BVB macht halben Schritt in Richtung Achtelfinale

Champions League, 4. Spieltag / BVB 1 FC Sevilla 1

Borussia Dortmund hat den vorzeitigen Einzug in die nächste Runde der Champions League, mit dem wohl viele gerechnet hatten, verpasst. Die Schwarz-Gelben haben jedoch das direkte Duell mit dem FC Sevilla gewonnen und brauchen maximal noch zwei Punkte aus den letzten beiden Partien für den Schritt ins Glück. Die andalusischen Gäste präsentierten sich im Westfalenstadion gegenüber dem Hinspiel stark verbessert, während die Borussia an altbekannten Defiziten scheiterte.

Ein paar Minuten Mats Hummels-Interview nach der Partie sind in der Regel aufschlussreicher als alle Experten-Kommentare während einer Live-Übertragung. Auch wenn sich Dortmunds redegewandter Innenverteidiger selbst ein wenig aus dem Spiel nahm, um keine Schlagzeilen für den nächsten Tag zu produzieren: Seine Analyse, dass die Gastgeber nur zwischen der 25. und 45. Minute überzeugen konnten, brachte es perfekt auf den Punkt.

Zuvor war Sevilla das bessere, ballsicherere Team gewesen. Und in einer zweiten Hälfte mit ganz wenigen Torgelegenheiten hatten die Gäste noch die beste. Insgesamt kam Sevilla laut der Fotmob App auf einen doppelt so hohen xG-Wert wie der BVB (0,75 zu 0,37), zurückzuführen auf eben jene Riesenchance von Lamela in der 67. Minute (xG: 0,36), die Rückkehrer Gregor Kobel vereiteln konnte.

Vertrauen in Rothe und Modeste

Edin Terzic hatte mit Tom Rothe und Anthony Modeste anstelle von Guerreiro und Moukoko begonnen – beides Personalentscheidungen, die man nachvollziehen kann. Rafa Guerreiro ist bekanntlich jemand, den man nur gut dosiert belasten sollte. Eine Pause für ihn schien angebracht. Dass Terzic dann dem 17-jährigen Nachwuchsmann Rothe von Anfang an vertraute, ist lobenswert. Wie soll ein junger Spieler sonst die Praxis bekommen, die er zur Weiterentwicklung benötigt? Der Versuch mit ihm ging allerdings nur begrenzt auf: Seine beachtlichen Flanken konnte Rothe gegen Sevilla nicht schlagen und hinten hatte er Probleme mit den flinken Flügelspielern der Gäste. Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass Guerreiro in der zweiten Hälfte defensiv kaum besser auftrat, nachdem Terzic getauscht hatte.

Modeste hatte sich seine Chance nicht nur durch Tor und Assist gegen Bayern verdient. Gegen die großen Innenverteidiger in Sevillas Dreierkette setzte Terzic wohl auf die passende Statur des Franzosen. Doch weder Anthony noch der für ihn in der 64. Minute eingewechselte Moukoko verzeichneten eine nennenswerte Torchance. Treibende Kräfte im Offensivspiel des BVB waren vielmehr Bellingham und Brandt. Ersterer erzielte auch das 1:1 nach Vorlage von Meunier – allerdings war Judes Schuss noch abgefälscht.

Zu häufig blieben offensive Pässe der Schwarz-Gelben jedoch hängen, wurden – wie auch von Mats Hummels bemängelt – eher in enge Zonen gespielt, als die Räume zu nutzen und den Gegner laufen zu lassen. Sevilla hatte dagegen die Schwachstellen der Borussia erkannt und spielte immer wieder über die Flügel, vor allem ihren rechten. Es war ein Grund, warum das Passspiel der Gäste gefälliger wirkte, obwohl die Borussia insgesamt etwas mehr Ballbesitz (52:48 Prozent) und eine leicht bessere Passquote (85:83 Prozent) aufwies.

Bekannte Dortmunder Schwächen

Zwei weitere Schwächen der Schwarz-Gelben setzten sich in der gestrigen Partie fort: Die Anfälligkeit bei Standards zeigte sich erneut bei Rakitics Freistoß von links, den Nianzou aus zentraler Position zum 0:1 einköpfte. Fraglich war allerdings, ob überhaupt ein freistoßwürdiges Foul vorgelegen hatte. Zu Beginn der zweiten Hälfte legte der BVB wieder die zuletzt mehrmals angesprochene Schläfrigkeit in dieser Phase an den Tag. Bei einer Szene in der 46. Minute standen kurzzeitig drei Weiße am Dortmunder Strafraum frei – ein Top-Gegner hätte diese Situation wohl besser ausgenutzt.

Alles in allem stand der Schiedsrichter, Srdjan Jovanovic aus Serbien, gestern nicht überraschend weniger im Mittelpunkt als Deniz Aytekin an Samstag. Doch er war einer von jenen zu vielen Referees, die Zeitschinden während der Nachspielzeit nicht mehr ahnden. Nach den angezeigten vier Minuten obendrauf war pünktlich Schluss. Dabei zeigte der FC Sevilla auch gegen Ende dieser Partie, dass das Zeitspiel anscheinend in die Club-DNA einprogrammiert ist. Ein wenig unverständlich angesichts der Tabellensituation, aber vielleicht hatten sie ja das Bayern-Spiel bis zum Schluss gesehen.

Für den BVB sieht die Tabelle wie gesagt gut aus – trotz verpasster vorzeitiger Qualifikation. Einen echten Doppel-Wumms haben die Schwarz-Gelben aber nicht hingekriegt. Und so relativiert sich auch das Hochgefühl vom Topspiel am Samstag wieder etwas – nicht, dass das überraschend käme. Spannend bleibt es jedoch: Am Sonntag fährt die Borussia zur Alten Försterei – ein bisher nicht sonderlich ergiebiger Jagdgrund (drei von neun möglichen Punkten in der Liga), in dem noch dazu der aktuelle Tabellenführer residiert.

Die Aufstellung: Kobel – Meunier (83. Schlotterbeck), Süle, Hummels, Rothe (46. Guerreiro) – Bellingham, Özcan – Adeyemi (71. Hazard), Brandt, Malen (71. Reyna) – Modeste (64. Moukoko). Gelbe Karte: Özcan. Tor: Bellingham

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