Die Farce ist vollendet

RB Salzburg spielt in der nächsten Saison Champions League – wenn es mal mit der Qualifikation klappen sollte. Man hieße dann plötzlich FC Salzburg. Denn nicht dass es zu Verwechslungen kommt: Ein ‚Verein‘ namens RB Leipzig spielt 2017/18 auf jeden Fall Champions League. Das hat die UEFA nun zugelassen.

Man musste naiv sein, um etwas anderes zu erwarten. Schließlich arbeiten gut bezahlte Anwälte seit einem Jahrzehnt daran, Red Bull den Weg in den Profifußball zu ebnen. Die UEFA hat wahrscheinlich gemäß ihrer Statuten richtig entschieden – nur hätten diese schon längst geändert werden müssen, um die Wettbewerbsintegrität zu schützen.

Man muss auch naiv oder ein Fanboy/-girl sein, um an die Unabhängigkeit von RB Salzburg auf der Entscheidungsebene zu glauben. Jetzt werden manche Beschwichtiger wieder auf die sportlich so tollen Leistungen in Leipzig hinweisen, auf die fairen Fans, auf die angeblich vorbildliche Nachwuchsarbeit. Abgesehen davon, dass diese Idealbilder schon Kratzer bekommen haben (Timo Werner, Auflösung der zweiten Mannschaft): Wenn sich die Frage konkret stellt, ob RB Leipzig gegen RB Salzburg in einem Pflichtspiel eine sportlich faire Begegnung sein kann, wird das Unbehagen zurückkommen. Egal, was die Statuten sagen: Ein solches Spiel sollte unmöglich sein.

Die UEFA kann die Sportlichkeit im Fußball nicht schützen. Vielleicht will sie es auch gar nicht ernsthaft, schon gar nicht in der Champions League. Nun muss man sich als Fußballfan herkömmlicher Prägung überlegen, wie man sich gegenüber dem Produkt Champions League verhalten möchte, das womöglich zwei Produkte von Red Bull beinhaltet. Ich hoffe für die Fans der Letzteren, dass sie sich bei einem RB-internen Duell wenigstens ein klein bisschen unwohl fühlen.

Alle Kritiker, die sich zu einem CL-Boykott durchringen können, obwohl sie etwa BVB- oder Bayern-Fans sind, haben meinen Respekt. Dass der Wettbewerb in Deutschland bald nicht mehr im Free-TV zu sehen sein wird, ist gegen diese UEFA-Entscheidung eine Fußnote.

Das Leben nach Eriksson

Sven-Göran Eriksson, ehemaliger Trainer der englischen Nationalmannschaft, ist unter der Woche beim chinesischen Zweitligisten Shenzhen FC entlassen worden. Per Gedicht. Der Klub veröffentlichte eine Ode in Reimen an seinen früheren Coach Wang Baoshan, der nun wieder von Eriksson übernehmen wird.

Es war nicht das einzige bizarre Kapitel in der Karriere des 69-jährigen Schweden. 2009 übernahm er den Posten des Sportdirektors beim englischen Viertligisten Notts County, dem 1862 gegründeten ältesten Profiklub der Welt. Natürlich hatte es Eriksson nicht allein die Tradition angetan. Die ‚Magpies‘, nicht zu verwechseln mit Newcastle United, die den selben Spitznamen tragen, waren gerade von einem vermeintlich finanzstarken Konsortium namens Munto Finance übernommen worden. Damals wurde verbreitet, dass wohlhabende Familien aus dem Mittleren Osten, ja sogar das katarische Königshaus über das hinter Munto stehende Unternehmen Qadback Investments zu den Investoren gehörten. Mit Hilfe der großen Geldspritze sollte der Traditionsverein den schnellsten Weg nach oben antreten.

Große Namen an der Meadow Lane

Tatsächlich wurde mächtig eingekauft. Neben diversen bei uns weniger bekannten Spielern wechselten ein junger Torwart namens Kasper Schmeichel und der 34-jährige Sol Campbell nach Nottingham. Letzterer bekam gleich einen Fünfjahresvertrag. Während sich der Kader von County füllte, blieben die vermeintlichen reichen Gönner im Hintergrund. Eine Untersuchung von Unregelmäßigkeiten bei der Übernahme des Vereins brachte schließlich die bittere Wahrheit ans Licht: Hinter Munto und Qadback steckten keine wohlhabenden Scheichs, sondern ein Netzwerk von Betrügern. Sie hatten den Magpies zwar eine Reihe von fähigen Spielern besorgt, die trotz dem Chaos hinter den Kulissen den Aufstieg in die League One schafften. Doch sie hatten auch innerhalb weniger Monate rund 10 Millionen Euro Schulden angehäuft.Weiterlesen »

Maximilian Philipp quetscht sich ins offensive Mittelfeld

Borussia Dortmund hat sich die Dienste eines 23-jährigen deutschen U21-Nationalspielers gesichert: Maximilian Philipp kommt vom SC Freiburg und unterschreibt einen Vertrag bis 2022. Seine Qualitäten?

Er ist im offensiven Mittelfeld vielseitig einsetzbar, abschlussstark und hat eine glänzende Perspektive.

Das ist der O-Ton von Sportdirektor Michael Zorc zum Transfer. So weit, so gut. Für sich genommen ist das eine Top-Verpflichtung. Der Berliner Philipp reifte in seiner Zeit in Freiburg zum gestandenen Profi, dem jetzt der nächste Schritt zuzutrauen ist.

Reden wir über das, worüber Zorc und der Verein nicht sprechen. Zunächst die Ablöse: Laut Kicker beträgt sie 20 Millionen Euro, wobei unklar bleibt, ob das ein Sockelbetrag ist oder die maximal zu erzielende Summe nach erfolgsabhängigen Aufschlägen. Für den SC Freiburg ist es in jedem Fall der Rekordtransfer, der die nicht in Abrede zu stellende Schwächung des Teams hoffentlich abmildern kann. Maximilian Philipp hält das für ihn gezahlte Geld sogar für übertrieben. Für den BVB ist es ein beträchtlicher Betrag, den sich der Klub aber natürlich leisten kann, zumal ja leider bald noch ein großer Abgang anstehen dürfte.

Schwieriger wird die Geschichte, wenn man bedenkt, dass die Borussia letztlich 20 Millionen in einen Stand-in für Marco Reus investiert. Natürlich muss man für alle Eventualitäten planen; auch dafür, dass Marco in der kommenden Saison möglicherweise erst spät eingreifen kann. Aber stehen für die drei Positionen im offensiven Mittelfeld nicht jetzt schon mehr als genug Alternativen im Kader? Das sollte man zumindest meinen, wenn man das Talent oder die gezahlten Ablösesummen dieser Spieler betrachtet: Ousmane Dembelé, Christian Pulisic, Marco und Shinji, Emre Mor, André Schürrle und Mario Götze. Sieben Mann ohne Philipp und ohne Nachwuchskräfte, die vielleicht auch mal einen Einsatz verdient hätten.

Mir fehlt da ein wenig Problembewusstsein. Beim Verein und auch bei manchen Fans. Neuverpflichtungen werden bejubelt, aber es wird kaum darüber nachgedacht, ob wir noch einen ausgewogenen Kader haben. Oft ist es deutlich schwerer, Spieler loszuwerden als sie zu verpflichten. Die Konsequenz aus dem an sich zu begrüßenden Philipp-Transfer müsste sein, dass jene Akteure, die enttäuscht haben, gehen. Etwa André Schürrle oder Emre Mor, den man im Idealfall verleihen würde. Doch vor allem bei Ersterem dürfte ein Abgang kompliziert werden.

Wie es bisher aussieht, werden auch in diesem Jahr manche Bereiche (Mittelfeld, Innenverteidigung) übervoll besetzt, andere stiefmütterlich behandelt. Ein BVB-Verantwortlicher, es könnte Michael Zorc, aber auch Jürgen Klopp gewesen sein, äußerte einmal, dass man speziell in der Außenverteidigung dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben wolle. Das hat nur bedingt geklappt. De facto ist es einfach so, dass dort eine der größten Schwachstellen der Schwarz-Gelben liegt. Marcel Schmelzer etwa ist ein solider Spieler, aber das Standing, das er im Verein und bei einem Teil der Fans genießt, korrespondiert eher mit seiner Vereinstreue als mit seinen Leistungen. Er ist nicht schlecht, aber es ginge eben besser. Das Mindeste wäre ein ernstzunehmender Konkurrent. Denn der Offensivstil, den Peter Bosz spielen möchte, verlangt einfach nach starken Außenverteidigern.

Hurra, der Holländer ist da: Peter Bosz wird BVB-Trainer

(Updated) Heute Nachmittag wurde der neue BVB-Trainer vorgestellt: Peter Bosz, bisher Ajax Amsterdam. Der 53-jährige Niederländer hat einen Zweijahresvertrag unterschreiben. Bosz spielte für kurze Zeit mal bei Hansa Rostock, dürfte aber den meisten deutschen Fußballfans erst in der abgelaufenen Saison als Ajax-Trainer ein Begriff geworden sein – wenn überhaupt. Ein aus hiesiger Sicht unbeschriebenes Blatt also – ich finde das gut.

Die Medien werden das Blatt jedoch bald füllen. Es wird bereits berichtet, dass Peter Bosz im Streit von Ajax geschieden ist. Nicht wegen des BVB-Angebots, sondern weil es unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich Taktik und Training gegeben haben soll. In Amsterdam gibt es scheinbar unterhalb der Führungsebene noch eine Reihe von Experten, die da mitreden. Dennoch glaube ich, dass dieses Hintergrundrauschen für Borussia Dortmund nicht relevant sein wird: Sicher wurden im Nachgang der Dissonanzen mit Tuchel die Kompetenzen klar geregelt. Außerdem vertritt Bosz eine Philosophie, die offensichtlich gut zum BVB passt: Er setzt auf Offensive und junge Spieler.

Die Verpflichtung beinhaltet ein gewisses Risiko und eine Ablöse fließt auch. Doch zumindest Ersteres wäre mit keinem greifbaren Trainer anders gewesen. Ich bin froh, dass wir keinen aktuellen Bundesligatrainer abgeworben haben und freue mich auf eine spannende Saison. Über Jürgen Klopp habe ich mich bei seiner Verpflichtung riesig gefreut, Thomas Tuchel habe ich sportlich für eine gute Wahl gehalten. Die Zweifel bestanden in anderer Hinsicht: „Das Einzige, was er beweisen muss, ist seine Loyalität.“ Dass Favre nicht kommt, ist absolut in Ordnung. Ich hoffe, dass ich auch bei Peter Bosz richtig liege: Er scheint ein positiver Trainer zu sein, der frischen Wind bringt. Seine Trainer-Vita mit Auf- und Abstieg, mit Europa League-Finale, sehe ich aufgrund der jeweiligen Gegebenheiten bei seinen Vereinen ebenfalls positiv.

Der erste Eindruck von der PK heute Nachmittag: erneut überaus positiv. Bosz spricht nicht nur fließend Deutsch, er bewies auch Sinn für Humor. Er war höflich, bescheiden, freundlich. Gut, diese drei Eigenschaften zeigte auch Thomas Tuchel bei seiner Vorstellung. Bei Peter Bosz wirken sie aber absolut authentisch. Vielleicht neigt man als Fan ein wenig zur Einbildung, aber die Stimmung zwischen Bosz, Aki Watzke und Susi Zorc schien sehr entspannt bis gelöst. Oder sagen wir einfach: Vom Feeling her ist das ein ziemlich gutes Gefühl.

Es entstand auch der Eindruck, dass Verein und Trainer vom Ansatz her sehr gut zusammenpassen. Bosz lässt gerne offensiv spielen, das hob auch Michael Zorc nochmals hervor. Beim BVB hat er dazu absolut die Möglichkeiten. Um nicht falsch verstanden zu werden: Kein Experte, kein Journalist und kein Fan kann seriös voraussagen, wie die Umstellung klappt. Borussia Dortmund ist einfach ein anderer Verein mit anderen Eigenschaften als Ajax, Maccabi Tel Aviv oder Vitesse. Aber das Handwerk beherrscht Peter Bosz und die menschliche Ebene scheinbar auch. Ich freue mich darauf, wenn es wieder los geht! Personell wird sich bis dahin ohnehin noch einiges tun.

Innenverteidiger 6 Trainer 0

Während das heitere Trainerraten in den Medien in vollem Gange ist, hat Borussia Dortmund laut Kicker erst mal einen weiteren Innenverteidiger verpflichtet. Dan-Axel Zagadou kommt ablösefrei aus der zweiten Mannschaft von Paris St. Germain. Heute feiert der 1,93 Meter große Franzose seinen 18. Geburtstag. Nebenher ist er übrigens Kapitän der U18-Nationalmannschaft Frankreichs. Er gilt als stark in der Abwehr, beim Kopfball, aber auch in der Spieleröffnung.

Das hört sich alles vielversprechend an, zumal wir ja schon mindestens zwei aus Frankreich kommende Spieler in unseren Reihen haben. Zagadou ist Stand jetzt allerdings schon der sechste Innenverteidiger für die nächste Saison, wenn man Sven Bender mitzählt. Nun wird allenthalben spekuliert, dass Matthias Ginter wechseln könnte, etwa nach Hoffenheim. Dennoch wird der Konkurrenzdruck in der Abwehrzentrale hoch sein. Es sei denn, die Vereinsführung weiß etwas, was sonst noch niemand weiß. Perspektivisch und für sich genommen macht der Wechsel natürlich absolut Sinn. Nun wird es aber Zeit, sich mal um die Außenpositionen in der Defensive zu kümmern.

Doch natürlich bleibt die spannendste Frage, wer Thomas Tuchel nachfolgt. Lucien Favre, der von Kicker, Bild und anderen schon beinahe in Dortmund gesehen wurde, war unpässlich. OGC Nizza hat seinem Übungsleiter die Freigabe verweigert. Das ist ihr gutes Recht und ich bin erleichtert. Die neuen Favoriten des Kicker: Peter Stöger und Peter Bosz. Die L’Equipe hatte noch Giovanni van Bronckhorst ins Rennen geschickt, was laut Kicker jeder Grundlage entbehrt. Aktueller Stand, nachdem Stöger wenig Neigung zeigt, aus Köln wegzugehen: Man ist in Gesprächen mit Peter Bosz. Er sei nun Favorit, schreiben unter anderem die Welt und der Kicker. Nicht zu vergessen allerdings: Bosz ist erst ein Jahr bei Ajax und hatte bisher nicht zu erkennen gegeben, schon wieder wechseln zu wollen. Der Kicker kann jetzt nur hoffen, dass sich Bosz noch eines Besseren besinnt.

Noch ein paar letzte Gedanken zu unserem Ex: Ich frage mich nach wie vor, ob man die Differenzen nicht im Gespräch hätte ausräumen können. Meinetwegen an einem großen runden Tisch mit allen Beteiligten. Doch man darf auch nicht die Hinweise übersehen, dass es mit Tuchel wirklich schwierig war. Ein Indiz dafür ist sein Ende beim BVB: Da eröffnet er am Morgen des „Bilanzgesprächs“ noch einen Twitter-Account, um als Erster seine Entlassung zu verkünden. Das ist einerseits infantil, andererseits das Verhalten eines Kontrollfreaks. Mal sehen, wie es mit Thomas Tuchel weitergeht.

An diesen Tag werden wir noch denken: Tuchel weg

Borussia Dortmund und sein bisheriger Trainer haben heute Mittag bestätigt, dass die Zusammenarbeit sofort und somit ein Jahr vor Vertragsablauf beendet wird. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, soll der griechische Philosoph Sokrates gesagt haben. Diese Erkenntnis täte im Fall Tuchel auch vielen Sportjournalisten und manchem Fan gut. Der Verein hat nämlich nicht vor, an diesem Wissensstand der Öffentlichkeit etwas zu ändern, wie in der oben verlinkten Mitteilung deutlich wird. Hans-Joachim Watzke hat sich etwas später in einem offenen Brief an Mitglieder und Fans des BVB gewandt. Der zentrale Satz:

Wir haben in der gegenwärtigen personellen Konstellation leider keine Grundlage mehr für eine auf Vertrauen ausgelegte und perspektivisch erfolgreiche Zusammenarbeit gesehen.

Was aus der offiziellen Stellungnahme des Klubs deutlich wird oder werden soll: Die Entfremdung war ein längerer Prozess, der schon vor dem Bombenanschlag begann. Die Entlassung wird angeblich „von allen Klubgremien“ getragen. Ihre Ursache war nicht nur eine Meinungsverschiedenheit zwischen Tuchel und Watzke. Und den Entscheidern ging es um das Wohl des Vereins, „den viel mehr als nur der sportliche Erfolg ausmacht“.

Damit will man den Vorwürfen entgegentreten, die jetzt unweigerlich kommen: Dass man den vom Punkteschnitt erfolgreichsten BVB-Trainer entlässt, der soeben den ersten Titel seit fünf Jahren geholt hat. Glaubhaft an der Verlautbarung ist sicher, dass es nicht nur eine Privatfehde zwischen zwei Alphatieren war, die zu der Entscheidung geführt hat. Davon konnte man spätestens nach den Äußerungen von Marcel Schmelzer am Samstag ausgehen. Diese hätte der BVB-Kapitän nicht getätigt, wenn er nur einmalig mit einer Personalentscheidung des Trainers unzufrieden gewesen wäre.Weiterlesen »

Vier gewinnt: Dortmund holt den Pott

DFB-Pokal, Finale / Eintracht Frankfurt 1 BVB 2

Mancher wird einfach nur gedacht haben: endlich. Manchem fehlte spielerischer Glanz. Doch wer wären wir denn, wenn wir uns über einen verdienten Pokalsieg – und den ersten echten Titel seit fünf Jahren – nicht mehr richtig freuen könnten? Genau, die Bayern. Mit einer weiteren Auba-Show zum wahrscheinlichen Abschied hat die so ganz andere Saison ein grandioses Ende gefunden.

Drei Gedanken zum Spiel

Natürlich, es war ein Arbeitssieg. Angesichts der vielen zusehenden Länder keine Werbung für eine neue Art von Fußball wie in den erfolgreichsten Klopp-Jahren. Aber die Konstanz aus 2011 und 12 ist passé und dafür gibt es zu akzeptierende Gründe. Nach der frühen Führung durch Dembelé, dessen Tor ein wenig an München erinnerte, machten es die Frankfurter dem BVB im Mittelfeld schwer. Der Spielaufbau der Schwarz-Gelben bestand nach der ersten Viertelstunde weitgehend aus langen Bällen.

Doch in der zweiten Hälfte gewann die Borussia ihre Dominanz zurück und die Zahl der Torschüsse, 12:8 für Schwarz-Gelb, spiegelt auch das Endergebnis wieder. Pierre-Emerick Aubameyang wurde nach Reus‘ verletzungsbedingtem Ausscheiden zum Mann des Spiels. Ein Fallrückzieher, der fast zum Tor des Jahres geworden wäre und nur mit Mühe von einem Frankfurter an die Latte gelenkt wurde. Ein weiterer Schuss ans Aluminium. Und eben der cool verwandelte Elfmeter, als ob es nie zuvor Fehlschüsse gegeben hätte. Traurig, ihn vielleicht bald nicht mehr in unseren Farben zu sehen.Weiterlesen »

Das ist eure Chance!

Was nächste Woche bei Borussia Dortmund passiert, könnte spektakulär sein. Medial sogar spektakulärer als das Pokalfinale. Doch je kleiner die Schatten, die diese Ereignisse vorauswerfen, desto besser. Denn die Partie gegen Eintracht Frankfurt morgen Abend im Olympiastadion ist nicht nur ein sportliches Highlight, sondern könnte auch richtig wichtig für die Zukunft der Borussia werden.

Die größten Namen beim BVB sind auch dort, um Titel zu gewinnen. Sokratis und Marco Reus gehören zu denen, die im positiven Sinn nach einem Erfolg gieren. „Wir wollen dieses Finale gewinnen. Wenn wir das nicht schaffen, wäre das verdammter Mist“, sagte ‚Papa‘ bei DerWesten.de. Und natürlich will auch Marco endlich seine erste Trophäe:

Ich freue mich tierisch auf das Spiel und bin unglaublich optimistisch. Wir haben in diesem Jahr viele negative Sachen erlebt und sind trotzdem immer rausgekommen.

Er sieht vergangenes Scheitern als Chance: „Wir haben schon ein paar Finals gespielt – das müssen wir am Samstag auf dem Platz zeigen.“

Die Entschlossenheit und das Gefühl, endlich wieder dran zu sein, stimmen optimistisch. Aber sollten es die Schwarz-Gelben auch mit ihrer ganzen Qualität und gegen den Rückserienletzten der 1. Bundesliga nicht schaffen, könnten Spieler ins Grübeln kommen. Nicht unbedingt Sokratis oder Reus. Sondern auch gefragte Leute, die der Verein verpflichten will – und für die ein Argument die Titelchancen sind. Der Weg und ein weiterer Umbruch könnten schwieriger werden, wenn der BVB dieses Endspiel verlieren sollte.

Doch ich glaube, dass Fans wie Spieler die nächste Woche und die nähere Zukunft noch mindestens 48 Stunden ausblenden können. Berlin ist eine Feier wert. Die Straßen füllen sich bereits mit Menschen in Fußballtrikots. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz beider Vereine vor dem Pokalfinale gab es positive Personalmeldungen von beiden Seiten: Bei der Eintracht sind Innenverteidiger Jesus Vallejo und Torjäger Alex Meier wieder fit – wobei Letzterer auch als Joker in Frage kommt. Es fehlen aber Hasebe und Mascarell. Thomas Tuchel kann mit Marco Reus und Lukasz Piszczek planen, Kapitän Schmelzers Einsatz dürfte sich im Abschlusstraining entscheiden.

Wir dürfen uns auf eine großartige, hoffentlich friedliche Stimmung im Olympiastadion freuen. Es wäre schön, wenn man nachher von einem ungetrübten Fußballfest sprechen könnte. Ganz sicher wird die Eintracht mit vollem Einsatz in dieses Spiel gehen und die Borussia muss darauf spielerische Antworten finden. Und Favorit hin oder her, sollten die schwarz-gelben Jungs den Pokal holen, haben sie etwas Großartiges geschafft. Um das zu verstehen, muss man sich nur die letzten Monate noch mal ins Gedächtnis rufen. Und DAS Tor von Ousmane Dembelé aus dem Halbfinale.

Die goldene Generation: BVB ist Deutscher Meister

Geht doch: Borussia Dortmund schlägt den FC Bayern im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Im Westfalenstadion, vor Rekordkulisse – 33.450 Zuschauer, darunter sogar einige Bayern-Fans, sahen das Finale der A-Junioren. Die beiden Teams schenkten sich nichts, doch während es in der ersten Halbzeit noch ausgeglichen zuging, verdiente sich der BVB schon gegen Ende der regulären Spielzeit den späteren Sieg. In der Verlängerung waren keine spielerischen Leckerbissen mehr zu vermelden, auch wenn Bayerns Awoudja ein Abseitstor köpfte und Dortmunds Bulut kurz vor Schluss knapp verzog.

Dann also Elfmeterschießen. Auf die Südtribüne, entschied das Los. Schon beim zweiten Schuss zeigte Bayerns Matthias Stingl eine Hommage an Philipp Lahm, rutschte weg und zielte drüber. Doch auch Alexander Schulte traf nicht. Und so mussten acht Schützen von jedem Team antreten, ehe Timothy Tillmanns Schuss in die Mitte von BVB-Keeper Bansen mit den Füßen abgewehrt wurde. Und dann traf Innenverteidiger Amos Pieper…

Es ist also eine Tatsache, dass Borussia Dortmund bei den A-Junioren derzeit das Maß aller Dinge darstellt. Insgesamt ist der Jugendbereich sehr gut aufgestellt. Ob das jetzt an Lars Ricken oder den vielen guten Trainern liegt, ist egal. Es war allerdings ein bestimmter Jahrgang, die Klasse von 1998 um Felix Passlack und Dzenis Burnic, der alle anderen überragte und vier Meisterschaften in Folge einfuhr. Jetzt geht es darum, den Erfolg mit anderen Spielern und Altersstufen so gut es geht zu bestätigen. Und natürlich darauf zu hoffen, dass die Durchlässigkeit zu den Profis sich nach Möglichkeit noch vergrößert.

The beautiful game: BVB gewinnt wieder Endspiel gegen Bremen

1. Bundesliga, 34. Spieltag / BVB 4 Werder Bremen 3

Vor 15 Jahren holte sich Borussia Dortmund am letzten Spieltag gegen Werder Bremen nach Rückstand noch die deutsche Meisterschaft. Gestern ging es ’nur‘ um die Champions League-Teilnahme, doch die Partie überbot die von 2002 noch an Spektakel. Das lag am unbedingten Willen, an der Offensivstärke und an gravierenden defensiven Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten.

Drei Gedanken zum Spiel

Fangen wir mit dem Negativen an: Die Abwehr hat kein Spitzenniveau. Natürlich traf man auf Bremer Seite in Max Kruse auch auf jemanden, der zurzeit auf Topniveau spielt. Doch die eklatante Anfälligkeit bei Kontern – natürlich Mittel der Wahl von Werder – darf so nicht sein. Da mangelte es am Positionsspiel und in der Folge an der Fähigkeit, eine Abseitsfalle zu stellen. Natürlich findet man in fast jedem Spiel auch Entschuldigungen. So fiel Marcel Schmelzer kurzfristig aus und wurde durch den gefeierten Rückkehrer Marc Bartra ersetzt. Der musste gleich Dreierkette spielen, fand sich aber immerhin nach und nach besser zurecht. Anstelle von Julian Weigl spielte wie erwartet Nuri Sahin, konnte aber nicht vollständig überzeugen.

Mehr und mehr gelangt man also zur Erkenntnis: Ja, die Viererkette hat personelle Verstärkung nötig. Aber nicht nur in der Innenverteidigung. Und vielleicht muss man taktisch auch etwas vorsichtiger agieren.Weiterlesen »