Rose-Terzic-Conundrum

Es gibt wohl kaum einen BVB-Fan, der nicht spätestens jetzt Edin Terzic mag: Nach Pokalsieg und Platz 3 in der Liga hat die Borussia endlich wieder einen erfolgreichen und netten Trainer mit Stallgeruch. Doch nach aktuellem Stand rückt Terzic im Juli wieder ins berühmte zweite Glied – hinter Marco Rose und neben dessen Co-Trainer Alexander Zickler und Rene Maric. Die genaue Aufteilung der Kompetenzen – sollte es bei dieser Konstellation bleiben – ist noch nicht bekannt.

Viel ist bereits über dieses mögliche Set-up geschrieben worden. Es ist ungewöhnlich, spricht aber Bände über die Vereinsbindung von Edin Terzic. Man kann eher das Risiko von schnell aufkeimender Unruhe sehen oder die positive Seite: eine eigentlich komfortable Situation für den BVB. Sollte es wirklich wann auch immer ganz schlecht mit Marco Rose laufen, bräuchte der logische Ersatzmann wenig Anlaufzeit. Ich persönlich denke nicht, dass Rose in ein paar Monaten das Führen einer Mannschaft verlernt hat.

Die Zahlen sprechen für sich

Terzic wiederum hat in dieser Saison gezeigt, dass er es drauf hat. Gegenüber März, als bei Any Given Weekend ein erster Artikel zur Frage „Rose oder Terzic?“ und eine Zwischenbilanz zu Edins Zeit als Chef-Trainer erschien, hat sich seine Statistik klar verbessert. Inzwischen liegt sein Punkteschnitt deutlich vor dem von Favre in dieser Bundesliga-Saison (1,96 zu 1,73). Es war jedoch keine freie Fahrt für Terzic und die Mannschaft. Ja, der BVB hat mit großem Abstand die zweitmeisten Tore (75) geschossen. Doch das kurz nach seinem Amtsantritt von Terzic geäußerte Credo, ihm sei es wichtiger, die Mannschaft schieße ein Tor mehr als der Gegner als eins weniger zu kassieren, hat sich am erfolgreichen Ende der Saison nicht mehr so deutlich in der Spielweise niedergeschlagen. Da ließ die Borussia – ob freiwillig oder nicht – öfter als früher den Gegner spielen und konterte sich im Idealfall zum Tor. Trotzdem, und das ist entscheidend, gelangen in der Rückserie mehr Treffer als in der ersten Saisonhälfte (42/33).

Wichtig, wenn auch nicht in jeder Partie offensichtlich: Der neue Trainer erreichte die Spieler wohl besser als Lucien Favre. Dafür gibt es keinen Beweis, es lässt sich aber aus Äußerungen schließen. Akustisch steht ohnehin außer Frage, wer sich im Stadion besser Gehör verschaffte. Die Anfeuerung durch Terzic war in der Regel über die volle Länge der BVB-Spiele auch vor dem Fernseher vernehmbar. Wie groß der Anteil des Trainers an der Rückkehr Jadon Sanchos und später von Marco Reus zu alter Form war, lässt sich schwer beantworten, doch sie vollzog sich unter Terzics Führung und war ein entscheidender Faktor.

Edin Terzic wie auch Marco Rose kommen in Interviews und auf Pressekonferenzen nett und jovial rüber. Natürlich sprach Terzic besser Deutsch als Lucien Favre und konnte daher pointierter und ausführlicher antworten. Doch er ließ sich ebenfalls nicht gerne in die Karten schauen und es sich nicht nehmen, wiederkehrende Standardfragen auch mal nicht zu beantworten. Kein Traum für (Boulevard-)Journalisten, aber gut nachvollziehbar für Fans.

Die Lösung des Trainer-Rätsels: Es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Scheitert Rose, kommt Terzic. An Terzic wird Rose nicht scheitern. Eine schwächere Phase mit einem schwächer besetzten Verein lässt Rose nicht ungeeignet als BVB-Trainer werden. Schon bald werden die Spieler-Transfergerüchte wieder spannender sein als das Rose-Terzic-Conundrum.

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