Nächster Schweizer Goalie: Kobel-Transfer angeblich perfekt

Nach übereinstimmenden Medienberichten hat Borussia Dortmund Torwart Gregor Kobel vom VfB Stuttgart verpflichtet – oder steht unmittelbar vor der Vertragsunterzeichnung. Der 23-jährige Schweizer war in der abgelaufenen Bundesliga-Saison hinter Manuel Neuer und Bielefelds Stefan Ortega drittbester Torhüter nach Kicker-Noten (mit 2,86). Er hat sich beim VfB schnell etabliert und gilt als Keeper mit großer Zukunft, der obendrein auch mitspielen kann. Laut den Ruhr Nachrichten soll Kobel rund 15 Millionen Euro kosten und die neue Nummer 1 werden. Klare Verhältnisse also: Marwin Hitz würde wieder Ersatzmann, Roman Bürki soll demnach verkauft werden.

Läuft das so reibungslos ab, wie es sich der BVB gemäß der Ruhr Nachrichten vorstellt, ist die Lösung absolut begrüßenswert. Ja, die Torwartfrage war 2020/21 nicht das Hauptproblem der Borussia, spielte aber angesichts einiger eindeutiger Fehler und gelegentlicher Unsicherheit beider Keeper zumindest eine gewisse Rolle. Nun hat Marwin Hitz erst kürzlich seinen Vertrag verlängert. Die BVB-Verantwortlichen werden ihm davor wohl kaum gesagt haben, dass er wieder zur klaren Nummer 2 zurückgestuft wird. Hier könnte Konfliktpotenzial lauern – und ein Abnehmer für Roman Bürki muss angesichts des wohl üppigen Gehalts auch erst gefunden werden.

Sollte es doch einen offenen Wettbewerb zwischen Hitz und Kobel geben und der Neuzugang den Kürzeren ziehen, würde unweigerlich die Frage aufkommen, wieso in der derzeitigen Situation, nach rund 75 Millionen Euro Corona-bedingten Verlusten, ein 15-Millionen-Mann nur auf der Bank sitzt. Da aber gerade Optimismus im Trend liegt, gehen wir mal vom Best-Case-Szenario aus: In dem wird Gregor Kobel zu einer Nummer 1, die dem BVB auf Jahre hinweg gut tun wird. Und er nutzt sein Potenzial, zum komplettesten Dortmunder Keeper seit – so wenig ich ihn als Person mag – Jens Lehmann zu werden. Dann würde sich die in diesen Zeiten beträchtliche Investition selbstverständlich bezahlt machen.

Knauff öffnet Tür zum Sieg

1. Bundesliga, 28. Spieltag / VfB Stuttgart 2 BVB 3

Einige Male hatten sie angeklopft, doch die Borussen brauchten den eingewechselten Nachwuchsmann Ansgar Knauff, um drei eminent wichtige Punkte aus Stuttgart mitzunehmen. Es war eine Partie, die in alle Richtungen hätte ausgehen können, in der der BVB aber genug tat, um von einem verdienten Sieg sprechen zu können.

Schwarz-Gelb feilt weiterhin am Endprodukt

Borussia Dortmund hat unter Edin Terzic – aber auch schon vorher – immer wieder Fortschritte gemacht, die jedoch nicht von Dauer waren und nie etwas hervorbrachten, was man als BVB-Spiel in Vollendung, als „finished article“, bezeichnen könnte. Das Kunstwerk, an dem sich die Schwarz-Gelben abmühen, wird nie ganz rund. Mal fehlt etwas an der einen Ecke, mal an der anderen.

Die Partie in Stuttgart war ansehnlicher als man nach dem letzten Absatz vermuten könnte. Sie hat sogar Spaß gemacht, weil sie spannend war und richtig endete. Der BVB hat drei Tore erzielt, was auswärts aller Ehren wert ist. Diesmal war es wieder die Defensive, die wackelte. Ausgelöst wurden die Tore allerdings durch Ballverluste: einmal von Dahoud, den Kalajdzic bedrängte, einmal unbedrängt von Mateu Morey, der eben auch noch nicht der vollendete Rechtsverteidiger ist. Der Spanier erhält derzeit zu Recht den Vorzug gegenüber Thomas Meunier, aber schon in Manchester hatte er – erwartbar – Probleme auf seiner Seite. Lukasz Piszczek halte ich dennoch nicht für eine überzeugende Alternative – hätte er den zweiten Dortmunder Treffer so mit vorbereitet wie Morey? Piszczu fehlt inzwischen einfach die Schnelligkeit und Wendigkeit. Weiterlesen „Knauff öffnet Tür zum Sieg“

Mats Hummels, mach‘ den Trainerschein!

1. Bundesliga, 11. Spieltag / BVB 1 VfB Stuttgart 5

Nach einer ärgerlichen knappen Niederlage gegen Köln erlebt Borussia Dortmund im folgenden Heimspiel ein Desaster und geht gegen den Aufsteiger VfB Stuttgart mit 1:5 unter. Die beste Analyse kommt kurz nach dem Spiel von Mats Hummels – auf dem Platz hatten seine analytischen Fähigkeiten leider keine Auswirkung.

Die Worte zum Spiel

Hummels nannte die offensichtlichen Gründe für die Niederlage – entscheidende Ballverluste vor drei Gegentoren gegen einen starken VfB. Aber er ging auch so in die Tiefe, wie man es von Lucien Favre nicht nur wegen der Sprachbarriere nicht hören wird:

Wir versuchen immer klein-klein durch enge Räume durchzuspielen und haben dabei eine riesig hohe Ballverlustquote. (…) Es ist zu viel ‚Geschnicke‘, würde ich sagen, wir haben zu wenig Tiefe im Spiel, kommen zu wenig entgegen und provozieren so die eigenen Ballverluste.

Das sei kein sinnvoller Fußball, meinte Mats und erläuterte, dass die Schwarz-Gelben oft in den falschen Räumen Risiko spielten: Dort, wo es wenig bringt, aber schnell gefährlich werden kann. All das konnte man gegen den VfB erkennen, aber so eine Zusammenfassung musst du Minuten nach der Partie erst mal bringen. Als Spieler. Da stellt sich die Frage, ob Mats Hummels nicht auf der Trainerbank gut aufgehoben wäre – auch wenn er dem BVB derzeit in der Abwehr noch arg fehlen würde. Längerfristig aber ein charmanter Gedanke – obwohl ich etwas daran zweifle, dass Mats diesen Karriereschritt anstrebt. Weiterlesen „Mats Hummels, mach‘ den Trainerschein!“

Schwerer Start ohne Castro

Zwei Borussia-Meldungen von gestern erfordern einen Rückblick und eine Vorschau. Zunächst mal ist Gonzalo Castro für die Schwarz-Gelben Vergangenheit. Der Mittelfeldspieler wechselt nach drei Jahren in Dortmund zum VfB Stuttgart. Gut fünf Millionen Euro kostet das die Schwaben angeblich.

Nach der letzten Saison werden die wenigsten Fans dagegen Einwände haben. Die lief für Castro, wie für viele andere, nicht besonders. Und der Kader muss verkleinert werden. Ich habe aber die zwei Jahre davor nicht vergessen. Da war ‚Gonzo‘ meist ein antrittsstarker Spieler, der sehr brauchbare Pässe spielen und Freistöße treten konnte. Zu Beginn wurde er leider von Thomas Tuchel noch unterschätzt. Nun also Stuttgart. Vielleicht ist das für den 31-jährigen Castro genau die richtige Herausforderung. Alles Gute, Gonzalo!

Unliebsame Gäste zum Auftakt

Nachdem die deutsche Nationalmannschaft ihren Russland-Aufenthalt beendet hat, bekam die Bekanntgabe des neuen Bundesliga-Spielplans wohl mehr Aufmerksamkeit als es in einem normalen WM-Jahr der Fall gewesen wäre. Borussia Dortmund hat den wohl schwersten Auftakt der letzten Jahre bekommen. Hier wie immer die ersten fünf Spiele in der Übersicht:

RB Leipzig (H), Hannover 96 (A), Eintracht Frankfurt (H), TSG Hoffenheim (A),
1. FC Nürnberg (H)

Ja, drei Heimspiele. Aber nur das letzte ist eine Partie, wo man spontan sagt: sollten wir schaffen. Ein trügerischer Durchmarsch wie beim letzten Saisonauftakt ist also nicht zu erwarten. Nicht einfacher wird es am letzten Spieltag im Mai. Da wird die Borussia bei der anderen Borussia zu Gast sein. Und Favre zurück im Borussia Park, als Gästetrainer, wenn es gut läuft.

Dortmund wird in Stuttgart schwarz vor Augen

1. Bundesliga, 12. Spieltag / VfB Stuttgart 2 BVB 1

Die hässlichsten Sondertrikots seit Menschengedenken bleiben ungesühnt: Ganz in schwarz ist der heimstarke VfB im Gottlieb-Daimler-Stadion auch gegen die Borussia erfolgreich. Die Gäste fallen vor allem durch einen slapstickhaften Fehler und einen uneffektiven Mittelstürmer auf.

Frühe Gegentore stoppen Wende

Es war ein Spielverlauf zum Gruseln: Nach fünf Minuten nutzt Stuttgarts Akolo das versuchte Zusammenspiel von Marc Bartra und Roman Bürki zur Führung. Nach dem zum vermeintlich idealen Zeitpunkt vor der Pause gefallenen Ausgleich überstehen die Schwarz-Gelben nach dem Wiederanpfiff wieder nur gut fünf Minuten unbeschadet. Der Rest der zweiten Hälfte muss dann wohl unter Kollektivversagen verbucht werden. Eine der wesentlichen Fähigkeiten des BVB, unabhängig vom Spielstand in einer Partie zu bleiben, ist verloren gegangen.

Nun wird es immer ungemütlicher, aber man muss auch auf das extreme Verletzungspech eingehen: Nach der berechtigten Suspendierung von Aubameyang mussten sich auch noch Alexander Isak und Christian Pulisic aus gesundheitlichen Gründen abmelden. Glaubt jemand, dass wir mit den beiden auch verloren hätten? Weiterlesen „Dortmund wird in Stuttgart schwarz vor Augen“

Kurz vor Saisonstart: endlich gute Nachrichten?

Borussia Dortmund erlebt den unruhigsten Sommer seit Jahren: Nach dem vollzogenen und mMn geglückten Trainerwechsel erfasst den Verein der Schneeballeffekt des Neymar-Transfers. Nach diesem Sündenfall gibt es bei den Akteuren der Spitzenklubs offenbar endgültig keine Hemmungen mehr. Doch verteilen wir die Schuld gerecht: Niemand kann Ousmane Dembelé befehlen, dem BVB-Training fernzubleiben. Dafür ist im Endeffekt schon der Spieler verantwortlich – genau wie Pierre-Emerick Aubameyang für zweifelhafte Äußerungen zu einer italienischen Modemetropole.

Letztlich wollten auch wir Fans es nicht so genau wissen. Wir haben uns alle ein wenig in Ousmane verliebt und Bedenken beiseite gewischt, die man hätte haben können – schließlich hat der Wunderknabe die gleiche Show schon mal in Frankreich abgezogen. Doch wir wollten seiner Darstellung der Dinge Glauben schenken und ihm vertrauen. Inzwischen haben sich auch BVB-Spieler wie Sokratis und Gonzalo Castro kritisch zu Dembelés Verhalten geäußert – was soll man auch sonst sagen? Eine Wiedereingliederung scheint derzeit schwer vorstellbar und doch darf der Verein nicht klein beigeben. Aus Prinzip, auch wenn andere solche Werte schon lange über Bord geworfen haben.

Angesichts der Richtung, in die sich der Profifußball entwickelt, kann man fast nur noch verzweifeln oder sich in Ironie flüchten. Ich respektiere die Leute, die Letzteres teilweise virtuos beherrschen und die Geschehnisse mit trockenem Humor kommentieren. Mir fehlt dazu beim Thema Fußball das Talent. Die einzige Lösung liegt auf dem Platz: Zum Glück geht es morgen wieder los. Weiterlesen „Kurz vor Saisonstart: endlich gute Nachrichten?“

Tatort Hafenstraße und was sonst noch geschah

Borussia Dortmund hat sich an der Essener Hafenstraße blamiert – so legen es die Schlagzeilen der Sportseiten heute nahe. 2:3 gegen den Regionalligisten RWE im ersten Spiel unter Peter Bosz: Das hätte man sich tatsächlich schöner vorstellen können. Nun habe ich die Partie nicht gesehen, aber das Ergebnis spricht selbstredend dafür, dass der BVB enttäuscht hat – und der Trainer gab das unumwunden zu.

Die Schwarz-Gelben sind peinliche Testspiel-Pleiten nicht mehr gewohnt – genauso wenig wie peinliche Pokalpleiten. Was ist wohl schlimmer? Abgesehen davon, dass das erste Vorbereitungsspiel wohl immer die geringste Aussagekraft hat, fehlten der Borussia noch einige Spieler und Peter Bosz lässt wie zu erwarten sein präferiertes System einüben. Das 4-3-3 stellt eine größere Umstellung gegenüber der zuletzt unter Thomas Tuchel meistens praktizierten Dreierkette mit massivem Mittelfeld davor dar. Eine weitere Erklärung könnte womöglich ausgerechnet die neue Leichtigkeit unter Bosz sein, die im ersten Spiel vielleicht etwas zu weit um sich gegriffen hat. Sowas sollte sich sicher abstellen lassen.

Mehr Sorgen macht mir da die Transferpolitik – oder präziser formuliert die Personalsituation. Es ist ja sicher nicht so, dass sich Michael Zorc, Aki Watzke und Peter Bosz Angeboten für etwa Sebastian Rode oder Joo-Ho Park verschließen würden. Nur haben wir von solchen noch nichts gehört. Das kann dreierlei bedeuten: Es gibt tatsächlich keine Angebote. Oder die Verantwortlichen haben die Geheimhaltung optimiert. Oder aber entsprechende Gerüchte interessieren die Presse nicht so wie beispielsweise Aubas China Connection – es geht ja nicht gerade um unsere Kronjuwelen.

Die Vergangenheit lehrt uns, dass Möglichkeit 1 nicht unwahrscheinlich ist. Einen Riesenkader gilt es aber unbedingt zu vermeiden. Dass jetzt jedoch Dzenis Burnic leihweise zum VfB Stuttgart geht und Felix Passlack vermutlich nur bleibt, weil sich Raphael Guerreiro doch den Knöchel gebrochen hat, hinterlässt auch kein gutes Gefühl.

Einer meiner Wechselkandidaten wäre ja André Schürrle, unser Rekordeinkauf. Der hat sich nun ausgerechnet über Thomas Tuchel kritisch geäußert, als dessen Spezi und Wunschspieler er doch galt. Nun kann entweder das übertrieben dargestellt gewesen sein oder sich Schürrles Meinung eilig geändert haben. Abgesehen davon, dass es nie eine gute Entscheidung ist, der SportBild ein Interview zu geben: Dass Tuchel ihn nach den Leistungen der letzten Saison nicht zum Stammspieler gemacht hat, ist absolut nachvollziehbar. Bei diesem Transfer hatten wohl alle beteiligten Dortmunder vor allem das Prädikat „Nationalspieler“ vor Augen.

Keine Probleme mit den Krisenschwaben

1. Bundesliga, 31. Spieltag / VfB Stuttgart 0 BVB 3

(Updated) Als Borussia Dortmund vor zweieinhalb Monaten schon einmal im Neckarstadion zu Gast war, da sahen die Fans nicht nur fliegende Tennisbälle, sondern einen zumindest in der zweiten Hälfte engen Pokalfight. Damals war wirklich nicht zu erwarten, dass der VfB am 31. Spieltag wieder knietief im Abstiegssumpf stecken und der BVB dort so wenig Probleme haben würde. Verletzungspech, etwa bei Großkreutz und Die, ist sicher ein, aber nicht der einzige Grund.

Thomas Tuchel hatte angekündigt und gefordert, dass sein Team trotz gesichertem Tabellenplatz, Pokalfinale und Transfergerüchten die Partie seriös angehen und gewinnen wolle. Die angeschlagenen Spieler blieben dabei außen vor; nur Schmelzer wurde noch eingewechselt. Und dem vieldiskutierten Mats Hummels gönnte der Trainer eine Auszeit auf der Bank. Die komplett neue Innenverteidigung: Sokratis und Ginter.

Den Worten folgten Taten. Mehr Ballbesitz ist man vom Tuchel-BVB inzwischen gewöhnt. Aber die Borussia arbeitete sich auch relativ schnell in dieses Spiel, selbst wenn die Viererkette zunächst die ein oder andere Chance der Gastgeber zuließ. Doch im offensiven Mittelfeld hat sich mit Reus, Kagawa und Mkhitaryan scheinbar ein Trio gefunden, das in dieser Kombination auch das individuelle Potenzial mehr und mehr ausreizt. Kommt dann noch ein junger, frischer und technisch starker Mann wie Christian Pulisic dazu, ist das ungemein gut anzuschauen.

Die erste Tat ließ nur 21 Minuten auf sich warten. Miki setzte sich auf dem linken Flügel durch und passte zielsicher zu Shinji, der am langen Pfosten allein gelassen worden war. Eine simple Aufgabe für den Japaner, der aber auch sonst eine starke Leistung zeigte. Das Tor erleichterte den Schwarz-Gelben gegen die nun aufrückenden Schwaben die effektive Nutzung der Räume. Ramos hätte bereits erhöhen können, doch Tyton konnte seinen Versuch noch parieren. Kurz vor der Pause wehrte der Keeper auch einen Miki-Schuss ab, konnte allerdings nur in die Mitte prallen lassen, wo Pulisic bereitstand. Ich sagte ja bereits: Is guter Junge.

In der zweiten Halbzeit schalteten die Schwarz-Gelben dosiert zurück. Der VfB hatte mehr Ballbesitz, wurde aber noch seltener gefährlich. Nach dem 3:0, diesmal durch Mkhitaryan selbst, erneut mit einem Abstauber-Tor, war das Spiel gelaufen. Auch der Neckar fließt nicht entlang der Anfield Road. Dortmund konnte mal selber auf Konter lauern. Hinten musste Bürki nur einmal entscheidend eingreifen. Die Stimmung schien im Stadion gegen Ende sehr flach – die VfB-Fans hatten die Hoffnung aufgegeben, die BVB-Ultras boykottierten mal wieder. Diesmal allerdings aus einem weit schwerer nachvollziehbaren Grund: Am Bahnhof Bad Cannstatt sollen 100 ‚Fans‘ festgesetzt worden sein, als aus der Gruppe heraus versucht wurde, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen.

Sportlich gesehen war der Sieg ein Ausrufezeichen, dass sich dieser Klub nicht so schnell noch mal aus dem Konzept bringen lassen will. Auch wenn die Meisterschaft endgültig entschieden scheint: Das hat mal wieder Spaß gemacht.

UPDATE: Zu der fehlenden Anfeuerung bzw. den fehlenden Fans gibt es mal wieder verschiedene Darstellungen. Am Bahnhof Bad Cannstatt sollen deutlich mehr BVB-Anhänger in Gewahrsam genommen worden sein – die Rede ist von knapp 300. Die dann im Stadion beim Support ausfielen. Die Polizei sagt, es gab am Bahnhof Aggressionen Dortmunder Fans. Wegen Fans auf den Gleisen wurde der Zugverkehr unterbrochen. Die Fans sehen es anders. Die Stimmung war aufgeheizt wegen der beim Heimspiel auf der Südtribüne präsentierten VfB-Banner. Urteilt und lest selbst –  für mich zu viel Konjunktiv und Kindergarten.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Ginter, Durm – Weigl (82. Sahin) – Mkhitaryan, Kagawa, Reus (76. Leitner), Pulisic (76. Schmelzer) – Ramos. Gelbe Karte: Pulisic. Tore: Kagawa, Pulisic, Mkhitaryan

BVB verwandelt späten Matchball

DFB-Pokal, Viertelfinale / VfB Stuttgart 1 BVB 3

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Englische Witterungsverhältnisse und einen echten Pokalfight hat Borussia Dortmund gestern in Stuttgart überstanden. Dabei konnte der VfB die Partie lange, aus schwarz-gelber Sicht unnötig lange offen halten. Bis die Erlösung durch einen Konter über Aubameyang und Mkhitaryan gelang.

Dass den Stuttgartern ein vergleichbarer Treffer nicht gelang, darf sich die BVB-Defensive durchaus anrechnen. Die Angst vor der Konterstärke der Gastgeber war womöglich auch der Grund für Thomas Tuchel, mit Ginter und Durm und nicht etwa mit Gonzalo Castro zu beginnen. Warum der aber 90 Minuten auf der Bank sitzen blieb, ist eine schwerer zu beantwortende Frage.

Begonnen hatte alles mit dem angesichts Ticketpreisen von teils über 70 Euro nachvollziehbaren Fanboykott der Initiative „Kein Zwanni für nen Steher“. Knapp 20 Minuten blieben die Ultras draußen, während die umliegenden Blocks doch schon mit vielen BVB-Fans gefüllt waren. Kurz nach der Rückkehr der Stimmungsmacher fiel der Stuttgarter Ausgleich, nachdem Reus schon nach fünf Minuten zum 1:0 getroffen hatte. Dennoch kein Grund, gleich zum Tennis gehen zu wollen.

Der VfB blieb abgesehen von seinem Tor in der ersten Hälfte weitgehend ungefährlich, der BVB dominierte. Das schöne Tor von Auba, dessen Auftritt gegen Ingolstadt schnell vergessen war, fiel folgerichtig.

In Halbzeit 2 ging es zunächst so weiter und die Borussia hatte alle Chancen, das Spiel zu entscheiden. Doch Aubameyang scheiterte an Langerak, Gündogan, sonst sehr präsent, spielte nicht ab und einmal wurde der Ball im Strafraum fast schon slapstickhaft vertändelt. Unterdessen bekam der VfB mehr und mehr Zugriff auf das Spiel und hatte seine Chancen. Die durch schwaches Zielen und einen starken Bürki ohne zählbaren Erfolg blieben.

Lange sah es so aus, als würde die Borussia am Ende noch für ihre Fahrlässigkeit bestraft. Doch kurz vor Schluss war es der BVB, der mit zwei Mann alleine auf Torwart Langerak zukam. Und für erleichterte Freude in der Gästekurve sorgte.

Das nächste Spitzenspiel folgt sogleich

Nachdem die Spitze und der Keller der Bundesliga etwas statisch geworden sind – und vor allem da ich das Spiel des Dritten gegen den Zweiten nicht live sehen konnte – soll es hier gleich um den Pokalknaller am Dienstag gehen. Schließlich treffen im ehemaligen Neckarstadion die beiden Spitzenteams der Rückserie aufeinander. Und geht es nach den Ergebnissen 2016, sind die Gastgeber Favorit. Der VfB hat bisher alles gewonnen und neun Punkte geholt, die Borussia ’nur‘ sieben.

Was Jürgen Kramny, ein Mann aus dem Nachwuchsbereich, seit seinem ersten Spiel als Cheftrainer, dem 1:4 in Dortmund, geschafft hat, ist beachtlich. Nicht dass der Zeitraum seither schon für eine abschließende Bewertung ausreicht. Aber die kritischen Worte unseres Ex-Spielers und früheren VfB-Sportdirektors Fredi Bobic wirken da einigermaßen unverständlich. Bei allen Defiziten, die die Stuttgarter in den letzten Jahren auf vielen Ebenen aufwiesen, haben sie nun einen – derzeit – erfolgreichen Trainer mit Stallgeruch.

Für den BVB wird es darauf ankommen, sich die Schwierigkeit der Aufgabe zu vergegenwärtigen. Allzu große Sorgen braucht man sich in diesem Punkt wohl nicht zu machen: Thomas Tuchel wird sicher die bestmögliche Mannschaft aufs Feld schicken und es verstehen, sie auf ein Pokal-Viertelfinale einzustimmen. Das 0:0 in Berlin hatte ein Gutes: Verletzte waren nicht zu beklagen.

Die Schwarz-Gelben werden auf einen Gegner treffen, der seine mannschaftliche Geschlossenheit wiedergefunden hat und zuletzt – dem BVB nicht unähnlich – mit einer torgefährlichen Offensive defensive Schwächen im Ergebnis kompensieren konnte. Das gelang allerdings auswärts noch besser als zu Hause.

Keine Rede kann davon sein, dass Neu-Schwabe Kevin Großkreutz für dieses Spiel gegen seine große Liebe frei bekommt. Als Rechtsverteidiger hat er sich nach seiner Rückkehr aus der Türkei in die VfB-Startelf gespielt und durchaus überzeugt. Vor dem Pokalhit sagt er nun: „Ich brenne auf das Spiel und werde alles raushauen, damit wir die Überraschung schaffen.“ Und in Stuttgart sei er super aufgenommen worden. Es ist ihm zu gönnen. Genau wie seinem Verein, wenn er sich an den eigenen Haaren aus dem Ligasumpf ziehen sollte.

Im Pokal ist das Viertelfinale hoffentlich Endstation. Obwohl es zuvor mit ziemlicher Sicherheit ein spannender Abend werden dürfte.