Mats Hummels, mach‘ den Trainerschein!

1. Bundesliga, 11. Spieltag / BVB 1 VfB Stuttgart 5

Nach einer ärgerlichen knappen Niederlage gegen Köln erlebt Borussia Dortmund im folgenden Heimspiel ein Desaster und geht gegen den Aufsteiger VfB Stuttgart mit 1:5 unter. Die beste Analyse kommt kurz nach dem Spiel von Mats Hummels – auf dem Platz hatten seine analytischen Fähigkeiten leider keine Auswirkung.

Die Worte zum Spiel

Hummels nannte die offensichtlichen Gründe für die Niederlage – entscheidende Ballverluste vor drei Gegentoren gegen einen starken VfB. Aber er ging auch so in die Tiefe, wie man es von Lucien Favre nicht nur wegen der Sprachbarriere nicht hören wird:

Wir versuchen immer klein-klein durch enge Räume durchzuspielen und haben dabei eine riesig hohe Ballverlustquote. (…) Es ist zu viel ‚Geschnicke‘, würde ich sagen, wir haben zu wenig Tiefe im Spiel, kommen zu wenig entgegen und provozieren so die eigenen Ballverluste.

Das sei kein sinnvoller Fußball, meinte Mats und erläuterte, dass die Schwarz-Gelben oft in den falschen Räumen Risiko spielten: Dort, wo es wenig bringt, aber schnell gefährlich werden kann. All das konnte man gegen den VfB erkennen, aber so eine Zusammenfassung musst du Minuten nach der Partie erst mal bringen. Als Spieler. Da stellt sich die Frage, ob Mats Hummels nicht auf der Trainerbank gut aufgehoben wäre – auch wenn er dem BVB derzeit in der Abwehr noch arg fehlen würde. Längerfristig aber ein charmanter Gedanke – obwohl ich etwas daran zweifle, dass Mats diesen Karriereschritt anstrebt.

Starker Gegner mit guter Taktik

Man muss heute auch hervorheben, wie gut der VfB war: kompakt, schnell, mit den richtigen Entscheidungen im Spiel nach vorne. Und mit spielerischer Qualität. Doppelpacker Silas Wamangituka ist ja sowieso ein Mann der Stunde, aber auch Tanguy Coulibalys Treffer (zum 1:4) war sehenswert. Natürlich standen die Gäste oft tief, natürlich musste der BVB nach dem erneuten Rückstand in Hälfte 2 mehr Räume anbieten. Aber die einen machten es heute gut und die anderen sehr schlecht.

Giovanni Reyna war nicht nur wegen seines tollen Tores der – relative – Lichtblick in einer schwarz-gelben Offensive, die genau die von Mats Hummels angesprochenen Probleme offenbarte. Natürlich fehlt bei Sancho und Reus momentan auch einfach die Form. Genauso natürlich hat bei fünf Gegentreffern die Defensive ebenfalls nicht alles richtig gemacht. Beispielsweise bei VfB-Tor Nummer 3. Und dann die Fehlpässe: Eine Passquote von 87 Prozent hört sich zunächst gut an, aber bei 743 gespielten Pässen waren da eben ein paar entscheidende schlechte dabei.

Und der Trainer?

Spätestens nach dieser Partie muss Lucien Favre erkannt haben, dass mit diesem Personal kein Spiel ohne echten Stürmer funktioniert. Hätte Thorgan Hazard zur Verfügung gestanden, hätte man ihn ganz nach vorne schicken können. So aber wären eine viel frühere Einwechslung oder ein Startelf-Einsatz für Youssoufa Moukoko die fast schon zwingenden Alternativen gewesen. Ja, der ist jung, aber er muss noch nicht mal Tore schießen, sondern einfach da sein, für Unruhe sorgen und Abwehrspieler binden.

Nicht gerade einleuchtend ist auch, warum Favre zunächst wieder auf eine Dreierkette in der Abwehr setzte. Mir hatte die Viererkette besser gefallen – auch wenn sie nach der Umstellung in der zweiten Hälfte nicht weiterhalf. Für das nächste Spiel würde ich mir wieder Zagadou von Beginn an neben Hummels wünschen, Akanji oder Morey rechts und Guerreiro links, Can eventuell im Mittelfeld.

Vor allem aber ist Favre für die allgemeine und eben sehr anfällige Spielweise des BVB verantwortlich. In der Form wie heute darf diese nicht mehr angewandt werden. Das muss der Trainer den Spielern vermitteln. Gelingt das nicht, dann braucht der Verein einen neuen. Bis Weihnachten wird Lucien Favre noch auf der Bank sitzen. Was danach passiert, hängt von den nächsten drei Ergebnissen ab. Hinsichtlich einer Vertragsverlängerung könnte mit der heutigen Partie aber schon eine Vorentscheidung gefallen sein.

Die Aufstellung: Bürki – Can (59. Reinier), Hummels, Akanji (86. Zagadou) – Morey, Bellingham (64. Schulz), Witsel, Guerreiro (86. Moukoko) – Sancho (86. Brandt), Reus, Reyna. Gelbe Karten: Can, Morey. Tor: Reyna

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