Was den BVB 2019/20 ärgerlich macht

1. Bundesliga, 32. Spieltag / BVB 0 FSV Mainz 05 2

Es gibt Leute, und wahrscheinlich gar nicht so wenige, die meinen, Borussia Dortmund hätte in der aktuellen Spielzeit mit den zwei FCBs – Bayern wie Barcelona – mithalten müssen. Angesichts der Kräfteverhältnisse wäre das vielleicht beim Erreichen und Halten des absoluten Leistungsmaximums denkbar. Das kann man sich wünschen, aber nicht einfordern.

Mich ärgert deshalb auch nicht, dass die Schwarz-Gelben in dieser Saison Schwächephasen hatten. Mich ärgern leichtfertig weggeworfene Siege und Partien, in denen es offensichtlich auch an der Einstellung mangelte. Gestern sahen wir ein absolutes Paradebeispiel. Eine Mannschaft, die sich auf der erreichten Champions League ausruht gegen eine Mannschaft, die um den Klassenerhalt kämpft.

Mehrmals erwähnte der Sky-Kommentator den Zwischenruf von Mats Hummels, der durch das leere Westfalenstadion hallte. „Unser Pressing ist Alibi“, warf er dem Team sinngemäß vor. Und genauso sah das aus. Nicht nach Arbeitsverweigerung, wie es mancher Populist vielleicht nennen würde. Aber eben so, als ob man die geforderten Aktionen nicht mit hundertprozentiger Entschlossenheit und ebensolchem Einsatz aufs Spielfeld brachte. Das reicht dann auch nicht gegen einen Fünfzehnten, bei dem Plan und Einstellung stimmten.

Es gab kaum zwingende Torchancen des BVB, weil die Ideen gegen eine starke Abwehr fehlten, weil Hakimi oder Sancho ihre Schnelligkeit nicht ausspielten, weil Haaland keine Abschlüsse hatte. Für das Ergebnis sorgten aber auch schlampige (Fehl-)Pässe und individuell schwache Auftritte von Piszczek, Sancho, ja, nehmen wir ruhig Hazard und Haaland dazu, denn die waren kaum sichtbar. Guerreiro und Hakimi waren 2019/20 schon oft wichtig, gestern kam auch von ihnen zu wenig, obwohl Achraf wenigstens die besten Abschlüsse hatte. Eine durchschnittliche Leistung kann man allenfalls Hummels und Bürki attestieren.

Ganz unabhängig von verschenkten Punkten nerven genau solche Auftritte – weil sie am Charakter und an der Harmonie der Mannschaft zweifeln lassen. Es ist einfach unschön, wenn man so den Abstiegskampf beeinflusst. Auch wenn Mainz, Düsseldorf und Bremen sich nach 34 Spieltagen ihre Positionen verdient haben werden. Es bleibt das Gefühl, dass man aus diesem Kader noch mehr herausholen könnte. In der Hinserie war dieses Gefühl deutlicher, aber spätestens das Mainz-Spiel hat es zurückgebracht. Man muss nicht Meister werden, aber es sollte zu schaffen sein, solch blamable Auftritte zu reduzieren. Daran müssen sich Mannschaft und Trainer messen lassen. Lucien Favre hat noch zwei Chancen, seinen Einfluss auf das Team walten zu lassen. Leipzig hinter sich zu lassen wäre jetzt (wie eigentlich immer) sehr wichtig.

Die Mannschaft: Bürki – Piszczek (54. Schmelzer), Hummels, Can – Hakimi, Brandt, Witsel, Guerreiro (82. Schulz) – Sancho (77. Morey), Hazard – Haaland. Gelbe Karten: Piszczek, Hummels, Can, Guerreiro, Hakimi, Witsel.

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