1:3 – Dortmund ärgert Didi

1. Bundesliga, 15. Spieltag / RB Leipzig 1 BVB 3

Endlich zeigen sich die Schwarz-Gelben mindestens eine Halbzeit lang in der benötigten Topspiel-Form. Zunächst agierten die Gäste jedoch zu passiv gegen spielbestimmende Leipziger. Gut war immerhin, wie man die Angriffs-Power von RB hinten wegverteidigte und kaum echte Chancen zuließ. Nach einer halben Stunde kam die Borussia dank mutigerer Taktik ins Spiel und gestaltete es ausgeglichen.

In der zweiten Hälfte startete beinahe umgehend die große bunte Offensiv-Show der Schwarz-Gelben mit Marco Reus, Erling Haaland und Jadon Sancho als Hauptattraktionen. Herrlich kombinierte Tore vor allem zum 0:1 und 0:2, provozierte Ballverluste der sonst so defensivstarken Gastgeber im Mittelfeld und eine für Dortmunder Verhältnisse unheimliche Wachheit sorgten für den nicht mehr gefährdeten Auswärtssieg.

Taktischer Kniff und eine Verletzung als Chance

Etwa eine halbe Stunde lang war der BVB gestern die zweitbeste Mannschaft im Zentralstadion. Dann reagierte Edin Terzic mit einer simplen, naheliegenden und dennoch mutigen taktischen Änderung. Er ließ das Team, insbesondere die Offensivabteilung höher rücken und die Gastgeber schon früh im Aufbau stören. So wie andere mutige Mannschaften, natürlich inklusive dem FC Bayern, gerne gegen die Borussia spielen.

Der mutigere Ansatz birgt natürlich die Gefahr, dass dich ein starkes Team wie Leipzig überspielt. In der Partie gestern hatten die Schwarz-Gelben jedoch endlich wieder das Selbstbewusstsein und die Griffigkeit, um das zu verhindern. Verbunden ist dieser Erfolg neben den offensichtlichen Namen vor allem mit einem der Eingewechselten: Emre Can musste schon nach einer halben Stunde den verletzten Axel Witsel ersetzen und ergriff seine Chance absolut überragend. Zwar war die taktische Umstellung von Terzic hauptverantwortlich für die Steigerung des gesamten Teams, aber Can war der ideale Spieler, um die daraus folgenden Implikationen im Mittelfeld umzusetzen.

Es ist Axel Witsel wirklich zu wünschen, dass er sich nur leicht verletzt hat. Gute Besserung in jedem Fall! Aber die einzige Position, deren Besetzung mir gestern wie schon seit Wochen ein Rätsel war, ist seine. Emre Can wirkt aggressiver, engagierter und taucht öfter vorne auf. Er hat deutlich mehr Präsenz als Witsel und kann ein Spiel mitgestalten. Vielleicht schätzen Lucien Favre und Edin Terzic die Ruhe von Axel Witsel. Aber in den meisten Spielen kommt die nicht als Vorzug zum Tragen.

In den 30 Minuten Einsatzzeit gestaltete der Belgier elf seiner zwölf Pässe erfolgreich; es war jedoch kein langer oder gar wichtiger Pass dabei (laut SofaScore). Witsel führte vier Zweikämpfe, zwei am Boden und zwei in der Luft, die er alle gewann. Wer das Spiel am Fernseher verfolgt hat, sah den Mittelfeldspieler aber meistens von links nach rechts und zurück laufen und den Ball an ihm vorbeiziehen. Can war deutlich mehr involviert und brachte zusammen mit Thomas Delaney die kämpferische Einstellung auf den Platz, die man braucht, um RBL empfindlich zu stören. Dass Delaney dabei auch auf unsaubere Mittel zurückgreifen musste, sei am Rande erwähnt – zu gefallen wusste sein Auftritt trotzdem.

Halbzeit zum Genießen

Wie kommt eine Hälfte wie die zweite zustande? Dass der BVB grundsätzlich zu spielerischem Glanz fähig ist, weiß man. Aber jetzt und gegen diesen Tabellenzweiten? Nicht neu ist, dass in den Topspielen die Einstellung stimmt. Mich ärgert es manchmal regelrecht, wenn ich die Schwarz-Gelben in der Champions League schnell und zielstrebig aufspielen sehe und das mit manchem Auftritt in der Liga vergleiche. Die Einstellung stimmte gestern schon von Beginn an, zumindest bei den für die Defensive entscheidenden Spielern wie Hummels, Akanji und Delaney.

In der zweiten Halbzeit war Marco Reus‘ geniale Vorbereitung des 0:1 per Hacke wohl nicht nur für ihn ein „Dosenöffner“, sondern auch für seine Partner in der Offensive. Sancho konnte sich über ein weiteres Tor freuen und Haaland war plötzlich im Spiel. Aber besonders an Reus selber war zu erkennen, wie sehr ein Spieler manchmal ein Erfolgserlebnis braucht, um weitere folgen zu lassen. Extrem gut anzugucken war die Phase nach dem Tor, als der BVB direkt nachsetzte und die Partie eine Zeit lang lässig dominierte. Eben fast wie mit dem Bayern-Gen, so dass dem Gegner sowohl lange Pässe wie auch manch kurzes Zuspiel im Mittelfeld misslangen – weil die Schwarz-Gelben sehr gut anliefen und die Räume zustellten.

Als die Mateschitzler sich wieder etwas befreien konnten, antwortete Erling Haaland mit einem starken Dribbling und in der Folge seinem Kopfball zum 0:2 – vorbereitet von Guerreiro und Sancho. Kurz zuvor hatte Edin Terzic Zagadou für den gelb-rot-gefährdeten Delaney gebracht und damit hinten auf Dreierkette bzw. Fünferkette umgestellt. Das schien für einen Moment Leipzig zu helfen, aber nach dem zweiten Tor brachte der BVB die Begegnung mehr als souverän über die Zeit. Schließlich folgte auch noch das 0:3, Haaland diesmal assistiert von Marco Reus. Der Anschlusstreffer war danach wirklich nicht mehr als ein Schönheitsfehler, auch wenn Edin Terzic ein paar Minuten zuvor noch „clean sheet – zu null“ gebrüllt hatte.

Ist der BVB jetzt wirklich wieder da? Nach einem ohne jede Abstriche starken Topspiel – da ändert auch die passivere erste halbe Stunde nichts dran. Im Verein äußern sich alle vorsichtig und gegenwartsbezogen – und das zu Recht. Ans letzte Spiel gegen Mainz – nächster Gegner am Samstag – erinnern sich alle ungern. Die 05er haben mit Bo Svensson einen neuen Trainer, allerdings dessen erstes Spiel gegen Frankfurt gleich wieder verloren. Für mich wäre es eine Überraschung, wenn nach der brustlösenden Leistung in Leipzig ausgerechnet gegen das Mainz dieser Saison wieder ein Rückschlag folgen würde.

Die Aufstellung: Bürki – Meunier, Akanji, Hummels, Guerreiro – Witsel (30. Can), Delaney (69. Zagadou) – Sancho (85. Tigges), Reus (85. Brandt), Reyna – Haaland. Gelbe Karte: Delaney, Akanji. Tore: Sancho, Haaland (2)

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