Dortmund entspannt nur drei Tage

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1. Bundesliga, 10. Spieltag / Hannover 96 4 BVB 2

In Hannover hat der BVB nicht immer gut ausgesehen, doch das gestrige Spiel fiel gegenüber den üblichen Auftritten dort ab. Der Noch-Tabellenführer ließ sich im Niedersachsenstadion defensiv ein ums andere Mal düpieren, ohne das diesmal offensiv wettmachen zu können. Dennoch hätte dieses Spiel anders laufen können – es war nicht so, dass die Gastgeber dominierten.

Peter Bosz muss handeln

Der Trainer und Sportdirektor Zorc versuchten nach der Partie, die von den Medien unvermeidlich wieder gestellte Systemfrage abzuwimmeln. Schlechte Zweikämpfe, fehlende Aggressivität und pomadiges Spiel seien für die Pleite verantwortlich gewesen. Man sollte diese Frage tatsächlich nicht oberflächlich diskutieren. Wir wissen schließlich nicht, was Bosz und sein Team den Spielern im Training und den Besprechungen mitgeben.

Tatsache ist aber, dass die Viererkette immer wieder, nicht nur in Hannover, ausgehebelt und mit einfachen Mitteln überspielt wird. Da genügen oft lange Bälle, wenn die Angreifer schnell genug sind. Viel zu oft stehen die Schwarz-Gelben dann Mann gegen Mann oder sind sogar in Unterzahl. Schnelligkeitsvorteile haben wir meistens auch nicht. Selbstverständlich ist an diesem Dilemma das von mir auch letztes Wochenende kritisierte Mittelfeld mit schuld. Der springende Punkt: Wenn die Spieler wiederholt nicht in der Lage waren, hinten besser abzusichern, muss sich Peter Bosz etwas einfallen lassen – ob er dafür grundlegend sein System ändern muss, ist eine ganz andere Frage. weiterlesen

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Dortmund verdaddelt Platz 2

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1. Bundesliga, 20. Spieltag / SV Darmstadt 98 2 BVB 1

Alle Warnungen haben nichts genutzt: Zwischen Pokalfight und Champions League-Achtelfinale hat es der BVB nicht vermocht, genügend Energie für Darmstadt aufzubringen. Viel zu selten dominierten die Schwarz-Gelben die Partie beim Tabellenletzten und ließen so etwas wie Spiellaune aufblitzen. Die Gastgeber ließen sich auch vom Ausgleich kurz vor der Pause nicht entmutigen und schlugen in der 67. Minute zurück.

Drei Gedanken zum Spiel

Thomas Tuchel hatte schon im Vorfeld von einer Frage der Mentalität gesprochen. Seine Mannschaft hat die falsche gezeigt. Es wäre zu billig, die Schuld daran dem Trainer zu geben, à la „er erreicht das Team nicht mehr“. Viele Spieler müssen sich nach dieser Partie hinterfragen. Man kann auch in Darmstadt verlieren, aber es war nicht mal unglücklich. Viel zu viele Fehlpässe, Ballverluste und unerklärliche Passivität – wie beim 0:1 – kennzeichneten heute das BVB-Spiel.

Nennen wir ruhig einige Namen: Sokratis war gegenüber dem Leipzig-Spiel erneut nicht wiederzuerkennen. Julian Weigl gelang es nicht, das Geschehen aus dem defensiven Mittelfeld zu ordnen. Potenziell kreative Spieler wie Raphael Guerreiro und Marco Reus blieben weit unter ihren Möglichkeiten, auch wenn sie mit dem schönen Ausgleich respektive zwei Gelegenheiten auffällig wurden. Letztlich fehlen der Borussia für solche Begegnungen mit einem um alles kämpfenden Gegner auch die Führungsspieler. Wenn es beim heutigen Kapitän Reus nicht läuft, reißt er auch niemand anderen mit. Es müsste auch gar nicht der eine Leader sein; die Rolle können gerne auch mehrere übernehmen. Aber wer fällt uns da ein? Guerreiro nicht und Kagawa oder Schürrle, die später kamen, schon gar nicht. weiterlesen

Schwarz-gelbe Pfeifenallergie

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1. Bundesliga, 12. Spieltag / Eintracht Frankfurt 2 BVB 1

Mit Wolfgang Starks Pfeife hatte die schwarz-gelbe Borussia schon häufiger Probleme. Vielleicht pfeift der bayerische Schiedsrichter einfach zu schrill und den unseren klingeln die Ohren. Besonders der Anpfiff scheint gefährlich: Stark bläst zur zweiten Halbzeit, wenig später steht es 0:1. Eine gute Minute nach dem Ausgleich fällt das 1:2. Das ist die humorvolle Sichtweise, die aus gutem Grund etwas gezwungen erscheinen mag. Ganz ernsthaft deshalb die drei Gedanken zum Spiel in Frankfurt.

Defizite auch bei der Einstellung. Thomas Tuchel nannte die Vorstellung „ein einziges Defizit“ und bezog dabei auch gleich die Trainingswoche seit Mittwoch mit ein. Damit meint er auch die Einstellung. Man kann sich ja gegen diese Eintracht wirklich schwer tun. Was Niko Kovac seit den Relegationsspielen dort geleistet hat, ist enorm. Aber zweimal so schnell in Rückstand zu geraten, ist fahrlässig. Schaut man sich die beiden Spielzüge vor den Toren der SGE an, sieht man verlorene Zweikämpfe, ungeordnetes, unentschlossenes Abwehrverhalten und Spieler, die schlicht zu weit weg vom Gegner stehen.

Stark wieder nicht stark. Ganz grobe Fehler waren beim in Dortmund eher ungeliebten Unparteiischen nicht dabei. Aber während das mögliche Foul in der Nachspielzeit gegen Auba umstritten ist und nicht unbedingt mit Elfmeter zu ahnden war, hätte Marco Reus zuvor einen zugesprochen bekommen müssen, als er im Strafraum gehalten wurde.

Schürrle nur anfangs stark. Thomas Tuchel sorgte für ein Novum in der Dortmunder Bundesliga-Geschichte, als er in der 58. Minute gleich dreimal wechselte. Gehen musste auch André Schürrle, für den Dembélé kam. Nach guten Aktionen zu Beginn hatte der Rekordtransfer stark nachgelassen, wirkte ideen- und glücklos. Den Durchbruch in schwarz-gelb hat Schürrle noch nicht geschafft. Fragt sich, ob er aus persönlichen oder opportunistischen Gründen anderen vorgezogen wird. Dass neben ihm auch andere Offensive wie Götze und vor allem Ramos abbauten, lenkt zumindest heute von einer genaueren Analyse ab.

Fazit: ein vollkommen gebrauchter Samstag für Schwarz-Gelb. Neun Punkte auf das Projekt, schon wieder sechs auf die Bayern und morgen womöglich nur noch Siebter.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer – Weigl (58. Rode) – Ramos (58. Reus), Götze, Castro, Schürrle (58. Dembélé) – Aubameyang. Gelbe Karten: Sokratis, Castro, Schmelzer. Tor: Aubameyang

Ist er zu Stark, wirst du zu schwach

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1. Bundesliga, 16. Spieltag / BVB 2 VfL Wolfsburg 3

icon_spielberichtfinalBorussia Dortmund kassiert eine Heimniederlage gegen den VW-Klub, die vor der Partie unwahrscheinlich schien und nach 35 gespielten Minuten noch deutlich unwahrscheinlicher. Doch im Fußball passieren bekanntlich unvorhersehbare Dinge. Gestern schrieb Referee Wolfgang Stark ein weiteres Kapitel seines Buches „Ich und der BVB – keine Liebesgeschichte“ und trug mit einer der schlechtesten Schiedsrichter-Leistungen seit Menschengedenken maßgeblich zum Endergebnis bei.

Für 35 Minuten hatte die Borussia die Partie komplett im Griff. Marco Reus hatte mit einem direkten Freistoß von links außen bereits nach sechs Minuten die Führung erzielt. In der Folge spielten die Schwarz-Gelben die Gäste teilweise schwindlig, doch trafen leider in Strafraumnähe zu häufig falsche Entscheidungen. Übereilte Distanzschüsse sind gegen einen reaktionsstarken Torwart wie Diego Benaglio nicht das Mittel der Wahl. In anderen Szenen wurde das Abspiel vergessen oder zu früh gesucht. Das Einzige, was in dieser Phase für einen Punktgewinn des VfL sprach, war, dass ein Tor immer auch aus heiterem Himmel fallen kann.

Ein Tor allein, egal ob durch einen Elfmeter oder aus dem Feld heraus, hätte die Borussia gestern selbstverständlich nicht so zurückgeworfen wie der zusätzliche Platzverweis gegen Marcel Schmelzer. Ganz Fußball-Deutschland hat die Szene mittlerweile gesehen: Der kurz vor der Torlinie stehende Linksverteidiger bekam den Ball zu keinem Zeitpunkt an die Hand und selbst wenn er vom Knie an die Hand gesprungen wäre, hätte Stark keine aktive oder unnatürliche Handbewegung unterstellen dürfen. Obendrein stand Vierinha, der die Flanke für den Schützen Dost hereinbrachte, im Abseits.

Im Anschluss an den „Wahrnehmungsfehler“ von Stark wackelte der BVB nur kurz, kassierte auch noch das 1:2 und bestimmte dann wieder das Spiel. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache, doch natürlich fehlte die Dominanz der ersten halben Stunde und nach dem erneuten Rückstand auch die Kraft für das Spiel in Unterzahl gegen eine technisch versierte Mannschaft, die nicht mehr als nötig tat. Man hätte die Begegnung nicht zwangsläufig verlieren müssen. Doch wäre beispielsweise das 2:3, bei dem Felipe Santana nicht gut aussah, auch gefallen, wenn noch ein gelernter Linksverteidiger in der Viererkette gestanden hätte? Pure Spekulation, natürlich. Es spricht jedenfalls wenig dafür, dass die Borussia das Spiel zu elft aus der Hand gegeben hätte.

Schiedrichter machen Fehler. Auch gravierende, so wie die Spieler. Das Problem bei Wolfgang Stark ist sein Hang zur großen Geste. Bei einem Handelfmeter und dem folgenden Platzverweis sollte man sich sicher sein, doch Stark scheint es wichtiger, durchzugreifen und große Entscheidungen zu treffen. Das zeigt auch seine Vergangenheit, die er mit Dortmund hat. weiterlesen

Stars von gestern

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Die vergangene Saison war die Zeit der zwei tollen Borussias. Dortmund wie auch Mönchengladbach übertrafen alle Erwartungen, holten das erste Double der Vereinsgeschichte und einen völlig unerwarteten CL-Quali-Platz. Eine erste Bilanz des Saisonauftakts 2012/13 fällt nach fünf Spieltagen deutlich nüchterner aus. Der BVB hat wie im letzten Jahr einen durchwachsenen Start fabriziert. Im Vergleich haben die Schwarz-Gelben einen Punkt mehr geholt, sind immerhin fünf Ränge besser platziert, allerdings ist der Rückstand auf die Bayern zwei Punkte größer als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison.

Die Stimmung ist heute definitiv besser als nach dem gerade für Berliner Borussen deprimierenden 1:2 gegen Hertha BSC. Am Dienstag haben wir ein sehr gutes Spiel gesehen. Eine lebendige, spannende Auseinandersetzung, mit schönen Spielzügen und Toren, einem starken Gegner, aber auch erneut einer mangelhaften Chancenverwertung und Abwehrschwächen auf nahezu allen Positionen. Der Vorwurf geht also nicht nur an die Viererkette und den Torhüter, doch defensiv durchweg überzeugend spielt von den fünfen derzeit nur Neven Subotic. Die Partie wäre Werbung für die Bundesliga UND den BVB gewesen, wenn Ilkay Gündogan den Angriff wenige Minuten vor Schluss besser ausgespielt und rechtzeitig gepasst hätte.

Grund für allzu viel Pessimismus hinsichtlich des Borussen-Duells gibt es dennoch nicht. Wenn alles gut geht, sollte Gündogan am Samstagabend wieder von Anfang an dabei sein und darauf brennen, seine vergebene Gelegenheit wiedergutzumachen. Oder Klopp setzt auf Manni Bender, um defensiv diesmal auf Nummer sicher zu gehen. Marco Reus, der vorgestern in Frankfurt zur Halbzeit angeschlagen ausgewechselt wurde, wird sehr wahrscheinlich ebenfalls spielen können. Dass es ihm besonders viel ausmacht, gegen seinen alten Verein anzutreten, war seinen knappen Antworten auf der heutigen PK zum Spiel nicht zu entnehmen. Ob er und Götze zusammen auflaufen werden und wer sich auf der linken Problemseite versucht, bleibt noch Jürgen Klopps Geheimnis. Hoffen wir, dass sich der Trainer übermorgen nicht wieder zu sehr aufregen muss – Schiedsrichter der Begegnung ist Wolfgang Stark aus Ergolding, 70 Kilometer entfernt von München.

Was außer dem Glauben an die schwarz-gelbe Stärke und den Erinnerungen noch Hoffnung macht, ist unvermeidlich der Gegner. Die Gladbacher mussten heftigere personelle Verluste hinnehmen, die sie zwar durch Investitionen in ähnlicher Höhe versuchten auszugleichen (Xhaka, de Jong, Dominguez) – doch das Gefüge des Teams muss sich noch finden. Gegen den HSV wirkten die Gladbacher, wenn man der Sportschau glauben darf, zeitweise sehr verwundbar, wurden aber durch die falsche rote Karte gegen Stranzl auch klar benachteiligt. Der wird den Gästen nun am Samstag fehlen; dass auch Xhaka ausfällt, weiß nur der „Kicker“.

Welche Stars von gestern werden die Stars von Samstag? Wer hält Anschluss, wer wird Mittelmaß? Erneut warten 90 prickelnde Minuten in einem Abendspiel, bei dem die Heimbilanz für den BVB spricht. Überzeugt von einem Sieg bin ich allerdings nicht – doch macht es gerade das nicht besonders spannend?

Moderner Vierkampf

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1. Bundesliga, 18. Spieltag / Hamburger SV 1 BVB 5

Zu den vielen neuen Qualitäten von Borussia Dortmund gehört, dass die Mannschaft nach längeren Spielpausen gut vorbereitet und auf den Punkt konzentriert zu Werke geht – und beeindruckende Ergebnisse erzielt. Selbst wenn ein australischer Ersatztorwart im Kasten steht und nicht Deutschlands Nummer Eins. Die Bundesliga ist dadurch so spannend wie lange nicht mehr Ende Januar. Das mag eine Momentaufnahme sein, aber dem modernen Fußball tut es gut, wenn der BVB, die Bayern und S04 Kopf an Kopf platziert sind. Und eine Überraschungsmannschaft wie Gladbach knapp dahinter.

Also, um es noch mal zu sagen: Da gewinnt der BVB mal eben 5:1 bei einem Verein, der unter seinem neuen Trainer noch nicht verloren hat. Nun kann man mit gewisser Berechtigung auf die zeitweise desolate Abwehrreihe der Gastgeber hinweisen. Beim 1:0 ließen sich die Hamburger komplett düpieren, waren unentschlossen, schienen noch über eine Abseitsfalle nachzudenken, als schon der entscheidende schöne Pass von Kagawa auf Großkreutz kam. Beim zweiten Tor setzte sich Lewandowski alleine gegen Westermann, Bruma und Aogo durch. Und das späte 5:0, erneut durch den polnischen Torjäger, war zwar von Schwarz-Gelb gut kombiniert, aber zur selben Zeit arg statisch verteidigt vom HSV. Was will man auch erwarten, wenn der Abwehrchef und Kapitän einer Mannschaft Heiko Westermann ist?

Auf der anderen Seite konnte der HSV phasenweise, vor allem in der ersten Halbzeit und dann noch mal, als alles gelaufen war, mitspielen. Er hätte nur häufiger so gefährlich werden müssen wie beim verunglückten Kopfball von Paolo Guerrero direkt vor dem Tor. Von links segelten einige Flanken in den BVB-Strafraum, Lukasz Piszczek hatte ein paar Probleme mit der Schnelligkeit von Nationalspieler Aogo. Doch die Abnehmer oder wahlweise die Präzision fehlten. Solange die schwarz-gelbe Viererkette die Orientierung behielt – also zu fast jedem Zeitpunkt – und solange es durch die Mitte ging, lief bei den Hamburgern auch offensiv wenig zusammen. Damit wären wir endgültig beim starken Auftritt der Borussia, denn im zentralen Mittelfeld sorgten Sven Bender und Sebastian Kehl für Ruhe und Ordnung. Sehr souverän fingen sie fast alle Angriffe ab, die nicht schon ihre Mitspieler durch frühes Pressing (TM) in der gegnerischen Hälfte unterbunden hatten. Und Geburtstagskind Marcel Schmelzer zeigte links hinten eine sehr engagierte, defensiv tadellose Leistung. weiterlesen

Ohne Stark wär hier gar nichts los

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1. Bundesliga, 4. Spieltag / Bayer Leverkusen 0 BVB 0

Man muss einfach mal „Danke“ sagen. Zum bayerischen(!) FIFA(!!)-Schiedsrichter Wolfgang Stark, der ein vorhersehbares, taktisch geprägtes 0:0 in ein farbenfrohes, emotionales 0:0-Spektakel verwandelte. Die Redaktion des ZDF-Sportstudios täte gut daran, ihre Schiedsrichter-Rubrik in „Stark des Tages“ umzubenennen, denn wer liefert sonst so viel Material wie der berühmteste Ergoldinger aller Zeiten (und bei dieser Einschätzung vergesse ich nicht den aktuellen Trainer des 1.FC Saarbrücken)?

Die erste Halbzeit war in Wirklichkeit nicht so berauschend, wie das ganze Spiel nach 90 Minuten dargestellt wurde.  Leverkusen-Fans werden möglicherweise anderer Meinung sein und in der Tat waren die Gastgeber in den ersten 45 Minuten die bessere Mannschaft. Es gab jedoch weder einen dauerhaften Sturmlauf auf das BVB-Tor noch weitere wirklich hochkarätige Chancen außer den beiden, die Roman Weidenfeller reaktionsschnell parierte. Die von taktischer Disziplin geprägte Partie spielte sich weitgehend im Mittelfeld ab und die weiteren Torschüsse, die Leverkusen natürlich hatte, waren vergleichsweise harmlos.

Der BVB tat sich in der ersten Hälfte angesichts der gut stehenden Gastgeber sehr schwer und machte sich das Leben selbst nicht leichter. Die Fehlpassquote war phasenweise deutlich zu hoch. Daran waren erneut die Innenverteidiger maßgeblich beteiligt. Aber auch für das komplette offensive Mittelfeld gab es mit Pässen kein Durchkommen durch die Reihen der Leverkusener. Normalerweise müsste man dann auf die Flügel ausweichen, aber von Piszczek kam nach seinem frühen Flanken-Torschuss wenig und Marcel Schmelzer hat offensiv ohnehin nicht die Durchsetzungsfähigkeit, um sich gegen eine absolute Spitzenmannschaft zu behaupten. Und das ist Leverkusen nach wie vor. Nach dem ersten Spieltag war der BVB in der medialen Wahrnehmung schon beinahe Meister, jetzt sind die Bayern kaum noch zu stoppen, aber am Ende könnte (!!!) die Werkself der lachende Dritte sein.

Die Gastgeber hätten mehr aus der ersten Hälfte machen können, aber letztendlich waren sie im Abschluss zu harmlos und die Dortmunder Viererkette trotz Fehlern im Aufbauspiel doch präsent genug, um die meisten gefährlichen Situationen (noch) rechtzeitig zu klären. Eine Gefahr für jeden Gegner stellt Andre Schürrle dar, der Mario Götze in den nächsten Wochen den Rang als Medien-Liebling Nr. 1 ablaufen könnte.

Die zweiten 45 Minuten begannen offener. Leverkusen hatte zwar die ersten guten Szenen, aber es war nicht so, dass der BVB erst durch den Platzverweis von Michal Kadlec ins Spiel kam. Spätestens mit Kagawas Schuss über das Tor in der 52. Minute waren die Schwarz-Gelben in der Partie und es war fortan keine Leverkusener Dominanz mehr zu spüren. Nicht zu vergessen: die geniale Hackenvorlage von Lewandowski auf Kagawa (in deren Anschluss Leno zur Stelle war) ereignete sich vor der Roten Karte. Trotzdem blieb es Maestro Stark vorbehalten, die Stimmung richtig zum Kochen zu bringen – auf dem Feld und unter den Fans. Es macht Sinn, die wichtigen Entscheidungen gebündelt abzuhandeln:

Die erste Gelbe Karte gegen Kadlec wegen eines schnellen Griffs an Götzes Arm war nicht absolut zwingend. Da der Linksverteidiger für sein späteres Einsteigen von hinten aber zurecht glatt Rot sah, spielt die erste Karte eine untergeordnete Rolle. Einige Kommentatoren wollen das Hummels-‚Foul‘ an Renato Augusto als den Auslöser der Hektik ausgemacht haben. Richtig, wenn es ein Foul gewesen wäre, hätte es Gelb-Rot geben müssen. Wenn der Abwehrspieler aber die Beine noch einzieht und der Angreifer trotzdem dankbar darüber stolpert, ist das für mich kein Foul. Rudi Völler sagte bei Sport 1, dass man das als Stürmer eben so mache – ich empfinde das nicht als wünschenswerten Bestandteil des Fußballs und würde mir wünschen, dass die Schiedsrichter in solchen Situationen den Mut haben, weiterspielen zu lassen. Immerhin ging der folgende Freistoß harmlos in die Mauer.

Die Rote Karte gegen Mario Götze roch sehr nach Konzessionsentscheidung. Es war ein angedeuteter Tritt zu sehen, der jedoch Balitsch gar nicht treffen konnte. Mario hat auch (aus)gespuckt. Da war Balitsch allerdings schon meterweit entfernt. Das Problem bei Stark ist, dass ihm einfach das Fingerspitzengefühl fehlt. Von manchem Regel-Positivisten wird dieser Begriff kritisiert, aber muss man die Bewegung von Götze wirklich als versuchte Tätlichkeit werten? Andererseits (und das wurde komischerweise kaum erwähnt): Eine Gelbe Karte war die Aktion schon wert und dann wäre Mario eben mit Gelb-Rot runtergeflogen. Seine erste Gelbe Karte wegen eines harten Einsteigens gegen Torwart Leno sah der Jungstar zurecht. Der (mögliche) Unterschied zur von Stark getroffenen Entscheidung betrifft also nur die Länge der Strafe. Über das nicht gegebene Freistoßtor braucht man hingegen nicht zu reden. In der Szene hatte der Schiedsrichter das Spiel eindeutig noch nicht freigegeben.

In der Phase, in der die Schwarz-Gelben in Überzahl agierten, hätten sie das Spiel gewinnen können. Plötzlich waren die Spielzüge flüssig und die sich ergebenden Chancen insgesamt zwingender als das, was Leverkusen zustande gebracht hatte. Leno rettete den Gastgebern bei Perisics Schuss mit einer tollen Reaktion das Unentschieden und ihm ist es auch zu verdanken, dass Kagawas Schuss in der 76. Minute nicht im Tor landete, obwohl schließlich Castro den Ball noch von der Linie schlagen musste. Die letzte Viertelstunde Zehn gegen Zehn verlief emotional in aufgeheizter Stimmung, mit weiteren Chancen auf beiden Seiten, aber gegen Ende hatte man das Gefühl, dass sich beide Mannschaften mit dem 0:0 zufriedengaben.

Es war ohne Zweifel ein gerechtes Ergebnis in einem Spiel, nach dem ohne Wolfgang Stark und die ‚Rotsünder‘ vor allem über taktisch gut organisierte Leverkusener gesprochen worden wäre und über einen BVB, der in dieser Saison noch viel häufiger nicht glänzen, sondern sich Punkte erarbeiten wird. Mit einem Punkt in Leverkusen kann man absolut zufrieden sein – traurig ist nur, dass Mario Götze womöglich für mehr als ein Spiel gesperrt wird. In diesem Sinne: Danke für die Show, Herr Stark, aber bitte keine Fortsetzung!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender, Gündogan – Götze, Kagawa (81. Kuba), Großkreutz (63. Perisic) – Lewandowski. Gelbe Karten: Hummels, Götze. Rote Karte: Götze.

Bube, Dame, König, Meister

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(Updated) Borussia Dortmund hat vier Spieltage vor Saisonende in der Fußball-Bundesliga alle Trümpfe in der Hand. Es liegt nun an der Mannschaft, sie so auszuspielen, dass der Meistertitel herausspringt. Welche Karten der Konkurrent hat, ist erst mal irrelevant – die eigene Hand der Schwarz-Gelben ist dank des großen Vorsprungs so stark, dass man sich um andere keine Gedanken mehr machen muss.

Jeder Trumpf kann der entscheidende sein. Ein Sieg dürfte reichen, um die Führung endgültig uneinholbar zu machen. Doch zumindest in den nächsten beiden Partien warten auf die Borussia Gegner, für die es um viel geht. Für Borussia Mönchengladbach sogar um sehr viel. Eine unheilvolle Mischung aus Unvermögen und Pech hat die andere Borussia ans Tabellenende geführt, wo sie mittlerweile seit dem 13. Spieltag steht. Ich bin sicher nicht der Einzige, der dem Gladbacher Kader mehr zugetraut hätte – zumindest Platz 14 bis 16. Der Vorstand und Sportdirektor Eberl haben lange an Michael Frontzeck festgehalten. Auf Außenstehende wie mich hat es sympathisch gewirkt, dass man diesem bodenständigen Trainer Zeit gegeben hat. Unter Nachfolger Lucien Favre wirkt Gladbach wieder kompetitiver, die Ergebnisse haben sich etwas gebessert, womöglich jedoch nicht genug.

Man kann lange von Verletzungen und fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen erzählen – symptomatisch für den Gladbacher Niedergang ist aber das Eigentor von Torwart Bailly vor ein paar Wochen gewesen. Es hat zwar ’nur‘ ein Spiel beeinflusst, als Symbol für unendliche Fehlerketten taugt es jedoch sehr gut. Trotz aller Rückschläge hat der VFL noch realistische Chancen im Abstiegskampf – es sind tatsächlich nur drei Punkte bis Platz 16. Einzig die selbstzerstörerischen Tendenzen auf dem Spielfeld sprechen explizit gegen den Verein. Die Gladbacher brauchen Siege, haben es in dieser Saison aber noch nicht geschafft, zweimal hintereinander zu gewinnen.

Respekt habe ich vor allem vor zwei Gladbachern: Natürlich vor dem gebürtigen Dortmunder Marco Reus, dem Mann der schönen Tore, an dem diverse Bundesligisten interessiert sein sollen. Und vor Igor de Camargo, dem treffsichersten echten Stürmer der Gastgeber, der nach einer Verletzung zumindest im Kader stehen dürfte. Dagegen ist Winter-Zugang Mike Hanke nach einer gelb-roten Karte gesperrt und der Einsatz von Innenverteidiger Dante entscheidet sich mutmaßlich heute beim Abschlusstraining.

Die Gladbacher werden morgen um ihre letzte Chance kämpfen. Die Hauptkonkurrenten Wolfsburg und St. Pauli haben vermeintlich leichtere Heimspiele gegen Köln und Bremen zu bestreiten. Eine weitere Niederlage kann sich der VFL also nicht leisten. Borussia gegen Borussia wird ein Spiel werden, in dem das erste Tor noch wichtiger sein dürfte als sonst. Geht der BVB in Führung, muss Gladbach auf Offensive setzen und die Schwarz-Gelben kämen gegen eine besonders über Außen anfällige und eventuell durch Dantes Ausfall geschwächte Defensive sicher zu Gelegenheiten für erfolgreiche Konter. Eine eigene Führung würden die Gladbacher natürlich mit aller Macht versuchen, zu verteidigen – wobei das gegen den aktuellen BVB nie einfach ist.

Vor allem bei einem Rückstand könnte das Fehlen von Nuri Sahin ins Gewicht fallen. Antonio da Silva ist weniger der Typ, der ein Spiel an sich reißen und im Alleingang drehen kann. Zum Glück wird es keine weiteren Ausfälle in der aktuellen Mittelfeld-Stammformation geben. Allerdings werden die Alternativen im defensiven Mittelfeld dünner: Sebastian Kehl musste seine Comeback-Versuche für diese Saison abbrechen und sich einer Operation unterziehen. Seine Leidenszeit geht weiter. Sollten nun Bender oder da Silva ausfallen, müssten Markus Feulner oder Mats Hummels einspringen, die zumindest auf dieser Position keine Spielpraxis haben.

Lucas Barrios wird nach seinem Muskelfaserriss heute erstmals das volle Mannschaftstraining absolvieren. Jürgen Klopp ist optimistisch, was seinen Einsatz angeht, deutet jedoch an, dass er in diesem Fall noch weniger Risiko eingehen wird als sonst: „Es wäre fatal, wenn wir Lucas zu früh brächten und Robby sich gleichzeitig eine Gelbsperre abholt.“ Sollte Barrios erneut verletzt ausfallen und Robert Lewandowski eine Sperre bekommen, müsste man im Sturmzentrum auf Mohamed Zidan, Damien Le Tallec oder Marco Stiepermann zurückgreifen.

Es wäre Lewandowski sebstverständlich zuzutrauen, dass er auch in Mönchengladbach trifft. Genauso wie ich davon ausgehe, dass die gesamte Mannschaft mit voller Konzentration in die Partie gehen wird. Jürgen Klopp hat mit der Anordnung von zwei Tagen Geheimtraining allen gezeigt, wie ernst er die Begegnung nimmt. Sollte Leverkusen ‚mitspielen‘, könnte bereits der erste Trumpf des BVB stechen. Morgen Abend um halb neun, am viertletzten Spieltag, könnten wir bereits die Meisterschaft feiern. Wie wahrscheinlich das ist, darüber will ich heute mal nicht spekulieren. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass es wieder 90 packende Minuten werden. Wollen wir nicht hoffen, dass unser aller Lieblingsschiedsrichter Wolfgang Stark in den Mittelpunkt des Geschehens rücken wird.

UPDATE: Gladbach muss morgen auf de Camargo, der sich im Abschlusstraining erneut verletzt hat, und Dante verzichten. Mit dem VFL möchte gerade wohl niemand tauschen.

Daneben gepfiffen

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Wahre Worte von denen, die es wissen müssen: Der deutsche Schiedsrichter-Star Wolfgang Stark ist in einer „Kicker“-Umfrage von den Bundesliga-Profis zum schlechtesten Unparteiischen der Hinrunde gewählt worden. Diese Meinung haben wir Dortmunder also nicht exklusiv, denn ein Viertel der 286 Befragten widersprach der Wertschätzung, die Stark bisher von Seiten des DFB und der FIFA erfahren hat. Man kann natürlich einwenden, dass möglicherweise Starks Art nicht gut bei den Spielern ankommt, seine Entscheidungen aber trotzdem korrekt sein könnten. Ich kann dazu nur sagen, dass wir in den letzten BVB-Spielen unter seiner Leitung keine guten Erfahrungen mit ihm gemacht haben und dass ich gespannt auf Starks Rückrunde bin.

Zum besten Schiedsrichter wurde mit der Zustimmung von knapp einem Drittel der Befragten Florian Meyer gewählt – es gibt also noch gute Leute bei der FIFA. Keine Beschwerden meinerseits.

(Quelle: „Sueddeutsche.de“ via AAS-Kommentar von Arne)

Die Nachspielzeit ist die schönste Zeit

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1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 1 TSG Hoffenheim 1

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender (46. Bender) – Großkreutz (59. Lewandowski), Kagawa, Kuba (74. da Silva) – Barrios. Tor: da Silva

Eine Meisterschaft ist Borussia Dortmund in dieser Saison zuzutrauen: Die Nachspiel-Meisterschaft. Wie letzte Woche holen sich die Schwarz-Gelben in letzter Sekunde noch Punkte ab. Diesmal zwar nur einen, aber gegen Ralf Rangnick ist das umso schöner.

Zeit für eine Abbitte: Ich habe Toni da Silvas Verpflichtung zunächst kritisch gesehen. Zu Unrecht, wie er gestern eindrucksvoll bewiesen hat. Schießt der doch in der 92. Minute diesen wunderschönen Freistoß ins Toreck. Zum Glück hatte Nuri Sahin da Silva die Ausführung überlassen – Nuri spielte zwar nicht schlecht, aber mit den Standards war das in diesem Spiel nichts. Und wie da Silva diesen Freistoß rausgeholt hat – darüber können natürlich nur die Dortmunder schmunzeln. Denn es war ein wirklich guter Witz auf Kosten der Gäste. Da Silva trifft beim Schussversuch Obasi am Fuß und geht selber zu Boden. Das war zwar keine Schwalbe, aber auch nie und nimmer Freistoß. Zumindest nicht für uns.

Schiedsrichter Wolfgang Stark krönte damit seinen schwarzen Tag. Zum wiederholten Mal verpfeift dieser FIFA-Mann ein Spiel von uns. Diesmal glichen sich die Ungerechtigkeiten wenigstens aus. Hoffenheim war nach neun Minuten durch einen schönen Angriff über links, bei dem Piszczek doppelt schlecht aussah, in Führung gegangen. Nur fünf Minuten später gab es jedoch zu Recht Handelfmeter für den BVB, nachdem Vorsah den Ball mit dem Arm mitgenommen hatte. Natürlich schoss Nuri und wie fast immer traf Nuri. Es war schon sehr pedantisch von Stark, den Elfmeter wiederholen zu lassen, weil Lucas Barrios zu früh in den Strafraumkreis (!) gelaufen war. Warum sah Herr Stark mit seinen Adleraugen dann nicht, dass beim zweiten, von Starke parierten Elfer der Torwart zu früh die Linie verlassen hatte und diesmal ein Hoffenheimer Feldspieler zu früh in den Strafraum gelaufen war?

Ansonsten fiel Stark durch inkonsistente Beurteilung von Zweikämpfen und weitere Fehler auf. Dazu gehörte ein dem BVB nicht zuerkannter glasklarer Eckball nach einem von Starke ins Toraus gelenkten Barrios-Schuss. Richtig war allerdings die Entscheidung, Abseits gegen den BVB und nicht Elfmeter für uns zu pfeifen, als Subotic im Strafraum umgegrätscht wurde. Neven hatte den Ball da bereits zu Hummels ins Abseits gespielt. Trotzdem kann ich diesen Schiedsrichter nicht mehr sehen – keine Ahnung, warum er zu den besten der Welt gehören soll. Schließen wir dieses Kapitel mit einem Wortspiel ab, das auch Arnd Zeigler nicht besser hinbekommen würde: Starke stark und Stark schwach. weiterlesen