Knapper Sieg der Vorbilder

1. Bundesliga, 20. Spieltag / Bayer Leverkusen 2 BVB 3

icon_spielberichtfinalLetzte Woche, vor dem Topspiel am Sonntag, führten die „RuhrNachrichten“ ein Interview mit dem Leverkusener Trainer-Duo Lewandowski / Hyypiä. Darin skizzierte der aus Dortmund stammende Lewandowski, was die beiden seit ihrem Antritt nach Dortmunder Vorbild angestoßen haben: [wir mussten] das Umschaltverhalten extrem verbessern, sowohl nach Ballverlust häufiger vorwärts zu verteidigen als auch nach Ballgewinn zielstrebiger vor das gegnerische Tor zu kommen.“ Man habe dabei Fortschritte erzielt, auch wenn der BVB noch vorne sei.

Am Sonntag war genau das zu besichtigen. Leverkusen machte vieles richtig und ähnlich wie die Borussia, zeigte sich variabel, gefährlich über die Flügel und übte vor allem in der zweiten Hälfte viel Druck auf den Meister aus. Doch es fehlte den Gastgebern möglicherweise wirklich die Routine, um die Balleroberungen so effektiv zu nutzen wie die Schwarz-Gelben – hinzu kamen Schwächen im Abschluss.

Das machte der BVB besser. Effektiv war man ohne Zweifel: aus vier Chancen (laut „Kicker“) resultierten zwei Tore, wenn man den Elfmeter nicht mitzählt. Wie Robert Lewandowski in der dritten Minute die Situation blitzschnell erfasste und einen spekulativen Pass in die Spitze schickte, den Marco Reus mit einem Lupfer über Leno zu nutzen wusste – das war einfach toll. Der Dortmunder Stürmer hätte einige Minuten später vielleicht ein zweites Mal getroffen, vielleicht aber auch nicht. Doch Leno warf sich in Roberts Beine und verursachte dadurch den ersten Elfmeter für Schwarz-Gelb. Den Kuba routiniert verwandelte – hätte er beim zweiten Versuch auf den ausgeprägten Zwischenschritt verzichtet, wäre ihm vermutlich ein Doppelpack gelungen.

Doch zurück zu Lewandowski. Der war ja auch noch am dritten Treffer ‚beteiligt‘ – als Götze von Toprak im Strafraum umgerempelt wurde und der Ball frei war, schoss der Stürmer ihn rein. Das ist seine Aufgabe, aber Lewy macht eben noch so viel mehr. Zu meinem Geburtstag Mitte Juli würde ich mich über seine Vertragsverlängerung am meisten freuen.

Das Offensiv-Spektakel, das Borussia und Leverkusen vorgestern veranstalteten, war Werbung für den Fußball. So wie er sein sollte. Während dieses Spiels fiel es wohl selbst distanzierteren Beobachtern leicht, Gedanken an Spielmanipulationen oder Doping zu verdrängen. Die gelungenen Angriffe beider Teams basierten natürlich bis zu einem gewissen Grad auf Unzulänglichkeiten in den Abwehrreihen. Wie schon vermutet hielten die Gastgeber gut aufgelegten Dortmundern nicht 90 Minuten stand.

Doch auch der BVB-Defensive waren die Änderungen anzumerken. Felipe Santana hob beim ersten Leverkusener Tor das Abseits auf und konnte nun schon zum zweiten Mal als Subotic-Ersatz nicht vollends überzeugen. Sven Bender verlor vor dem Ausgleich das entscheidende Kopfballduell. Darüber hinaus hatten die Außenverteidiger gelegentlich Probleme mit ihren Gegenspielern und auch die Pässe von hinten wurden manchmal überhastet, manchmal zu langsam gespielt. Mitch Langerak dagegen war kaum ein Vorwurf zu machen, selbst wenn er einen unnötigen Ausflug im Strafraum startete. Denn ansonsten reagierte er stark, einmal glänzend wie Weidenfeller letzte Woche.

Zu großer Kritik gibt es ohnehin absolut keinen Anlass. Der BVB hat auswärts beim Tabellenzweiten gewonnen, der bisher im eigenen Stadion ungeschlagen war. Allen sollte klar geworden sein, dass es für Überheblichkeit à la „nach Bayern und Dortmund kommt lange nichts“ nicht den geringsten Anlass gibt. Die Leverkusener haben sich als wissbegierige und lernfähige Schüler von Meister Klopp erwiesen, ohne die Schwarz-Gelben 1:1 zu kopieren. Andere Mannschaften können ebenso dazulernen. Die Borussia muss sich allerdings um ihre Ziele so lange keine Sorgen machen, wie sie ihr Potenzial auf den Platz bringt und von weiteren Verletzungen verschont bleibt. Mit diesem großartigen Erfolg ist deutlich geworden, dass sie tatsächlich noch einen Vorsprung in Sachen Routine und Qualität hat.

Die Aufstellung: Langerak – Piszczek, Santana, Hummels, Schmelzer – Bender, Gündogan (90.+3 Schieber) – Blaszczykowski (80. Großkreutz), Götze (90. Kehl), Reus – Lewandowski. Gelbe Karte: Langerak. Tore: Reus, Blaszczykowski (EM), Lewandowski

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