt an das Bunkern von Talenten, wie es die englischen und spanischen Topklubs schon seit einigen Jahren betreiben. Aber wie soll so eine gesunde Struktur in der Mannschaft entstehen?

Natürlich ist der zeitliche Zusammenhang, in dem dieser Transfer bekannt wurde, unglücklich für Michael Zorc. Da sucht man gerade ganz dringend einen Nachfolger für PEA, mit Modeste und Batshuayi werden Namen gehandelt, bei denen Nachfragen erlaubt sind und dann sickert plötzlich die Verpflichtung eines offensiven Mittelfeldspielers durch. Kein Wunder, dass der BVB die Personalie am Sonntag dem „Kicker“ noch nicht bestätigen wollte. Und natürlich muss ein Sportdirektor Multitasking können und betreiben. Aber diese Personalpolitik macht es uns Fans alles andere als leicht. Vielleicht werden demnächst mal nicht die Spieler ausgepfiffen …

Auf dem Weg zum Durchschnitt

1. Bundesliga, 19. Spieltag / Hertha BSC 1 BVB 1

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Wenn Pierre-Emerick Aubameyang in Dortmund individuell trainiert, während André Schürrle in Berlin 90 Minuten stürmt, dann ist etwas gewaltig nicht in Ordnung bei der Borussia. Vor ’nur‘ gut 65.000 Zuschauern im Olympiastadion, noch dazu fehlten die BVB-Ultras gut 20 Minuten, legten die Schwarz-Gelben kein Katastrophenspiel hin, aber der Glanz einer Spitzenmannschaft fehlte ihnen fast völlig. Ohne einen echten Mittelstürmer und ohne viel Kreativität aus dem Mittelfeld wirkte der BVB wie gehobener Liga-Durchschnitt.

Die Causa Aubameyang dominiert nachvollziehbar die Schlagzeilen – dazu später mehr. Aber gerade weil der FC Arsenal nun ein erstes Angebot für Auba vorgelegt hat, lohnt es sich, besonders genau hinzuschauen, wie die Borussia ohne ihn funktioniert. Kurz gesagt: Es ist kompliziert. Vor allem in der ersten Hälfte taten sich die Gäste enorm schwer, einen Weg durch die Abwehrreihen der defensiv eingestellten Gastgeber zu finden. Weigl, Götze und Kagawa enttäuschten zunächst fast gleichermaßen. Christian Pulisic und erneut Jadon Sancho brachten über Außen gelegentlich etwas Zug rein, aber die Hereingaben fanden keine Abnehmer. Weiterlesen „Auf dem Weg zum Durchschnitt“

Erlöst Manuel Akanji die BVB-Defensive?

Ein paar Wochen waberten die Gerüchte schon durch die Medien, gestern wurde der Transfer vollzogen: Borussia Dortmund holt den 22-jährigen Innenverteidiger Manuel Akanji vom FC Basel. Nicht die erste Verpflichtung vom Schweizer Top-Klub, aber die teuerste. 18 Millionen Euro plus bis zu 3,5 Millionen Boni – so sind die Zeiten und Manchester United soll ja auch dran gewesen sein.

Akanji ist nicht umsonst Schweizer Nationalspieler. In einem ausführlichen Porträt unseres Neuzugangs für „Schwatzgelb.de“, das ich euch wärmstens empfehle, erklärt Oliver Zesiger, Researcher für die Football Manager-Spiele, Manuels Stärken und Schwächen. Um es hier nur kurz zusammenzufassen: Er ist groß (1,87 Meter), schnell, technisch stark, kann auch stark tacklen und präzise Pässe spielen. Und das nicht nur zum Nebenmann. Im Idealfall also der Mats Hummels, den wir seit 2016 vermissen.

Der, dem man ebenfalls zutraute, sich dorthin zu entwickeln, könnte die Borussia dagegen bald verlassen. Leider kommt Marc Bartra seit dem inzwischen aufgeklärten Busanschlag nicht mehr in Tritt und beschäftigt sich laut „Kicker“ mit einer Rückkehr nach Spanien. Und da auch fünf Innenverteidiger noch einer zu viel sind, könnte es ihm BVB-Legende Neven Subotic gleich tun. Er ist scheinbar bei St. Etienne im Gespräch. Beides Wechsel, die auf menschlicher Ebene weh tun würden.

Manuel Akanji ist jedoch zuzutrauen, beide sportlich zu ersetzen und zu übertreffen. Nur ist die Innenverteidigung eben nicht die einzige Baustelle der BVB-Defensive. In Sachen Außenverteidigung betreibt man in der Vereinsführung seit Jahren Realitätsverweigerung, um es mal deutlich zu sagen. Und im defensiven Mittelfeld kommt derzeit keiner der zur Auswahl stehenden Spieler an seine Topform ran. Trotzdem oder gerade deswegen: Willkommen Manuel Akanji!