Vizekusen macht Pause

1. Bundesliga, 22. Spieltag / Bayer Leverkusen 0 BVB 1

Der Auswärtssieg in Leverkusen wird noch für Gesprächsstoff sorgen, doch für Borussia Dortmund ist eigentlich nur eins interessant: Mit nunmehr 15 Punkten Vorsprung ist die Vizemeisterschaft für die Schwarz-Gelben kaum noch zu verspielen. Die Hoffnungen der Gastgeber auf ihren ehemals angestammten Titel dürften sich auch in diesem Jahr nicht erfüllen.

Spiele gegen Bayer Leverkusen waren schon häufiger umkämpft und hitzig – heute stellte da keine Ausnahme dar. Thomas Tuchel ging es mit einem recht defensiv ausgerichteten Mittelfeld an: Etwas überraschend spielte unsere Nummer 6, Sven ‚Manni‘ Bender, wieder auf der ‚6‘; Matthias Ginter etwas davor im zentralen Mittelfeld. Dafür formierte sich bei eigenem Ballbesitz hinten zeitweise nur eine Dreierkette; Erik Durm rückte dann links weit nach vorne, ähnlich wie Schmelle gegen Porto.

Gewinnst du in Leverkusen, kann das nicht ganz falsch gewesen sein. Ich bin allerdings nach wie vor kein großer Leitner-Fan. Moritz in der Startelf und Castro nicht im Kader – das würde ich von Tuchel gerne mal erklärt haben. Um fair zu sein: Leitner war engagiert, spielte den ein oder anderen guten Pass. Aber ihm fehlen Physis, Präsenz und Übersicht, die etwa Ilkay Gündogan und Nuri Sahin – wenn auch jeweils in unterschiedlichem Maße – auszeichnen. Im Mittelfeld vermisste die Borussia einen, der die Bälle erst mal festmacht und dann effektiv weiterleitet.

Schlimm war es nicht, dass der BVB in Leverkusen dort nicht die Hoheit hatte. Defensiv war der Auftritt tatsächlich stark. Der Sieg ist auch deshalb nicht unverdient, weil die Gäste insgesamt mehr klare Torchancen hatten. Reus in der zweiten Hälfte und Aubameyang kurz vor der Pause hätten es besser machen müssen. So fiel nur ein Tor, über das sich die Werkself und vor allem ihr Trainer Roger Schmidt stark erregten. Kießling hatte Bender in der Dortmunder Hälfte gefoult, Ginter den Freistoß ein paar Meter entfernt ausgeführt. Der Spielzug endete mit dem Tor durch Auba nach Hereingabe von Erik Durm. Ganz schön blöd, wenn man sich für so etwas auf die Tribüne schicken lässt. Szenen wie den verlegten Freistoß gibt es zuhauf im Spiel – wesentlicher war: Der Ball ruhte. Man darf auch darauf hinweisen, dass in anderen Szenen bei Freistoßpfiffen für Dortmund Leverkusener Spieler den Ball verschleppten oder direkt vor ihm stehen blieben.

Da Roger Schmidt aber partout mit Schiedsrichter Zwayer darüber diskutieren wollte, der aber nicht mit ihm, folgte der Verweis des Trainers auf die Tribüne. Diesem leistete Schmidt nicht Folge – es folgten 09 Minuten Spielunterbrechung. Ein Novum in der Liga. Ein Schiedsrichter kann das womöglich anders lösen, muss es aber nicht – vor allem, wenn ihm der Trainer vorher schon auf gut Deutsch auf den Sack gegangen ist.

Bis hierhin konnten sich die Gastgeber nicht wirklich beschweren. Vor der Unterbrechung hatte Dortmund einen Flow, danach kam 04 besser zurück. Die zweite umstrittene Szene folgte in der 71. Minute, als Sokratis mit ausgestrecktem Arm vom Ball getroffen wird. Ganz hundertprozentig ist aus den gezeigten Kameraeinstellungen nicht zu erkennen, ob der Innenverteidiger ihn nach der Brust auch mit dem Oberarm touchiert. Es sieht danach aus, wäre aber von der Gegenseite besser zu sehen gewesen. Anyway, es hätte Elfmeter geben können, den Leverkusen hätte verwandeln müssen. So wurde es ein glücklicher, aber eben kein unverdienter Auswärtserfolg – auch wenn Chicharito in der Nachspielzeit hätte treffen können.

Die Spannung in der Bundesliga ist ganz oben raus – dafür wird es sie im Pokal und in der Europa League noch zur Genüge geben. Womöglich schon am Donnerstag in Porto, wo sich der BVB nicht in Sicherheit wähnen darf und wird.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis (77. Subotic), Hummels, Durm – Bender (69. Weigl) – Ginter – Mkhitaryan, Leitner, Pulisic (46. Reus) – Aubameyang. Gelbe Karte: Durm. Tor: Aubameyang

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