Cha-cha-cha-changes: Was Borussia Dortmund 2021 ändern sollte

Es hilft ja nichts: Fußball ist schrecklich kurzatmig. Es ist noch keine sechs Wochen her, da glaubte sicher nicht nur ich – nach dem 2:5-Sieg des BVB im Berliner Olympiastadion – dass sich die Schwarz-Gelben im Vergleich zur Vorsaison weiterentwickelt hätten. Es war nicht alles perfekt, aber man ist ja als Fan eines Vereins, der nicht Bayern München heißt, oft schon für Fortschritte dankbar. Doch die Wochen, die folgten, ließen alles wieder in anderem Licht erscheinen. Bedenken und Vorbehalte stellten sich als nur verbuddelt und nicht verschwunden heraus. Sie erwiesen sich als zu groß für das System Favre.

Warum der allenthalben als menschlich sympathisch beschriebene Schweizer Trainer scheiterte, ist nicht mit nur zwei Ansätzen zu erklären. Es mögen valide Gründe sein, dass Favre kein besonders guter Motivator war und einen zu abwartenden Spielstil pflegen ließ. Aber schon an dieser Stelle muss man fragen, warum diese Mannschaft scheinbar einen Klopp-ähnlichen Trainer braucht. Und warum sie zu selten die Lücke findet – denn auch Favre hat ja keine 90 Minuten Quergeschiebe gepredigt. Es gibt weitere Fragen: an den ehemaligen und den neuen Trainer sowie an die Entscheider im Verein.

Das Innenleben der Mannschaft

Fragt man sich etwa, warum das Team immer wieder diese unerklärlichen Aussetzer hat, besonders krass beispielsweise Ende letzter Saison gegen Mainz und Hoffenheim, landet man mit seinen Überlegungen bei der Mentalität, beim Charakter. Den zu hinterfragen klingt immer ein bisschen populistisch, weil viele Medien und auch Fans damit inflationär umgehen. Doch selbst im verlässlich guten BVB-Podcast der Ruhr Nachrichten war in Folge 247 von „kleinen Ich-AGs“ die Rede. Auch das klingt zunächst nach Polemik, aber im Kontext gehört wirkt es nur ein wenig zugespitzt und beinhaltet leider einige Funken Wahrheit. Weiterlesen „Cha-cha-cha-changes: Was Borussia Dortmund 2021 ändern sollte“

Achtung, sie könnten wiederkommen!

Die Bayern kommen. Das Westfalenstadion ist ausverkauft, es ist das „erste Pflichtspiel“ der Saison, der Supercup. Es werden weltweit wohl sogar eine ganze Menge Menschen zuschauen. Trotzdem bin ich sicher nicht der Einzige, der es nicht so schlimm findet, die Partie nicht sehen zu können.

Spannend wird’s am Freitag drauf in Düsseldorf, wo der KFC Uerdingen nun umstrittenerweise spielt. Den Supercup sehe auch Lucien Favre nur als „einen Teil der Vorbereitung“, schreibt der Kicker. Diese Vorbereitung ist bisher zweifelsohne gut verlaufen. Dass sich die Neuzugänge Julian Brandt und Thorgan Hazard bereits leicht verletzt haben, ebenso Roman Bürki, kann zu diesem Zeitpunkt sicher aufgefangen werden.

Damit wären wir bei meinem ‚Aber‘ der letzten Wochen: dem großen Kader. Der umfasst Stand heute nach der Zählung von Transfermarkt.de immer noch 32 Spieler. Shinji Kagawa und Maximilian Philipp haben noch keinen neuen Verein gefunden. Berlin hat sich für „Milli“ zerschlagen, da Hertha BSC Ex-Fortune Dodi Lukebakio aus Watford geholt hat. Wie schon geschrieben: Aus Philipp hätten der BVB und seine Trainer mehr herausholen können. Es tut mir leid um ihn.

Was passiert 2020?

Zwei, die man loswerden wollte, sind gegangen: Jeremy Toljan und André Schürrle. Kaum jemand wird sie spielerisch vermissen. Doch beide Transfers sind eben nicht endgültig und bringen auch kein Geld ein, wenn man vom gesparten Gehalt absieht. Toljans neuer Klub UD Sassuolo sowie im Fall Schürrle Spartak Moskau haben zwar Kaufoptionen. Aber damit die gezogen werden, müssen die beiden sportlich überzeugen und sich persönlich wohlfühlen, denn auch die Spieler müssten einem endgültigen Wechsel zustimmen. Es würde mich nicht im Geringsten wundern, wenn Schürrle und Toljan Ende Juni 2020 wieder in Dortmund aufkreuzen.

Eine wirklich nachhaltige Transferpolitik macht der BVB gerade nicht. Vieles ist aktuell auf den schnellen Erfolg ausgerichtet. Die Verantwortlichen sehen eine Chance auf die Schale und haben die Möglichkeit, dafür einiges auszugeben. Klar: Wenn es gelingt, haben sie alles richtig gemacht. So muss man das sagen, denn die Liga war mit Ausnahme der letzten Spielzeit zuletzt quälend einseitig. Klappt es nicht so gut, wird der Punkteabstand wieder größer, könnte das entschlossene Erfolgsdenken, das den großen Kader vielleicht derzeit vereint, nicht aufrechtzuerhalten sein.

Klingt zu negativ? Ja, mir geht das mit dem Kader seit geraumer Zeit zu sehr in Richtung Chelsea etc. Dennoch sind die Chancen auf sportlichen Erfolg so groß wie lange nicht. Im Moment überwiegt die Vorfreude gegenüber den Bedenken.

Transfer-Triple: Schuuulz, Hazard und Brandt zum BVB

Die Namen dieser drei Bundesliga-Spieler gingen schon einige Tage durch die Medien, die sich immer sicherer wurden, Nico Schulz, Thorgan Hazard und Julian Brandt bald in schwarz-gelb zu sehen. Aber dass es dann sowas von schnell ging… Gestern verkündete Borussia Dortmund gleich zwei Transfers: den von Hazard für 25,5 Millionen Euro plus Boni von Mönchengladbach und auch schon den von Brandt für festgeschriebene 25 Millionen aus Leverkusen. Zwei Kracher für die Offensive an einem ganz normalen Mittwoch. Linksverteidiger Schulz war einen Tag zuvor für ebenfalls 25,5 Millionen von der TSG Hoffenheim verpflichtet worden.

Sportlich macht jeder der drei für sich genommen absolut Sinn: Nationalspieler Nico Schulz bringt Geschwindigkeit und Vorbereiter-Qualitäten für die linke Seite. Natürlich dürften sich die Perspektiven von Marcel Schmelzer dadurch weiter verschlechtern. Aus sportlicher Sicht habe ich damit wenig Probleme. Thorgan Hazard als technisch versierter offensiver Außenspieler und Julian Brandt als starker Offensiv-Allrounder sind für den BVB qualitativ ein weiterer beträchtlicher Schritt nach vorne. Obwohl sie noch mehr oder weniger jung sind (Hazard 26, Brandt 23 Jahre), bringen sie weitreichende Erfahrung aus Bundesliga und Nationalmannschaft mit.

Das macht Appetit auf die nächste Saison. Einige Medien haben auch schon den ablösefreien Wechsel des Barca-Nachwuchsspielers Mateu Morey als perfekt vermeldet, doch offiziell verkündet wurde der noch nicht. Weil angesichts der größeren Namen noch keine Zeit war – oder gab es beim verletzungsanfälligen Rechtsverteidiger Probleme beim Medizincheck? Kommt Morey, dürfte es ihm zunächst ähnlich ergehen wie Sergi Gomez, der bisher überhaupt keine Rolle spielt. In der nächsten Spielzeit werden Achraf Hakimi und Lukasz Piszczek die ersten Anwärter auf den Platz rechts hinten sein, sofern sie fit bleiben. Weiterlesen „Transfer-Triple: Schuuulz, Hazard und Brandt zum BVB“

BVB verweigert Deadline Day

Während anderswo am Mittwoch Computer, Faxgeräte und scheinbar auch einige Samsung-Telefone heiß liefen, blieb es in der BVB-Geschäftsstelle am Rheinlanddamm mutmaßlich ruhig. Weder spektakuläre noch überhaupt irgendwelche Spielerwechsel vermeldete der Vizemeister in den letzten Tagen der Transferphase. In der Konsequenz umfasst der schwarz-gelbe Kader bis zum Winter 28 Spieler, sollte es keine vorzeitige Vertragsauflösung geben.

Gehen wir mal davon aus, dass die Borussia nicht den Ronny macht. Thomas Tuchel ist einer gewissen Rotation nicht abgeneigt, gilt aber auch als Trainer, der gerne mit einem überschaubaren Kader arbeitet. Es wird in der gerade gestarteten Hinserie zweifellos Härten geben und es könnte auch nachhaltig unzufriedene Spieler geben.

Wen könnte das betreffen? Es gibt jene Akteure, die sich wohl keine großen Hoffnungen auf einen Stammplatz ausrechnen und auch wenig dafür getan haben, ihn sich zu verdienen. Dazu fällt einem als erstes Joo-Ho Park ein, der die Borussia in absehbarer Zeit wieder verlassen dürfte. Dann ist da Nuri Sahin, der nach seiner Rückkehr nie zu früherer BVB-Form zurückfand, länger verletzt war, aber immer noch einen Bonus bei Teilen der Fans hat und zurück in die Mannschaft will.

Die Perspektiven der Olympia-Fahrer Bender und Ginter mögen etwas besser sein, aber höchstens einer von ihnen dürfte den Weg zurück in die Startelf schaffen. Sportlich ist das angesichts der Konkurrenz nachvollziehbar, aber die beiden sind Sympathieträger, die man gerne langfristig in schwarz-gelb sehen würde. Erik Durm wird es nach seinen Verletzungsproblemen auch erst mal schwer haben.

Und dann sind da noch die internaionalen jungen Talente, die mit den Füßen scharren. Spätestens nach den Mega-Transfers Schürrle und Götze dürfte klar sein, dass nicht für alle von ihnen Platz in der Startelf oder auch nur im Kader ist. Wie werden das Mikel Merino oder Emre Mor verkraften?

Kurzum, ganz wohl kann einem bei diesem großen Kader nicht sein. Es scheint sich auch in Dortmund einzubürgern, dass man sich viele Gedanken über Neuverpflichtungen macht, um nur ja schnell genug zu sein – und sich erst dann möglichen Abgängen zuwendet. Rein finanziell kann man sich das Riesenaufgebot ja leisten. Nur bewegt man sich so mehr in Richtung Premier League, als Watzke & Co zugeben wollen.

Ist Mario Götze der verlorene Sohn?

Er ist wieder da: Der Kicker vermeldet heute Abend, dass die Rückkehr von Mario Götze zu Borussia Dortmund perfekt sei – für einen „Basisbetrag“ von 26 Millionen Euro. Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte am Rande des Testspiels gegen Manchester City verlauten lassen, dass morgen eine Einigung erfolgen könne. So scheint tatsächlich wahr zu werden, was sich viele nicht vorstellen konnten und viele nicht vorstellen wollten. Wobei die erste Gruppe nicht ganz kongruent mit letzterer ist.

Des Weiteren sollen auch die Verhandlungen mit dem VfL Wolfsburg wegen André Schürrle weit gediehen sein. Es ist wahrscheinlich, wenn auch noch nicht komplett sicher, dass die beiden Protagonisten des WM-Siegtors von 2014 bald in schwarz-gelb spielen. Für die zwei Freunde Schürrle und Götze dürfte der BVB dann rund 56 Millionen ausgegeben haben. Diese Transfers würden in Dortmunder Fankreisen polarisieren wie kaum eine andere Vereinsentscheidung der letzten Jahre. Zeit für einige Diskussionsanstöße.

Woher dieser Hass?

Wer in den letzten Monaten Internetforen oder die Leserkommentare in Sportportalen zum Thema BVB-Transfers gelesen hat, wird zweifellos auf eine Reihe äußerst kritischer bis gehässiger Beiträge zu Mario Götze und André Schürrle gestoßen sein. Während Götze sich nachweislich ungeschickt bis unfein aus Dortmund verabschiedet hat, ist Schürrles einziges Vergehen, dass er zeitweise seine Leistung nicht abrief und der BVB nun viel Geld für ihn bezahlen soll. Weiterlesen „Ist Mario Götze der verlorene Sohn?“

Die Hummels zieht es an den Viktualienmarkt

Jetzt ist es also raus: Kapitän Mats Hummels möchte Borussia Dortmund im Sommer verlassen und zum FC Bayern wechseln. Vermutlich muss man der Börse ausnahmsweise mal dankbar sein – dafür, dass der BVB mit einer Ad-Hoc-Mitteilung die Anteilseigner informieren musste, so dass sich die Hängepartie mit entsprechendem Medienecho nicht bis zum Pokalfinale zieht.

Für die Borussia ist das bitter, das braucht man nicht zu beschönigen. Mats‘ rein defensive Qualitäten, etwa Tacklings und Positionsspiel, sind ersetzbar. Dass ein Abwehrspieler auch so wichtig und kompetent im Aufbauspiel und bei seinen Vorstößen ist, trifft man dagegen selten an. Obendrein ist Hummels Kapitän der Schwarz-Gelben und oft genug auch Wortführer, an guten wie an schlechten Tagen.

Zu der ach so großen sportlichen Herausforderung Bayern München habe ich im letzten Artikel schon etwas geschrieben. Gut möglich, dass Mats Hummels die Sache anders sieht. Genauso muss man seine familiären Motive anerkennen. Die Umstände sind nun mal so, dass bei seiner Entscheidung auch P1 und Viktualienmarkt eine Rolle gespielt haben dürften. Man kann dann noch diskutieren, ob Mats mit seinem Wechselwunsch früheren Äußerungen von sich widerspricht. Das mag so sein, aber Meinungen ändern sich – das ist der Lauf der Dinge. Mats setzt nun andere Prioritäten – sportliche Sicherheit und Familie. Weiterlesen „Die Hummels zieht es an den Viktualienmarkt“

Keine Liebesbeziehung: Der FC Bayern und die Liga

7. Spieltag in der Fußball-Bundesliga: Nach zwei Unentschieden des ärgsten Verfolgers zieht der FC Bayern bereits wieder weitgehend unbedrängt seine Kreise. Zwei Partien nach dem Startrekord von Borussia Dortmund hat der Rekordmeister die Möglichkeit, die Schwarz-Gelben am Sonntag auf sieben Punkte zu distanzieren. Der Pokalsieger und Vizemeister aus Wolfsburg hat bereits jetzt neun Zähler Rückstand. Gewinnen die Roten am Wochenende, könnte ausgerechnet der FC Schalke als einziges Team den Abstand bei erträglichen fünf Punkten halten. Doch nach Auftritten wie gegen den VfB nimmt wohl niemand die Blauen ernsthaft als Konkurrenz für die Bazis wahr.

Reden wir also über die Dominanz des FC Bayern! Natürlich ist das ein für Fußball-Verhältnisse uraltes Thema, das seinen Ursprung wohl schon in den 1980ern hat. Doch es beschäftigt die Fans eben nach wie vor wie kaum ein zweites. Sind die nationale Vormachtstellung und die internationale Konkurrenzfähigkeit des FCB Segen oder Fluch für den Rest der Liga?

Fragt man die Verantwortlichen anderer Vereine, kommentieren die das Thema meist fatalistisch. DFB und DFL weisen auf die ungebrochene Attraktivität der Liga, die vollen Stadien und die vielen anderen spannenden Entscheidungen jenseits der Meisterschaft hin. Und überhaupt: Die Bayern seien schließlich ein weltweites Aushängeschild des deutschen Fußballs und sorgten mit ihren Erfolgen in der Champions League dafür, dass andere Vereine überhaupt erst teilnehmen könnten – wie gerne auch von Fans der Münchener angeführt wird. Weiterlesen „Keine Liebesbeziehung: Der FC Bayern und die Liga“

Wir Ahnungslosen

Vor einem Jahr wussten wir Bescheid: Im schwarz-gelben Fußball-Universum war Ende Juni trotz Weltmeisterschaft in Brasilien lediglich unklar, ob Matthias Ginter als Ergänzung für die Defensive zu Borussia Dortmund wechseln würde. 2015 sieht es eine knappe Woche vor Trainingsauftakt ganz anders aus. In allen Mannschaftsteilen stellen sich Fragen: Wer den Verein verlässt, wer bleibt, oder zumindest, wer künftig zur Startelf zählt und wer am Rand steht.

Selbstverständlich ist diese Ungewissheit bis zu einem gewissen Maß unvermeidbar. Schließlich hat die Borussia einen neuen Trainer – das sind wir eben nur nicht mehr gewöhnt. Völlig klar, dass Thomas Tuchel zunächst seine Spieler kennenlernen muss. Und zwar persönlich und im Training, nicht nur am Telefon. Doch bei so vielen Fragezeichen wächst auch die Sorge, dass manche Personalie nicht zufriedenstellend geklärt werden könnte. Wagen wir noch mal den Überblick.

Tor. Roman Bürki ist gekommen, Mitch Langerak wird aller Voraussicht nach bleiben und sich mit ihm einen Zweikampf um die Nummer 1 liefern. Für Roman Weidenfeller soll es Interessenten geben und die Tendenz geht dahin, dass sich der langjährige Dortmunder Keeper auf einen Wechsel einlässt. Hendrik Bonmann wird nach Zlatan Alomerovics Abgang die neue Nummer Drei. Weiterlesen „Wir Ahnungslosen“

Anfang gut, alles gut?

Borussia Dortmund hat die ersten zwei ‚ernsthaften‘ Testspiele der Saisonvorbereitung hinter sich gebracht und nicht den Eindruck hinterlassen, dass der vergleichsweise späte Trainingsauftakt ein Problem sein könnte. Beim 3:0 in Magdeburg am Montag sah es spielerisch zwar noch sehr nach Frühphase der Vorbereitung aus, doch vorgestern Abend gelang den Schwarz-Gelben im Basler St. Jakob-Park gegen den örtlichen Champions League-Teilnehmer, der auch noch kurz vor dem Saisonstart steht, ein 3:1. Der BVB überzeugte dabei vor allem in der ersten Hälfte, in der Jürgen Klopp mit Ausnahme des jungen Eric Durm rechts hinten eine mögliche Pflichtspiel-Startelf aufbot.

Das Schöne für uns Fans: Alle Neuzugänge waren über einen längeren Zeitraum zu sehen. Henrikh Mkhitaryan spielte von Beginn an bis zur Pause und zeigte genau das, was Jürgen Klopp und Michael Zorc in ihm gesehen haben müssen: Vielseitigkeit und gute Laufwege, egal ob durch die Mitte oder eher über außen, Passgenauigkeit und Treffsicherheit. Und dass alles so gut funktionierte spricht zudem für seine Entschlossenheit, sich so schnell wie möglich zu integrieren und durchzusetzen. Pierre-Emerick Aubameyang kam zur zweiten Hälfte und nahm die meiste Zeit eine Linksaußen-Position ein. Wie Lewandowski und Großkreutz hatte er Pech mit einem Pfostenschuss – ansonsten war vor allem seine Schnelligkeit deutlich zu erkennen.

Sokratis durfte 45 Minuten auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung ran und machte seine Sache sehr gut. In den nächsten Begegnungen werden wohl auch seine Fähigkeiten als Rechtsverteidiger überprüft werden.

Offen bleibt die Frage, ob Marcel Schmelzer adäquat ersetzt werden kann. Nachdem er am Mittwoch verletzt raus musste, übernahm der junge Jannik Bandowski seine Position, der allerdings noch Zeit braucht, um eine ernsthafte Alternative auch für Pflichtspiele zu sein. Hans-Joachim Watzke hat die Transferaktivitäten der Borussia nun offiziell vorerst für beendet erklärt. Die Optionen hinter Schmelzer lauten nun also Großkreutz, möglicherweise Sokratis und irgendwann vielleicht mal Bandowski. Klar, es wäre schön, wenn Kevin wieder regelmäßiger spielen oder sich ein Junge aus dem Nachwuchs durchsetzen würde. Der Weg, der hier entgegen früherer Bekundungen eingeschlagen wird, ist jedoch riskant; die Flügel scheinen nicht unverwundbar.

Ein junger Spieler, der viel Anlass zu Optimismus gibt, ist allerdings Jonas Hofmann. Der kam vor zwei Jahren von der TSG Hoffenheim nach Dortmund und hat nach allen bisherigen Eindrücken das Zeug dazu, sich im Bundesliga-Kader zu etablieren. Die starke Vorstellung in Basel krönte er mit dem späten 3:1.

Der Gebrauchtspielerhändler

Der Ansehensverlust, den der aktuelle Trainer des VFL Wolfsburg in den letzten zwei Jahren erlitten hat, ist beträchtlich. Felix Magath has lost the plot – der englische Satz drückt es besser aus als deutsche Alternativen. Gründe und Zeitpunkt liegen auf der Hand: Seit Magath in Gelsenkirchen der im Rahmen eines gewissen Budgets Alleinverantwortliche für Transfers geworden ist, hakt es in seinen Teams. Im ersten Schalker Jahr war wenig Geld zum Ausgeben da, in der zweiten Saison verhedderte sich der ehemalige Startrainer im internationalen Transfergestrüpp. Die Anlagen, viele Spieler auszuprobieren und dabei nicht immer genügend Geduld zu haben, waren schon vorher erkennbar.

Beim Quasi-Werksclub aus Wolfsburg sieht die Tendenz ähnlich aus. Als Manager britischen Schlags hat Magath in eigener Verantwortung erneut eine Mischung zusammengestellt, deren Tauglichkeit noch zu beweisen wäre: Ältere, ehemals profilierte Spieler, die der ‚Trainager‘ noch von früher kennt. Internationale Spieler, denen Magath Potenzial zuspricht, die es aber unterschiedlich gut unter Beweis stellen und daher häufig wie aus der Wundertüte gegriffen wirken. Und jüngere Spieler, die neuerdings sogar gelegentlich aus dem Nachwuchs des Vereins kommen.

Über seinen Transferaktivitäten scheint Magath jedoch das Teambuilding zu vergessen. Bekanntlich war der 58-jährige noch nie ein ‚Spielerversteher‘, sondern wurde in der Vergangenheit eher mit Begriffen wie ‚Schleifer‘ und noch weniger Schmeichelhaftem bedacht. Seine Fähigkeiten als Trainer und der daraus resultierende Erfolg haben Magaths Mannschaften immer irgendwie zusammengehalten. In seinem letzten Jahr bei S 04 und nun bei Wolfsburg gilt das nur noch bedingt. Die Ergebnisse und Auftritte sind sehr unkonstant. Magath scheint weder bei der Auswahl der Spieler auf dem Transfermarkt noch bei der täglichen Trainingsarbeit sonderlich Wert auf die charakterliche Struktur der Mannschaft zu legen. Vielleicht ist er damit aber auch schlicht überfordert.

Felix Magath hat andererseits viel Erfahrung und ist taktisch mit allen Wassern gewaschen. Das Heimspiel von Borussia Dortmund am Samstag wird also eher kein Selbstläufer. Hier und da wird über ein 3-5-2-System der Gäste gemunkelt, also eine Dreier-Abwehr, die sich bei Bedarf mit Hilfe der Flügelspieler in eine Fünferkette verwandelt. Diese taktische Aufstellung verbindet zwar auf dem Papier die Vorteile einer sicheren Abwehr mit denen eines stark besetzten Mittelfelds, sie ist aber anfällig bei schnellen Gegenzügen und funktioniert nur, wenn vor allem die Flügelspieler blitzschnell mitdenken. Sonst finden sich selbst drei Innenverteidiger schnell mal auf verlorenem Posten wieder. Ich bezweifle daher, dass Magath ausgerechnet beim wiedererstarkten Meister dieses Risiko eingeht.

Personell gibt es bei den Gästen nur zwei feststehende, bedeutsame Ausfälle: Neuzugang Srdjan Lakic fehlt noch wegen einer Meniskusquetschung. Neuzugang Thomas Hitzlsperger muss sich einer Knie-OP unterziehen. Lakics Sturmkollege Mandzukic dürfte sich bis übermorgen von seiner Erkältung erholen. Dass Innenverteidiger Alexander Madlung nach einem Faserriss voraussichtlich nicht rechtzeitig fit werden wird, spricht ebenfalls gegen die oben diskutierte taktische Variante.

Bei der Borussia steht das größte Fragezeichen hinter Sven Bender. Nach seiner Fußverletzung soll das Mittelfeld-Kraftwerk (wie er vermutlich in England bezeichnet werden würde) morgen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Soll. Wenn Bender bis Samstag fit würde, wäre er unverzichtbar. Sollten noch ein paar Prozent fehlen, dürfte es erneut auf die Kombination Kehl – Leitner im defensiven Mittelfeld hinauslaufen. Eine hier schon mal angedachte Variante für den Sturm hält auch Jürgen Klopp für möglich: Aufgrund der starken Leistungen von Robert Lewandowski und der wieder hergestellten Fitness von Lucas Barrios ist nicht ausgeschlossen, dass gegen Wolfsburg beide in der Startelf stehen. Wer dann außer Mario Götze dahinter bzw. daneben spielt, ist weitgehend offen. Kevin Großkreutz hat in der Champions League Boden gut gemacht und ist für Heimspiele immer eine Option.

Mit einem Heimsieg gegen die weiterhin wenig sympathischen Wolfsburger könnte die Borussia eine gute Ausgangssituation für die spannenden Tage nach der Länderspielpause schaffen. Wenn es zum Aufeinandertreffen mit den Bayern, Arsenal und Schalke kommt. Daran sollte jedoch vor der Partie am Samstag niemand einen Gedanken verschwenden. Denn bei allem, was man an Felix Magath kritisieren kann – ein Trainerfuchs ist er nach wie vor. Und seine Wölfe werden zuschlagen, wenn sie Schwäche wittern. Was wie eine billige Metapher klingt, scheint mir gar nicht weit hergeholt – denn am meisten fehlen den Wolfsburgern Selbstbewusstsein und ein richtiges Erfolgserlebnis. Das sollten wir ihnen nicht verschaffen.