Phönix an der Decke?

Eine mehrjährige Erfolgsgeschichte ist ins Stocken geraten: Als ich im Juni 2018 zuletzt über den englischen Phönix-Club Hereford FC schrieb, war der Nachfolger des insolventen Hereford United gerade zum dritten Mal in drei Jahren, und damit in jedem Jahr seiner Existenz, aufgestiegen. Seither spielen die „Bulls“ in der sechstklassigen National League North und sind nicht vorangekommen. Das ist bei dem vorherigen rasanten Aufschwung eigentlich normal und verzeihlich, doch die Erwartungen bei manchen Vereinsvertretern und Fans waren offenbar schneller gewachsen als die sportliche und strukturelle Leistungsfähigkeit.

Hereford FC möchte vieles anderes machen als der Vorgängerclub und eigentlich nicht mehr abhängig von einzelnen Besitzern oder Geldgebern sein. Die Mitglieder des Hereford United Supporters Trust sind der größte Anteilseigner, haben aber aufgrund der eigenen finanziellen Möglichkeiten noch nicht die angestrebten und laut Statuten maximal möglichen 50 Prozent erreicht. Einzelpersonen oder Gruppen dürfen maximal 24 Prozent halten.

Trainer-Roulette und Familienbande

Der Verein hat schon einiges erreicht – so spielt die Frauenmannschaft gerade ihre sehr ordentliche zweite Saison in der siebtklassigen Midwest Counties Female Football League. Bei den Herren hat sich die überstürzte Entlassung des dreimaligen Aufstiegstrainers Peter Beadle im September 2018 nicht ausgezahlt. Zu dieser Zeit standen die Bulls im Mittelfeld der Liga, auf Platz 12. Keiner der Nachfolger brachte konstanten Erfolg mit. Zunächst versuchte sich Marc Richards auf der Trainerbank, eingesetzt von seinem Schwiegervater Tim Harris, der zuvor Fußballdirektor geworden war. Richards hielt gerade so bis in die aktuelle Saison durch, wurde Mitte August 2019 entlassen.

Harris holte danach den alten Haudegen Russell Slade, der auch schon höherklassig trainiert hatte. Doch auch Slade schaffte es nicht, die Bulls aus den unteren Tabellenregionen zu führen und musste am 20. Januar 2020 gehen. Fußballdirektor Harris war bereits im November zurückgetreten und seine Position wieder gestrichen worden. Derzeit arbeitet ein interessantes Duo an der Besserung der Situation, noch interimsweise. Zum Cheftrainer wurde der 36-jährige Verteidiger Josh Gowling ernannt, der seit Dezember 2018 für Hereford gespielt hatte. Gowling wiederum holte den 60-jährigen Steve Burr, seinen ehemaligen Trainer bei den Kidderminster Harriers, als Assistenten.

Ansehnliches Unentschieden

Seit Gowlings Amtsantritt hat Hereford zu Hause dreimal Remis gespielt und die einzige Auswärtspartie in Alfreton verloren. Eines der Hauptprobleme: fehlende Tore. Deswegen wurde in dieser Woche noch Demitri Brown verpflichtet, der beim Toreschießen gerade einen Lauf hat – allerdings drei Klassen tiefer bei Worcester City. Brown stand an diesem Samstag noch nicht auf dem Platz, als die Bulls an der heimischen Edgar Street gegen Darlington das zweite 2:2 hintereinander verbuchten. Josh Gowling und Mittelfeldspieler Jacob Jagger Cane zeigten sich hinterher enttäuscht, dass die in den letzten zehn Minuten erzielte 2:1-Führung nicht über die Zeit gebracht werden konnte. Doch nicht nur sie, sondern auch die Fans im Vereinsforum freuten sich über ein äußerst unterhaltsames und von Hereford engagiert geführtes Spiel.

Unmittelbare Abstiegsgefahr besteht derzeit bei neun Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz nicht. Aber verlegte Spiele (unter anderem kämpfte die Grafschaft Herefordshire zuletzt mit den schlimmsten Überflutungen seit langem) haben dazu geführt, dass auf das nächste Heimspiel gegen Aufstiegsaspirant Altrincham gleich vier Auswärtspartien folgen. Leichter wird es also nicht und doch darf man wohl optimistisch sein, dass der Phönix keinen Absturz erlebt.

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