Shinji der Derby-Held bleibt

Vielleicht war es kein Zufall, dass die Vertragsverlängerung mit Shinji Kagawa bis 2020 heute verkündet wurde: am ersten Tag des Teams in Japan, aber auch am Tag nach dem Abschied von Sven Bender. Ein 28-jähriger Defensivspieler geht, ein 28-jähriger Offensivmann bleibt. Was noch bis vor einem halben Jahr unwahrscheinlich schien, ist nach einer guten Rückserie folgerichtig: Unser Derby-Held bleibt uns noch bis zu drei Jahre erhalten. Und Shinji hat durchaus Einsatzchancen – gerade jetzt, wo Marco Reus noch lange ausfällt und Mario Götze noch viel Arbeit vor sich hat.

Ich habe im vorherigen Beitrag geschrieben, dass mit Sven Benders Weggang auch der sympathische BVB der letzten Meisterjahre verschwindet. Einerseits ist das der natürliche Gang der Dinge, andererseits ändert es den Charakter der Borussia. Selbst wenn Shinji Kagawa noch mehr mit den Erfolgen von 2010 bis 2012 verbunden wird, ist er nicht eine solche Identifikationsfigur geworden wie Manni. Die Gründe sind naheliegend: Seine BVB-Vita wird durch Manchester United unterbrochen und nach seiner Rückkehr wirkte er lange nicht wie der Alte.

Dennoch ist es gut, dass Shinji bleibt. Es ist gut, dass ihm Michael Zorc und Aki Watzke einen Vertrauensvorschuss geben und eben doch auch ein bisschen gefühlig und nicht nur kühl-rational kalkulieren. Wobei Shinji in Japan natürlich ein echtes Asset ist. Ob er langfristig einen Platz in der Startelf von Peter Bosz bekommt, ist eine ganz andere Frage.

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Vertragsverlängerungchen: Nuri Sahin bleibt bis 2019

Gerade noch hat ihn wieder mal das Verletzungspech ereilt: In Mönchengladbach zog sich BVB-Mittelfeldspieler Nuri Sahin einen Außenbandteilriss zu und wird frühestens im letzten Saisonspiel oder im Pokalfinale wieder auflaufen können. Doch was unser Eigengewächs in seinen wenigen Einsätzen der letzten Wochen gezeigt hat, scheint den Vereinsverantwortlichen gereicht zu haben: Nuri Sahin und die Borussia verlängern ihre Zusammenarbeit bis Juni 2019. Sportdirektor Michael Zorc sagte dazu unter anderem folgendes:

Auch wenn Nuri in den vergangenen beiden Jahren Pech mit Verletzungen hatte, hat er doch immer wieder gezeigt, dass er zurückkommen und einen sehr wichtigen Part in unserer jungen Mannschaft ausfüllen kann.

Natürlich weiß Nuri, dass jetzt ein ungünstiger Zeitpunkt für einen Wechsel wäre. Aber natürlich hat man auch auf Vereinsseite seine Verletzungsanfälligkeit ins Kalkül gezogen. Insofern macht eine Vertragsverlängerung um (nur) zwei Jahre für beide Seiten Sinn: Nuri ist heute 28 – Kinder, wie die Zeit vergeht. Mit 30 könnte er noch mal zu einem halbwegs ambitionierten Klub wechseln, wenn es nötig werden sollte. Der BVB sichert sich eine Integrations- und Identifikationsfigur, was bei einer jungen und veränderten Mannschaft schon mal per se Sinn macht.

Ob es sich für den Verein direkt sportlich auszahlt, ist noch mal eine andere Frage. Ich war damals skeptisch, als Nuri und Shinji Kagawa aus England zurückgeholt wurden. Bis zur aktuellen Rückserie dürften die meisten Beobachter diese Skepsis geteilt haben. Seither haben beide wieder eine Reihe guter Auftritte gezeigt – Shinji noch ein paar mehr als Nuri. Ob der Aufschwung von Dauer ist, lässt sich kaum vorhersagen. Noch haben sie ihr Spitzenniveau nicht erreicht und die Messlatte liegt hoch. Verletzungen helfen in aller Regel nicht.

Sagen wir es so: Wäre mit der Vertragsverlängerung eine deutliche Gehaltserhöhung verbunden, würde der Deal für den BVB keinen Sinn machen. Zu ähnlichen oder leistungsbezogeneren Bezügen dagegen schon. Und noch mehr dann, wenn Tuchel, Zorc und Watzke die Überbesetzung des Mittelfelds beheben und den Kader auf anderen Positionen stärken. Gerade in Zeiten wie diesen darf man sich außerdem auch mal ganz sentimental freuen, wenn uns ein langjähriger Schwarz-Gelber erhalten bleibt.

Zlatan kommt nicht, aber sein Nachfolger

Zuerst bestätigte es der bisherige Mitspieler Dickson Etuhu, indem er ein Foto von der Vertragsunterzeichnung auf Instagram postete: Alexander Isak wechselt vom schwedischen Erstligisten AIK Solna zum BVB! Intensive Beobachter des europäischen Spielermarkts werden den 17-Jährigen kennen, allen anderen sei gesagt: Da kommt der neue Zlatan Ibrahimovic nach Dortmund. Real wollte ihn, angeblich auch PSG und der FC Bayern, doch am Schönsten ist es immer noch im Pott.

Soweit die mediale Begleitung dieses Transfers, der noch genauso wenig endgültig vollzogen ist wie der Wechsel von Adrian Ramos nach China/Spanien. Dessen ‚Ersatzmann‘ soll Isak werden – aber natürlich erhoffen sich die BVB-Verantwortlichen noch mehr von ihm. Zunächst mal steht noch die Erlaubnis von der FIFA aus, die bei Transfers von minderjährigen Spielern erforderlich ist. Nach Angaben der Borussia spricht nichts dagegen, dass der Weltverband zustimmt. Wofür ihn die Schwarz-Gelben holen möchten, ist klar: In der abgelaufenen Spielzeit in Schweden traf der 1,90-Meter-Mann zehnmal in 24 Partien. Außerdem ist er jüngster Torschütze aller Zeiten in der schwedischen Nationalmannschaft. Ob er perspektivisch einmal die Nachfolge von Pierre-Emerick Aubameyang antreten kann, werden wir vielleicht nicht sofort erfahren, aber freuen wir uns auf erste Hinweise in der Rückserie!

Unterdessen hat ein weiterer junger Hoffnungsträger beim BVB verlängert: Christian Pulisic bleibt nun laut Vertrag bis 2020. Das war so während des größeren Umbruchs im Sommer noch nicht absehbar und auch Christian machte sich wohl seine Gedanken. Doch wer ihn zuletzt auf dem Flügel wirbeln gesehen hat – und es mit den Schwarz-Gelben hält – kann sich nur freuen, dass sich die Vorzeichen gedreht haben und der US-Nationalspieler uns noch länger erhalten bleibt.

Zu guter Letzt: Isak und Pulisic könnten im BVB-Kader schon am nächsten Wochenende wieder auf den schon erwähnten Pierre-Emerick Aubameyang stoßen. Der ist mit Gastgeber Gabun aus dem Afrika-Cup ausgeschieden, nach drei Unentschieden. Allzu fröhlich dürfte er in den nächsten Tagen allerdings nicht drauf sein, vergab er doch im entscheidenden Spiel gegen Kamerun zwei Meter vom  leeren Tor entfernt.

Bender dehnt seinen Vertrag aus

Es war ein guter Tag für Wortspiele – und die ließen nicht lange auf sich warten. Sven ‚Manni‘ Bender, ebenso bekannt für seine Blessuren unterschiedlichster Art wie für seine unverwüstliche Spielweise, hat seinen Vertrag bei Borussia Dortmund verlängert. Der 26-jährige defensive Mittelfeldspieler ist bereits seit 2009 ein Schwarz-Gelber und wird es nun laut Kontrakt bis 2021 bleiben. Lassen wir dazu Sportdirektor Michael Zorc zu Wort kommen:

Sven paart in seiner Spielweise Kompromisslosigkeit mit vorbildlicher Fairness und ist sowohl sportlich als auch menschlich seit vielen Jahren ein wertvoller Eckpfeiler  unserer Mannschaft!

Auch Manni selbst äußerte sich sehr positiv und dazu noch einen Wunsch:

Ich bin extrem froh, das schwarzgelbe Trikot auch in Zukunft tragen zu dürfen. Es würde mich freuen, wenn in den kommenden Wochen der eine oder andere meiner Mannschaftskollegen nachziehen würde.

Damit sind natürlich Eckpfeiler des Teams wie Gündogan, Mkhitaryan und Hummels gemeint. Über Benders Vertragsverlängerung war dagegen zuletzt selten gesprochen worden – eher über einen möglichen Abgang. Nach diversen Verletzungen war Manni auch bei Thomas Tuchel nicht erste Wahl im defensiven Mittelfeld. Es heißt, in Zukunft sei unsere Nummer 6 eher in der Innenverteidigung eingeplant.

Dass Bender trotzdem bleibt, ist erstens mutig und zweitens ein tolles Zeichen der Verbundenheit mit seinem Verein. Denn ein Selbstläufer wird es für ihn nicht. Sportlich sehe ich ihn eigentlich im Mittelfeld im Vorteil, denn das Anfangshoch von Julian Weigl ist abgeebbt. Dass er alles in allem ein besserer Innenverteidiger als Subotic, Sokratis oder gar Hummels ist, wage ich dagegen zu bezweifeln. Bei einem Weggang von einem der Genannten könnte allerdings Benders Umschulung vollendet werden.

Unabhängig von diesen konkreten Überlegungen steht Sven Bender unserem Kader sportlich nach wie vor gut zu Gesicht. Als Typ muss man ihn nicht nur wegen seiner langen Zeit in schwarz-gelb sowieso gern haben. Gerade in der heutigen Zeit ist dieses Gefühl mehr als nur Nostalgie.

Dortmund bleibt polnisch – kommt jetzt der erste Spanier?

Über andere Spieler hatte man sich zuletzt mehr Gedanken gemacht. So kam es, dass die Vertragsverlängerung von Lukasz Piszczek um ein Jahr bis 2018 unbemerkt vonstattenging und erst heute bekannt wurde. Piszczu ist im sechsten Jahr ein Schwarz-Gelber und damit einer der dienstälteren Spieler. Nach längerfristigen Verletzungsproblemen und neuer Konkurrenz auf seiner Position hat er sich im Lauf der Hinserie seinen Stammplatz hinten rechts von Matthias Ginter zurückgeholt – zu diesem Zeitpunkt zu Recht.

Die vorzeitige Ausdehnung des Vertrags mit dem 30-Jährigen ist aber auch Ausdruck der vorerst gescheiterten Suche nach Alternativen auf den Außenverteidigerpositionen. Diese wurde zeitweise nicht ernsthaft betrieben und scheint danach erfolglos geblieben zu sein. Gonzalo Castro konnte – bei seinem einzigen Auftritt rechts hinten – ebenso wenig überzeugen wie Joo-Ho Park auf der anderen Seite. Ginter ist eine Alternative, aber im Gesamturteil nicht stärker als Piszczek oder Schmelzer. Es gibt derzeit keinen Grund, die personelle Lage dort als Missstand zu betrachten, denn Piszczu scheint fast wieder an alte Zeiten anzuknüpfen. Langfristig wird man sich aber erneut Gedanken machen müssen.

Unterdessen wurde der BVB gleich mit zwei spanischen Spielern in Verbindung gebracht. Beide sind jung und mit der U19 ihres Landes Europameister geworden. Die Verpflichtung von Mikel Merino vom Zweitligisten CA Osasuna vermeldete der „Kicker“ schon als fast perfekt – ausgegangen war die Meldung von den spanischen Sportzeitungen „As“ und „Marca“. Nun scheint erst mal wieder alles in der Schwebe, denn Osasunas Präsident hat einen Wechsel im Winter für schwer vorstellbar erklärt. Das kann Verhandlungstaktik sein oder – wie beim Mainzer Manager Christian Heidel – ernst gemeint.

Ein Wechsel des defensiven Mittelfeldspielers würde bei der derzeitigen Besetzung des Kaders scheinbar wenig Sinn machen. Zwar hinkt Nuri Sahin noch etwas hinterher, aber neben Julian Weigl stehen auch noch Sven Bender und Matze Ginter für die 6er-Position zur Verfügung. Dass Bender in der Innenverteidigung Sokratis vorgezogen wird, ist schwer nachvollziehbar. Merinos Wechsel würde allerdings dann Sinn ergeben, wenn intern mit dem Weggang von Spielern im Sommer gerechnet wird. Kandidaten wären Gündogan oder – wegen fehlender Einsatzzeiten – Bender.

Bei einer Ablöse von rund 5 Millionen Euro wäre der Transfer von Merino finanziell machbar. Sportlich würde dagegen derzeit Oliver Torres mehr Sinn ergeben. Der spielt bei Atletico Madrid, aber aktuell nur eine Nebenrolle. Er gilt als Offensiv-Allrounder, an dem die Borussia schon länger interessiert ist. Der Haken hier: Der Marktwert des 21-Jährigen wird auf 14 Millionen taxiert – und ein Verein wie Atletico wird nicht sonderlich geneigt sein, ein junges Talent zu diesem Zeitpunkt unter Wert abzugeben. Es wäre mit Sicherheit kein typischer BVB-Wintertransfer, wenn dieser Deal über die Bühne gehen sollte.

Tuchels großer Tag

Can you feel the energy? Es lag ein Britzeln in der Luft, als BVB-Trainer Thomas Tuchel am Mittwoch über sein erstes Heimspiel im Westfalenstadion sprach. Der Mann hat richtig Lust auf den Job und die Stimmung, die ihn morgen Abend erwartet. Vor vermutlich 65.000 Zuschauern, bei einem Europa League-Qualifikationsspiel gegen den Wolfsberger AC.

Mir geht es genauso. Bei allem, was in der 2. Halbzeit des gewonnenen Hinspiels noch nicht stimmte: Tuchel hat Recht, wenn er sagt, dass die Borussia die Partie verdient gewonnen hat. Morgen wird sie sich den Einzug in die Play-Offs nicht nehmen lassen. Ob die Aufbruchsstimmung die nächsten Wochen, die ersten Pflichtspiele in allen Wettbewerben überdauert, wissen wir noch nicht. Aber der Kader hat die Qualität – und nicht nur auf der Bank sitzt jemand, der Bock auf Siege mit dem BVB hat.

Ein tolles Beispiel für die Anziehungskraft, die dieser Verein hat, ist die Vertragsverlängerung von Pierre-Emerick Aubameyang bis 2020. Ja, er dürfte eine kräftige Gehaltsaufbesserung bekommen haben. Aber anderswo hätte er noch mehr verdient und womöglich sogar noch höher gespielt. Dass er in Dortmund ein sehr gutes Standing bei den Fans hat, dürfte zu seiner Entscheidung ebenso wie die Aussichten auf einen Stammplatz beigetragen haben. Für die Borussia ist sein Bleiben jedenfalls eine exzellente Nachricht.

Ansonsten steht der Verein dank des neuen und des alten Trainers wenig überraschend noch mehr als sonst im Fokus der (Medien-)Öffentlichkeit. Es gibt Dinge, über die gesprochen wird, weil über sie gesprochen werden muss: Etwa die Frage, ob noch ein Stürmer geholt oder andere Spieler abgegeben werden sollten. Es gibt die Dinge, über die gesprochen wird, obwohl nicht über sie gesprochen werden müsste – etwa, wann Jürgen Klopp im P1 aufschlägt oder wo Kevin Großkreutz bald Karneval feiert. Und dann sind da noch jene Dinge, über die nicht gesprochen wird, obwohl es eigentlich getan werden sollte: die Qualität der Außenverteidiger. So bleibt wieder mal nur die Hoffnung, dass die, die da sind, uns endlich eines besseren belehren.

Morgen fehlen Erik Durm und Neven Subotic wohl noch verletzungsbedingt. Was Thomas Tuchel die Wahl der Viererkette vereinfachen wird. Bald wird er härtere Entscheidungen treffen müssen, auch in der Torwartfrage. Auf der Position wird derzeit noch rotiert, morgen spielt wieder Roman W. Aber Tuchel lässt sich bisher von Fragen nicht unter Druck setzen, geht die Sache undogmatisch und entspannt an. Möge es lange so bleiben. Wer weiß, wie man sich einst an das erste Heimspiel des Trainers zurückerinnern wird.

Pop-up Ilkay

In Berlin sind sie gerade ziemlich angesagt: Geschäfte, die sich für einen temporären Zeitraum an einem Ort niederlassen, um dort manchmal durchaus besondere Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Die Betreiber der Pop-Up Stores entscheiden sich in der Regel für diese Lösung, weil sie keine besseren Räumlichkeiten finden oder nicht vorhaben, sich langfristig zu binden.

Ganz ähnlich liegt der Fall Ilkay Gündogan – und die Überschrift ist gar nicht mal despektierlich gemeint. Zum Ausprobieren sind diese temporären Shops sowohl für Käufer wie für Verkäufer ja ideal. Ebenso könnte sich die Vertragsverlängerung des 24-jährigen Nationalspielers für den BVB entwickeln. Zwar hat Ilkay nur für ein weiteres Jahr, also bis Juni 2017, unterschrieben. Damit sind auch seine Aussagen über Thomas Tuchels überzeugendes Konzept weitgehend obsolet. Gündogan hat natürlich vor, bald zu einem vermeintlich größeren Verein zu wechseln. Doch die Borussia kann ihn nun nach einer im Idealfall besseren Spielzeit womöglich teurer verkaufen und bekommt mindestens so viel geboten wie vom Neu-Schalker Geis.

Dass die Sache besonders für Ilkay und von seinem Camp aus unglücklich gelaufen ist, steht außer Frage. Wie groß der sportliche Verlust bei einem Weggang gewesen wäre, darüber kann man sich trefflich streiten. Den genialen Spieler, für den manche Gündogan halten, habe ich auch vor der abgelaufenen Saison nur sporadisch gesehen. Klar, da ist schon richtig viel Qualität vorhanden, aber ist er ein echter Gamechanger?

Man sollte die Personalie also mit der gebotenen Gelassenheit betrachten. Es gibt ja noch andere Neuigkeiten: Milos Jojic steht laut Kicker unmittelbar vor einem Wechsel zum 1. FC Köln – für eine Ablöse von rund drei Millionen Euro. Zwar ist auch ihm mehr zuzutrauen als in der missratenen letzten Spielzeit, aber die Borussia muss schlicht und einfach ihren Kader verkleinern. Es dürfte also für beide Seiten die derzeit beste Lösung sein.

Des Weiteren hat der BVB drei junge, nach vorne orientierte Spieler verpflichtet – zunächst einmal für die in die Regionalliga West abgestiegene U23. Vom Oberligisten Westfalia Rhynern kommt Philipp Hanke (22 Jahre), aus der Jugend von Real Madrid Agoney Gonzalez Perez (20) und von NK Domzale aus Slowenien Alen Ozbolt (19). Natürlich dürften besonders die internationalen Verpflichtungen auch im Hinblick auf eine spätere Beförderung getätigt worden sein.

Und dann war heute noch der offizielle Saisonauftakt an der Strobelallee, nachdem Tuchels schwarz-gelbe Jungs schon am Freitag ihr erstes Testspiel beim Siebtligisten VfL Rhede mit 5:0 gewonnen hatten. Es geht wieder los … und es wird noch einiges passieren.

Egal ob Statement oder Kalkül, Hauptsache Reus

Gestern hatte der BVB-Medienpartner „Ruhr Nachrichten“ über eine entscheidende Annäherung in den Vertragsgesprächen zwischen Borussia Dortmund und seinem Topspieler Marco Reus berichtet. Nur einen Tag später wurde wahr, was viele Schwarz-Gelbe nicht mehr zu glauben gewagt hatten: Unsere Nummer 11 bleibt in Dortmund, verlängert bis 2019 und verzichtet im neuen Vertrag auf eine Ausstiegsklausel. Das Papier gilt sogar für die zweite Liga. Obendrein vermeldet der Verein an seine Aktionäre, dass nun kein Spieler mehr eine Ausstiegsklausel nutzen kann.

Für den BVB ist die Meldung, dass der wichtigste und effektivste Offensivmann bleibt, eine wegweisende Entscheidung in schweren Zeiten. Genau die ‚Experten‘, Journalisten und gegnerischen Fans, die der Borussia zuletzt keine Chance mehr gegeben hatten, Reus zu halten, weil der ja für angeblich 25 Millionen Euro wechseln könne, dürften diejenigen sein, die in seiner Vertragsverlängerung pures Kalkül sehen. Wer aber ernsthaft behauptet, Marco habe gar keine anderen Optionen mehr gehabt, macht sich lächerlich. Egal ob es stimmt, dass Real Madrid ihm auf jeden Fall das doppelte Gehalt wie der BVB geboten hätte. Egal, ob die Bayern, die sich interessiert zeigten ohne klar Stellung zu beziehen, ihn noch wollten. Wichtig für uns ist nur: Wir haben ihn und sie nicht.

Marco Reus wird in Zukunft noch sehr viel mehr Geld in Dortmund verdienen als bisher. Zusammen mit den Großsponsoren bzw. Anteilseignern Opel und Puma soll laut „Kicker“ ein Paket für den Superstar geschnürt worden sein. Gerüchten zufolge liegt das Jahresgehalt bei bis zu 10 Millionen. Das ist unglaublich viel, relativiert sich aber dennoch, wenn man an die jüngste Kapitalerhöhung der Borussia Dortmund KgaA denkt. Ob Reus anderswo viel mehr hätte verdienen können, was manche Kritiker ja auch bezweifeln, ist sowieso nur ein Aspekt. Der Spieler hat sich in einer sportlich schwierigen Situation mit ungewissen Zukunftsaussichten für diesen Verein entschieden. 98 Prozent der BVB-Fans dürfte das Identifikation genug sein.

Ohne Marco wäre der BVB im Sommer nach einem Neuaufbau womöglich nur noch gehobener Bundesliga-Durchschnitt gewesen. Mit ihm kann die Saison 2014/15 vielleicht bald als eine unrühmliche Zwischenepisode ad acta gelegt werden. Natürlich muss erst der Klassenerhalt geschafft werden, natürlich hat unsere Nummer 11 nach seinen Verletzungen und der kollektiven Verunsicherung noch keine Topform. Doch heute ist ganz im Klopp’schen Sinne ein weiterer Tag der Freude! Cheers!

Durm verlängert, Sahin fehlt langfristig

Einer derer, die in Dortmund eine Blitzkarriere hingelegt haben, wird langfristig das schwarz-gelbe Trikot tragen: Erik Durm hat gestern seinen Vertrag um zwei Jahre bis Juni 2019 verlängert. Der Außenverteidiger, der nach einigen Einsätzen in der letzten Saison fast sensationell mit zur WM nach Brasilien fuhr, weiß, bei wem er sich zu bedanken hat:

Borussia Dortmund hat meine Entwicklung so intensiv vorangetrieben, dass ich heute der Spieler sein kann, der ich bin.  Es ist selbstverständlich für mich, das wertzuschätzen und mich dauerhaft an den Klub zu binden, der mich extrem gefördert hat.

Beim rasanten Aufstieg Durms hat natürlich auch eine Rolle gespielt, dass der BVB auf den Außenverteidiger-Positionen wohl am schwächsten besetzt ist. Das soll Eriks Leistung nicht schmälern. In den ersten Saisonspielen hat er allerdings noch nicht über 90 Minuten die defensive Sicherheit gehabt, die es links hinten auch braucht. Das kann noch kommen – offensiv ist der frühere Stürmer jedenfalls deutlich höher einzuschätzen als Marcel Schmelzer. Dem BVB gibt diese Vertragsausdehnung Planungssicherheit – jetzt kann der endgültige Durchbruch getrost kommen.

Nachdem Ilkay Gündogan ins Mannschaftstraining zurückgekehrt ist, gibt es vom anderen Langzeit-Rekonvaleszenten aus dem Mittelfeld weniger Erfreuliches zu berichten. Nuri Sahin machte zuletzt wiederholt das Knie zu schaffen – nun ließ sich der 25-jährige bei einer Operation entzündetes Gewebe aus dem Gelenk holen. Nach dem Eingriff ist allerdings nach Angaben von Mannschafts-Doc Braun von einer zweimonatigen Reha-Phase auszugehen. Gute Besserung, Nuri!

Endlich Klarheit: Watzke wechselt nicht zum FC Bayern

Kurz vor dem Supercup wurden Fakten geschaffen: Der Transfer von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu Bayern München ist geplatzt; stattdessen verlängert der 55-jährige seinen Vertrag in Dortmund bis 2019. Bisher ungehörten Gerüchten zufolge hatten in den letzten Monaten interessierte Kreise in München an einer Verpflichtung des auch ehrfurchtsvoll „Häuptling Scharfe Zunge“ genannten Watzke zur kommenden Saison gearbeitet. Demnach sollte Scharfe Zunge als Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge installiert werden, der dem Bayern-Umfeld in den letzten Jahren zu viel herumlaviert hatte.

So hatte der in der bayerischen Hauptstadt oft abschätzig nur noch als „KHR“ bezeichnete Rummenigge im Herbst 2012 den Zweikampf mit Borussia Dortmund begrüßt und beteuert, keinen Spieler nur deshalb zu kaufen, um die Konkurrenz zu schwächen. Diese unbedachten Äußerungen waren in der Folgezeit in einen offensichtlichen Widerspruch zur Transferpolitik des Rekordmeisters geraten. Das Umfeld hatte sich dagegen mehr klare Kante und „Miasanmia“ gewünscht.

Doch Hans-Joachim Watzke wird seine klaren Ansagen und seine erfolgreiche Entwicklungspolitik nun an der Seite von Michael Zorc und Jürgen Klopp weiter in den Dienst seines schwarz-gelben Herzensvereins stellen. Aus Respekt vor dem angeschlagenen Rummenigge hat er die Teilnahme an einem gemeinsamen Essen vor dem Supercup am Mittwoch abgesagt.

Während die sportlichen Vorzeichen vor dem Duell im Westfalenstadion nach der Pleite von Liverpool alles andere als günstig für den BVB stehen, machte zumindest der Blick auf den Trainingsplatz gestern Mut: Der neue Kapitän Mats Hummels und sein Stellvertreter Marco Reus konnten die komplette Einheit mit der Mannschaft absolvieren. Ein Comeback schon morgen ist zwar sehr unwahrscheinlich; in weiter Ferne dürfte es aber für beide Spieler nicht mehr liegen.

Beim FC Bayern werden Rafinha mit Außenbandriss im Sprunggelenk und Franck Ribery mit Patellasehnen-Problemen fehlen. Dennoch lässt die Frühform des bei den Münchenern in wenigen Wochen zum weltbesten Stürmer gereiften Robert Lewandowski nichts Gutes erahnen. Ein verzwickter Fall für unseren Sherklopp.