Dortmund feiert 04. Derbysieg in Folge

1.Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 1 FC Schalke 0

Der Sky-Kommentator verglich das Revierderby vom Samstag mehrmals mit Dortmunds Auftritt in Manchester am Mittwoch. Das stimmt insofern, als dass die Blauen es lange schafften, im Abwehrzentrum gut zu stehen und den Strafraum zu schützen. Torgelegenheiten hatten die Schwarz-Gelben gegen den englischen Meister allerdings mehr. Die Überlegenheit im Derby war nach Expected Goals höher als in allen anderen bisherigen Partien des 7. Spieltags: 2,53 zu 0,10. Knappes Ergebnis, verdienter Derbysieg und schöne andere Resultate = toller Buli-Samstag!

Brauchten wir das Derby zurück? Sagen wir es so: Es gibt kaum eine Begegnung, bei der man bei knappem Spielstand so sehr auf der Sitzkante balanciert. Jene Schalke-Fans, die Marco Reus mit höhnischen „Auf Wiedersehen“-Rufen verabschiedeten, als der BVB-Kapitän verletzt vom Platz getragen wurde, könnten jedoch auf ewig in der zweiten Liga schmoren – oder noch tiefer.

Ein dominanter BVB war zu erwarten gewesen und den bekamen wir auch. 67 Prozent Ballbesitz, 16:3 Torschüsse – eindeutige Werte. Die Schwarz-Gelben bekamen vor allem über die Flügel viel Platz. Doch hier lag die Crux und der Grund für das knappe Ergebnis: Die Gastgeber konnten diese Räume zu selten nutzen. Nachdem sich Raphael Guerreiro mit – Überraschung – muskulären Problemen abgemeldet hatte, entstand zu wenig Konstruktives über die Außen. Thomas Meunier machte wieder eine solide Partie, aber er wählt einfach zu oft den Rückpass, wenn er nicht sofort eine Anspielstation erkennt. Marius Wolf auf der anderen Seite bewegte auch lange Zeit wenig – bis ihm doch die eine, entscheidende starke Vorlage auf Youssoufa Moukoko gelang.

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Ehrenwerte null Punkte

Champions League, 2. Spieltag / Manchester City 2 BVB 1

Nur 1:2 – das hätten viele vor dieser Partie als kleinen Erfolg angesehen. Nach dem unerwartet spannenden Abend von Manchester dürfte das Urteil zwiegespaltener sein: Die Leistung des BVB war zweifellos ein Erfolg, doch die späte Niederlage schmerzt natürlich trotzdem.

Lange taten die Schwarz-Gelben das, was man gegen City offensichtlich tun muss: Sie standen kompakt, wenn nötig auch tief, und verteidigten bravourös. Sehr gute Noten verdienten sich dabei vor allem Hummels und Süle, aber auch die Außenverteidiger Meunier und Guerreiro machten es gestern ordentlich. In Ballbesitz blieben die Gäste ruhig und leisteten sich lange Zeit wenig hektische Ballverluste. Und trotz der abwartenden Spielweise kamen sie zu einigen Gelegenheiten.

Ein weiterer Fortschritt gegenüber den letzten Partien: Endlich war eine Ecke mal wieder Ausgangspunkt für einen Treffer. Zwar nicht im Sinne von Ecke-Kopfball-Tor, doch Reus‘ Bilderbuch-Flanke von der anderen Seite, die im Übrigen fast wie ein Torschuss aussah, war in jedem Fall noch eine Folgeaktion. Dass Bellingham nun wieder gegen City traf, war schon keine große Überraschung mehr.

Fünf Minuten reichen City

Es hätte so schön sein können, wenn die Schwarz-Gelben in ihren Defensivaktionen bis zum Schluss konsequent und nah am Mann geblieben wären. Doch dafür reichte mutmaßlich die Kraft nicht mehr. So kam zunächst John Stones unbedrängt zum Schuss aus etwa 18 Metern. Klar, den hätte man verhindern sollen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Alexander Meyer ihn hätte halten können. Schwierig bis unmöglich war das dagegen bei – natürlich – Erling Haalands artistisch eingesprungenem Siegtreffer. Auch hier wäre die Flanke von Cancelo zuvor aber wohl nicht so gekommen, wenn ein Schwarz-Gelber näher dran gewesen wäre. Ein Unentschieden wäre zweifellos verdient gewesen: Donyell Malen hätte nach einem herrlichen Dribbling ein Traumtor verdient gehabt – klappte leider nicht ganz.

So ist es zweifellos ein bitteres Ergebnis, aber auch ein verschmerzbares, wenn man die Leistung in die nächsten CL-Partien mitnimmt. Sevilla hat gegen Kopenhagen nur Unentschieden gespielt und bleibt somit hinter dem BVB. Auf das direkte Duell mit den Andalusiern wird es am Ende wohl ankommen – man darf ein bisschen zuversichtlich sein. Auch fürs Derby – das Einzige, was jetzt zählt.

Die Aufstellung: Meyer – Meunier, Süle, Hummels, Guerreiro – Bellingham, Can, Özcan (89. Moukoko) – Reyna (62. Malen), Reus (88. Adeyemi) – Modeste (78. Schlotterbeck). Gelbe Karten: Özcan, Meunier. Tor: Bellingham

Minimalisten oder Langweiler?

So richtig können sich auch die Fans von Preston North End noch nicht entscheiden: Was ist das nur für eine Saison, die der englische Zweitligist bisher spielt? Die Zahlen sind bemerkenswert: Nach acht Spieltagen in der Championship (und vor der Partie gegen Burnley am Dienstagabend) stehen die „Lilywhites“ mit elf Punkten auf Platz 10 – im komfortablen Mittelfeld und nur zwei Punkte hinter Play-Off-Platz 6. Diese Platzierung haben sie jedoch mit nur zwei (!) erzielten Toren erreicht – weil sie nur ein einziges kassiert haben. Fünf torlose Unentschieden, zwei 1:0-Siege und eine 0:1-Niederlage stehen bisher zu Buche.

Angesichts dieser Zahlen überrascht es wenig, dass sich die Fans und Trainer Ryan Lowe fragen, woher die Treffer kommen sollen. Folgerichtig ist aber auch, dass im August mit dem 26-jährigen Innenverteidiger Liam Lindsay ein Aktiver von North End bei der Wahl zum Championship-Spieler des Monats nominiert wurde. Die Transferpolitik ist wie bei vielen Clubs stets ein Diskussionsthema in Preston. Grundsätzlich folgt man hier der Maxime, die ohnehin vorhandenen Verluste strikt zu begrenzen und eher konservativ zu wirtschaften. Im Dezember 2020 habe ich vor einem Aufeinandertreffen von PNE und Derby County mal die Philosophie der beiden Vereine verglichen. Seither hat sich vor allem in Derby einiges verändert, nicht zuletzt die Liga-Zugehörigkeit.

Finanzielle Zurückhaltung als Familienerbe

In Preston gab es auf persönlicher Ebene einen großen Einschnitt: Vor knapp einem Jahr ist Clubbesitzer Trevor Hemmings mit 86 Jahren verstorben. Er lebte zwar hauptsächlich auf der Isle of Man, hatte aber regelmäßig Kontakt zum starken Mann im Vorstand, Peter Ridsdale. Einen harten Umbruch hat es nach dem Tode Hemmings noch nicht gegeben. Neuer Vorstandsvorsitzender ist Hemmings‘ Sohn Craig; im Austausch mit ihm trifft Ridsdale weiterhin wesentliche Entscheidungen den sportlichen Bereich betreffend.

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Borussia und der Ex-Effekt

1.Bundesliga, 6. Spieltag / RB Leipzig 3 BVB 0

Es sind Tage wie der gestrige, die es manchmal so frustrierend machen, BVB-Fan zu sein. Damit will ich nicht sagen, dass viele andere Vereine weniger Frustpotenzial bieten. Aber diese Diskrepanz zwischen vielversprechendem, hochwertigem Kader und schwachen Leistungen in wichtigen Spielen macht einem schon zu schaffen. Dass dabei in Leipzig erneut Verletzungsprobleme eine Rolle gespielt haben dürften, tröstet kaum. Wenn es neben dem nun nahenden Derby eine Partie gibt, in der das nicht abgerufene Potenzial unverzeihlich ist, dann die gegen das Brause-Konstrukt.

Marco Rose als frisch gebackener Leipziger Trainer hatte womöglich im Vergleich zu Edin Terzic einen Wissensvorsprung hinsichtlich des Gegners. Aber so schwierig war es nun auch nicht, die Herangehensweise der Gastgeber zu erahnen. Und es gibt genügend Quellen, sich über einen Gegner in der Bundesliga zu informieren. Vermutlich war es auch weniger ein Informationsdefizit als vielmehr die Umsetzung der Vorgaben auf dem Platz, die den Schwarz-Gelben zu schaffen machte.

Gegen eine Mannschaft wie Leipzig, deren Potenzial zuvor nur ein wenig schlummerte, ist ein frühes Gegentor nicht hilfreich. Selbst das Leipziger Publikum hat nichts zu meckern, wenn man mit dem neuen einheimischen Trainer, der dem Konstrukt endlich das Lokalkolorit verleiht, das es vorher nie hatte, 1:0 führt. Und dann noch gegen den Verein, den die traditionslosen Leipziger wohl als Erzrivalen ansehen. Da muss man als Gastgeber gar nicht so viel den Ball haben, sondern kann erstmal auf Fehler des Gegners warten. Der BVB hatte am Ende des Spiels 56 Prozent Ballbesitz, aber wenig damit zustande gebracht – der xG-Wert lag bei 0,33.

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Geglückter Start vor gelber Wand

Champions League, 1. Spieltag / BVB 3 FC Kopenhagen 0

Borussia Dortmund hat gegen den FC Kopenhagen außer Pyros nichts anbrennen lassen: Ein 3:0 im Auftaktspiel der anspruchsvollen Gruppe lässt den Schwarz-Gelben alle Chancen und einiges an Zuversicht, nach fünf weiteren Partien im Achtelfinale zu stehen. Die dänischen Gäste ließen in entscheidenden Momenten die nötige Qualität vermissen und der BVB nutzte das teilweise sehr sehenswert aus.

70.700 Zuschauer – ausverkauft war das Westfalenstadion trotz Stehplatzerlaubnis nicht. Was aber angesichts des frühen Anstoßes unter der Woche auch nicht überraschte. Ob die wiederholten Pyro-Shows auf der Süd und im Gästeblock dazu beitragen, dass die UEFA den Stehplatz-Modellversuch entfristet, darf allerdings bezweifelt werden. Es hat zwar nicht direkt miteinander zu tun, aber vorausschauend wäre es wohl besser gewesen, auf die Zusatzbeleuchtung zu verzichten. Unter Fans gibt es mindestens zwei Meinungen dazu, ob Pyrotechnik zum Stadionerlebnis dazugehört – und das ist ok so. Gestern war deren Einsatz aber wohl nicht so klug.

Souverän und engagiert

Die Partie selber war eigentlich ansehnlich genug. Kopenhagen war bis auf einige wenige Szenen offensiv abgemeldet und der BVB kontrollierte das Geschehen. Eine Vielzahl von Chancen entstand daraus nicht, solange die Ordnung der Gäste hielt. Man merkte jedoch, dass dem amtierenden dänischen Meister in dieser Saison noch die Konstanz fehlt. In den letztendlich entscheidenden Szenen, als die Borussia ihre Qualität im Kombinationsspiel auf den Platz brachte, waren die Kopenhagener doch zu weit weg oder schalteten nicht schnell genug.

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Pokal-Auslosung: Es wird fast wie früher

Borussia Dortmund fährt im DFB-Pokal zu Hannover 96. Das hat am späten Sonntagnachmittag die Auslosung der 2. Runde im ZDF ergeben. Ab sofort muss man sich als stark auf den Pokal fixierter Verein ja freuen, wenn man keinen Erstligisten bekommt – das erfüllt dieses Los schon mal. Für mich fühlt sich Hannover weiterhin nach Liga 1 an. Nicht wegen der aktuellen sportlichen Situation, aber früher war das Niedersachsenstadion aufgrund seiner Lage eines der Auswärtsziele, die ich öfter mitgenommen habe. Es ist sicher kein absolutes Top-Stadion des deutschen Profifußballs, aber es gab auch selten was zu meckern.

Nun geht’s also im Pokal dorthin. Die 96er haben in der ersten Runde relativ problemlos 0:3 bei Schott Mainz gewonnen. In der 2. Liga stehen sie nach zuletzt vier Siegen in Folge inzwischen auf Platz 5, mit nur drei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Paderborn. Da könnte man ja fast denken, der Abstieg sei nur ein Ausrutscher gewesen. Aber auch dieser HSV kämpft sich schon länger in der aktuellen Spielklasse ab als ihm lieb ist: 2019 abgestiegen befindet man sich jetzt bereits in der vierten zweitklassigen Saison. Die bisherigen Endplatzierungen: 6, 13 und 11. Am meisten hört man jenseits von Niedersachsen von 96, wenn es mal wieder um Martin Kind geht.

Bekanntester Mann im Kader ist zweifellos die Nummer 1: Ex-Nationalkeeper Ron-Robert Zieler, letztes Jahr zurückgekehrt aus Köln zu seinem bereits dritten Engagement in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Mir als nur oberflächlichem Zweitliga-Beobachter ist ansonsten vor allem Innenverteidiger Julian Börner bekannt – von seiner Zeit bei Sheffield Wednesday in England. Kicker-Topspieler ist bisher Abwehrkollege Derrick Köhn (Note: 2,92), die Top-Torschützen sind der 19-jährige Deutsche Maximilian Beier und der 29-jährige Norweger Havard Nielsen mit je drei Treffern. Und auf der Bank sitzt seit Juli der ehemalige Fürther Auf- und Abstiegstrainer Stefan Leitl.

Auch wenn ich mit Hannover immer noch Auswärtsspiele in der Bundesliga verbinde, sind die Niedersachsen inzwischen eher ein typischer Zweitligaverein, bei dem man nicht so recht weiß, wohin die Reise geht. Zuletzt – wenn auch nicht letzte Saison – war die 2. Liga oft ein großer Gleichmacher, in der man auch als Absteiger schnell versumpfen kann. Hannover 96 jedoch im Pokal zu unterschätzen sollten die Schwarz-Gelben unbedingt vermeiden. Das Potenzial für ein weiteres St. Pauli ist im Niedersachsenstadion sicher vorhanden. Stattfinden wird die Partie Hannover 96 v BVB am 18. oder 19. Oktober.

Mutig gegen den Angstgegner

1.Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 1 TSG Hoffenheim 0

Borussia Dortmund gewinnt zweimal hintereinander 1:0 – vielleicht die beste Therapie nach dem Debakel gegen Bremen. Wie zu erwarten brachten die Gäste aus dem Kraichgau mehr Qualität auf den Platz als Hertha BSC, doch die Schwarz-Gelben dominierten die erste Halbzeit und hielten in der zweiten mutig dagegen. Das war zwar immer noch ein großes Stück entfernt von einem perfekten Spiel, aber gerade bei diesem Gegner darf man mit drei Punkten eigentlich immer zufrieden sein.

Vor allem, da Edin Terzic zwei weitere Ausfälle zu kompensieren hatte. Für den erkrankten Guerreiro rückte Marius Wolf nach links; Thomas Meunier kam rechts in die Startelf. Jamie Bynoe-Gittens ersetzte Karim Adeyemi. Wolf machte seine Sache auch auf der anderen Seite ordentlich – gegen schwächere Mannschaften würde ich mir aber trotzdem eine Chance für Tom Rothe wünschen. Vor der Partie gab Terzic dann auch noch bekannt, dass Mo Dahoud an der Schulter operiert werden muss und wohl bis November ausfällt. Und in der Partie musste Bynoe-Gittens wegen einer Schulterverletzung ausgewechselt werden. Aber immerhin ist es nicht die Beinmuskulatur…

45 Minuten Dominanz und kein Elfmeter

Zurück zum Positiven: Die erste Hälfte war angesichts des Gegners beeindruckend. Kein Chancenfeuerwerk wie zeitweise in Berlin, aber wenn Hoffenheim in 45 Minuten auf einen Expected Goals-Wert von 0,02 kommt, muss der Gegner etwas richtig gemacht haben. Wie in Berlin überzeugte die Präsenz der Borussia im Defensivverhalten. Das Pressing hielten die schwarz-gelben Jungs über 90 Minuten weitgehend durch. Offensiv kamen die Gastgeber mit dem ersten richtig guten Angriff zum Erfolg: Der Ball kommt in die Mitte zu Julian Brandt, der gedankenschnell und sehenswert auf Reus ablegt. Und der macht endlich seine Bude. Brandt wusste auch über 90 Minuten zu gefallen – mit mehr Präsenz, mehr Engagement und weniger Fehlpässen. Verbesserungsbedarf besteht bei ihm nach wie vor in Zweikämpfen.

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Einer geht, keiner kommt: Dortmunds Transfer Deadline Day

Es hat doch noch geklappt: Eine Transfer-Geschichte, die sich in diesem Sommer fast so sehr zog wie das Warten auf Regen, hat ein Ende gefunden. Wie sich schon gestern andeutete, wechselt Manuel Akanji für rund 18 Millionen Euro zuzüglich möglicher Boni zu Manchester City. Der Wechselwunsch des Schweizers war seit dem Frühjahr bekannt und besprochen; Edin Terzic berücksichtigte den Innenverteidiger daher in dieser Saison nicht mehr für den Kader. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass der BVB ein Jahr vor Vertragsende (zumindest zunächst) nicht die einst bezahlte Transfersumme erlösen konnte – nicht mal bei einem Wechsel zum Scheich-Club.

Einen Ersatz für Akanji musste die Borussia nicht suchen – schließlich hat man für die Innenverteidigung schon einiges getan. Mit den aktuellen Nationalspielern Schlotterbeck und Süle, dem Ehemaligen Hummels, sowie Emre Can, Soumaila Coulibaly und Antonios Papadopoulos in der Hinterhand sind die Schwarz-Gelben gut aufgestellt. Bleibt die Frage, ob man mit den Einnahmen aus dem Akanji-Transfer heute noch etwas anderes hätte machen können und sollen.

Vernünftiges Nichtstun?

Finanziell ist die Tatenlosigkeit von Kehl, Watzke & Co sicher vernünftig. Für Anthony Modeste musste man bereits ungeplant in die Tasche greifen. Beim Gegenrechnen bleibt zwar noch etwas übrig, aber der BVB kann das Geld sicher an vielen Stellen gut gebrauchen. Zweifellos ist der Kader auch groß genug. Die Crux ist natürlich, dass es wieder mal nicht gelungen ist, mehrere Spieler loszuwerden, mit denen man nicht mehr plant. Zugegeben, das war im Fall Nico Schulz in diesem Sommer auch besonders schwierig.

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Erfolgreich in Berlin

1.Bundesliga, 4. Spieltag / Hertha BSC 0 BVB 1

Der BVB betreibt Chancenwucher im Olympiastadion und fährt am Ende mit einem Tor und drei Punkten nach Hause. Eine Story, die nicht ganz so unglaublich ist wie die vom Bremen-Spiel, aber doch überraschend – und diesmal positiv.

Für mich war es das erste Ligaspiel, das ich vollständig sehen konnte. Nicht nur für mich war es vor allem spannend zu sehen, wie die Schwarz-Gelben die einzigartig späte Pleite gegen Werder weggesteckt hatten. Personell zog Edin Terzic Konsequenzen und ersetzte Jamie Bynoe-Gittens durch den wieder fitten Karim Adeyemi. Für den noch nicht wieder ganz fitten Dahoud kam nicht wie letzte Woche Emre Can, sondern Salih Özcan ins Team. Es waren zwei richtige Entscheidungen, auch wenn Adeyemi Effektivität vermissen ließ. Umso besser gefiel der Neuzugang aus Köln: Özcan war die ordnende Kraft im Mittelfeld, die Emre Can gerade nicht ist. Obendrein bereitete er auch des Tor des Tages mit einer kurzen Flanke direkt auf den Kopf von Modeste vor.

Es war also eine Kölner Ko-Produktion, dieses 0:1 nach 32 Minuten. Der als Haller-Ersatz geholte Anthony Modeste hatte den Ball zuvor schon einmal neben das Tor gesetzt und war einmal am starken Berliner Keeper Christensen gescheitert. Doch dann zeigte er es den voreiligen Kritikern der letzten Wochen mit einem klassischen Mittelstürmer-Kopfballtor. Es ist so, wie es die besonneneren Beobachter zuletzt gesagt und geschrieben hatten: Wird Modeste mit den Vorlagen gefüttert, die er braucht, wird er Tore erzielen.

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Klare Lösungswege für BVB-Dilemma

Zu den wichtigsten Dingen, die Borussia Dortmund mittelfristig für Sebastien Heller tun kann, zählt, ihm den Weg zurück in die Mannschaft so einfach wie möglich zu machen. Wir wünschen uns alle vor allem, dass er wieder vollständig gesund wird. Egal wie lange das dauert, gibt es für den Verein zwei Alternativen, wie er Haller bis dahin ersetzen kann.

Option 1: Der BVB setzt auf die anderen Offensivkräfte. Besonders naheliegend ist das natürlich, wenn Hallers Rückkehr eher früher als später zu erwarten ist. Klar dürfte einem dabei nicht ganz wohl sein, denn Karim Adeyemi, Donyell Malen und Youssoufa Moukoko als die nominellen Stürmer haben noch nicht nachgewiesen, dass sie im BVB-Trikot regelmäßig treffen können.

Vielleicht hilft es Neuzugang Adeyemi oder dem noch so jungen Moukoko aber auch, wenn man ihnen explizit das Vertrauen als Torschützen schenkt und sie im Sturmzentrum einsetzt. In jedem Fall dürfte es die Chancen vergrößern, Letzteren zu halten, nachdem Youssoufa zuvor im Blitztempo dem schwarz-gelben Nachwuchs entwachsen war, seine Entwicklung in der ersten Mannschaft jedoch stagnierte. Edin Terzic müsste bis zum Saisonstart noch ausprobieren, in welcher Konstellation – etwa mit ein oder zwei Spitzen – Option 1 funktionieren könnte. Und natürlich bräuchten die genannten Spieler gehörig Unterstützung aus einem nachrückenden Mittelfeld.

Option 2: Die Borussia leiht einen Stürmer aus – je nach Lage für ein halbes oder ganzes Jahr. 2018 hat das mit Michy Batshuayi in einer nicht einfachen Saison solide funktioniert. Der springende Punkt: Es gibt vertraglich gebundene Offensivkräfte bei Klubs mit entsprechendem Standing, etwa in der Premier League, die dort nicht oder nicht ausreichend zum Zuge kommen, dem BVB aber vermutlich weiterhelfen könnten. Natürlich müssten Sebastian Kehl, Edin Terzic & Co abwägen, wie schnell jemand, der nicht so oft wie gewünscht gespielt hat, bei 100 Prozent wäre und wie viel eine Leihe inklusive Gehalt und möglicher Gebühr kosten würde. Passende Leihstürmer findet man zwar nicht wie Sand am Meer und jemand vom Niveau Sebastien Hellers dürfen wir wohl nicht erwarten. Jemanden auszuleihen, der mehr Torgefahr ausstrahlt als die vorhandenen Angreifer, sollte jedoch möglich sein.

Einen Stürmer für eine Ablöse fest zu verpflichten verbietet sich eigentlich angesichts der anderen Baustellen, die der BVB noch hat. Als Alternative geistert seit Kurzem der Name Luis Suarez durch das Web und die sozialen Medien, also ein vertragsloser Spieler, der den Schwarz-Gelben vermutlich sofort weiterhelfen könnte. Doch zu dieser Verpflichtung wird es wohl kaum kommen. Abgesehen von den Fragezeichen hinsichtlich seines Charakters würde Suarez wohl so gar nicht ins Gehalts- und Mannschaftsgefüge der Borussia passen.

Grundsätzlich dürfte es nur ganz wenige ungebundene Spieler geben, die die Qualität für den BVB haben und zu dessen Gehaltsstruktur passen. Und auch noch bereit für die Feuerwehrmann-Funktion sind, also einen kurzzeitigen Vertrag unterschreiben würden. Wenn der BVB eine solche „Perle“ finden sollte – her damit! Wahrscheinlich dürfte es jedoch auf Option 1 oder 2 hinauslaufen.