Die wahren Bullen

Die „Bullen“ sind ein drei Jahre alter Traditionsverein. Wir reden hier natürlich nicht von Leipzig – die gibt es ja schon seit 2009. Die echten Bullen aber sitzen im Westen Englands, unweit der Grenze zu Wales. Und das nicht nur, weil aus der Grafschaft Herefordshire tatsächlich das weltweit bekannte Hereford-Rind stammt. Aus der 56.000-Einwohner-Stadt Hereford kommt auch der gleichnamige Fußballverein, der seit 2014 existiert, aber einen weitaus älteren Vorgänger hat.

Hereford United, gegründet 1924, war sportlich gesehen der Stolz der ländlichen, vergleichsweise abgelegenen Region – ohne allerdings jemals in der höchsten nationalen Spielklasse gespielt zu haben. Mit Shrewsbury Town aus der benachbarten Grafschaft Shropshire trug der Klub eines der heißeren englischen Derbys aus. Doch im Dezember 2014 endete seine Geschichte aufgrund siebenstelliger Schulden, die nicht bedient werden konnten. Nach dem sportlichen Abstieg in die fünfte Liga war man im Sommer wegen der finanziellen Lage bereits in die siebtklassige Southern Premier League zurückgestuft worden.

Genau dort spielt heute Hereford FC, ein so genannter Phönix-Club, gegründet von Fans und lokalen Geschäftsleuten. Bekanntere Vorbilder sind der FC United of Manchester und AFC Wimbledon, die allerdings aus anderen Motiven gegründet wurden. In Hereford bedeutete die Auflösung von United tatsächlich das Ende des halbwegs professionellen Fußballs.

Das wollten zum Glück einige Menschen verhindern, unter ihnen der Geschäftsmann Jon Hale und die Mitglieder des Hereford United Supporters Trust. Nur wenige Tage nach dem Aus für United wurde der Name Hereford FC beim Fußballverband von Herefordshire registriert; bis zum Ende der Saison 2014/15 war alles bereit für den sportlichen Neustart. Die Idee ist, dass der Hereford United Supporters Trust (HUST) auf Sicht der größte Anteilseigner der Bulls wird. In der Satzung ist festgelegt, dass keine Einzelperson oder Firma mehr als 49 Prozent am Verein halten kann – 50+1 als Vorbild.

Der nationale Verband FA platzierte Hereford FC zunächst in der neuntklassigen Midland Football League Premier Division. In den ersten zwei Spielzeiten der neuen ‚Bulls‘ gelangen unter Trainer Peter Beadle zwei Aufstiege. Der stämmige, bärtige Beadle wirkt wie der Prototyp eines Übungsleiters für unterklassige Vereine mit Ambitionen. Und auch die Fans haben die Neugründung angenommen. Mit einem Schnitt von über 2300 hat Hereford nicht nur mit Abstand die meisten Zuschauer in der Southern Premier League, sondern gehört sogar zu den Top 10 außerhalb von Premier und Football League (Ligen 1 bis 4). Am heutigen Neujahrstag kamen über 3000 ins Stadion an der Edgar Street – gegen den Tabellen-16. Redditch United.

Die Partie endete 5:2 für den Favoriten und Gastgeber. Der Tabellenvierte Hereford hat noch vier Spiele weniger als die Mannschaften vor ihm, aber nur fünf Punkte Rückstand auf den Tabellenführer Kettering Town. Grund für weiteren Optimismus also.

Die Bullen aus Hereford sind mit fast allem was sie machen die Antithese dessen, was die roten Artgenossen in Leipzig veranstalten. Und damit natürlich die einzig Wahren. Dem Energy Drink-Konzern hat schließlich niemand verboten, ein vergleichbares Projekt von den Graswurzeln an zu unterstützen. In diesem Sinne: ein gutes neues Jahr allen Lesern von Any Given Weekend – mit gutem, echtem Fußball!

(Quelle: Wikipedia)

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2 Gedanken zu “Die wahren Bullen

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