Kurz vor Saisonstart: endlich gute Nachrichten?

Borussia Dortmund erlebt den unruhigsten Sommer seit Jahren: Nach dem vollzogenen und mMn geglückten Trainerwechsel erfasst den Verein der Schneeballeffekt des Neymar-Transfers. Nach diesem Sündenfall gibt es bei den Akteuren der Spitzenklubs offenbar endgültig keine Hemmungen mehr. Doch verteilen wir die Schuld gerecht: Niemand kann Ousmane Dembelé befehlen, dem BVB-Training fernzubleiben. Dafür ist im Endeffekt schon der Spieler verantwortlich – genau wie Pierre-Emerick Aubameyang für zweifelhafte Äußerungen zu einer italienischen Modemetropole.

Letztlich wollten auch wir Fans es nicht so genau wissen. Wir haben uns alle ein wenig in Ousmane verliebt und Bedenken beiseite gewischt, die man hätte haben können – schließlich hat der Wunderknabe die gleiche Show schon mal in Frankreich abgezogen. Doch wir wollten seiner Darstellung der Dinge Glauben schenken und ihm vertrauen. Inzwischen haben sich auch BVB-Spieler wie Sokratis und Gonzalo Castro kritisch zu Dembelés Verhalten geäußert – was soll man auch sonst sagen? Eine Wiedereingliederung scheint derzeit schwer vorstellbar und doch darf der Verein nicht klein beigeben. Aus Prinzip, auch wenn andere solche Werte schon lange über Bord geworfen haben.

Angesichts der Richtung, in die sich der Profifußball entwickelt, kann man fast nur noch verzweifeln oder sich in Ironie flüchten. Ich respektiere die Leute, die Letzteres teilweise virtuos beherrschen und die Geschehnisse mit trockenem Humor kommentieren. Mir fehlt dazu beim Thema Fußball das Talent. Die einzige Lösung liegt auf dem Platz: Zum Glück geht es morgen wieder los. Weiterlesen →

Der letzte Wecker

Klar könnte ich etwas über den Supercup schreiben. Auch wenn der ein Heißluftballon der DFL ist, stellt die Partie gegen den FC Bayern immer eine Standortbestimmung dar. Derzufolge steht die schwarz-gelbe Borussia unter dem neuen Trainer Peter Bosz gar nicht so schlecht da. Außerdem darf natürlich der Videobeweis diskutiert werden, bei dessen erster Pflichtspiel-Anwendung im deutschen Vereinsfußball dem Videoschiedsrichter Tobias Stieler die virtuelle Abseitslinie fehlte und er somit dem FC Bayern eher zweifelhaft das 1:1 zusprach.

Aber: So wird dieser Beitrag nicht weitergehen. Denn diese Woche hat der Profifußball endgültig eine Schwelle überschritten, ist in eine neue Dimension eingetreten oder welches Bild auch immer man wählen will. Der Neymar-Transfer zu PSG verändert meiner Meinung nach nochmals die Wahrnehmung, die man von diesem Geschäft haben kann. Wir reden von 222 Millionen Euro nur an Ablösesumme, die durch die bekannte Ausstiegsklausel verbürgt ist. Es geht auch gar nicht darum, dass der BVB direkt von diesem Deal betroffen sein könnte, wenn der FC Barcelona sich nun um Ousmane Dembelé bemüht. Nein: Ich bin gerade im Urlaub in Griechenland und man muss einfach darüber nachdenken, was man mit diesem Geld hier oder anderswo erreichen könnte.

Irgendwann reicht es nicht mehr zu sagen, dass das natürlich übertrieben oder sogar „pervers“ sei – letzteres Adjektiv stammt von ZDF-Experte Holger Stanislawski. Manche Leute haben ja sogar die Haltung: So wie die Gesellschaft ist eben der Sport; ist trotzdem ne gute Show und wer sich das nicht mehr antun will, kann ja Kreisliga gucken. Mein Verständnis für diese Apologeten geht immer mehr gegen Null. Was ich dagegen nachvollziehen kann, ist Vereinsliebe. Die habe ich selber und warum sollte ich die verlieren, nur weil diese Branche aus dem Ruder läuft. Gerade für jene Fans, die mit ihrem Verein wirklich ‚durch dick und dünn‘ gegangen sind, ist Aufgeben wohl keine Option.

Und doch: Muss man nicht zumindest eine neue Haltung finden? Es gibt genügend Beispiele, dass die Autoritäten des Fußballs nicht gewillt sind, ernsthaft gegen Auswüchse vorzugehen. RB Leipzig und Neymar sind nur die uns geläufigsten Beispiele. Natürlich hoffe ich darauf, dass der Rekordtransfer noch untersucht wird, doch ich glaube nicht, dass dabei eine ernsthafte Sanktion herauskommt. Und während ich natürlich gespannt bin, wie sich die Schwarz-Gelben unter dem netten Herrn Bosz schlagen, während ich natürlich über das geile Aubameyang-Tor gegen Bayern gejubelt habe, wächst die Distanz.

Ich verstehe also Fans, die weiter mit ihrem Erstligaklub mitzittern genauso wie jene, die sich zumindest vom Profifußball ganz abwenden. Etwas einfacher sind solche Entscheidungen für jemanden, der eine Beziehung zu einem Zweitverein hat – bei mir ist es der örtliche Regionalligist. Bei dem ist man außerdem wirklich nah dran und kriegt ohne Probleme Karten. Ohne Fußball geht es nicht, ohne Dortmund auch nicht, aber es wird anders werden. Red Bull und die Scheichs dürfen nicht gewinnen, aber echten Sport gibt es sowieso abseits der Top-Ligen zu sehen.

„Jugendschmiede“ Borussia: Wahn und Wahrheit

„Hier kann ich mich prima weiterentwickeln und international spielen“ – Solche oder ähnliche Aussagen hörte man zuletzt häufig von jungen, aber hoch gehandelten Fußballspielern, die zu Borussia Dortmund wechselten. Auch die Medien, inklusive jene des Vereins, kultivierten den Ruf des BVB als Talentschmiede auf hohem Niveau. Ousmane Dembelé und Christian Pulisic sind aktuell die Aushängeschilder dieser Erzählung; frühere Beispiele waren etwa Shinji Kagawa oder natürlich unsere ‚eigenen‘ Mario Götze und Nuri Sahin.

Doch derzeit wird dieser Ruf der Schwarz-Gelben hinterfragt. War er etwa nur eine Legende? Die jüngsten Meldungen zu gleich drei jungen Spielern klingen nicht sonderlich positiv: Mikel Merino stehe vor dem Absprung, womöglich nach Bilbao. Alexander Isak habe sich nicht empfohlen und Emre Mor könne zumindest verliehen werden. Zwei der drei Jungs kamen mit extremen Vorschusslorbeeren nach Dortmund: Vom „neuen Zlatan“ und dem „türkischen Messi“ war die Rede. Was ist also schief gelaufen?

Die Erklärungsansätze haben zwei Richtungen: 1. Der Spieler ist schuld. Er hat sich nicht durchsetzen können und schließlich wird nach Leistung aufgestellt. Und 2. Der Verein respektive der Trainer ist schuld, weil sie dem Spieler nicht genügend Praxis gegeben haben. Aber natürlich liegt die Wahrheit wieder mal dazwischen. Mor und Merino hatten etwas mehr Spielminuten als Alexander Isak, der fast völlig außen vor war. Man sah gerade bei Mor Ansätze, aber seine Eigensinnigkeit konnte Fan wie Trainer zur Verzweiflung treiben. Alle drei Spieler konnten sich angesichts der Konkurrenz nicht nachhaltig empfehlen. Müssten sie also nun Konsequenzen ziehen oder einfach mehr Geduld haben? Weiterlesen →

Zurück aus Asien: Auba dabei, Schmelzer verletzt

Begeisterte Fans in Japan und China, zwei Testspielsiege und ein Torjäger an Bord der Maschine zurück nach Europa: Nicht nur die offizielle Vereinssichtweise des Asien-Trips von Borussia Dortmund klingt positiv. Sicher kann man sich auch über China als Zielland streiten, doch das wäre angesichts von dessen Einfluss so etwas wie Inseldenken.

Bleiben wir beim Sportlichen, dann haben die Schwarz-Gelben einen ordentlichen und einen richtig überzeugenden Test gegen die Urawa Red Diamonds respektive AC Mailand hingelegt. Die – merke: chinesisch gesponserten – Mailänder sind gerade auf großer Einkaufstour und möchten endlich wieder Juventus angreifen. In der Serie A beginnt die neue Spielzeit wie in der Bundesliga am Wochenende 18. bis 20. August. Insofern kann man sich auf den Testspielsieg mit Toren von Aubameyang (2x) und Sahin schon ein klein wenig einbilden. Zumindest ist seit Essen eine Entwicklung zu erkennen.

Milan soll einer aus einer Reihe von Vereinen gewesen sein, die an einer Verpflichtung unseres Torschützenkönigs interessiert waren. Glaubt man jüngsten Verlautbarungen, ist Aubas ganz persönliches Transferfenster jetzt nicht nur für Chinesen geschlossen. Auch andere Klubs können sich ihre Offerten sparen, suggerieren Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke. Einen Transfer komplett ausgeschlossen haben sie allerdings nicht; gerade Watzke ist in der Hinsicht schließlich ein gebranntes Kind. Bei einem schwindelerregenden Angebot von deutlich über 100 Millionen Euro könnte noch mal Bewegung in die Sache kommen. Mehr und mehr stellt sich aber auch angesichts der bereits getätigten oder bevorstehenden Transfers die Frage, wer noch so viel bezahlen würde.

Die Wahrscheinlichkeit ist daher sehr hoch, dass Pierre-Emerick Aubameyang tatsächlich noch eine Saison in Dortmund spielt. Wenig deutet darauf hin, dass ihm das sonderlich unangenehm wäre. Man darf davon ausgehen, dass die Vereinsführung ihre Bedingungen Auba gegenüber besser kommuniziert hat als das möglicherweise in der Vergangenheit bei anderen Spielern der Fall war.

Die einzige Hiobsbotschaft aus dem fernen Osten: Kapitän Marcel Schmelzer hat sich im Training einen Teilriss des Außenbandes im Sprunggelenk zugezogen. Bis zum Ligastart in Wolfsburg soll er wieder „voll einsatzfähig“ sein. Nicht dass mir das schlaflose Nächte bereiten würde: Im Pokal gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen sollten wir auf Schmelle verzichten können. Und dass sich ein paar Wochen lang Alternativen für den Käpt’n in den Vordergrund spielen können, finde ich gar nicht verkehrt.

Shinji der Derby-Held bleibt

Vielleicht war es kein Zufall, dass die Vertragsverlängerung mit Shinji Kagawa bis 2020 heute verkündet wurde: am ersten Tag des Teams in Japan, aber auch am Tag nach dem Abschied von Sven Bender. Ein 28-jähriger Defensivspieler geht, ein 28-jähriger Offensivmann bleibt. Was noch bis vor einem halben Jahr unwahrscheinlich schien, ist nach einer guten Rückserie folgerichtig: Unser Derby-Held bleibt uns noch bis zu drei Jahre erhalten. Und Shinji hat durchaus Einsatzchancen – gerade jetzt, wo Marco Reus noch lange ausfällt und Mario Götze noch viel Arbeit vor sich hat.

Ich habe im vorherigen Beitrag geschrieben, dass mit Sven Benders Weggang auch der sympathische BVB der letzten Meisterjahre verschwindet. Einerseits ist das der natürliche Gang der Dinge, andererseits ändert es den Charakter der Borussia. Selbst wenn Shinji Kagawa noch mehr mit den Erfolgen von 2010 bis 2012 verbunden wird, ist er nicht eine solche Identifikationsfigur geworden wie Manni. Die Gründe sind naheliegend: Seine BVB-Vita wird durch Manchester United unterbrochen und nach seiner Rückkehr wirkte er lange nicht wie der Alte.

Dennoch ist es gut, dass Shinji bleibt. Es ist gut, dass ihm Michael Zorc und Aki Watzke einen Vertrauensvorschuss geben und eben doch auch ein bisschen gefühlig und nicht nur kühl-rational kalkulieren. Wobei Shinji in Japan natürlich ein echtes Asset ist. Ob er langfristig einen Platz in der Startelf von Peter Bosz bekommt, ist eine ganz andere Frage.

Manni der Libero geht

Es ist die Nachricht, die ich niemals hören wollte und die mich trotz aller Abhärtung gegen die Zumutungen des modernen Fußballs traurig macht: Sven „Manni“ Bender verlässt Borussia Dortmund und wechselt mit sofortiger Wirkung zu Bayer Leverkusen. Dort spielt er künftig neben seinem Zwillingsbruder Lars und unter Ex-Borusse Heiko Herrlich.

Für mich stirbt damit ein Stück weit jener BVB, der mir und sicher vielen anderen Fans in den letzten Jahrzehnten die meiste Freude bereitet hat: die Klopp-Borussia der Meisterjahre. Bei allem Respekt: der spielerisch limitierte Marcel Schmelzer, der Rückkehrer Nuri Sahin und der spätgekommene Marco Reus können ihn in Sachen Identifikation nicht ersetzen. Sven Bender war, obwohl er natürlich keinen klassischen Libero gespielt hat, auf den Positionen zu Hause, wo es weh tun kann und wo man sich immer voll reinhauen muss. Ersteres hat er zu spüren bekommen, Letzteres hat er gemacht.

Nun hat sich Manni entschieden, dorthin zu gehen, wo er sich mehr Einsatzzeiten erhofft. Ob sich die Hoffnung erfüllt? Mal abwarten. Ich glaube Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke, dass sie Bender halten wollten. Es ist nachvollziehbar, dass der neue Trainer Peter Bosz für einen verletzungsanfälligen 28-Jährigen, der zuletzt wenig gespielt hat, nicht das Gleiche empfindet wie die meisten Fans. Letztlich ist Manni auch ein Opfer des großen Kaders geworden, zu dem es die Verantwortlichen haben kommen lassen.

Klar: Aus den bisherigen Absätzen spricht mehr das Gefühl als der rationale Verstand. Rein finanziell gibt es an dem Transfer nichts zu meckern: 15 Millionen Euro wären eine angemessene Summe – zumindest innerhalb der Branche, über die wir reden. Aber dem BVB wird ein Teil seines Herzens fehlen, denn – und jetzt wird’s erst richtig plakativ – wer hatte denn ein Kämpferherz wie Manni? Da fällt einem allenfalls noch der Papa ein.

Aus Mannis Perspektive ist der Wechselwunsch verständlich, die Prioritäten klar:

Es ging mir schon als kleiner Junge immer nur darum, auf dem Platz zu stehen.

Ich wünsche ihm, dass er das künftig häufiger kann und darf. Nur vielleicht nicht gerade gegen Schwarz-Gelb. Uns wird Sven Bender fehlen. Da muss man nur die jüngste Erinnerung hervorkramen, die allen BVB-Fans schnell präsent sein dürfte: Manni, der Pokalheld von München, der das sichere Gegentor verhindert.

Tatort Hafenstraße und was sonst noch geschah

Borussia Dortmund hat sich an der Essener Hafenstraße blamiert – so legen es die Schlagzeilen der Sportseiten heute nahe. 2:3 gegen den Regionalligisten RWE im ersten Spiel unter Peter Bosz: Das hätte man sich tatsächlich schöner vorstellen können. Nun habe ich die Partie nicht gesehen, aber das Ergebnis spricht selbstredend dafür, dass der BVB enttäuscht hat – und der Trainer gab das unumwunden zu.

Die Schwarz-Gelben sind peinliche Testspiel-Pleiten nicht mehr gewohnt – genauso wenig wie peinliche Pokalpleiten. Was ist wohl schlimmer? Abgesehen davon, dass das erste Vorbereitungsspiel wohl immer die geringste Aussagekraft hat, fehlten der Borussia noch einige Spieler und Peter Bosz lässt wie zu erwarten sein präferiertes System einüben. Das 4-3-3 stellt eine größere Umstellung gegenüber der zuletzt unter Thomas Tuchel meistens praktizierten Dreierkette mit massivem Mittelfeld davor dar. Eine weitere Erklärung könnte womöglich ausgerechnet die neue Leichtigkeit unter Bosz sein, die im ersten Spiel vielleicht etwas zu weit um sich gegriffen hat. Sowas sollte sich sicher abstellen lassen.

Mehr Sorgen macht mir da die Transferpolitik – oder präziser formuliert die Personalsituation. Es ist ja sicher nicht so, dass sich Michael Zorc, Aki Watzke und Peter Bosz Angeboten für etwa Sebastian Rode oder Joo-Ho Park verschließen würden. Nur haben wir von solchen noch nichts gehört. Das kann dreierlei bedeuten: Es gibt tatsächlich keine Angebote. Oder die Verantwortlichen haben die Geheimhaltung optimiert. Oder aber entsprechende Gerüchte interessieren die Presse nicht so wie beispielsweise Aubas China Connection – es geht ja nicht gerade um unsere Kronjuwelen.

Die Vergangenheit lehrt uns, dass Möglichkeit 1 nicht unwahrscheinlich ist. Einen Riesenkader gilt es aber unbedingt zu vermeiden. Dass jetzt jedoch Dzenis Burnic leihweise zum VfB Stuttgart geht und Felix Passlack vermutlich nur bleibt, weil sich Raphael Guerreiro doch den Knöchel gebrochen hat, hinterlässt auch kein gutes Gefühl.

Einer meiner Wechselkandidaten wäre ja André Schürrle, unser Rekordeinkauf. Der hat sich nun ausgerechnet über Thomas Tuchel kritisch geäußert, als dessen Spezi und Wunschspieler er doch galt. Nun kann entweder das übertrieben dargestellt gewesen sein oder sich Schürrles Meinung eilig geändert haben. Abgesehen davon, dass es nie eine gute Entscheidung ist, der SportBild ein Interview zu geben: Dass Tuchel ihn nach den Leistungen der letzten Saison nicht zum Stammspieler gemacht hat, ist absolut nachvollziehbar. Bei diesem Transfer hatten wohl alle beteiligten Dortmunder vor allem das Prädikat „Nationalspieler“ vor Augen.

Der unsichtbare Dritte: Albert Capellas wird Co-Trainer

Stille Zeitgenossen waren sie in der Öffentlichkeit meistens, die Co-Trainer von Borussia Dortmund. Das letzte richtige Interview mit Arno Michels, zweiter Mann hinter Thomas Tuchel, scheint laut Suchmaschinen vom März 2015 zu stammen – da war er gerade beschäftigungslos. Zeljko Buvac war die geradezu ikonische Nummer Zwei neben Jürgen Klopp auf der Trainerbank. Es ist ja auch logisch, dass der Chef im Vordergrund steht, selbst wenn es graduelle Unterschiede gibt. Beim FC Bayern wird man häufiger über Willy Sagnol lesen. In England äußern sich gelegentlich auch die Assistenten gegenüber der Presse, da die klassischen „Trainer-Manager“ oft noch mehr zu tun haben als die Trainer bei uns.

Hierzulande fliegen die ‚Cos‘ häufig unter dem Radar der Medien und verrichten ihre Arbeit tatsächlich weitgehend auf dem Trainingsgelände. Deshalb lassen ihre Namen nur aufhorchen, wenn man sie mit etwas verbinden kann. Der BVB hat sich Albert Capellas ins Team geholt. In Deutschland wird der 49-jährige Spanier auch nur wenigen etwas sagen – deshalb ist natürlich erwähnenswert, dass er Leiter von La Masia war, der legendären Jugendakademie des FC Barcelona. Elf Jahre war er bei Barca tätig, doch  seine Zeit dort liegt schon sieben Jahre zurück. Es ist also schwer, Capellas heute noch danach zu beurteilen.

Stationen in Spanien, Dänemark, Israel

2010 ging der Spanier zu Vitesse nach Arnheim, wo er in seiner letzten Saison Co-Trainer unter Peter Bosz war. Es folgten ab 2014 zwei Jahre bei Bröndby IF, wo er ebenso als Assistent agierte wie in der letzten Saison bei Maccabi Tel Aviv. Der Mann hat also einiges an internationaler Erfahrung vorzuweisen. In Dortmund wird er laut Kicker und DerWesten.de „einer der Co-Trainer von Peter Bosz“. Ob das heißt, dass er auf der gleichen Ebene steht wie Hendrie Krüzen oder Letzterer der eigentliche Assistenztrainer und damit die Nummer Zwei ist, wurde noch nicht bekannt – ebenso wenig die Aufgabenteilung.

Die Borussia bekommt ein sehr internationales Trainerteam. Nicht zum ersten Mal – bisher waren die Erfahrungen gemischt. Ich betrachte das neutral, finde es interessant und bin gespannt, ob und wie es sich auswirkt. Wichtig ist sicher, dass Peter Bosz sehr gut Deutsch spricht. Außerdem soll das Team nicht nur extern besetzt sein: Als Athletiktrainer und Videoanalyst sind Andreas Beck und Serdar Ayar vorgesehen, schreibt der Kicker. Beide waren schon vorher im Verein tätig.

Niemand kann heute mehr bestreiten, dass der BVB ein Global Player ist. Das bringt der Erfolg mit sich, das hat gute und schlechte Seiten. Die Nationalität unserer Trainer gehört zu keiner der beiden. Lassen wir die Herren also erst mal ihre Arbeit machen, ab morgen im Training!

Done Deal

Der nette Junge geht nach Gladbach

Matthias Ginter verlässt Dortmund und schließt sich der Borussia vom Niederrhein an. Über einen Weggang des 23-jährigen Nationalspielers war in diesem Sommer nicht zum ersten Mal spekuliert worden. Aus Vereinskreisen hieß es dann stets, Ginter genieße hohe Wertschätzung, obwohl er kein absoluter Stammspieler war. Aber er war der nette Junge mit BVB-Sympathien, den man auf verschiedenen Positionen einsetzen konnte, der die Junioren-Nationalteams durchlaufen hatte und zuletzt auch beim Confed Cup in vier von fünf Partien in der Startelf stand.

Man muss diese Dinge ins Verhältnis setzen, gewichten. Als Junioren-Nationalspieler hat Ginter seine mehrjährige Profierfahrung genutzt. Wenn er ins A-Team von Joachim Löw für die WM in Russland berufen werden sollte, dann wohl nicht als erste Wahl für die Startelf.

Ich mag nette Spieler, die es einem leicht machen, den eigenen Verein zu mögen. Deswegen hoffe ich inständig, dass Sven Bender in Dortmund bleibt, bei dem noch unbändiges Engagement dazu kommt. Matthias Ginter war sympathisch, aber seine Leistungen waren nicht über jeden Zweifel erhaben. Seine stärkste Halbserie war die erste unter Thomas Tuchel, als er Lukasz Piszczek rechts hinten temporär ersetzte bzw. verdrängte. Die Auftritte als Innenverteidiger oder in einer Dreierkette waren weit weniger überzeugend, obwohl Ersteres seine erklärte Lieblingsposition ist. Weiterlesen →

Saisonauftakt: Großer Preis statt Ponyhof

Softes Eingrooven in die Bundesliga wird es für den neuen BVB-Trainer Peter Bosz nicht geben: Der Saisonauftakt gehört zu den Schwereren der letzten Jahre. Heute gab die DFL die Spielpläne für Liga 1 und 2 bekannt. Die Borussia startet mit einem Auswärtsspiel in Wolfsburg. Die Wölfe möchten sich sicher von Beginn an anders präsentieren als in der abgelaufenen Spielzeit. Es folgen drei Partien gegen die zuletzt Fünft- bis Siebtplatzierten der Liga. Am 5. Spieltag geht es nach Hamburg, das in den letzten Jahren nur sehr gelegentlich ein guter Punktejagdgrund für die Schwarz-Gelben war. Hier die ersten fünf Spiele im Überblick:

VfL Wolfsburg (A)
Hertha BSC (H)
SC Freiburg (A)
1. FC Köln (H)
Hamburger SV (A)

Der letzte Spieltag bringt noch mal einen richtigen Hammer: Die Borussia muss gegen Julian Nagelsmanns Hoffenheimer ran. Was den Stadiongängern nicht gefallen wird, denn diesmal steht zum Abschluss kein Heimspiel an, sondern die Fahrt ins ungeliebte Sinsheim. Die Topspiele gegen Bayern und Schalke finden am 11. und 13. Spieltag statt. Beide Konkurrenten empfängt der BVB zunächst im Westfalenstadion.