Winter-Transfers: Hier funktionieren sie doch

Das Transferfenster im Januar hat einen bescheidenen Ruf. Niemand mag es so richtig, viele Trainer empfinden es als störend – vor allem in den Ländern, in denen der Ball im Winter durchgehend rollt. Es ist naheliegend, dass vor allem zwei Sorten Vereine im Januar auf dem Transfermarkt zuschlagen: die, bei denen es in der Hinserie so gar nicht gelaufen ist und jene, die sich keine Gedanken über Geld machen müssen. Andere, wie etwa der BVB, verfeinern zu dieser Zeit höchstens ihren Kader – oder nutzen eine einmalige Gelegenheit wie bei Erling Haaland.

Für die Krisenklubs bringen die winterlichen Nachverpflichtungen unterdessen häufig nicht die erhoffte Trendwende. Doch es geht auch anders: Den Bolton Wanderers in Englands drittklassiger League One scheint nach 2021 erneut eine fantastische Transferphase gelungen zu sein. Im Vorjahr standen die Trotters Anfang Januar auf dem 16. Platz der League Two und stiegen am Ende als Dritter auf. Niemand zweifelt daran, dass die klugen Verpflichtungen zu Beginn des Jahres eine entscheidende Rolle dabei spielten.

Oops, they did it again!

In diesem Jahr scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Bolton hatte einen für einen Aufsteiger sehr ordentlichen Saisonstart. Doch nach der Niederlage am Neujahrstag in Rotherham stand man plötzlich nur noch drei Punkte vor den Abstiegsrängen auf Platz 18. Dazu hatten auch Covid und Verletzungen beigetragen. Trainer Ian Evatt ließ keine Zeit verstreichen und hat bis zum Transfer Deadline Day bereits sechs Spieler verpflichtet sowie die Leihe des vom HSV ausgeliehenen Flügelspielers Xavier Amaechi verlängert.

Die Ergebnisse im Januar: Einer 0:2-Niederlage gegen die Wycombe Wanderers folgten ein 2:0 gegen Ipswich Town, ein 0:1-Auswärtssieg in Shrewsbury und am Samstag das unbestrittene Highlight – ein 6:0 im heimischen University of Bolton Stadium gegen Sunderland. Dabei zählen die „Black Cats“ ebenso wie Ipswich zu den vermeintlichen Favoriten der Liga. Noch ist es nur der 14. Platz, auf den die Whites geklettert sind. Doch sie haben auch ein bis zwei Partien weniger gespielt als die meisten Teams vor ihnen – in dieser Tabelle ist noch Raum für Klettertouren.

Ein 6:0 für die Ewigkeit

Unbestreitbar hat auch die Genesung schon unter Vertrag stehender Spieler zum Aufschwung beigetragen. Unbestreitbar sind drei Siege in Folge noch keine allzu aussagekräftige Serie. Doch selbst, wer nur den Knaller gegen Sunderland am Samstag gesehen hat, kann erahnen, zu was dieses Team plötzlich in der Lage ist. Der neue Stürmer Dion Charles lupfte bei seinem 1:0 den Ball sehenswert über Bayern-Leihgabe Ron-Thorben Hoffmann im Tor der Black Cats und legte später noch das 3:0 nach. Auf dem rechten Flügel war Marlon Fossey unterwegs, eine Leihgabe vom Zweitligisten Fulham und ein Spieler, der nicht nur die nötige Geschwindigkeit für seine Rolle mitbringt, sondern auch technisch überzeugt. Das 4:0 war für League One-Verhältnisse ein traumhafter Spielzug, den mit Kieran Lee einer der im Januar 2021 gekommenen Akteure vollendete.

Im Mittelfeld empfahl sich Aaron Morley, gekommen aus Rochdale, für weitere Einsätze. Und im Tor stand mit James Trafford ein 19-Jähriger aus dem Nachwuchs von Manchester City, der in seinen drei bisherigen Einsätzen ohne Gegentor blieb. Dabei hatten viele Fans auf einen erfahreneren Mann gehofft, da der bisherige Stammkeeper Joel Dixon zwar bereits 28 Jahre alt ist, aber aus dem semi-professionellen Bereich nach Bolton kam und zuletzt ein paar Mal geschwächelt hatte. Trafford ist nur bis Saisonende ausgeliehen – gut möglich, dass die einst kritischen Stimmen dann froh über eine dauerhafte Verpflichtung wären.

Stürmer Charles war indes ebenso ein permanenter Transfer wie Aaron Morley. Auch der isländische Stürmer und Nationalspieler Jon Dadi Bodvarsson (von Millwall) und Offensivmann Kieran Sadlier (aus Rotherham) kommen für mehrere Jahre. Trainer Evatt besteht trotzdem darauf, dass alle Verpflichtungen vernünftig finanziert werden könnten und der Verein nie mehr über seine Verhältnisse leben würde wie in der Vergangenheit. Nach allem, was man von der bodenständigen Vorstandsvorsitzenden Sharon Brittan weiß, ist man geneigt, dem zu glauben.

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