Weiter geht’s: Toljan da, Passlack weg

Keine Atempause auf dem Transfermarkt: Schon seit einigen Tagen wurde über eine Art Tauschgeschäft mit der TSG Hoffenheim spekuliert, das Jeremy Toljan und Felix Passlack betreffen sollte. Kurzzeitig schien der Deal wegen des geplatzten Verkaufs von Erik Durm an den VfB Stuttgart in Frage zu stehen. Gestern verdichteten sich wie berichtet die Erkenntnisse, dass er doch bevorsteht. Heute Vormittag war es so weit.

Der BVB holt also den U21-Europameister und beidseitigen Außenverteidiger Jeremy Toljan (23) aus Sinsheim. Er erhält einen Fünfjahresvertrag. Im Gegenzug wird der U19-Nationalspieler und beidseitige Außenverteidiger Felix Passlack ohne Kaufoption für zwei Jahre an die TSG verliehen. Die Borussia lässt sich Toljan laut Kicker sieben Millionen Euro plus Boni kosten.

Das macht nur Sinn, wenn Michael Zorc, Aki Watzke und Peter Bosz Jeremy Toljan nicht nur für den derzeit besseren Außenverteidiger halten, sondern der Trainer auch vor hat, ihn einzusetzen. Denn Toljans Vertrag wäre nächsten Sommer ausgelaufen; er hätte dann ablösefrei zum BVB wechseln können. Das heißt im Idealfall: Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek haben sich ab sofort echter Konkurrenz zu stellen. Dan-Axel Zagadou hat auch schon gezeigt, dass er die Position ordentlich spielen kann.

Ob sich Toljan dauerhaft gegen einen der beiden Platzhirsche durchsetzen kann, ist eine andere Frage. In knapp vier Jahren seit seinem Bundesligadebüt für die TSG kam er dort auf 56 Einsätze. In der aktuellen Saison hat er allerdings die kompletten 180 Minuten absolviert. Was man mit großer Wahrscheinlichkeit sagen kann: Jeremy Toljan hat noch mehr Entwicklungspotenzial als Schmelle und Piszczu. Die wohl größte Baustelle der Borussia scheint endlich ernsthaft angepackt zu werden.

Felix Passlack könnte nach zwei Jahren zum BVB zurückkehren. Dafür steht ein Anderer, der wirklich ein schwarz-gelbes Herz hat, vor einem Wechsel zum prominenten Regionalligisten 1860 München. Torwart Hendrik Bonmann sagte Schwatzgelb.de: „Mein größter Traum ist und bleibt Borussia Dortmund.“ Doch schon zum Zeitpunkt des Interviews im April war klar, dass es Bonmann in der ersten Mannschaft wie in der U23 trotz guter Leistungen schwer haben würde. Die Ersatzbank im Westfalenstadion ist schließlich ein weiteres Jahr mit Roman Weidenfeller besetzt. Und im Kader der U23 gehen die Plätze für ältere Spieler aus. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Rückkehr als Nummer Eins oder Zwei.

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Emre Mor: Vigo statt Mailand

Es tut sich so einiges in Dortmund: In diesem Jahr ist die Borussia beim „Transfer window countdown“ gut vertreten. Heute, zwei Tage vor Ende der Wechselperiode, ging der Transfer von Emre Mor über die Bühne. Doch nicht in Mailand oder Turin ist der 20-Jährige gelandet, sondern in Vigo, in Galizien im Nordwesten Spaniens. Vigo ist eine Hafen- und Universitätsstadt mit fast 300.000 Einwohnern, doch der örtliche Erstligist ist bescheiden in die Primera Division gestartet und dürfte in dieser Saison keine bedeutende Rolle spielen.

Der BVB kassiert angeblich 13 Millionen Euro für Mor. Das wäre eine ganze Ecke mehr als man vor einem Jahr nach Dänemark überwiesen hat, auch wenn die Gewinnspanne nicht dembelesk ist. Emre Mor wurde uns als der „türkische Messi“ angekündigt. Natürlich nahm das niemand wortwörtlich. Der Junge wusste in Ansätzen zu überzeugen – in erster Linie, was Technik und Antritt angeht. Er war aber zu weit davon entfernt, ein kompletter Spieler zu sein. Zu weit für die Ansprüche des BVB. Mor war zu oft eigensinnig und impulsiv, rannte sich fest, traf falsche Entscheidungen.

Ob er sein angenommenes Potenzial bestätigen kann und wir uns irgendwann noch schwarz ärgern, ihn nicht gehalten zu haben? In Vigo ist Ersteres möglich, in Dortmund wohl nicht, weswegen die Entscheidung so oder so nachvollziehbar ist, vom Spieler wie vom Verein. Dass Mor wirklich so durch die Decke geht wie Dembelé wage ich allerdings zu bezweifeln.

In anderen Nachrichten wurde heute vom Kicker gemeldet, dass auch ohne einen Abgang von Erik Durm der Hoffenheimer Außenverteidiger und Junioren-Europameister Jeremy Toljan im Anflug auf Dortmund ist. Fünf Millionen soll er kosten; im Gegenzug könnte Felix Passlack an die TSG verliehen werden. Für mich ein Transfer, der ggf. absolut Sinn macht, hege ich doch schon lange Zweifel an der Spitzenqualität unserer Außenverteidigung. Toljan könnte übrigens auf beiden Seiten spielen, ist aber ebenfalls noch kein fertiger Spieler.

Kurz vor Saisonstart: endlich gute Nachrichten?

Borussia Dortmund erlebt den unruhigsten Sommer seit Jahren: Nach dem vollzogenen und mMn geglückten Trainerwechsel erfasst den Verein der Schneeballeffekt des Neymar-Transfers. Nach diesem Sündenfall gibt es bei den Akteuren der Spitzenklubs offenbar endgültig keine Hemmungen mehr. Doch verteilen wir die Schuld gerecht: Niemand kann Ousmane Dembelé befehlen, dem BVB-Training fernzubleiben. Dafür ist im Endeffekt schon der Spieler verantwortlich – genau wie Pierre-Emerick Aubameyang für zweifelhafte Äußerungen zu einer italienischen Modemetropole.

Letztlich wollten auch wir Fans es nicht so genau wissen. Wir haben uns alle ein wenig in Ousmane verliebt und Bedenken beiseite gewischt, die man hätte haben können – schließlich hat der Wunderknabe die gleiche Show schon mal in Frankreich abgezogen. Doch wir wollten seiner Darstellung der Dinge Glauben schenken und ihm vertrauen. Inzwischen haben sich auch BVB-Spieler wie Sokratis und Gonzalo Castro kritisch zu Dembelés Verhalten geäußert – was soll man auch sonst sagen? Eine Wiedereingliederung scheint derzeit schwer vorstellbar und doch darf der Verein nicht klein beigeben. Aus Prinzip, auch wenn andere solche Werte schon lange über Bord geworfen haben.

Angesichts der Richtung, in die sich der Profifußball entwickelt, kann man fast nur noch verzweifeln oder sich in Ironie flüchten. Ich respektiere die Leute, die Letzteres teilweise virtuos beherrschen und die Geschehnisse mit trockenem Humor kommentieren. Mir fehlt dazu beim Thema Fußball das Talent. Die einzige Lösung liegt auf dem Platz: Zum Glück geht es morgen wieder los. Weiterlesen →

Nichts Neues in Sinsheim – aber spannend war’s

1. Bundesliga, 15. Spieltag / TSG Hoffenheim 2 BVB 2

Der BVB kommt nach teils selbst-, teils fremdverschuldeten Nackenschlägen zweimal zurück, spielt dabei 50 Minuten in Unterzahl. Die nötige Energieleistung führt dazu, dass die Gastgeber in Hälfte 2 mehr Ballbesitz haben. Kurz vor Schluss vergibt die TSG die Chance zum Sieg, der aber nicht gerecht gewesen wäre.

Drei Gedanken zum Spiel

We were robbed. Man muss den 27-jährigen Schiedsrichter Benjamin Brand nicht gleich in eine Reihe mit Hartmut Strampe, Michael Weiner und Wolfgang Stark stellen. Doch in der Partie gegen die gewohnt unsauberen Hoffenheimer hat er die Borussia zweimal massiv benachteiligt. Vor dem 1:2 schubste Sandro Wagner Rückkehrer Sven Bender im entscheidenden Moment weg. Sonst wäre vermutlich ‚Manni‘ zum Kopfball gekommen – oder zumindest Wagner nicht so frei. Es war natürlich nur ein Allerweltsfoul im Strafraum – aber eines, das Stürmern immer abgepfiffen wird.

Noch eklatanter die zweite Fehlentscheidung: Von anderen fragwürdigen Zweikampfbewertungen fangen wir nicht an, aber diese hätte genau andersherum ausfallen müssen. Marco Reus ging, schon mit Gelb belastet, als defensiver Akteur in ein Laufduell mit Nadiem Amiri. Wie Fernsehbilder beweisen, zieht Amiri Reus am Trikot. Dadurch kommt Marco nach mehreren Sekunden aus dem Tritt und am Ende Amiri zu Fall. Ursache und Wirkung sind zumindest im Fernsehen unstrittig zu erkennen – doch weder Schiri Brand noch sein nicht weit entfernter Assistent sehen die Szene so. Es war auch ‚geschickt‘ gemacht vom Hoffenheimer, der von unten zieht, was womöglich schwieriger zu sehen war. Selbstredend gibt Amiri das Foul nicht zu.

Would the Real Roman please stand up! Im Bernabeu war er sensationell, doch in der Bundesliga zeigt sich, warum Roman Weidenfeller nicht mehr regelmäßig im BVB-Tor steht. Dass das nur fehlende Spielpraxis ist, glaube ich nicht. Natürlich, vor dem 0:1 hebt ein noch von einem Zusammenprall angeschlagener Matthias Ginter das Abseits auf und vor dem 1:2 ereignet sich besagtes Foul von Sandro Wagner. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass Weidenfeller beim ersten Gegentreffer zwischen dem Tor und dem heraneilenden Uth strandet und beim zweiten den Ball fast schon durch die Hände rutschen lässt. Bei allen Verdiensten hat mMn eine Vertragsverlängerung mit Roman keine Priorität. Inzwischen scheint er große Gegner oder große Momente wie ein Elfmeterschießen für Höchstleistungen zu brauchen.

Punktgewinn dank Batman and Fantomous: Schön zu sehen, dass Superstars oder Bald-Superstars wie Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé keine Champions League für starke Auftritte brauchen. Auch sie haben schwächere Partien, doch die gestern gehörte nicht dazu. Wann hatten wir seit Tomas Rosicky einen derart dribbelstarken Spieler wie Ousmane? Es waren ja nicht nur die tollen Vorarbeiten für Mario Götzes erstes Liga-Saisontor und Aubas 16., womit Letzterer nun vier Treffer vor Modeste liegt. Für die Hoffenheimer Abwehrreihen war Ousmane phasenweise ein Phantom. Ich bekenne: Dembélé ist noch besser als ich es mir vorgestellt habe. Und natürlich war auch Aubas Heber toll gemacht.

Leider ist nun fraglich, ob wir das Duo beim letzten Spiel vor Weihnachten, am Dienstag gegen Augsburg, noch mal gemeinsam sehen werden. Schließlich wurde ‚Ous‘ nach mehreren Wirkungstreffern verletzt ausgewechselt. Trotzdem ist ein Heimsieg gegen Augsburg, die gerade Dirk Schuster entlassen haben, natürlich Pflicht, um nach oben nicht wieder abreißen zu lassen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Bender, Bartra – Pulisic (83. Ramos), Weigl, Götze, Schmelzer – Dembélé (69. Mor), Reus – Aubameyang (90. +2 Aubameyang). Gelbe Karte: Bartra. Gelb-Rote Karte: Reus. Tore: Götze, Aubameyang

Dortmund reichen 45 Minuten

Eine Halbzeit lang spielte sich im Westfalenstadion ein Deja Vu ab: Wieder mal ein Drecksspiel gegen Hoffenheim. Doch nach rund 93 Minuten jubelte nur noch Schwarz-Gelb. In einem klassischen Spiel der zwei Hälften brachten sich die Gäste auch selbst um ihre Punkte.

Der Eindruck von der Aufstellung der Borussia war vor der Partie kein negativer: Insgeheim hatte man mit noch mehr Änderungen gerechnet. Während einer Halbzeit zum Vergessen zeigte sich jedoch der Wert einer IV aus Hummels und Sokratis ebenso wie die Wichtigkeit von Ilkay Gündogan. Die in den letzten Wochen gewonnenen Eindrücke setzten sich fort, obwohl man es sich anders gewünscht hätte: Julian Weigl ist nicht das Wunderkind, zu dem er in dieser Saison bereits hochgejazzt wurde. Und Nuri Sahin kann nicht aus dem Stand das Level von Gündogan erreichen. Gegen aggressiv auftretende Hoffenheimer, die mit Julian Nagelsmann wohl nicht absteigen werden, fehlte sowohl der Zugriff im Mittelfeld als auch das energische Aufbauspiel unseres Kapitäns.

Eine entblößte Zentrale, Pech von Bürki: Es stand tatsächlich 0:1 zur Pause. Die Statistiker haben uns allerdings beigebracht, dass ‚Hoffe‘ gerne mal in Führung geht und dann nicht immer gewinnt.

In Dortmund kam nach der Pause endlich Gündogan und Sebastian Rudy sah Rot. Zwar war der Hoffenheimer nicht letzter Mann und das Foul sah nicht brutal aus. Allerdings war es ein klassischer Fall einer Grätsche von hinten – und da gibt es ja gewisse Regeln.

Nach dem Platzverweis war der zuvor zur Schau gestellte Optimismus der Gäste verschwunden. Es ging nur noch ums Verteidigen und zum Glück schief. Auch wenn sich die Geduld des BVB erst in der letzten Viertelstunde auszahlte: Am Ende war der Sieg verdient. Mkhitaryan unterstrich seine Ausnahmestellung mit dem Ausgleich und der Vorlage zum 3:1, das dem Tor zum selben Ergebnis in Stuttgart entsprach. Nur dass diesmal Miki die Vorlage für Auba gab.

Zwischendurch hatte ausgerechnet Adrian Ramos mit einem tollen Kopfball zum natürlich besonders umjubelten 2:1 getroffen. Über seine Einwechslung braucht man nicht zu diskutieren. Fragen wirft allerdings auf, dass Thomas Tuchel erneut Moritz Leitner Gonzalo Castro vorzog. Um es klar zu sagen: Am Sieg der Borussia war Leitner weitgehend unschuldig.

Das soll nicht davon ablenken, dass die Schwarz-Gelben in den zweiten 45 Minuten die richtigen Antworten gefunden haben. Ohne Reibungsverluste geht der Spagat zwischen komfortablem zweiten Platz in der Liga und zwei deutlich umkämpfteren Wettbewerben aber nicht vonstatten.

Fußball ist keine Ökonomie

1. Bundesliga, 6. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 1

Zumindest das Kerngeschäft unserer Lieblingssportart liegt nach wie vor auf dem Platz. Und da halten sich die Möglichkeiten, mit dem kleinstmöglichen Personalaufwand den größtmöglichen Ertrag zu erzielen, in Grenzen. Nach der Partie von Borussia Dortmund in Sinsheim waren sich wohl die meisten Beobachter einig: Hätte wenigstens einer aus dem Kreativ-Duo Gündogan / Mkhitaryan die erste Hälfte bestritten, wäre das Offensivspiel des BVB effektiver gewesen – und in der Folge die Begegnung womöglich anders ausgegangen.

Als Mkhitaryan und Gündogan kurz hintereinander (nach der Pause und in Minute 54) ins Spiel kamen, fiel beinahe unmittelbar der Ausgleich. An dem waren zwar in erster Linie Hummels mit einem präzisen Pass, Castro mit einer Brust-Vorlage und Aubameyang mit dem Abschluss beteiligt. Doch in der zweiten Hälfte war alles in allem ein ganz anderer Zug im BVB-Spiel. Die Schwarz-Gelben hatten die Partie ohnehin über weite Strecken bestimmt; in den zweiten 45 Minuten kreierten sie auch die Gelegenheiten, die eigentlich zum Sieg hätten reichen müssen. Leider konnte der dritte Einwechselspieler, Adrian Ramos, nicht an die guten Ansätze von zuletzt anknüpfen.

Wenn man Thomas Tuchel den ja nicht falschen Gedanken unterstellt, dass er Jonas Hofmann für seinen engagierten und erfolgreichen Auftritt gegen Leverkusen belohnen und Gonzalo Castro mal wieder 90 Minuten gönnen wollte, machte der Trainer nur den im ersten Absatz angedeuteten Fehler. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, Castro auf der ‚6‘ einzusetzen und Weigl eine Pause zu gönnen.

Nicht verschwiegen werden soll, dass die Gastgeber ihre Sache für einen Tabellen-15. gut machten. Es war das alte Hoffe-Lied: Über ihre Aggressivität kam die TSG ins Spiel. Die Spitzen Vargas und Volland brachten die schwarz-gelbe Defensive einige Male ins Schwitzen. Fokussiert man sich auf die eigenen Spieler, kommt man zur Erkenntnis, dass die Nationalelf für unsere Außenverteidiger trotz des Besuchs von Joachim Löw in Hopps Was-auch-immer-Arena noch ein Stück entfernt ist. Auch und gerade für Matthias Ginter, der erneut durch einen gefährlichen Fehlpass auffiel und ausgerechnet in seinem Kerngeschäft, den Defensivzweikämpfen, seine liebe Mühe hatte.

Was wäre eine Partie gegen Hoffenheim ohne ein paar Fragen an den Schiedsrichter? Tobias Welz hieß der Mann mit der Pfeife gestern. Die öffentliche Kritik fokussierte sich auf den nicht gegebenen Handelfmeter, als Toljan mit erhobenem Arm in eine Castro-Flanke sprang. Ich hätte mir viel eher noch eine Wiederholung der gesamten Entstehung des 0:1 gewünscht – denn vor Hoffenheims gelungenem Angriff und Rudys Tor schien der Ball im Seitenaus gewesen zu sein.

Man kann den Wutausbruch vom Mats Hummels nach dem Schlusspfiff verstehen. Der Punktverlust war nicht nötig, auch wenn er wirklich kein Beinbruch ist. Hätten Spieler und Trainer über 90 Minuten überzeugt, hätte es nur einen Sieger geben können. Gegen Darmstadt und im Westfalenstadion bestehen am Sonntag durchaus Chancen, in die Erfolgsspur zurückzukehren.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Hofmann (46. Mkhitaryan), Castro (77. Ramos), Kagawa, Reus (54. Gündogan) – Aubameyang. Gelbe Karte: Gündogan. Tor: Aubameyang

Müde aber zufrieden

DFB-Pokal, Viertelfinale / BVB 3 TSG Hoffenheim 2 (n.V.)

Spiele von Borussia Dortmund sind derzeit anstrengend. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit „langweilig“ oder „schlecht“. Am Samstag war das stets emotionale Duell gegen den FC Bayern verbunden mit Frust über die Unfähigkeit der Schwarz-Gelben, gegen mauernde Gäste mehr als zwei, drei Chancen herauszuspielen – und natürlich mit Ärger über Schiedsrichter Knut Kircher, der vom „Kicker“ am Dienstag vor allem wegen der Fehlentscheidungen gegen den BVB die Note 5 bekam.

Gestern bescherte uns die Borussia nun einen langen Pokalabend gegen einen ungeliebten Kontrahenten. Mit viel Kampf, einigem Krampf und spätem Glück. Auch das schlauchte etwas. Nach dem 1:2 in Folge des kapitalen Patzers von Neven Subotic ertappte ich mich wieder beim Gedanken an eine der ärgerlichsten Niederlagen der letzten Jahre, die Partie gegen denselben Gegner am letzten Spieltag 2013. Was hätten die schwarz-gelben Jungs uns alles ersparen können. Doch zum Glück zeigte der BVB doch noch seine in den letzten Jahren erworbenen Pokal-Qualitäten.

Gut möglich, dass der Umschwung mit dem Support durch das ausverkaufte Stadion zu tun hatte, das absolut keine Lust auf eine weitere entscheidende Niederlage gegen die TSG verspürte. In der ersten Hälfte hatten die Borussen enttäuschend wenig echte Torgefahr gegen eine keinesfalls sattelfeste Gäste-Defensive verbreitet. Ohne Marco Reus und Mats Hummels, die mit Schmerzen, aber ohne schlimme Verletzungen ausfielen, fehlten wichtige Impulsgeber. Henrikh Mkhitaryan hatte gute Ideen, die er aber schwach umsetzte. Shinji Kagawa war zu selten zu sehen, dann allerdings effektiver als der Armenier. Weiterlesen →

Nicht mit Kevin

1. Bundesliga, 33. Spieltag / BVB 3 TSG Hoffenheim 2

Eine quälende knappe halbe Stunde schien es am Samstag so, als ob die Turn- und Sportgemeinschaft Hoffenheim erneut das entscheidende Plus an Biss ins Westfalenstadion mitgebracht hatte, um drei Punkte in ihr Dorf mitzunehmen. Mats Hummels hatte trotz aller Qualität und Intelligenz nicht zum ersten Mal in einem dieser ‚Spiele um die Ehre‘ gepatzt und auf der linken Seite einen Fehlpass gespielt, den am Ende des Spielzugs Firmino zum 0:1 nutzte. Wenig später musste Mats einen ganz ähnlichen Fehler von Sokratis auf der Linie ausbügeln. Und der wieder genesene Marcel Schmelzer kriegte seinen Flügel zunächst überhaupt nicht zu.

Doch dann wurde es Kevin Großkreutz zu bunt. Nach einem Ballgewinn von Jojic schnappte er sich das Ding im Mittelfeld, lief los und zog in Strafraumnähe ab Richtung langes Eck. Schönes Tor, wichtiger Ausgleich. Es war die Initialzündung durch einen, der sichtbar keinen Bock darauf hatte, den Fans gegen diesen Gegner erneut einen matten Saisonausklangsauftritt zu bieten. Fairerweise muss man Mats Hummels zugestehen, dass er sich kurz zuvor ähnlich energisch im Mittelfeld eingeschaltet hatte. Kevin machte indes einfach so weiter, hatte in der zweiten Hälfte noch zwei ähnliche Abschlüsse, bei denen es wieder gefährlich wurde. Da darf man sich danach schon mal einen Döner gönnen.

Dem Ausgleich durch den Dortmunder Jungen ließ die Borussia innerhalb von fünf Minuten zwei weitere Treffer folgen – mit entscheidendem Anteil von Marco Reus. Unsere Nummer 11 schlug die Flanke, die Henrikh Mkhitaryan per Kopf zum 2:1 verwertete. Und Marcos Freistoß wenig später sorgte auch für so viel Verwirrung, dass Lukasz Piszczek zu einem sehenswerten Außenrist-Knaller kam, der das 3:1 brachte.

Zwar verfiel man in den zweiten 45 Minuten phasenweise wieder in den Schongang, auch wenn es nicht gerecht wäre, Roman Weidenfellers Tunnel-Eskapade demselben zuzurechnen. Doch das Wichtigste war, dass es vom Feeling und der Heimbilanz her gegen Hoffenheim wieder stimmt. Einen großen Moment gab es noch bei der Auswechslung des für Dortmunder Verhältnisse unvergleichlichen Robert Lewandowski. Der wurde in seinem letzten Heimspiel vor dem Wechsel zu Bayern mit viel Applaus verabschiedet – Ausdruck für seine ehrliche und bewundernswerte Arbeit auf dem Platz. Mit seinen Toren das Pokalfinale zu gewinnen wäre dann der wahre Traum-Ausstand.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Jojic, Sahin – Mkhitaryan (81. Hofmann), Reus (76. Aubameyang), Großkreutz – Lewandowski. Tore: Großkreutz, Mkhitaryan, Piszczek

Die Ehrensache

(Updated) Als die TSG Hoffenheim am letzten Spieltag der Vorsaison zum letzten Mal im Westfalenstadion antreten musste, war die Situation ungleich dramatischer als Anfang Mai 2014 – für den Gast. Für die Borussia war die Begegnung damals nur ein Aufgalopp für das folgende Champions League-Finale, wie sich im Lauf der 90 Minuten zum Leidwesen der Fans herausstellen sollte. Irgendwann werde ich den schwarz-gelben Jungs verzeihen, dass sie nicht mal den einen Punkt sichern konnten, der nötig gewesen wäre, um Hopps Mannen in die zweite Liga zu verbannen. Doch vergessen wird man diese einzigartige vergebene Chance nicht so schnell.

Natürlich kommen die Erinnerungen in diesen Tagen wieder hoch. Der Spielplan hat uns erneut ein spätes Heimspiel gegen die Sinsheimer beschert. Die Voraussetzungen sind jedoch andere, die Dramatik ist für keine der beiden Seiten gegeben. Für die Gäste geht es allenfalls noch um einen einstelligen Tabellenplatz, die Borussia hat die Vizemeisterschaft sogar schon sicher. Nothing to play for? Ich denke, die Schwarz-Gelben werden es dennoch anders angehen als vor einem Jahr. Auf einigen Positionen – defensives wie offensives Mittelfeld sowie nach der angekündigten Rückkehr von Marcel Schmelzer links hinten – müssen sich Spieler bereits jetzt für das Pokalfinale empfehlen. Zudem dürfte dem Team klar sein oder gemacht werden, dass die Fans 2014 ein anderes Auftreten gegen Hoffenheim und ein anderes letztes Heimspiel erwarten.

Die Hopp-Kicker selbst sind bisher immer mit ‚Elan‘ – um es positiv auszudrücken – in die Partien gegen Dortmund gegangen. Ob sie auch in diesem Jahr und dieser Situation wieder ähnlich auftreten, bleibt dennoch abzuwarten. Mit Anthony Modeste fehlt ihr nach Firmino zweitbester Torschütze rotgesperrt. Somit dürfte Kevin Volland ins Sturmzentrum rücken, der sonst eher über die rechte Seite kommt. Alternative Sven Schipplock ist verletzt; der zu Hannover wechselnde Kenan Kamaran hat bisher sehr wenig Spielpraxis bekommen. Im Tor ersetzt seit geraumer Zeit Jens Grahl den verletzten Koen Casteels. Die stärkste Position der Sinsheimer war das ohnehin nie und so wollen sich Sportdirektor Rosen und Markus Gisdol angeblich beim Nachbarn Freiburg bedienen und Karsten Baumann verpflichten.

Die wichtigsten Fragen bei der Borussia klären sich fast von selbst: Mit Oliver Kirch, mit dem bald sogar über eine Vertragsverlängerung gesprochen werden soll, fällt wegen einer Rachenentzündung für Samstag ein weiterer ‚Sechser‘ aus. Somit wird der wieder genesene Marcel Schmelzer in die Startelf zurückkehren und Kevin Großkreutz wohl Kirch ersetzen. In der Offensive könnte Jürgen Klopp versucht sein, hinter Lewy auf vielleicht einer der drei Positionen zu rotieren und Aubameyang oder – gegen seinen früheren Klub – Hofmann zu bringen.

Letztes Heimspiel, Leistungscheck vor dem Pokalfinale, ein Hauch Wiedergutmachung für letztes Jahr – mir fallen genügend Gründe ein, warum es ein guter, engagierter Auftritt der Borussia werden könnte. Doch wir stecken ja nicht drin. Schiedsrichter der Partie wird Tobias Welz aus Wiesbaden sein; er pfeift den BVB zum fünften Mal. Bisherige Bilanz: zwei Siege, zwei Unentschieden.

Eure Torlinie ist mir egal

So weit kommt es noch – dass ich mich jetzt schon über ein nicht gegebenes Tor für ‚Hoffe‘ aufregen soll. Was das schon für ein Spitzname ist: Heißen wir etwa ‚Dort‘ oder die Blauen ‚Schalk‘? Nein nein, Thorsten Kinhöfer hat da schon alles richtig gesehen, auch wenn er das nach dem Spiel gegen Nürnberg nicht so kommunizieren wollte.

Und wenn wir jetzt mal mit unnötigem Ernst an die Sache rangehen? Man kann der DFL einiges vorwerfen, aber nicht, dass sie abwartet, ob ein einzuführendes technisches Hilfsmittel ausgereift ist. In der Premier League wird nun also das ‚Hawk Eye‘ getestet. Sollte es erfolgreich sein, könnte das auch Auswirkungen auf die Entscheidung in Deutschland haben.

Die Medien trommeln fast unisono für die schnelle Einführung der Torraumüberwachung, doch der springende Punkt bleibt: Zum Fußball gehören Fehler dazu. Warum sollte die der Schiedsrichter nicht machen dürfen? Wir Fußballfans haben uns alle schon mal betrogen gefühlt, doch auch das gehört dazu. Es ist eine menschliche Errungenschaft, Fehler auszuhalten, auch Fehler anderer. Und es geht hier nicht um Menschenleben.

Gegen eine funktionierende Torlinientechnologie ist nichts einzuwenden, doch laut SZ (12.8., S. 27) denken sie in England schon weiter; der FA-Vorsitzende Greg Dyke hoffe, dass bald auch ein Videobeweis in Situationen wie Foulspielen im Strafraum oder Abseits folgen werde. Mit der FIFA dürfte das nicht so schnell zu machen sein – da stehe ich Seite an Seite mit den alten Herren mit zweifelhaftem Ruf.