Wenn es kein Derby wäre

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 0 FC Schalke 0

Hätten sich gestern nicht Borussia Dortmund und Schalke gegenübergestanden, sondern etwa Darmstadt und Freiburg, würde man die Begegnung mit dürren Worten abhaken: Typisches Kampfspiel, wenig Torszenen, immerhin bemüht haben sie sich. Nach dem Duell eines Bayern-Jägers gegen seinen stets ambitionierten Rivalen sah es nicht aus. Da es aber doch ein, oder besser das Derby war, hielt die Spannung natürlich bis zuletzt.

Es war laut, es gab den üblichen Kindergarten auf den Tribünen und im Spiel ging es hart zu. Thomas Tuchel wie Markus Weinzierl hatten ihre Teams auf mehreren Positionen verändert. So begannen beim BVB etwa Pulisic und Dembélé auf den Außen sowie der Derby-erfahrene Kagawa. Die junge Borussia fand sehr schwer ins Spiel und wurde von Dr. Felix Brychs Zweikampfbewertung in den ersten 20 Minuten auch nicht begünstigt.

Man merkte den Blauen den Aufwind an. Vor allem gelang es ihnen zunächst, das numerische Übergewicht im Mittelfeld, bedingt durch die Dreierkette hinten, auszunutzen. Thomas Tuchels Entscheidung für potenziell schnelle, trickreiche Außen war daher absolut verständlich – doch in der ersten Hälfte funktionierte auch das nicht. Schalke wirkte zwar in der ersten halben Stunde reifer und der Ball lief bei ihnen besser, doch eine echte Chance konnten auch sie nicht verbuchen.

Dembéle trifft – die Latte

Wie auch etwa gegen Ingolstadt schien Tuchels Halbzeitansprache etwas bewirkt zu haben. Zwar scheiterte zunächst Schalkes Kolasinac am gut reagierenden Bürki – den man bei aller berechtigten Weidenfeller-Euphorie aus der Woche nicht mehr missen will. Doch vier Minuten später hatte Dembélé die bis dahin beste Chance des Spiels, als er aus kurzer Distanz zumindest mal die Latte traf.

Warum ging das 170. Revierderby am Ende doch 0:0 aus? Weil die Schwarz-Gelben zunächst zu viele Fehler beim Passspiel im Aufbau machten und später an der Chancenverwertung scheiterten. Und weil die Blauen zwar zunächst aggressiv und taktisch diszipliniert auftraten, aber selber kaum Chancen kreierten und wie so oft zuletzt später ihre Linie verloren. Hätte die Partie noch zehn Minuten länger gedauert, wären sie wahrscheinlich mit null Punkten nach Hause gefahren.

Nach dem recht tristen Derby fällt es nicht allzu schwer, den Blick nach vorne zu richten. Richtig euphorisch wird man auch dabei nicht. Die Borussia ist zwar bis heute Fünfter, ein Stotterstart lag nach dem Umbruch immer im Bereich des Möglichen. Andererseits können heute Vereine wie Hoffenheim und Hertha BSC auf vier bzw. fünf Punkte davon ziehen. Und der Aufsteiger SC Freiburg liegt punktgleich mit dem BVB auf Platz 8. Voller Respekt dafür an Christian Streich und sein Team! Aber ansonsten ist es keine Saison, die einem als Schwarz-Gelber und Fußballfan besonders viel Spaß machen muss.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Ginter, Passlack (71. Guerreiro) – Weigl – Pulisic, Kagawa (79. Schürrle), Götze, Dembélé (87. Rode) – Aubameyang. Gelbe Karten: Kagawa, Weigl, Dembélé, Sokratis.

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