So macht Europapokal Spaß

Champions League, Achtelfinale / BVB 2 FC Sevilla 2

Ich bin kein großer Freund der Champions League (mehr) – in einigen Texten dieses Blogs ist das schon durchgeklungen. Spiele wie gestern machen aber auch mir noch Spaß. Objektiv wie subjektiv gesehen hatte die Partie gegen Sevilla vieles, was zu einem Europapokal-Abend dazugehört: den K.O.-Modus, einen unbequemen, tendenziell unsympathischen Gegner, Kontroversen, einen Helden im eigenen Team, Spannung bis zum Schluss und den Erfolg für Schwarz-Gelb.

Hinten drin, aber mit viel Disziplin

Eine gute halbe Stunde sah die Partie ähnlich aus wie jene am Wochenende in München über weite Strecken: Durch frühes Attackieren setzten die Gäste die Schwarz-Gelben unter Druck und drängten sie weit in die eigene Hälfte zurück. Der BVB stand sehr tief und rückte selbst bei Ballgewinnen nicht konsequent genug raus, so dass es oft gar keine andere Option gab, als den Ball in der Nähe des eigenen Strafraums quer zu spielen oder wegzuschlagen. Das ließ nicht nur den Blutdruck der Fans steigen, sondern führte auch zu Ballverlusten. Positiv für die Borussia war, dass Sevilla nicht so präzise spielte wie die Bayern und vor allem die Dortmunder Innenverteidiger Hummels und Can vieles per Kopf ausbügelten. Die letzte Reihe hielt dem Druck stand.

So war es ein unverhofftes Glücksgefühl, als der BVB mit seinem zweiten nennenswerten Angriff mach 35 Minuten in Führung ging: ein schneller Konter nach Ballgewinn durch Delaney, an dessen Ende Marco Reus eine seiner seltener gewordenen Klasse-Vorlagen auspackte und Erling Haaland zur Stelle war. Der Norweger war kein unwahrscheinlicher Held, aber es ist nun mal erneut zu einem guten Teil ihm zu verdanken, dass die Schwarz-Gelben in der Champions League einen Erfolg feierten. Von seinem vermeintlichen bis zum gültigen 2:0 brauchte Haaland sechs Minuten – eine Story, wie sie nur der VAR schreiben kann.

VARrückte sechs Minuten

Zunächst überprüfte Schiedsrichter Cüneyt Cakir das Tor, das Erling mit einem Schuss im Strafraum erzielt hatte. Zuvor soll er Diego Carlos gefoult haben – allerdings stießen die beiden eher zusammen. Der BVB bekam das Tor dennoch aberkannt, dafür einen Elfmeter zugesprochen – für einen Zupfer an Haalands Trikot, der zeitlich weiter zurücklag. Den Elfmeter, den der Norweger selber schoss, parierte Torwart Bono. Die Partie lief weiter, bis Schiedsrichter Cakir schließlich auf Wiederholung des Strafstoßes entschied: Bono hatte zu früh die Torlinie nach vorne verlassen. Haaland schritt erneut zur Tat und traf genau ins rechte Eck, obwohl der Keeper auf die richtige Seite sprang. Die sechs Minuten bis dahin sorgten für Gesprächsstoff und trugen zur Geschichte des Spiels bei. Andererseits: Sollte dies nicht eher dem Sport vorbehalten bleiben? Von Spielfluss konnte während dieser Zeitspanne jedenfalls keine Rede sein.

Der Elfmeter für Sevilla in der 69. Minute war vertretbar. Dortmund hätte das Spiel ein-, zweimal entscheiden können, geriet erst gegen Ende noch mal richtig unter Druck. Und die Nachspielzeit hatte es in sich. Glücklicherweise war nach dem 2:2 nicht mehr lange zu spielen. Marwin Hitz hatte in der Schlussphase jedenfalls noch ein paar Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. Neben ihm, Haaland und den Innenverteidigern muss man auch Thomas Delaney und vor allem in der zweiten Hälfte Jude Bellingham als Garanten für den Sieg nennen. Europapokal as it should be – und Dortmund steht im Viertelfinale.

Die Aufstellung: Hitz – Morey, Can, Hummels, Schulz – Delaney – Bellingham, Dahoud – Reus, Haaland, Hazard. Gelbe Karten: Morey, Haaland, Can. Tore: Haaland (2, davon 1 EM)

Typisch Pokal: Dortmund kämpft sich ins Halbfinale

DFB-Pokal, Viertelfinale / Mönchengladbach 0 BVB 1

Nach dem erwartet schweren und mäßig attraktiven Gastspiel im Borussia Park steht der BVB im Pokal-Halbfinale. Zerfallserscheinungen waren bei den bald Rose-losen Gladbachern nicht zu erkennen. Am Ende entschied die in einigen Szenen sichtbare etwas höhere Qualität im Abschluss die Partie für Schwarz-Gelb.

Kaum gepresst und doch gewonnen

Es gab wenige Torraumszenen im ersten Durchgang, dafür viele Ballverluste, auch dank wacher Defensivreihen. Thuram hätte Gladbach früh in Führung schießen können; Erling Haaland hatte die Gelegenheit in der 36. Minute, als er nach langem Pass von Mats Hummels hinter die Abwehr nur von einem Gladbacher verfolgt aufs Tor zulief, aber vorbeischob. Allerdings hatten die Gastgeber optisch mehr vom Spiel, liefen die Schwarz-Gelben häufig schon weit in deren Hälfte an und unterbanden so weitgehend einen konstruktiven Spielaufbau.

So wenig wie der BVB presste, dürfte diese Ausrichtung bis zu einem gewissen Grad eine Vorgabe von Edin Terzic gewesen sein. Dass er sich die erste Halbzeit genau so wünschte, ist aber nicht anzunehmen. Mit der erwähnten Ausnahme fehlten die schnellen Gegenstöße, auf die die Gäste wohl spekulierten. Dass ein solcher später doch noch zum 0:1 führte, hatte mit der taktischen Marschroute wenig zu tun. Im Anschluss an eine eigene Ecke spielten die Gladbacher in der 66. Minute einen Fehlpass. Ausgerechnet Nico Schulz, der früh für den verletzten Guerreiro ins Spiel kam, nutzte die Szene, um einen schönen Konter über Reus und Sancho einzuleiten, den Letzterer mit dem Führungstreffer abschloss. Weiterlesen „Typisch Pokal: Dortmund kämpft sich ins Halbfinale“

Heimsieg: Manuel ist der Wölfe Wolf

1. Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 2 VfL Wolfsburg 0

Ein Standard und ein später Konter reichen der Borussia, um zum elften Mal in Folge gegen Wolfsburg ungeschlagen zu bleiben. Es war erneut ein Sieg ohne Glanz, aber ein glaubwürdiger, nicht unverdienter. Wer seine direkten Konkurrenten schlägt, muss sich dafür nicht verstecken.

Ins Spiel gearbeitet

Ein Selbstläufer war das wirklich nicht. Die Gäste kamen im Westfalenstadion besser ins Spiel, besetzten ein paar Minuten lang regelrecht die Dortmunder Hälfte. Der Mut der formstärkeren Mannschaft wurde aber nicht belohnt; die Schwarz-Gelben hielten stand und befreiten sich, ohne viele starke Aktionen nach vorne zu haben. Es waren Bilder, die wir kennen: der BVB bemüht, auf der Suche nach der Lücke, aber ohne rechte Inspiration. Gegen den Tabellenvierten schaut man dem natürlich geduldiger zu als etwa gegen Köln.

Nach einer offenen, spielerisch mittelmäßigen ersten Halbzeit hätte Jadon Sancho kurz vor der Pause freistehend die Führung erzielen sollen, erwischte den Ball aber nicht richtig. Das Gute: Über 90 Minuten fehlte auch den Wölfen der letzte Biss, ihren Abschlüssen der Druck oder die Präzision. Auf der anderen Seite musste Casteels schon ernsthaft seine gute Form bestätigen, um in der 53. Minute gegen Haaland zu retten. Weiterlesen „Heimsieg: Manuel ist der Wölfe Wolf“

Jung und jünger

1. Bundesliga, 8. Spieltag / Hertha BSC 2 BVB 5

BVB-Trainer Lucien Favre schickte gestern in Berlin keine besonders junge Startelf auf den Rasen des Olympiastadions: 27,6 Jahre war deren Durchschnittsalter. Nach der Partie fokussierte sich dennoch alles auf die Jugend. Der 20-jährige Stürmer Erling Haaland traf viermal und Sturmkollege Youssoufa Moukoko wurde zum jüngsten Bundesligaspieler aller Zeiten, als er wenige Minuten vor Schluss mit 16 Jahren und einem Tag eingewechselt wurde.

Goal Phenomenon

Ein Hattrick innerhalb einer Viertelstunde, vier Tore in 33 Minuten – es war ein Tag der Superlative für den Dortmunder Superstürmer, der auf dem besten Weg ist, alle großen schwarz-gelben Torjäger der jüngeren Vergangenheit in den Schatten zu stellen. Marcio Amoroso, Lucas Barrios, Pierre-Emerick Aubameyang und vielleicht sogar der damalige Robert Lewandowski verblassen gegenüber der gestrigen Leistung des Erling Haaland.

Der Norweger kann das auf diesem Niveau nicht jede Woche abrufen – siehe Bayern-Spiel. Aber der BVB wird sich spätestens im Sommer vor äußerst lukrativen Angeboten nicht retten können. Erlings Antritt, die Ballannahme und -verarbeitung sowie sein Torriecher waren schlicht sensationell in Berlin. Er kreiert Tore selber – wie das dritte, begünstigt durch den schludrigen Pass des Berliners Plattenhardt auf Alderrete – oder er ist einfach an der richtigen Stelle, wie bei Cans Querpass vor dem 1:1. Weiterlesen „Jung und jünger“

Borussia schlägt Mönchengladbach

1. Bundesliga, 8. Spieltag / BVB 1 Borussia Mönchengladbach 0

Die Flaute ist vorbei, Borussia Dortmund holt zu Beginn der „Wochen der Wahrheit“ drei Punkte gegen den Tabellenführer. Es war ein spannendes Spiel von ordentlicher Qualität, in dem die Schwarz-Gelben das entscheidende Bisschen besser waren. Alles in allem wirkten die Gastgeber über längere Phasen dominant als die Gladbacher. Schaut man sich einige der wichtigsten Spieldaten zusammen an, ergibt sich das gleiche Bild: Der BVB lag vorne bei Torschüssen (16:14), Passquote (80:76 %), Ballbesitz (54:46 %) und Zweikampfquote (57:43 %).

Favre macht es mehrheitlich richtig

Bei den meisten Personalentscheidungen darf sich der Trainer nach der Partie bestätigt fühlen: Trotz der vollkommen nachvollziehbaren Suspendierung von Jadon Sancho hatte die BVB-Offensive mehr Zugriff auf das Spiel. Thorgan Hazard hatte gegen seinen alten Verein oder gegen den Spitzenreiter sichtlich etwas zu beweisen. Marco Reus durfte wie gewohnt auf ’seiner‘ 10 ran und zeigte es allen Zweiflern.

Für Julian Brandt ist auch die Sturmspitze nur bedingt etwas, aber was soll der Trainer gegen ein Team wie Gladbach anders machen? Nur ein defensiver Mittelfeldspieler wäre hier zu riskant gewesen – gerade, da sich Brandt beim Zweikämpfen schwer tut. Immerhin traf der ins Tor, mit einem Schuss, den Gladbachs Keeper Sommer wohl auch ohne Sichtbehinderung nicht gehalten hätte. Vielleicht hilft der Treffer Julian, selbst wenn er nicht gegeben wurde.

In der Viererkette stellte Favre etwas überraschend auf: Weigl kam neu ins Abwehrzentrum, während Manuel Akanji nach rechts rückte. Diese Entscheidung muss man zweigeteilt sehen: Der zweite Julian machte seine Sache gut, Mats Hummels sowieso, auch wenn er beinahe einen Elfmeter verursachte. Die Idee, gegen über die Flügel starke Gladbacher einen echten Defensivmann als Außenverteidiger aufzustellen, war prinzipiell gut. Manuel Akanji machte seine Sache auch nicht über 90 Minuten schlecht, doch man merkt einfach, dass er eine kleine Formkrise hat. Andererseits: Welche andere Lösung wäre besser gewesen? Piszczek nach mäßiger Saison und Verletzung? Hakimi? Mateu Morey hätten sicher viele gerne mal gesehen, aber die Lösung wäre sehr mutig gewesen. Weiterlesen „Borussia schlägt Mönchengladbach“