Die Woche vor der Wahrheit

In sieben Tagen bestreitet Borussia Dortmund das erste Pflichtspiel der Saison 2015/16. Nach Wolfsburg kommt nun Wolfsberg – der österreichische Erstligist hat sich in der 2. Qualifikationsrunde der Europa League auch im Rückspiel gegen Salihorsk durchgesetzt. Wie weit sind die Schwarz-Gelben eine Woche vor der wichtigen Partie in Klagenfurt?

Hauptberufliche BVB-Beobachter haben in den letzten Wochen vor allem die Unterschiede in den Arbeitsweisen und Inhalten von Thomas Tuchel und Jürgen Klopp betont. Häufiger wurde dabei angeführt, dass der neue Trainer mehr am Ballbesitzspiel arbeiten und ein leicht verändertes System, 4-1-4-1, einüben lässt. In dieser Variante gibt es keinen klassischen Achter – Ilkay Gündogan, Nuri Sahin oder ein noch offensiverer Vertreter würden nach vorne gezogen. Auch ein System mit zwei Stürmern sei vorstellbar, hört man.

In der Praxis zeigte die Borussia ein unglückliches Spiel mit guten Ansätzen beim Nachbarn in Bochum (1:2) und eine offensiv sehr ansehnliche Partie in Bad Ragaz gegen Luzern (4:1). Vorne scheint es mehr und mehr zu stimmen. Es wird spannend zu sehen sein, ob der wieder ins Mannschaftstraining eingestiegene Adrian Ramos, den Tuchel früher schon einmal verpflichten wollte, auf dieser positiven Welle mitschwimmen kann. Anderenfalls dürften die sicher schwierigen Bemühungen um einen vernünftigen Stürmer zu einem vernünftigen Preis doch noch mal intensiviert werden. Der Trainer schätzt die Personalsituation auf der Position als eng ein.

Noch nicht sattelfest wirkt die Viererkette. Hier ist noch kein neues Personal in Sicht und auch noch nicht klar, wer außer Hummels Stammspieler wird. Beide der letzten Gegner bereiteten dem BVB gelegentlich Probleme bei schnellen Gegenstößen – was natürlich auch dem Stand und der Mühe der Vorbereitung geschuldet sein kann. Weiterhin scheint man aber eine Verstärkung auf den Außenpositionen nicht als vorrangig anzusehen.

Nachdem glücklicherweise nach und nach alle Akteure auf den Trainingsplatz zurückkehren, hat die Borussia vor allem im Mittelfeld ein Überangebot. Trotz seines Testspieltors sollte Moritz Leitner der erste Abgabekandidat sein. Gespannt bin ich, wie Thomas Tuchel mit ‚Kuba‘ Blaszczykowski plant.

Eine Woche bis zur Europa League. In der man wiederum in einer Woche ganz schnell für miese Stimmung sorgen kann. Wovon aber nicht auszugehen ist, denn die Ansätze sind unter Tuchel durchaus ansehnlich. Doch die Wahrheit sind sie eben nicht.

Nicht mehr Herrlich

Die Bundesliga hat erneut einen sehr späten Trainerwechsel zu vermelden. Heute wurde Heiko Herrlich, bekanntlich ehemaliger BVB-Stürmer und -Jugendtrainer, beim VFL Bochum entlassen; bis Saisonende wird Dariusz Wosz die Mannschaft betreuen. Als Grund nannte Sportdirektor Thomas Ernst die sportliche Durststrecke, zehn Spiele ohne Sieg, aus der das Abrutschen auf Platz 16 resultierte. Er räumte aber ein, dass es auch andere Faktoren gegeben habe.

Man kann sicher über die Wirkung des öffentlichen und internen Auftretens von Heiko Herrlich spekulieren. Manche werden die Pressekonferenz, auf der sich Herrlich mit meinen speziellen Freunden von der Springer-Presse anlegte, als unprofessionell bezeichnen – ich fand sie authentisch und ehrlich. Niemand muss sich von denen alles gefallen lassen. Über Mannschafts-Interna aus Bochum bin ich nicht informiert.

Trotzdem wird die sportliche Situation den Ausschlag für die Entlassung gegeben haben und deshalb kommen die Bochumer Verantwortlichen und Fans nicht umhin, die frühe Trennung von Marcel Koller im September neu zu bewerten. Weder der erfahrene Koller noch der Neuling Herrlich haben es geschafft, aus diesem Kader eine Mannschaft zu formen, die den Ansprüchen der ersten Liga voll und ganz genügt. Was darauf hindeutet, dass eher die Transferpolitik  bzw. die finanziellen Möglichkeiten der Bochumer das Problem waren und nicht die Person Koller.

Es ist möglich, dass Trainer vom Kaliber Magath oder Hitzfeld den VFL ins gesicherte Mittelfeld geführt hätten, aber die waren für den Verein nicht zu haben. Es ist ebenso möglich, dass Marcel Koller, der den Verein und die Spieler kannte, noch die Wende geschafft und die Bochumer zumindest aus dem Gröbsten herausgehalten hätte. Mehr war mit diesem Kader nicht drin.

1. Bundesliga, 26. Spieltag / VFL Bochum 1 BVB 4

Auswärtssieg beim alten Bekannten.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Santana, Subotic, Owomoyela – Sahin, Kehl – Großkreutz, Zidan (63. Hajnal), Kuba (65. Valdez (78. Koch)) – Barrios. Tore: Kehl, Zidan, Barrios (2).

Heiko Herrlich und seine Bochumer müssen sich die fehlenden Punkte für den Klassenerhalt ein anderes Mal erarbeiten. Der BVB kam gestern im Ruhrstadion zu einem verdienten Sieg und bewies endgültig, dass das Krisengerede nach der schwächeren Phase verfrüht war – wie in der Hinrunde.

Es war wie erwartet ein flottes, engagiert geführtes Spiel beider Mannschaften, in dem die Bochumer zur ersten Chance durch Sestak kamen, die Borussen aber bald die Oberhand gewannen und eigene Torgelegenheiten hatten. Die Mannschaft überzeugte mit druckvollem Spielaufbau, in den sowohl die Außenverteidiger Schmelzer und Owomoyela als auch die zentralen Mittelfeldspieler eingebunden waren. Dass das Tor zum 1:0 etwas unglücklich für die Gastgeber fiel, kann nicht die Tatsache verdecken, dass es schon nach 18 Minuten verdient war. Man wird sehen, wem die DFL das Tor zuspricht: Sebastian Kehl, von dessen Rücken der Freistoß von Sahin in Richtung Tor prallt, oder dem Bochumer Maltritz, dessen Schulterpartie den Ball ebenfalls deutlich berührte.

Nur neun Minuten später gab es dann sowieso ein ‚richtiges‘ Tor, noch dazu ein richtig schönes. Endlich mal wieder kann sich Kuba im Dribbling auf sehenswerte Weise gegen zwei Bochumer durchsetzen und passt dann perfekt in den Rückraum zu Mohamed Zidan, dessen Schuss sich ins Tor zu drehen scheint.

Am meisten diskutiert werden wird natürlich der Platzverweis gegen den Bochumer Maric in der 33. Minute. Nach Foul von Kuba fasst Maric ihm ins Gesicht – es war mehr ein Wischer als ein Schlag, zusätzlich hakelt der Bochumer noch mit dem Fuß nach. So eine rote Karte sieht angesichts der Theatralik von Kuba hart aus, berechtigt war sie trotzdem, weil Maric ihn im Gesicht trifft und damit die gängige Definition von Tätlichkeit erfüllt. Bei einem kleinen Schubser hätte es vermutlich nur Gelb gegeben. Weiterlesen „1. Bundesliga, 26. Spieltag / VFL Bochum 1 BVB 4“

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 2 VFL Bochum 0

Drei Punkte mit Stil.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Valdez (46. Le Tallec), Zidan (79. Schmelzer), Kuba (86. Großkreutz) – Barrios. Tore: Barrios, Subotic.

Nicht fehlerfrei, aber sehr dominant und mit der besten Saisonleistung gewinnt der BVB das Nachbarschaftsduell gegen Bochum. Ein gelungener Wochenendausklang für Schwarz-Gelb (und wir sind die Guten!). Jürgen Klopp löste das Aufstellungspuzzle auf überzeugende Weise: Das Fehlen von Spielmacher Hajnal kompensierte er durch eine sehr offensive Dreierformation hinter Lucas Barrios als nominell einziger Spitze. Valdez, Zidan und Kuba haben schließlich  reichlich Sturmerfahrung. Sahin und Sven Bender übernahmen die Defensivarbeit im Mittelfeld.

Das System funktionierte auf Anhieb ordentlich, der BVB machte schnell Druck gegen erwartungsgemäß defensive Bochumer. Die Gäste versuchten dagegenzuhalten, was in den ersten Minuten angesichts einiger Ungenauigkeiten bei Schwarz-Gelb noch halbwegs gelang, im weiteren Spielverlauf dann immer weniger. Sagen wir einfach, Barrios und Valdez schossen sich warm. Der Argentinier hatte spätestens in der 20. Minute Betriebstemperatur. Zidan hatte einen schwachen Bochumer Pass abgefangen und gut auf Kuba weitergeleitet. Dem gelang von rechts eine punktgenaue Flanke auf Lucas Barrios. Der schüttelte mit einem schnellen Schritt seinen Gegenspieler ab, drehte sich und schoss den Ball rein. Erstes Heimtor für Lucas und endlich Schluss mit dem verfrühten Krisengerede um den Welttorjäger.

Von Bochum kam in der ersten Hälfte nach vorne neben zwei harmlosen Schüssen in die Arme von Weidenfeller nur ein gefährlicher Angriff nach einer guten halben Stunde, als Klimowicz knapp über das Tor schoss. Zu diesem Zeitpunkt hätte der BVB nach einer weiteren Riesenchance durch Barrios eigentlich schon 2:0 führen müssen.

Wir haben in dieser Saison schmerzhaft gelernt, eine Führung nicht überzubewerten. Der BVB zeigte jedoch in der ersten Hälfte phasenweise endlich wieder richtig guten Kombinationsfußball, so dass man in der Pause angesichts der Überlegenheit doch an das 2:0 glaubte. Bei Wiederanpfiff kam Damien Le Tallec, der frische Franzose, für den aufgrund seiner Reisestrapazen nicht ganz so frischen Nelson Valdez ins Spiel. Le Tallec hatte in den letzten Wochen durch gute Leistungen in der Zweiten Mannschaft auf sich aufmerksam gemacht und wurde daher von Jürgen Klopp Dimitar Rangelov vorgezogen. Wenige Minuten später vergab Le Tallec seine einzige große Chance, ansonsten war er engagiert, aber da gibt es noch Raum für Verbesserungen.

Das beruhigende 2:0 fiel, weil der BVB eine weitere Stärke der letzten Saison wiederfand: Gefährliche Standards. Nach einem Foul an Kuba schlug Dede den fälligen Freistoß von halbrechts in den Strafraum, fand Subotic und der traf per Kopf. Auch, weil die Bochumer Abwehr nicht im Bilde war, wie häufig in der Partie. Den durchaus ansehnlichen Rest des Spiels kann man so zusammenfassen: Dortmund ließ die Gäste besser ins Spiel kommen, aber kaum gefährlich werden, kam dafür selber immer wieder mit gefährlichen Angriffen durch. Der Bochumer Ersatztorwart verhinderte mehrmals den dritten Treffer, etwa gegen einen harten Kuba-Schuss oder knapp vor Barrios. Gegen Ende übertrieb es der BVB etwas mit der Lockerheit, so dass Klimowicz noch mal gegen den Pfosten schießen durfte.

Viele Haare in der Suppe gab es heute nicht und warum sollte ich danach suchen? Die Abwehr war fast immer zur Stelle, Dede und Owomoyela setzten deutlich mehr Akzente nach vorne als zuletzt. Die neue Formation im Mittelfeld funktionierte überraschend gut. Bender war ebenfalls (noch) überzeugender als in den letzten Partien, Zidan und Kuba wirkten hellwach, auch wenn Zidan mehrmals aussichtsreich vergab. Barrios ist in der Spur. Sah alles gut aus. Bochum war allerdings schwach. Mit der heutigen Formation am Freitag in Leverkusen aufzulaufen, sollte und wird Jürgen Klopp sich dreimal überlegen. Es dürfte jedenfalls ein richtiger Freitagabend-Krimi werden.

Geschüttelt und umgerührt

Die BVB-Mannschaft, die wir morgen im Westfalenstadion ’serviert‘ bekommen werden, wird Chefkoch Jürgen Klopp notgedrungen nach neuem Rezept vorbereitet haben. Im Derby gegen den VFL Bochum werden sich nach den Ausfällen im Mittelfeld (Tinga, Hajnal, Kehl) nicht nur die personellen Zutaten ändern. Im Raum steht auch eine Systemänderung hin zu drei Offensivkräften, die man wahlweise als ‚zwei offensive Außen, ein Stürmer‘ oder ‚drei Stürmer, davon zwei außen‘ interpretieren kann. Sehr unwahrscheinlich ist allerdings, dass Nelson Valdez von Beginn an spielen wird: Der Paraguayaner kehrte nach Verzögerungen erst am Freitagabend von der WM-Qualifikation aus Südamerika zurück. Die Aufstellung verspricht spannend zu werden morgen – ob es ein attraktives Spiel wird, ist eine ganz andere Frage.

Der VFL Bochum hat sich in den Wochen seit der Entlassung von Marcel Koller stabilisiert. Unter dem vermeintlichen Übergangs-Trainer Heinemann, dem von Publikumsliebling Dariusz Wosz assistiert wird, hat der VFL einen Auswärtssieg in Nürnberg hinbekommen und vor zwei Wochen gegen Meister Wolfsburg einen Punkt geholt. Die Frage ist jedoch: Wie lange hält der Neuer-Trainer-Effekt? Häufig sind die positiven Auswirkungen vorübergehend. Marcel Koller ist in erster Linie an den zu hohen Erwartungen gescheitert, und ich sehe keinen Grund, warum Bochum mittelfristig nicht doch wieder in den Abstiegskampf rutschen sollte, wie ich zu Saisonbeginn gemutmaßt habe (auch wenn meine anderen beiden Absteiger sich noch sehr gut halten).

Dem VFL fehlen mit Ono, Imhof und Bönig keine absolut unersetzlichen Spieler. Trotzdem ist natürlich von einer defensiven Ausrichtung der Gäste auszugehen. Mal sehen, wie sich die Schwarz-Gelben, deren Startelf morgen noch jünger sein wird als normalerweise, damit zurechtfinden. Das Ziel wird wieder einmal heißen: Drei Punkte, egal wie!

Wie entlasse ich einen Trainer?

Vergleicht man die letzten beiden Trainer-Entlassungen in der 1. Bundesliga, ergibt sich eine offensichtliche Parallele. Ob man schon von einem Trend sprechen kann, sei mal dahingestellt. Sowohl bei der Entlassung von Dieter Hecking in Hannover als auch bei der von Marcel Koller jüngst in Bochum begründeten die Vereinsverantwortlichen ihre Entschlüsse unter anderem mit dem Druck der Fans. Der VFL-Aufsichtsratsvorsitzende Werner Altegoer sagte ganz offen:

Wenn man sich dann zusammensetzt und feststellt, dass die Stimmung im Großteil der Anhängerschaft nun einmal so ist wie sie ist, dann muss man dem irgendwie Rechnung tragen.

Früher hätte man es von Vereinsseite weit von sich gewiesen, sich dem ‚Druck der Straße‘ zu beugen. Ist die neue Wertschätzung der Fans, egal ob als Verbündete oder nur Konsumenten, ein Zeichen der Einsicht, kommt sie von Herzen? Oder ist sie im Falle von Trainerentlassungen doch eher die einfachste Erklärung für eigentlich schwer Erklärbares? Ab wann ist bei Fanprotesten eine ‚kritische Masse‘ erreicht, die Handeln nötig macht?

Gerade in Bochum ist die Entlassung zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison schwer nachzuvollziehen. Marcel Koller hat schon Recht, wenn er davon spricht, dass die Erwartungshaltung angesichts der finanziellen Möglichkeiten des Vereins überzogen war. Auch das räumt Altegoer indirekt ein:

Der Arbeit von Herrn Koller wird unsere Maßnahme auch nicht gerecht. Aber wir können ihm keinen besseren Kader zur Verfügung stellen. Wenn sich der Torwart den Kiefer bricht und der beste Angreifer die Hand, dann ist das eine Schwächung, die wir nicht regulieren können.

Für mich ist diese Entlassung ein Zeichen von Ratlosigkeit und Ungeduld. Bei Fans und Verantwortlichen. Es gibt im Verhältnis zwischen Anhängern und Verein andere Bereiche, die eher nach einer Demokratisierung verlangen als die Trainerfrage. In Berlin immerhin werden die Herren Preetz, Gegenbauer et al. eine Entlassung von Lucien Favre nach der neuerlichen Pokalpleite in München nicht auf das Publikum schieben können. Die Hertha-Fans hatten die Mannschaft sogar nach dem desaströsen 0:4 gegen Freiburg gefeiert und im Training mit Transparenten unterstützt.

(Quelle: Sport1.de)

Die Form der kommenden Dinge

Die Sommerpause ist vorbei. Komisch, dieses Jahr kam sie mir gar nicht so lang vor. Morgen startet die neue Bundesliga-Saison und wir werden eine Menge neue Gesichter sehen. Sowie bekannte Gesichter an neuen Plätzen. Und sogar manch altbekanntes Gesicht, das schon fast in Vergessenheit geraten war. Die umfangreichen Personal-Rochaden bescheren uns einen Auftakt, der so spannend ist wie schon lange nicht mehr. Weil so vieles unabwägbar ist. Weil sich vielerorts ein neuer Trainer und neue Spieler finden müssen. Trotzdem gehört das Orakeln zu dieser Auftaktwoche dazu und ich will auch gar nicht abseits stehen.

Die Meisterschaft erscheint mir offener als manche angesichts einiger großer Namen schon wieder denken. Zu den Favoriten zählt auch der FC Bayern. Daneben aber der amtierende Meister – die Mannschaft ist fast komplett zusammengeblieben und Veh ist ebenfalls Meistertrainer. Denkt man an die letzten Verpflichtungen, sollte man besser auch den VFB in Betracht ziehen. Eine Rückkehr ins Meisterrennen traue ich Bremen zu. MMn sind die Strukturen dort intakt, die Neuverpflichtungen vernünftig (und vielleicht kommt da noch was) und Özil hat Potenzial, das er noch nicht vollständig gezeigt hat.

Dahinter wird es eine größere Gruppe von Mannschaften geben, die um die Europa League-Plätze kämpfen. Dem HSV traue ich nicht mehr zu aufgrund des Trainers, der Hertha aufgrund des schwächeren Kaders. Natürlich werden die vom Ex-Meistertrainer mitmischen. Sowie Hoffenheim und hoffentlich auch der BVB. Leverkusen und Heynckes werden eine ganze Weile Anschluss halten können, aber letztendlich nicht unter die ersten fünf kommen.

Relativ sicher im Mittelfeld werden Köln und Frankfurt landen. Ganz sicher wird es aber auch zwei bis drei Vereine erwischen . Die müssen dann absteigen. Richtig schwer wird es, wenn man die Kader von heute betrachtet, für Mainz. Nicht ganz überraschend vermutlich auch meine beiden anderen Tipps: Bochum und Freiburg. In keiner bestimmten Reihenfolge. Mehr als Außenseiter-Chancen, da reinzurutschen, haben noch Hannover und Gladbach.

Gewagte und genaue Prognosen sind das alles nicht. Da kann man nach den berühmten zehn Spielen noch mal schauen. Eine Festlegung gibt es nur bei Schwarz-Gelb. Ich denke, es wird in derselben Region enden wie in diesem Jahr. Nur diesmal klappts mit Platz 5. Aber wird es Platz 6, sollte niemand undankbar sein.

Mehr von mir zum BVB vor der neuen Saison gibt es im Interview mit dem Rasenschachmagazin. Und ja, ich weiß eigentlich, was „Positivismus“ ist.

Bestätigt: Diego Klimowicz zum VFL Bochum

(Updated) Am Rande des Hallenturniers „Derby-Fieber“ in der Dortmunder Westfalenhalle haben der Bochumer Manager Thomas Ernst und sein Dortmunder Kollege Michael Zorc vor einigen Minuten bestätigt, dass Diego Klimowicz mit sofortiger Wirkung vom BVB zum Nachbarn VFL wechselt. Damit bewahrheiten sich entsprechende Spekulationen von vor zwei Wochen. Diegos Vertrag in Dortmund wäre im Sommer ohnehin ausgelaufen.

UPDATE: Die „Ruhr Nachrichten“ schreiben von einer Ablösesumme von 350.000 €, was Klimowicz‘ Alter, seinem Status und der Restdauer seines Vertrags durchaus angemessen wäre. Ein Nachfolger soll nicht unmittelbar verpflichtet werden; es fehlen die Mittel, aber auch die Notwendigkeit. Mit Valdez, Frei, Zidan, Kuba, Sadrijai und ein paar ordentlichen Nachwuchsspielern aus der zweiten Mannschaft stehen offensiv genügend Optionen zur Verfügung.

Klimowicz darf auch gehen, Subotic auf keinen Fall

Den Kader ausdünnen. Das war beim BVB schon vor der Saison das Ziel, klappte damals aber nicht so gut. Nun in der Winterpause scheint Bewegung in die Bemühungen zu kommen. Von einem Tabellensechsten holt man lieber Ergänzungsspieler als vom Dreizehnten. Zumal einige Mannschaften plötzlich im Abstiegskampf stecken, die im Sommer offenbar nicht damit rechneten.

Einer, der in Dortmund nicht mit allen Mitteln gehalten werden soll, sondern zur Zeit eher im Schaufenster steht, ist Diego Klimowicz. Der 34-jährige Argentinier ist ein traditioneller Mittelstürmer und passt nicht so richtig zum schnellen Kombinationsspiel, das Jürgen Klopp vorschwebt. Außerdem hat der Trainer in der Hinrunde auch noch die Stürmerqualitäten von Kuba entdeckt und damit neben Valdez, Frei, Zidan und Sadrijai (plus den Talenten aus der zweiten Mannschaft) eine weitere Alternative parat. Klimos Vertrag läuft im Sommer aus und deshalb sind Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke nicht abgeneigt, ihn gegen eine vermutlich niedrige sechsstellige Summe schon im Januar ziehen zu lassen. Sinn macht das sicher. Klimowicz hat aber ohne Zweifel seine Qualitäten und seinen Torriecher nicht verloren, insbesondere wenn er im Strafraum oder mit hohen Flanken angespielt wird. Sein potenzieller neuer Verein müsste das Offensivspiel auf ihn abstimmen. Wobei es einem Abstiegskandidaten leichter fallen dürfte, von ‚modernem, schönem‘ Fußball zugunsten von Kampf und Abstauber-Toren Abstand zu nehmen.

Nachdem Mönchengladbachs Interesse abgekühlt ist, scheint nun der Nachbar aus Bochum erster Kandidat für eine Verpflichtung von Klimowicz zu sein. Wie vielen der Mannschaften, die zur Zeit unten drin stehen, fehlt es dem VFL an Durchschlagskraft im Angriff, auch wenn sie mit 19 erzielten Treffern noch die beste Quote unter den Haupt-Abstiegskandidaten haben. Mal sehen was daraus wird – ein Umzug wäre bei diesem Wechsel zumindest nicht nötig, sicher ist aber noch nichts.

Hoffentlich und sehr wahrscheinlich nur Spekulation italienischer Medien ist ein Wechsel von Neven Subotic nach Neapel. Dass Interesse und Gerüchte aufkommen würden war nach dieser Hinrunde klar, immerhin hat Neven nicht nur immer besser verteidigt, sondern auch nebenbei fünf Tore erzielt. Aber schon nach einem halben oder ganzen Jahr wieder zu wechseln, dürfte nicht in seinem Interesse liegen, wenn es nicht einen absoluten Qualitäts- und Gehaltssprung, so in die Klasse Chelsea, Liverpool, Real, Milan etc., bedeuten würde. Mit Jürgen Klopp versteht sich Neven bekanntlich gut und auch sonst hat niemand im Verein die geringste Absicht, mit ihm das schnelle Geld zu verdienen. Hans-Joachim Watzke bezeichnete ihn wohltuend unzweideutig als „total unverkäuflich“ und warum sollte man solche Aussagen eigentlich nur Uli Hoeneß glauben, wenn doch Subotic offensichtlich als Teammitglied noch viel mehr Kapital verspricht als mit einem Verkauf zu erzielen wäre.

Nur Piplica war schöner

Da haben wir einen neuen Anwärter auf die Torwartpannen-Top 5 der Bundesliga, oder? Nur knapp hinter Tomislav Piplicas unvergessenem Kopfball-Eigentor dürfte sich das gestrige 1:1 des VFL Bochum in Hannover einreihen. Irgendwo gleichauf mit Bernd Meiers ‚Abschlag‘ gegen Carsten Jancker oder Matthias Hains vermeintlicher Rettung des Balls vor dem Toraus. Für den neutralen Beobachter einfach herrlich, wie sich Hannovers Florian Fromlowitz gestern den Ball nach einer Flanke mit der Hand selber ins Tor schaufelt. Wer es nicht gesehen hat: Heute Sportschau gucken (oder vorher irgendwo suchen 😉 )!

Aber haben wir auch etwas Mitgefühl! Man stelle sich vor, die beiden verlorenen Punkte fehlen Hannover am Ende zum Klassenerhalt… Zugegeben, nicht sehr wahrscheinlich. Und erwähnen sollte man auch, dass die Bochumer den Punkt in jedem Fall verdient hatten.