BVB noch nicht am Zenit

Champions League, 2. Spieltag / BVB 2 Zenit St. Petersburg 0

Nichts wirklich Neues: Lange tut sich die Borussia schwer gegen ein tief stehendes Team. Doch Zenits Elfmeter-Geschenk öffnet schließlich die Räume für ein weiteres Tor. Im Grunde ein ähnliches Spiel wie das Derby, nur mit einem stärkeren Gegner.

Dominant, aber nicht zwingend

Sehen wir mal das Positive: Im Gegensatz zur Partie bei Lazio waren die Schwarz-Gelben gestern das eindeutig dominante Team, das hinten wenig zuließ. 69 Prozent Ballbesitz und nur vier Torschüsse für den Gegner sind für die Champions League ordentliche Werte. Das BVB-Spiel sah zwar vor allem in der ersten Hälfte eher dröge, aber wenigstens sicher aus. Eine Problemzone: die Mittelfeldzentrale. Witsel trug mit wenigen Ausnahmen nichts wirklich Kreatives vor. Dahoud wirkte wenigstens lebhafter, doch bei ihm kommen auf zwei gute Aktionen halt auch acht überflüssige.

Über außen gelang der Borussia lange Zeit auch wenig. Und so durfte man trotz der einen oder anderen Torannäherung schon guten Gewissens ungeduldig werden, als der eingewechselte Thorgan Hazard von Karavaev im Strafraum umgerissen wurde. Ein glasklarer und vermeidbarer Elfmeter, aber Glück oder Fehler des Gegners gehören seit jeher zum Fußball dazu. Danach spielte es der BVB recht souverän runter, mehr als ein Weitschuss kam nicht mehr von Zenit. Mit mehr Vorwärtsdrang hätten die Schwarz-Gelben womöglich früher die Entscheidung geschafft. So geschah es erst in der Nachspielzeit, als Bellingham den Ball per Kopf in den Laufweg von Haaland beförderte, der dann alles richtig machte.

Arbeiterverein BVB

Vielleicht kann es derzeit nur so funktionieren, dass die Borussia über viel Arbeit zum Erfolg kommt. Mit Glanz ist da gerade wenig, allenfalls in Momenten. Dieses perfekte Gefüge, das letztlich auch gar nicht so viele andere Klubs haben, gibt es in Dortmund nicht. So fällt es zum Beispiel auch schwer, eine Wunschelf aus dem aktuellen Kader zu bilden, von der man wirklich überzeugt ist. Klar sind da viele gute Kicker dabei, aber nur ein paar Erfolgsgaranten, die man ohne großes Nachdenken immer aufstellen würde. Mal sehen, wie das Lucien Favre in den nächsten Wochen hinkriegt.

Die Aufstellung: Bürki – Meunier, Akanji, Hummels, Guerreiro – Dahoud (67. Hazard), Witsel – Sancho (84. Delaney), Reus (74. Reus), Reyna (84. Bellingham) – Haaland. Tore: Sancho (EM), Haaland

Unter der Woche wird gearbeitet

Champions League, Achtelfinale / Zenit St. Petersburg 2 BVB 4

Eine gegenüber Samstag nicht wiederzuerkennende schwarz-gelbe Mannschaft gewinnt in St. Petersburg und hat beste Chancen, erneut das Viertelfinale der Champions League zu erreichen. Die Akteure waren allerdings zum großen Teil dieselben wie am Wochenende; nur Kehl und Reus kamen neu ins Team. Ein hervorragendes Beispiel für den Unterschied wie Tag und Nacht: Marcel Schmelzer. Von dem sehr behäbigen, unkonzentrierten ‚Schmelle‘ vom Hamburg-Spiel war nichts mehr zu sehen – gestern Abend war er ein Vorbild an Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten und Einsatz. Wollen wir hoffen, dass er und die anderen eine Lektion gelernt und nicht nur einfach in den Champions League-Overdrive geschaltet haben.

Die vier Auswärtstore des BVB hatten auch viel mit Marco Reus zu tun – an dreien war er direkt beteiligt. Ein ganz großer Schritt war bereits mit dem Doppelschlag in der 4. und 5. Minute zu tun. Zunächst schnappt sich Reus den Ball und läuft einfach immer weiter, obwohl er von Zenit-Spielern mehrfach angegangen wird. Erst im Strafraum kommt er zu Fall, doch den freien Ball schießt Mkhitaryan ins Tor. Der Neuzugang bereitet kurz darauf mit einer Vorlage für Großkreutz das 2:0 vor. Kevin lässt in den Lauf von Reus abtropfen und der vollendet von rechts ins lange Eck, fast wie ‚Miki‘ eine Minute zuvor.

Auch wenn in der ersten Hälfte eine Reihe von vielversprechenden Spielzügen gegen scheinbar wirklich sehr kalt gestartete St. Petersburger nicht effektiv genug zu Ende geführt wurden, hatte die Borussia die Partie für eine Auswärtsmannschaft beeindruckend im Griff. Da brannte auch nichts an, als die Gastgeber durch ein Abseitstor und einen viel zu harten Elfmeter in der zweiten Halbzeit zweimal verkürzen konnten. Denn es gibt ja noch den talentierten Mr. Lewandowski, der von Piszczek und eben wieder Reus mustergültig bedient wurde und aus zentraler Position zweimal traf. Es war erneut eine Glanzvorstellung des polnischen Torjägers und es bleibt erneut die Erkenntnis, dass der BVB ihn in der nächsten Saison extrem vermissen wird.

Eine großartige Vorstellung zeigte allerdings auch fast die komplette Belegschaft, nur Nuri Sahin fiel leicht ab. Richtig zu schätzen kann man das trotzdem erst wissen, wenn am Samstag drei Punkte gegen Nürnberg raus springen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer – Kehl, Sahin – Großkreutz (90. +1 Durm), Mkhitaryan (70. Aubameyang), Reus (85. Hofmann) – Lewandowski. Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Mkhitaryan, Reus, Lewandowski (2)

Bayern-Besieger gewinnt UEFA-Pokal

In einem recht unspektakulären Finale, das ich über weite Strecken nur mit einem Auge verfolgt habe, setzte sich Zenit St. Petersburg verdient mit 2:0 gegen die Glasgow Rangers durch. Und wenn man den bisherigen Verlauf des Wettbewerbs miteinbezieht, sogar hochverdient. Denn die Rangers setzten ob ihrer spielerischen Limitiertheit meist auf sehr defensives Auftreten. Im Gegensatz zu ihren Fans: Als in den „Piccadilly Gardens“ von Manchester beim Public Viewing nach 15 Minuten die Riesen-Leinwand versagte, kam es zu schweren Ausschreitungen einer Minderheit von Rangers-Anhängern, die sich nach dem Spiel fortsetzten. Ein russischer Fan wurde niedergestochen. Es gab weitere verletzte Fans und Polizisten. Bei den schottischen Vereinsfans ist es mit der Friedlichkeit leider nicht so weit her wie bei der ‚Tartan Army‘ der Nationalmannschaft.

Zurück zum Fußball: Man sollte den ganzen Gazprom-Quatsch jetzt mal vergessen und zugestehen, dass diese absolut integre Mannschaft von St. Petersburg absolut verdient den Cup geholt hat.

Bayern scheitert im Verlierer-Cup

Egal, ob er nun „Pokal der Enttäuschten“ oder „Cup der Verlierer“ gesagt hat – besonders viel Wert hat Franz Beckenbauer dem UEFA Cup nicht beigemessen. Gewinnen wollten ihn die Bayern trotzdem, oder gerade deshalb: Wegen seines angeblich geringen sportlichen Werts musste man aus Reputationsgründen einfach gut abschneiden. Gut, wenn es nicht die Bayern wären, könnte man sagen, Halbfinale ist doch nicht so übel. Aber es sollte ja das Triple sein – das Double haben die Bazis schon unter Felix Magath, mit einer erheblich billigeren Mannschaft, zweimal gewonnen.

Gestern sind die Bayern nun grandios gescheitert. 0:4 gegen St. Petersburg, schlechter noch als Leverkusen. Ich habe nur die letzten 25 Minuten gesehen und später noch die Tore in der Wiederholung; da waren hanebüchene Abwehrfehler zu sehen, die man der Mannschaft nicht zugetraut hätte. Und das soll jetzt auf einmal an der fehlenden Frische liegen? Vier Tage nach einem 4:1 über den VFB? Und wie machen das eigentlich die englischen Teams? Nein, wahrscheinlich haben die Bayern den Wettbewerb und den Gegner doch nicht ernst genug genommen. Man hatte vor der Partie den Eindruck, die waren viel zu sicher, weiterzukommen – trotz des schlechten Hinspielresultats. Manche nennen es „gesundes Selbstbewusstsein“; gestern schlug es um in Überheblichkeit. Letztendlich hatten die Bayern aber zumindest diesen Titel aufgrund der gezeigten Leistungen auch nicht verdient.