Teilerfolg, aber keine Erlösung

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1. Bundesliga, 14. Spieltag / Bayer Leverkusen 1 BVB 1

Es kam wie meistens in solchen Make-it-or-break-it-Spielen: Am Ende geht es Unentschieden aus. Ob das 1:1 auswärts bei einem formstarken Gegner nun ein Fortschritt war, ist angesichts des Spielverlaufs schwer zu beurteilen. Klar ist jedoch: Es war kein Grund, jetzt Peter Bosz zu feuern.

Ein Spiel der zwei Hälften

Nichts ganz Neues für Schwarz-Gelb: Wieder mal sahen wir zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten. Doch es lief andersrum als im Derby: Nach ein paar ordentlichen Anfangsminuten mit viel Ballbesitz bekamen die zuletzt so erfolgreichen Gastgeber die Partie in den Griff. Das äußerte sich vor allem in zielstrebigeren, effektiveren Angriffen. Während der BVB Muster zeigte, die wir in dieser Saison schon häufiger, und gelegentlich auch davor schon gesehen haben: lange Bälle nach vorne im Aufbauspiel, weil Kreativität und Anspielstationen fehlten.

Zu diesem Zeitpunkt war Maximilian Philipp schon lange nicht mehr auf dem Feld, sondern auf dem Weg ins Krankenhaus. Jenseits von allem Gerede vom Berufsrisiko eines gut bezahlten Profisportlers ist die wahrscheinliche schwere Knieverletzung einfach bitter. Ich mag den Jungen; er tickt richtig, hat genügend Ehrgeiz und auch die Fähigkeiten, um den zu rechtfertigen. Gute Besserung, Maximilian!

Natürlich änderte die Rote Karte gegen Wendell nach Videobeweis die Partie. Sie war berechtigt und ihr folgte der zweite verletzungsbedingte Wechsel bei der Borussia: Kagawa kam noch vor der Pause für Castro. Die Schwarz-Gelben spielten die Überzahl in Hälfte 2 gut aus und dominierten die Begegnung. Ja, es gelang nur ein Treffer, so dass es nur für einen Punkt reichte. Aber natürlich hätten auch letzten Samstag die Blauen niemals noch einen Punkt geholt, wenn es den fälligen Platzverweis für Kehrer gegeben hätte. weiterlesen

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Zurück aus Asien: Auba dabei, Schmelzer verletzt

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Begeisterte Fans in Japan und China, zwei Testspielsiege und ein Torjäger an Bord der Maschine zurück nach Europa: Nicht nur die offizielle Vereinssichtweise des Asien-Trips von Borussia Dortmund klingt positiv. Sicher kann man sich auch über China als Zielland streiten, doch das wäre angesichts von dessen Einfluss so etwas wie Inseldenken.

Bleiben wir beim Sportlichen, dann haben die Schwarz-Gelben einen ordentlichen und einen richtig überzeugenden Test gegen die Urawa Red Diamonds respektive AC Mailand hingelegt. Die – merke: chinesisch gesponserten – Mailänder sind gerade auf großer Einkaufstour und möchten endlich wieder Juventus angreifen. In der Serie A beginnt die neue Spielzeit wie in der Bundesliga am Wochenende 18. bis 20. August. Insofern kann man sich auf den Testspielsieg mit Toren von Aubameyang (2x) und Sahin schon ein klein wenig einbilden. Zumindest ist seit Essen eine Entwicklung zu erkennen.

Milan soll einer aus einer Reihe von Vereinen gewesen sein, die an einer Verpflichtung unseres Torschützenkönigs interessiert waren. Glaubt man jüngsten Verlautbarungen, ist Aubas ganz persönliches Transferfenster jetzt nicht nur für Chinesen geschlossen. Auch andere Klubs können sich ihre Offerten sparen, suggerieren Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke. Einen Transfer komplett ausgeschlossen haben sie allerdings nicht; gerade Watzke ist in der Hinsicht schließlich ein gebranntes Kind. Bei einem schwindelerregenden Angebot von deutlich über 100 Millionen Euro könnte noch mal Bewegung in die Sache kommen. Mehr und mehr stellt sich aber auch angesichts der bereits getätigten oder bevorstehenden Transfers die Frage, wer noch so viel bezahlen würde.

Die Wahrscheinlichkeit ist daher sehr hoch, dass Pierre-Emerick Aubameyang tatsächlich noch eine Saison in Dortmund spielt. Wenig deutet darauf hin, dass ihm das sonderlich unangenehm wäre. Man darf davon ausgehen, dass die Vereinsführung ihre Bedingungen Auba gegenüber besser kommuniziert hat als das möglicherweise in der Vergangenheit bei anderen Spielern der Fall war.

Die einzige Hiobsbotschaft aus dem fernen Osten: Kapitän Marcel Schmelzer hat sich im Training einen Teilriss des Außenbandes im Sprunggelenk zugezogen. Bis zum Ligastart in Wolfsburg soll er wieder „voll einsatzfähig“ sein. Nicht dass mir das schlaflose Nächte bereiten würde: Im Pokal gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen sollten wir auf Schmelle verzichten können. Und dass sich ein paar Wochen lang Alternativen für den Käpt’n in den Vordergrund spielen können, finde ich gar nicht verkehrt.

Vier gewinnt: Dortmund holt den Pott

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DFB-Pokal, Finale / Eintracht Frankfurt 1 BVB 2

Mancher wird einfach nur gedacht haben: endlich. Manchem fehlte spielerischer Glanz. Doch wer wären wir denn, wenn wir uns über einen verdienten Pokalsieg – und den ersten echten Titel seit fünf Jahren – nicht mehr richtig freuen könnten? Genau, die Bayern. Mit einer weiteren Auba-Show zum wahrscheinlichen Abschied hat die so ganz andere Saison ein grandioses Ende gefunden.

Drei Gedanken zum Spiel

Natürlich, es war ein Arbeitssieg. Angesichts der vielen zusehenden Länder keine Werbung für eine neue Art von Fußball wie in den erfolgreichsten Klopp-Jahren. Aber die Konstanz aus 2011 und 12 ist passé und dafür gibt es zu akzeptierende Gründe. Nach der frühen Führung durch Dembelé, dessen Tor ein wenig an München erinnerte, machten es die Frankfurter dem BVB im Mittelfeld schwer. Der Spielaufbau der Schwarz-Gelben bestand nach der ersten Viertelstunde weitgehend aus langen Bällen.

Doch in der zweiten Hälfte gewann die Borussia ihre Dominanz zurück und die Zahl der Torschüsse, 12:8 für Schwarz-Gelb, spiegelt auch das Endergebnis wieder. Pierre-Emerick Aubameyang wurde nach Reus‘ verletzungsbedingtem Ausscheiden zum Mann des Spiels. Ein Fallrückzieher, der fast zum Tor des Jahres geworden wäre und nur mit Mühe von einem Frankfurter an die Latte gelenkt wurde. Ein weiterer Schuss ans Aluminium. Und eben der cool verwandelte Elfmeter, als ob es nie zuvor Fehlschüsse gegeben hätte. Traurig, ihn vielleicht bald nicht mehr in unseren Farben zu sehen. weiterlesen

Dortmund sorgt für Finale daheim

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1. Bundesliga, 33. Spieltag / FC Augsburg 1 BVB 1

Im Schatten von Pokalfinale und jeder Menge Spekulationen um den Trainer verpasst die dominante Borussia in Augsburg die Vorentscheidung im Kampf um Platz 3 sowie eine Chance auf Platz 2.

Drei Gedanken zum Spiel

Wie ordnet man diese Leistung ein: große Dominanz, wenig Durchschlagskraft? Der BVB bemühte sich ja, suchte die Lücke, hatte sage und schreibe 77 Prozent Ballbesitz. Die Gastgeber setzten auf das in dieser Saison zumindest gelegentlich bewährte Rezept, tief zu stehen und auf Konter zu warten. Und wenn die schwarz-gelbe Defensive so sehr dazu einlädt wie in der 29. Minute, dann hat FCA-Trainer Manuel Baum alles richtig gemacht. Ein simpler Abschlag von Keeper Luthe traf die Dreierkette unvorbereitet und Augsburgs Max war durch. Was von schwarz-gelber Seite folgte, war trotz des schnellen Ausgleichs zu oft Stückwerk. Unter den 15 Torschüssen waren zwar einige, die einen Auswärtssieg gerechtfertigt hätten, doch angesichts aller anderen Statistiken hätten es mehr sein müssen.

Fehlte etwa die Entschlossenheit? Man spürte jedenfalls nicht über 90 Minuten diese große Intensität, die das BVB-Spiel in den besten Zeiten auszeichnet. Der Subtext dazu: Beeinflusst die Mediendebatte zur Unzeit die Spieler? Ich bin bei solchen Deutungen immer sehr vorsichtig, genauso wie bei der Bedeutung von Watzkes Antwort auf eine Journalistenfrage. Augsburg verteidigte gut, der Borussia fehlte nicht zum ersten Mal in solchen Situationen die Inspiration. Einer, der fast schon untypisch entschlossen wirkte und im Mittelfeld in viele Zweikämpfe ging, war Pierre-Emerick Aubameyang. Der will die Kanone, das merkte man ihm an. Und da der Service aus dem Mittelfeld zu wünschen übrig ließ, kümmerte er sich gelegentlich selber darum.

Eine Rolle spielte auch die Verletzung von Julian Weigl. An guten Tagen ist er der Mann für die öffnenden Pässe. In den 20 Minuten seines Mitwirkens gestern war davon noch nicht so viel zu sehen. Aber was wäre gewesen, wenn? Der BVB wurde in der Folge vor allem über die Flügel gefährlich, der Weg durch die Mitte war meistens Sackgasse. Nach dem Spiel wurde bekannt: Julian hat sich einen Bruch des Sprunggelenks zugezogen und fällt monatelang, vermutlich bis in die neue Saison hinein, aus. Gute Besserung von dieser Stelle!

Am Ende ist entscheidend: Der BVB hat es zu Hause gegen Bremen selbst in der Hand, Platz 3 zu sichern. Ein Sieg reicht, wenn Hoffenheim kein Freak-Resultat gelingt. Doch es ist jammerschade, dass wir uns das von den Bayern bewundernswert gedrehte Spiel in Leipzig nicht mehr zunutze machen können. Auch gestern wäre mehr drin gewesen. Dennoch: Eine Trainerdiskussion gibt es hier erst, wenn etwas entschieden oder die Saison vorbei ist

Die Aufstellung: Bürki – Ginter (89. Rode), Sokratis, Schmelzer – Piszczek, Weigl (23. Durm), Guerreiro (80. Pulisic) – Dembelé, Kagawa – Aubameyang, Reus. Gelbe Karte: Ginter. Tor: Aubameyang

Derby wieder ohne Sieger

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1. Bundesliga, 26. Spieltag / FC Schalke 1 BVB 1

Zwar gewinnt der BVB in dieser Saison das direkte Duell mit Schalke 04, aber nur wenn man mit Auswärtstorregel rechnet. In der Turnhalle sind die Schwarz-Gelben das bessere Team, vergeben aber wieder beste Gelegenheiten und müssen in Unterzahl den Ausgleich hinnehmen.

Drei Gedanken zum Spiel

Nachdem die Gastgeber über die ganze Saison deutlich hinter der Borussia standen, stellt sich die Frage: Was fehlt zum Derbysieg? Die Frage nach dem großen Ganzen also, wenn man berücksichtigt, wie wichtig diese Partie uns immer noch ist. Die erste Antwort hat sich bereits in der Einleitung angedeutet: Die Schwarz-Gelben müssen kaltblütiger bei der Chancenverwertung werden. In einem Derby darf Auba in aussichtsreichster Position einfach nicht querlegen, auch wenn das andererseits von Mannschaftsgeist zeugt. In anderen Szenen verhinderten aber auch das Können von Fährmann oder schlicht unglaubliches Pech einen Treffer. Ousmane Dembelés Schuss an den Innenpfosten war wahrscheinlich Millimeter davon entfernt, ins Tor anstatt wieder zurück zu springen.

Die Zahl der großen Chancen war allerdings recht überschaubar. Größer als beim Gegner in jedem Fall, aber vielleicht fehlt für solche Partien neben den letzten paar Prozent Glück und Einstellung auch noch ein klein wenig Qualität. Hätte Marco Reus gespielt oder Christian Pulisic etwas länger… Insofern macht auch die Verpflichtung von Mahmoud Dahoud Sinn, wenn er bald für das extra bisschen Kreativität sorgen kann. weiterlesen

Countdown zum Derby: Noch 1 Tag

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Michael Zorc, Julian Weigl und Roman Bürki haben uns erklärt, wie wichtig ihnen das Derby ist. Nun müssen wir das nur noch morgen auf dem Platz sehen. Viele Gründe daran zu zweifeln gibt es nicht: Direkt nach der Länderspielpause scheint mir ein guter Zeitpunkt für das Spiel der Spiele zu sein. Auch wenn der eine oder andere viel unterwegs war.

Die Pressekonferenzen der Trainer haben noch die eine oder andere neue Info erbracht. Thomas Tuchel verriet heute, dass André Schürrle und Erik Durm verletzungsbedingt ausfallen. Schürrle hat sich bei seinem erfolgreichen Auftritt in Baku wehgetan, Erik im Training. Kein Grund zur Besorgnis, nur in mindestens einem Fall schade fürs Derby. Tuchel äußerte zudem, dass Shinji Kagawa frischer als Christian Pulisic vom Nationalteam zurückgekommen ist. Hinweis oder Täuschungsmanöver?

Generell hat man den Eindruck, dass der BVB-Trainer genau weiß, auf was es morgen ankommt. Doch den hatte man meistens vor den Spielen. Trotzdem schön, wie Thomas Tuchel die Derbyatmosphäre auf den Punkt bringt:

Die Entscheidungen sind noch einen Tick wichtiger. Jeder weiß, dass jeder Fehler entscheidend sein kann und man ihn erst in einem Jahr wieder korrigieren kann.

Gestern hatte auch Schalkes Markus Weinzierl noch nicht alle Karten aufgedeckt: Sead Kolasinac und Eric Maxim Choupo-Moting waren ebenfalls angeschlagen von ihren Länderspielen zurückgekehrt und der Trainer konnte noch nicht sagen, ob es bis morgen reicht. Der lange verletzte Spanier Coke wäre „nur im Notfall“ eine Option.

Mancherorts wurde in den letzten Tagen über das steigende oder ausbleibende Derbyfieber diskutiert. Ich bin zwar mit einigem, was den sogenannten „modernen Fußball“ ausmacht, nicht einverstanden. Aber trotzdem oder gerade deswegen und nach der Länderspielpause noch mehr freue ich mich auf dieses Derby. Und habe kein schlechtes Gefühl!

Countdown zum Derby: noch 3 Tage

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Reinhard Rauball spricht vom emotional wichtigsten Spiel der Saison – und „das hat sich über die Jahre auch nicht abgenutzt“. Da will ich dem BVB- und DFL-Präsidenten nicht widersprechen, denn am Samstag zur besten Fußballzeit ist Derby in Gelsenkirchen. Natürlich darf darüber diskutiert werden, ob Partien gegen den FC Bayern nicht ähnlich aufgeladen sind. Rauball hält sie „rein sportlich und wirtschaftlich“ aktuell für wichtiger als das Revierderby. Das mag in der Regel so sein, aber das 150. Aufeinandertreffen von BVB und S04 ist auch in dieser Hinsicht für beide Klubs eminent wichtig: Für die Schwarz-Gelben geht es um Platz 2 oder zumindest um die direkte CL-Quali, für die Blauen darum, 2017/18 überhaupt europäisch spielen zu dürfen.

Grund genug, im Vorfeld all das aufzugreifen, was eine Erwähnung wert ist und mich noch mehr ins Derbyfieber zu schreiben. Während Thomas Tuchel und Hans-Joachim Watzke gerade Lobeshymnen auf Ousmane Dembelé anstimmen, hätte Schalke-Trainer Markus Weinzierl gerne bessere Spieler – so einen wie Aubameyang beispielsweise. Ousmane oder Auba? Mein Lieblingsschütze für das Siegtor wäre ja ‚Papa‘ Sokratis, aber egal!

Zur Folklore vor einem Revierderby gehört leider, dass sich gewaltbereite Fans verabreden – im aktuellen Fall wohl aus dem BVB-, S04- und Effzeh-Umfeld. Doch die Polizei bekam glücklicherweise Wind von der am Flughafen Weeze geplanten Konfrontation. Außerdem sind gefälschte Tickets für das Spiel in der Turnhalle aufgetaucht.

Die Personalfragen vor dem Derby scheinen bei der Borussia weitgehend geklärt – sofern es darum geht, wer in der Lage ist, im Kader zu stehen. Für Marco Reus kommt die Partie wohl zu früh. Sven Bender und Nuri Sahin trainieren dagegen wieder voll, nachdem sie letztes Wochenende für das Spitzenspiel der zweiten Mannschaft gegen Viktoria Köln (2:3) absagen mussten. Julian Weigl sollte spätestens bis Samstag wieder voll belastbar sein, obwohl er für das Länderspiel in Aserbaidschan ausgefallen war.

Bleibt die Personalie André Schürrle. Dortmunds Rekordtransfer überzeugte in Baku, tut das aber im Verein eher selten. Manche Medien wollen nun leise Kritik am BVB-Trainer aus seinen Worten nach dem Länderspiel herausgehört haben. Thomas Tuchel wird sich davon hoffentlich nicht beeinflussen lassen. Was die anderen offensiven Schwarz-Gelben machen, ist einfach gefährlicher als das, was Schürrle bisher für die Borussia gezeigt hat. Sollte natürlich er am Samstag den Siegtreffer erzielen, könnte sich sein Standing schnell verbessern…

Große Punkte in großem Spiel

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1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 6 Bayer Leverkusen 2

Man kann ja gegen Leverkusen sagen was man will, aber die Spiele unserer Borussia gegen die Werkself sind immer auf die eine oder andere Weise unterhaltsam. An diesem Samstag sahen wir die womöglich beste Partie mit BVB-Beteiligung in dieser Saison. Was nicht nur am deutlichen Sieg lag, sondern auch daran, dass die Gäste zweimal zurückkamen und die Schwarz-Gelben so weiter anstachelten. Deshalb kann man ihnen zugestehen, dass der Sieg vielleicht ein Tor zu hoch ausfiel.

Drei Gedanken zum Spiel

Thomas Tuchel hat die derzeitige Idealformation gefunden. Ob die nun mit Dreierkette hinten auflaufen MUSS, sei mal dahingestellt. Wesentlich scheint eher, dass Guerreiro und Durm Marcel Schmelzer offensive Qualitäten voraushaben und mit denen mehr gegnerische Spieler binden. Während zentral Gonzalo Castro in guter Form eine Entlastung für Julian Weigl ist. Über die geniale Offensivreihe mit Reus, Dembelé und Auba müssen wir keine Worte verlieren. Kein Wunder, dass die Stimmung offensichtlich prächtig war wie vor der Südtribünen-Sperrung lange nicht. Der Wermutstropfen: Marco Reus musste mit einer Muskelverletzung ausgewechselt werden und fehlt ausgerechnet gegen Benfica. Erster Kandidat für seinen Platz – und ich hoffe Tuchel sieht das genauso: Christian Pulisic, nicht nur wegen seines Tores.

Reus‘ Verletzung ist das Stichwort: Nicht zum ersten Mal gegen den BVB agierte Leverkusen hart an der Grenze. Euphemistisch könnte man von „robustem Einsatz“ sprechen. Oder man sieht es als Mittel zum Zweck, die Dortmunder Feintechniker zu verunsichern. Um es klar zu sagen: Solche Mittel sind legitim, bis der Schiedsrichter pfeift. Doch der muss das dann auch tun. Und nicht wie Christian Dingert ein klar gelb-rot-würdiges Einsteigen von hinten durchgehen lassen, wie im Fall von Karim Bellarabi gegen Dembelé.

Sechs Tore gegen Abwehrchef Toprak. Bekanntlich wechselt der Leverkusener Innenverteidiger im Sommer zur Borussia. Werbung für sich war das gestern natürlich nicht. Zwar war Toprak bei den meisten BVB-Toren nicht der Hauptschuldige, doch gut organisiert wirkte die Gäste-Defensive nur gelegentlich. Gerade bei Standards zeigte sie sich erstaunlich anfällig. Nun ist auch das nicht in erster Linie Toprak schuld, doch als Ältester in der Viererkette konnte er zumindest keine Ruhe reinbringen. Blicken wir dagegen auf die momentane BVB-Abwehrreihe, hat Marc Bartra durch die jüngsten Erfolge an Sicherheit dazu gewonnen. Es mag noch eine Momentaufnahme sein, aber seine Pässe haben schon fast Hummels-Qualität.

Die nächste Saison wird in dieser Hinsicht spannend. Gesetzt den Fall, dass Sokratis bleibt – was wir wohl alle hoffen – darf sich auch Ömer Toprak seines Stammplatzes nicht sicher sein. Was ich nicht schlimm finde. Nur die Summen, die wir auf der Ersatzbank geparkt haben, die sind beachtlich.

Mit dem Sieg hat die Borussia nun diesmal eine Leipziger Vorlage genutzt und gleichzeitig einen potenziellen Konkurrenten endgültig abgehängt. Frankfurt und Köln dürften uns nicht mehr gefährlich werden; bleiben Hoffenheim und Hertha BSC. Und nun hoffen wir am Mittwoch erst mal auf ein weiteres großes Spiel.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bartra – Durm, Weigl, Castro, Guerreiro – Dembelé (73. Kagawa), Reus (46. Pulisic) – Aubameyang (81. Schürrle). Tore: Dembelé, Aubameyang (2), Pulisic, Schürrle (EM), Guerreiro

Borussia-Serien halten, Schwarz-Gelb darf feiern

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1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 4 Mönchengladbach 1

Nach frühem Schock schlägt diesmal die schwarz-gelbe Borussia blitzschnell zu und dreht das Borussen-Duell in beeindruckender Weise. Nur um die Halbzeitpause herum können die Gäste die Partie einigermaßen ausgeglichen gestalten, kommen jedoch nur zu wenigen Torszenen. Dann schlägt die brillante BVB-Offensive erneut zu und schon wirkt die „Tuchel-Wutrede“ so novembrig. Der Trainer bleibt in der Liga zu Hause ungeschlagen und der VfL wartet weiter auf einen Sieg.

Drei Gedanken zum Spiel

Heute hat Thomas Tuchel gezeigt, wie man richtig rotiert. Ich meine, hallo, Reus und Dembélé – wie geil war das denn? Unglaublich, in welcher Form sich Marco bereits wieder befindet, da sieht man auch von einem kritischen Fehlpass ab. Mit einem perfekten Hackentrick bereitet er Aubas zweiten Treffer vor. Und Ousmane? Jeden Cent wert und mehr als das. Wenn er uns eine Weile erhalten bleibt, werden wir noch viel Spaß haben. Marc Bartra kehrte in die Abwehr zurück und gab eine Art Kopfballvorlage zum 0:1. Dafür verlängerte er aber auch die Ecke zum 2:1 und zeigte, dass er an guten Tagen den Hummels schon ganz gut kann. Rotation ist also dann eine feine Sache, wenn sie auf Schwachstellen reagiert und den richtigen Spielern verdiente Pausen einräumt.

Ebenfalls in die Mannschaft kam Nuri Sahin, den manche auch in Frankfurt erwarteten, nachdem er im Rekordmatch gegen Legia Warschau überzeugend mitgewirkt hatte. Nun kam also seine nächste Chance und Nuri musste nach 36 Minuten verletzt raus. Bitter für ihn nach langer Warte- und Leidenszeit. Ich habe zwar vermutet, dass es leistungsmäßig für ihn in dieser Saison schwer werden würde, aber so ein Pech kann einem nur leid tun. Allzu schlimm sah es allerdings nicht aus, in der zweiten Hälfte sah man ihn wieder auf der Bank mit Marco Reus plaudern.

Wenn sich diese Mannschaft eingespielt und Thomas Tuchel ihre Fähigkeiten komplett ausgelotet hat, wird die schwarz-gelbe Kaderdichte noch eine wichtige Errungenschaft sein. Der Trainer hat selbst gesagt, dass er noch nicht das perfekte System oder die perfekten Systeme für alle Spieler gefunden hat. Der Trainer wird daran aber akribisch weiterarbeiten. Und wenn man einen Christian Pulisic oder Rohdiamant Emre Mor bringen kann, ist das einfach ein gutes Gefühl. Vor allem ersterer begeisterte in rund zwölf Einsatzminuten wieder so richtig. Ob man das bald auch wieder über die Freunde Götze und Schürrle sagen kann? Da lassen wir uns mal überraschen.

Nun darf das Spiel im Estadio Bernabeu kommen und zuvor Schalke noch einmal gewinnen. Alles wieder im Lot bei der schwarz-gelben Borussia – was man von der anderen nicht sagen kann. Denn zu den tollen Spielzügen der einen gehörten auch Akteure der anderen, die sich mehr als einmal zu leicht ausspielen ließen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Sokratis, Bartra – Piszczek, Castro, Sahin (36. Weigl), Schmelzer – Dembélé (89. Mor), Reus (78. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Aubameyang (2), Piszczek, Dembélé

Fußballverbot und ein kaputter Zeh

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Zwei Ur-Dortmunder haben jeweils ein Problem. Kevin Großkreutz das deutlich größere. Die Fifa hat entschieden, dass der Transfer des Allrounders vom BVB zu Galatasaray wegen fehlender Unterschriften nicht anerkannt wird. Großkreutz und sein neuer Verein haben jedoch beschlossen, den Wechsel trotzdem durchzuziehen. Für den schwarz-gelben Jungen bedeutet das, in Istanbul monatelang nur trainieren zu können, bis sich Anfang Januar das Transferfenster wieder öffnet.

Die Schuld an der selbst im europäischen Rahmen seltenen Blamage trägt laut türkischer Presse der in der Folge entlassene „Vize-Verwaltungsmanager“ von Galatasaray. Er hatte unvollständige Unterlagen abgeschickt. Kevin Großkreutz ist nun in einer extrem bedauerlichen und für einen Fußballer bitteren Situation. Natürlich müssen sich aber neben den Vereinen auch er und sein Berater fragen lassen, warum sie bis zur buchstäblich letzten Minute mit dem Transfer gewartet haben. Möglich, dass Kevin bis zuletzt auf eine Wende und den Verbleib in Dortmund gehofft hat. Wahrscheinlicher ist wohl, dass sich er und Konstantin Liolios andere Optionen offen halten wollten, etwa einen Wechsel in die geschätzte Premier League.

Dass Kevin trotz Spielverbot schon jetzt nach Istanbul wollte, ist durchaus respektabel und hat wohl kaum mit „verbrannter Erde“ zu tun. Vielmehr dürfte es daran liegen, dass gerade er sich die Borussia nicht als Verlegenheitslösung vorstellen konnte. Schwarz-gelb ging bei ihm nur ganz – und dazu gehörte auch die zweite Mannschaft – oder gar nicht. Es bleibt zu hoffen, dass Kumpel Podolski Kevin am Bosporus vier Monate aufmuntern kann und die beiden nicht zu viel Schabernack treiben. Vielleicht reichen für den Emotionsmenschen Großkreutz auch Freundschaft und die allgegenwärtige Fußball-Begeisterung dort, um sich halbwegs wohlzufühlen. Es ist ihm sehr zu wünschen!

Neben einer fehlenden Spielberechtigung mutet selbst eine Verletzung wie die von Marco Reus harmlos an. Zum wiederholten Mal kann unsere Nummer 11 deswegen nicht an Länderspielen teilnehmen. Wichtiger ist jedoch, dass der Haarriss in der großen Zehe keinen langfristigen Ausfall zur Folge haben dürfte. Reus zeigte sich zuletzt in starker Form und könnte Thomas Tuchel und dem BVB beim Heimspiel gegen Leverkusen am 20. September schon wieder zur Verfügung stehen.