Vorne aufgebaut, hinten eingerissen

1. Bundesliga, 16. Spieltag / BVB 2 VfL Wolfsburg 2

Das vorletzte Ergebnis von Borussia Dortmund im Jahr 2014 lässt verschiedene Lesarten zu. Man kann sich aus der Warte des Tabellen-16. durchaus über einen Punkt gegen den Tabellenzweiten freuen, den man im Verein auch vor der Saison schon für einen ernsthaften Konkurrenten gehalten hat. Man kann aber auch sagen, dass die Schwarz-Gelben sich zu Hause gar keinen Punktverlust mehr erlauben dürften angesichts des hinter dem Horizont verschwindenden Saisonziels und des ebenfalls weit entfernten Minimalziels Europa League. Letzteres ist immerhin noch über den Pokal erreichbar.

Direkt nach der Partie gestern Abend dürften die wenigsten Variante 1 zugeneigt haben. Zweimal hatte die Borussia geführt, Ciro Immobile hatte einen Treffer erzielt, der es verdient gehabt hätte, das Siegtor zu sein. Doch Wolfsburg kam zweimal zurück, Naldo traf nach Ecke per Kopf zum 2:2. Die Art und Weise, wie die Tore fielen, war das eigentlich Ärgerliche. Zwar hätten die Gäste auch aus dem Spiel heraus das eine oder andere Mal treffen können, sie taten es aber durch einen Freistoß aus rund 18 Metern, den Mitch Langerak hätte abwehren sollen, und nach besagter Ecke, als sich ausgerechnet Riese Naldo völlig frei durch den Strafraum bewegen konnte. Jürgen Klopp rutschte im Sky-Interview nach dem Spiel heraus, dass Kehl für die Deckung hätte sorgen sollen.

Es war ohnehin nicht der Tag des ehemaligen Kapitäns, auch nicht der des wieder aufgebotenen Großkreutz – dafür der von Ciro Immobile. Der italienische Stürmer zeigte nahezu über die gesamte Spielzeit alle Qualitäten, die man von einem Mittelstürmer erwarten kann. Er bereitete mit seiner Flanke das 1:0 durch Aubameyang vor. Hier zeigte sich übrigens, dass der BVB davon profitieren kann, wenn er sein Spiel wieder breiter macht. Sein eigenes Tor, dem ein tolles Tackling des eingewechselten Oliver Kirch voranging, war ein Schuss wie ein Strahl ins linke Eck. Ciro hatte weitere Szenen, wo er den Ball gut an- und mitnahm, nur im Abschluss weniger Glück hatte. Wenn er diese Form irgendwie konservieren kann, erübrigt sich das Gemunkel der Medien über eine neue Offensivkraft ganz schnell wieder.

Bei allem Ärger über den späten Ausgleich und das Auf-der-Stelle-treten war es eine tolle Partie mit offenem Visier von beiden Teams. Also auch von Schwarz-Gelb. Wolfsburg hatte mehr Ballbesitz, es gab Phasen von Dominanz der Gäste, aber auch der Gastgeber. Gegen viele andere Bundesligamannschaften hätte die Leistung der Borussia zum Sieg gereicht. Doch die Wolfsburger sind angeführt von Kevin De Bruyne zu einem Spitzenteam geworden. Einen vergleichbaren Spieler hatte der BVB in Abwesenheit von Marco Reus nicht zu bieten. Das Passspiel auf engem Raum sah auch deswegen bei den Gästen besser aus, während die Schwarz-Gelben deutlich leidenschaftlicher wirkten.

Vorschau auf Bremen

Man kann auf diesem „Pünktchen Hoffnung“, wie der „Kicker“ es nennt, aufbauen. Aber vor allem dann, wenn nun endlich der Auswärtssieg gelingt. Wo sonst, wenn nicht bei den wackligen Bremern? Die neben Prödl mit dem gesperrten Caldirola einen weiteren Innenverteidiger ersetzen müssen. Mit drei Punkten am Samstag würde die Borussia fast sicher die Abstiegszone verlassen. Doch waren wir in dieser Saison schon zu oft Aufbaugegner, um nicht vorsichtig zu sein. Neben den bekannten Ausfällen muss Jürgen Klopp am Samstag ebenfalls auf einen gesperrten Innenverteidiger, Neven Subotic, verzichten. Für ihn wird Ginter spielen. Lukasz Piszczek sollte zumindest in den Kader zurückkehren; Fragezeichen gibt es noch bei Kehl und Bender. Fiele einer von ihnen aus, wäre Oli Kirch sicher eine interessante Option.

Die Aufstellung: Langerak – Durm, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender, Kehl – Aubameyang, Gündogan (75. Kirch), Großkreutz – Immobile. Gelbe Karte: Subotic. Tore: Aubameyang, Immobile

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