Dortmund glänzt, Berlin wartet

DFB-Pokal, Halbfinale / BVB 5 Holstein Kiel 0

Ohne Erling Haaland spaziert Borussia Dortmund ins Pokalfinale. Trotz des Ausfalls des schwarz-gelben Torjägers war das klare Weiterkommen nicht überraschend, allenfalls die Höhe des Sieges. Einfach guter Fußball – was will man mehr? Nur eine vermutlich schwere Verletzung dämpft die Freude.

Großer Fußball ohne klassische „9“

Als ob es diese Wendung noch gebraucht hätte, als ob dieser einseitigen Partie der Gesprächsstoff fehlte: Es waren bereits drei Viertel des Pokal-Halbfinales absolviert, der BVB führte immer noch 5:0, als sich der erst 13 Minuten zuvor eingewechselte Mateu Morey ohne Fremdeinwirkung in einem Laufduell wohl schwer am Knie verletzte und vor Schmerzen schrie. Scheinbar ist es in diesen Zeiten einfach nicht möglich, Fußball mal halbwegs unbeschwert zu genießen. Dabei denke ich natürlich nur ganz am Rande an mich und „uns Fans“, sondern zuallererst an Mateu Morey, der kurz vor seinem ersten Endspiel mit dem BVB stand und nicht nur das mit Sicherheit verpassen wird. Gute Besserung, Mateu!

Zur Geschichte der Partie zuvor gibt es dagegen viel Erfreuliches zu sagen. Ob mit oder ohne Haaland: Die klare Maßgabe von Trainer Edin Terzic schien gewesen zu sein, Holstein Kiel von Beginn an unter Druck zu setzen und nicht ins Spiel kommen zu lassen. Endlich mal konsequentes, ganz frühes Anlaufen, endlich mal flüssiges Kombinationsspiel nach vorne! Natürlich geht das leichter gegen einen Zweitligisten, der vor nicht allzulanger Zeit noch in Quarantäne war und deswegen nun ein richtig volles Restprogramm hat. Aber der BVB schaffte es nicht nur, das auszunutzen, sondern glänzte dabei auch noch.

Bis zum ersten Tor durch Giovanni Reyna hielten die Kieler noch einigermaßen dagegen; in der Folge wurden sie dann regelmäßig überspielt. Vielleicht hätten es die „Störche“ zumindest taktisch einfacher gehabt, wenn Haaland als einzige Spitze auf dem Platz gestanden hätte. Nominell schlüpfte Thorgan Hazard in dessen Rolle, aber die eigentliche Gefahr entwickelten zunächst die Drei hinter ihm: Sancho, Reus und Reyna brillierten und die Gäste-Defensive bekam die schnellen Kombinationen auf allen Seiten nicht eingehegt. Der Fokus fehlte – was nicht heißen muss, dass es mit der Urgewalt Haaland tatsächlich leichter für die Kieler gewesen wäre.

Den Titel holen – für den Fußball!

Die zweite Hälfte konnte erwartungsgemäß nicht mit der Qualitäts-Demonstration der ersten 45 Minuten mithalten. Absolut nachvollziehbar, dass Edin Terzic Julian Brandt nach der Halbzeit und Reinier, Delaney und Morey nach 62 Minuten Spielpraxis verschaffte. Am Ende stand eine Passquote von 92 Prozent, die auch gegen einen Zweitligisten und selbst unter Einbeziehung der Quer- und Sicherheitspässe stark ist.

Es folgen nun zwei Partien gegen RB Leipzig. Das muss man so nicht haben, denn eigentlich gehört RB dahin, wo man auf Asche spielt; es ist aber die Realität. Leipzig schätze ich momentan nicht stärker ein als den BVB, sie haben aber einen Vorteil: Das Spiel am Samstag müssen sie nicht gewinnen, denn niemand glaubt, dass sie noch Meister werden. Eine interessante Frage ist, welche der beiden zweifellos wichtigen Begegnungen man für wichtiger hält. Für mich ist es das Pokalfinale. Weil es um einen Titel für den BVB geht und in zweiter Linie auch darum, einen Titel für Leipzig zu verhindern. Deshalb wird uns ein Großteil von Fußball-Deutschland die Daumen drücken – hoffentlich hilft’s!

Die Aufstellung: Hitz – Piszczek (62. Morey (74. Meunier)), Akanji, Hummels, Guerreiro – Bellingham, Can (62. Delaney) – Reyna (46. Brandt), Reus (62. Reinier), Sancho – Hazard. Tore: Reyna (2), Reus, Hazard, Bellingham

1:3 – Dortmund ärgert Didi

1. Bundesliga, 15. Spieltag / RB Leipzig 1 BVB 3

Endlich zeigen sich die Schwarz-Gelben mindestens eine Halbzeit lang in der benötigten Topspiel-Form. Zunächst agierten die Gäste jedoch zu passiv gegen spielbestimmende Leipziger. Gut war immerhin, wie man die Angriffs-Power von RB hinten wegverteidigte und kaum echte Chancen zuließ. Nach einer halben Stunde kam die Borussia dank mutigerer Taktik ins Spiel und gestaltete es ausgeglichen.

In der zweiten Hälfte startete beinahe umgehend die große bunte Offensiv-Show der Schwarz-Gelben mit Marco Reus, Erling Haaland und Jadon Sancho als Hauptattraktionen. Herrlich kombinierte Tore vor allem zum 0:1 und 0:2, provozierte Ballverluste der sonst so defensivstarken Gastgeber im Mittelfeld und eine für Dortmunder Verhältnisse unheimliche Wachheit sorgten für den nicht mehr gefährdeten Auswärtssieg.

Taktischer Kniff und eine Verletzung als Chance

Etwa eine halbe Stunde lang war der BVB gestern die zweitbeste Mannschaft im Zentralstadion. Dann reagierte Edin Terzic mit einer simplen, naheliegenden und dennoch mutigen taktischen Änderung. Er ließ das Team, insbesondere die Offensivabteilung höher rücken und die Gastgeber schon früh im Aufbau stören. So wie andere mutige Mannschaften, natürlich inklusive dem FC Bayern, gerne gegen die Borussia spielen.

Der mutigere Ansatz birgt natürlich die Gefahr, dass dich ein starkes Team wie Leipzig überspielt. In der Partie gestern hatten die Schwarz-Gelben jedoch endlich wieder das Selbstbewusstsein und die Griffigkeit, um das zu verhindern. Verbunden ist dieser Erfolg neben den offensichtlichen Namen vor allem mit einem der Eingewechselten: Emre Can musste schon nach einer halben Stunde den verletzten Axel Witsel ersetzen und ergriff seine Chance absolut überragend. Zwar war die taktische Umstellung von Terzic hauptverantwortlich für die Steigerung des gesamten Teams, aber Can war der ideale Spieler, um die daraus folgenden Implikationen im Mittelfeld umzusetzen. Weiterlesen „1:3 – Dortmund ärgert Didi“

Konstanz liegt am Bodensee

1. Bundesliga, 17. Spieltag / TSG Hoffenheim 2 BVB 1

Zwei Spiele nach Mainz ist beim BVB gefühlt wieder alles ungut. Während die Partie gegen Leipzig vor allem ergebnistechnisch negativ war, erkannte man in der zweiten Hälfte in Sinsheim wieder die gleiche Spielweise, die die Fans bis vor wenigen Wochen so aufgeregt hatte. Schwarz-Gelb lässt sich alle drei Punkte abnehmen und das war absolut absehbar.

Eine gute Hälfte

Es ist ja in dieser Saison kein neues Phänomen, dass die Borussia Spiele mindestens phasenweise aus der Hand gibt. Nur war es gestern besonders frustrierend, weil man gegen solche Hoffenheimer einfach gewinnen musste. In den ersten 45 Minuten hatten die Gastgeber genau eine, wenn auch gute, Gelegenheit, als Skov einen Freistoß aus großer Distanz an die Unterkante der Latte schoss. Dortmund wirkte dagegen souverän, und über rechts mit Hakimi und Hazard immer wieder gefährlich. Leider reichte es nur zu Götzes Treffer. Außer bei zwei, drei starken Szenen war bei Mario sonst viel Luft nach oben.

Nun ist es wirklich unglücklich, wenn mit Mats Hummels und Thorgan Hazard zur Pause der Abwehrorganisator und der offensive Top-Performer der letzten Wochen wegbrechen. Bei Hazard gibt es bis dato noch keine mir bekannte belastbare Aussage, ob und wie schwer er verletzt war. Doch selbst wenn der Doppelwechsel unvermeidbar war: Hier lag Lucien Favre falsch. Er brachte den – wie sage ich es respektvoll – Veteranen Lukasz Piszczek und Jacob Bruun Larsen – der sich bei seinen wenigen Auftritten bisher nicht aufdrängen konnte. Mutig und wohl sinnvoller wäre es gewesen, Leo Balerdi endlich mal eine echte Chance in der Innenverteidigung zu geben und Hazard durch Guerreiro oder gleich Alcacer zu ersetzen. Weiterlesen „Konstanz liegt am Bodensee“

Form + Personal = 0:5

1. Bundesliga, 28. Spieltag / Bayern München 5 BVB 0

Und das Imperium schlägt mal wieder zurück: Bayern München gewinnt auch in der Höhe verdient gegen einen desolaten BVB, kombiniert sich fröhlich und ungestört zu einem 5:0. Immerhin für Schwarz-Gelb ergebnistechnisch ein Fortschritt gegenüber der Vorsaison. Spielerisch war es mindestens genauso schrecklich.

Die seit letztem Samstag und dem folgenden seltsamen Pokalauftritt der Bayern moderat gestiegene Zuversicht vor dem Spitzenspiel war zwar schon am Freitag der Ernüchterung gewichen: Paco Alcacer und Raphael Guerreiro, sicherlich zwei Hoffnungsträger für die schwere Aufgabe, mussten verletzt zu Hause bleiben. Doch das heute hätte man trotz allem so nicht (noch mal) erwartet.

Die einzige Phase, in der sich die Schwarz-Gelben engagiert und angriffslustig präsentierten, waren die fünf Sekunden nach Anpfiff. Unheimlich schnell gewannen die Gastgeber die Oberhand und dominierten die Partie. Es gab nach wenigen Minuten eine Großchance für den BVB, bis dahin die beste Szene von beiden Seiten: Reus hatte den Ball von links quergelegt und Mo Dahoud traf mit einem flachen Schuss den Pfosten – Manuel Neuer wäre ohne Chance gewesen. Man sollte seine Chancen gegen die Bayern besser nutzen – aber niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass es so einseitig werden würde. Weiterlesen „Form + Personal = 0:5“

Kick it like Sancho

1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 2 SC Freiburg 0

Der Sportclub ist ein von mir immer gern gesehener Gast im Westfalenstadion. Nicht nur, weil er meistens Punkte da lässt, sondern auch wegen des großen Respekts, den ich vor der Arbeit in Freiburg habe. Ich konnte nie verstehen, warum manche diesen Verein langweilig finden und am liebsten nur die Bundesliga-Dinos sehen würden, selbst wenn die ohne Ende Mist bauen. Trotzdem freut es mich natürlich, dass die Borussia mit ihrem zehnten Sieg in der Liga weiter alle auf Trab hält. Und das kam so:

Die Viererkette steht. Obwohl Manuel Akanji ersetzt werden musste, wirkten die vier Abwehrspieler weitestgehend routiniert und eingespielt. Dan-Axel Zagadou klärte bis zu seiner Verletzung da hinten beinahe alles weg. Was für eine tolle Erfolgsgeschichte nach dem schwierigen Anfang! Lukasz Piszczek und Abdou Diallo ließen sich auch auf Ausflüge nach vorne ein, was gar nicht so schlecht aussah. Und Achraf Hakimi ist ja sowieso häufig in des Gegners Hälfte anzutreffen – ohne dadurch heute defensive Problemchen heraufzubeschwören. Gegen Freiburg passte diese recht offensive Abwehrkonstellation. Ja, es war ’nur‘ Freiburg. Aber dieses Freiburg hat anderen schon enorme Probleme bereitet.

Wehe dem Gegner, der Jadon von der Leine lässt. Bekommt Englands Teenie-Hoffnung den Platz und sprüht er vor Spielfreude wie heute in einigen Szenen, dann ist er inzwischen der bessere Pulisic. Das ist nicht so schön für Letzteren, da Christian deswegen seltener spielt. Aber heute stand das ohnehin nicht zur Debatte, der US-Amerikaner fehlte mit muskulären Problemen. Sancho war dafür an beiden Toren beteiligt: Sein Dribbling im Strafraum führte zum Elfmeter, den Reus verwandelte und sein tolles Power-Dribbling in der Nachspielzeit bereitete die Entscheidung vor.

Arbeitssieg mit einem Hauch Klasse. Der Sportclub machte es den Borussen nicht einfach. Christian Streich hat es nach Anlaufschwierigkeiten auch in dieser Saison wieder geschafft, eine Mannschaft zu bauen, die sehr gut das spielt, was sie kann. Man sah aber doch, dass die Schwarz-Gelben etwas mehr können. Vor allem in der zweiten Halbzeit gab es einige schöne Spielzüge, wenn auch nicht alle in Großchancen mündeten. Marco Reus tat sein Tor gut, auch Jacob Bruun Larsen drehte nach einer unauffälligen ersten Hälfte auf. Es war aber kein Chancenreigen und Freiburg traf durch Gondorf auch die Latte, wie später Piszczek.

Mäßige erste 45 Minuten, passend zur Anti-Montagsspiele-Nicht-Stimmung auf der Südtribüne, dann der souveräne zweite, lautere Teil. Voll ok, das Ganze. Doch jetzt kommt das Derby!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Diallo, Zagadou (37. Toprak), Hakimi – Delaney, Witsel – Sancho, Reus (81. Philipp), Bruun Larsen – Götze (70. Paco Alcacer). Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Reus (EM), Paco Alcacer

 

Nur noch vier Spiele – zum Glück!

1. Bundesliga, 30. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 0

Die sportlich gesehen enttäuschendste Spielzeit des BVB seit langem – ja, trotz der letzten unter Jürgen Klopp – geht bald zu Ende. Das ist die schönste Erkenntnis eines bis in die Nachspielzeit schwarzen Derby-Tags für Schwarz-Gelb. Die Borussia vergab auch die letzte Chance auf einen versöhnlichen Saisonausklang – ja, trotz der weiterhin möglichen CL-Qualifikation.

Schalke ging in eigener Halle verdient als Sieger vom Platz. Weil die Gastgeber länger die Mannschaft mit dem reiferen Spielaufbau waren. Weil sie mehr gute Abschlussmöglichkeiten hatten. Die ausgeglichene Zahl der Torschüsse (12:12) täuscht: Die des BVB waren harmloser, oft mit viel Hoffnung abgefeuert, manchmal eher Zufallsprodukte. Schalke gewann auch, wie Peter Stöger richtig erkannte, wegen individueller Fehler: Marcel Schmelzer verlor den Ball vor dem 0:1, die Spieler in der Freistoßmauer patzten beim 0:2. Aber das ist wirklich nicht mal die halbe Wahrheit.

Den schwarz-gelben Jungs gelang nach vorne zu wenig. Ganz wenig. Obwohl Christian Pulisic sich abmühte und in Ansätzen seine Klasse erkennen ließ. Aber fast alle anderen hatten einen gebrauchten Tag. Mal wieder, wenn es um etwas geht. Ausnahme: Roman Bürki, mal wieder. Mo Dahoud wirkte zunächst extrem engagiert, aber auch das legte sich im Laufe des Spiels. Ja, den Fehler vor dem Gegentor machte Schmelzer. Überraschung. Ist ja nicht so, dass man es nicht hätte wissen können, dass unsere Außenverteidigung nicht auf dem neuesten Stand ist. Eine Dreifach-Verneinung in einem Satz? Ja, auch das passt heute.

Dass es an ganz bestimmten Stellen – Außenverteidigung, Mittelfeldzentrale – weiter hakt, überrascht natürlich nicht. Inzwischen kann man aber auch davon sprechen, dass diese schwarz-gelbe Mannschaft ein Problem mit Topspielen hat. Mit dem Druck in diesen Spielen. Das Problem tritt nicht in jeder solchen Partie gleichermaßen auf – so fiel Leipzig positiv aus dem Rahmen. Es zieht sich auch nicht immer über 90 Minuten. Aber oft sind es die entscheidenden Momente, in denen das Team eben nicht auf der Höhe wirkt.

Man kann über die Gründe für die fehlende Druckresistenz jetzt wieder lange spekulieren. Man darf das letzte Frühjahr dabei nicht vergessen, aber es wird auch nie einen Beweis geben, dass da noch was nachhängt. Also bleibt uns nur, auf einen möglichst umfassenden Neuanfang im Sommer zu hoffen. Mit Watzke und Zorc, das wissen wir und das ist auch gut so. Aber vielleicht ohne viele andere. Und auch das könnte für alle Beteiligten gut sein. Ob Michy Batshuayi im Juli noch da sein wird? Eher unwahrscheinlich. Fehlen wird er der Borussia aber wohl schon vorher. Verletzte er sich doch in der Nachspielzeit dieses Derbys zum Vergessen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Schmelzer (86. Götze) – Sahin, Dahoud (79. Sancho) – Pulisic, Reus, Philipp (46. Schürrle) – Batshuayi. Gelbe Karte: Piszczek.

Teilerfolg, aber keine Erlösung

1. Bundesliga, 14. Spieltag / Bayer Leverkusen 1 BVB 1

Es kam wie meistens in solchen Make-it-or-break-it-Spielen: Am Ende geht es Unentschieden aus. Ob das 1:1 auswärts bei einem formstarken Gegner nun ein Fortschritt war, ist angesichts des Spielverlaufs schwer zu beurteilen. Klar ist jedoch: Es war kein Grund, jetzt Peter Bosz zu feuern.

Ein Spiel der zwei Hälften

Nichts ganz Neues für Schwarz-Gelb: Wieder mal sahen wir zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten. Doch es lief andersrum als im Derby: Nach ein paar ordentlichen Anfangsminuten mit viel Ballbesitz bekamen die zuletzt so erfolgreichen Gastgeber die Partie in den Griff. Das äußerte sich vor allem in zielstrebigeren, effektiveren Angriffen. Während der BVB Muster zeigte, die wir in dieser Saison schon häufiger, und gelegentlich auch davor schon gesehen haben: lange Bälle nach vorne im Aufbauspiel, weil Kreativität und Anspielstationen fehlten.

Zu diesem Zeitpunkt war Maximilian Philipp schon lange nicht mehr auf dem Feld, sondern auf dem Weg ins Krankenhaus. Jenseits von allem Gerede vom Berufsrisiko eines gut bezahlten Profisportlers ist die wahrscheinliche schwere Knieverletzung einfach bitter. Ich mag den Jungen; er tickt richtig, hat genügend Ehrgeiz und auch die Fähigkeiten, um den zu rechtfertigen. Gute Besserung, Maximilian!

Natürlich änderte die Rote Karte gegen Wendell nach Videobeweis die Partie. Sie war berechtigt und ihr folgte der zweite verletzungsbedingte Wechsel bei der Borussia: Kagawa kam noch vor der Pause für Castro. Die Schwarz-Gelben spielten die Überzahl in Hälfte 2 gut aus und dominierten die Begegnung. Ja, es gelang nur ein Treffer, so dass es nur für einen Punkt reichte. Aber natürlich hätten auch letzten Samstag die Blauen niemals noch einen Punkt geholt, wenn es den fälligen Platzverweis für Kehrer gegeben hätte. Weiterlesen „Teilerfolg, aber keine Erlösung“

Zurück aus Asien: Auba dabei, Schmelzer verletzt

Begeisterte Fans in Japan und China, zwei Testspielsiege und ein Torjäger an Bord der Maschine zurück nach Europa: Nicht nur die offizielle Vereinssichtweise des Asien-Trips von Borussia Dortmund klingt positiv. Sicher kann man sich auch über China als Zielland streiten, doch das wäre angesichts von dessen Einfluss so etwas wie Inseldenken.

Bleiben wir beim Sportlichen, dann haben die Schwarz-Gelben einen ordentlichen und einen richtig überzeugenden Test gegen die Urawa Red Diamonds respektive AC Mailand hingelegt. Die – merke: chinesisch gesponserten – Mailänder sind gerade auf großer Einkaufstour und möchten endlich wieder Juventus angreifen. In der Serie A beginnt die neue Spielzeit wie in der Bundesliga am Wochenende 18. bis 20. August. Insofern kann man sich auf den Testspielsieg mit Toren von Aubameyang (2x) und Sahin schon ein klein wenig einbilden. Zumindest ist seit Essen eine Entwicklung zu erkennen.

Milan soll einer aus einer Reihe von Vereinen gewesen sein, die an einer Verpflichtung unseres Torschützenkönigs interessiert waren. Glaubt man jüngsten Verlautbarungen, ist Aubas ganz persönliches Transferfenster jetzt nicht nur für Chinesen geschlossen. Auch andere Klubs können sich ihre Offerten sparen, suggerieren Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke. Einen Transfer komplett ausgeschlossen haben sie allerdings nicht; gerade Watzke ist in der Hinsicht schließlich ein gebranntes Kind. Bei einem schwindelerregenden Angebot von deutlich über 100 Millionen Euro könnte noch mal Bewegung in die Sache kommen. Mehr und mehr stellt sich aber auch angesichts der bereits getätigten oder bevorstehenden Transfers die Frage, wer noch so viel bezahlen würde.

Die Wahrscheinlichkeit ist daher sehr hoch, dass Pierre-Emerick Aubameyang tatsächlich noch eine Saison in Dortmund spielt. Wenig deutet darauf hin, dass ihm das sonderlich unangenehm wäre. Man darf davon ausgehen, dass die Vereinsführung ihre Bedingungen Auba gegenüber besser kommuniziert hat als das möglicherweise in der Vergangenheit bei anderen Spielern der Fall war.

Die einzige Hiobsbotschaft aus dem fernen Osten: Kapitän Marcel Schmelzer hat sich im Training einen Teilriss des Außenbandes im Sprunggelenk zugezogen. Bis zum Ligastart in Wolfsburg soll er wieder „voll einsatzfähig“ sein. Nicht dass mir das schlaflose Nächte bereiten würde: Im Pokal gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen sollten wir auf Schmelle verzichten können. Und dass sich ein paar Wochen lang Alternativen für den Käpt’n in den Vordergrund spielen können, finde ich gar nicht verkehrt.

Vier gewinnt: Dortmund holt den Pott

DFB-Pokal, Finale / Eintracht Frankfurt 1 BVB 2

Mancher wird einfach nur gedacht haben: endlich. Manchem fehlte spielerischer Glanz. Doch wer wären wir denn, wenn wir uns über einen verdienten Pokalsieg – und den ersten echten Titel seit fünf Jahren – nicht mehr richtig freuen könnten? Genau, die Bayern. Mit einer weiteren Auba-Show zum wahrscheinlichen Abschied hat die so ganz andere Saison ein grandioses Ende gefunden.

Drei Gedanken zum Spiel

Natürlich, es war ein Arbeitssieg. Angesichts der vielen zusehenden Länder keine Werbung für eine neue Art von Fußball wie in den erfolgreichsten Klopp-Jahren. Aber die Konstanz aus 2011 und 12 ist passé und dafür gibt es zu akzeptierende Gründe. Nach der frühen Führung durch Dembelé, dessen Tor ein wenig an München erinnerte, machten es die Frankfurter dem BVB im Mittelfeld schwer. Der Spielaufbau der Schwarz-Gelben bestand nach der ersten Viertelstunde weitgehend aus langen Bällen.

Doch in der zweiten Hälfte gewann die Borussia ihre Dominanz zurück und die Zahl der Torschüsse, 12:8 für Schwarz-Gelb, spiegelt auch das Endergebnis wieder. Pierre-Emerick Aubameyang wurde nach Reus‘ verletzungsbedingtem Ausscheiden zum Mann des Spiels. Ein Fallrückzieher, der fast zum Tor des Jahres geworden wäre und nur mit Mühe von einem Frankfurter an die Latte gelenkt wurde. Ein weiterer Schuss ans Aluminium. Und eben der cool verwandelte Elfmeter, als ob es nie zuvor Fehlschüsse gegeben hätte. Traurig, ihn vielleicht bald nicht mehr in unseren Farben zu sehen. Weiterlesen „Vier gewinnt: Dortmund holt den Pott“

Dortmund sorgt für Finale daheim

1. Bundesliga, 33. Spieltag / FC Augsburg 1 BVB 1

Im Schatten von Pokalfinale und jeder Menge Spekulationen um den Trainer verpasst die dominante Borussia in Augsburg die Vorentscheidung im Kampf um Platz 3 sowie eine Chance auf Platz 2.

Drei Gedanken zum Spiel

Wie ordnet man diese Leistung ein: große Dominanz, wenig Durchschlagskraft? Der BVB bemühte sich ja, suchte die Lücke, hatte sage und schreibe 77 Prozent Ballbesitz. Die Gastgeber setzten auf das in dieser Saison zumindest gelegentlich bewährte Rezept, tief zu stehen und auf Konter zu warten. Und wenn die schwarz-gelbe Defensive so sehr dazu einlädt wie in der 29. Minute, dann hat FCA-Trainer Manuel Baum alles richtig gemacht. Ein simpler Abschlag von Keeper Luthe traf die Dreierkette unvorbereitet und Augsburgs Max war durch. Was von schwarz-gelber Seite folgte, war trotz des schnellen Ausgleichs zu oft Stückwerk. Unter den 15 Torschüssen waren zwar einige, die einen Auswärtssieg gerechtfertigt hätten, doch angesichts aller anderen Statistiken hätten es mehr sein müssen.

Fehlte etwa die Entschlossenheit? Man spürte jedenfalls nicht über 90 Minuten diese große Intensität, die das BVB-Spiel in den besten Zeiten auszeichnet. Der Subtext dazu: Beeinflusst die Mediendebatte zur Unzeit die Spieler? Ich bin bei solchen Deutungen immer sehr vorsichtig, genauso wie bei der Bedeutung von Watzkes Antwort auf eine Journalistenfrage. Augsburg verteidigte gut, der Borussia fehlte nicht zum ersten Mal in solchen Situationen die Inspiration. Einer, der fast schon untypisch entschlossen wirkte und im Mittelfeld in viele Zweikämpfe ging, war Pierre-Emerick Aubameyang. Der will die Kanone, das merkte man ihm an. Und da der Service aus dem Mittelfeld zu wünschen übrig ließ, kümmerte er sich gelegentlich selber darum.

Eine Rolle spielte auch die Verletzung von Julian Weigl. An guten Tagen ist er der Mann für die öffnenden Pässe. In den 20 Minuten seines Mitwirkens gestern war davon noch nicht so viel zu sehen. Aber was wäre gewesen, wenn? Der BVB wurde in der Folge vor allem über die Flügel gefährlich, der Weg durch die Mitte war meistens Sackgasse. Nach dem Spiel wurde bekannt: Julian hat sich einen Bruch des Sprunggelenks zugezogen und fällt monatelang, vermutlich bis in die neue Saison hinein, aus. Gute Besserung von dieser Stelle!

Am Ende ist entscheidend: Der BVB hat es zu Hause gegen Bremen selbst in der Hand, Platz 3 zu sichern. Ein Sieg reicht, wenn Hoffenheim kein Freak-Resultat gelingt. Doch es ist jammerschade, dass wir uns das von den Bayern bewundernswert gedrehte Spiel in Leipzig nicht mehr zunutze machen können. Auch gestern wäre mehr drin gewesen. Dennoch: Eine Trainerdiskussion gibt es hier erst, wenn etwas entschieden oder die Saison vorbei ist

Die Aufstellung: Bürki – Ginter (89. Rode), Sokratis, Schmelzer – Piszczek, Weigl (23. Durm), Guerreiro (80. Pulisic) – Dembelé, Kagawa – Aubameyang, Reus. Gelbe Karte: Ginter. Tor: Aubameyang