„Experiment“ gescheitert: no Haaland, no party!

1. Bundesliga, 6. Spieltag / Mönchengladbach 1 BVB 0

Be careful what you wish for: Nach dem letzten Spiel hatte ich geschrieben, dass ich mir als Experiment „einen Sturm aus Donyell Malen und Youssoufa Moukoko schon mal gerne anschauen“ würde – aber nicht unbedingt in der Realität. Warum wurde gestern mehr als klar.

Nicht nur hier wurde die große Abhängigkeit des BVB von Erling Haaland schon länger thematisiert. In Gladbach musste Marco Rose nun nicht nur den Über-Stürmer wegen muskulären Problemen ersetzen, sondern auch noch den ebenfalls formstarken Kapitän Marco Reus wegen einer Kapselreizung im Knie. Beide Verletzungen sollen keine längerfristigen Ausfälle nach sich ziehen. Inwiefern also der enge Terminkalender mit dem bevorstehenden Champions League-Spiel gegen Sporting Lissabon eine Rolle spielte, bleibt dahingestellt. Völlig klar ist natürlich, dass auch Erling Haaland mal eine Pause braucht.

Es blieb auf schwarz-gelber Seite aber nicht bei personellen Veränderungen: Trainer Rose passte auch das System an das der Gastgeber an und ließ mit Dreierkette spielen, gebildet von Akanji, Pongracic und Hummels. Nicht, dass diese drei es nicht alle verdient hätten, zu spielen. Aber der Mannschaft insgesamt schien diese Umstellung, die nach der Pause zurückgenommen wurde, eine zusätzliche Bürde zu sein. Wenn die Außenverteidiger Guerreiro und Meunier weit aufrückten, wirkten die drei hinten einige Male entblößt. Man hätte auch ahnen können, dass ein Mittelfeld aus Witsel, Bellingham und Dahoud und der neue Sturm aus Moukoko und Malen von Anfang an die Unterstützung eines Thorgan Hazard gebraucht hätte, der zugegebenermaßen noch nicht lange wieder fit ist.

Wenig Abschlüsse, umstrittener Platzverweis

So wie es war, tat sich der BVB über die gesamte Spielzeit, aber vor allem in Hälfte 1, schwer, gegen allenfalls durchschnittliche Gladbacher Chancen zu kreieren. Nur 0,69 Expected Goals, von acht Schüssen kam keiner aufs Tor (Gladbach 15/3) – es war keine unverdiente Niederlage, das Ergebnis wird dem Spielverlauf absolut gerecht. Schaut man sich die Statistiken unserer Stürmer an, die natürlich auf den Service ihrer Mitspieler angewiesen sind, werden die Unterschiede zu Haaland klar. Donyell Malen hatte einen Abschluss, gewann einen von fünf Zweikämpfen und verlor den Ball bei seinem einzigen Dribbling. Dafür kamen immerhin alle seiner 18 Pässe an. Youssoufa Moukoko spielte ganze vier Pässe (die alle ankamen) und hatte zwölf Ballkontakte während seiner 57 Minuten Einsatzzeit. Auch er gewann genau einen Zweikampf und war bei seinem einzigen Dribbling nicht erfolgreich.

Mit diesen harten Fakten will ich gewiss nicht den Stab über Malen und Moukoko brechen. In dieser Konstellation, bei gleich zwei schwerwiegenden Ausfällen in der Offensive, hat es nicht gereicht. Selbstverständlich kam erschwerend hinzu, dass wenige Minuten nach dem 1:0 Mahmoud Dahoud mit Gelb-Rot vom Platz musste – in erster Linie wegen seines Abwinkens gegenüber Schiedsrichter Deniz Aytekin nach einem eigenen Foul. Aytekin sieht sowas nicht gern, was er laut Sky zuvor schon Raphael Guerreiro gesagt hatte. Es sieht auch tatsächlich nicht schön und oft sogar recht aggressiv aus. Man könnte es, wenn man streng ist, als Unart bezeichnen. Doch womit Marco Rose in seinem Interview nach der Partie völlig Recht hatte: Würde das Abwinken konsequent sanktioniert, gäbe es in jedem Spiel zehn Gelb-Rote Karten. Und man darf nach der Verhältnismäßigkeit gegenüber einigen nicht mit Gelb geahndeten Aktionen der Gladbacher fragen.

Die Leistung in Unterzahl kann man den Schwarz-Gelben nicht ankreiden. Sie mühten sich bis zuletzt und es sah immerhin zielstrebiger als in den ersten 45 Minuten aus. Die Gladbacher hatten erwartbare Konter, bei denen sich Gregor Kobel einige Male auszeichnen konnte. In der Nachspielzeit köpfte Hazard von rechts aufs Gladbacher Tornetz drauf – vielleicht hätte er die Flanke mit einem anderen Körperteil im Kasten untergebracht. Zuvor hatte vor allem Marius Wolf in seinen gut zehn Minuten Einsatzzeit nochmal Schwung ins Spiel gebracht. Vom Einsatz her wäre ein Punkt drin gewesen, von der Qualität der Torgelegenheiten her – siehe oben – eher nicht. Es bleibt also als nicht überraschendes Fazit, dass sich der BVB ohne Erling Haaland deutlich schwerer tut. Man kann auf den fehlenden Reus, die Taktik und die Gelb-Rote Karte verweisen – das macht den Eindruck nicht wett, der hängen bleibt.

Die Aufstellung: Kobel – Akanji, Pongracic (46. Hazard), Hummels – Meunier (82. Wolf), Bellingham, Witsel, Dahoud, Guerreiro (82. Schulz) – Moukoko (57. Knauff), Malen (82. Reinier). Gelbe Karten: Dahoud, Pongracic, Bellingham. Gelb-Rote Karte: Dahoud.

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