Vom Trauma zum Traumstart

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1:2 im Play-Off-Finale, danach noch den „Young Player of the Year“ und zuletzt den Finaltorschützen verloren – man könnte vermuten, dass der englische Viertligist Exeter City ein wenig länger für den Neuaufbau braucht. Ollie Watkins und David Wheeler, die beiden angesprochenen Spieler, gehörten zu den Säulen des Teams. Nun verdienen sie ihr Geld aber nicht mehr im Südwesten des Landes, sondern in der Metropole London, bei den Zweitligisten Brentford und Queens Park Rangers.

Der über einen Supporters Trust fangeführte Fußballklub aus Exeter ließ Spieler gehen und sich Zeit mit Neuverpflichtungen. Um es am „Transfer Deadline Day“ schließlich krachen zu lassen. Flügelspieler Wheeler ging, doch Trainer Paul Tisdale holte gleich vier Neue. Vom schottischen Erstligisten FC Aberdeen kam Angreifer Jayden Stockley für eine Rekordablösesumme. Um das ins Verhältnis zu setzen und obwohl die genaue Summe nicht bekanntgegeben wurde: Wir reden hier von sechsstelligen Beträgen.

Ein Spieler mit einigen Minuten Premier League-Erfahrung kam aus London von Crystal Palace: Hiram Boateng verstärkt das defensive Mittelfeld. Und ebenfalls aus der ersten Liga, von West Bromwich Albion, konnte Tisdale noch zwei Youngster auf Leihbasis loseisen: Rechtsverteidiger Kane Wilson und Offensivmann Kyle Edwards. Stockley ist mit 23 Jahren der Älteste des Quartetts. weiterlesen

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Ihr wart mal Stars

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1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 1 Bayer Leverkusen 0

Beim letzten Auftritt der Werkself aus Leverkusen im Westfalenstadion war ich vor Ort und sah eine Gästemannschaft, der ich ernsthaft zutraute, den Spitznamen „Vizekusen“ abzulegen. Gut 1 1/2 Jahre später saß ich gestern in der Kneipe und sah Leverkusener Fußball, der kaum noch etwas mit dem des verdienten Vizemeisters der letzten Saison zu tun hatte. Die beste Entschuldigung für den sehr defensiven Stil der Gäste in der ersten Halbzeit war noch, dass sie nur für Barcelona übten.

Was die Borussia anzubieten hatte erinnerte weder an die letzte Begegnung der beiden Teams in Dortmund noch an den brillanten Fußball, den die Schwarz-Gelben später in jener Saison zelebrierten. Doch es war ein hochverdienter Arbeitssieg, bei dem Einstellung und Engagement stimmten. In der Hinsicht war bezeichnend, dass zur großen Überraschung der Allermeisten Sven Bender bereits wieder in der Startelf stand und neben Sebastian Kehl das Mittelfeld dicht hielt.

Überraschend war auch, wie extrem tief der Vizemeister in der ersten Halbzeit stand. Die Gäste griffen die BVB-Spieler teilweise erst in der Mitte der eigenen Hälfte an und warteten bis zur Dortmunder Führung nur auf Fehler des Gegners. Die gab es durchaus, doch die Leverkusener nutzten die gewonnenen Bälle nicht – wofür auch der aufmerksamen schwarz-gelben Defensive ein Lob gebührt. Die Rückkehr von ‚Manni‘ Bender wirkte sich positiv aus, nur Marcel Schmelzer fiel gegenüber seinen Abwehrkollegen leicht ab und unterstützte offensiv Vordermann Großkreutz weniger als auf der anderen Seite Piszczek Kuba.

Leverkusen vermisste mehrere kreative Spieler – Sam, Barnetta, Derdiyok – und der genesene Renato Augusto wurde nur eingewechselt. Doch die Mannschaft von Robin Dutt hatte immerhin genügend Qualität, um es dem BVB vor dem Tor schwer zu machen. Obendrein fehlte den Schwarz-Gelben gestern vorne lange Zeit die Präzision, beim letzten Pass wurden häufiger als gewohnt falsche Entscheidungen getroffen. So kam es, dass die erste größere Chance – ein Schuss von Großkreutz – bis zur 40. Minute auf sich warten ließ. Fehlendes Abschlussglück war der zweite Grund für die Knappheit des Sieges. Kevin vergab in der zweiten Hälfte noch einen echten ’sitter‘, wie die Engländer sagen würden, und schoss freistehend vor Leno dem Keeper gegen die Beine. Sogar Leverkusens Kießling hätte fast für Dortmund getroffen – sein Kopfball aufs eigene Tor in der 69. Minute war ein echter Abschlussversuch. weiterlesen

Weidenfeller pokert, Barrios trainiert, Dortmund spielt Remis

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Keine Dramen, aber gewisse ‚Entwicklungen‘ gibt es aus dem Trainingslager von Borussia Dortmund im spanischen Jerez zu berichten. Torwart Roman Weidenfeller will die Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung in den nächsten vier Wochen abschließen. Gegenüber den „Ruhr Nachrichten“ hat er die zwei Knackpunkte klar benannt: ‚Weide‘ möchte einen längerfristigen Vertrag und eine ordentliche Gehaltsaufstockung. Bisher soll ihm Michael Zorc eine Verlängerung bis 2013 angeboten haben.

Die BVB-Verantwortlichen haben offensichtlich die Lehren aus der Vergangenheit gezogen und bieten nur den Ausnahmekönnern langfristige hochdotierte Verträge – wenn überhaupt. Es bleibt die Frage, wie gut Weidenfeller wirklich ist. Ein sehr guter Torwart mit Sicherheit, aber unverzichtbar? Wie so oft pokern beide Seiten ein bisschen, aber wird Roman in der jetzigen Situation wirklich zu Aston Villa wechseln? Meine Prognose: Kommt nicht noch ein Überraschungsangebot von einem Topverein, wird er bleiben. Bis 2014 oder 15, mit einer hoffentlich moderaten Gehaltserhöhung, möglicherweise mit einer Jobperspektive für die Zukunft.

Unterdessen hat Lucas Barrios im Trainingslager das Training aufgenommen. Alles ganz normal, nach den leicht übertriebenen Meldungen der letzten Tage. Lucas war in Argentinien zur Beobachtung im Krankenhaus, hatte einen Magen-Darm-Infekt mit hohem Fieber und im Zuge dessen „zwei drei Kilo und Substanz verloren“. Sowas ist fies, ich kenne das, aber sicher kein Grund zur Aufregung. Der Rückrundenauftakt ist in einer Woche – das sollte reichen. Und wenn nicht, spielt eben Robert Lewandowski.

Ohne Barrios, Kagawa und den noch geschonten Mario Götze hat der BVB im ersten von zwei Testspielen vor der Rückrunde gegen den französischen Erstligisten RC Lens 2:2 gespielt. Das Spiel soll von überschaubarem Niveau gewesen sein. Bemerkenswert waren drei Sachen: Nuri Sahin hat einen Handelfmeter verwandelt, Tamas Hajnal ebenfalls ein Tor erzielt und zur Pause wurde die komplette Mannschaft gewechselt. Von der A-Elf zur B-Elf. Sonderlich ernst sollte man dieses Spiel wirklich nicht nehmen. Vermutlich wird Jürgen Klopp die Partie in Basel am Sonntag anders handhaben.

Die „Ruhr Nachrichten“ vermelden auch noch, dass Fortuna Düsseldorf wegen einer Ausleihe von Damien Le Tallec angefragt hat. Hier soll frühestens nächste Woche eine Entscheidung fallen. Der BVB will vernünftigerweise nur einen Spieler abgeben – nicht ausgeschlossen, dass das der junge Franzose sein wird, wenn für Hajnal oder Feulner keine Angebote eingehen.