Vergesst Leipzig: Daxo ist zurück!

1.Bundesliga, 11. Spieltag / RB Leipzig 2 BVB 1

Der BVB verliert beim Fußball-Projekt mit 1:2 und hat Glück und sich bei Gregor Kobel zu bedanken, dass es nicht noch höher ausgeht. Die Stimmen, die sich nun negativ überrascht äußern, gehören wohl zu jenen Beobachtern, die entweder immer etwas zu kritisieren oder die Borussia tatsächlich für einen Meisterschaftskandidaten gehalten haben. Um nicht falsch verstanden zu werden: Das Spiel war Mist und das sollte man auch sagen. Nichts macht weniger Spaß, als gegen das Projekt zu verlieren – es ist ja schon eine Zumutung, dagegen spielen zu müssen. Ich kann nur die Überraschung nicht verstehen: Die Vorzeichen waren miserabel.

Ohne eine überzeugende Lösung auf der Linksverteidiger-Position, ohne den Super-Stürmer und mit nur einem schnell handelnden Mittelfeldspieler mussten die Schwarz-Gelben in die Partie gehen. Für Leipzig, deutlich weniger von Verletzungssorgen gebeutelt, war es die Gelegenheit, vor heimischem Publikum endgültig in die Saison zu finden und den Anschluss bis zu Platz 2 wieder herzustellen. Und so kam es, wie es vielleicht kommen musste. Marco Reus formulierte es so:

Wir haben es einfach nicht geschafft, auf Augenhöhe zu sein. In der Aggressivität, in der Spieleröffnung. Im Gesamten war das zu wenig.

Kicker.de

So bitter das ist: Wer hätte gestern den Unterschied machen sollen? Mats Hummels, Jude Bellingham und mit Abstrichen Marco Reus traut man das zu; ebenso natürlich Gregor Kobel im Tor. Zu wenige gegen ein mit technisch und gestern auch mental starken Spielern gespicktes Leipziger Team. Wo selbst ein Defensivmann wie Mukiele im Vorwärtsgang den Schwarz-Gelben arge Probleme bereitet. Julian Brandt, Axel Witsel oder Thomas Meunier sollten eigentlich gestandene Spieler sein, aber sie sind zu druckanfällig. Alle drei hatten in Leipzig auch ein paar ordentliche Szenen, zuvorderst Meunier mit seiner starken Vorlage zu Reus‘ Ausgleich. Demgegenüber standen aber Gruselpässe (Brandt in Hälfte 1), verlorene Zweikämpfe, fehlende Ideen und Handlungsschnelligkeit.

Die großen Unterschiede

Die Spielgeschwindigkeit war der eklatanteste Unterschied. Selbst in der zweiten Hälfte, als der BVB ein paar Mal Lücken in der Defensive der Gastgeber fand, ging es nicht annähernd so flüssig und zügig nach vorne wie bei den meisten Leipziger Angriffen. Hinzu kam die scheinbar eher ungeliebte, von Reus nach der Partie kritisierte Dreierkette, die nach der Pause wieder von einer Viererkette abgelöst wurde. Natürlich nutzte RB auch aus, dass Thorgan Hazard Linksverteidiger bzw. linker Flügelmann spielen musste. Als letzter Baustein der schon vor dem Spiel bekannten Misere muss leider Donyell Malen gelten. Ihn braucht man deswegen noch nicht als Fehleinkauf abstempeln, aber bisher kann er dem BVB nicht weiterhelfen, schon gar nicht als Haaland-Ersatz. Eklatant fiel gestern etwa der Vergleich mit Leipzigs Christopher Nkunku aus, einem Spieler ähnlicher Größe, der als ähnlich vielseitig einsetzbar gilt.

Lichtblicke? Das Tor, bei dem es endlich mal schnell, simpel und schön zuging. Marco Reus macht als Stürmer-Alternative derzeit am meisten her. Gregor Kobel hielt den BVB im Spiel – auch wenn sein Herauskommen das 1:0 nicht verhinderte und er später eine weitere Unsicherheit hatte, die er jedoch selber wieder gut machte. Und dann die 86. Minute: Da kam Dan-Axel „Daxo“ Zagadou für Axel Witsel ins Spiel. Der Innenverteidiger, der im Vollbesitz seiner Kräfte durchaus auch links hinten eine Alternative gewesen wäre. Ein 22-Jähriger, der große körperliche und mentale Präsenz ausstrahlt und dem in seinen rund acht Minuten Einsatzzeit defensiv alles gelang. Daxo ist nicht fehlerfrei, man hat angesichts seiner Zeit beim BVB immer Angst vor der nächsten Verletzung, aber er ist ein Versprechen. Auf mehr Stabilität in der Defensive, auf Kopfballtore, auf Lust am Fußball. Da kann man schon mal eine bittere Niederlage gegen einen „Verein“, den es gar nicht geben dürfte, verdrängen.

Und natürlich ist sportlich ohnehin nicht alles schlecht. Der BVB ist Zweiter, hat noch sechs Punkte Vorsprung auf Leipzig, ist noch in Champions League und Pokal vertreten. Die Bewertung ist immer auch eine Frage der Erwartungshaltung. Leider dürfen wir die Erwartungen wohl auch nach der Länderspielpause erstmal nicht zu hoch schrauben: Auf Erling Haaland oder Giovanni Reyna etwa muss der Verein noch länger verzichten.

Die Aufstellung: Kobel – Pongracic (46. Knauff), Akanji, Hummels – Meunier, Brandt (81. Reinier), Witsel (86. Zagadou), Bellingham, Hazard – Malen (71. Moukoko), Reus. Gelbe Karten: Bellingham, Reus, Witsel, Meunier, Moukoko. Tor: Reus

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