Von Euphorie zu Stolz

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1. Bundesliga, 29. Spieltag / Greuther Fürth 1 BVB 6

icon_spielberichtfinalDer ausgelassene Freudentaumel vom Dienstag wird nie in Vergessenheit geraten, doch die Zeit bleibt gerade im Fußball nicht stehen. So gastierte Borussia Dortmund am Samstagnachmittag schon wieder beim Tabellenletzten Greuther Fürth. Auf die Art und Weise, wie die Mannschaft diese Aufgabe erledigt hat, darf sie richtig stolz sein.

Jürgen Klopp hatte bereits mit seiner Aufstellung die Weichen gestellt, mit intelligenter Rotation statt einer kompletten Umwälzung der Offensive wie gegen Augsburg. Es wäre extrem harsch gewesen, Champions League-Held Felipe Santana aus dem Team zu nehmen – daher startete der neben Mats Hummels in der Innenverteidigung. Marcel Schmelzer bekam eine Pause zugunsten von Kevin Großkreutz. Sahin und Kehl ersetzten Reus und Bender; Ilkay Gündogan durfte sich erneut auf der ’10‘ versuchen.

Um es kurz zu machen: Alle Maßnahmen des Trainers hatten Erfolg. ‚Tele‘ hat mit Spielpraxis auch an Statur und Sicherheit in der Viererkette gewonnen. Mats Hummels erwies sich als das erwartet belebende Element im Spiel von hinten heraus und nach vorne. Kevin Großkreutz hatte die linke Seite sehr gut im Griff, wählte meistens die richtigen Laufwege und entlastete Mario Götze von allzu viel Defensivarbeit. Sahin und Kehl waren sehr präsent in der Zentrale. Gegen durchschnittliche oder in diesem Fall nicht ganz durchschnittliche Opponenten ist es fast egal, wer auf den 6er/8er-Positionen spielt – Hauptsache es sind ein Defensiver und ein Offensiver. Und mit Ilkay Gündogan hat man jemanden, der problemlos auch weiter vorne spielen kann.

Die Flexibilität der BVB-Spieler könnte auch in Zukunft eine der großen Stärken dieser Mannschaft sein. Die Leichtigkeit des gestrigen Sieges und die grandiose erste Halbzeit hatten aber auch viel mit der Verfassung und der Qualität des Gegners zu tun. Gut zehn Minuten sahen die Fürther wie Abstiegskämpfer aus, danach nur noch wie Absteiger – eher aus der zweiten als aus der ersten Liga. Nach dem 1:0 des exzellenten Mario Götze, der durch die Beine eines Abwehrspielers ins kurze Eck getroffen hatte, machte sich die Hoffnungslosigkeit der Tabellensituation auch im Spiel der Gastgeber bemerkbar. Wer gegen die Dortmunder Offensivkünstler so häufig einen Schritt zu spät kommt respektive zu weit weg vom Mann ist, bekommt eben eine Klatsche. Hinzu kamen leichte Ballverluste im Mittelfeld.

Die Borussia traf zweimal quasi im Doppelpack. Götzes Tor folgte nur drei Minuten später das 2:0 durch Gündogan, der im Fünfmeterraum nach Kubas Pass von links nur den Fuß hinhalten musste. Aus einer ähnlichen Position, allerdings mit mehr Anlauf, köpfte Kuba das 3:0 in der 29. Minute, wobei er noch von einem Fürther Fuß im Gesicht getroffen wurde. Wieder dauerte es nur wenige Minuten, ehe Gündogan zentral von der Strafraumgrenze ins rechte untere Eck schoss.

Bei den meisten Toren, nicht nur seinem eigenen, involviert: Kuba, der ein überragendes Spiel machte. Sehr gut war auch sein Landsmann Lukasz Piszczek aufgelegt, so dass auch die Flügel mal wieder mehr ins Dortmunder Angriffspiel einbezogen waren. Lukasz war im Übrigen noch Opfer eines vom Schiedsrichter-Team um Marco Fritz übersehenen absichtlichen Ellbogenchecks von Fürths Linksverteidiger Baba, der von Trainer Kramer noch vor der Pause aus der Partie genommen wurde.

Mario Götze gelang noch vor der Pause mit einem schön platzierten Schuss aus 16 Metern sein zweites Tor. Und dabei hatte er noch eine hundertprozentige Chance vergeben, als er aus nächster Nähe, wenn auch spitzem Winkel, das leere Tor verfehlte. Es ist unvermeidlich, dass es spätestens nach Saisonende jede Menge Spekulationen, Gerüchte, Artikel rund um Mario geben wird. Der ganz normale Medienwahnsinn bei einem Superstar? Wichtig ist nur, dass die wichtigen Akteure ruhig bleiben.

In der zweiten Hälfte gab es deutlich weniger für Star-Tribünengast Jose Mourinho zu sehen. Fürth wagte dann und wann etwas, der BVB pennte in zwei, drei Szenen, brachte die Partie aber trotz Gegentor souverän über die Runden. Nicht ohne Robert Lewandowski den Ausbau seines Vereinsrekords zu ermöglichen: Der Torjäger, ansonsten nicht so auffällig, traf im elften Ligaspiel in Folge. Erneut kam die Vorlage von Kuba, diesmal von rechts. Trifft Robert in den restlichen Ligapartien auch noch, hätte er den Ligarekord von Gerd Müller eingestellt – Stammplatzgarantie? Leonardo Bittencourt, der im zweiten Durchgang Mario Götze ersetzte, konnte sich diesmal weniger in Szene setzen als zuletzt. Moritz Leitner, der später für Gündogan kam, blieb anonym und kam beim Gegentreffer als einer von mehreren Schwarz-Gelben zu spät.

Alles in allem bleibt jedoch ganz viel Respekt für und Stolz auf diese Mannschaft. Wie sie es geschafft hat, das verrückteste und großartigste Comeback seit Menschengedenken nicht nur hinzukriegen, sondern auch zu verdauen, war einfach ganz stark.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Santana, Hummels, Großkreutz – Sahin, Kehl (61. Schieber) – Blaszczykowski, Gündogan (68. Leitner), Götze (46. Bittencourt) – Lewandowski. Gelbe Karte: Santana. Tore: Götze (2), Gündogan (2), Blaszczykowski, Lewandowski

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