Neuer Peter, neues Glück

1. Bundesliga, 16. Spieltag / FSV Mainz 05 0 BVB 2

Fußball ist ein Ergebnissport. Das war immer meine Überzeugung. Es kommt darauf an, was am Ende rauskommt, solange ein Ergebnis mit sportlich korrekten Mitteln erzielt wird. Somit war Peter Stögers Auftakt in schwarz-gelb ein voller Erfolg. Ein 2:0-Auswärtssieg bei einem Team, das gerade noch einen Punkt bei den Überfliegern aus Sachsen geholt hat: Besser geht’s nicht. Oder?

Peter Stöger ging die Aufgabe trotz der Kürze der Vorbereitung mit mehreren Veränderungen an. Die (von mir favorisierte) Viererkette kehrte zurück und mit ihr Jeremy Toljan nach rechts hinten. Der Neuzugang aus Hoffenheim bestätigte mit seiner Leistung das Vertrauen des Trainers. In der Innenverteidigung entschied sich Stöger für Erfahrung: Neben ‚Papa‘ Sokratis lief Ömer Toprak auf – und war beim Führungstreffer der Borussia beteiligt. Die besonders verunsichert wirkenden Bartra und Dahoud fehlten zunächst. Vor Weigl bekamen im Mittelfeld Kagawa und Guerreiro eine weitere Chance – vor allem Letzterer konnte sich gegenüber den letzten Partien deutlich steigern.

Ans Gewinnen gewöhnen

Die Personalien bekam der Trainer also schon mal hin. Der Spielverlauf erinnerte zunächst an die besseren Momente der vergangenen Wochen – was natürlich kein besonderes Kompliment ist (das Derby lassen wir mal außen vor). Die Schwarz-Gelben hatten mehr Ballbesitz, aber nur gelegentlich schön herausgespielte Angriffe. Es gab wieder vermehrt lange Bälle.

Problemzone blieb die Defensive. Etwas besser als zuletzt funktionierte das Gegenpressing im Mittelfeld. Einige Angriffe und Konter der Mainzer konnten die Gäste durch frühzeitige Interventionen, und seien es nur gelungene Klärungsversuche, unterbinden. Gefährlich wurde es, wenn die 05er in Strafraumnähe kamen. Die besseren Abschlüsse hatten die Gastgeber in der ersten Hälfte jedenfalls. Suat Serdar etwa traf in der 6. Minute die Latte. Hätte er ins Tor getroffen, wer weiß ob die Borussen nicht ähnliche Symptome der Verunsicherung gezeigt hätten wie unter Peter Bosz. Ganz offensichtlich mussten sie sich an die Favoritenrolle erst wieder gewöhnen.

Die Offensive war nie das Problem

Klar, man kann in Pierre-Emerick Aubameyangs Leistungen der letzten Wochen Lustlosigkeit hineininterpretieren. Man kann Christian Pulisic attestieren, dass er zuletzt seltener in Dribblings ging und wenn, dann öfter erfolglos blieb. Und natürlich darf man das Fehlen von Reus und nun auch Philipp erwähnen. Aber trotzdem: Dortmunds Offensive funktioniert. Sagen die Zahlen. Laut Kicker (Nr. 100/2017) vom Montag, also vor dem Mainz-Spiel, hat der BVB die beste Chancenverwertung der Liga und die drittmeisten Torgelegenheiten! Das ist sicher zu einem guten Teil auf die ersten sieben Spiele zurückzuführen. Aber dann kam auch noch das Derby. Es gibt also wenig Anlass, sich Sorgen ums Tore schießen zu machen.

Wer Shinji Kagawa zuletzt und bis kurz vor Ende der gestrigen Partie zugeschaut hat, könnte einen anderen Eindruck gewinnen. Doch wenn die Schwarz-Gelben sich wieder auf ihre Fähigkeiten besinnen – wie in Mainz, als die Gastgeber das Spiel öffnen mussten – dann gehen die Dinger auch wieder rein. Die Torabfolge war so gesehen folgerichtig: Es brauchte einen Standard – übrigens auch getreten von Kagawa – und die Intervention zweier Innenverteidiger, um die Führung zu erkämpfen. Der stark verbesserte Sokratis war der Glücklichere und jubelte ausgelassen. Der zweite Treffer kurz vor Schluss war dann schon wieder eine schön anzusehende Aktion der Offensive mit einem uneigennützig vorbereitenden Auba und einem endlich treffsicheren Shinji.

Alles Stöger oder was?

Was war nun Stöger-Effekt, was einfach Glück? Natürlich war der Lattentreffer der Mainzer letzteres. Aber es gab Spieler, etwa Kapitän Marcel Schmelzer, um nur einen zu nennen, die ein anderes Auftreten zeigten. Da kann man jetzt wieder fragen: Warum erst jetzt? Aber bei allem, was man an Schmelle kritisieren darf: Er war nun wirklich glaubhaft sauer über das Auftreten der Mannschaft gegen Bremen, sich wohl eingeschlossen.

Klar zu sehen war auch, dass Stöger die schwarz-gelben Jungs etwas tiefer verteidigen ließ und so schon etwas Druck von ihnen nahm. Ganz besonders von Julian Weigl, dem der Trainer auch in der Halbzeit mit einer weiteren kleinen taktischen Anpassung half. So unterlief unserem Sechser im ganzen Spiel nur ein Fehlpass.

Der Anfang ist gemacht. Natürlich nicht mehr. Wer würde das auch vor Partien gegen Hoffenheim und Bayern behaupten? Sehr zu gefallen wusste Peter Stöger aber noch im Sky-Interview nach dem Spiel: mit Geradlinigkeit, Bescheidenheit und Wiener Mundart. Passt!

Die Aufstellung: Bürki – Toljan, Sokratis, Toprak, Schmelzer – Weigl – Kagawa, Guerreiro (90. Sahin) – Yarmolenko, Aubameyang, Pulisic (70. Dahoud). Tore: Sokratis, Kagawa

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