Watzkes wahrer Klartext

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat nichts gegen ein wenig Rampenlicht. Man tut ihm nicht unrecht, wenn man sagt, dass es ihm behagt, in seiner Position beim Verein häufiger als früher zu regionalen und nationalen Fußball-Themen befragt zu werden. Nicht alles, was er geantwortet oder von sich aus vorgebracht hat, konnte man unterschreiben. Ich denke da beispielsweise an die von ihm angeregte Verteilung der Fernsehgelder nach Zuschauer- bzw. Fanzuspruch.

Doch nun hat ‚Aki‘ Watzke den „Ruhr Nachrichten“ sein bestes Interview gegeben, das ich gelesen habe. In ihm verbinden sich Realismus, gesunde, aber nicht zu große Bescheidenheit und westfälische Direktheit. Nicht, dass er etwas Revolutionäres von sich gegeben hätte – doch mir imponiert das unbeirrbare Festhalten am Dortmunder Weg, egal was von allen möglichen Seiten wieder gequatscht wird. Auf die Frage, ob es in der Liga nur noch um Platz zwei gehe, antwortet der Geschäftsführer:

Mich hat gewundert, dass viele Experten am Anfang der Saison anderer Meinung waren. Für mich besitzen die Bayern immer die höchste Wahrscheinlichkeit, Deutscher Meister zu werden. Man muss sich immer an Fakten orientieren.

Und liefert die Erklärung, die ob ihrer Banalität häufig unter den Tisch fallen gelassen wird, gleich mit:

Uli Hoeneß hat gesagt, man werde so viel Geld ausgeben, bis Bayern wieder die Nummer 1 in Deutschland ist. Also haben sie 70 Millionen Euro in die Hand genommen und ihre Mannschaft noch einmal brutal aufgerüstet. Man darf sich also nicht wundern, dass sie so gut dastehen.

Ebenso aus dem Herzen spricht mir sein Plädoyer für eine differenzierte Sichtweise von Spielen und Ergebnissen.

Im Fußball beschäftigt man sich heute nur noch mit Äußerlichkeiten, aber nicht mehr mit dem Spiel. Hast du zwei Spiele in Serie nicht gewonnen, werden deine Argumente nicht mehr gehört. Dann heißt es sofort: Der führt eine Alibidiskussion.

Selbst wenn Watzke bald mal wieder daneben liegen sollte: Nie im Leben, für keine Sekunde würde ich ihn mit dem ach so erfolgreichen Uli Hoeneß tauschen wollen.

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4 Gedanken zu “Watzkes wahrer Klartext

  1. Wäre dem so, dann wäre jetzt der BvB Rekordmeister, Rekordpokalsieger, reichster Klub Deutschlands, international unter dem Top5 und mehrfacher Europacup-Sieger. Stellt sich also die Frage, ob man da wirklich keinesfalls tauschen wollen würde?!

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  2. Der letzte Satz ist meine persönliche Meinung, ein Gefühl. Ich bestreite doch nicht Hoeneß‘ Erfolge, nur ist das für mich nicht das einzig Ausschlaggebende. Er mag noch die ein oder andere weitere positive Eigenschaft haben, wie die vielzitierte Hilfsbereitschaft, aber ich kann einfach diese ständige Großkotzigkeit nicht ab. Das übersteigt für mich einfach das normale Maß an Selbstbewusstsein, das du im Fußball natürlich haben musst. Und vor allem deswegen wollte ich ihn nicht beim BVB haben.

    @FernglasFCB: Die Erfolge, die du aufzählst, sind natürlich beeindruckend. Aber neben dem schon Gesagten möchte ich hier noch anmerken, dass Watzke deutlich kürzer im Amt ist. Mal sehen, was in 15 Jahren ist …

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